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Wohnmobil- Fahrtag: Von Verona über die Alpen
wieder passieren wir den Reschenpass und den Fernpass

Donnerstag, 28. April

Verona weckt uns von der unschönen Seite.
Mit Regen!
Echt schade, dass das Ende unseres Urlaubs einen derart wässrigen Beigeschmack bekommt, aber das Wetter können wir uns leider noch immer nicht aussuchen. Und eigentlich hatten wir ja, wenn man es mal streng neutral betrachtet, bislang doch eher Glück mit dem Wetter!
Da darf es auch mal regnen, zumal uns das Grau in Grau am Himmel und die langen Bindfäden aus Wasser vom Himmel uns die Entscheidung abnehmen, ob wir heute noch mindestens einen schönen halben Tag in Verona verbringen (das Amphitheater haben wir ja noch nicht besichtigt!), oder ob wir weiter ziehen. Bei Regen in Verona? Das hatten wir gestern Abend schon, da hat auch das „ich lüg mir schönes Wetter in die Tasche“ nicht wirklich geholfen. Und heute ließe sich, bei dem Dauerregen, selbst mit Selbstbeschiss das Wetter nicht mehr leugnen. Nein, für eine Stadtbesichtigung ist es einfach zu nass. Da werden wir wohl weiterfahren.
Mal sehen, wo uns der Regen hinspülen wird, idealerweise mindestens bis nach Österreich hinein…

Gegen 10 decken wir schon den Frühstückstisch und sind beim Blick aus dem verregneten Fenster wieder mal überrascht, was wir doch für Spätaufsteher sind. Denn der Platz, der gestern Abend noch gut gefüllt war, beherbergt im Moment vielleicht gerade mal ein halbes Dutzend Wohnmobile! Der Rest ist schon weg und ausgeflogen. Oha! Aber wirklich neu ist diese Erkenntnis ja auch nicht und wenn der ein oder andere Leser schon bei unserer Einleitung (Frühstück „schon“ um 10 Uhr…) die Augenbraue hebt, dann wundert uns gar nichts mehr. :-D

        
    Frühstück in Verona! Alles möglich dank Wohnmobil! :-)            Aber der Blick nach draußen? Ohje. Es regnet lange Bindfäden...

Eine kleine Überraschung zum Frühstück hält übrigens der Einkauf vom Conad bereit!
Denn die dort günstig erstandene Margarine entpuppt sich als eine weiße Mischung aus Streichfett und sieht eher aus, wie steif geschlagene Sahne.
Ihhh!
Das nennen die hier Margarine?
OK, OK, man soll ja nur allein aufgrund der Optik nicht so voreingenommen sein. Ich probiere also die Margarinensahne, was ich besser gelassen hätte.
Geschmack? Null! Ein bisschen schmeckt es, wie Schmalz ohne Salz und Zugaben. Pures Fett.
Bäh!
Da werden wir aber heute, wenn wir es bis Österreich schaffen und dort einkaufen, auf jeden Fall neue Margarine besorgen. Tja, das sind halt die kleinen unerwarteten Überraschungen im Urlaub. Deswegen reisen wir ja, um unseren Horizont zu erweitern. Die Erfahrungen hieraus können ja nicht immer positiv sein, selbst wenn es nur um Margarine geht. OK, genug philosophiert. Packen wir stattdessen zusammen und machen, dass wir aus diesem Regengebiet fortkommen.

       
    Leckere italienische "Margarina" vom Conad- Supermarkt. Was ist das denn? Sahne? Palmin? Pures Fett ohne Geschmack! :-(

Ein kleiner Stau auf der VE hält uns in unserem Vorhaben noch auf, als wir um kurz vor 11 endlich abreisebereit sind. Lange dauert die Wartezeit allerdings nicht, wir sind Nummer 2 in der Warteschlange hinter einem französischen Wohnmobil und zum Glück muss man sagen, lassen wir ja nur das wenige seit gestern angesammelte Wasser da und nehmen kein Frischwasser auf. Das ist etwas, worüber ich froh bin, dies gestern auf dem Campingplatz getan zu haben. Wasser auffüllen! Denn die Schläuche sind hier alles andere als hygienisch und der eigene Schlauch kann aufgrund fest angezogener Schlauchstellen auf die Stutzen nicht gewechselt werden. Aber wie gesagt, wir brauchen zum Glück kein Frischwasser und beschränken uns nur auf einen kurzen Stopp, um die paar Liter im Tank abzulassen. Wir hätten darauf verzichten können, ist ja nicht viel drin. Aber wenn es heute schon in die Berge geht, zählt jedes Kilo auf der Brust unseres Wohnis. Nur wenige Minuten später hätte ich auf das Ablassen zweifelsohne verzichtet, denn  nachdem wir uns angestellt haben, kommen gleich 2 Wohnmobile neu auf den Platz.
Beide wollen natürlich auf die VE, was uns wundert.
Natürlich wundert uns nicht, dass die jetzt und hier auf die VE wollen, sondern viel mehr der Umstand, dass sie gerade auf den Stellplatz auffahren!
Sind wir denn inzwischen solche Langschläfer, dass wir erst dann abreisen, wenn die neuen Gäste bereits ankommen? Das wäre ja eine neue Kaste des Faulenzens! Um das in „Hotelurlaub“ auszudrücken schlappen wir im Bademantel zum Frühstücksbuffet, während die übrigen Gäste bereits in Abendgarderobe um die besten Tische zum Mitternachtssnack kämpfen. Oha.
Sogar Anja fragt sich, wann und wo die denn heute Morgen mit welcher Vorbereitung losgefahren sind, dass sie jetzt schon hier auf dem Stellplatz ankommen können?
Naja, drücken wir den neuen Gästen von Verona die Daumen, dass sie später am Tag noch ein regenfreies Verona genießen können. Auch, wenn es im Moment nicht wirklich danach aussieht.

