Heute gilt´s!
Norwegen! Wie surreal!
In wenigen Stunden geht die Fähre und wir haben tatsächlich ein ganz klein wenig verschlafen!
Eigentlich hatten wir einen Wecker für 7 Uhr gestellt, aber den haben wir gewohnheitsmäßig nach dem ersten Klinglen ausgeschaltet. Wir haben ja noch einen, der steht auf halb 8 und wird uns dann schon rechtzeitig aus dem Bettchen holen. Und damit das auch wirklich klappt, liegt dieser Wecker extra mit Absicht unten in der Sitzgruppe und nicht oben im Alkoven.
Wenn der klingelt, muss also einer aufstehen.

Dummerweise will der einfach nicht klingeln und als ich endlich aufstehe, um mal nach dem Rechten zu sehen, ist es tatsächlich schon 8 Uhr!
Shit! Das Teil hat nicht geklingelt!!
Oh-weia! Jetzt aber los! Ab 11 Uhr ist Einchecken angesagt und da ich nach wie vor einen kleinen Flatterich habe, ob uns die Fähre auch wirklich mitnimmt, muss heute eben alles ein klein wenig schneller gehen!

Ausgerechnet! Mussten wir denn wirklich verpennen?!
Reicht es denn nicht, dass ich in der Nacht schon von kleinen Schlauchbooten geträumt habe, die ein Fjordline- Logo trugen und uns mitsamt unserem Wohnmobil rüber nach Norwegen tragen wollten?!
Hin und her hab ich mich gewälzt, bin nun natürlich müde und ein wenig gereizt.
Ich weiß ganz genau, dass sich dies erst legen wird, wenn ich „wackeligen“ Boden unter den Füßen habe, wir also auf der Fähre sind und das Wohnmobil wohlbehütet unter uns im Frachtraum stehen wird.
Aber soweit ist es noch nicht, wir müssen ja erst einmal zur Fähre kommen und dort auch überhaupt einen Platz bekommen!
Der Platz um uns herum lichtet sich natürlich mit jeder Minute und ich glaube nicht, dass die alle zum ColorLine Terminal fahren! Im Gegenteil!
Auch unser Nachbar von Parzelle 176 ist schon weg, von dem haben wir gestern kaum was gesehen oder gehört.
Subjektiv hab ich natürlich gleich das Gefühl, dass wir in nur 10 Minuten ganz allein hier auf dem Platz stehen werden.
Whoa!

     Camping Hirtshals     Wohnmobil auf dem CP Hirtshals
     Der nächste Morgen: Alles schon taghell und das um 8!     Es wird leerer um uns herum! Wo sind denn alle???

Um runter zu kommen, schnappe ich mir Anja, um einen Moment mit ihr vor die Türe zu gehen. Mal eben durchatmen und vielleicht einen Blick aufs Meer oder so.
Oder war es umgekehrt? Hat Anja am Ende mich geschnappt? Naja, egal.
Wir machen von außen noch ein paar schöne Bilder an diesem strahlenden Sommertag und sind froh, als wir an der Klippe ein total ruhiges Meer vorfinden. Warum? Nun:
Wir haben einige „Schauergeschichten“ zu dieser Fähre im Vorfeld gelesen, dass insbesondere bei hohem Seegang die Spucktüten reißenden Absatz finden. Wer keine mehr bekommt, muss eben „Fische füttern“.  😮
Und einer berichtete sogar im Internet, dass er auch die Bordcrew schon habe kotzen sehen.
Schlimmer ist allerdings ein Sachverhalt, von der ein anderer zu berichten weiß.
Dieser schreibt nämlich, dass das Schiff aufgrund hohen Seegangs nicht in Norwegen anlegen konnte!
Beinahe musste man umdrehen und wieder zurück nach Dänemark fahren. Unglaublich!
Aber heute? Nix davon! Das Meer ist platt wie Anjas Schaumbad in der heimischen Badewanne, wenn Anja wieder mal darin eingeschlafen ist 😉

     Blick aufs Meer     Küste
     Wir spazieren einmal bis zur Klippe                             Hier genießen wir erneut den Ausblick auf den Strand…

     Strand     Meer
     …und natürlich auf das weite und offene Meer!              Irgendwo dahinten ist Norwegen, bald sind wir da!

„Du, heute ist der längste Tag des Jahres, das wird UNSER Tag“ flüstert mir Anja ins Ohr.
„Echt? Wie meinst du das?“
„Naja, heute ist der kalendarisch längste Tag des Jahres, ab morgen werden die Nächte wieder länger und die Tage kürzer. Aber heute ist ein ganz laaanger Tag, also entspann dich, mit der Fähre wird schon alles gut gehen!“

Wir schauen noch einen Moment auf das Meer hinab, dann spazieren wir Hand in Hand zurück zum Wohnmobil.
Gegen kurz vor 9 gibt es ein kleines Frühstück bestehend aus Banane, Schokobrötchen, Kühlschrankkaffee und Fruchtsaft, das geht schnell, liegt nicht schwer im Magen und hilft gegen den ersten Hunger.
Wenn wir später noch Hunger haben, können wir noch immer in der Warteschlange das „richtige“ Frühstück nachholen.

     Unser Frühstück ;-)     Blick auf den leeren CP
     Ein kleines Frühstück darf´s noch sein…                      aber dann müssen wir los! Der Platz leert sich immer mehr!

Nach dem Frühstück packen wir.
Zum Glück haben wir nicht viel zu packen, das allermeiste haben wir gestern ja gar nicht ausgepackt.
Trotzdem erreichen wir einen neuen Rekord! Keine 20 Minuten brauchen wir für die komplette Abreisebereitschaft!
Wow!
Um 09:27 Uhr stehen wir schon an der Ausfahrt des Campingplatzes, leeren dort noch schnell unseren Toilettentank aus (die VE befindet sich dort) und lassen unser Grauwasser da.
Bei DEN Übernachtungskosten will ich den Service schließlich auch ausnutzen!

         
     Wir halten noch an der Einfahrt zum Campingplatz…        …um die VE zu nutzen. Ist ja schließlich mit bezahlt!

Dann aber geht es sofort los und rüber in Richtung Hafenanlage, die wir ja gestern schon bei der Vorbeifahrt inspiziert haben. Schnell erreichen wir den Hafen von Hirtshals und obwohl das Terminal von Fjordline (gegenüber dem Terminal von Color Line) sehr klein ist, ist die Beschilderung vorbildlich.
Wir finden auf Anhieb den Weg zur Abfertigung.
Schon auf dem Weg dorthin passieren wir ein Areal seitlich des Hafens, welches offenbar von Wohnmobilen rege genutzt wird. Scheinbar scheint die Übernachtung dort toleriert zu werden. Wer also nicht auf den Campingplatz möchte, findet auch im Hafenbereich einige Übernachtungsmöglichkeiten.

         
     Auf dem Weg in den Hafen, wir folgen den Fjordlines- Schildern und passieren diesen „wilden“ Stellplatz gleich am Hafen

Nun, eine weitere Übernachtung hier auf dänischem Boden ist von uns natürlich nicht angedacht. Im Gegenteil, wir wollen runter und nähern uns nun dem Fjordline- Terminal.
Schon bei der Zufahrt bekomme ich wieder Bauchschmerzen, denn die hier aufgelaufene Menge an Fahrzeugen und Wohnmobilen in Kombination mit den Erkenntnissen zur Größe der Fähre, die wir gestern Abend mit unserem Meerblick gewinnen konnten, lässt mich natürlich wieder stark an der Möglichkeit der Mitnahme aller potentiellen Mitfahrer zweifeln.
Gut, wir stehen nicht ganz so verkehrt und kaum haben wir den Motor in einer langen Schlange abgestellt, kommen von hinten weitere Fahrzeuge hinzu.
Unglaublich eigentlich! Der Check- In, der ja immerhin schon 2 Stunden vor Abfahrt der Fähre beginnt, hat ja noch nicht einmal angefangen! Und trotzdem stehen schon soooo viele Fahrzeuge hier!
Was mag die Ursache sein?
Ich halte das kaum aus! Kaum stehen wir, muss ich weitere Informationen einholen. Ich schreite also einmal an der langen Reihe der Wartenden vorbei bis ganz nach vorne, Anja bleibt derweil beim Wohnmobil zurück.
Schon von weitem sehe ich, dass die Schlange an einem von zwei Check- In- Häuschen endet. Beide kleinen Kabinchen haben eine rote Ampel als Signal. „Aha, der Check- In hat also noch nicht begonnen“!

         
     Angekommen! Ist das eine lange Schlange…                …was für eine unglaublich lange Schlange…

          Check-In Schalter Fjordlines
     …was für eine wahnsinnig unglaublich lange Schlange! 🙁     Und am Check-In? Nix los. Au- Weia!

Just, in dem Moment, wo ich vorne am Check- In- Häuschen 1 die Statuten studieren will, kommt ein zweiter Angestellter von Fjordline um die Ecke.
Er geht in Richtung des zweiten komplett leeren Check- In- Häuschens und ich frage mich, was er dort wohl macht, wobei ich es mir schon denken kann!
Ich frage ihn ganz einfach und tatsächlich: Er sagt zu mir, dass er in 2 Minuten das zweite Check- In- Häuschen eröffnen wird.
Wow! Mir wird warm und kalt zugleich! Ich bin derzeit der einzige, der das im Moment weiß!
Kein anderer hat es mitbekommen (dafür stand ich zu weit weg) und kein anderer aus der wirklich langen Schlange am Häuschen 1 macht bislang Anstalten, seine Reihe zu verlassen.
Bis jetzt ist die Check- In- Reihe 2 komplett leer!
Mir läuft es eiskalt den Rücken runter! Darf man einfach so nach hinten spurten, sich in sein Wohnmobil setzen und dann an allen anderen vorbei in die Reihe 2 fahren?!
Ja, ich denke schon! Ja, ich bin mir sogar absolut sicher, dass dies erlaubt ist, obwohl mich einige sicherlich als Vordrängler abstempeln werden, wenn ich vom gefühlten Platz 712 auf die Pole- Position, oder zumindest in die Startreihe 2 vorfahren werde.
Dennoch ist es moralisch vertretbar, denn das ist nichts anderes, wie das „Aldi- Prinzip“!

Ich nehme die Beine in die Hand und renne, was das Zeug hält an allen Wartenden vorbei, einige schauen mir dabei natürlich fragend hinterher.
Noch während ich einen Ben- Lewis-ähnlichen Sprint auf Langstrecke hinlege, will ich das „Aldi- Prinzip“ kurz erläutern und erklären, warum es moralisch OK ist, nach ganz vorne vorzurücken:
Man stelle sich also mal vor, man steht irgendwo bei Aldi in einer laaaaangen Schlange hinter einer dicken Tante, die den Einkaufswagen zum Bersten gefüllt hat und du weißt bereits jetzt, dass die Abwicklung bei der mindestens 10 Minuten dauert (Probleme mit der EC- Kartenzahlung inklusive).
Und dann macht ganz plötzlich neben dir eine weitere Kasse auf! Heureka!
Und wenn du dann schnell bist, bist du „Schwupp-di-Wupp“ schon draußen, während die Tante neben dir noch den 12er Karton H- Milch aus dem Einkaufswagen auf das Laufband wuchtet.
Und genau so ist das hier auch! Die „zweite Kasse“ in Form eines zweiten „Check-In“ macht gleich auf und ich wüsste absolut keinen Grund, warum ich in dieser neu zu bildenden zweiten Schlange nicht als allererster ganz vorne stehen sollte!
Ich würde was drauf wetten, dass direkt nach mir auch weitere Fahrzeuge aus der Schlange rausziehen werden und wenn ich es nicht tue, macht es spätestens beim Grünwerden der Ampel am Check- In- Häuschen 2 ein anderer!
Also warum warten?

Völlig außer Atem komme ich am Wohnmobil an. Ich eile auf den Fahrersitz und schaue einer völlig verdutzen Anja ins Gesicht. Fragend schaut sie mich an, warum ich denn so außer Atem bin!
Ich muss selbst erst zu Atem kommen, bevor ich auf ihren fragenden Gesichtsausdruck antworten kann und ringe nach wie vor nach Luft.
Wow, ich hab beim Sprint wirklich alles gegeben und der Weg zurück zum Mobil war deutlich länger, als ich es in Erinnerung hatte.
Aber jetzt gilt´s!
Noch bevor ich den Schlüssel allerdings herumdrehen und uns ans vordere Ende der Schlange vorfahren kann, muss ich den Umstand Anja erklären, warum ich mir erlaube, nun hier und jetzt die Schlange hinter uns zu lassen und bis nach ganz vorne durchzufahren.
Ich weiß genau, wenn ich es ihr nicht VORHER erkläre und gleich losfahre, muss ich mir nur dumme Fragen und Gezeter anhören, warum ich nach vorne fahre, wer ich denn wäre, ob ich Größenwahnsinnig wäre, ob wir Helme dabei haben, die wir aufsetzen können, wenn andere in der Schlange uns mit etwas bewerfen, usw, usw, usw.
Und obwohl die 30 Sekunden über Wohl und Wehe eines besseren Platzes in Reihe 2 entscheiden können, japse ich Anja das „Aldi- Kassenprinzip“ vor, die meinem Gedankengang allerdings wenig bis gar nicht folgen kann.
Ist aber auch nicht weiter verwunderlich… 😉
Eher skeptisch bis ängstlich schaut sie zu mir rüber, als ich den Motor anlasse und tatsächlich in der Reihe neben der Schlange bis ganz nach vorne fahre. Aber da müssen wir jetzt durch!
Und tatsächlich schauen uns einige verdutzt, andere missgünstig hinterher, bis wir am Check- In Häuschen 2 wirklich ganz vorne in der Reihe und ganz allein zum Stehen kommen.

