Es ist absolut unwirklich, dass wir noch heute Nachmittag in der warmen Adria unter Sonne des Südens baden werden!
Wie? Ich fragt, warum wir so denken? Nun:
Die Nacht war sowas von frisch und kalt, dass allein der Gedanke an Badehose und Wasser die Zehennägel von hinten aufrollen lässt!
Wir haben beide wirklich gut gefroren!
Keine besondere Hilfe in der Nacht waren natürlich die dünnen Deckchen, die wir in Anbetracht der vorhergesagten Wärme von 25-30°C für die kommende Woche in Kroatien eingepackt haben. Diese sind einem alpinen Hochabenteuer auf der Gailberghöhe mit dem Wohnmobil natürlich nicht gewachsen!
Wir haben zwar noch eine zusätzliche Fleece- Decke (die abendliche Kuscheldecke) mit über das Bettzeug geworfen, aber geholfen hat das auch nicht wirklich.
Es war die ganze Nacht über einfach nur kalt!

Da ich mit meinen Kopfschmerzen gestern schon arg früh im Bett war und auch sofort eingeschlafen bin, wache ich heute natürlich als erster auf.
Eiseskälte schlägt mir ins Gesicht, das Thermometer zeigt innen wie außen gerade mal 8°C.
*Brrrrrrr!*

Sofort schmeiße ich die Truma- Heizung und den Warmwasserboiler an, damit wir uns nachher waschen können und dabei nicht frieren müssen.
Dann schnappe ich mir meine Kamera und dann ab an die frische Luft! Kaum vor der Tür mache gleich mal ein paar schöne Aufnahmen vom Sonnenaufgang über den Bergen. Wow!
Natürlich war die Sonne schon ein bisschen schneller als ich, die Uhr zeigt ja auch schon viertel vor 8, aber trotzdem sind die Bilder mit Blick auf den Wohnmobil- Stellplatz Gailberghöhe am frühen Morgen ganz gut geworden:

         
    Der frühe Vogel fängt den Wurm! Zwar liegen wir noch im Schatten, aber über den Bergspitzen geht die Sonne schon auf! 🙂

         
     Hinter uns lauert der tiefe dunkle Wald                                     Ausblick auf den Stellplatz mit dem Wald im Rücken

Gut gelaunt und fast kopfschmerzenfrei (ein wenig ist mir wohl noch schwindelig, ein bisschen wie nach einem Kater) spaziere ich auf die andere Straßenseite und will dort mal schauen, ob ich ein paar Brötchen für unser Frühstück abstauben kann.
Schon gestern haben wir ja das Schild gesehen, dass hier ab 6 Uhr Frühstück serviert wird, da aber das Abendessen preislich bereits am oberen Limit angesiedelt war, haben wir uns für das Frühstück doch auf Selbstversorgung geeinigt.
Tatsächlich kann ich aber im Restaurant, wo sich derzeit die Hotelurlauber  an einem wahrlich reichhaltigen Büffet laben, ein paar Brötchen für unser Frühstück erstehen.
Zwar nicht ganz billig, aber dafür gibt es ganz frische Brötchen und für Anja sogar noch eine kleine Aufmerksamkeit in Form einer Mozartkugel. Nett.
Mal sehen, wie ich die Brötchen in mein ganz spezielles Frühstück einbaue, denn ich habe ja auch noch immer mein nahezu angerührtes Abendessen von gestern Abend übrig. Das werfe ich ja nicht weg!!

         
     Ich spaziere rüber zum Hotel auf die andere Straßenseite          Denn hier gibt es Frühstücksbrötchen und ne Schoki 🙂

Anja hat gestern Abend wohl noch sehr lange gelesen, denn als ich zurück zum Wohnmobil komme, liegt sie noch immer in der Koje und bittet noch um ein wenig mehr Kuschelzeit.
Es wird gerade mummelig im Bettchen sagt sie, was wohl bedingt durch die allmählich wärmende Heizung und der von mir geklauten Decke herrühren dürfte 😉
Nun gut, ich lasse ihr noch ne Kuschelstunde und beginne statt mit dem Frühstück erst einmal mit den Reisenotizen, damit nach unserer Rückkehr nicht so lange auf unseren Reisebericht gewartet werden muss.
Ist ja auch schon was.

Gegen 10 aber knurrt mir der Magen (hab ja seit der Knabbernossi gestern Mittag und einem Bissen Knödel am Abend nichts mehr gegessen!) und es wird Zeit, meine liebe Frau aus dem Bett zu schmeißen.
Wir machen uns kurz darauf ein leckeres eigenes österreichisches Frühstück fertig.
Zumindest die Brötchen bilden hierfür die ideale Basis.
Ich teile natürlich meine 2 Scheiben Schweinebraten von gestern Abend mit Anja, der schmeckt auf den frischen Semmeln auch kalt ganz famos!
Dazu noch meine Knödel, die auch kalt wirklich nicht schlecht schmecken!

         
     unserer leckerer Frühstückstisch. Vorne: Mein Braten!              Auf Brötchen schmeckt der sooo lecker! 🙂

Nach dem Frühstück räumen wir schnell auf und huschen dann nacheinander durch das Bad.
Ein Glück, dass wir den bordeigenen Warmwasserboiler am Start haben und dieser das Wasser schön mummelig warm gemacht hat. Mit „frischem Gebirgswasser pur aus dem Frischwassertank“ können wir definitiv nichts anfangen. 😉
Nachdem wir durch das Bad durch sind, erledigt Anja noch ein paar Arbeiten am Laptop.
Insbesondere die weitere Route ab Italien und durch Slowenien will akribisch geplant werden, denn wir wollen so viel wie möglich an Mautkosten sparen.
Anja sucht uns hierfür eine gute Route durch Italien heraus, die wir nach Passieren des Plöckenpasses fahren wollen.
Zum Glück führt relativ parallel zur „Autostrada Alpe – Adria“, der A23 / E55, die Landstraße „SS13“ ebenfalls schnurstracks südwärts.
Weiter soll es dann über Triest und nach Slowenien rein gehen, ein wenig Vorarbeit mit Kartenstudium ist also für den Bordnavigator trotz Navi erforderlich.
Die perfekte Gelegenheit für mich, eine weitere Runde rund um den Wohnmobilstellplatz an der Gailberghöhe zu drehen und hierbei aus möglichst allen Positionen für eventuelle Interessierte ein paar Bilder zu machen.
Vergesst mal schnell die ersten Bilder, die wir vom Wohnmobilstellplatz Gailberghöhe schon gemacht haben, hier nun ein kompletter und vollständiger Überblick dieser wunderschönen Idylle hier auf den Bergen:

         
     Das ist der Ausblick von der mittleren Terrasse                  hier stehe ich oberhalb der höchsten Terrasse

         
     Gesamtüberblick über den Wohnmobilstellplatz Gailberghöhe    Platz für ca. 70 Fahrzeuge laut Betreiber

         
     die obere Terrasse. großzügig und geräumig                            Stromanschluss ist vorhanden und im Preis inklusive

         
     Wir spazieren mal über die Straße auf die andere Seite             Blick von gegenüber auf den Stellplatz Gailbergsattel

         
     Der Rasthof rechts vor einer großen Wiese                               Für das Panorama: Hinsetzen, Ausruhen, Genießen!

         
     Bergwasser! Plätschert hier als „frische Naturdusche“ 😉           Blick auf die VE- Station an der Zufahrt

Besonders gut gefällt mir übrigens der „Truck- Stop“- Charakter direkt an der Straße, womit weniger die Nachteile eines schmuddeligen Autohofes gemeint sind, sondern eher der Drang nach Freiheit und das „Abenteuer Straße“, was ein guter Rastplatz an der Straße vermitteln kann.
Gerade hier oben, mit beidseitigem Weg ins Tal und besonders dem tollen Ausblick in Richtung Süden kommt schon Fernweh- und Reisefeeling auf.
Dazu die teils unbeeindruckte Natur mit ihren stämmigen Bäumen im Hintergrund sowie den saftigen grünen Wiesen rund um das Hofgelände runden das Bild ab.
Durchatmen und einen Moment genießen ist die Devise, bevor der Ruf der Freiheit uns gleich wieder auf die Straße lockt.
Schöner wie hier kann man dieses Gefühl kaum erleben!