Während unser Abwasser in den Ausguss läuft, gehe ich fix am Bezahlautomaten nebenan unsere Stellplatzgebühr bezahlen.
Die gestern aus dem Automat an der Einfahrt erhaltene Münze wird im Ausgabeschacht abgelegt, auf dem Display erscheint kurz darauf „10,00 Euro“, was den regulären Tarif darstellt.
Knackig für einen Stellplatz ohne Strom oder sonstige Einrichtungen, aber die gute Lage direkt am Zentrum von Verona rechtfertigt auch diesen Preis. Der Betreiber könnte ja auch 15,- € nehmen, die Leute würden trotzdem kommen. Wir hätten es auch gemacht.
Nachdem wir die Ausfahrt bezahlt haben, nehmen wir die Münze wieder aus der Ablage.
Bloß nicht die Münze vergessen nach dem Bezahlen! Diese wird nämlich für die Ausfahrt gleich benötigt!

       
    Vor der Abfahrt: Erstmal auf der VE das alte Wasser raus.          Dann zahlen und an der Ausfahrt die Münze rein.

Um 5 vor 11 rollen wir auf die gegenüberliegende Schranke des längs eingerichteten Stellplatzes und werfen unsere bezahlte Münze in den dort aufgestellten Automaten.
Die Münze bleibt drin, die Schranke öffnet sich und wir können ausfahren.
Super!
280 Kilometer zeigt unser Navi für die heutige Tagesetappe an, gegen kurz vor 3 sollen wir angeblich in Österreich kurz hinter dem Reschenpass sein. Ried wäre mal so unser grob gestecktes Tagesziel, genauer der dortige Campingplatz „Dreiländereck“. Denn dieser akzeptiert die ACSI- Campingcard für 15,- € je Nacht und ein Campingplatz mit Dusche wäre eine feine Sache. Wir haben ja keine im Wohnmobil.

Gleich nach der Ausfahrt vom Stellplatz orientieren wir uns in Richtung Autobahn, die A 22 / E 45 soll uns heute mal mautpflichtig aber dafür ein wenig schneller in Richtung Alpenrepublik bringen.
Da wir aber weder über den Brenner selbst, noch über die österreichischen Autobahnen fahren wollen und wir darüber hinaus den Reschenpass auf der Hinfahrt als unglaublich entspannend zu fahren empfunden haben, möchten wir auch auf dem Rückweg fast genau die gleiche Route nehmen.
Einzig das mautpflichtige Stück Autobahn bis Bolzano / Bozen Süd werden wir nehmen, das spart Zeit. Im Regen durch die Dörfer tingeln macht ja auch keinen Spaß.

Kaum auf dem Zubringer zur Autobahn angekommen, entdecken wir rechte Hand eine Tankstelle mit relativ günstigem Diesel.
Passt perfekt! Die Tanklampe flackert nämlich schon und große Umwege nur zum Tanken mag ich auf der Autobahn auch nicht fahren, zumal die Alternativen zum billigen Tanken neben der Autobahn besonders auf den mautpflichtigen italienischen Autobahn mit ihren mager verteilten Ausfahrten nicht gerade üppig bestückt sind.
Schnell rausgefahren und knapp 35 Liter nachgetankt. Das passt. Nur voll machen wir die Luke nicht und kippen stattdessen nur so viel nach, dass wir problemlos unser Tagesziel erreichen. In Österreich selbst wird der Diesel nämlich nochmals günstiger sein.

Unter einem regnerischen Himmel fahren wir um kurz nach 11 an die Mautstelle zur Auffahrt auf die Autobahn heran. Wir ziehen unser Ticket und sind kurz darauf auf der A 22 unterwegs und auch sogleich positiv überrascht. Denn das Fahren auf der italienischen Autobahn, das muss man bei allen Kosten sagen, ist angenehm! Überhaupt kein Vergleich zu den teilweise stark geflickten und mit Spurrillen, Aufbrüchen und Schlaglöchern versehenen Landstraßen oder mautfreien Autobahnen in Italien.
Andererseits darf man das aber auch verlangen denke ich, denn für das Geld, was ich hier heute in einer Richtung für eine Kilometerleistung fahre, kann ich in Österreich mit der Vignette gleich mehrere Tage in alle Richtungen über die Autobahn fahren.

       
    Bei Regen geht es im Norden Veronas auf die Autobahn.            Unterwegs lässt der Regen dann nach. Deutlich besser.

Nur eine Sache ist beim horrenden Preis für die Nutzung der italienischen Autobahnen leider nicht enthalten: Eine Anti- Stau- Garantie!
Und die wäre bitter nötig gewesen, denn zwischen Roverto und Trento geraten wir aufgrund einer Baustelle in einen 4km langen Stau.
OK, der Stau war zeitnah durch große Anzeigentafeln angekündigt und ein Stau selbst ist jetzt auch nichts Besonderes, sodass man zwingend darüber berichten müsste. Eher wäre es erwähnenswert, wenn eine Autobahnfahrt in Europa ohne Stau von Statten gehen würde. Viel mehr ärgert mich, dass wir den Stau hätten umfahren können, indem wir in Roverto abgefahren wären. Aber als wir die Ausweichmöglichkeit in Roverto erreichen, ist die Ausfahrspur aufgrund einer ebenfalls hier tätigen Baustelle so dermaßen verengt und verkürzt, dass wir, obwohl wir nur knapp 80 km/h fahren, mit voller Fahrt an der Ausfahrt vorbei rauschen, ja vorbei rauschen müssen, wenn wir mitten auf der Autobahn keine Vollbremsung hinlegen wollen!
Sofort habe ich natürlich alle möglichen Verschwörungstheorien parat!
Besonders wahrscheinlich: Die Ausfahrt wurde mit Absicht unbrauchbar gemacht, damit man nicht abfährt und somit ein auf zwei Euro Maut neben der Zeitersparnis für die Umfahrung spart.
So aber geraten wir natürlich volles Rohr in den Stau, was uns fast 20 Minuten zurückwirft, dem Betreiber aber egal sein kann. Hauptsache die Kasse klingelt. Naja. Kurz geärgert, weiter.

