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Land in Sicht!!
Wieder zuhause...

Ich habe lange wach gelegen, gegen Mitternacht sind unsere Nachbarn ins Bett gegangen, ich konnte jeden Schritt, jeden Huster, jeden Bettenknarzer hören.
Die Eigenschwingung des Schiffes und das leichte Brummen des Motors sollte mich eigentlich in den Schlaf wiegen, aber so richtig geklappt hat das nicht.

Eine nette Durchsage weist uns um Punkt 7 Uhr darauf hin, dass nun Frühstück serviert wird.
Nennt sich offiziell „allgemeiner Weckruf“ und dient meines Erachtens nur dazu die Leute nochmals daran zu erinnern, dass sie nur das teure Essen von DFDS auf dem Schiff bekommen können oder sonst vielleicht elendig verhungern müssen …
Aber so kurz vor dem Anlegen können wir auch noch widerstehen.
Wäre es ein Weckruf, würde auch 8 Uhr reichen und die Leute könnten noch ein wenig länger schlafen, aber dann würden die Geweckten ja keine Zeit mehr haben ein kostenpflichtiges Frühstück einzunehmen, das wäre wiederum schlecht für den Schiffsbetreiber. Also lieber etwas früher wecken...
Nach der netten Bitte durch den zimmereigenen Lautsprecher doch das Frühstück einzunehmen verstummt die Quäckebox.
Anja steht kurz nach dem Weckruf auf und geht als erstes duschen, ich bleibe noch etwa 30 Minuten im Bett liegen.

    
     Der nächste Morgen: Blick aus dem Fenster

Da wir campingerprobt sind, haben wir mit den Duschen keine Probleme. Die Dusche ist sehr warm, angenehm und erfrischend. Entgegen unserer Befürchtung das ganze Badezimmer durch den kleinen Duschvorhang unter Wasser zu setzen erweisen sich als unbegründet.
Überhaupt macht unser Badezimmer einen sehr sauberen, gepflegten und vor allem durchdachten Eindruck.
Das kostenlose Duschgel ist das Sahnehäubchen unseres heutigen Duschvergnügens.

Danach räumen wir unsere nächtlichen Sachen zusammen, damit wir nachher sofort durchstarten können.
Durch unser kleines Fenster können wir in Richtung Bug erkennen, dass die Sonne gerade durch die Wolken bricht, was muss das nun für ein toller Ausblick am vorderen Aussichtpunkt sein?
Ich überrede Anja noch vor dem "Frühstück" mit mir eine kleine Runde nach vorne zu gehen, um den Sonnenaufgang auf hoher See zu genießen. Sie ist in Ermangelung eines authentischen Frühstücks natürlich bereit erstmal ein wenig frische Luft mit mir zu schnappen. Aber was trinken in Form eines Multivitamin-Trinkpäckchens nehmen wir mit.

Anja pflichtet mir bei, der offene Aussichtspunkt und die darüber liegende weterfeste Kommandobrücke ist bestens geeigent, um nachher die Hafeneinfahrt von Ijmuiden mitzuverfolgen.
Wie es zu erwarten war, haben sich bis jetzt kaum Leute nach hier vorn verirrt. So ganz anders, als es gestern bei der Ausfahrt aus Newcastle war. Wir haben das Deck fast für uns allein.

     
     Blick in den Sonnenaufgang


              
    Auf der Observation Lounge gibts es eine Gratis-Einweisung in Schiffsnautik (Aktuell fahren wir demnach 16,9 kn)...

Also liebe „King-of-Scandinavia“- Fahrer, vom Heck aus einfach immer nur geradeaus an den Kabinen vorbei auf Deck 8 nach ganz vorne durchgehen.
Dort gibt es eine offene Aussichtsplattform und darüber auch eine geschlossene Aussichtsplattform mit ein wenig Navispielerei für den Hobbynautiker und interaktiver Seekarte auf einem Computer.
Dazu die coolen Kinosessel, wo wir später sitzend die Hafeneinfahrt miterleben können.

Ein Bild von der interaktiven Seekarte habe ich vorsichtshalber nicht gemacht, weil es eventuell Probleme mit dem Urheber des Kartenmaterials geben könnte, man weiß ja nie...)