     Abenteuer Straße! Freiheit, Fernweh und schöne Zeiten voraus!
     So schön kann „Abenteuer Straße“ sein! Schönes Wetter, toller Ausblick und der Ruf der Freiheit unmittelbar voraus! 🙂

Gegen 11 hat Anja alles soweit vorbereitet und auch ich habe meine zweite deutlich größere Spazierroute einmal rund um das Areal beendet.
Zusammen machen wir nun das Wohnmobil startklar und bereiten alles für unsere Abreise vor.
Doch bevor wir uns hier aus dem Staub machen, stoppen wir noch einmal kurz an der Ver- und Entsorgungsstation des Wohnmobilstellplatzes.
Vorbildlich sind hier die Anschlüsse und Schläuche gekennzeichnet und auch die Ausrüstung lässt keine Wünsche offen.
Klar, dass wir hier unseren Brauchwassertank noch einmal entleeren.
Denn selbst die wenigen gestern Abend und heute früh verbrauchten Liter Wasser müssten wir ja sonst gleich über den Plöckenpass transportieren und da wir uns mit unserer Motorleistung eh schon nicht rühmen können, muss jedes unnötige Gramm Ballast raus aus dem Boot!

Beinahe komme ich übrigens doch noch zu meiner Dusche!
Wie bei einer antiken Wasserleitung ist hier nämlich eine recht rustikal wirkende Holzkonstruktion verbaut, über die möglicherweise Quellwasser aus dem naheliegenden Höhenzug nach unten transportiert wird.
Mittels Schwerkraft kommt hier dann sogar eine beachtliche Menge Wasser zusammen, die fürs Duschen durchaus auskömmlich wäre!
Spontan halte ich, während unser Abwasser noch aus dem Wohnmobil läuft, einfach mal so als kleine Erfrischung meinen Kopf unter das prasselnde Wasser, was – ebenso spontan-  beinahe Eiskristalle in der Gehirnflüssigkeit wachsen lässt!  😮
Ahhhh! Ist das *K*A*L*T*!!!!

         
     Während wir auf der VE parken und das Wasser läuft…             …halte ich meinen Kopf mal kurz unter die frische Dusche!

Für eine Sekunde friert mein Denken ein und die Idee, sich hier kurz „unter die Dusche“ zu stellen, verwerfe ich augenblicklich.
„Aber erfrischend ist es“ rufe ich Anja zu, die sich einen grinst und ein paar Bilder von mir macht.
Wäre es nicht so *SAU*- kalt, ich würde mich glatt wirklich kurz hier drunter stellen.
Ja, man merkt es bereits. Von der Nachtkühle, die uns vor wenigen Stunden noch hat zittern lassen, ist spätestens nach dem Kuss der Sonne über das ganze Stellplatzareal nichts mehr zu spüren.
Im Gegenteil! Viel mehr erhalten wir hier oben einen Vorgeschmack auf das, was uns unten im Tal und später in Italien, Slowenien und Kroatien noch erwarten wird.
Wohlige Sommerwärme, auf die wir uns richtig freuen!

Gegen kurz nach halb 12 verlassen wir die Gailberghöhe.
War schön hier oben und für den Zwischenstopp wirklich ideal, auch wenn die Anreise bis hier hin eine recht umfangreiche Kilometerfresserei war.
Dafür aber kommen wir heute mit etwas Glück in einem Rutsch bis nach Kroatien und Istrien durch. Zwar sind es von hier aus nur noch etwa 250 Kilometer bis nach Kroatien, was wir sicherlich problemlos schaffen werden, allerdings wollen wir ja auch einerseits zum Maut sparen aber auch wegen der Einblicke in Landschaft und Natur abseits der Hauptstraßen fahren.
Das wird also schon ein wenig dauern.
Weitaus zeitraubender wird allerdings der Plöckenpass werden, der uns nun bevor steht. Die erste Alpenquerung mit unserem getreuen Wohnmobil abseits der bequemen Autobahnen, die wir bislang immer für den Weg in den Süden genutzt haben.
Hoffentlich klappt das!

Die ersten und gleichzeitig letzten Kilometer in Österreich verlaufen ohne Probleme.
Dies liegt aber mit Sicherheit daran, dass wir von der Gailberghöhe südwärts fahrend zunächst mal nur bergab fahren.
Nur mit den Kurven müssen wir doch ein bisschen aufpassen, denn diese haben es in sich.
„Viel Motorbremse“ brummele ich unserem Wohni gut zu, der bei jedem Runterschalten etwas mürrisch reagiert. Aber noch immer besser, als die ganze Zeit mit dem Fuß auf dem Pedal hängen und die Bremsen warm werden lassen.
Muss er durch.

         
     Abfahrt von der Gailberghöhe, noch sind wir oben…                  …dann aber geht es rasant abwärts! Links herum…

         
…und wieder rechts herum! Spitzkehren und Haarnadelkurven wollen auf dem Weg nach unten durchfahren werden

Zum Glück dauert die Talfahrt nicht sehr lang und keine 10 Minuten, nachdem wir an der Gailberghöhe abgefahren sind, erreichen wir schon das Örtchen Kötschach-Mauthen als letzte größere Stadt in Österreich vor der österreichisch- italienischen Grenze.
Wir folgen weiter der 110 und durchqueren den Ort, bis wir auf der anderen Seite einen „SPAR“- Markt entdecken.
Da muss ich anhalten!
Es gibt besonders für mich (Björn) nichts schöneres, als das ganze Wohnmobil mit leckeren Köstlichkeiten aus Österreich vollzuknallen. Sei dies nun Wurst, die leckeren Knabbernossi, pfandfreie Cola, Pfanner- Saft, d´arbo- Marmelade oder eben ein leckeres Braten- und/oder Fleischkäsebrötchen (mit der Betonung auf „und“ 😉 von der Frischetheke.

         
     So, noch einmal um die Kurve…                                              …und schon erreichen wir Kötschach-Mauthen

         
     Ortsdurchfahrt durch Kötschach, das Tor zum Plöckenpass.       Schon zu erkennen, die Herausforderung der Berge 😉

         
bevor wir die angehen, machen wir aber erstmal eine Pause      Beim Spar- Markt! Einkaufen und das Wohnmobil beladen 🙂

Schnell füllt sich unser Einkaufswagen mit allerlei frischen wie haltbaren Köstlichkeiten, die wir kurz darauf im Wohnmobil verstauen.
Gut Geld haben wir ausgegeben, aber so oder so, wir hätten ja eh ein paar Vorräte einkaufen müssen.
Und ich glaube den „Großeinkauf“ erst hier in Österreich zu machen hat auch ein paar Milliliter Diesel gespart, weil wir eventuelle heimische Vorräte ja nicht mit auf der Gewalttour bis nach Österreich mitschleppen mussten.
Gleicht sich also alles wieder aus. 😉

         
     Der Wagen ist voll, das freut mich 🙂                                      Alles eingekauft! Der Reiseproviant ist damit an Bord 😀

Gegen kurz nach 12 sind wir fertig mit Einräumen und rollen wieder auf die B 110 mit Kurs Süd.
Weit kommen wir allerdings nicht, denn ein Schild „Letzte Tankstelle vor der Grenze“ lässt uns erneut anhalten.
Nach einer kleinen Recherche vor der Abreise zuhause wissen wir, dass der Diesel in Österreich ein ganz klein wenig günstiger sein soll, als in Italien oder Kroatien.
Warum also nicht noch großzügig die Luke vollmachen, zumal wir mit dem Viertelrest im Tank sowieso nicht besonders weit kommen würden.
Für eine Berganfahrt auf den Plöckenpass ist ein voller Tank zwar kontraproduktiv, aber auf leuchtende Lampe mit Tankstellensuche nach der Plöckenpassquerung haben wir auch keine Lust.
Also kippen wir knapp 40 Liter nach und machen die Luke zu 1,145 € / Liter die Luke voll.

         
     Letzte Tankstelle vor der Grenze in Kötschach-Mauthen             Da fahren wir raus und tanken nochmals voll

Um halb 1 ist es dann aber wirklich geschafft!
Wir verabschieden uns von Österreich und schnaufen die letzten Kilometer den Berg hinauf.
Bis zur Passhöhe wird uns eine verbleibende Distanz von 14 Kilometern angezeigt.
Gehen wir es an!

         
     Wir verabschieden uns vom beschaulichen Österreich               Es geht rechts ab, der 110 zum Plöckenpasss hinauf

         
Das letzte Haus, die Straße schlengelt sich dran vorbei              Und dann kommt er! Der Plöckenpass voraus *schluck*

Die Route hat es sofort in sich!
Spitzkehren, Haarnadelkurven, ordentliche Steigungen!
Aus dem 4ten Gang wird der dritte mit 60, in den Kurven geht es auf 20-30 und in den zweiten Gang runter.
Und kaum hast du aus der Kurve heraus beschleunigt, musst du schon wieder vom Gas gehen, weil die nächste Kurve kommt.
Wohni ist ungehalten mit der Kurvenfahrerei, was lauter Motor und schepperndes Geschirr gleichermaßen kundtun.
Aber immerhin wird der Motor nicht so warm, wie wir gestern vermelden mussten, die Nadel bleibt schön im oberen Drittel der Mitte. Also noch im Normbereich.