         
     Vorne links das zweite kleine Check-In- Häuschen…      Anja macht ein Beweisbild: Wir stehen ganz allein ganz vorn.

Für einen Moment schaut es so aus, als wäre ich der größte Trottel der Welt.
Denn der Fjordlines- Mitarbeiter, der mir eben noch versichert hat, dass es hier gleich ebenfalls zum Check- In kommen wird, ist nirgends zu sehen! Oh- je! Oh- jemine!
Ob der mich veräppelt hat?

Kaum bin ich ausgestiegen, um mich umzuschauen, treffen mich auch schon die fragenden und teilweise auch entrüsteten Blicke der übrigen „Reihensteher“ aus Reihe 1, besonders von denen, die auf den Plätzen 2-10 stehen.
Ich glaub, ich werde tatsächlich rot! Haben wir vielleicht wirklich irgendwo Helme dabei???
Durchhalten, entschlossen wirken!
Aber was ist, wenn das Häuschen 2 gar nicht aufmacht? Dann werde ich wohl vor Scham im Boden versinken müssen und mich kleinlaut am neuen Ende der Schlange (mittlerweile wohl irgendwo auf Platz 851) einreihen müssen.
Aber zum Glück taucht kurz darauf tatsächlich der Mitarbeiter auf, er war nur kurz im Häuschen 1 verschwunden.

Ich frage den Mann erneut, wann der Check- In 2 aufmacht, bevor die Steher aus Schlange 1 anfangen, aus ihren Fahrzeugen geeignete Waffen zusammen zu suchen, um mich „Regelbrecher“ zu lynchen!
„In about 30 Seconds“ bekomme ich zur Antwort und mit schnellem Schritt begibt sich der Mann in seine Kabine.
Kurz darauf wird an seinem Häuschen die Lampe auch tatsächlich grün (Am Häuschen 1 ist sie noch immer rot…) und ich kann bis vorn an das kleine Fensterchen fahren.
Jaa, jaaaa, JAAAA! Es hat geklappt! Wir sind auf jeden Fall auf der Fähre mit dabei!!!

Darauf haben „sie“ natürlich auch gewartet!
Darauf, dass es einer „vor macht“ und damit durchkommt, denn dann können sie alle nachziehen!
Und tatsächlich! Kaum ist bei uns die Lampe grün und die Wartenden auf den Plätzen 20 aufwärts sehen, dass man nun am Häuschen 2 auch einchecken kann, füllt sich die Reihe hinter mir abrupt. Nur Sekunden nach unserem mutigen Vorstoß bin ich nicht mehr alleine der „Durchbrecher“, der hier gegen alle Regel, gegen alle Zucht und Ordnung verstößt.
Die Karten werden jetzt ganz neu gemischt und wir sind tatsächlich nun die allerersten, die in die Reihe 8 für Wohnmobile unter 2,95 Meter vorziehen können.
Wahnsinn!
Ich steige sofort aus und mache ein Bild von der verwaisten Wartereihe hinter dem Check- In, denn so ein Bild (da bin ich mir absolut sicher!) dürfte absoluten Seltenheitscharakter haben.
Puh!
War das aufregend! Ich hab alles auf eine Karte gesetzt und am Ende gewonnen! Auch, wenn es sich nur um einen guten (oder gar den besten) Platz in der Wartereihe handelt.
Noch immer habe ich Bedenken, dass die Fähre vielleicht überbucht sein könnte und wenn ich so darüber nachdenke, wie viele Fahrzeuge doch hier in der Schlange vor dem Check- In gestanden haben, dann ist dies vielleicht gar nicht so abwegig! So aber können wir wohl sicher sein, dass wir einen Platz auf der Fähre bekommen werden. Kein Wunder, stehen wir doch nun in Reihe 8 ganz vorn!!

         
     Wir sind die absolut allerersten! 😀                             hinter uns ist alles noch leer.

                  
     Lange bleibt das natürlich nicht so, die Reihen füllen sich   Auch in der Autoschlange rücken alle „eins vor“

         
     Ach ja: Für den Spiegel gibt es diesen Aufhänger           und unsere Tickets haben wir natürlich auch bekommen.

Es ist wie ein großer Klumpen oder ein Kloß, den ich in diesem Moment runter schlucke. Ganz vorn in Reihe 8, das ist doch fast ein bombensicheres Ticket für die Fähre, oder?
Endlich löst sich meine totale Anspannung und innerlich komme ich zur Ruhe. Wir sind dabei! Jepp! Ganz vorsichtig schaue ich optimistisch auf das vor uns liegende Norwegen. Wohni hat es bis hier hin geschafft, wir stehen ganz vorn in der Reihe und alles läuft bis jetzt ganz gut.

Nun, mit der sich legenden Anspannung kehrt auch das allgemeine Zeitgefühl zurück. Schnell wird das Warten auf eine Fähre zur Qual.
Natürlich ist die HSC Fjordcat, die derzeit schnellste Katamaran- Fähre der Welt und Trägerin des blauen Bandes, nirgendwo zu sehen. Und selbst, wenn die Möhre jetzt um die Ecke kommen würde, müssten ja zunächst einmal alle runter vom Schiff, bevor wir drauf könnten. Anders wäre nämlich schlecht. 😉

Um uns die Wartezeit so angenehm wie möglich zu machen, schauen wir uns ein wenig im Hafen um.
Von hier aus kann man immerhin am gegenüberliegenden Kai bei Ladearbeiten an einem Frachter zuschauen, was natürlich auf Dauer auch nicht wirklich zeitfüllend ist. Wir schlendern also einmal komplett an das andere Ende der Fahrzeugreihen (die sich recht schnell füllen), um uns dort einen kleinen Servicecontainer von Fjordlines näher anzuschauen.
Außer einem fast leeren Wartebereich, einigen Getränkeautomaten, einem „Last- Minute“- Schalter und natürlich einigen sauberen Toiletten ist hier aber nichts zu finden.
Ein paar Infoflyer nehmen wir dann aber doch mit. Besser das als gar nichts zu lesen.

         
     Wir gehen eine Runde spazieren, ein bisschen Hafenatmosphäre „schnuppern“. Ein paar Schiffe liegen am Kai vertäut

         
     Empfangsgebäude von Fjordlines im hinteren Bereich      Kleiner Wartesaal, ein paar Automaten, Toiletten…

Zurück am Wohnmobil schlagen wir dann die Zeit tot.
Wir beobachten unsere Nachbarn, die zu 5 Personen in kleinen Autos sitzen und erfreuen uns an unserem alten aber jetzt durchaus willkommenen Luxus, den uns unser Wohnmobil bietet.
Alles dabei und gut versorgt.

Eine gute Stunde, nachdem wir uns in die Reihe 8 ganz vorne einreihen durften, kommt langsam Leben in die Bude.
Eine Durchsage erklingt, die für uns nicht so ganz verständlich ist. Am beginnenden Treiben einiger offizieller Hafenarbeiter ist aber erkennbar, dass die Fähre wohl im Anmarsch auf den Hafen ist.
Kurze Zeit später können wir die Fähre dann auch am Horizont ausmachen, die Fjordline HSC Fjordcat läuft ein!
Da ja sowieso die ganzen Autos erst einmal raus müssen, haben wir bestimmt noch genügend Zeit, um der Fähre beim Einlaufen direkt von der Kaimauer aus zuzuschauen.
Schaut man auf die Uhr, wird eh noch eine knappe Stunde vergehen, ehe wir abfahren.
Die Uhr zeigt gerade mal kurz vor 11 und erst für 11:45 Uhr ist die Abfahrt geplant.
Die Idee mit dem schönen Blick auf die zugegeben imposante und stylistische Fähre (gestern von weitem sah die noch ganz anders aus! 😉 haben natürlich auch die übrigen Fährpassagiere und schnell bildet sich an der Kaimauer eine Reihe Schaulustiger, als würde die Queen Mary 2 in Hamburg einlaufen. 😉

Die Fähre, bzw. der Kapitän der Fähre ist von der Vielzahl der hier angetreten Fans offenbar so gerührt, dass er gleich hier und vor unseren Augen eine Pirouette mit der Fähre dreht.
Das ist aber nett!
So können wir das Schiff nämlich von vorn und von den Seiten viel besser fotografieren. 😉

Der wahre Grund für die Drehung im Hafenbecken ist natürlich nicht ein tolles Fotomotiv, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass die Fähre ja NUR über das hintere Deck befahren werden kann.
Der Bug des Schiffes ist, anders als bei klassischen Ro-Ro- Fähren, nämlich nicht öffnungsfähig und so müssen alle, die hinten eingefahren sind, auch wieder hinten heraus fahren.
Im Vorfeld hab ich schon gelesen, dass man mit dem PKW im Schiff hierfür einen Wendel befahren kann.
Dieser ist aber sowohl für die 4- Meter hohen Fahrzeuge, wie auch für die Fahrzeuge in der 2,95- Meter Klasse (wie wir es sind) mit lediglich 1,95 Meter Durchfahrtshöhe nicht brauchbar. Entweder man hat das Glück, dass auf dem Deck dann noch genügend Platz für einen Halbkreis ist, oder man muss mit zunehmendem Füllungsgrad eben rückwärts (!) einfahren.
Ich hoffe aber mal inständig, dass wir aufgrund unserer guten Position hier in der Boarding- Reihe hiervon verschont werden.
Nun, wir werden es gleich erleben…

         
     Da kommt sie um die Ecke!! Die HSC Fjord Cat…      Ganz schön schnittig das Schiffchen!

     Hier mal in Großaufnahme: Die HSC FjordCat
     Pirouette für die Fans 😉   Nein, nicht wirklich… Das Schiff dreht, weil nur über das Heck Be- und Entladen werden kann.

         
     Fertig gedreht, nun nur noch „sachte“ rückwärts einparken    Geschafft! AUF zur Fähre! 😉

         
     Kaum ist die Fähre da, stürmt alles zu den Autos…        Ladies und Gentlemen: „Start your Engines!!“  😉

         
     Blick in die „Startaufstellung“, die wollen alle mit…           „Warten“ auf das Boarding im Schatten der FjordCat

Das Ausladen der Autos beginnt und ein zäher Bandwurm voller bunter Fahrzeuge setzt sich in Bewegung.
Allen voran zu meiner Überraschung sogar Wohnmobile und Gespanne, die wirklich ganz vornan stehen. Schon beim Einlaufen der Fähre haben wir dies anhand der geöffneten Heckklappe gesehen.

Fahrzeugverladung: Mit dem Wohnmobil auf der HSC Fjord Cat, das Boarding beginnt:
Kurz darauf beginnt dann auch für uns die Verladung, jetzt wird es noch einmal spannend werden!
Zuerst werden einige Autos eingelassen, fast zeitgleich folgen die Gespannfahrer, die in einer Reihe weit abseits von uns Stellung bezogen haben.
Der Grund hierfür wird sehr schnell klar, als wir später die Fähre befahren werden.
Mit einem Wohnmobil ist ein Krampf rückwärts in eine Fähre einzufahren (davor hat Anja übrigens am meisten Sorge!), aber mit einem Gespann rückwärts eine Rampe rauf ist schlichtweg nerventötend hoch 3!
Entsprechend hat man richtigerweise alle Fahrzeuge mit Anhänger als erstes auf das große Parkdeck gelassen, damit diese auf einem noch freien Areal gut drehen und sich dann mit dem Zugfahrzeug voraus in Richtung Heckluke positionieren können.
Direkt danach kam die Wohnmobilreihe neben uns, von denen schon beim Warten klar war, dass sie allesamt über 2,95 Meter hoch sein würden.
Diese Fahrzeuge können tatsächlich nur einen absolut schmalen Streifen am hinteren Heckbereich der Fähre nutzen und müssen dafür auch wirklich rückwärts auf die Fähre auffahren, weil der Bereich zum Wenden zu schmal wäre.
Die Wohnmobile über 2,95 Meter stehen dann direkt mit dem Cockpit zur Ladeluke, nachdem sie rückwärts eingefahren sind. Ein Teil kann sofort nach den Gespannen in das Fahrzeug, ein kleinerer Rest muss warten, bis die entsprechenden Reihen aufgefüllt sind und sich dann als Fahrzeug 1 davor anstellen.
Kurz darauf sind dann auch wir an der Reihe und schon beginnt das Herzschlagfinale!
Noch während wir warten ist ein Deck- Officer an unser Fahrzeug heran getreten und hat uns nochmals gefragt, ob wir auch wirklich unter die 2,95 Meter- Höhenbegrenzung drunter passen! Das zweite Mal bereits, auch beim Check- In wurde die von uns gebuchte Höhe nochmals nachgefragt.
Beim Check- In war ich noch absolut zuversichtlich, aber nun, wo es dann auch wirklich auf diese Höhenbegrenzung ankommt, kommt mir nur noch ein „We will see and hope the best!“ über die Lippen.
Was soll ich auch anderes sagen? Der 4- Meter- Bereich (vorrangig vor Busse) ist komplett mit Wohnmobilen ausgebucht. Vor dem Einfahrbereich stehen sie bereits Schlange und warten darauf, dass der Mittelbereich vollgeparkt ist und sie mit dem Hintern voraus einfahren können.
Da geht gar nichts, wir müssen entweder passen, oder eben passen (was so viel heißt wie „passen“ oder eben „schieben“ beim Pokerspiel…)
Wir befahren die Rampe, die ein metallenes Knarren und Surren von sich gibt. Fast schon klingt es wie eine Warnung.
Und dann sehen wir die Engstelle mit 2,95 Meter, die wirklich unmittelbar nach der Einfahrt folgt.
Boah! Leck mich am Ar***! Ist das niedrig!!!
Mit großer Skepsis komme ich zunächst mal vor der Höhenbegrenzung zum Stehen und lasse Anja aussteigen. Sie soll nun schauen, ob wir wirklich in den 2,95 Meter- Bereich passen.