       
    Ganz ohne Stau scheint es nicht zu gehen. Naja. Kurz geärgert, danach geht es grün in grau und ohne Stau weiter Richtung Norden

Gegen 13 Uhr fahren wir in Bolzano Süd runter von der mautpflichtigen Autobahn. Das Vergnügen kostet mit Stau- Upgrade 9,50 €. Nicht schlecht! Gratis zu diesem Hammer- Preis gibt es noch ein bisschen Verkehrsabenteuer. Denn das einzige Häuschen, an dem wir mit Kreditkarte bezahlen dürfen, ist ganz rechts. Nachdem wir bezahlt haben, müssen wir nun aber ganz nach links zu unserer Ausfahrt rüber! Total blöd gemacht. Hätten wir das eher gewusst, wären wir vvon vornerein an einen der Bargeldschalter gefahren. Aber hilft ja nix. Unter kritischen Blicken unserer italienischen Mitnutzer der Autobahn taste wir uns vorsichtig aber bestimmt zur Ausfahrt Bolzano Sud rüber.

       
    So! Bozen / Bolzano sud! Wir sind wieder in Südtirol! Jetzt noch an der Ausfahrt raus und ganz nach rechts an den Schalter...

       
    ...um nach dem Bezahlen ganz nach links zu müssen. Blöd!       Danach geht es auf der mautfreien Autobahn weiter.

Ab Bolzano geht es nun in nordwestlicher Richtung auf der SS 38 weiter Richtung Reschenpass (Paso di Resia). Eine autobahnähnliche Schnellstraße, auf der wir auch nicht viel langsamer vorwärts kommen, als auf der mautpflichtigen Autobahn. Nur die Straßenqualität lässt an einigen Stellen natürlich wieder zu wünschen übrig. Aber nichts, was wir mit unseren deutschen Straßen an Kummer gewöhnt wären.
Kurzum, es könnte ein ruhiger Nachmittag werden, wäre da nicht das kleine Drama, was sich kurz darauf vor unseren Augen abspielt. Es fällt mir zugegeben schwer, das Passierte so sachlich wie möglich darzustellen. Denn was für uns nur eine Randnotiz neben der Autobahn ist, ist für diese kleine Tierfamilie nichts weniger, als der nackte Kampf um Mutterinstinkt und Überleben!

Wir tingeln also mit unseren knapp 90 da so vor uns hin, als ich plötzlich denke: „Was ist das für eine braune Tüte da links am Straßenrand?“
Besonders McDonalds Tüten haben ja öfter die Eigenschaft, sich öfter mal auf Straßen zu verirren und auf den ersten Blick hab ich eine solche vermutet.
Kurz darauf aber kommen wir näher und die Tüte entpuppt sich als Ente. Watschelt da mittig auf dem schmalen Streifen zwischen dem massiven Beton- Trenner zur Gegenfahrbahn und dem weißem Strich unserer Fahrbahn entlang. Noch während ich sie erkenne, frage ich mich, warum sie nicht davon fliegt?! Wir erkennen die grausame Tatsache nur einen Wimpernschlag später. Es ist eine Entenmama und sie hat ihre Küken dabei. 6 oder 7 sind es an der Zahl!
Mein Gott! Ich benutze unseren Vater der Menschheit selten bis gar nicht zum schnöden Ausruf. Aus Respekt vor dem Amt. Aber hier ist es angebracht!
Was um Himmels Willen macht die Ente mit ihren kleinen Küken denn mitten auf der Autobahn???
Und dann rauschen wir auch schon vorbei!  Das Ganze hat vielleicht 2, 3 Sekunden gedauert, da wird die watschige Ente schon kleiner im Spiegel.
Sofort sondieren wir die Umgebung! Aber da ist nichts, wo wir anhalten könnten, ohne uns selbst in Gefahr zu bringen!
Kein Standstreifen rechts, noch nicht einmal eine Fahrbahnverbreiterung steht uns zur Verfügung!
Es folgt unmittelbar am rechten Fahrbahnrand sofort ein engmaschiger Zaun und dann dahinter kommt sofort der Abhang. Hier können wir nirgendwo anhalten!
Ganz langsame Bremsung mit Warnblinker auf der Autobahn? Anhalten? Stau verursachen? Das Wohnmobi wäre groß genug. Vielleicht. Und dann zurücksetzen? Aussteigen und Warnweste?
Mal ehrlich, das ist eigentlich was für Profis. Und das wäre auch die Lösung! Die Feuerwehr anrufen!
Aber auf Italienisch erklären, dass gerade eine Ente mit Entenküken auf dem Mittelstreifen der Autobahn festsitzt? Wie sollen wir das erklären? Wir können ein Panini bestellen, das haben wir im VHS- Italienischkurs gelernt. „Ente mit Küken auf Autobahn“ war allerdings nicht dabei. Und vor allem geht das mit dem Erklären ja auch schlecht während der Fahrt!
Und während wir überlegen und hin und her diskutieren, nimmt die Ohnmacht überhand. Die Ohnmacht darüber, dass wir uns langsam aber stetig immer mehr vom Ort des Geschehens weiter entfernen, ohne dass wir eine Möglichkeit zum Anhalten finden würden, so sehr wir das auch gerne würden.
Mehr und mehr wird einem dann bewusst, dass wir rein gar nichts tun können, um das Schicksal der so tapferen Entenmama und ihren kleinen Küken zu beeinflussen.
Die Mutter hätte natürlich davonfliegen können, klar!
Aber das macht die tapfere Entenmutter wohl nicht, geht lieber mit ihren Entenküken in den Tod und bäumt sich sicher, trotz Verlust jeglicher Hoffnung im Angesicht eines heranrasenden Fahrzeuges, ein letztes Mal schützend vor ihren Kindern auf.
Als ob das was ändern könnte!
Um wieder die rettende Wiese auf unserem rechten Fahrbahnrand zu erreichen (links ist wie gesagt die Betonsperre undurchlässig und ohne Lücke! Ein wahrer Todesstreifen für Tiere!), müsste die Entenmama mit ihren langsam watschelnden Küken gleich über unsere zwei Fahrstreifen drüber und dann noch durch einen dichtmaschigen Zaun. Wie soll das gehen? Sie hat es versucht, ja! Denn als wir uns der kleinen Entenfamilie näherten, war die Entenmama auf dem linken Fahrstreifen etwa mittig unterwegs. Sie hat sich aber sofort wieder, als wir uns näherten, ganz nach links an die Betonsperre bewegt. Also selbst, wenn sie den Weg rüber zur Wiese suchen würde, sie schafft es zwischen den ganzen Autos ja gar nicht unbeschadet durch und wird immer wieder an die Betonmittelbegrenzung zurück gedrängt.
Was für ein grausames Schicksal. Das ist der Preis für unsere Mobilität. Eine solche Erkenntnis ist unbequem für eine Reise bzw. für einen Reisebericht im Wohnmobil. Aber sie ist da. Und beschäftigt uns noch Stunden über den Tag und am Abend. Während ich über den schlechten Fahrbahnzustand schimpfe, löscht ein nachfolgendes Fahrzeug möglicherweise das Leben einer Entenmama und ihrer Küken aus. Grausame Welt.