Wer sich selbst einen Einblick in das Schiff machen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle folgenden offiziellen Link von DFDS, dort gibt es einen Schiffsplan der King of Scandinavia: (es gilt der Haftungsausschluss / Disclaimer für externe Links, den Sie unter Kontakt nachlesen können): Schiffsplan

Zurück in unserer Kabine wollen wir nun die letzten Vorräte vertilgen und speisen das denkbar schlechteste Frühstück der Reise: Ein paar Keksreste mit Cola. Anja kann sich immerhin mit ihrem kleinen mitgebrachten Wasserkochen einen Kaffee aus der Tüte machen. Sie braucht das, sonst wird sie nicht richtig wach.

    
     Anja kocht sich ihren Frühstückskaffee

Damit wir nachher die Hafeneinfahrt in ihrer vollen Länge miterleben können und nicht erst kurz vor Schluss die Taschen packen müssen, machen wir uns jetzt daran alles einzupacken, die fertig gepackten Taschen und Tüten legen wir abreisebereit auf das Sofa.
Wenn nachher die Aufforderung kommt zum Fahrzeug zu gehen, dann können wir die ja noch immer abholen.

Aber so können wir nun bis zum letzten Moment ganz vorn dabei sein und die Jungs sogar beim Anlegen beobachten.
Wir suchen uns einen tollen Platz mittig in der ersten Sesselreihe.
Wenn wir plan unterwegs sind, dann werden wir in etwa 50 Minuten anlegen.
Der Ausblick von hier vorne ist wirklich viel besser, als vom offenen Deck des Hecks.
Ich will nicht wissen, wie viele Menschen jetzt am Heck stehen und nur einen spärlichen Einblick auf den sich nähernden Hafen bekommen und darüber hinaus im Abgasrauch des Motors stehen.

Wir können sogar miterleben, wie ein Mitarbeiter von DFDS pünktlich zur Hafeneinfahrt die dänische Flagge ganz vorn am Flaggenmast setzt und danach eine kleine Schiffsglocke läutet.
Ob das wohl so eine Art Ritual ist? Ich meine bei der heutigen Technik dürfte es wohl kaum mehr erforderlich sein, dass das Schiff die offizielle Landesbeflaggung fährt. Mal davon abgesehen fährt das Schiff doch täglich ein und aus, da sollte das doch mittlerweile bekannt sein...
Wie ich gestern schon meinte, ich glaube Seefahrer trauern der Zeit hinterher, als Kapitäne noch die Helden der Meere waren und man ferne Kontinente nur mit dem Schiff erreichen konnte.

         
     In der Ferne schon schemenhaft zu erkennen: Ijmuiden             Pünktlich zur Einfahrt wird die Flagge gehisst

Für die Einfahrt in den Hafen reiht sich unser Schiff in eine Gruppe von einfahrenden Schiffen ein, allein 3 kann ich im Abstand von jeweils etwa 800-1000 Meter ausmachen.
Dann fahren wir ins Hafenbecken, die Motoren werden spürbar gedrosselt.

Im Hafenbecken bin ich zunächst etwas verwundert, denn das Schiff fährt doch tatsächlich am Anlegekai von DFDS vorbei.
Was soll denn das?
Dann stoppt das Schiff, ich habe große Bedenken, dass wir nun rückwärts an den Kai fahren und alle Autos rückwärts raus fahren müssen.
Das kann doch nicht sein.
Wäre doch bestimmt auch ein totales Chaos, wenn alle Autos und vor allem die LKW rückwärts raus fahren müssen.
Aber dann dreht das Schiff im Hafenbecken und fährt vorwärts an den Kai, puh, Glück gehabt.

         
     Dann folgt die Hafeneinfahrt: Ahoi Landratten!                          Blick ins Hafenbecken von Ijmuiden

         
     Hurra, richtige Gäste am Anlegekai von DFDS!! (Winkewinke)     gleich werden wir anlegen

Kurz bevor das Schiff dreht ertönt der Gong und alle Passagiere werden zu ihren Fahrzeugen gebeten, die Zugangstüren zum Autodeck seien nun wieder geöffnet.
Wir warten noch einen Moment, bis der Hauptansturm auf die Treppenhäuser ausgesetzt hat.
Wenn wir wirklich als erste stehen, dann kommt sowieso keiner an uns vorbei, zumal davon abgesehen wir ja nur noch unser Zeug holen müssen und dann direkt zum Womo können.

Pünktlich um kurz vor 9 legt die King of Scandinavia dann am Kai an, ein Rumpler geht durchs Schiff, wir erreichen just in diesem Moment das Wohnmobil.