Und bevor ich es auf gut Glück versuche und mir eine Schramme in den Alkoven fahre, schaut Anja lieber an die neuralgische Engstelle und dirigiert mich.
Mir egal, ob es dadurch zu einer Verzögerung kommt und von mir aus kann der Deckoffizier auch anfangen zu meckern!
Aber die allermeisten Hanseln hier auf dem Autodeck sind viel zu beschäftigt, um im Moment nach uns zu schauen und so haben wir ein paar Sekunden, die über Wohl und Wehe entscheiden.
Anja schaut beim Befahren des 2,95er Bereichs zunächst etwas skeptisch (während mir die Schweissperlen am Rücken bis in die Pofalte laufen!) aber dann nickt sie und gibt mir Handzeichen, dass es passt.
Juchu!!!
Extra für diesen Test (den wohl nicht nur wir machen) haben die Jungs von Fjordlines übrigens eine kleine Holzkugel am Beginn des 2,95er Bereichs aufgehangen und man sieht so immerhin noch ein paar Zentimeter vorher, ob sich die Kugel beim drunter herfahren nun bewegt oder nicht.
Also jeder, knapp die Höhe von 2,95 Meter bucht orientiert sich am besten bei der Einfahrt an dieser Holzkugel! Können wir nur empfehlen!

Für alle nach uns Kommenden haben wir von der Einfahrt in die Fjordcat ein kleines Video gedreht!
Es zeigt die Auffahrt auf die Rampe und die erste Höhenbegrenzung von 4 Meter auf 2,95 Meter!!
Besonders gut zu sehen ist auch die kleine Holzkugel genau unterhalb des 2,95-Meter Schildes, achtet mal drauf!!! :

Nachdem wir die Hürde der Einfahrt genommen haben (Anja bleibt sicherheitshalber draußen und schaut weiter, dreht aber auch einen kleinen Film über den Rangierbetrieb im Innern der Fähre…), können wir mit dem Einparken beginnen.
Ich habe das Glück, dass wir noch genügend Platz zum Drehen haben und so auf dem Autodeck vorwärts wenden können. Gut aufpassen muss man dabei natürlich trotzdem, denn nur wenige Meter nach Beginn des 2,95er Bereichs kommt auch schon die nächste Einschränkung für PKW mit dem 1,95er Bereich!
Und da passen wir definitiv nicht drunter her 😉

Nachdem wir sicher sind, dass alles passt, hat Anja gleich das zweite Video von unserer Rangierfahrt auf der Fjordcat gedreht.
Wer sich also selbst mal einen Einblick vom Fahrzeugdeck und den engen Höhen verschaffen will, bitteschön:

Kaum haben wir den korrekten Bereich innerhalb der Fähre gefunden (den mittleren von drei Höhenbereichen) geht es darum, den finalen Standplatz zu finden. Offenbar gar nicht so einfach!
Schon beim Rangieren fallen mir nämlich zahlreiche Beulen, Dellen und Kratzer an der Decken- und Wandverkleidung der Fähre auf, die wohl durch zahlreiche unfreiwillige Kontakte mit Fahrzeugen herstammen.
Ganz vorsichtig drehe ich im Bauch der Fähre und bekomme kurz darauf auch unseren Einweiser zu Gesicht.
Dieser ist natürlich erpicht darauf, möglichst wenig Platz mit meinem Mobil zu belegen und so dirigiert er mich ganz nah an die rechte Bordwand. Oh-je!
Beinahe hätte es dabei auch von uns noch ein paar Spuren dazu an der Deckenverkleidung gegeben, denn an dieser Stelle hat die Decke einen Knick!
Doch das Personal hier hat das echt gut im Griff, das muss man sagen! Denn der junge Mann, der uns hier gerade einweist, gibt mir rechtzeitig ein Zeichen zum Stehenbleiben. Ich hätte den Vorsprung an der Decke sonst nämlich nicht gesehen!
Darauf aufbauend, vertraue ich dem Deckoffizier und lasse mich von ihm millimetergenau an ein Gespann vor uns einweisen.
Ein Glück, dass ich erst nach dem Abstellen des Motor bemerke, dass der Gespannfahrer vor uns mit einer Sackmarkise den Deckenknick tatsächlich touchiert hat.
Boah! Der Gespannfahrer, ein älterer Holländer, schaut bereits intensiv nach der Kontaktstelle, es scheint aber nichts Schlimmes passiert zu sein. Zumindest lässt sich der Sack noch bewegen und an der Kontaktstelle ist nur ein wenig Blech verbogen.

         
       Parkposition erreicht: Knapp an der Seitenwand…            …unser Vordermann hatte da weniger Glück 🙁

         
     Blick zurück in den 1,80er Bereich, das Autodeck          Hier gut zu sehen, wie eng der Rangierbereich nur ist!

         
      Auch dieses Mobil muss im 2,95er Bereich wenden       Die Einweiser machen aber einen ganz guten Job!

          
       Es wird eng im Rangierbereich                                Alles zugeparkt, vorwärts kann nun keiner mehr drehen.

Anja ist, nachdem wir einigermaßen eingeparkt stehen, bereits nach oben vorgelaufen und hat hierbei den Auftrag, möglichst auf dem hinteren Aussichtsdeck der Fähre einen Platz zu sichern.
Im Innern wollen wir die Reise über das Meer eigentlich nicht verbringen, dafür scheint die Sonne zu sehr und das Meer bzw. der Horizont lädt zum Abstreifen mit dem Fernglas ein, was ich mir hierfür extra einpacke.
Ich sichere alle Türen und Fenster am Wohnmobil, überprüfe ein weiteres Mal die abgedrehte Gasflasche (habs Anja versprochen, dass ich es mache…) und dann ziehe auch ich mich vom Autodeck zurück. Dies wird übrigens zunehmend schwieriger! Der letzte Teil der einfahrenden Fahrzeuge kann nämlich nicht mehr in Fahrtrichtung wenden, sondern muss entweder halb schräg parken, oder gleich ganz rückwärts einfahren. Besonders im Bogen ist sowas von schnell der Platz verbraucht, man fasst es nicht. Die packen wirklich jeden Zentimeter hier mit Fahrzeugen zu, obgleich das ganze am Ende aussieht, als hätte sich der Verkehr in irgendeiner indischen Millionenmetropole komplett festgefahren. Autos stehen seitwärts, quer, längs, vor und zurück mehr oder weniger Spiegel an Spiegel beieinander. Ich muss mir regelrecht einen Weg durch einen Auto- Irrgarten suchen, weil ich nicht überall an den geparkten Fahrzeugen vorbei komme.
Final erreiche ich aber doch den Ausgang und kann Anja auf dem sich schnell füllenden einzigen Oberdeck entdecken. Einen Platz auf einer kargen Bank hat sie schon reserviert und mit Mühe gelingt es mir sogar, noch einen Platz an der Reling mit Blick auf die Verladung unter uns und auf das Hafenbecken zu bekommen.
Den Platz verteidige ich mir natürlich, weil ich ja einen Blick auf das Meer und auf die Hafenanlagen bei der Ausfahrt genießen will.
Mit jeder Minute wird es nun natürlich voller und schon bald stehen die Leute hinter mir in zweiter Reihe. Hoffentlich kann Anja mir den Sitzplatz freihalten…

         
      Im Aufenthaltsbereich der Fähre: Wo ist Anja?            Ah, da ist sie ja! 🙂  Hat einen Platz am Achterdeck ergattert

         
     Die einzige Aussichtsplattform füllt sich schnell!             Und dabei sind noch gar nicht alle drin! Die nächsten…

So abwegig mit der überbuchten Fähre war meine Angst übrigens nicht!
Beim Erreichen der Abfahrtszeit um viertel vor 12 stehen nämlich noch immer 3 Wohnmobile vor der Rampe und nichts scheint mehr im Innern des Schiffsbauches zu gehen!
Die Zeit tickert weiter, es wird 10 vor, es wird 5 vor und nichts tut sich!!!
Oh- Mann, in deren Haut möchte ich jetzt nicht stecken!
Von unserem Aussichtsdeck aus glotzen im Moment bestimmt gerade so an die 100 Leute runter auf die Rampe und schauen zu, wie bei 3 Fahrzeugbesatzungen, respektive 6 Campern gerade vielleicht der Traum von Norwegen platzt!
Was für eine Freak- Show!

         
     Oh weia! Für die drei dort unten wird es jetzt eng…        Banges Warten bei den letzten Beiden. Können Sie mit?

Dann aber die Erlösung! Rückwärts können nacheinander auch die letzten 3 Fahrzeuge einfahren, scheinbar hat man doch noch irgendwie umrangiert, ein Plätzchen gefunden oder einfach die Autos gestapelt! 😉
Kurz darauf, werden die Leinen gelöst, die Rampe entsichert und auch das Rolltor unter uns wird geschlossen.
Mit einer fetten Dieselrauchfahne, die uns sofort einlullt und herrlich nach Ruß und Öl durftet, legt die Fjordcat ab.
Wir haben es geschafft.
Wir fahren Norwegen entgegen!

         
     Puh, Glück gehabt! Der letzte kann rückwärts einfahren…  Wow! die Rauchfahne! Welche Umweltplakette ist das???

         
     Leinen los, Juchu, wir haben abgelegt! 🙂                  Die ersten Wassermeter auf dem Weg nach Norwegen 🙂

         
     Hafenimpressionen: Dort liegt ein „Seelenverkäufer“        Und hier? Der Stolz von Color Line! Schicke Fähre! 😉

         
     Ausfahrt aus dem Hafen. Tschö Dänemark!                 Kaum aus dem Hafen, gibt die FjordCat Gas! Wow!

Ganz langsam löst sich nun natürlich die Anspannung des Tages und ich fange recht schnell an, die kleine Seereise so richtig zu genießen.
Ziemlich zügig lichtet sich das hintere Deck, nachdem wir die Hafenszenerie von Hirtshals hinter uns gelassen haben.
Kein Wunder, so zieht doch auf dem offenen Wasser ein recht kräftiger Wind auf und die allermeisten Gäste auf dem Schiff bevorzugen für die Überfahrt nun natürlich die wärmeren Innenräume des Schiffes.
Die Fjordcat hat indes so richtig Fahrt aufgenommen und presst mit atemberaubendem Druck das Wasser aus dem Heck! So etwas Gewaltiges sieht man wirklich selten!
Ich schaue recht lange dem wilden Getöse und dem protestierenden Wasser zu, wie es fast schon brüllend durch die Düsen der Fjordcat gejagt wird.
Das müssen Millionen von Litern sein die das Schiff da in einer Minute durch die beiden kräftigen Heckdüsen jagt!
Mit meinem kleinen Handnavi (ein Garmin eTrex, eigentlich unser Navi fürs Geocachen!) messe ich natürlich gleich mal die Geschwindigkeit und bin von den angezeigten 64 km/h wirklich beeindruckt!
Hammer! Das Schiff ist zu Recht eine der schnellsten Schiffe der Welt!

         
     Unterwegs auf der offenen See. Was für ein Antrieb!        Hier der Beweis am Navi: 64 km/h!!

         
     Warum das Schiff so schnell ist? Hier!…               diese Düsen „schießen“ das Wasser regelrecht nach hinten raus

Etwa 20 Minuten, nachdem wir abgelegt haben, will ich natürlich auch mal einen kleinen Rundgang durch das Schiff unternehmen.
Fasziniert mich immer wieder sowas.
Ich kann mich da noch sehr gut an unsere Reise mit der „King of Scandinavia“ erinnern, die uns 2007 von Schottland sicher nach Holland gebracht hat. Das war damals auch so eine tolle Schiffsreise, auch wenn die KoS deutlich langsamer unterwegs war.
Die FjordCat hat jedoch nur wenig vom Charme der KoS, hier auf dem Katamaran fehlt mir so ein wenig das „Flair“.
Das ganze Ambiente im einzigen zentralen Aufenthaltsdeck wirkt mehr wie ein überdimensionaler Bus. Sitzreihen wohin das Auge reicht. 4er, 5er, 6er und mehr, alles nebeneinander.
Und die Sitze? Fast restlos komplett belegt! Es gibt zwar einige wenige freie Einzelplätze, wobei die Sitze aber auch schon deutlich abgenutzt sind. Die Sitzpolster sind etwas fleckig, die Stoffe ausgenudelt, Katschen, Schrammen und Abnutzungsspuren sind überdeutlich zu sehen.
So in etwa stelle ich mir die Ryanair- Flugzeuge in 10 Jahren vor.
Schade, dass man dem großen Ruf des Schiffes im Innern nicht so recht gerecht werden kann, hier wäre eine Generalsanierung wirklich mal angemessen.