Es bleibt allein die Hoffnung!
Immer mal wieder liest man ja in unseren Zeitungen, dass Autobahnen gerade für Tierfamilien, die sich auf die Fahrbahn verirren, von der Polizei gesperrt werden. Oft sind Entenfamilien dabei.
Man kann nur Gott bitten, dass er auch hier aktiv geworden ist. Ein nachfolgender Fahrer früher und besonnener als wir reagieren kann, Hilfe holt und die Entenmama mit ihren Küken sicher über die Fahrbahn geleitet wird. Wir werden es wohl nie erfahren.

Nachtrag im Sommer 2015: Als ich den Reisetag für unseren Reisebericht aufbereitet habe, habe ich ein wenig bei google nachgeforscht. In verschiedensten Kombinationen habe ich mit den Suchbegriffen „Aprile“, „2011“, „Anatra“, „pollo“ und „SS38“ versucht herauszufinden, ob es vielleicht eine regionale Zeitungsmeldung hierzu gegeben haben könnte. Leider habe ich nur einige Rezepte für Entenbrust und Hinweise zu Restaurantempfehlungen gefunden. Makabre Wahrheiten Teil 2…

Es kostet etwas Überwindung das Erlebte wieder auszublenden, um sich wieder auf den Weg zu konzentrieren. Zuerst mag ich gar nichts mehr sehen. Einfach nur fahren und den Tag hinter uns lassen. Trotzdem muss es ja irgendwie weitergehen. Anja ergreift die Initiative und bereitet sich darauf vor, die Schönheiten der Dörfchen des Vinschgaus und Südtirols gleich auf Digitalchip zu bannen, kaum dass die Schnellstraße einspurig wird. Von der Anreise wissen wir ja noch, wie unerwartet schön die kleinen Apfel- und Schinkendörfchen Tirols ausschauen, obwohl der Verkehr mit seinen LKW hier durchdonnert!
Diesen Gegensatz hätten wir gerne im Bild festgehalten und Anja gibt sich auch alle Mühe, dies zu tun.

       
    Ein paar Impressionen von der Route von Bozen auf der SS 38/ SS 40 zum Reschenpass durch Südtirol.

       
    Trotz des Verkehrs sind die kleinen Dörfchen recht beschaulich und die Ausblicke in die Berge toll. Schöne Route! :-)

       
    Nur wohnen möchte ich hier nicht. Immer der Verkehr.       Hier im Schatten der Burg wird der Weg enger. Geht nur mit Ampel

Ich selbst habe hingegen etwas mehr mit dem äußeren Umständen zu kämpfen, was mich auch ablenkt. Denn anders als bei der Hinfahrt ist heute DEUTLICH mehr los und der Verkehr verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Zum einen schön anzusehen, die kleinen Dörfchen. Zum anderen bedingt dies aber auch einen gewissen Querverkehr – und aufgrund der Menge an Fahrzeugen, wo auch mal ein langsamer südtiroler Apfelbauer mit seinem noch langsameren Puch Traktor anno 1922 auch mal dazu gehört. Da liegen bei so manchem italienischen Heissblut im Sportwagen die Nerven auch mal blank. Kommt dann noch ein Trödel- Wohnmobil dazu, wird uns hier und da auch mal die Vorfahrt genommen. Will ja keiner hinter uns hertuckern, während wir hinter dem Traktor hertuckern und nicht überholen können. Klar.
Auch ist die Anfahrt zum Reschenpass vielleicht bilde ich mir dies aber nur aufgrund der erschwerten Verkehrsverhältnisse ein, etwas schwieriger, hier auf der italienischen Seite etwas müßiger.
Zumindest muss ich öfter mal schalten, um besonders hinter Schluderns / Sludero die Rampe zum Pass hinauf zu kommen. Nicht so, dass wir zum Verkehrshindernis werden, das nicht. Aber durch den übrigen Verkehr genötigt den Motor in Bereichen zu fahren, die ich auf freier Strecke nicht fahren würde. Es ist vereinfacht zusammengefasst heute anstrengender, als auf der Hinreise.
Fährt dann noch, wie aktuell, eine Swimming- Pool- Lieferung vor uns her (was muss der Kerl sich auch JETZT einen Pool liefern lassen?), dann wird es einfach nur nervig. Dran vorbei kommst du nicht, der hinter dir drängelt aber zum Überholen, die Kurven wollen angebremst und ausgefahren werden, kurzum, es ist anstrengend.