Die Reihe Fahrzeuge, in der wir ganz vorne stehen, ist übrigens bunt gemischt.
Das bedeutet, dass zum Schluss der Ladetätigkeiten nur noch hintereinander ohne Sortierung in die Fähre gefahren wurde. Dies wohl exakt so, wie die Fahrzeuge eingetrudelt sind.
Da steht LKW an PKW, Womo an PKW und LKW. Alles durcheinander.

         
     Wir stehen noch immer ganz vorne und knutschen Bagger         Die Reihe hinter uns ist bunt gemischt


Sollte es sich nachher wirklich bewahrheiten, dass wir als erste aus dem Schiff können, dann wäre es ja ganz schöner Schwachsinn grundsätzlich als erster auf die Fähre zu fahren.
Denn die ersten stehen ein Deck höher, können folglich erst dann vom Schiff herunter fahren, wenn das untere Deck (das wo wir stehen und was als letztes geladen wurde) komplett leer und entladen ist.
Das finde ich gelinde ausgedrückt eine ziemlich unfair.
Da ist man pünktlich und beschleunigt die Abläufe und darf zur Belohnung erst als letzter das Schiff verlassen. Toll…
Aber mal abwarten, noch ist ja nichts passiert, noch gehen die Tore ja nicht auf und wir wissen noch nicht, wer als erstes raus fahren darf.

Unser Womo scheint die letzte Nacht unbeschadet überstanden zu haben, es steht noch genauso da, wie wir es abgestellt haben.
Wir steigen ein und nehmen auf den Sitzen Platz.
Ich bin hoch motiviert, freue mich nun auf die letzten 300km nach Hause, auf unsere Katzen und was wir so alles an Post bekommen haben.
Die Melancholie von vorgestern und gestern ist wie weggeblasen.
ich will jetzt nur noch raus und schnalle mich schon mal an.

Anja verstaut grad noch hinten ein paar Dinge, die wir letzte Nacht mitgenommen hatten, dann geht es auch schon los…

Wir können es kaum glauben!
Die Klappe öffnet sich und das erste, was wir sehen, ist doch tatsächlich der Ausfahrkai auf genau unserer Höhe!
Wir stehen mal abgesehen von den Baggern wirklich ganz vorne.

Da hat mein Deckoffizier gestern Recht behalten, wir werden das Schiff nun als erste verlassen.

Sofort stürmen ein paar Handlanger herbei und entfernen die Vertäuung der Bagger, dann setzen sich diese auch schon in Richtung Kai in Bewegung.
Auf der anderen Seite (also links von der Mitteltrennwand) laufen bereits die Motoren, die LKW dort drängeln nach vorn hinter die Bagger.
Aber keine Chance, unsere Position ist so gut, dass sie an mir nicht vorbei kommen, ich starte ebenfalls den Motor, die Tanklampe geht mit an.
Ach ja, da war noch was, wir müssen ja auch noch tanken…
Aber der Tank hat gehalten, wir mussten nicht mehr nachtanken in GB und können nun den günstigen niederländischen Diesel in den Tank kippen, bestens.

          
     Dann öffnen sich die Klappen...                                                 und der Bagger kann als erstes ausfahren, danach kommen wir

Kaum hat der zweite Bagger die Rampe verlassen winkt mir einer der Warnjackenjungs und fordert mich auf das Deck zu verlassen.
Wir rollen vom Deck und sind nach den Baggern tatsächlich die ersten, die die Fähre verlassen. So etwas passiert doch nur einmal in tausend Jahren.
Anderen passiert das gar nicht oder niemals, obwohl diese ständig mit den Fähren fahren.
So sehr das vielleicht für einen Außenstehenden nicht zu verstehen ist, ich freue mich riesig darüber!

Nachdem wir aus der Fähre raus gefahren sind, geht es erstmal ein Stück durch das Hafengebiet und zur Einreisekontrolle.
Doch hier werden nur kurz unsere Pässe überprüft, dann dürfen wir auch schon weiter fahren.

Erfreut bin ich auch darüber, dass es nun wieder auf der für mich richtigen Straßenseite weiter geht, wir fahren nämlich wieder rechts.
Das tut gut und funktioniert instinktiv ohne größere Umstellungsprobleme.
Als ob das Gehirn die „Linksfahrinformationen“ letzte Nacht aus dem RAM- Speicher gelöscht hätte…

         
    Raus aus dem Schiff (Als Erster !!) und kurz durch den Hafen     Danke Schiffchen, haste fein gemacht                            (k)

         
     Ist das schön wieder zuhause zu sein! Warum?                         Weil Rechtsverkehr!!!