Nun, wir wollen ja eh nicht im Innern sitzen, Anja hat schon vor der Auffahrt auf der Fähre angekündigt, als Prävention gegen Seekrankheit die ganze Überfahrt auf der Außenterrasse sitzen zu bleiben.
Entsprechend bleibe ich der einzige, der die Annehmlichkeiten des Schiffes einmal näher untersuchen muss, um für unsere Leser einen optimalen Eindruck zu gewähren 😉

Neben den zahlreichen Sitzreihen findet sich natürlich auch ein Toilettenraum im einzigen zentralen Mittelbereich, der zu meiner Überraschung recht sauber und quantitativ gut bestückt ist. Hier gibt es nichts zu bemängeln.

         
     Ich geh mir mal das Schiff von innen anschauen…         Die Waschräume sind ganz ordentlich

         
     Gratis für Gäste! Für „Fischfutter“ zum mitnehmen 😉        Ich erkunde weiter den Innenbereich der Fähre

Gleich bei den Waschräumen findet sich natürlich auch der obligatorische Duty- Free Verkauf!
Wein, Bier, Schnaps, Zigaretten und diese überdimensionalen Packungen Schokolade wie z.B. Toblerone, die sicher extra so groß sind, damit man im Verhältnis zur Supermarktpackung den Preisrutsch nach oben nicht bemerkt!
Beim Streifzug durch den Laden wird aber schnell klar, dass sich insbesondere die Norweger wohl mit Alkoholika eindecken.
Es sei Ihnen gegönnt, aber wir brauchen davon nix. Schon auf unserer Nordkapreise 2006 ist es uns nicht gelungen unseren mitgebrachten Alkohol gewinnbringend an den Mann zu bringen und auch für diese Reise schmückt nur eine einzige Flasche Hochprozentiges unseren Bordvorrat. Selber trinken tun wir nicht, es ist nur für den Fall der Fälle als Tauschmittel gedacht.

         
     Alkohol gesichtet! Hier gibt es „Hochprozentiges“        Schokolade gesichtet! Alles das gibt´s im Duty Free- Shop

Im Mittelbereich des großen Aufenthaltsraums findet sich natürlich auch noch die „Fressmeile“, die es in jedem Schiff geben muss. Hier besteht diese aber nur aus einem einzigen Selbstbedienungsladen mit Theke.
Die zweite Einnahmequelle für die Reeder!
Auf kaum einem anderen Verkehrsträger wie einem Schiff kann man derart frech allerlei utopische Preise für Speis & Trank verlangen und die Leute meutern trotzdem nicht, sondern kaufen! Sonderbar! Auch hier am kleinen Kuchen- und HotDog- Stand ist eine beachtliche Schlange!
Ich hab schonmal versucht, diesen merkwürdigen Drang zu analysieren und bin bei den urmenschlichen Ängsten in Form von Verhungern angekommen.
Schon auf der „King of Scandinavia“ hab ich darüber philosophiert, dass man sich hier auf dem Wasser ja nichts anderes zu Essen suchen kann und quasi das nehmen muss, was einem hier vorgesetzt wird, wenn man nicht gerade einen prall gefüllten Rucksack mit Vorräten vorweisen kann.
Und die Tatsache, dass man hier eben nicht woanders hingehen kann, lässt einen auch schonmal kalt lächelnd einen Hot-Dog für 5,- € kaufen!
Einfach nur, weil es alle machen (Herdentrieb) und weil man sowieso immer dann Hunger bekommt, wenn man gerade nichts anderes bekommen kann.
Ureigene Verlustängste, Panik nichts zu essen zu bekommen, wer weiß…
Ich verfalle diesem Drang übrigens auch!
5,- € für eine kleine rote Wurst im Weichbrötchen mit Ketchup, Majo und Zwiebeln ist doch nicht zuviel, oder? Das kann doch gar nicht zuviel sein!
Mit meiner kleinen Wurst im Weichbrötchen kehre ich zu Anja zurück, die natürlich gleich die Augen verdreht.
„Konntest es dir nicht verkneifen, oder?“
„Ist doch so lecker!“ verteidige ich mich und lasse Anja zur Versöhnung einen großen Bissen von der Wurst nehmen.

         
     Wer mag, kann noch frühstücken…                           Es gibt aber auch schon Mittag. Was es ist? Äh? Eintopf? 😉

         
     Eintopf? Nein Danke! Lieber den ersten „Norge- Hot- Dog“!  Damit spaziere ich zurück zur fast leeren Aussichtsplattform

Einträchtig sitzen wir dann auf der Außenterrasse und schauen dem Wellentreiben hinterher.
Der Bereich hat sich weiter geleert, sodass wir nun auch von unserem Platz aus freien Blick aufs Wasser haben.
Mit meinem kleinen Pocket- Fernglas suche ich den Horizont nach Schiffen ab, so mancher großer Pott ist da natürlich dabei.
Mit Hot-Dog im Bauch und dem schönen Blick auf die offene See lässt es sich nun recht gut aushalten und die Zeit vertreiben. Bin mal gespannt, wann wir endlich „Land“ entdecken werden…

         
Über der rechten Düse bildet sich ein Regenbogen         Mein Zeitvertreib? Schiffe gucken! 🙂

         
     Mein kleines Taschenfernglas hab ich ja extra dabei…      …Schiff gesichtet! Aber einholen wird der uns wohl nicht 😉

Während ich so den Horizont absuche, fällt mir plötzlich etwas ein.
„Ist eigentlich die Handbremse angezogen?“
Das Schiff schaukelt inzwischen ein wenig und ich stelle mir gerade vor, wie unser Wohni ohne angezogene Handbremse im Schiffsbauch Flipper mit den anderen Autos spielt. Oh-weia!
So recht werde ich diesen unschönen Gedanken für den Rest der Seereise nicht mehr loslassen und hoffe gleichzeitig, dass die Deckscrew gewissenhaft ihre Arbeit gemacht hat und die Fahrzeuge mit Spanngurten zusätzlich gesichert sind.
Damit ich nicht als Trottel dastehe, fange ich das Gespräch mit Anja natürlich so an, dass ich die Schuld auf die Decksmannschaft schieben kann. Nur rein vorsorglich versteht sich…  😉
„Die müssen bei dem Seegang ja schon die Autos sichern, gell?!“
„Ja klar! Die schleudern ja sonst umher. Stell dir mal vor, einer vergisst zum Beispiel die Handbremse anzuziehen!“
Shit! Musste sie ausgerechnet sowas sagen? :-/
„Äh, ja, sowas soll ja in den besten Familien vorkommen…“
„Wie?“ (kurze Denkpause) „Schatz. SCHATZ!! Du hast doch nicht die Handbremse vergessen, oder?!“
„Naja, sagen wir mal so… Die müssen bei dem Seegang ja schon die Autos sichern, gell?!“
„Ach Mensch, Du bist aber auch eine Nase!“
Etwas wirsch schaut Anja mich an und stellt mich mit einem ernsten Blick ganz schön auf die Probe.
Ich glaub schon, dass ich die Handbremse angezogen habe. Macht man ja eigentlich automatisch.
Ich hab es nur nicht mehr kontrolliert!
Naja, wir werden es sehen…

Neben den Schiffen auf dem Wasser entdeckt Anja übrigens noch eine ganz kleine Aussichtsplattform in Fahrtrichtung links auf dem Schiff und berichtet mir von dieser, nachdem sie von einem kleinen Rundgang auf der Fähre zurück kommt.
Von hier kann man wenigstens auch mal einen Blick nach vorne werfen, obgleich man dies wohl selbst bei windstiller Fahrt und Sonne kaum länger wie ein paar Minuten aushalten dürfte. Die aufwirbelnde Gischt schlägt einem hier oben entgegen und man hat Mühe, die Augen überhaupt aufzuhalten.
Mit Mühe gelingen mir ein paar Bilder, was aber auch gleich mit einer feuchten Digitalkamera quittiert wird.
Naja, einmal abwischen und gut ist…

         
     Anja hat noch einen kleinen Aufgang gefunden. Von hier aus…   …kann man wenigstens in Fahrtrichtung gucken!

Gegen 14 Uhr taucht zum ersten Mal wieder Land am anderen Ende des Horizonts auf.
Auch werden allmählich die Motoren gedrosselt und wir merken, dass wir uns allmählich der Küste nähern. Sehr schön!
Wenig später schwimmen dann auch die ersten „Steinwale“ vorbei, einige klein mit Buckel, andere so groß, dass sogar Bäume, Häuser und Leuchttürme auf ihnen stehen.
Besonders die kleinen Inselchen mit Leuchtturm sehen so richtig norwegisch aus!
Rundherum das blaue Wasser, dann ein Steinfelsenerhebung in der Mitte und ein paar Häuser darauf. Wer wohnt hier?
Leuchtturmwärter ist ja eh schon ein einsamer Beruf, aber dann auch noch auf so einer kleinen kargen Insel?
Heute wird da wohl sicher keiner mehr dauerhaft wohnen, aber früher?
Für den Job muss man echt geboren sein und die absolute Tristesse und Einsamkeit leben.
Zum Frühstück gab es wohl Fisch (selbst gefangen), zum Mittagessen Seetang und zum Abendbrot wurde am Stein genuckelt oder die Motten eingefangen, die sich rund um das Leuchtturmlicht versammelten.
Boah!
Einen dieser Leuchttürme haben wir uns eventuell sogar noch für heute auf die Wunschliste geschrieben. Nicht weit von unserem Hafen Kristiansand liegt nämlich nichts Geringeres als das Südkap Norwegens, der südlichste Punkt des norwegischen Festlandes am Lindesnes Fyr! Für uns als Nordkapfahrer ist dies ja geradezu ein Muss, um die Kontraste des Landes zu vervollständigen!
Damals im Norden, dieses Mal im Süden.
Naja, mal sehen, ob wir dies heute noch schaffen, oder ob wir das auf Morgen verschieben müssen.

         
     Einfahrt in norwegische Gewässer, die Plattform füllt sich   In der Ferne (gezoomt): Ein Job in Einsamkeit. 😉

         
     Auch auf der anderen Seite steht ein Leuchtturm           Andere Schiffe kreuzen auch wieder unseren Weg

         
     Die Fahrt wird gedrosselt, wir fahren langsamer…           dennoch sind wir schnell genug, dass der uns nicht einholt 😉

Die Steininseln um uns herum werden langsam dichter und erste größere Formationen des Festlandes sind erkennbar. Die Fjordcat hat nun deutlich an Fahrt verloren und erste Vorboten der nahenden Zivilisation in Form umher fahrender Boote lassen uns allmählich Norwegen erahnen.

Für die Einfahrt in den Hafen haben sich natürlich wieder viele Passagiere auf dem hinteren Deck eingefunden und wir haben Mühe, uns noch einen schönen Platz für die ersten Ausblicke in die norwegischen Fjorde zu sichern.
Weicheier! Die ganze Überfahrt schön drinnen im Trocknen verbringen und dann wieder hier aufschlagen, wenn die raue Seereise zu Ende geht!
Ich muss aber auch zugeben, dass sich der Ausblick wirklich lohnt. Das Meer ist hier in dieser Bucht wirklich strahlend blau und lädt fast schon zum Baden ein. Dazu die Steine mit grün bewachsen und so manches typische norwegische Haus direkt am Wasser machen die Idylle perfekt. Wenn Norwegen hier schon sooo schön ist, wie super wird dann erst unsere Entdeckungsreise durch das südliche Landesinnere?!

         
     Einfahrt in die geschützte Bucht von Kristiansand           Ein Urlaubsparadies! „Trinkt aus Piraten, jocho-jocho!“ 😉

         
Ein kleines Haus, versteckt zwischen Bäumen und Felsen     und natürlich noch ein schöner Leuchtturm.

         
     Norwegen empfängt uns wirklich von seiner Schokoladenseite    Gleich sind wir da! Wir nähern uns dem Hafen!

Erste Hafenanlagen wie Silotanks, Kräne und Lagerhallen, aber auch Häuser und Stadtszenerie deuten an, dass wir uns dem finalen Endpunkt unserer Seereise nähern. Kurz darauf kommt auch schon eine Lautsprecherdurchsage und die ersten begeben sich zu ihren Fahrzeugen. Ich hingegen mag noch einen Moment verweilen und möglichst auch noch den Andockvorgang miterleben. Auch hier muss das Schiff ja im Hafen drehen und so hoffe ich auf ein schönes Bild der Verladeeinrichtungen vom Aussichtsdeck.
Tatsächlich dreht das Schiff kurz darauf im Hafenbecken und ich kann, mit Ausnahme einiger Crewmitglieder auf dem Achterdeck, die Aussicht in den ganzen Hafen genießen!
Angelegt wird hier übrigens am Kai von Color Line. Und selbst wenn die kleine Kaimauer, auf die wir rückwärts zusteuern, der Fjordline gehören sollte, geht diese Tatsache in der totalen Dominanz von Color Line unter.
Überall die Hausfarben des Reeders, überall die Logos und Wappen. Die haben echt ne Menge Kohle!