       
    Es geht inzwischen deutlich höher hinaus und Schilder kündigen die Pässe an. Es geht in die Alpen. Aber alles einfach zu fahren.

       
    Man könnte sogar fast die Aussicht genießen, wenn...                ...wenn nicht jetzt jemand einen Pool spazieren fahren würde. :-/

Auf dem Reschenpass auf 1455m Höhe angekommen machen wir erstmal eine kleine Pause. Fast unmittelbar vor dem Staatsschild zu Österreich (ich liebe Europa und seine freien Grenzen!) machen wir eine Rast, trinken eine Kleinigkeit, gehen mal auf die Toilette und schnappen uns einen Snack aus der Bordküche. Das tut gut. Das rollende Schwimmbad hätte ich, da sind wir mal ehrlich, sowieso nicht überholen können. Dennoch hat es mich gefuchst! Da hatte meine Frau schon den richtigen Riecher, als sie mir mit einem Stück Fleisch aus dem Kühlschrank vor der Nase herumgewunken hat. Und ich? Hab wie der Esel mit der Möhre an der Angel gleich angebissen. Also es versucht. Und schon stehen wir auf dem kleinen Rastplatz und machen eine Pause. Tja, die Ur-Instinkte bei Männern eben. ;-)

      
    An der Grenze, auf der Passhöhe. Pause auf 1.455m.                 Danach gleiten wir ganz entspannt nach Österreich hinein.

Ein paar Minuten dauert die Pause nur, dann hat sich der Verkehr auf wundersame Weise aufgelöst. Fahrt frei nach Österreich! So ist´s scho Recht! ;-)
Die Talfahrt vom Reschenpass, sofern man überhaupt davon sprechen kann, ist wieder ganz easy.
Stünde nicht auf dem Schild, dass wir eben noch auf einem Pass waren, wir würden hier allenfalls eine Art Höhenstraße vermuten. Wie seinerzeit bei unserer Wohnmobiltour durch den Schwarzwald.
Kaum Kurven, keine wirklichen Höhenunterschiede, wir gleiten quasi nach Österreich hinein! Wirklich eine der einfachsten Alpenquerungen, seit wir diese mit dem Wohnmobil durchstreifen.

       
    Auf österreichischer Seite geht es den Reschenpass wieder runter. Ganz entspannt übrigens. Mal ne Kurve, ja, aber sonst sehr einfach.

Kaum in Österreich angekommen, grübeln wir kurz ob wir nochmals über die Grenze fahren sollen!
Denn wir entdecken knapp 15km, nachdem wir nach Österreich reingefahren sind, einen Abzweig nach Samnaun. Jenem schweizerirschen Steuerparadies, welches für günstige Uhren, Edelmetalle, Schmuck, Pelze und andere Luxusgüter bekannt sein soll. Wir haben mal einen Fernsehbericht hierüber gesehen, dass Touristen mit Quartier in Österreich mit dem Skilift nach Samnaun fahren, dort günstig Luxusartikel einkaufen und dann mit den Ski wieder hinab ins österreichische Tal fahren. Dort warteten dann die Zöllner und haben die Taschen kontrolliert. Da wurde das vermeintliche Schnäppchen im Nachgang zu einem teuren Vergnügen. Gerne würden wir uns dies auch mal anschauen. Ein paar Pelze und Uhren anprobieren, quasi einmal am Jet-Set nippen und dann wieder in unser 1984er Wohnmobil steigen. Das hätte was. Ja und günstig tanken vielleicht noch! Dann wäre der Kurzausflug perfekt. Spontan entscheiden wir uns, hier auf der B 180 kurz vor Pfunds, links abzubiegen und genau das zu tun!

       
    Kurzer Ausflug nach Samnaun? Ins Zollparadies? Joah. Warum nicht?   Aber die Strecke dorthin scheint recht anspruchsvoll...!

Schon nach wenigen Metern auf der recht engen Zufahrtsstraße aber halten wir in einer Ausweichbucht an. Die Strecke hat es in sich! Sie ist steil, recht schmal und vom Bodenbelag her auch nicht sehr einladend. Vielleicht liegt es daran, dass in Samnaun eben keine bzw. kaum Steuern erhoben werden. Dann ist für den Straßenbau eben nichts da. Und aus der EU dürften auch keine Gelder zu erwarten sein, denn dafür ist der Luxusruf vom Samnaun offenbar zu vorauseilend, dass die EU- Bürokraten in Brüssel wahrscheinlich gleich müde abwinken, kaum dass einer mal die Idee auf die EU- Tapete bringt.
Ob nun so oder so, ich mag ungern ausprobieren, wie sich die weitere Wegstrecke noch darstellt. Und ich bin auch gar nicht so sicher, ob es sich hier wirklich um die offizielle Zufahrt nach Samnaun handelt. Vielleicht wird die Strecke noch zu einem alten Trampelpfad, auf dem bereits Hannibal einst die Alpen querte und dann in Samnaun günstig einkaufen ging. Jedenfalls teile ich Anja meine Skepsis mit und berücksichtige dabei auch, dass wir ja auch schon stramm auf die 16 Uhr zumarschieren und mit Fahren plus Bummeln das Tagesziel auf jeden Fall kaum vor Einbruch der Dunkelheit erreicht wird. Prinzipiell ist das zwar kein Problem, wir haben ja Licht am Wohnmobil, aber vor einer geschlossenen Campingplatzschranke mag ich auch ungern stehen.
Kurzum, die Gründe gegen Samnaun schlagen, wenn auch knapp, die Gründe für den Abstecher. Wir drehen hier in gekonnten 36 Zügen auf der schmalen Straße um und rollen zurück zur Kreuzung an der Kajetansbrücke in der Nähe des Campingplatzes Via Claudiasee, wo wir wieder links auf die B 180 in Richtung Imst abbiegen.