Wir sind gerade erst ein paar Meter gefahren, da kommt auch gleich eine Tankstelle.
Man sollte ja eigentlich nicht gleich die erste nehmen, aber die hier ist günstig und Hunger haben wir obendrein, also halten wir hier an.

Zuerst wird getankt (mehr wie 60 Liter, schön voll gemacht) und dann schauen wir uns im Tankshop nach ein paar Köstlichkeiten um.
Die Ausbeute ist mager, aber der Hunger treibt es rein...
Für mich gibt es einen Yoghurtdrink, ein Käse- und ein Frikadellenbrötchen, Anja nimmt ein Thunfischsandwich und ein gesundes Baguette mit Salat, dazu einen Kaffee.

So kehren wir voll bepackt zum Wohnmobil zurück.
Dann geht es ab auf die Autobahn in Richtung Utrecht.
Die Fahrt hier auf der niederländischen Autobahn ist zunächst etwas ruppig, der Verkehr ist voller und vor allem schneller, als wir es die letzten Tage gewöhnt waren.
Ein oder zwei mal werden wir von einem LKW überholt.

Dann aber findet man recht schnell zu seinem alten Rhythmus zurück und rumpelt über die Autobahn. Ich bin der Meinung, dass die Autobahnen hier (und bei uns in D) bestimmt 10 oder 20 cm, breiter sind, als die Fahrspuren in England.
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich nun wieder auf der richtigen Seite fahre.
Egal…

Kurz hinter Amsterdam erwischt uns dann sogar ein Ärgernis, was wir schon fast vergessen hatten, dass es sie gibt:
Ein waschechter Stau :-(

         
     Stau bei Amsterdam :-(                                                          Dauert aber zum Glück nicht sehr lang


Aber auch das geht vorbei und so erreichen wir gegen 12:15 Uhr die Stadt Venlo an der Deutsch-Niederländischen Grenze.
Hier sind wir schon oft hingefahren, um einzukaufen und Diesel zu fassen, ist ja nur 60 Kilometer von uns entfernt.
Quasi schon fast ein Heimspiel...

In Venlo selber will ich unseren Tank nochmals mit günstigem niederländischem Diesel so richtig schön voll machen, wir fahren daher in Venlo ab und parken am Einkaufszentrum „tref“, weil wir hier neben der Tankstelle auch noch eben einkaufen können, was wir für zuhause brauchen. Die Schränke sind ja leer...

         
     Einkaufsstop in Venlo                                                             und den Tank voll machen nicht vergessen...

Nach dem Einkaufen geht es dann heimwärts, es folgt nun das letzte Stückchen auf der A 61. Traditionsgemäß würde ich an dieser Stelle hupen, aber da die Hupe in unserem Wohnmobil nicht funktioniert, gedenke ich der Grenzquerung kurz im Geiste.
Dann geht es auf der fast leeren A 61 heim, Mönchengladbach, Jackerath und Bedburg fliegen vorbei, nichts besonders, nach einer so langen Tour.
Und gegen 14 Uhr, sind wir wieder zuhause.

War das ein toller aber auch anstrengender Urlaub.

         
     Wir sind wieder da, die letzte Ausfahrt                                     Hmm, zuhause hat sich gar nichts verändert...

Dem interessierten Leser (und auch der Leserin ;-) möchten Anja und ich an dieser Stelle für die Aufmerksamkeit danken.
Wer unser Reisetagebuch schön gefunden hat oder auch wem es nicht gefallen hat, der sei gern gebeten ein paar Worte in unserem Gästebuch zu hinterlassen oder auch eine persönliche email zu schreiben.
Ich würde mich wirklich sehr über ein Feedback von jedem Leser freuen.

Ach ja, ganz zu Ende ist die Geschichte dann doch noch nicht, wer sich dafür interessiert, was zum Beispiel aus der Handygeschichte geworden ist, warum wir uns geärgert haben, dass wir die Pfund mit nach Deutschland genommen haben und ob ich jemals wieder eine Jacke gebraucht habe, der kann sich noch unser Reisefazit anschauen.

Und alle Infos zu Kosten, Kilometer, Pfund und Co. sowie die Route mit ner kleinen Karte findet sich übrigens in der Statistik für Schottland.

Zitat des Tages (bei der ersten Re- Berührung mit dem Rechtsverkehr in Ijmuiden): Endlich normale Leute!