         
     Sofort geht der Pass zur Sache: Kurven und Steigungen            Schnell gewinnen wir an Höhe, genießen die Aussicht

Gefühltechnisch „etwas anders“ wird uns aber trotzdem noch, was weniger am Wohnmobil, sondern mehr an der Straße liegt!
Ein heftiges Einatmen von Anja und ein Augenroller von mir kommentieren gleichermaßen ungläubig das Schild, welches uns im weiteren Straßenverlauf empfängt. „Ende der Ausbaustrecke!“
Na toll!
„Wo war denn hier bitte eine Ausbaustrecke“ fragt Anja zu Recht! Viel mehr stellt sich allerdings nun natürlich die Frage, mit welcher Verschlechterung wir denn bitte nun rechnen können?!
Das ist doch hier eine internationale Straße, welche ja auch als Routenempfehlung immer wieder Erwähnung findet! Wir reden hier doch nicht über einen unbeschilderten Schleich- und Schmugglerweg!
Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten, die Straße wird knacke-eng!
Gefühlte 2 Meter pro Fahrspur, wobei rechts Steinbau und Erdreich ein Ausweichen ebenso verhindern, wie links der Abhang!

         
     Ende der Ausbaustrecke? Was meinen die damit  ?:-/                Oh- weia! Eine enge Rüttelpiste ohne Leitplanke 🙁

Gut, dass wir noch immer norwegenerprobt sind und von den Erfahrungen des Sommers mit engen Fjordstraßen profitieren können. Also tuckern wir souverän langsam und vorsichtig den Berg herauf, was selbstverständlich auch ohne Probleme funktioniert.
Zum Glück ist das Stück „schmale Rüttelpiste“ auch gar nicht allzu lang, sodass wir kurz darauf wieder ganz normal und beinahe schon ungestüm die Plöckenpasshöhe erklimmen können.

Es dauert auch nicht lang, bis das Gröbste überwunden erscheint. Die Strecke wird wieder etwas gerader, der Weg auch wieder breiter und selbst rechts und links der Fahrbahn ist wieder mehr „Raum“ für anders, als Abhänge und Steilwände.
Viel grün, schöne Natur und ein kleiner glasklarer See lädt temperaturresistente Badegäste zum planschen ein.
Und wer mag, kann hier sogar offenbar Böötchen fahren.
Hätten wir etwa Zeit (oder anders: etwas mehr Lust! 😉 würden wir anhalten und vielleicht eine Runde spazieren gehen.
Aber mein Ehrgeiz will nun, dass wir oben ankommen, also geht es weiter den Weg entlang.

         
     Die Straße wird wieder erheblich besser                                   und wir können den Blick wieder schweifen lassen

         
Ein Rasthof kurz vor der Grenze am See                                  Offenbar gut besucht, das lädt zu einer Pause ein

Es folgt noch ein Tunnel bis wir gegen 12:45 Uhr die alte Grenzstation erreichen.
Ein zugegeben recht hässlicher Betonbau in der Landschaft mit typischen 80er- Jahre mässigen verspiegelten Schaltern für die Aus- und Einreisekontrolle.
Halb verfallen und irgendwie mit dem Hauch den ausgedienten „Eisernen Vorhangs“, auch wenn Italien und Österreich jetzt nicht gerade als Konkurrenten aus dieser dunklen Zeit und Ära gelten.
Hübsch ist das Teil trotzdem nicht, aber vielleicht macht gerade das den Charme aus, dass wir in unserer heutigen Zeit ohne lästige Grenzkontrolle frei und willig über die Grenzen hinweg reisen können.
Von Zoll- oder Grenzkontrolle keine Spur, vollkommen unbehelligt übertreten wir die Grenze zu Italien.
„ben fatto“ und „buon viaggio!“, ach ja, wir lieben Italien! 😀

         
     Was für ein hässlicher Grenzkomplex…                                   Hat aber auch was Gutes, denn wir sind nun in Italien! 🙂

Die ersten Meter in Italien sind schon etwas „südländischer“, als im geordneten Österreich, was man unschwer am Straßenbelag oder auch an der Parkmoral erkennen kann.
Ach, wie ist das doch schön! Fast schon könnte man sich überlegen, einfach am nördlichen italienischen Teil der Adria zu bleiben. Venedig zum Beispiel.
Oder ein bisschen runter fahren, so etwa bis Rimini oder San Marino. Aber dafür sind wir nicht hier, wir wollen ja weiter bis nach Kroatien. SO ist es und so bleibt es auch.

Der Parkplatz der Passhöhe ist recht gut besucht und da wir im Vorbeifahren keinen geeigneten freien Parkplatz ohne Rangierarbeiten entdecken können, fahren wir einfach ohne Stopp weiter.
Es gab eh kaum etwas Besonderes zu sehen und auch der Ausblick war nicht so, wie man dies normalerweise von einer Passhöhe erwartet.
Macht aber auch nichts.

         
     Die Passhöhe des Plöckenpass auf der italienischen Seite           Offensichtlich gut besucht! Kein Parkplatz frei 🙁

Auch Italien steht seinem österreichischen Nachbarn in nichts nach, was „abenteuerliche Straßenführung“ angeht.
Gibt es aber in Österreich immerhin noch ein Schild, folgt hier nach Verlassen der Passhöhe der Schreck unangekündigt.
HAMMER! DAS wird eng!
Die Straße wird abrupt schmal und mündet in eine Tunnelsequenz, die eigentlich nur durch Kurven unterbrochen wird – wenn überhaupt!
Das „Südportal“ des Plöckenpasses ist auf jeden Fall deutlich anspruchsvoller und ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir hier nur bergab fahren und unsere Augen und Ohren somit weniger intensiv am Motor haben müssen.
Klar bremst auch hier der Motor mit und auch bergab kurbele ich mir am Lenkrad einen Wolf, aber dies funktioniert doch immerhin weitaus bequemer, weil sich die Geschwindigkeit doch deutlich besser dosieren lässt, als auf der Bergetappe.

     Blick auf den Plöckenpass auf der italienischen Seite
     Der Plöckenpass auf der italienischen Südseite. Enge Straßen, Kurven in Tunnel und steiler Abhang. Supi! 😉

Anja hingegen hat für die von mir aufgezählten fahrerischen Vorteile einer Talfahrt wenig Gehör und fast habe ich den Eindruck, als höre ich einen leichten Anflug von Zähneklappern. 😉
Grund hierfür ist vielleicht die „überaus befriedigende“ Sicherung gegen das ungewollte Abkommen des Fahrzeugs von der Fahrbahn und der unweigerliche Sturz in die Tiefe!
2 lächerlich dünne Metallröhren wie bei einem einfachen Fußgängergeländer dienen wohl eher nur der optischen Begrenzung des Weges, als das diese wirklich einen möglichen Schutz wie eine vollwertige Leitplanke darstellt.
Wenn unsere Autos in 10, 15 oder 20 Jahren dank Leichtbauweise nur noch 2- auf 300 Kilo wiegen mag das sicherlich ausreichend sein, aber mit einem 2,5 Tonnen schweren Wohnmobil darf man schonmal kleine Zweifel an der Sicherungsfähigkeit vor dem Absturz haben…
Erschwerend kommt natürlich die optisch erhöhte Sitzposition im Wohnmobil hinzu, die einen quasi über die beiden Metallröhrchen hinweg schauen lässt und so, je nach Lage, den freien Blick in einen möglichen freien Fall preisgibt.
Zu allem Überfluss kommt natürlich auch noch der Gegenverkehr dazu und wir müssen wir auf unserem Weg nach unten entweder dem Gegenverkehr den Vortritt lassen, oder wir dürfen passieren, weil einer der bergfahrenden Verkehrsteilnehmer anhält.
Aufpassen muss man also in alle Richtungen!
Wow, der Plöckenpass fängt gerade an mir Spaß zu machen! 😀

         
     Die dünnen Metallstäbchen werden uns schon absichern… 😉     Eng ist die Straße! Der Gegenverkehr muss warten…

         
     Ein paar Mal müssen wir noch durch die engen Kurven              dann aber folgt zum Finale ein längeres gerades Stück

Nungut, wir wollen zur Ehrenrettung der Italiener nicht alles schlecht machen, was wir hier an Befestigung vorfinden. So schlimm ist es gar nicht und zum Glück bilden die kleinen Metallröhrenabschnitte die Seltenheit.
Und da wir eh nicht vorhatten, die Befestigungen gegen das Abstürzen auf Ihre Robustheit hin zu testen, reichen die aufgemalten Fahrbahnbegrenzungen für mich als souveränen Fahrzeuglenker natürlich allemal aus.
Wir sausen hinab ins Tal und nach einigen Windungen und Biegungen haben wir schon deutlich an Höhe verloren, was auch Anja wieder deutlich entspannter aussehen lässt.