Als wir gegen kurz vor 5 auf Pfunds zusteuern, fällt mir spontan unser Frühstück ein! Und die Tatsache, dass wir noch immer dieses ekelige Palmin Bratfett, in Italien Margarine genannt, im Kühlschrank spazieren fahren. Das geht natürlich gar nicht. Sogleich stoppen wir am Spar- Markt an der Ortseinfahrt und gehen erstmal ordentlich einkaufen. Das hat bei uns fast schon Tradition! Knabbernossi (gibt es in Deutschland leider nicht), Kaminwurzen, Heurige Wurst, Kümmelbrot, aber auch Getränke in Dosen ohne Pfand finden recht schnell den Weg in den Einkaufswagen. So viel Zeit muss einfach sein, wer weiß, wann wir sonst am Tagesziel ankommen werden und dann vielleicht die Geschäfte schon geschlossen sind.
Und überhaupt ist Zeit für eine Brotzeit! Lecker Fleischkäsesemmel! Mjam!

       
    Wieder in Österreich? Erstmal einkaufen fahren! :-)          Wir lieben es durch den Spar zu stöbern und Leckereien zu erstehen

       
    Der Wagen füllt sich allmählich mit allerlei Köstlichkeiten.           Nun muss das alles nur noch verstaut werden. :-o

Auch getankt wird wenig später, hier machen wir die Luke dann auch wieder randvoll. Knapp 64 Liter gehen rein, da haben wir mit unserem Tankkonzept nur nach Bedarf für die jeweilige Etappe zu tanken wieder mal richtig gelegen und was gespart. Knapp 10 cent pro Liter ist der Sprit hier in Österreich günstiger, als auf der Sonnenseite der Alpen in Italien.

Mit gut gefüllten Vorratsschränken, gefüllten Mägen und einem vollen Tank geht es weiter. Etwas träge bin ich ja schon. Fresskoma halt. Und weil unsere Pilotensitze im Wohnmobil gerade so unglaublich bequem sind, bleiben wir einfach sitzen. Dies übrigens auch, als wir gegen halb 5 am Campingplatz Dreiländereck vorbei fahren. Ja, richtig gelesen. Ein bisschen ärgere ich mich, dass wir in Samnaun nicht angehalten haben, denn das wäre zeitig locker dringewesen! Nun aber ist es wie gesagt gerade mal halb 5 und es läuft im Moment. Also treffen wir die Entscheidung, auf der Route noch ein bisschen weiter zu fahren, idealerweise auch den Fernpaß heute noch mitzunehmen. Österreich im Schnellverfahren sozusagen. Für diese Entscheidung spricht, dass wir von einem möglichen Übernachtungsplatz in Bayern am letzten Tag unserer Reise in einem Rutsch nach Hause durchfahren könnten. Auf der Anreise haben wir das mit Kerpen – Füssen ja auch geschafft. In diese Region wäre gut, vielleicht ja auch wieder auf den Stellplatz in Füssen!
Dann aber fällt uns die Sache mit der Dusche ein. Die hatten wir ja schon heute früh nicht, sodass eigentlich ein richtiger Campingplatz her muss. Idealerweise ein Platz, wo wir unsere Markise auf einer schönen Wiese ausrollen können und ein bisschen vor dem Wohnmobil sitzen, nachdem wir am Tage selbst z.B. eine tolle Fahrradtour durch das Allgäu gemacht haben. Dann schön nochmals den Grill aufbauen und den Sonnenuntergang über den Berggipfeln genießen, das wäre was!
Machbar, wenn wir heute durchfahren bis Bayern, denn dann hätten wir den einen hierfür benötigen Tag quasi rausgefahren.
Gesagt, getan, Dreiländereck lassen wir liegen, Anja tüftelt derweil an einem möglichen Ziel und durchforstet unsere Campingführer - „Camping Waldesruh!“ höre ich plötzlich aus dem Passagierbereich hinter mir. Anja hat offenbar was gefunden.
Aber „Waldesruh“? Das klingt so wie „Möwenkieker, Sportfeld, Seetanne, Liebeslaube“. So typisch 70er Jahre mäßig. Mit Platzruhe von 1 bis 3, einem Platzwart im Feinripp- Unterhemd, einem Stromkasten, der unter feierlicher Ablesung des Stromzählers auf- und zugeschlossen wird, illustren Gartenzwergen am Jägerzaun und Vorzelte, die aus Massivholz gebaut sind und stabiler wirken, als so manche ungarische Dacia am Plattensee. Campingspießertum in Reinkultur halt. Das meinte ich eigentlich nicht!
Aber Anja überzeugt mich mit der Lage am Alpenrand und dem günstigen Preis. Und für 2 Nächte wird es wohl gehen! Wir setzen also Kurs auf Wertach, das wären von hier noch etwas mehr als 100km. Das passt, obgleich ich bei „Waldesruh“ skeptisch bleibe. Immerhin klingt Waldesruh auch nach „19 Uhr – Einschluss!“. Naja. Wir werden es sehen.