KM- Stand bei Abfahrt: 178.386
KM- Stand bei Ankunft: 178.681
gefahrene Kilometer: 295

 

 

Ich habe lange wach gelegen, gegen Mitternacht sind unsere Nachbarn ins Bett gegangen, ich konnte jeden Schritt, jeden Huster, jeden Bettenknarzer hören.
Die Eigenschwingung des Schiffes und das leichte Brummen des Motors sollte mich eigentlich in den Schlaf wiegen, aber so richtig geklappt hat das nicht.

Eine nette Durchsage weist uns um Punkt 7 Uhr darauf hin, dass nun Frühstück serviert wird.
Nennt sich offiziell „allgemeiner Weckruf“ und dient meines Erachtens nur dazu die Leute nochmals daran zu erinnern, dass sie nur das teure Essen von DFDS auf dem Schiff bekommen können oder sonst vielleicht elendig verhungern müssen …
Aber so kurz vor dem Anlegen können wir auch noch widerstehen.
Wäre es ein Weckruf, würde auch 8 Uhr reichen und die Leute könnten noch ein wenig länger schlafen, aber dann würden die Geweckten ja keine Zeit mehr haben ein kostenpflichtiges Frühstück einzunehmen, das wäre wiederum schlecht für den Schiffsbetreiber. Also lieber etwas früher wecken...
Nach der netten Bitte durch den zimmereigenen Lautsprecher doch das Frühstück einzunehmen verstummt die Quäckebox.
Anja steht kurz nach dem Weckruf auf und geht als erstes duschen, ich bleibe noch etwa 30 Minuten im Bett liegen.

    
     Der nächste Morgen: Blick aus dem Fenster

Da wir campingerprobt sind, haben wir mit den Duschen keine Probleme. Die Dusche ist sehr warm, angenehm und erfrischend. Entgegen unserer Befürchtung das ganze Badezimmer durch den kleinen Duschvorhang unter Wasser zu setzen erweisen sich als unbegründet.
Überhaupt macht unser Badezimmer einen sehr sauberen, gepflegten und vor allem durchdachten Eindruck.
Das kostenlose Duschgel ist das Sahnehäubchen unseres heutigen Duschvergnügens.

Danach räumen wir unsere nächtlichen Sachen zusammen, damit wir nachher sofort durchstarten können.
Durch unser kleines Fenster können wir in Richtung Bug erkennen, dass die Sonne gerade durch die Wolken bricht, was muss das nun für ein toller Ausblick am vorderen Aussichtpunkt sein?
Ich überrede Anja noch vor dem "Frühstück" mit mir eine kleine Runde nach vorne zu gehen, um den Sonnenaufgang auf hoher See zu genießen. Sie ist in Ermangelung eines authentischen Frühstücks natürlich bereit erstmal ein wenig frische Luft mit mir zu schnappen. Aber was trinken in Form eines Multivitamin-Trinkpäckchens nehmen wir mit.

Anja pflichtet mir bei, der offene Aussichtspunkt und die darüber liegende weterfeste Kommandobrücke ist bestens geeigent, um nachher die Hafeneinfahrt von Ijmuiden mitzuverfolgen.
Wie es zu erwarten war, haben sich bis jetzt kaum Leute nach hier vorn verirrt. So ganz anders, als es gestern bei der Ausfahrt aus Newcastle war. Wir haben das Deck fast für uns allein.

     
     Blick in den Sonnenaufgang


              
    Auf der Observation Lounge gibts es eine Gratis-Einweisung in Schiffsnautik (Aktuell fahren wir demnach 16,9 kn)...

Also liebe „King-of-Scandinavia“- Fahrer, vom Heck aus einfach immer nur geradeaus an den Kabinen vorbei auf Deck 8 nach ganz vorne durchgehen.
Dort gibt es eine offene Aussichtsplattform und darüber auch eine geschlossene Aussichtsplattform mit ein wenig Navispielerei für den Hobbynautiker und interaktiver Seekarte auf einem Computer.
Dazu die coolen Kinosessel, wo wir später sitzend die Hafeneinfahrt miterleben können.

Ein Bild von der interaktiven Seekarte habe ich vorsichtshalber nicht gemacht, weil es eventuell Probleme mit dem Urheber des Kartenmaterials geben könnte, man weiß ja nie...)