Wie immer bei schönen Strecken-Etappen haben wir ein Video von der Talfahrt auf der italienischen Seite
des Plöckenpasses gedreht! Enge Kurven, schmale Tunnel und tiefe Schluchten – ein tolles Erlebnis!
Aber bevor ihr das Video abspielt, macht bitte den Ton leise! Die Windgeräusche sind wirklich grauenvoll… Sorry. 🙁

Um 5 nach 1 hat der Spuk dann auch ein Ende, wir erreichen mit dem italienischen Dörfchen „Paluzza“ das Tal und der Plöckenpass liegt hinter uns. Juchu!
Geschafft! Nun ist der Weg nach Kroatien definitiv frei und die Alpen liegen mehr oder weniger hinter uns! Jetzt geht es nur noch der Sonne, dem Strand und dem Meer entgegen und wir können es fast kaum erwarten, endlich dort anzukommen! 🙂

         
     Wir erreichen das erste italienische Dörfchen Paluzza                bunte Häuschen vor Naturkulisse bieten südländisches Flair

Ab Paluzza folgen wir nun ganz normal der SS 13 weiter in Richtung Tolmezzo mit dem Fernziel Udine, also so ungefähr weiter in Richtung Süd- Südost.
Für die nächste Stunde wird die Strecke nun zu unserer großen Freude landschaftlich richtig reizvoll und erinnert mit ihren Hügeln (sicherlich dem letzten Rest der Alpenausläufer) und den kleinen Dörfchen mit den bunten römisch angehauchten Häuschen doch an so mancher Stelle an unseren wunderschönen Toskana- Urlaub mit dem Wohnmobil im Jahre 2008.

         
     Unterwegs in Norditalien. Noch sind die Eindrücke eher alpin      Ausblicke auf die Häuser am Berghang

         
     Etwas weiter südlich: hier sieht es schon „toskanisch“ aus!         Freie Fahrt und freie Blicke in die Natur rechts und links

         
     Grüne Berge, Wiesen, Bäume, total schön hier in Italien            Ortsdurchfahrt: Bäume und Büsche blühen noch

Wir sind sehr zufrieden mit unserer Routenwahl und entscheiden uns entsprechend auch im weiteren Streckenverlauf in Höhe von Amaro nicht auf die kostenpflichtige Autobahn aufzufahren, sondern weiter nach Carnia zu fahren und ab dort der SS 13 in Richtung Udine zu folgen, wie es Anja es heute früh anhand der Karten auch ermittelt hat.
Viel schneller wären wir auf der Autobahn ja mit unserer begrenzten Höchstgeschwindigkeit sowieso nicht unterwegs und wenn wir uns an die horrenden entfernungsabhängigen Mautgebühren auf den italienischen Autobahnen aus alten Urlauben zurück erinnern, ergibt jeder eingesparte Autobahnkilometer mal so ganz grob umgerechnet in etwa eine Pizza Margherita.
Naja, so ungefähr zumindest 😉

Nachdem wir ein ganzes Stück parallel zur Autobahn gefahren sind, erreichen wir gegen viertel nach eins bereits die ersten Vororte von Udine.
Bis hier her sind wir wirklich sehr gut durchgekommen. Und obwohl die Straße natürlich auch so manches Dörfchen und kleines Städtchen geführt hat, haben wir an der ganzen Strecke ab dem Plöckenpass an vielleicht 2 Ampeln wirklich stehen müssen! Super!
Ansonsten absolut freie Fahrt und die schöne Landschaft gab es sogar noch gratis dazu.
Wir können also nur wirklich jedem südwärts fahrenden Urlauber empfehlen, auch nach Passieren des Plöckenpasses schön auf der Landstraße zu bleiben und sich die teuren Euro für die italienischen Mautautobahnen zumindest bis Udine zu sparen.
Ab Udine aber merken wir doch, dass wir wieder auf ein Ballungszentrum zufahren. Die Straßen werden dichter und es herrscht wieder etwas mehr Verkehr.
Wir zögern zwar noch kurz, entscheiden uns dann aber doch an der nächsten möglichen Auffahrt für die „Autostrada“  und damit für die Autobahn im weiteren Streckenverlauf, weil wir ja auch entspannt in Kroatien ankommen wollen.
Eine Stadtdurchquerung durch Udine mit dem Wohnmobil und seinen etwa 100.000 Einwohnern „Hallo“ sagen muss ich dann doch nicht haben.
Wir fahren also rauf die A 23 / A 4 mit dem Fernziel Triest, um mindestens bis zur slowenischen Grenze auf der Autobahn zu bleiben.
Mit etwas Glück werden wir an diesem späten Mittag auch keinen Stau haben und in etwa 2 Stunden an der kroatischen Adria ankommen. So zumindest prognostiziert es unser Navi und das wäre doch super!

         
     Wir erreichen Udine, ab hier wird es wieder etwas voller           Also entscheiden wir uns für ein kleines Stück Autobahn

         
Natürlich wird hier Maut an der Mautstelle fällig…                      …dafür müssen wir aber nicht durch den Stadtverkehr

Kaum auf der Autobahn angekommen, lassen wir die Maschine auf volle Marschgeschwindigkeit mit knapp 100 km/h anlaufen und drehen unser Hörbuch lauter, welches uns übrigens ganz gut gefällt.
Zwar ist die Geschichte um „Das verlorene Symbol“ mit Robert Langdon als dritter Teil der Reihe nun in Amerika angesiedelt (die beiden ersten Geschichten „Sakrileg“ und „Illuminati“ spielten immerhin in Europa!), aber auch ohne die globale Nähe zu den Schauplätzen sind wir gut in die Geschichte rein gekommen und können nun mitfiebern, wie sich Robert Langdon durch die Verschwörungstheorien der Freimaurer Amerikas kämpfen muss.
Abgerundet wird unsere Fahrt nach Triest eigentlich nur noch durch das leckere Fleischkäsebrötchen, welches Anja mir reicht.
Ach ja! Die leckeren Dinger haben wir ja auch noch!
Heute früh in Kötschach gekauft und noch immer handwarm. Und sooo lecker!
Danke Österreich, danke Spar- Markt!

       
     Anja packt die Brötchen aus! „Guten Appetit!“                         Den werden wir haben! Mjam! *reinbeiss* 😀

Gemütlich geht es weiter, bis wir gegen viertel nach 3 bereits die Adria entdecken und wohl auch irgendwo unter uns Triest passieren.
Ganz genau orientieren können wir uns allerdings nicht, denn schon seit geraumer Zeit hat das Navi den Kontakt verloren und leitet uns auf dem kleinen Kartenbildschirm irgendwo straßenlos durch die Pampa!
In Wahrheit aber sind wir natürlich noch immer auf einer gut ausgebauten (und auch inzwischen mautfreien!) Autobahn in Richtung Koper unterwegs, die unser Navi einfach einfach noch nicht kennt!
Naja, Pech. Solange Koper auf dem Schild steht, werden wir wohl auch ohne aktuelles Navi den Weg nach Koper und damit auch zur Adria finden.
Denn Koper gehört, das weiß einfach der Logistiker in mir, zu den großen und bedeutenden Mittelmeerhäfen.
Koper ist übrigens der einzige wirtschaftlich nutzbare Mittelmeerhafen Sloweniens was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man sich mal den wirklich äußerst schmalen Landstrich zwischen Italien und Kroatien anschaut.
Glück für die Slowenen, dass sie immerhin einen Zipfel als Zugang zum Mittelmeer ergattern konnten und nicht abgeschnitten im Hinterland zurückbleiben mussten.
Wirtschaftlich wäre dies sicherlich eine deutlich schlechtere Position.

         
     Unterwegs auf dem Weg in den Süden                                     Rechts unter uns: Vermutlich Triest!