       
    Mit einer anständigen Brotzeit gleich doppelt schön! Die Ausblicke in die österreichischen Berge um uns herum. :-)

Die weitere Fahrt sorgt noch einmal für etwas angespannte Nerven. Nicht nur, weil die Uhrzeit dann doch weiter voranschreitet, sondern weil es nur noch zäh weiter geht! Gerade am Fernpass hat sich ein Stau gebildet, der uns nun doch einiges an Zeit kostet. Die Ursache ist nicht eindeutig zu erkennen, wahrscheinlich trottet da einfach nur irgend so ein Dödel in seinem untermotorisierten Wohnmobil die Rampen rauf ;-)
Wir sind es jedenfalls nicht! Zwar ist hinter uns Stau, ja, aber vor uns auch. Daran kann es also nicht liegen.

       
    Wir erreichen den Fernpass. Oder das Dörfchen "Fernpass". Wie man es nimmt. 1210 Höhenmeter, von denen man nix merkt.

Mühsam überqueren wir den Fernpass, danach geht alles ganz schnell. Die B 179 führt nun nur noch relativ gerade und ohne weitere zeitraubende Ortsdurchfahrten durch das Vorland der Alpen. Es folgt ein Tunnel (Grenztunnel Füssen) und kurz darauf sind wir wieder in Deutschland, genauer auf der A 7 Richtung Füssen. Und hier werden wir gleich „freundlich begrüßt!“ Es regnet, es schüttet, es gewittert! Offenbar hat sich eine Wolke vor dem Berg, den wir eben durchtunnelt haben, festgefahren und ist hierüber nun zornig. Damit sie über den Berg drüber hüpfen kann, lässt sie ihren kalten, nassen Ballast nun ausgerechnet auf uns herab. Das ist aber gar nicht nett! Hoffentlich ist das nur ein lokales Problem! Denn weder Strom anstecken noch Markise ausrollen macht bei Regenwetter Spass.
Naja. Schauen wir mal.

       
    Nach dem Berg: Deutschland empfängt uns mit Regenwetter!     Dieses bleibt uns auch wenig später auf der Landstraße erhalten.

Kaum auf der A 7, fahren wir auch gleich wieder ab und schlagen uns nun auf der B 310 Richtung Nesselwang durch. Die Strecke ist nämlich als direkte Strecke zum Ziel etwas kürzer und macht keinen Bogen, wie die A7.
Um 18:29 Uhr erreichen wir endlich den Campingplatz Waldesruh. Und, oh Glück, die Schranke ist noch auf! Da können wir noch unterschlüpfen und so "shice", wie der Name klingt, sieht der Platz auf den ersten Blick gar nicht aus.
Einzig ein kleiner Hinweis an der Einfahrt stoppt jäh unseren Tatendrang. Mit einem rustikalen Holzschild wird nämlich ein „Belegt“ angezeigt. So, wie man es von Ferienwohnungen und Apartments in Ferienregionen kennt. Nur, dass wir hier von einem Campingplatz sprechen!
Da sind wir erstmal baff! Das ein Platz belegt ist, ist uns erst ein einziges Mal passiert! Das war auf der Fahrt an den Gardasee. Nach unserer Ankunft am späten Abend teilte man uns mit, dass der Platz leider aufgrund eines Motorradclubtreffens der Harley- Davidson- Fahrer Europa derzeit komplett belegt sei. Da waren wir platt! Wir bekamen aber ein Empfehlungsschreiben, mit der wir uns alternativ zum ACSI- Campingcardtarif auf dem Campingplatz „Bella Italia“ einquartieren durften. Damals nahm der Platz die Karte noch nicht. Im Endeffekt fanden wir dann so einen weit besseren Platz, als wir eigentlich ansteuern wollten. Hier aber dürfte die Sache eher anders aussehen.
Ja, Herrschaft! Mit laufendem Motor stehen wir gegenüber an der Einfahrt und überlegen unschlüssig, ob wir wenigstens kurz nachfragen gehen sollen, ob für uns nicht doch noch ein Platz frei ist. Mit Pech aber endet die Geschichte dann damit, dass man uns für eine Übernachtung auf dem Parkplatz ohne alles, dafür für´s vielleicht gleiche Geld abnimmt, was wir für eine schöne Parzelle bezahlt hätten. Und überhaupt ist schlafen auf dem Parkplatz ohne alles nicht das, was wir uns von 1,2 Ausruhtagen im Allgäu vorgestellt haben!
Anja hat die Lösung schnell zur Hand. Ein Stück weiter die A 7 rauf gibt es hinter Kempten im Dörfchen Altusried einen Wohnmobilstellplatz, der nur 5 Euro die Nacht kostet und direkt an einem Schwimmbad liegt. Und da es sowieso regnet und weiter gewittert, fahren wir einfach noch ein kleines Stückchen weiter!

       
    Die Schranke zwar oben, aber das Schild eindeutig. BELEGT!      OK, fahren wir halt weiter durch den Regen. Nützt ja nichts.


Gegen kurz nach 7 geht es also wieder auf die Autobahn bis Dietmannsried, wo wir etwa eine halbe Stunde später wieder von der Autobahn abfahren. Dank Navi, aber auch dank der Beschilderung finden wir den Stellplatz recht schnell in einer Senke neben dem Freibad, die zugehörige Stadt Altusried liegt den Hang hinauf quasi über uns.
Wir parken flugs ein und steigen aus. Und spontan gefällt es uns richtig gut!
Vielleicht liegt es an der Einsamkeit hier. Wahrscheinlich aber liegt es einfach an dieser ganz besonderen Luft, die sich nach einem Gewitter dem heutigen auf den regennassen Allgäuer Wiesen mit seinem grünen Gras, den Blumen und den Kräutern bildet. Dieses frische, gewaschene, da kann man nicht anders, als einmal komplett durchatmen!
Hier gefällt es uns, hier wird unser herzhaftes österreichisches Kümmelbrot mit Fleischwurst schmecken, hier können wir einen gleich hier angrenzenden Feldweg für einen tollen Spaziergang durch die Natur nutzen. Es wäre perfekt, wenn das Freibad nicht geschlossen wäre! Denn das hätten wir für die Dusche gebraucht! Mist!
Na gut, für eine Alternative ist es für den Moment sowieso zu spät. Vielleicht finden wir morgen was Besseres, das schauen wir dann mal.