Wer sich selbst einen Einblick in das Schiff machen möchte, dem empfehle ich an dieser Stelle folgenden offiziellen Link von DFDS, dort gibt es einen Schiffsplan der King of Scandinavia: (es gilt der Haftungsausschluss / Disclaimer für externe Links, den Sie unter Kontakt nachlesen können): Schiffsplan

Zurück in unserer Kabine wollen wir nun die letzten Vorräte vertilgen und speisen das denkbar schlechteste Frühstück der Reise: Ein paar Keksreste mit Cola. Anja kann sich immerhin mit ihrem kleinen mitgebrachten Wasserkochen einen Kaffee aus der Tüte machen. Sie braucht das, sonst wird sie nicht richtig wach.

    
     Anja kocht sich ihren Frühstückskaffee

Damit wir nachher die Hafeneinfahrt in ihrer vollen Länge miterleben können und nicht erst kurz vor Schluss die Taschen packen müssen, machen wir uns jetzt daran alles einzupacken, die fertig gepackten Taschen und Tüten legen wir abreisebereit auf das Sofa.
Wenn nachher die Aufforderung kommt zum Fahrzeug zu gehen, dann können wir die ja noch immer abholen.

Aber so können wir nun bis zum letzten Moment ganz vorn dabei sein und die Jungs sogar beim Anlegen beobachten.
Wir suchen uns einen tollen Platz mittig in der ersten Sesselreihe.
Wenn wir plan unterwegs sind, dann werden wir in etwa 50 Minuten anlegen.
Der Ausblick von hier vorne ist wirklich viel besser, als vom offenen Deck des Hecks.
Ich will nicht wissen, wie viele Menschen jetzt am Heck stehen und nur einen spärlichen Einblick auf den sich nähernden Hafen bekommen und darüber hinaus im Abgasrauch des Motors stehen.

Wir können sogar miterleben, wie ein Mitarbeiter von DFDS pünktlich zur Hafeneinfahrt die dänische Flagge ganz vorn am Flaggenmast setzt und danach eine kleine Schiffsglocke läutet.
Ob das wohl so eine Art Ritual ist? Ich meine bei der heutigen Technik dürfte es wohl kaum mehr erforderlich sein, dass das Schiff die offizielle Landesbeflaggung fährt. Mal davon abgesehen fährt das Schiff doch täglich ein und aus, da sollte das doch mittlerweile bekannt sein...
Wie ich gestern schon meinte, ich glaube Seefahrer trauern der Zeit hinterher, als Kapitäne noch die Helden der Meere waren und man ferne Kontinente nur mit dem Schiff erreichen konnte.

         
     In der Ferne schon schemenhaft zu erkennen: Ijmuiden             Pünktlich zur Einfahrt wird die Flagge gehisst

Für die Einfahrt in den Hafen reiht sich unser Schiff in eine Gruppe von einfahrenden Schiffen ein, allein 3 kann ich im Abstand von jeweils etwa 800-1000 Meter ausmachen.
Dann fahren wir ins Hafenbecken, die Motoren werden spürbar gedrosselt.

Im Hafenbecken bin ich zunächst etwas verwundert, denn das Schiff fährt doch tatsächlich am Anlegekai von DFDS vorbei.
Was soll denn das?
Dann stoppt das Schiff, ich habe große Bedenken, dass wir nun rückwärts an den Kai fahren und alle Autos rückwärts raus fahren müssen.
Das kann doch nicht sein.
Wäre doch bestimmt auch ein totales Chaos, wenn alle Autos und vor allem die LKW rückwärts raus fahren müssen.
Aber dann dreht das Schiff im Hafenbecken und fährt vorwärts an den Kai, puh, Glück gehabt.

         
     Dann folgt die Hafeneinfahrt: Ahoi Landratten!                          Blick ins Hafenbecken von Ijmuiden

         
     Hurra, richtige Gäste am Anlegekai von DFDS!! (Winkewinke)     gleich werden wir anlegen

Kurz bevor das Schiff dreht ertönt der Gong und alle Passagiere werden zu ihren Fahrzeugen gebeten, die Zugangstüren zum Autodeck seien nun wieder geöffnet.
Wir warten noch einen Moment, bis der Hauptansturm auf die Treppenhäuser ausgesetzt hat.
Wenn wir wirklich als erste stehen, dann kommt sowieso keiner an uns vorbei, zumal davon abgesehen wir ja nur noch unser Zeug holen müssen und dann direkt zum Womo können.

Pünktlich um kurz vor 9 legt die King of Scandinavia dann am Kai an, ein Rumpler geht durchs Schiff, wir erreichen just in diesem Moment das Wohnmobil.