         
     Ein stolzer Dreimaster im Hafen von Kristiansand           Dort vorn warten die neuen Gäste der FjordCat

         
     Color Line? Wohl eher Blue Line! Alles in Color-Line Hausfarben  Ah, wir sind da! Rückwärts geht es an die Rampe…

Ich will gerade mit Anja darüber philosophieren, da drängt diese plötzlich zur Eile.
„Du, schau mal, wir sind ganz allein!“
Ups! Anja hat Recht! Außer uns ist keiner mehr da!
Richtig unwirklich wird es, als wir schnurstracks das Achterdeck verlassen und im inneren Mittelbereich des Schiffes die Treppe zum Autodeck ansteuern wollen.
Alle Sitze sind leer! Die Bar ist auch schon zu, der Duty- Free- Shop hat die Rollläden runter.
Man könnte fast meinen, wir fahren auf einem Geisterschiff!!
Höchste Eisenbahn!
Wir stolpern fast schon die Treppe zum Cardeck runter und stemmen die schweren Türen auf.
Dahinter ein Bild des Grusels!
Alle Autos und damit meine ich wirklich ALLE Autos sind schon komplett mit Passagieren besetzt!
Niemand steht herum, geht umher oder sucht seinen Wagen.
Und alle sitzen dort in ihren Autos und starren UNS an!
Ich weiß genau, was sie denken und würde ich in einem der Autos sitzen, würde ich das gleiche denken.
Für uns ist es natürlich mega- peinlich, weil bestimmt auch (und dies vielleicht nicht ohne Grund!) der Eindruck entsteht, alle würden nur auf uns „bequeme Herrschaften“ warten.
Die Szenerie ist wirklich grotesk!
Spontan kommt mir das Geisterschiff wieder in den Sinn. Was ist, wenn alle Autofahrer Zombies sind?!
Schaut man in die finsteren nur schwach mit Neonlicht beleuchteten Gesichter und nimmt das ohrenbetäubende Kreisen der Frischluftdüsen hinzu, könnte das Umfeld locker für einen Horror- oder Splatterfilm herhalten!
Selbst Anja, die solche Filme eher belustigend anschaut, wird bei dem Anblick ein wenig fad.
Es ist gar nicht so sehr die Tatsache, dass alle in ihren Autos sitzen und uns anstarren, sondern viel mehr der Umstand, dass sich außer uns absolut nichts bewegt!
Alle starren aus ihren Fenstern nach vorn oder eben zu uns.
Teilnahmslos, lustlos, antriebslos. Keiner fummelt an was herum, keiner isst ein Bonbon oder trinkt etwas, nix!
Alle gucken nur wirr aus dem Fenster.
Und wir? Irren durch diese Reihen und suchen unser Wohnmobil…
Echt gruselig!

Wir stolpern durch die einzelnen Parkdecks und haben trotz der geringen Größe des Schiffes Probleme, unser Deck zu erreichen.
Besonders der Überblick durch die kreuz und quer parkenden Autos fehlt, weil man sich einen Weg durch die sehr dicht an dicht stehenden Fahrzeuge suchen muss und dabei nicht selten in einer Sackgasse landet.
Da wir uns hierdurch nun mittlerweile hektisch bewegen, wirken die in den Autos sitzenden Passagiere nun erst recht wie Zombies!
Zum Glück entdecken wir Wohni voraus, Anja hatte wieder mal den richtigen Riecher.
Und auch das Ausladen der Fahrzeuge hat zum Glück noch nicht begonnen, sodass die anderen nicht wirklich auf uns warten mussten. Puh! Lynchjustiz wäre ansonsten spontan als Vergeltung eingefallen. Kielholen mit der Fjordcat wäre hierbei zum Beispiel ein denkbares Szenario 😉

Wir boarden unser Womo (die Handbremse war natürlich angezogen…  😉 und machen uns sogleich startbereit.
Und wie durch ein Wunder schalte ich sofort im Kopf den Schalter um und reihe mich in die Schlange der ungeduldig wartenden ein. Und wehe, es geht hier jetzt beim Rausfahren nicht schnell genug! 😉
Tatsächlich wird meine Geduld noch einmal auf die Probe gestellt!
Der Holländer vor uns, der beim Einfahren in die Fähre seine Markise in die Seitenwand der Fähre gedrückt hatte, sollte eigentlich längst ausfahren, tut es aber nicht! Obwohl alles vor ihm frei ist. Was soll das denn???
Er gestikuliert mit einem der Decksoffiziere und aufgrund seiner blöden Position kommen wir nicht an ihm vorbei!
Der neben uns kann auch nicht weiter und so blockiert doch tatsächlich ein Holländer hier in Norwegen unser Fortkommen.
Aaaarghhhhh!
Der Decksmeister wechselt kurz ein Wort mit dem Holländer, wobei ich glaube, dass er aufgrund der überall um uns herum brummenden Motoren der Wartenden nicht viel verstehen dürfte.
Endlich wird klar, warum der Holländer nicht fährt. Sein Karren springt nicht an!
JA! Echt unglaublich! Was ist das denn für ein Mist bitte?!
Eiligst kommt ein niederer Deckshansel angelaufen und schleppt eine recht große Autobatterie auf einem Rollwagen hinter sich her.
Scheinbar haben die hier das Problem nicht zum ersten Mal, denn der Deckshansel wuchtet die Haube hoch und gibt dem holländischen Passat Starthilfe.
Echt unglaublich!
Kann der seine bekloppte Batterie nicht VOR seinem Urlaub mal kurz überprüfen???!!!
Jetzt dürfen wir hier alle deswegen warten!
Selbst Anja, sonst die Ruhe und Gelassenheit in Person, äußert sich ungehalten.
Und das will schon was heißen!

         
     Der schräg links vorn kann noch ausfahren…         Dann aber warten alle wegen einer holländischen Batterie…

Endlich läuft der Karren und die Haube wird schwungvoll zugeschlagen. Aua!
Aber geht es nun endlich los? Mitnichten!
Jetzt wird erst einmal ungefähr 10x vor und zurück rangiert, weil der Holländer vorne wohl wegen der Deckenverkleidung nicht gerade heraus fahren kann.
Diese ist nämlich über dem Wagen ziemlich entgegenkommend!
Mit gekonnter Ruhe manövrieren die beiden Deckshanseln den Holländer aus seiner misslichen Lage, in die er zugegeben nicht selbst verschuldet geraten ist.
Den Parkplatz haben ihm ja so die Deckshanseln vorhin beim Einfahren zugewiesen.
Andererseits übertreibt der gute Oranje es auch ein wenig, traut sich einfach nicht an der rechten Seitenwand vorbei. Gleich 2 von der Deckscrew müssen nach hinten und ihm assistieren, sonst ist er nicht bereit, auch nur einen Meter zu fahren.
Ist bestimmt der Stress! Ein Glück, dass keiner hupt! Sonst würde es garantiert noch viel länger dauern.
Naja, die Deckscrew beweist ein weiteres Mal Nerven, obwohl die Dame, die die rechte Flanke sichert, sich lautstark und arg gestikulierend über den „immobilen Oranje“ aufregt.

         
     Oh- weia! Jetzt wird noch hin- und her rangiert…          Die Dame rechts hebt beide Arme: „Sooo viel Platz!!!“

Endlich, nach langen Minuten des Wartens und des Rangierens, ist der Holländer endlich frei und auch wir befahren nur ein paar Fahrzeuge dahinzer um exakt 14:31 Uhr zum ersten Mal norwegischen Boden!
Wow!
JETZT kann das Abenteuer Norwegen mit dem Wohnmobil so richtig starten!

         
     Raus aus dem Schatten der Fähre…                       und rein in die norwegische Sonne. Juchu, es geht los!

Das „Abenteuer“ beginnt übrigens für Norwegen ganz atypisch mit Verkehrsproblemen!
Von der Ruhe und Gelassenheit, die vorhin die ersten Fjorde ausgestrahlt haben, ist hier auf der Ausfallstraße vom Hafen nix zu sehen!
Ich würde gerne kurz anhalten und sogleich ein erstes Bild von Wohni vor der Fjordcat machen.
Auch möchten wir einen kurzen Moment anhalten und unser Navi in Ruhe zu programmieren!
Mitten im norwegischen Verkehr und von nix ne Ahnung ist nämlich gar nicht so gut!
OK, gebe zu, dass wir das ja auch mal hätten früher machen können. Dummerweise haben wir unser tomtom im Wohnmobil vergessen.
Naja, egal.
Die Ausfahrt aus dem Hafen ist durch Barrieren allerdings so blöd gemacht, dass wir tatsächlich erst einmal den Hafen verlassen müssen, um einen Platz zum Anhalten zu finden.

         
     Da warten schon die Heimreisenden auf eine leere Fähre    Tja. So ist das… Ätsch- Bätsch, euer Urlaub ist zu Ende 😉

          
     Ich würde hier gern irgendwo mal anhalten, aber wo?     Hinter uns kommen die nächsten, hier die CrazyCampers

         
     Doch noch erwischt: Ein letzter Blick auf die Fähre     Auf dem Schild steht: Willkommen in Kristiansand! 🙂

Wir finden gleich nach der offiziellen Hafenausfahrt dann doch noch einen kleinen Parkplatz, dummerweise haben offenbar die anderen Wohnmobilfahrer vor uns ebenso die Idee, erst eine kleine Pause einzulegen und die ganzen Autos vorbei zu lassen, die die Fähre ausspuckt. Denn der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz belegt. Mist!
Unter ein paar Flüchen drehe ich auf dem engen Zufahrtsweg, verpasse knapp die Schlange vor dem Check- In und stehe plötzlich als Linksabbieger vor einem nicht enden wollenden Bandwurm von Autos, die sich aus der Fähre in Richtung Hafenausfahrt schlängeln! Boah! So viele Autos!
Die kleine Fjordcat ist deutlich größer und fasst offenbar mehr Autos, als man es vermutet!
Ich werde hier jetzt jedenfalls nicht warten, bis ich mich am Ende der Schlange einreihen kann und ein Wohnmobil nötigt zugegeben nicht zum ersten Mal unberechtigt Respekt bei den anderen Verkehrsteilnehmern ab.
Ich passe einen Moment ab, wo man eine Lücke erahnen könnte und gebe einfach Gas!
Der PKW muss nun natürlich bremsen, aber er tut dies, ohne mich anzuhupen, was hier mindestens als Protest gegen meine „Hoppla- jetzt- komm- ich“- Aktion verständlich gewesen wäre. Aber nix passiert.
Nur Anja verdreht natürlich abfällig die Augen, aber damit kann ich umgehen 😉

         
     Hab mich einfach reingedrängelt 😉                            Kleiner Verkehrskollaps, sobald die Fähre auslädt   :-/

Wieder im Strom folgen wir der Blechlawine zu einer ersten Ampel, an der sich zum ersten Mal der Verkehr teilt. Ein Großteil biegt rechts in Richtung Kristiansand ab, wir hingegen biegen links ab und folgen der E 39 in Richtung Mandal.
Vielleicht 80km von hier entfernt läge ja das Südkap am Lindesnes Fyr, was ich mir als erstes Ziel mal auf den Wunschzettel geschrieben habe.
Aber auch Anja hat einige Ziele schon aus dem WOMO- Reiseführer für Süd- Norwegen heraus gesucht und macht mir insbesondere das Städtchen Mandal schmackhaft.
Aber auch ein Badeplatz bei Mandal hat es uns angetan. Besonders das schöne blaue Meer bei der Hafeneinfahrt hat so richtig Lust auf ein Bad im Meer gemacht und da der Reiseführer von einem tollen weißen Strand berichtet, wäre doch ein erster Stopp am Wasser eine gute Idee!
Die Seefahrt hat uns nämlich auch hungrig gemacht (der schmale Schiffs- Hot-Dog hält wirklich nicht sehr lange vor…) und so ein kleines Picknick am Strand wäre doch ein wirklich schöner norwegischer Einstieg!

Gesagt getan programmieren wir das Navi während der Fahrt auf die Koordinaten des Reiseführers und lassen uns durch den Verkehr schieben.
Dieser hat nämlich noch immer nicht nachgelassen und es geht recht ruppig zu!
Erinnerungen an die rasenden LKW auf der E 6 werden bei uns wach, die wir auf unserer Rückfahrt vom Nordkap im Nacken hatten.
Nicht schön und jetzt, mit einem ollen 75- PS Wohnmobil schon fast Nötigung!
Gleich an einer der ersten Möglichkeiten lassen wir den ersten Schwall Fahrzeuge hinter uns vorbei.
Hab ich mir für diese Reise ganz fest vorgenommen, überall und so oft wie möglich hinter mir fahrende Verkehrsteilnehmer vorbei zu lassen.
Ich hab Urlaub, die aber nicht und wenn ein Land kaum zweispurige Autobahnen vorweisen kann und die Leute manchmal über zig Kilometer hinter einem Vordermann festklemmen, kann das echt blöde sein.
Die LKW hinter uns ziehen natürlich sofort vorbei, im Schlepptau noch etwa 5 oder 6 PKW, danach ist eine größere Lücke.
Damit ich nicht gleich wieder zum Bremser werde, muss schon ein wenig Gas her! Zum Glück wird die Strecke hier immer mal wieder zweispurig, sodass uns andere problemlos überholen können. Puh!
Und so fahren wir mit 90-100 auf der E 39 weiter in Richtung Mandal.

