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Tag 1: Von Staustehern und Rapsöl

Dienstag, 5. Juni

Heute soll es also dann endlich los gehen.
Und tatsächlich schaffen wir gegen 10 Uhr den Tank an der Aral Sindorf zu füllen und machen uns mit unserem Wohnmobil auf den Weg in den Urlaub.
Der Stress der letzten Wochen steckt uns noch tief in den Knochen und auch äußerlich haben wir starke Spuren und Blessuren aller Art vorzuweisen.

Wie geschlagene Kreuzritter machen wir uns auf in den Kreuzzug Urlaub.
Ab heute haben wir Spaß, koste es, was es wolle!
Die Fahrt beginnt mit einem Tankstopp bei der bereits o.g. Aral-Tankstele.
Der Diesel genehmigt sich entspannte 54 Liter und zeigt mir als Quittung eine vollständig geladene Tankuhr.
57 € sind dafür fällig.
Wenigstens ist der Diesel nicht so teuer, wie das Super für mein Bravo.
Für irgendetwas muss ja die höhere Steuer gut gewesen sein...
Nun geht es aber endlich los, gegen 10:20 Uhr befahren wir die A 4 Richtung Köln.
Am Kreuz Köln West geht es auf die A 1 und ab hier bis Hamburg immer geradeaus.

An die neue Reisegeschwindigkeit muss ich mich erst wieder gewöhnen. Wir sind zwar auf der Abholfahrt für unser Wohnmobil auch nur 90 km/h gefahren, das war allerdings etwas anderes.
Warum das so war? Ich habe keine Ahnung, vielleicht liegt es daran, dass die letzte Tour schon wieder so lange her ist und ich zwischenzeitlich viel mit dem Bravo unterwegs war, oder es liegt daran, dass die Entfernung, die wir sonst nach Solingen in knapp 30 Minuten zurücklegen nun gute 45 Minuten dauert.
Ist im Endeffekt auch egal.
Ich werde mich stark umgewöhnen müssen, Adios und Good Bye linke Spur, ab sofort ist LKW- kriechen angesagt.
Aber das gehört dazu, wenn man mit einem 23 Jahre alten Wohnmobil unterwegs ist und dieses auch nur 75 PS / 55 kw ohne Turbolader ausgestattet ist. Da kann man einfach nicht schnell mit fahren und hohe Endgeschwindigkeiten verlangen.
Macht ja auch nichts, wir sind im Urlaub.

    
     On the Road again...

Letztes Jahr sind wir mit dem Wohnmobil (allerdings ein Mietmobil mit über 100 PS) ans Nordkapp gefahren. Dort haben wir auch nicht besonders schnell fahren können. 120 km/h war allerdings drin, wenn man mal kurz im Sprint einen LKW überholen wollte.
Auch sonst muss man sich erheblich umstellen.

Wir starten wie gesagt geschmeidig mit 92 km/h laut Tacho im Windschatten eines LKW, der Kölner Ring ist recht schnell passiert, da trifft uns bei Remscheid auch schon die erste Steigung.
Wenn obgleich unser Wagen auf gerader Strecke mit etwas Vorlauf problemlos 100 und auch 110 km/h erreicht, geht es hier nun erst mal auf 80 runter. Mein Windschatten-LKW entfernt sich von mir, dafür rückt uns der nachfahrende LKW gehörig auf die Pelle.
Sicherheitsabstand null, wenn er uns wenigstens anschieben und dies nicht nur vortäuschen würde. Statt dessen zieht er nach ein paar Minuten raus.
Es ist nur zweispurig und zugleich bemerke ich eine Autotraube, die sich hinter dem LKW auf der linken Spur bildet.
Ist das ein A*** (darf man A*** im Web schreiben? So wegen Jugendschutz und so?)
Ich gebe einen kurzen Reff ins Gas und lasse den Schnulli vorbei, signalisiere ihm mit meinem Fernlicht, dass er nun gefahrvoll in meinen Sicherheitsabstand einfahren kann, was er auch sogleich tut.
Der kurze nur etwa 45 sec. andauernde Überholvorgang hat ausgereicht etwa 20 PKW auf der linken Spur auszubremsen.
Der erste fährt hupend an dem LKW vorbei. Recht hat er, hier ist ja nicht umsonst Überholverbot für LKW.