Die Reihe Fahrzeuge, in der wir ganz vorne stehen, ist übrigens bunt gemischt.
Das bedeutet, dass zum Schluss der Ladetätigkeiten nur noch hintereinander ohne Sortierung in die Fähre gefahren wurde. Dies wohl exakt so, wie die Fahrzeuge eingetrudelt sind.
Da steht LKW an PKW, Womo an PKW und LKW. Alles durcheinander.

         
     Wir stehen noch immer ganz vorne und knutschen Bagger         Die Reihe hinter uns ist bunt gemischt


Sollte es sich nachher wirklich bewahrheiten, dass wir als erste aus dem Schiff können, dann wäre es ja ganz schöner Schwachsinn grundsätzlich als erster auf die Fähre zu fahren.
Denn die ersten stehen ein Deck höher, können folglich erst dann vom Schiff herunter fahren, wenn das untere Deck (das wo wir stehen und was als letztes geladen wurde) komplett leer und entladen ist.
Das finde ich gelinde ausgedrückt eine ziemlich unfair.
Da ist man pünktlich und beschleunigt die Abläufe und darf zur Belohnung erst als letzter das Schiff verlassen. Toll…
Aber mal abwarten, noch ist ja nichts passiert, noch gehen die Tore ja nicht auf und wir wissen noch nicht, wer als erstes raus fahren darf.

Unser Womo scheint die letzte Nacht unbeschadet überstanden zu haben, es steht noch genauso da, wie wir es abgestellt haben.
Wir steigen ein und nehmen auf den Sitzen Platz.
Ich bin hoch motiviert, freue mich nun auf die letzten 300km nach Hause, auf unsere Katzen und was wir so alles an Post bekommen haben.
Die Melancholie von vorgestern und gestern ist wie weggeblasen.
ich will jetzt nur noch raus und schnalle mich schon mal an.

Anja verstaut grad noch hinten ein paar Dinge, die wir letzte Nacht mitgenommen hatten, dann geht es auch schon los…

Wir können es kaum glauben!
Die Klappe öffnet sich und das erste, was wir sehen, ist doch tatsächlich der Ausfahrkai auf genau unserer Höhe!
Wir stehen mal abgesehen von den Baggern wirklich ganz vorne.

Da hat mein Deckoffizier gestern Recht behalten, wir werden das Schiff nun als erste verlassen.

Sofort stürmen ein paar Handlanger herbei und entfernen die Vertäuung der Bagger, dann setzen sich diese auch schon in Richtung Kai in Bewegung.
Auf der anderen Seite (also links von der Mitteltrennwand) laufen bereits die Motoren, die LKW dort drängeln nach vorn hinter die Bagger.
Aber keine Chance, unsere Position ist so gut, dass sie an mir nicht vorbei kommen, ich starte ebenfalls den Motor, die Tanklampe geht mit an.
Ach ja, da war noch was, wir müssen ja auch noch tanken…
Aber der Tank hat gehalten, wir mussten nicht mehr nachtanken in GB und können nun den günstigen niederländischen Diesel in den Tank kippen, bestens.

          
     Dann öffnen sich die Klappen...                                                 und der Bagger kann als erstes ausfahren, danach kommen wir

Kaum hat der zweite Bagger die Rampe verlassen winkt mir einer der Warnjackenjungs und fordert mich auf das Deck zu verlassen.
Wir rollen vom Deck und sind nach den Baggern tatsächlich die ersten, die die Fähre verlassen. So etwas passiert doch nur einmal in tausend Jahren.
Anderen passiert das gar nicht oder niemals, obwohl diese ständig mit den Fähren fahren.
So sehr das vielleicht für einen Außenstehenden nicht zu verstehen ist, ich freue mich riesig darüber!

Nachdem wir aus der Fähre raus gefahren sind, geht es erstmal ein Stück durch das Hafengebiet und zur Einreisekontrolle.
Doch hier werden nur kurz unsere Pässe überprüft, dann dürfen wir auch schon weiter fahren.

Erfreut bin ich auch darüber, dass es nun wieder auf der für mich richtigen Straßenseite weiter geht, wir fahren nämlich wieder rechts.
Das tut gut und funktioniert instinktiv ohne größere Umstellungsprobleme.
Als ob das Gehirn die „Linksfahrinformationen“ letzte Nacht aus dem RAM- Speicher gelöscht hätte…

         
    Raus aus dem Schiff (Als Erster !!) und kurz durch den Hafen     Danke Schiffchen, haste fein gemacht                            (k)

         
     Ist das schön wieder zuhause zu sein! Warum?                         Weil Rechtsverkehr!!!