„Wirtschaftlich“ ist übrigens genau das richtige Stichwort für die Etappe, die nun noch vor uns liegt.
Konkret geht es um nichts anderes, als mit dem Wohnmobil mautfrei durch Slowenien zu fahren!
Und das ist mal eine echte Herausforderung!
Normalerweise würde ich mir diesen Aufwand ja gar nicht machen und so.
Immerhin sind es nur ungefähr 25 Kilometer von der italienisch- slowenischen Grenze zur slowenisch-kroatischen Grenze.
Und von diesen 25 Kilometern kann man gerade mal etwa 7 Kilometer auf der Autobahn bis Höhe Koper zurücklegen, ab da geht es nur noch über die Landstraße nach Kroatien und Istrien weiter.
Das gemeine aber ist nun, dass man für diese 7 Kilometer Autobahn tatsächlich eine vollwertige Autobahnvignette für das ganze Land kaufen soll.
Immerhin gibt es seit Kurzem, nach Druck der EU denke ich mal, eine Möglichkeit für eine 7- Tagesvignette. Aber auch diese kostet noch immer stattliche 15 Euro!
Ja, 15 Euro für 7 Kilometer, das sind etwas mehr als 2,- € pro Kilometer Maut!
Ich glaub, das ist europäischer REKORD!
Und natürlich macht kaum einer, der den weiten Weg nach Kroatien antritt, lediglich eine Woche Urlaub. Meist bleibt man ja doch 2 Wochen am Meer und müsste für die Rückfahrt erneut die Vignette für 7 Kilometer kaufen.
Ob das „Abzocke“ ist, wollen wir nicht bewerten, einen faden Beigeschmack hat dies allerdings in jedem Fall!!
Würde ich auf dem Weg nach Ungarn z.B. komplett durch Österreich durchfahren, würde ich die Vignette für Österreich selbstverständlich kaufen.
Glasklar. Immerhin nutze ich dann ja auch hunderte von Kilometern Autobahn.
Aber hier für 7 Kilometer 15 Euro?
Eine Korridormaut z.B. von vielleicht 2 oder 3 Euro hätte ich sicherlich ebenfalls bezahlt – keine Frage!
Aber nicht 15 Euro für gerade mal 7 Kilometer Autobahn!
Das sehen wir nicht ein, also werden wir auf Gedeih und Verderb die Autobahn meiden!
Ich habe also schon mit Passieren von Triest das Navi mehrfach programmiert und eingestellt, für die weitere Route doch bitte Mautstraßen zu vermeiden.
Das dumme dabei ist nur: Das Navi leitet uns trotzdem auf die Autobahn von Slowenien, offenbar kann es diese Route nicht als mautpflichtige Route erkennen.
Selektiere ich aber „Autobahn“ ab, verweigert das Navi komplett die Route, weil wir von unserem Startpunkt auf der italienischen Autobahn gar nicht anders können, als auf die Autobahn in Slowenien zuzufahren.
Sollten wir also Pech haben und werden wir die Maut wirklich zahlen müssen?
Nein, natürlich nicht!
Denn clever wie ich bin, habe ich schon zuhause vorgesorgt und mich um eine Umgehungsroute gekümmert und wusste somit auch bereits von dem Umstand, dass man bei Zufahrt auf die Grenze fast schon in die Mautfalle tappt.
Aber es gibt einen Ausweg!
Fündig geworden bin ich im sogenannten, wo sich Fans von Kroatien und der Adriaküste zum Gedankenaustausch treffen und wie ich sehen offenbar  viele nicht ein, für die paar Kilometer Autobahn die vollwertige Vignette zu kaufen.
Also gibt es dort einen Forumsbeitrag, wo durch Beschreibung und Bilder der mautfreie Weg durch Slowenien nach Kroatien beschrieben steht.
Diesen Beitrag habe ich in weiser Voraussicht vor unserer Reise ausgedruckt, sodass Anja nun als clevere Bordnavigatorin diese Wegbeschreibung auspacken kann.

Eigentlich hatten wir für transitfrei.de auch überlegt, dass wir die mautfreie Strecke nach Kroatien in Form einer pdf- Routenbeschreibung hier vorstellen und zum Download anbieten könnten.
Aber da sich der Weg ja stetig ändern kann, wäre ja eine möglicherweise veraltete Beschreibung auf unserer Seite wenig hilfreich.
So oft kommen wir ja nun auch nicht nach Kroatien, dass wir eine solche Routenbeschreibung dann auch aktuell halten könnten!
Daher verlinken wir in unserem Reisefazit viel lieber auf das Adria- Forum, wo eine aktualisierte Routenbeschreibung immer vorgehalten wird.

Zuversichtlich rollen wir gegen 15:20 Uhr auf die slowenische Grenze zu.
Sehr aufmerksam beobachten wir dabei den Grenzkomplex, denn um die mautpflichtige Autobahn zu vermeiden, muss man unmittelbar am Grenzkomplex  auf die Raststätte auffahren, die anders als in Deutschland, hier auch über eine zugelassene Abfahrt von der Autobahn verfügt.
Gesagt, getan, so rollen wir unmittelbar nach dem Grenzschild rechts raus auf den Zufahrtsstreifen der Rast- und Grenzanlage und finden anhand der Fotobeschreibung auch recht schnell die total unscheinbare und auch nicht ausgeschilderte Ausfahrt und Kreuzung zur Landstraße nach Skofije, Hrvatini und Crevatini.

        
     So, jetzt wird es spannend! Die slowenische Grenze voraus!      Offiziell endet noch auf italienischer Seite die Autobahn

         
     Gleich nach der Grenzquerung: an dem Haus noch vorbei…       Aber schon ganz rechts halten und dahinter raus!

         
     Genau voraus: Die Mautstelle! Wir folgen dem gelben PKW        Rechts halten Richtung Rastplatz, nicht geradeaus!

         
Der Weg führt nun kurz parallel zur Autobahn…                      …bis man am Rastplatz auskommt. Hier gleich wieder rechts!

Wir biegen links ab und folgen einer leicht hügeligen Streckenführung, bis wir keine 5 Minuten später an eine weitere Kreuzung kommen.
Hier biegen wir rechts ab Richtung Koper und folgen nun nicht mehr nur der ausgedruckten Wegbeschreibung, sondern auch erstmals den Schildern.

         
    Total unscheinbar! Am Rastplatz die unbeschilderte Ausfahrt genommen und man kommt sofort auf die mautfreie Landstraße

Slowenien abseits der Autobahn gefällt uns gar nicht mal so schlecht, wie man sich dies im Allgemeinen so vorstellt.
Hier und da wird tatsächlich gebaut, von „kommunistischer Balkanatmosphäre“ keine Spur.
Und da wir uns im Vorfeld auf diese Reise natürlich auch in den Reiseführern eingelesen haben, wissen wir sogar um einen ganz schmalen touristischen Streifen an der slowenischen Adria- Küste, der trotz des inzwischen ausufernden Großhafens Koper für Touristen attraktiv sein soll.
Genauer soll das Dörfchen Piran, welches laut dem WOMO- Reiseführer „Mit dem Wohnmobil nach Kroatien“ der schönste Küstenort an der ganzen slowenischen Küste sein.
Der Reiseführer schwärmt von einem prächtigen Hauptmarktplatz, venezianischen Häusern und einem schönen Aussichtspunkt etwas oberhalb der Stadt bei einer Kirche.
Klingt für uns sehr verlockend und so halten wir schon im Speckgürtel von Koper Ausschau nach einem Schild für Piran und freuen uns schon auf den allerersten Adria- Urlaubseindruck, auch wenn dieser nun streng genommen nicht in Kroatien stattfinden wird.

         
     Landschaftsimpressionen in Slowenien. Sehr südländisch!          Der Baustil ist jedenfalls keinesfalls „kommunistisch“

         
     Unsere mautfreie Landtraße führt parallel zur Autobahn             In Koper unterwegs: Diese Ampel ist noch 12sec. rot

         
Wieder raus aus Koper, die Landschaft ist weit…                       …und irgendwie haben wir den Kontakt zum Meer verloren

Das Slowenien an dieser Stelle nicht nur auf der Karte klein wirkt, sondern auch in Wirklichkeit nicht besonders viel Landmasse hat, bemerken wir etwa 20 Minuten nachdem wir Koper im Rückspiegel hinter uns gelassen haben.
Denn urplötzlich fahren wir auf den Grenzkomplex zu.
Oh-ha!
Irgendwie müssen wir da die Abfahrt nach Izola und Piran auf die 111 verpasst haben und sind stattdessen immer weiter auf der 11 unterwegs gewesen.
Ist aber zu blöd, die Beschilderung hier in Slowenien ist wirklich Mist!
Was nun? Sollen wir umkehren?
Wir entscheiden uns dagegen!
Wenn wir nun schon an der kroatischen Grenze stehen, dann wollen wir auch rüber.
Also fahren wir gegen kurz vor 4 entschlossen auf den Grenzkomplex zu.

Tatsächlich ist hier dann noch sowas von „Grenze“ zu spüren, was wir das letzte Mal bei unserem Grenzübertritt an der griechisch- mazedonischen Grenze gefühlt haben. Ein finster dreinschauender slowenischer Zöllner lässt sich unsere Ausweise zeigen!
Aber ehrlich gesagt habe ich vor diesem Beamten nicht weniger oder mehr Respekt, als vor seinen deutschen Kollegen.
Warum auch?
Was zu verzollen haben wir nicht dabei und Slowenien gehört ja auch zur EU.
Von daher reisen hier EU- Bürger aus der EU aus und es sollte egal sein, ob das in Griechenland, Polen oder eben hier in Slowenien passiert.
Tatsächlich begnügt sich der Zöllner mit einem kurzen Blick auf die Pässe und entlässt uns in das kleine Stückchen Niemandsland zwischen Slowenien und Kroatien.
Kurz darauf kommt die zweite Grenzabfertigung, die Einreise nach Kroatien.
Auch hier stehen Zöllner, diese aber tun noch weniger, als ihre slowenischen *äh*, ihre EU- Kollegen und winken uns einfach durch.