         
     Die E 39 in Richtung Mandal. Mal ist sie zweispurig…     …mal nicht… :-/

Kaum haben wir den Dunstkreis von Kristiansand verlassen, wird es spürbar ruhiger auf der Straße.
Natürlich lassen wir uns sofort von den Schönheiten der norwegischen Natur anstecken und machen wie wild Fotos!
Sicher werden wir auf unserer Reise noch deutlich schönere besser farbenfrohere und tollere Motive entdecken, aber der ein oder andere kennt das vielleicht: Kaum ist man wo ganz neu, knipst man erst einmal wie wild. Das legt sich erst, wenn man sich dran gewöhnt hat, nach ein paar Tagen des Aufenthalts.
Aber schön ist es natürlich trotzdem:

         
      Freie Fahrt kurz hinter Kristiansand…                      Ui, wie schön! Norwegen ist schon ab hier traumhaft

         
     Die Straße schlängelt sich durch die Natur                  Immer wieder bekommen wir schönste Ausblicke zu sehen

Eine knappe Stunde, nachdem wir den Hafen verlassen haben, erreichen wir Mandal.
Der Ort fällt uns sofort auf, weil fast alle alle Häuser hier komplett in weißer Farbe gestrichen sind.
Sonderbar!
Zeit, um dieses Phänomen näher zu erkunden, haben wir jetzt im Moment allerdings nicht.
So langsam knurrt uns nämlich wirklich der Magen, sodass wir dann doch gerne das Picknick am Strand von Lillebakken genießen würden!

         
     Durchfahrt durch Mandal, offenbar eine Hafenstadt        Kurios: Alle Häuser in Mandal gibt es scheinbar nur in weiß?

Den Stellplatz mit nächtlichem Parkverbot finden wir, nachdem wir zuerst in voller Fahrt daran vorbeigefahren sind und drehen mussten, zum Glück dann doch recht schnell (bei N 58.01961° / E 7.43325°) und genügend Platz zum Parken gibt es auch.
Durch die angrenzenden Bäume eines kleinen Wäldchens schimmert auch schon das Wasser durch, sodass es uns nicht sehr lange im Wohnmobil hält.
Schnell packen wir ein paar Nahrungsmittel und was zu trinken aus dem gut kalten Kühlschrank und schlendern aufs Wasser zu.
Nur wenige Schritte später sind wir da.
Hmm…
Irgendwas stimmt aber an diesem Bild nicht!
Wir können uns nicht helfen, aber sprach der WOMO- Reiseführer nicht von einem schönen großen und vor allem weißen Sandstrand???
Und das Bild dazu?!
Passt nicht!
Das war doch nicht hier, oder? Andererseits passen ja die im Buch angegebenen Koordinaten!
Wir schauen sowohl rechts wie links die Wasserlinie entlang. Ein Strand, wie er im Buch beschrieben und im Bild dargestellt ist, will sich uns einfach nicht offenbaren.
Wir haben allenfalls einen schmalen teilweise veralgten Streifen gelben Sand, der vielleicht sogar künstlichen Ursprungs ist.
Aber was soll´s?
Komplett falsch können wir nämlich eigentlich nicht sein, denn neben uns sind noch einige andere Gäste an diesem kostenlosen Strand und haben es sich hier zum Baden, planschen und Sonnenbaden bequem gemacht.
Wir räumen fix von einer kleinen gelb-orange sandigen Bucht ein wenig Strandgut und Algenreste weg, sodass wir ein nettes Plätzchen bekommen.
Dann machen wir unser Picknick- Set startklar und schmieren uns sogleich ein leckeres Schwarzbrot mit Salami und Käse! Dazu noch ein Ei und was kaltes zu trinken, so wird ein tolles Strandpicknick draus.
Mjam!

         
     Wir parken auf einem Waldparkplatz zum Baden            Hmm… DAS soll der tolle Traumstrand sein? Naja…

         
     Aber, egal! Anja richtet unser Picknick- Lager ein…       Immerhin (sonnen-) baden ja auch andere Gäste hier!

         
     Alles dabei für ein leckeres Picknick! 🙂                Erstmal gibt es ein leckeres Salamibrot. Mjam!

Nach dem Essen ist ein wenig faulenzen angesagt.
Kein Wunder, der Tag war schon bis jetzt ziemlich lang (wer den Tag in einem Rutsch bis hierhin gelesen hat, weiß, was wir meinen 😉 und so bin besonders ich entsprechend müde.
Hab ja eh nicht so gut geschlafen letzte Nacht.
Und so baue ich mir aus Sand ein kleines Ruhekissen, lege ein Handtuch auf die Wölbung und lasse mir die Sonne mit geschlossenen Augen auf Bauch und Gesicht scheinen.
Ganz schnell döse ich bei ganz leichtem Wellengang vom Wasser weg.
Traumhaft! Urlaub! Hurra!

         
     Im Wasser dümpeln die Schiffe…                                  …am Strand dümpele *äh* döse ich…  😉

Eine kleine halbe Stunde lässt Anja mich dösen, dann überkommt sie wieder der Entdeckerdrang.
So recht will sie noch immer nicht glauben, dass das hier der richtige Strand ist und so ist wohl eine weitere Erkundung unabdingbar.
Wir schnappen unsere sieben Sachen und unseren Müll, werfen letzteren in die etwas abseits stehenden Container und halten im Wohnmobil einen kurzen Kriegsrat.
Tatsächlich ist die Beschreibung im WOMO- Reiseführer etwas ungenau. Der Parkplatz, auf dem wir stehen, ist wohl schon richtig. Aber es ist nicht der richtige Parkplatz für den langen weißen Sandstrand!
Stattdessen findet sich im Text eine alternative Wegbeschreibung unabhängig der erstgenannten Koordinaten.
Aha!
Wir schmeißen also unseren Wohni an und folgen mal der Wegbeschreibung, was uns kurz darauf vor die Tore eines Campingplatzes führt.
Es handelt sich hierbei um den kombinierten Campingplatz und Feriencenter Sjosanden (Sjøsanden) bei Mandal.
Mit der Wegbeschreibung im WOMO- Reiseführer sind wir zwar noch immer unsicher (warum können da nicht einfach die Koordinaten des Parkplatzes stehen???), aber da im Reiseführer dieser Campingplatz Erwähnung findet, wird hier irgendwo schon der Strand sein!
Und wenn wir schonmal hier sind, können wir uns auch gleich mal den Campingplatz anschauen!
Wir parken unser Wohnmobil also auf einem links neben dem Eingang zum CP liegenden großen und kostenlosen Waldparkplatz (bei N 58.02007° / E 7.44029°) und schlendern dann einfach mal auf den Campingplatz.
Ich will in der Rezeption natürlich nachfragen, ob das OK ist, aber in der Rezeption ist gerade so ein großer Andrang, dass ich keine Lust habe zu warten.
Also eben ohne Befugnis 😉

         
    Wir erreichen das Sjosanden Feriencenter                 Wohni bleibt auf dem Parkplatz vor dem CP zurück

Sofort fällt uns die Größe der Ferienanlage auf!
Der Platz ist in beide Richtungen wirklich riesig und man hat die Wahl zwischen freien, halbfreien und komplett schattigen Plätzen unter Bäumen.
Wir durchqueren die zahlreichen Reihen, die, ohne das Ende sehen zu können, links von uns weiter in den Wald hinein ragen.
Das geübte Campingplatzbewerterauge entdeckt natürlich schnell die elementaren „Basics“. Da wäre zum Beispiel ein stattlicher Supermarkt. Kein Wunder, so ist doch der Ort Mandal ein paar Kilometerchen weg und mal eben zu Fuß dorthin, z.B. für Brötchen, ist dann schon eine kleine Herausforderung.
Aber auch ein größeres Restaurant mit großer Terrasse entdecken wir, was allerdings im Moment geschlossen ist.
Eine Snackbar oder so eine Kiosk ist jedoch in Höhe des Supermarktes zu finden, sodass die Grundversorgung an Hot-Dogs wohl gewährleistet sein dürfte 😉

         
     Die Anlage des Feriencenters ist recht weitläufig                Die Versorgungslage mit Supermarkt und Co. gut

Wir folgen instinktiv dem Weg, wo wir das Meer vermuten und tatsächlich entdecken wir, nachdem wir den Campingplatz einmal der Breite nach durchquert haben, den Zugang zu einem traumhaften weißen und breiten Sandstrand!
Aha, da ist er also!!
Etwas unsicher bin ich allerdings nun doch, ob der Sandstrand solitär zum Campingplatz gehört, oder man hier „einfach so“ hingegen darf und es in Ordnung ist, wenn man dafür den Campingplatz durchqueren muss.
Vielleicht gibt es aber auch noch einen dritten Parkplatz und einen separaten Zugang, wer weiß…

         
      Da ist er ja, der schöne weiße Sandstrand!            Und recht weitläufig ist er auch!

         
     Der Sand ist sehr fein und fluffig                            Gestrandete Steinwale am Rand des Strandes 😉

         
     Auch das Wasser ist schön seicht und relativ flach          Und glasklar ist es auch! Ideal zum Baden im Sommer!

Nun, dieser Strand hier ist natürlich deutlich schöner, als das Baggerloch, wo wir vorhin gepicknickt haben.
Hätten wir nun Badesachen und Handtücher dabei, würden wir wohl einen Moment im Strand ein kleines Lager einrichten und vielleicht auch mal das Wasser antesten.
Zumindest mit den Füßen ist es erträglich.

Spontan spazieren wir einmal am Stand entlang und entdecken am Ende einen kleinen Pfad, der in einen Wald und an einigen Steinen direkt am Wasser entlang führt. Schon von weitem kann man erkennen, dass der Weg auf einem der großen Felsen enden wird, die hier platt im Wasser vor sich hin dümpeln.
Ein ideales Fotomotiv! Und eine gute erste Übung für den Preikestolen- Felsen, den wir auf dieser Norwegen- Rundreise ja auch noch beklettern wollen.
Zielstrebig steuere ich den Eingang an, Anja folgt mir hingegen mit einigem Abstand, sodass ich sogar noch ein Bild mit ihr am Strand machen kann:

     Strand bei Sjosanden / Mandal
     Anja spaziert am Strand des Sjosanden Feriencenters gleich bei Mandal entlang. Echt schön hier, fast wie in der Karibik

Mit dem kleinen Kletterpfad zu den Steinen am vorderen Aussichtspunkt hab ich Anja übrigens keinen Gefallen getan.
Sie mag nicht auf irgendwelchen rutschigen Steinen umher krabbeln, folgt mir aber dann doch.
Der Weg wird schnell zur kleinen Herausforderung und mit jedem Mal, wo man seine Hände zum klettern gebrauchen muss, schwindet bei Anja die Lust dies zu machen.
Entsprechend langsam kommen wir vorwärts und werden sogar von einer kleinen Reisegruppe überholt, wovon die jüngste Teilnehmerin mit geschätzten 14 Jahren Alter und Badelatschen an den Füßen noch schneller unterwegs sind, als wir selber.
Au- weia! Na das kann ja was werden am Preikestolen!

         
    Der Weg zum vorderen Aussichtspunkt auf den Klippen   OK, zugegeben, man muss schon ein wenig klettern…

         
     Die Holzbrücke rauf…                                                     Über Stock und über Steine…

Final kommt eine Kletterstelle, vor der Anja dann kapituliert. Nix geht mehr!
ich klettere also alleine rauf und mache ein paar Bilder.
Die letzten Meter bis auf die Klippen mag ich alleine dann aber auch nicht weiter gehen. Ist schon ein wenig anstrengend!

         
     Blick zurück zum Strand, von dort sind wir gekommen     Blick voraus auf die Aussichtsplattform im Meer

Ohne das Ziel erreicht zu haben, brechen wir ab. Schon blamabel! Und als Mini- Generalprobe für den Preikestolen ein Desaster! Aber wir haben ja noch ein wenig Zeit zum Üben…
Vom Strand aus spazieren wir über den Campingplatz zurück in Richtung Wohnmobil.
Wo wir aber schonmal auf einem Campingplatz sind, besorgen wir uns gleich noch einen kleinen Einblick in die Servicehäuser.
Wer weiß, vielleicht bleiben wir ja diese Nacht hier und da wäre es doch gut zu wissen, ob der Campingplatz hier über annehmbare Serviceeinrichtungen verfügt.