Wir sind gerade erst ein paar Meter gefahren, da kommt auch gleich eine Tankstelle.
Man sollte ja eigentlich nicht gleich die erste nehmen, aber die hier ist günstig und Hunger haben wir obendrein, also halten wir hier an.

Zuerst wird getankt (mehr wie 60 Liter, schön voll gemacht) und dann schauen wir uns im Tankshop nach ein paar Köstlichkeiten um.
Die Ausbeute ist mager, aber der Hunger treibt es rein...
Für mich gibt es einen Yoghurtdrink, ein Käse- und ein Frikadellenbrötchen, Anja nimmt ein Thunfischsandwich und ein gesundes Baguette mit Salat, dazu einen Kaffee.

So kehren wir voll bepackt zum Wohnmobil zurück.
Dann geht es ab auf die Autobahn in Richtung Utrecht.
Die Fahrt hier auf der niederländischen Autobahn ist zunächst etwas ruppig, der Verkehr ist voller und vor allem schneller, als wir es die letzten Tage gewöhnt waren.
Ein oder zwei mal werden wir von einem LKW überholt.

Dann aber findet man recht schnell zu seinem alten Rhythmus zurück und rumpelt über die Autobahn. Ich bin der Meinung, dass die Autobahnen hier (und bei uns in D) bestimmt 10 oder 20 cm, breiter sind, als die Fahrspuren in England.
Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich nun wieder auf der richtigen Seite fahre.
Egal…

Kurz hinter Amsterdam erwischt uns dann sogar ein Ärgernis, was wir schon fast vergessen hatten, dass es sie gibt:
Ein waschechter Stau :-(

         
     Stau bei Amsterdam :-(                                                          Dauert aber zum Glück nicht sehr lang


Aber auch das geht vorbei und so erreichen wir gegen 12:15 Uhr die Stadt Venlo an der Deutsch-Niederländischen Grenze.
Hier sind wir schon oft hingefahren, um einzukaufen und Diesel zu fassen, ist ja nur 60 Kilometer von uns entfernt.
Quasi schon fast ein Heimspiel...

In Venlo selber will ich unseren Tank nochmals mit günstigem niederländischem Diesel so richtig schön voll machen, wir fahren daher in Venlo ab und parken am Einkaufszentrum „tref“, weil wir hier neben der Tankstelle auch noch eben einkaufen können, was wir für zuhause brauchen. Die Schränke sind ja leer...

         
     Einkaufsstop in Venlo                                                             und den Tank voll machen nicht vergessen...

Nach dem Einkaufen geht es dann heimwärts, es folgt nun das letzte Stückchen auf der A 61. Traditionsgemäß würde ich an dieser Stelle hupen, aber da die Hupe in unserem Wohnmobil nicht funktioniert, gedenke ich der Grenzquerung kurz im Geiste.
Dann geht es auf der fast leeren A 61 heim, Mönchengladbach, Jackerath und Bedburg fliegen vorbei, nichts besonders, nach einer so langen Tour.
Und gegen 14 Uhr, sind wir wieder zuhause.

War das ein toller aber auch anstrengender Urlaub.

         
     Wir sind wieder da, die letzte Ausfahrt                                     Hmm, zuhause hat sich gar nichts verändert...

Dem interessierten Leser (und auch der Leserin ;-) möchten Anja und ich an dieser Stelle für die Aufmerksamkeit danken.
Wer unser Reisetagebuch schön gefunden hat oder auch wem es nicht gefallen hat, der sei gern gebeten ein paar Worte in unserem Gästebuch zu hinterlassen oder auch eine persönliche email zu schreiben.
Ich würde mich wirklich sehr über ein Feedback von jedem Leser freuen.

Ach ja, ganz zu Ende ist die Geschichte dann doch noch nicht, wer sich dafür interessiert, was zum Beispiel aus der Handygeschichte geworden ist, warum wir uns geärgert haben, dass wir die Pfund mit nach Deutschland genommen haben und ob ich jemals wieder eine Jacke gebraucht habe, der kann sich noch unser Reisefazit anschauen.

Und alle Infos zu Kosten, Kilometer, Pfund und Co. sowie die Route mit ner kleinen Karte findet sich übrigens in der Statistik für Schottland.

Zitat des Tages (bei der ersten Re- Berührung mit dem Rechtsverkehr in Ijmuiden): Endlich normale Leute!

KM- Stand bei Abfahrt: 178.386
KM- Stand bei Ankunft: 178.681
gefahrene Kilometer: 295

 

 
         
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