         
     Nanu! Wir rollen auf die slowenische EU- Außengrenze zu!         Kaum passiert fahren durch Niemandsland in Kroatien

         
Um die Kurve und den Berg rauf kommt die kroatische Grenze   Auch passiert! Ab sofort sind wir in Kroatien! 🙂

Das wars!
16 Uhr, wir sind in Kroatien!
Super!
Unsere Laune könnte nicht besser sein und fast schon euphorisch freuen wir uns darauf, nun endlich mal die Adria aus nächster Nähe zu betrachten.
Gleich das erste Ziel soll „Savudrija“ sein.
Kein Ort liegt hier in Kroatien nördlicher, mit nichts anderem könnte man eine gelungene aber vor allem komplette Istrien- Küstenumrundung beginnen, zumal unsere Reiseführer gleich mehrere Sehenswürdigkeiten in Savudrija bereithält.
Besonders interessant lesen sich die sogenannten „fliegenden Boote“ der Fischer, die hier aufgrund der Gegebenheiten des Naturhafens mit Hilfe eines Flaschenzuges bei Nichtbenutzung vor der steinernen Gefahr bei Wellengang gerettet werden.
Wenn es also fliegende Fische gibt, warum dann nicht auch fliegende Boote? 😉

         
     Erster Eindruck von Kroatien. Alles sehr „toskanisch“ hier          Die Straßen sind jedenfalls sehr gut ausgebaut.

Zum zweiten Mal an diesem Tag haben wir aber ein kleines Problem mit der Orientierung!
Irgendwo hätten wir nämlich rechts von der Richtung Umag verlaufenden Küstenstraße zum Nordzipfel Istriens abbiegen müssen, aber so sehr wir uns auch die Augen nach „Savudrija“ ausgeschaut haben, nirgendwo war ein Schild zu erkennen.
Den Fehler bemerken wir natürlich erst, als wir mit unserem Wohnmobil bereits beinahe auf Umag zusteuern und bei der Durchfahrt durch ein verschlafenes kroatisches Nest als Vorort von Umag erkennen müssen!
Was tun?
Drehen?
Ach nee, so wichtig sind „fliegende“ Boote nun auch nicht und da wir uns vorgenommen haben, die Zeit hier in Kroatien auch locker nach südländischer Art zu verbringen, schauen wir alternativ nun einfach Umag an, was als nächster Ort an der istrischen Küstenstraße kommt.
Umag ist ja auch deutlich größer und bietet somit ja auch deutlich mehr zum anschauen und bummeln, das kommt uns auch entgegen.
Anstelle uns zu ärgern genießen wir also viel lieber den allerersten Nahblick auf die Adria, die ersten badenden Gäste und ein dümpelndes Schiffchen (wenn auch nicht fliegend 😉 auf der Zufahrtsstraße nach Umag.

         
     „Ist das jetzt die Straße nach Savudrija, oder nicht?“ GRRR!      Da kommt ein Dörfchen, aber Savudrija ist es nicht 🙁

         
     Also die Lebensmittelversorgung ist *äh* überraschend 😉        Uh-oh-oh! Da, daaaa! Da kommt die Adria!!! (rechts)

         
Naja, immerhin das erste Schiffchen auf dem Mittelmeer           Und baden kann man hier auch, sehr „verkehrsgünstig“ 😉

Nach Passieren der Stadtgrenze von Umag entdecken wir zeitnah ein Schild zu einem Wohnmobil- Stellplatz und Parkplatz in Umag und steuern diesen einfach mal an.
Kostet mit 18 Kuna je Stunde für ein Wohnmobil zwar viel Geld, aber dafür stehen wir hier vielleicht ein wenig sicherer. Denn immerhin gibt es hier einen Parkwächter. Ach ja! Bevor wir es vergessen. „Kuna“ ist übrigens die Währung in Kroatien, den hier gilt noch nicht der Euro. Ein Euro ist etwa 7 Kuna wert, sodass man eigentlich meinen könnte, dass 18 Kuna, also etwa 2,50 €, je Stunde parken mit dem Wohnmobil gerade noch erträglich wäre. Nicht aber, wenn man dagegen den Preis für einen PKW- Parkplatz rechnet. Dieser kostet nämlich nur 6 Kuna die Stunde, also kaum ein Euro. Für ein Wohnmobil zahlt man also mehr als das Doppelte!
Aber wie gesagt immerhin gibt es hier einen Parkplatzwächter. Hoffentlich kassiert der nicht nur und kümmert sich sonst um nichts. Oder noch schlimmer: Erst Parkgebühr kassieren und dann einen Kumpel anrufen, dass „fette Beute“ auf dem Parkplatz steht! 😮
Naja, wir wollen ja nicht gleich das Schlimmste annehmen, parken auf dem weitläufigen Parkareal dann aber doch lieber möglichst zentral, auch wenn dies für gewöhnlich ein Trugschluss für Sicherheit darstellt.
Was soll´s? Verhindern können wir einen Einbruch ja sowieso nicht und wenn wir uns schon in der ersten Stadt in die Hose machen, können wir den Urlaub ja auch genauso gut gleich und hier abbrechen.
Schieben wir also die Gedanken an böse Dinge wie Einbruch und Diebstahl ganz weit weg und genießen viel lieber die ersten richtigen kroatischen Sonnenstrahlen auf der Umager Hafenpromenade.
Naja, streng genommen genießt nur Anja die Sonne, ich selbst knabbere noch ein wenig an der Umstellung, denn es ist ordentlich lecker warm!
Aber wir wollten das natürlich so und daher werde ich jetzt garantiert nicht über das anhaltend schöne Wetter meckern, sondern mich jetzt darüber freuen.
T- Shirt- Wetter, kurze Hose, Sonnenbräune, aus diesem Urlaub komme ich wie ein Südländer nach Hause. Zumindest habe ich mir dies vorgenommen. 😉

         
     Ankunft in Umag. Wir folgen den Schildern zum Stellplatz           Tarif: PKW 1 Std = 6 Kuna, Womo 1 Std = 18 Kuna 🙁

         
     Naja, hier stehen wir hoffentlich einigermaßen sicher                Fort mit den bösen Gedanken, lieber im Urlaub ankommen!

         
Erstmal die Füße baumeln lassen und…                                    …den Ausblick über das Wasser genießen. 🙂

Die ersten Eindrücke von Kroatien und Umag erfüllen übrigens natürlich auch ganz genau das Klischee, welches besonders ich mir von Kroatien vorgestellt habe und was ich aus einigen Hochglanzprospekten und zahlreichen Reiseführern und Reiseberichten entnommen habe.
OK, es ist noch nicht ganz perfekt, aber der Ansatz ist der richtige!
Heller steinerner Boden, teilweise richtig dicke Brocken wie auf einer alten römischen Straße, altertümlich und südländisch anmutende Häuschen im Hintergrund, kleine Bäume, grüne Flächen und natürlich die treibenden Boote auf teilweise azurblauem Wasser.
Es ist wirklich schön hier!

     schön anzuschauen: Die Hafenpromenade von Umag unter blauem Himmel
     Die Hafenpromenade von Umag! azurblaues Wasser, strahlender Himmel, dümpelnde Boote, südländisches Flair

Nur viel los ist hier nicht gerade. Ein wenig mehr hätten wir an anderen umherflanierenden Touristen schon erwartet.
Das ist aber auch nicht das Schlechteste, denn so haben wir zum einen viel Platz zum Gucken und andererseits können wir vielleicht auch das ein oder andere „Nachsaisonschnäppchen“ machen.
Ganz konkret hat Anja zum Beispiel eine volle Einkaufsliste an Taschenbestellungen für sich selbst und viele Bekannte aus der Heimat.
Eine Arbeitskollegin von Anja hatte eine Tasche aus Kroatien für kleines Geld mitgebracht (sicherlich ein Plagiat, aber was soll´s…) und alle Damen waren von dieser Tasche nun so begeistert, dass Anja aus diesem Urlaub eben gleich mehrere dieser Exemplare mitbringen soll.
Ein konkreter Auftrag im Urlaub also, den Anja recht ernst nimmt.
Ausgerüstet mit dem ausgehandelten Zielpreis ihrer Bekannten müssen wir nun versuchen, diese Taschen zu diesem Preis oder noch günstiger zu bekommen.
Zwar haben wir dafür noch den ganzen Urlaub Zeit, aber es schadet ja nicht, sich vielleicht schon hier ein wenig danach umzusehen.