Das Bergische Land ist ein Graus für unseren Wohni, geht es bergauf, geht es für uns stets auf 80 km/h runter, fällt die Geschwindigkeit gar auf 75 km/h im 5ten Gang, hilft nur das runter schalten in den 4ten Gang.
Mit quälend aufheulendem Motor quittiert Wohni unsere Schaltaktion.
OK, das geht also auch nicht.
Zu unserem Glück passiert das, was sonst auch immer auf der A 1 passiert: Stau !
Wir stehen ein paar mal in diversen Baustellen und verschenken trotz Mittagszeit (also eigentlich asynchron zum Berufsverkehr) etwa 45-60 Minuten an die Staus.
So lässt sich das Bergische Land bis hinter Hagen sehr gut verbringen...
Die Reise selbst versüßen wir uns mit dem letzte Woche bestellten Hörbuch „Ein Mann ein Fjord“ von Hape Kerkeling. Echt eine tolle Geschichte und wenn Herr Kerkeling diese auch noch selber liest, wird die Geschichte gleich doppelt lebendig.

Gegen 13 Uhr bekommen wir Hunger, immerhin haben wir den Vormittag damit verbracht das Wohnmobil zu packen.
Wir sind noch nicht sehr geübt darin und obwohl wir der Meinung waren gestern Abend fast alles fertig zu haben, brauchten wir fürs packen heute morgen knappe 2 Stunden. Klar, dass da kein Frühstück mehr drin war.
Logisch, dass uns nun der Magen knurrt, wir steuern, obwohl wir in läppschen 3 Stunden erst knappe 200 km weit gekommen sind, einen Autohof an.
Zuerst fahren wir einem Schild folgend, nur um fest zu stellen, dass der Autohof neben der Tankstelle nur Burger King anzubieten hat.
Das brauchen wir nun wirklich nicht und daher drehen wir flugs auf dem Parkplatz und steuern wieder die Autobahn an.
Wenigstens auf der Autobahn sollte es an einem Rasthof noch Pommes mit Currywurst oder ein Schnitzel geben.
Es nähert sich auch ein Schild, als mir der Autohof- Führer einfällt, der bei der letzten Ausgabe der „Pro-Mobil“ dabei war.
Hier schauen wir rein und entdecken nur 2 Ausfahrten weiter den Autohof des Jahres 2005, Motorpark Lohne. Um 13:45 Uhr verlassen wir die Autobahn.
Hier machen wir einen Zwischenstopp und stärken uns erst mal.
Der Autohof gefällt mir gut, wir parken Wohni stilecht in nächster Reihe zu 6 gelben Porsche 911.
Auch wenn es meiner Frau nicht gefällt, ich glaube ich würde mal kurz das Wohnmobil für einen gelben Flitzer eintauschen.
Wer braucht einen Kühlschrank im Auto, wenn er mit 220 und mehr über die Bahn fegen kann?
Nützt aber alles nichts, sind nur Luftschlösser.
Nun geht es erst mal ins Restaurant.
Was mir gut gefällt ist die offene Atmosphäre hier. Für die Kinder gibt es eine Spielecke und einen Spiel- LKW aus Holz, die Toiletten sind sauber und niemand verlangt Kleingeld oder einen 50 cent für einen Sani-Gutschein von mir.

         
     Stilvoll geparkt neben geballter PS- Power

              
     Auch von innen macht der Autohof mächtig was her

Nun bestellen wir was zu essen.
Ich nehme den Spareribs Teller, Anja versucht den Fernfahrerteller (3 Sorten Fleisch mit Bratkartoffeln)
Zu trinken gibt es 1x 0,5l Cola Light für mich und 0,5l Apfelschorle für Anja.
Das Essen kommt recht schnell (Zeit ist Geld im Fernfahrergeschäft) und so können wir nach nur etwa 15 Minuten Wartezeit unseren Hunger stillen.

         
     Spareribs mit Salat                                           Fernfahrerteller (3 Sorten Fleisch mit Bratkartoffeln)

Der Fernfahrerteller ist ganz besonders zu empfehlen.
Hier nasche ich ein paar Mal und als Anja nicht mehr aufessen kann, bekomme ich Ihren Teller, sie bekommt dafür meinen Salat.
Alles schaffen wir nicht, es bleiben 2 traurige Spareribs übrig.
Zu zahlen sind 20,80 €, die ich auf 22 € aufrunde, das Essen war wirklich lecker und die Bedienung sehr nett.
Gegen viertel vor 3 sind wir mit dem verspäteten Mittagessen fertig und gehen anschließend ein wenig spazieren.