Tatsächlich sind die Dusch- und Toilettengelegenheiten vorbildlich. Warmwasser muss zwar mit einer Codekarte freigeschaltet werden (und sind damit wohl kostenpflichtig), aber Seife am Waschbecken und Toilettenpapier in den Toiletten ist vorhanden.
Das ist schonmal gut.
Auch Anja kann nichts Negatives über die Damenabteilung berichten und so nehmen wir diesen Platz hier als möglichen Campingplatz für die erste norwegische Nacht in die engere Wahl.

         
     Wenn wir schonmal da sind, können wir auch nachschauen!    Joah, die Serviceeinrichtungen sind OK

Einzig die Tatsache, dass wir so weit weg vom Örtchen Mandal stehen, gefällt uns nicht wirklich.
Wir würden gern in Mandal eine Runde spazieren gehen, ohne gleich die Fahrräder hierfür abschnallen zu müssen. Auch wissen wir ja noch gar nicht, was die Übernachtung hier auf dem Campingplatz kostet.
Dummerweise ist der Campingplatz auch nicht in unserem ACSI- Campingführer eingetragen, der für Norwegen schon grundsätzlich recht dünn bestückt ist. Da besteht echt dringlich Nachholbedarf!
Ein besseres Verzeichnis muss also her und da wir wissen, dass es in Norwegen ein kostenloses Campingverzeichnis vom Camping.no Verband auf vielen Campingplätzen und in den allermeisten Touristenzentren gibt, haben wir auch gleich eine erste Aufgabe.
Ich schaue also kurz ein weiteres Mal in der Rezeption vorbei, wo noch immer eingecheckt wird. Das Campingplatzverzeichnis kann ich allerdings nirgendwo entdecken.
Hmm. Blöd!
Zurück am Wohnmobil überlegen wir, dass wir doch gleich 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen könnten.
Zum einen war in Mandal eine kleine Touristeninfo (die haben wir bei der ersten Durchfahrt schon erspäht) und in Mandal spazieren gehen wollten wir ja auch noch!
Gesagt getan fahren wir die paar Kilometer zurück bis zur Touristeninfo, vor der wir auch noch gerade so unser Mobil rückwärts einparken können (bei N 58.02613° / E 7.45248°), ohne in der Begrenzung über zu stehen.

         
     Rückfahrt nach Mandal mit den weißen Häusern             Direkt am Hafen parken wir

         
     Die Parkbuchten sind für kleine Womos auskömmlich       Auch hier am Hafen zu finden: Die Touristeninfo !

In der Touristeninfo entdecken wir dann die kostenlosen Campingguides, von denen wir gleich mal 2 Exemplare mitnehmen.
Dummerweise fällt schon bei der ersten Sichtung auf, dass die Preisliste dazu fehlt!
Ich könnte schwören, dass es 2006 eine separate Preisliste für die CPs gegeben hat, wo man die Übernachtungskosten selbst ermitteln konnte.
Fand ich prima, heute fehlt die Info.
Sowas blödes! Wenigstens einen Richtpreis hätte man doch angeben können!
Aber so ist wahrscheinlich die Chance für die teuren Campingplätze größer, auch mal einen Gast aufgrund einer großseitigen Farbfotoanzeige abgreifen zu können, da lohnen sich dann auch die ganzseitigen Anzeigen wieder.
Schade.

    
     So sieht es aus, das kostenlose Campingverzeichnis von camping.no

Nun, schauen wir später nach! Jetzt geht es erst einmal durch Mandal durch und sofort sind wir Feuer und Flamme für das kleine Örtchen am Fjord.
Tatsächlich sind in der Fußgängerzone alle Häuser komplett in weiß gestrichen!
Einige frisch, andere schon längere Zeit nicht mehr. Aber vom Grundton her sind sie alle weiß.
Hat was!
Fast wirkt das ganze wie Schnee und hat einen Hauch von Weihnachten und das mitten im Sommer.
Aber das kennen wir ja schon vom Weihnachtsmanndorf in Finnland, wo wir vor 4 Jahren mal Weihnachtsgrüße im Juni verschickt haben.

         
     Wir schlendern durch die fast leere Fußgängerzone von Mandal: Alle Häuser hier sind wirklich komplett in weiß gehalten

         
     Ein wenig Schaufensterbummel auf norwegisch           Das Straßencafé mit Brunnen

         
     Der erste norwegische Troll! Anja krault seinen Kopf 😉   Hier mal der Troll in Nahaufnahme. Hat der ne lange Nase

Wir schlendern durch die Gassen und bestaunen hier und da das Angebot. Ein wenig schlucken müssen wir aber schon jetzt über die Preise! Wir haben gewusst, dass Norwegen teuer werden würde. Aber auf einige Summen sind wir nicht vorbereitet. Die müssen hier ja Unmengen verdienen, wenn die Norweger sich einfache Alltagsgegenstände leisten können!
Puh!
Apropos „leisten können“: Wir haben noch gar keine norwegischen Kronen!
Zum Glück entdecken wir gleich hier in Mandal einige Banken, von denen uns gleich der zweite Geldautomat mit Bargeld versorgt.
Der erste mochte übrigens unsere Karten nicht, aber wer nicht will, der hat schon 😉

         
     So, jetzt gibt´s erstmal Geld! 🙂                             Endlich können wir uns auch ein bisschen bewegen…

Mit „großen Scheinen“ ausgerüstet spazieren wir am anderen Ende der Fußgängerzone runter an die Wasserlinie und einen unglaublich idyllischen Kai!
Fast könnte man meinen, wir wären in Bergen am Bryggen- Kai, was übrigens auch auf unserer Wunschliste der sehenswerten Orte in Südnorwegen steht.
Kleine Holzhäuser (hier mal nicht nur in weiß gehalten), Holzbohlen, hellbraune Hauswände mit weiß getünchten Dachfirsten, im Wasser schaukelnde Schiffe und Yachten.
Zusammen mit den verzierten Laternen, den Planken und dem blauen Wasser kommt fast schon Piratenatmosphäre auf! Man könnte echt meinen, gleich springt Jack Sparrow, *äh Verzeihung*, ich meine natürlich Captain Jack Sparrow um die Ecke und wird uns fragen, wo die Black Pearl angelegt hat.
So richtig urig!
Echt total schön und für uns gleich mal ein paar Dutzend Fotos wert:

         
      Auf dem Holzkai geht die Stadtbesichtigung weiter            Hey, das Haus ist ja gar nicht weiß! 😉

         
     Wir spazieren auf der Promenade entlang                       Einige Restaurants, Bars und Cafés finden sich hier

         
       Die Preisliste! Preise nicht zu erkennen? Besser so! 😉      Das Ende vom Kai, viel zu gucken gibt es nicht.

     Fjord in Mandal mit Blick aufs Wasser
     Blick auf das gegenüberliegende Ufer: Die TOTALE norwegische Fjordidylle, oder?  Fast wie in einem Piratendorf 😉

Mandal ist selbstverständlich recht übersichtlich und abgesehen vom holzverbauten Kai und den komplett weißen Häusern der kleinen Fußgängerzone ist hier nicht so viel los.
Entsprechend schnell sind wir durch Mandal durch und haben ehrlich gesagt so langsam auch den „Akku leer“.
Der Tag war wirklich unglaublich lang und entsprechend müde bin ich von den Anstrengungen der Seereise.
Anja pflichtet mir bei. Sie ist sowieso schon den ganzen Nachmittag der Meinung, dass wir es nicht mehr bis zum Leuchtturm schaffen und so entscheiden wir uns tatsächlich, es für heute in Mandal gut sein zu lassen.
Nützt ja auch nichts! Man muss ja nicht gleich alles am ersten Tag über´s Knie brechen!
Für den heutigen Tag wäre das Südkap von Norwegen einfach zu viel und die Zeit zu knapp. Bis wir da sind, wäre es zwar sicherlich noch nicht dunkel (heute ist ja der längste Tag des Jahres), aber alles in allem war es schon bis hier ein anstrengender Tag und jetzt noch die nächste Attraktion mit Gewalt durchprügeln hilft auch keinem.
Noch später am Abend wird Anja mir übrigens sagen, dass sie ein wenig was zum Leuchtturm nachgelesen habe und dabei erfahren hat, dass der Leuchtturm gar nicht so lange geöffnet hat. Die Sommeröffnungszeiten gelten nämlich erst ab morgen und eine Fahrt bis zum Leuchtturm wäre somit zu einer Frustfahrt geworden.
So ist es also gut, dass wir hier und heute in Mandal den Tag beenden und das Südkap eben morgen ansteuern.
Reicht ja auch noch.

Zurück am Wohnmobil entscheiden wir uns, auch noch den zweiten Campingplatz von Mandal anzuschauen. Dieser liegt zwar noch ein kleines Stückern weiter außerhalb der Stadt, soll aber laut ACSI- Campingführer recht günstig sein. Ist ja auch klar.
Hat weniger Einrichtungen und liegt ein wenig außerhalb. Aber wenn der Platz dort mindestens so gut ausgestattet ist, wie das Feriencamp, dann lohnt sich hier auch der kleine Umweg, zumal wir in Mandal ja auch alles gesehen haben und den kompletten Campingplatzluxus für nur eine Nacht gar nicht brauchen.
Da tut es auch ein einfacher Platz.

         
Abfahrt aus Mandal, es weiter über die Landstraße      Der Campingplatz Sandnes ist schon ausgeschildert

Schnell erreichen wir nach einer kleinen Fahrt den Campingplatz und können auch gleich einchecken.
Die Übernachtungskosten sind mit 200 Kronen (etwa 26 Euro) zwar hoch, aber wir haben hier in Norwegen, wo z.B. unsere ACSI- Campingcard so gut wie gar nicht akzeptiert wird, mit nichts anderem gerechnet.
Ist halt so und wir werden deswegen bestimmt nicht das große Rumgejammere anfangen.
Für billige Campingplätze hätten wir eben woanders hinfahren können.
Ach ja, auch hier, auf dem ersten norwegischen Campingplatz, brauchen wir die CampingCard Scandinavia! Ohne die scheint hier in den nordischen bzw. skandinavischen Ländern wirklich nix zu gehen…

         
     Ankunft am Campingplatz Sandnes Camping               Parkplatz für Groß und Klein 😉

         
     Die Rezeption, hier checken wir ein                               Das kleine Büroräumchen ist urig- norwegisch eingerichtet

Kaum eingecheckt rollen wir auf ein größeres Wiesenareal und schon fallen uns die Kinnladen runter.
Boah! Ist das idyllisch hier!
Der Campingplatz Sandnes Camping bei Mandal erfüllt gleich mal vom Start weg alle Erwartungen, die wir an urtypische norwegische Campingplätze stellen!

         
     Eingecheckt! Wir stehen auf einer total schönen Wiese!    Gleich hinter uns folgt der Fjord und ein kleiner Berg

Allein die Natur!
Zu unserer Rechten und auch voraus entdecken wir ein recht dichtes massives Felsenpanorama. Zu unserer Linken hingegen schauen wir zunächst zwar auf eine Straße, dann aber dahinter auf einen echten Fjord. Wenn wir gewollt hätten, hätten wir in der Campingplatzrezeption gleich Fischereikarten für den Fjord kaufen können, einen eigenen Angelplatz hat der Campingplatz zumindest im Angebot.
Das schönste neben den kleinen Bergen rechts und dem Wasser links von uns ist aber die unglaublich saftige grüne aber vor allem offene Campingwiese!
Parzellen lassen sich mal so lose erahnen und irgendwie steht hier jeder so, wie es gerade beliebt.
Vereinzelt finden sich Picknicktische auf der Wiese, einen davon steuern wir im zentralen Teil mit unserem Wohnmobil an und parken seitlich davon. Den beschlagnahmen wir! 😉
Strom ist schnell angesteckt und auch die SAT- Schüssel ganz fix ausgerichtet, vom Dach unseres Wohnmobils aus mache ich gleich noch ein paar Bilder:

         
    Nach dem Ausrichten der Fernsehantenne schaue ich mich um: Das Wohnmobildach ist hierfür ja bestens geeignet…

         
     Blick nach vorn: Eine Anhöhe mit dichtem Wald             Blick zur Seite und zum Servicehaus

         
     Blick zum Hang: Mietwohnagen oder Dauercamperidylle     Wir sind sicher: diese Campingwiese ist mal richtig schön!

Übrigens: Irgendwie ist die Welt recht klein! Schon vorhin in Mandal war uns ein Wohnmobil aufgefallen, welches auch mit uns auf der Fähre gestanden hat. Nun, hier auf dem Campingplatz, steht ein weiteres anderes Mobil, welches auch vorhin auf der Fähre gestanden hat.
Bin mal gespannt, wie viele wir auf unserer Tour wiedererkennen und vielleicht sogar mit den gleichen Leuten wieder mit der Fähre zurückfahren…   😉

Kaum eingerichtet wollen natürlich die Waschräume erkundet werden!
Diese sind für uns dann sogar eine kleine Überraschung.
Serviceräume analog eines Großraumes mit mehreren Kabinen mit Duschen oder Toiletten nebeneinander gibt es hier nämlich nicht, sondern nur ausnahmslos Einzelkabinen mit „voller“ Rundumkonstruktion.
Prima! Wer gerne „lautstark“ oder „geruchsintensiv“ verdaut, braucht sich hier wenigstens nicht seiner Auswirkungen zu grämen. Andererseits kann so natürlich auch nicht der Nachbar mit Klopapier aushelfen, wenn es mal fehlt… 😉

Urig und so richtig „Landhausstil“ ist aber die Einrichtung! Alles in Holzverkleidung gehalten, kleine Fensterläden zieren die Aussicht, es gibt putzige Gardinchen in klassischem rot- weißem Fleckmuster und auch die Ausstattung mit Toilettenpapier und Seife kann sich sehen lassen. Das ganze Haus atmet regelrecht das Gefühl von Norwegen, stößt es aus, es riecht dabei richtig natürlich und lebendig nach Holz!
Und: Die Klositze sind äußerst bequem! Muss man ja auch mal sagen dürfen 😉
Einziges Manko: Auch hier wird fürs Duschen ein extra Entgelt fällig.
Aber auch das haben wir erwartet, macht also nix.