         
     An der Hafenpromenade ist wenig los, die Stände sind zu          Einige haben aber dennoch auf, da schauen wir uns mal um

         
Das Angebot ist auf see-affine Souvenirs ausgerichtet               Neben Schiffen gibt es auch „aufgepumpte“ Kugelfische 😉

Zuerst aber bummeln wir weg von der Hafenpromenade rein in die kleinen Gassen der Altstadt, die uns unweigerlich an eine Mischung aus Rom und Venedig erinnern.
Venezianisch ist hier sicherlich der Baustil der Häuser, allerdings fehlt für das echte Flair der Lagunenstadt selbstverständlich das Wasser und die Kanäle rundherum.
Dafür wirkt es immerhin noch so italienisch, dass man sich alternativ auch in Rom wähnen könnte.
Besonders wird dieser Eindruck beim Anblick des Kirchturms erweckt, der recht zentral und mittig am besonders belebtesten Platz des Städtchens zu finden ist.
Mir gefällt es hier eigentlich schon recht gut.

Anders Anja: Anja war früher schon öfter in Kroatien unterwegs und kennt sich somit auch hier in Istrien schon recht gut aus.
Von daher sagt sie zu mir, dass Umag rein optisch vom kroatischen Flair her noch nicht das Nonplusultra wäre, dafür fällt man aber in Umag auch nicht sofort in den typischen Touristenstrom, der z.B. in Rovinji vorherrscht.
Das kann auch schön sein, aber Urlaub nur direkt hier in Umag machen würde Anja hingegen nicht.
Ein Glück, dass wir auf einer Rundreise unterwegs sind und die noch viel schöneren Ecken von Kroatien, von denen Anja mir schon ein wenig vorschwärmt, dann noch sehen werden.
Und ob Anja mit Ihrer Meinung Recht hat, werden wir im späteren Reiseverlauf ja noch erleben.
Ich bin jedenfalls gespannt…

         
     In den Altstadtgassen von Umag: schön bunt aber leer…           Die Sonne küsst die hellen Häuser

         
     Schmale Gassen, alles wirkt sehr „italienisch“                           Auf dem großen Platz am Hafen steht Gastronomie bereit

         
Der Haupthafen mit ein paar schönen Touristenbooten…            …befindet sich direkt am zentralen Marktplatz mit Kirche

Wir spazieren nach der kleinen Runde durch das Dörfchen zurück in Richtung Hafen, wo wir uns auch gleich noch das erste Eis in diesem Urlaub schmecken lassen.
Viel zu spät eigentlich, denn warm ist mir eigentlich schon die ganze Weile.
Umso schöner ist dann der große Berg Eis, den wir in unsere Eiswaffel gepackt bekommen. Mit frechen Sprüchen und guter Laune bekommen wir 4 Kugeln Eis zum Preis von 2, wobei wir noch nicht so recht wissen, ob das wirklich ein Schnäppchen ist.
40 Kuna, also etwas über 5 Euro werden für 2 Eis mit je 4 Kugeln fällig.
Ob das viel ist, werden wir dann sicherlich erst im späteren Reiseverlauf und nach weiteren vertilgten Eis erfahren.
Schmecken tut das Eis aber auf jeden Fall erstaunlich gut, hat fast schon italienische Qualität!
Und wenn das Eis dann noch mit dieser guten Laune verkauft wird, dann schmeckt es gleich doppelt lecker.

         
     Von der Hafeneisdiele Fructal (hier rechts im Bild)…                 …gibt es 4 Kugeln zum Preis von 2. Und lecker ist es auch

Noch während wir zurück in Richtung Wohnmobil spazieren, entdecken wir einen Laden mit Taschen.
Aha, das ist gut! Anjas Auftrag ist sofort präsent und schon durchstöbern wir das Angebot aus Prada, Gucci und Versace, NATÜRLICH alles die Originale, wie uns der Besitzer des Ladens verspricht.
Nee, is klar… 😉

         
     Taschen, Taschen, Taschen! Anja braucht Taschen! 😉             Gucci, Versace und Prada und ALLES ORIGINAAALL! 😉

Nach einigem Gucken und Schauen entdecken wir dann auch die gewünschten Taschen und fragen natürlich nach dem Preis für eine Tasche.
Was der Verkäufer uns daraufhin entgegnet, sprengt jegliche Preisvorstellung unsererseits.
Schlimmer aber, als der unverschämte Preis für die Tasche (dafür bekommen wir ja fast ein Original! 😉 ist die absolute Lustlosigkeit des Verkäufers! Muffig sitzt er da, brabbelt etwas vor sich hin und macht überhaupt keine Anstalten, wirklich eine Tasche verkaufen zu wollen. Wir versuchen daher auch gar nicht erst, hier mit dem Verkäufer ein Verkaufsgespräch zu führen.
Weder zeigen wir weiteres Interesse an einer, geschweige denn an mehreren Taschen, die wir eigentlich kaufen wollen.
Ist eh zu früh! Hier in Umag fangen wir ja gerade erst an und wir haben noch viele schöne Städtchen vor uns.
Da werden wir sicherlich auch noch ein paar Angebote an Taschen finden.

Zurück am Wohnmobil setzen wir uns gegen kurz nach 5 wieder in Bewegung.
Ein letztes Mal für heute übrigens, wir werden nun unseren ersten kroatischen Campingplatz hier in Istrien aufsuchen, um uns dort einen auf zwei Tage einzurichten.
Einfach nur, um mal irgendwo nach dieser spannenden aber auch anstrengenden Reise anzukommen und uns mal einzurichten.
Ein bisschen ausspannen, ohne dabei auf Leben, Nightlife, Shopping und Kulinarisches verzichten zu müssen.
Empfohlen wurde uns hierfür der Campingplatz „Sirena“ bei Novigrad, der sowohl direkt am Meer aber auch nah genug am Küstenstädtchen Novigrad liegt, um auch neben Strand, Sand und Meer etwas erleben zu können.

         
     Wir verlassen Umag und fahren wieder durch Istrien              Auch zwischen Umag und Novigrad: Alles „sehr toskanisch“ 😉

Etwa 30 Minuten dauert es, bis wir uns durch die kroatischen Landschaften geschlagen haben.
Viel Verkehr ist hier nicht, aber auf die Schilder muss man schon ein wenig achten.
Glücklicherweise kennt auch unser Navi wieder den Weg, sodass wir gegen kurz nach halb 6 ohne einen weiteren unnötigen Umweg am Campingplatz eintreffen und auf einem vollen Parkplatz vor einer gemessen an der Größe des Campingplatzes überraschend kleinen Rezeption zum Stehen kommen.

Wir sind schon sehr gespannt, wie das Campen in Kroatien sein wird.
Von Osteuropa sind wir ja nicht zuletzt auch durch unsere Tour nach Ungarn ein wenig vorgewarnt, dass Qualität und Standard der Campingplätze wie in Deutschland, Holland oder gar Dänemark nicht unbedingt auf die osteuropäischen Campingplätze oder auf die Plätze am Mittelmeer allgemein übertragen werden können.
Aber wie wird es in Kroatien sein?
Werden wir überrascht sein? Sicher! Aber wird es eher positiv oder eher negativ werden, das ist die Frage, die wir uns nun natürlich auch ein wenig neugierig stellen.

         
     Zufahrt zum Campingplatz Sirena, offenbar gut besucht!           Die Rezeption. Eher schlicht, das überrascht ein wenig

Das Einchecken funktioniert jedenfalls ohne große Überraschungen oder Herausforderungen.
Wir bekommen einen Platzplan, auf dem die freien Parzellen eingezeichnet sind und wir uns davon was aussuchen dürfen.
Haben wir dann einen Platz gefunden, sollen wir in der Rezeption Bescheid geben und die Platznummer nennen. Das ist einfach.
Der Platz selbst ist in 2 große Bereiche eingeteilt.
Einmal der schattige Bereich unter den dichten Bäumen hier unmittelbar rund um die Rezeption und einmal eine große offene Campingwiese im hinteren Campingbereich, diese liegt etwas abseits.
Unter den schattenspendenden Bäumen besteht allerdings bereits eine maximale Belegung, lediglich eine einzige Parzelle ist hier noch frei.
Auf dem großen weitläufigen Wiesenareal sei aber noch sehr viel frei, wie uns die Rezeptionistin auf unseren skeptischen Blick hin bestätigt.
Aha.