Dann kaufen wir im Shop noch Kaugummi und eine Bild-Zeitung für heute Abend zu lesen.
Gegen 3 machen wir uns wieder auf den Weg.
Unser Tagesziel Dänemark können wir uns wohl abschminken, das erreichen wir auf keinen Fall mehr heute.
Wir wollen es auf jeden Fall noch bis Schleswig / Flensburg schaffen und auf deutscher Seite übernachten.
Zumal der Diesel bei uns billiger sein dürfte und wir morgen vor dem Grenzübertritt nochmals tanken wollen.

Die Fahrt auf der A 1 geht also weiter, das flache Land entspannt die Situation für unseren Motor, wir fahren im Schnitt zwischen 90 und 100 und überholen so machen LKW.
Ein oder zwei andere Wohnmobile überholen wir auch.
Worüber ich mich sehr freue ist, dass die Wohnmobilfahrer unseren Gruß nun wieder vermehrt erwidern.
Na endlich!
Das fand ich letztes Jahr so toll, offenbar sind die Womofahrer eine große Familie.
Wir blöd schaute ich letztes Jahr aus der Wäsche, als mich gleich das erste uns entgegenkommende Wohnmobil gegrüßt hat.
Nun haben wir ein eigenes Wohnmobil und mit dem Wunsch dies der ganzen Welt mitzuteilen machen wir von unserem „Grußrecht“ recht ausgiebig Gebrauch.
Ich gebe zu, dass sich dies auf der Autobahn als recht schwierig erweist.
Zwischen uns und den potentiellen Grüßern der Gegenfahrbahn liegen mindestens 2 linke Spuren und der Mittelstreifen.
Daher klappt das mit Grüßen über die Fahrstreifen hinweg doch recht schlecht.
Aber was wir überholen wird gegrüßt.
Allerdings werden auch wir von anderen Wohnmobilen überholt.
Hierbei handelt es sich nahezu ausnahmslos um neuere moderne Fahrzeuge mit Turbodieselmotoren.
Ich wünsche mir ein wenig den Komfort und die Power unseres Mietmobils von 2006...
Aber man soll mit dem, was man hat, zufrieden sein!
Wir gehören nun zum fahrenden Volk, Zigeuner oder Könige der Landstraße, Nomaden der Autobahn.

Gegen 17 Uhr erreichen wir Hamburg, besser gesagt wir erreichen den Stau vor dem Elbtunnel in Hamburg.
Offensichtlich geht es nicht weiter, wir stellen den Motor ab und warten etwa 15 Minuten etwa 1 km entfernt vor der Einfahrt des Elbtunnels.

    
     Stau vor dem Elbtunnel

Aber auch diese Zwangspause geht sogar völlig problemlos dank Kaltgetränken aus dem Kühlschrank und Hape aus dem Radio irgendwann vorüber.

Es staut sich nochmals nach Hamburg, dann wird es aber endlich leerer und wir haben wieder freie Fahrt.
Was mir so langsam Sorgen bereitet ist die Tankanzeige.
Die Lampe ist angegangen und mahnt einen baldigen Tankstopp einzulegen.
Ich verlasse mich jedoch auf mein Gefühl und erwarte, dass die Tankuhr hier in etwa so genau schätzt, wie sie es im Bravo oder unserem Zweitwagen, dem Cinquecento, tut.
Geht da die Lampe an, habe ich etwa 80km frei, wenn ich sparsam fahre, sonst sind es etwa 50 km.
Ich übertrage das mal auf das Wohnmobil und verlangsame die Marschgeschwindigkeit auf knapp unter 90 km /h.
Bis Flensburg sind es nur noch 54 km, wir fahren eine Ausfahrt vorher ab.

    
     54km bis Flensburg und der Tank ist fast leer...

Wird schon eine Tankstelle dort geben...
So erreichen wir die Ausfahrt 3 der A 7, bis Dänemark sind es etwa noch 10 Kilometer.

Wir wollen hier einen kleinen Campingplatz ansteuern, der im Reiseführer des ACSI 2006 genannt wird.
Dieses Buch mit CD und damit mit über 8400 Campingplätzen in ganz Europa bestückt ist es für uns ein gutes Nachschlagewerk.
Wir haben das Buch kostenlos bei unserem Besuch im Obelink bekommen, nun kommt es gleich zum Einsatz.
Der Preis für den Campingplatz wird als klein eingestuft, er sollte von den Ausstattungsmerkmalen auf jeden Fall unseren Ansprüchen genügen.
Wasser und Strom und dazu das etwas sicherere Gefühl nicht auf offener Straße zu stehen.
Es mahnt unser Angstgefühl, was uns letztes Jahr in Faro auf dem Rastplatz in Dänemark passiert ist.