         
     Das Servicehaus: Alles ist komplett holzverkleidet und sehr naturverbunden. Aber auch funktional und sauber!

Beim weiteren Spaziergang über den Platz entdecken wir den Küchen- Mehrzweckraum.
Und denken zunächst, dass wir vielleicht bei jemandem in einer Wohnung gelandet sind!
Wie die Badezimmerräume ist auch hier alles im rustikalen Landhausstil gehalten. Alles ist mit Holz eingerichtet und vertäfelt. An den Wänden hängen Bilder, an den Fenstern hängen kleine Gardinchen mit keckem Muster und 2 Topflappen baumeln von 2 Haken am Herd.
Neben dem bereitstehenden Ofen gibt es noch einen Kühlschrank und eine Tiefkühltruhe, letztere ist wahrscheinlich für gefangenen Fisch. Dann gibt es noch 2 Spülbecken, eine Kaffeemaschine, eine Mikrowelle und einen Wasserkocher. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch mit rustikalen Holzstühlen, an dem locker eine norwegische Großfamilie Platz finden könnte.
Abgerundet wird der Raum durch einen großen Flachbildfernseher, der zur kostenfreien Benutzung ebenso zur Verfügung steht.
Wow, noch nie haben wir einen so liebevoll eingerichteten Wasch- / Spül- / und Speisesaal auf einem Campingplatz vorgefunden. Man fühlt sich wirklich fast wie zuhause, oder zumindest wie auf Seite 42 des IKEA- Katalogs, wo die „Landhaus- Stil- Möbel“ abgebildet sind.
Wow! Der Platz hier ist wirklich einer der schönsten und liebevoll gepflegtesten Plätze, die wir jemals angesteuert haben!!
So eine traumhaft idyllische Lage und die urige, aber vor allem „persönliche und lebendige“ Einrichtung machen diesen Platz zum eindeutigen Favoriten hier in Mandal.
Gut, dass wir nicht den Platz am Feriencenter Sjosanden genommen haben, sondern hier her zum Sandnes Camping gefahren sind. Es hat sich wirklich gelohnt.

         
     Orientierungsspaziergang über den Campingplatz          Es gibt sogar eine kleine Räucherhütte! Für Fjordfisch?

         
     Genügend Platz fürs Picknick, auch bei Schlechtwetter     Hier nochmals die Campingwiese von der Stirnseite

         
     Schicke Mietbungalows                                               Der Weg führt in den Wald und auf die Anhöhe

         
     Ein paar Schritte laufe ich rauf und kann diesen Ausblick auf unseren Standplatz für die Nacht machen (2tes Bild gezoomt)

Wir spazieren zurück über die Anlage, machen noch einen Schlenker an einem angrenzenden Hang vorbei und stehen kurz darauf wieder am Wohnmobil.
Beide haben wir natürlich mittlerweile Hunger bekommen und so entscheiden wir uns spontan, nun eine der mitgebrachten Dosengerichte aufzuwärmen und dann vor dem Wohnmobil auf den bereitstehenden Picknickbänken zu verspeisen.
Anja trifft die Wahl für uns und so gibt es heute Abend Möhrentopf. Und damit die Möhren nicht ganz alleine mit den Kartoffeln und Fleischbällchen kuscheln müssen, gibt es noch ein paar Mettwürstchen dazu.
Eigentlich wäre das Kochen im Freien ebenso einfach möglich, wie das Essen selber, aber bei der schönen Gelegenheit in der kleinen Küchenstube sein Essen zuzubereiten, wäre es doch total verblödet, wenn wir hier das eigene Gas auf unserem mobilen Kocher Camp Bistro verbrauchen.
Also schnappe ich mir unseren großen Topf, die beiden Dosen mit Möhrenfutter und das Päckchen mit Mettwürstchen sowie ein scharfes Messer und ein Brettchen zum schneiden.
Anja bleibt am Wohnmobil zurück und beginnt auf dem Picknicktisch in der Abendsonne schonal alles zu decken und für das Abendessen vorzubereiten.

In der Küche angekommen schnibbele ich die Mettwürstchen fix klein und erwärme den Möhrentopf.
Das geht recht schnell und nur 10 Minuten später kann ich mit den beiden in der Küche ausgeborgten Topflappen den dampfenden Möhreneintropf zu unserer Parzelle tragen.

         
     Super oder? In dieser heimeligen Küche…                   …koche ich uns schnell ein leckeres Abendessen! 🙂

Anja wartet schon sehnsüchtig auf mich und wirft mir schon von weitem ein recht ruppiges „Hunger!“ entgegen.
„Ja, ich komm ja!“ 😉
Schnell noch was zu trinken dazu und schon genießen wir im schönsten Abendsonnenschein ein leckeres Abendessen mit Blick auf den Felsenhang und den Fjord.
Ein wirklich toller Einstand in unseren Norwegen- Urlaub!

         
     Anja wartet schon sehnsüchtig! „Hunger!!!“                    Mjam! Lecker Abendessen, herrlich für den Einstand 🙂

Nach dem Abendessen schnappe ich mir dann den Topf, das Geschirr und das schmutzige Besteck, um in der kleinen Landhaus- Küche spülen zu gehen. Anja kann derweil ein wenig Fernseh schauen.
Die kleine Küche hat sich zwischenzeitlich gut gefüllt! Alle Spülbecken sind belegt, auch am Herd wird gekocht und der Tisch ist mit einigen Herren belegt, die sich mit Bier das heutige Fußballspiel auf dem großen Flachbildschirm anschauen.
Bestimmt wurden die armen Männer von ihren Frauen vertrieben. Mandals Separatisten sozusagen. 😉
Ich warte einen Moment, bis ein Spülbecken frei wird, dann wird mehr oder weniger gespült und dabei mehr oder weniger (vielleicht ein wenig mehr 😉 zum Fußballspiel geschaut.
Da das Spiel nicht besonders interessant ist, spüle ich schnell zu Ende und spaziere dann zurück zum Wohnmobil.

Dort angekommen hat Anja bereits alles vorbereitet und unsere Duschbeutelchen gepackt, damit wir uns den aufregenden, aber auch anstrengenden Tag von der Haut waschen können.
Besonders die 2 Stunden auf dem offenen Deck der Fähre hat für viel Salz auf der Haut gesorgt. Irgendwie sitzt man immer ein wenig in der Gischt und immer wieder trägt der Fahrtwind feinste Wassertröpfchen und damit Salz auf die Haut.
Da kommt die finale Dusche heute natürlich richtig gut gelegen!

Anja und ich teilen uns einen Familienwaschraum, wo wir es schaffen, mit einer Duschmünze zu 10 Kronen beide duschen zu gehen. Sparprogramm inklusive.

Natürlich bin ich mit dem Duschen als erster fertig und da Anja ja wie immer ihre Haare föhnen muss, spaziere ich mit den nassen Handtüchern schon mal zurück zum Wohnmobil.
Hier probiere ich gleich unsere neueste Errungenschaft aus, einen Klapp- Wäscheträger, der zum Beispiel in den Fensterrahmen am Wohnmobil eingesteckt wird.
Bei einem Einkaufs- Samstag in Venlo haben wir diesen im Tref- Center für kleines Geld entdeckt und gleich mitgenommen.
Genial und einfach bekommen wir so eine Aufhängemöglichkeit für Wäsche, ohne extra unseren großen Wäscheständer aus dem Badezimmer ausräumen und dann aufbauen zu müssen.

         
      Für was um 5,- € gekauft! Praktisches Teil, oder?            Wird einfach in den Fensterrahmen eingehangen!

         
     Es wird Abend am Campingplatz…                                 Skandinavien ist kein Euro- Land, dänische und Norge- Kronen

Wenig später kommt Anja vom Duschen zurück und wir machen es uns den Rest des Abends im Wohnmobil gemütlich.

Anja schaut ein wenig Fernsehen und ich tippe natürlich wieder am Reisebericht, damit es bis zur Veröffentlichung nicht wieder ein Jahr dauertl…

Zitat des Tages (bei der Durchfahrt durch Mandal):
Anja: Komisch! Alle Häuser hier in Mandal sind ja weiß gestrichen! Warum nur?
Ich: Vielleicht mussten sich die sparsamen Bewohner nach Aufbau der Stadt alle einen Topf weiße Farbe teilen?

2 Kommentare

  1. hallo
    erstmal danke für die mühe die ihr euch macht!
    obwohl wir seit über 10 jahren urlaub mit dem eigenen wohnmobil machen und obwohl wir bereits mehrfach in (süd)norwegen wachen, fahren wir in diesem jahr zum ersten mal mit dem womo dorthin.
    natürlich sind wir aufgeregt und freuen uns riesig auf die tour. deswegen verschlingen wir auch reiseberichte über dieses thema.
    ABER…. :(…..
    eure beschreibung der tour nehmen wir (meine süsse und ich) als anleitung wie man es NICHT machen sollte…..sorry!
    jeder hat ja so seine eckpunkte, was ihm wichtig ist. die euren kann ich nicht nachvollziehen.
    dänemark haben wir mehrfach durchreisst, mit womo oder früher im grösseren familiären stil in einer der zahlreichen poolhäuser.
    d.h. wir kennen dänemark – so wie ihr offensichtlich auch ^^.
    deswegen würde uns nie in den sinn kommen soviel zeit – die ich in norwegen dringend brauche – mit mehr oder weniger unwichtigem getue wegzuschenken.
    die erste übernachtung in der nähe von flensburg ?? – nicht euer ernst .
    ihr wollt (verständlicher weise) sparen, was soweit geht, das ihr sogar an der zapfpistole für trucks euren diesel bezieht (was bei einigen modellen wegen der dicke des einfüllstuzens schief gehn kann).
    nebenher habt ihr offensichtlich auch von dänemark nicht wirklich viel ahnung, was ich aus eurer bemerkung über die hotdogs und den döner schliesse. wir haben auch den ein oder anderen besuch dort gebraucht um zu verstehn das die dänen genauso sind wie alle anderen auch^^. kauft euch die hotdogs und döner mal dort wo keine „touris“ sind, also dort wo nicht jeder deutsch spricht und wo man auch dänische urlauber findet. dort findet ihr auch hotdog und döner (und auch jedes andere lebensmitteel) zu fäiren preisen.
    an liesst in eurem berichicht vom „maximum aus dem tag rausholen“ und dann kommen solche klopfer… „koppschüddel“…
    in dänemark fahrt ihr bis zu „eurem“ fährhafen und……..übernachtet erstmal wieder ….aua 🙁
    tatsächlich führt der günstigste weg nach norwegen aber über die öresundbrücke^^.
    der günstigste, was geld und vor allem zeit angeht!
    und vor allem anderen -> der weg über die brücke ist für wohnmobilisten der bei weitem interesanteste!
    da nimmt man dann ein stückchen südschweden mit und macht station in göteborg anstatt in hirthals !
    muss aber natürlich jeder selber wissen ……

    nichts desto trotz bleibe ich euch erstmal auf den fersen^^

    grüsse aus dem raum koblenz
    jörg

    • Hallo Jörg,
      Nun, da kann man sehen, wie unterschiedlich Menschen ihre Umgebung wahrnehmen und wie sie ihre Reisevorlieben ausleben. Von Köln aus bis Flensburg ist es nunmal eine Tagesreise. Als wir ankamen dämmerte bereits die Nacht herauf. Die Nacht fahren ist für uns keine Option. Was hättest du denn nach x Stunden Fahrtzeit gemacht? Auch der zweite Schritt bis Hirtshals war wieder tagesfüllend, auch WOLLTEN wir den Abend vor der Abfahrt eben nochmals schön mit einem Spaziergang und dem Blick aufs Meer ausklingen lassen. Zu genau DEM Campingplatz hatte ich einige Zeit zuvor eine schöne Broschüre in der Hand und wollte diesen unbedingt mal besuchen. Er stand auf unserer Bucket List.
      Deswegen war für uns die Anreise nach Norwegen genau so, wie wir sie gemacht haben, eben für uns genau richtig. Vergiss bitte bei aller Kritik nicht, dass wir eine Reise als Reisetagebuch geschrieben haben. Nicht als Reiseführer, wie man diese Reise aus unserer Sicht machen sollte. Wir veröffentlichen unsere Berichte als Inspiration. Nicht mehr, nicht weniger Vielleicht magst du das berücksichtigen, wenn du unsere weiteren Reisetage durchstöberst?!
      Beste Grüße
      Björn

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