       
    So, Ankunft! Toll gemacht! Die Luft ist klar und bergisch, das Panorama aus dem Alkoven wirklich sehenswert

       
    Ferner bietet der Wohnmobilstellplatz von Altusried eine kleine V/E- Station und eine Stromsäule mit 6 Anschlüssen

       
    Eine Info- Tafel klärt über alles Wissenswerte rundherum auf.    Das Areal ist nicht parzelliert und recht großzügig bemessen.

Für den Moment steht eine andere Aufgabe an, die noch wichtiger ist. Denn wir müssen uns anmelden und die Parkgebühr bezahlen. Leider steht hierfür kein Automat zur Verfügung, wir müssen dafür ins Freibad. Das hat um diese Uhrzeit natürlich schon geschlossen. Aber es gibt Alternativen: So kann man sich auch im Kultur- und Verkehrsamt lösen. Lustiger Witz!
Die arbeiten dort sicherlich zu noch büroüblicheren Zeiten, als es die Damen und Herren des Schwimmbads tun. ;-)
Es gibt aber eine dritte Alternative. Wenn das Freibad geschlossen ist und das Kultur- und Verkehrsamt auch nicht verfügbar ist, soll man seinen Parkschein im Gasthof Bären (neben dem Kultur- und Verkehrsamt) lösen. Und an diesem Gasthof sind wir vorhin vorbei gefahren. Weit ist das Gasthaus nicht. Vielleicht ein paar Hundert Meter. Aber: Es liegt quasi in der Oberstadt! Wir sind nicht nur unten in der Senke, sondern gefühlt mehr im Tal und der Gasthof ist auf dem Matterhorn. Puh! Ist das anstrengend dort hinauf zu kommen! Anja winkt gleich ab, als ich sie über mein abendliches Wanderziel aufkläre. Kurz hatte ich ja überlegt das Fahrrad für den Aufstieg zu nehmen. Würde schneller gehen, auch wenn ich bergauf wahrscheinlich nur im ersten Gang fahren, oder das Fahrrad sogar schieben müsste. Das würde ich aber gar nicht abschrecken. Das Wetter macht mir mehr Sorgen! Immer wieder fängt es an zu tropfen, in der Ferne grollt und brummt ein Gewitter bedrohlich. Fahre ich nun mit dem Rad, könnte es bergauf mit Rad und einem Schirm in der Hand echt kompliziert werden! Also belasse ich das Fahrrad auf dem Heckträger und spaziere stattdessen den Berg hinauf. Die frische Abendluft tut dabei richtig gut und fast bereue ich es, dass der Weg ins Städtchen so überschaubar ist.

       
    Im Abendrot spaziere ich ins Dörfchen zum bezahlen.                Der "Gasthof zum Bären". Sieht ja urig und gemütlich aus.

10 Minuten brauche ich, dann stehe ich vor dem Gasthof zum Bären. Ein rustikales, aber liebevoll erhaltenes Haus. So richtig urbayerisch und einladend! Ich bereue es, dass ich Anja nicht mitgeschleift habe. Und selbst, wenn ich sie dabei hätte schieben müssen, es hätte sich gelohnt! Die Speisekarte ist zwar übersichtlich, aber ganz ehrlich: Wir wären auf jeden Fall fündig geworden! Kurz überlege ich, ob ich neben der Parkgebühr auch ein nettes Abendessen bestellen soll. So für mich ganz allein. Wäre ja auch die gerechte Belohnung dafür, dass ich den Weg durch den Regen ganz alleine auf mich genommen habe! Aber da wir ja noch das frische Brot in Österreich gekauft haben, sollten wir das auch heute Abend essen.
Und so besorge ich nur das Parkticket erstmal für eine Nacht und genieße dann auf dem Rückweg nochmals die frische Allgäuer Luft. Zum Glück brauche ich den Schirm nicht, obwohl es weiterhin in der Ferne grollt und donnert.

Zurück am Wohnmobil schneiden wir feierlich das Brot an und lauschen dann mit einer leckeren Abendbrotstulle im Mund dem Gewitterkonzert auf unserem Dach. Kurz prasselt es auf uns hernieder, dann aber, so gegen 22 Uhr, hört der letzte Regen auf.
Und dann strömt durch die geöffnete Dachluke dieses einzigartige frische Klima nach einem Regenschauer, vermischt mit dem Aroma der Allgäuer Felder um uns herum.
Herrlich!
Ich glaub, da werden wir richtig gut schlafen!

Zitat des Tages (ich beim Frühstück, ich habe gerade die weiße italienische Margarine aufgemacht):
„Das soll hier Margarine sein? Da kann ich ja gleich Palmin aufs Brot streichen!“

  Mit dem Wohnmobil nach Verona
hier geht es zurück zum Vortag
  Wohnmobilstellplatz in Altusried
Ausruhtag in Bayern

Auch die Rückfahrt von Italien und Verona durch die Alpen via Reschenpass (Paso di Resia) und Fernpass war mit unserem 75PS Wohnmobil erstaunlich einfach! Hätten wir, wenn man das Wort "Pass" bedenkt, so jedenfalls nicht erwartet! Im Gegenteil! Von "Pass" im Sinne von hoch kaum was zu sehen, kaum Kurven und das ganze noch mautfrei? Ideal! Wie waren eure Erfahrungen und kennt ihr vielleicht weitere einfache Wege wie diesen nach Italien?
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