Wir verlassen die Autobahn und durchfahren eine Kurve, als unser kleiner Diesel plötzlich kein Gas mehr annehmen will!
Wahnsinn, unglaublich!
Da ist doch tatsächlich der Tank leer und das nur wenige Kilometer vor dem Ziel.
Auch der Tageskilometerzähler zeigt mit Hohn 592km an, nur 8 km hätten uns zu den 600 gefehlt.
Wir lassen das Fahrzeug ausrollen und kommen an einem Verzögerungsstreifen zum Stehen.
Es macht keinen Sinn hier lange den Anlasser zu orgeln.
Dadurch saugt sich der Ansaugtrakt des Diesel nur mit Luft voll, eine dreckige und schwierige Entlüftungsaktion wäre die Folge.
Hier müssen wir weg, wir stehen zwar nicht direkt in unmittelbarer Gefahr (etwa 1 Kilometer Sichtweite) aber hier ist auch nichts in der Nähe, wo man hin könnte.
Mir fällt der Liter Rapsöl ein, den ich noch zum Gag dabei hatte.
Habe meine Schwester damit schon mal überrascht, als ich das Rapsöl in den 3 / 4 vollen Tank gekippt habe und sie mit offenem Mund dabei gestanden hat.
Dies ist ein echter Vorteil des einfachen Wirbelkammerdiesels ohne Turbo.
Der fährt auch mit Rapsöl, zumindest im Sommer bei ausreichenden Temperaturen und gemischt mit mindestens 50 % Diesel.
Um hier weg zu kommen wage ich das Experiment.
Ich kippe den Liter Rapsöl in den Tank und hoffe das beste.
Wenn ich mit 12 Liter Diesel 100 Kilometer weit kommt, wie lange reicht dann ein Liter Rapsöl?
1,2 Liter sollten doch für 10 Kilometer reichen, oder?
Also 4-5 km sollten doch drin sein und so starte ich den ersten Versuch mit 100 % Rapsöl den Motor zu starten.

Erst mal tut sich nichts nur der Anlasser dreht und orgelt zuverlässig den Motor, ich befürchte schon das schlimmste und mich überkommt der Gedanke von der langwierigen Abluftaktion der Dieselanlage.
Ich ziehe am Choke und plötzlich in einer explosionsartigen Wolke erwacht der Motor zum Leben!
Etwa die Hälfte des Rapsöls dürfte nun schon aus dem Auspuff sinnlos verblasen worden sein, die Drehzahl lag mindestens bei 4000 rpm, als der Diesel zu neuem Leben zurück kehrte.
Nun schnell den Choke rein, uns umstreift der liebliche Geruch von frittieren Pommes.
Wo kommt das nur her? Ist eine Pommesschmiede in der Nähe?
Nach näherem Naseriechen wird schnell klar: „das sind wir!“
Das Rapsöl im Tank bzw. wenn es verbrannt wird, richt total lecker nach Pommesbude.
Mjam, jetzt hab ich Hunger, aber das muss warten, ganz gefühlvoll mit dem Gas umgehen lautet nun die Devise.
Der Rudolf läuft zwar etwas unrund, aber er läuft! So machen wir uns auf den Weg und fahren den 1 km nach Japlund. Hier soll auch der Campingplatz sein.
In Japlund geht uns nach etwa 1,5 km Fahrt leider wieder der Diesel aus.
An einer Kreuzung angekommen, nimmt der Diesel erneut kein Gas an.
Als ich die Kupplung trete, geht auch zugleich der Motor aus, wir rollen saft- und kraftlos eine kleine Einfahrt runter.

    
     Da war die Fahrt mangels Treibstoff erstmal zu Ende

Ochsenweg-Ost stehen wir nun auf einem Sandplatz und überlegen, was zu tun ist.
Fahrrad abspannen und zur nächsten Tanke radeln?
Kanister dort kaufen (wieder Geld ausgeben) und dann zurück radeln?
Ich entscheide mich für den Automobilclub und rufe den ADAC.
Mir ist es natürlich etwas peinlich extra deswegen jemand raus rufen zu müssen, aber es nützt ja nichts.
Ich habe keinen blassen Schimmer, wo hier eine Tanke ist und einfach so blind drauf los zu fahren, ist nicht gerade hilfreich.
Die Dame der Hotline meint, dass innerhalb der nächsten Stunde jemand bei uns wäre.
Der Fahrer würde uns kurz vorher anrufen.
Tja da stehen wir nun!
Saft- und kraftlos gestrandet nur 800 Meter (so sagt es das Schild an der Hauptstrasse) entfernt liegt der Campingplatz.
Aber da beißt die Maus keinen Faden ab, mangels raffiniertem Treibstoff kommen wir und der Campingplatz nicht zusammen.
Nach nur etwa 20 Minuten Wartezeit klingelt das Handy und der Techniker des ADAC trifft weitere 5 Minuten später bei uns ein.
Er befürchtet ebenfalls, dass die Treibstoffanlage entlüftet werden muss, dennoch kippt er erst mal die von uns so heiß ersehnten 5 Liter Diesel in den Tank.
Ich orgel kurz und schon schnurrt der Diesel wie ein Kätzchen.
Wir sind erleichtert und der Techniker ist es auch.
Muss er doch nun nicht die Dieselanlage auseinander bauen.
Nun habe ich heute was gelernt. Wenn die Lampe am Ducato leuchtet, bleiben uns maximal 30 Kilometer.
Trotz sparsamer Fahrweise war nach nur 43 km Schluss mit lustig.
Nun geht es ans zahlen.
Der Serviceeinsatz ist kostenlos, der Diesel kostet natürlich! Ist ja auch klar, sonst würde ja jeder beim ADAC tanken.
Wir zahlen für die 5 Liter 6,50 € und geben dem Techniker noch ein kleines Trinkgeld für ein Flensburger Pils, dass er sich wegen unserer Dummheit wirklich verdient hat.

Wir bitten den Techniker noch um eine Wegbeschreibung zur nächsten Tankstelle und schon sind wir wieder unterwegs.

An der Tanke lassen wir den Diesel erstmal randvoll laufen.
Wir bekommen 67 Liter Diesel. Dann rechnen wir die 5 Liter des ADAC und unseren Liter Rapsöl hinzu.
So kommen wir auf 73 Liter.
Bei einer Strecke von nun 602 km sind das etwa 12,1 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer.
Geht eigentlich.
Nun steuern wir auch den Campingplatz an.
Von der Tankstelle am anderen Ende des Ortes geht es zurück zum Campingplatz Japlund.
Wir zahlen für eine Nacht, ein Wohnmobil, 2 Personen und Strom 14,50 €.

Das geht eigentlich für einen Campingplatz, der über alle Serviceeinrichtungen verfügt.
Zugegeben gespart werden kann hier nicht.
Es zeichnet sich die erste Tendenz ab, dass man im Campingurlaub nicht wirklich sparen kann.
Erstmal die Mehrkosten für das Wohnmobil. Diese entstehen auch, wenn das Wohnmobil steht (Versicherung, Steuer), dann die teureren Fahrtkosten des höheren Verbrauchs.
Nun kommt noch die Platzmiete hinzu und als Sahnehäubchen die äußert langsame Geschwindigkeit.
Wir hätten unser Tagesziel mit dem PKW sicher erreicht. Mit dem langsamen Wohnmobil sind und waren wir gezwungen nun noch einen Zwischenstop einzulegen.

Nützt ja alles nichts, wild stehen kommt für uns nicht in Frage, dafür sind wir (noch) zu ängstlich.
Stellplatz wäre die Alternative (bieten immer mehr Gemeinden und Städte, aber auch Privatpersonen wie Bauern oder Wohnmobilverkäufer an), aber darin sind wir noch nicht erprobt. Im Wohnmobilhandbuch stehen eine Menge Stellplätze drin, aber auf Verdacht hin irgendwo hinfahren?
Dafür ist es mit 19 Uhr einfach zu spät.

Nachdem wir unseren Stellplatz G3 eingenommen haben (die Parzellen sind genau abgesteckt) machen wir uns an den Anschluss der Stromversorgung.
Was zuhause problemlos geklappt hat, erweist sich nun als kleines Problem.

Wir haben alles eingesteckt und warten nun darauf, dass die elektrische Anlage den Dienst aufnimmt.
Doch leider tut sich nichts und wir sind erstmal komplett ratlos.

Ein paar Minuten später kommt unser Nachbar zu uns und hat den Platzmeister im Schlepp.
Meine E-Anlage hat es geschafft die ganzen Sicherungen des Platzes zu killen.
Im Stromkasten muss nun umständlich die Versorgung wieder hergestellt werden.
Oh weia ist mir das peinlich.
Die erste Nacht mit dem Wohnmobil und dann gleich so was.
Nach einigem probieren kann ich den Sat-Receiver als Ursache des Übels ausmachen.
Immer, wenn ich den Strom des Sat-Receivers in den Stecker stecke, flitscht die Sicherung.
Ich gebe auf.
Ich bin fertig mit dem Wohnmobil.
Ob ich hier ein Käufer für das Vehikel finde (sorry, aber genau das geht mir in diesem Moment durch den Kopf, aber das ist bestimmt nur der Stress)?
Erhofft hatte ich mir ein Fahrzeug wie unser Mietmobil, worin die Technik ausgereift ist.
Am meisten fehlt mir nun in diesem Moment eine einfache Anzeige, ob wir Strom haben, oder nicht.
Im AutoRoller war an der Eingangstür eine Diode des Bordkontrollgerätes, die mich durch Leuchten zuverlässig über vorhandenen 220V Strom informiert hat.
Diese fehlt hier.
Was tun?
Ich schließe ein elektrisches Gerät an der Kabeltrommel an um herauszufinden, ob hier nun Strom ankommt.
Der Platzmeister bleibt noch eine Weile bei uns und lässt mich mit der Sat-Anlage probieren.
Sehr nett von ihm und so bekommt er durch mich noch etwa 10 mal die Gelegenheit die Sicherung rein und raus zu machen...

Es nützt nichts. Damit ich den Unmut der anderen Platznutzer nicht auf mich ziehen muss, erkläre ich vor versammelter Mannschaft den Sat-Receiver als defektes Gerät geortet zu haben und verspreche feierlich das Gerät nicht mehr einzustecken.
Damit ist der Friede wieder hergestellt.
Ich bleibe als armer Tropf zurück.

Zuerst setze ich mich draußen auf meinen Babyliss Pro Klappstuhl und sinniere über mein Leben.
War das eine gute Idee ein eigenes Wohnmobil zu kaufen?
Wäre nicht ein aktuelles Mietmobil wieder die bessere Wahl gewesen?
Was habe ich mir nur dabei gedacht?
Der Kühlschrank kühlt nicht richtig, der Fernsehempfang will nicht, wir haben kein Kassettenklo, der Diesel fährt nur 110 mit gut zureden, das Bett knarrzt wenn man sich rein legt, wir leben in den 80ern, haben zwei Tische, kurzum mir fallen tausend Dinge ein, die mich stören.
So sitze ich da und bin erst mal deprimiert.
Unter normalen Umständen wäre das gar nicht so schlimm.
Wenn Sie aber den ganzen Streß der letzten Wochen mitgemacht hätten, würden Sie mich besser verstehen.

Es ist meine liebe Frau, die sich mit purem Optimismus der Situation stellt.
Sie meint einfach: “Dann gibt es eben kein TV-Programm, macht auch nichts“.
Sie macht sich ans häusliche Einrichten und beginnt das Wohnmobil für uns schön zu machen.
Zunächst brauche ich noch etwas Zeit zum schmollen, dann pflichte ich ihr jedoch erst mal bei.
Was soll´s heute Abend kann ich eh nichts mehr dran ändern. 
Also lassen wir den Sat-Receiver erst mal unbenutzt und lassen den Abend ausklingen.
Zum Abendbrot gibt es für nur noch Salzstangen und einen Apfel.

Den Waschraum noch kurz besucht und dann war der Abend auch schon fast gelaufen.
Ein wenig noch im Reisebericht getippt und dann geht es ab in die Koje.
Der Ausdruck Koje trifft es eigentlich genau, der Platz hier oben ist äußerst beschränkt...

Tagesstatistik:
592 Kilometer bis zum unfreiwilligen ADAC-Tankstopp
Tageskilometer gesamt: 605km
Geld:
Vollgetankt in Kerpen 54 Liter zu 57 Euro
Mittagessen zu 20,80 € aufgerundet auf 22,- €
ADAC-Tankgeld zu insgesamt 8,- Euro
2ter Tankstop in Jarplund Wiking Tankstelle 72,90 € mit 67 Liter Diesel
Übernachtungskosten zu 14,50 €

 

 
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