Wir setzen uns vorsichtig mit dem Wohnmobil auf den sehr schmalen Versorgungswegen (als die angelegt wurden war kein Wohnwagen geschätzt breiter als 2 Meter!) in Bewegung und entdecken kurz darauf die einzige freie Parzelle unter den schattenspendenden Bäumen, die wir nehmen könnten, wenn wir denn wollten.
Schlagartig wird uns aber klar, warum diese Parzelle noch frei ist und natürlich auch frei bleiben wird!
Wow, ein solcher „Fleck“ ist uns selten als Parzelle angeboten worden, das geht mal gar nicht!
Zuerst ist das Areal rein optisch gar nicht groß genug, dass es unser knapp 6 Meter langes Wohnmobil aufnehmen könnte!
Ein Zelt vielleicht, oder einen Eriba Puck von (keine Ahnung) 1964 vielleicht, aber keinesfalls ein 1984er Wohnmobil!
Dann ist die Parzelle auch noch komplett schief und fällt vom auf zwei Seiten angrenzenden Versorgungsweg in beide Seiten schräg in Richtung durch die Bäume schimmerndes Ufer ab.
Aber es kommt noch besser: Die ganze Parzelle ist nicht nur schräg, sondern auch uneben und wellig, höchstwahrscheinlich durch die inzwischen dickeren Bäume, die vor 50 Jahren sicherlich nur kleine Hänflinge waren.
Ob Wurzel oder Maulwurfshügel, im Dunkeln werden daraus perfekte Stolperfallen!
Also hier könnte man wirklich nur mit einem Knaus Schwalbennest oder noch besser mit einem kleinen 2- Mann Iglu- Zelt campieren, doch selbst davon würden wir absehen. Es kommt nämlich noch besser!
Der Hit und zweifelsohne die absolute Krönung ist nämlich die noch zusätzliche Positionierung von einer Mülltonnenreihe auf der kleinen Parzelle, die hier nicht nur den optischen Eindruck erheblich belastet, sondern auch ein ansprechendes Aroma aus dem Grillresten des gestrigen Abends und möglicherweise einigen Fischabfällen über die Parzelle legt.
Mmmmh, mjam, da bekommt man ja gleich Hunger…  🙁

Nur schnell weiter und raus auf die offene Wiese, hier gefällt es uns gleich besser.
Offen zwar und bei den aktuellen Temperaturen wird das sicherlich tagsüber unter der prallen Sonne warm werden, aber dafür wenigstens groß genug und „mülltonnenfrei“.
Zuerst schauen wir nah beim Wasser, allerdings sind auch hier alle Parzellen belegt und die wenigen freien Parzellen liegen ungünstig weil zu klein oder uneben, auch die „Nachbarn“ gefallen uns nicht unbedingt.
Etwas weiter oben aber finden wir eine lichtere Reihe, und darin mit der Parzelle 477 auch einen ganz nettes Plätzchen für was um 2 Nächte.
Einigermaßen gerade, Strom noch in der Nähe und allzu weit zum Servicehaus dürfte es auch nicht sein. Und wenn man aufs Dach vom Wohnmobil steigt, kann man sogar das Wasser sehen 😉

         
     Als Schattenplatz wäre nur hier rechts an den Mülltonnen frei     Nee, nicht mit uns! Dann lieber offen mit Sonne. Geht schon.

Schnell richten wir uns ein und räumen unsere Markise nebst Campingmöbeln raus, danach schnalle ich auch gleich die Fahrräder ab.
Mit meinem Fahrrad radele ich dann fix rüber zu Rezeption und checke ein.
Auch das klappt problemlos, ich bekomme ein Schildchen mit unserer Parzellennummer für den Innenspiegel und darf gleich wieder zurückradeln.
Tja, das wars dann auch schon!
Parzelle gebucht, Klamotten draußen, Liege startklar und kaum haben wir 18 Uhr sieht es so aus, als wären wir schon mindestens eine Woche hier am Platz 😉

Nur eine Kleinigkeit stört dann doch erheblich: Der Strom!
Dieses Mal aber ist unser Wohnmobil unschuldig, denn dieses würde uns sicherlich mit Strom versorgen, wenn wir doch endlich den Stecker im Verteilerkasten einstecken könnten!
Dies aber dürfen wir leider nicht selber machen, sondern müssen auf einen der radelnden Platzmeister warten, der uns tatsächlich eine gute halbe Stunde warten lässt!
Wirklich, kein Witz!

         
     Ärgerlich! Während wir schon komplett eingerichtet sind…        …müssen wir über eine halbe Stunde auf den Strom warten

33 Minuten nach dem Abholen des Schildchens und dem Versprechen der Rezeptionistin, dass gleich jemand kommen würde, radelt ein etwas grummig dreinschauender Jupp um die Ecke.
Lässig fragt er nach unserem Stecker, schließt den Kasten auf und steckt uns ein.
Naja, keine wirkliche Meisterleistung!
Eigentlich wollte ich ihm ja ein paar Kuna Trinkgeld geben, aber bei über 30 Minuten Wartezeit bringe ich das nicht übers Herz.
Mit dem gleichen grummigen aber lässigen Gesichtsausdruck schwingt sich Jupp, den ich ab sofort Josip nennen werde (das klingt kroatischer 😉 wieder auf sein Rad und radelt davon.
OK, mit etwas Glück brauchen wir den erst wieder bei der Abreise und wollen hoffen, dass nicht aus irgendeinem Grund die Sicherung fällt.

Nun, endlich angekommen, packt uns gleich wieder der Tatendrang, denn hier auf der faulen Haut liegen wollen wir nicht!
Und der Hunger packt uns natürlich auch!
Denn gegessen haben wir auch noch nicht wirklich was, mal von den Fleischkäsebrötchen heute Mittag auf der Straße und vom Eis in Umag abgesehen.
Aber zum Glück haben wir unseren Campingplatz nicht ohne Grund nah am Städtchen Novigrad gewählt, sodass die kulinarischen Köstlichkeiten dort in greifbare Nähe rücken.
Zugegeben nicht wirklich in Fußreichweite, aber immerhin ganz easy mit dem Fahrrad zu erreichen, laut Navi sind es von hier aus bis ins Stadtzentrum knapp 2 Kilometer immer an der Wasserlinie entlang.

Gegen viertel vor 7 radeln wir also los in Richtung Novigrad, drehen aber vor Verlassen des Platzes noch eine Runde über das Areal für einen ersten umfangreicheren Eindruck, zu dem natürlich auch ein Abstecher zu unserem nächstgelegenen Servicehaus gehört.
Wir gehören nunmal zu den neugierigen Campern und wissen gern, was uns am nächsten Morgen bei der ersten Dusche oder bei dem Weg zum Strand erwarten wird. 😉
Und der erste Eindruck besonders vom Servicehaus ist gar nicht mal so schlecht!
Ordentliche Einrichtung, recht modern und einigermaßen sauber ist es hier auch.
Es gibt sogar Toilettenpapier in den Kabinen sowie Seife am Handwaschbecken der Toiletten, was ich dem Platz hoch anrechne.
Hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

         
     Die ersten Eindrücke vom Campingplatz. Offene Wiese              Ein wenig steht man durcheinander, weniger in Parzellen

         
     Einige (meist Dauercamper) haben richtig Glück…                    …denn die haben den direkten Zugang zum Wasser.

         
     Aber auch Touristencamper haben direkten Wasserzugang        Dafür ist Kroatien bekannt: Steine statt Sandstrand. Naja.

         
     Der Blick in die Serviceräume überrascht positiv! Sauber, modern eingerichtet, Handtücher, Seife, Toilettenpapier – alles da!

         
     Hier noch ein Einblick im Schattenbereich unter den Bäumen      Alles super hier, da können wir entspannt abradeln 😉

Vom Servicehaus biegen wir gleich in Richtung der Campingplatzrezeption ein und passieren auf dem Weg zur Hauptstraße auch den unmittelbar angrenzenden Hotelbereich.
Hier hängt übrigens das gleiche Animationsprogramm, welches wir an der Rezeption des Campingplatzes schon gesehen haben.
Ob nun Wake- Up Gym, Aquaaerobic oder Mini- Club, das Angebot ist identisch.
Natürlich erscheint die Einrichtung hier in der Ferienanlage ein wenig höherwertiger, Minigolf, Pool und großer Garten warten darauf, von den Hotelgästen genutzt zu werden und diese machen davon auch rege Gebrauch. Offenbar gut besucht die Anlage.

Nachdem wir Campingplatz und Hotel hinter uns gelassen haben, stehen wir wieder an der Hauptstraße und biegen links ab in Richtung Stadtzentrum. Bevor wir aber die kleine Anhöhe hinab radeln, entdecken wir übrigens noch den Supermarkt! Gleich hier an der Einfahrt ist er angesiedelt, so muss ich morgen früh beim Brötchenexpress nicht lange suchen.

Mit Ausnahme der Tatsache, dass wir den Supermarkt gefunden haben, ist unsere Wahl des Weges übrigens etwas unglücklich gewesen! Nicht zum ersten Mal radeln wir nämlich nun eine Straße entlang, obwohl es sicherlich auch einen direkten Weg vom Ufer und Wasser des Campingplatzes bis hin zum Ufer und Wasser des Altstadthafens gegeben hätte!
Ist ja eigentlich logisch! Nun aber müssen wir uns durch den Verkehr auf der Straße entlang radeln und uns gleichermaßen mit Autos und LKW wie auch mit Lärm und Abgasen rumärgern.
Zum Glück ist der Weg nicht besonders lang, keine 15 Minuten nach unserer Abfahrt erreichen wir schon den verkehrsberuhigten Bereich rund um den Hafen. Die zahlreich parkenden Autos zeugen wohl ebenfalls davon, dass wir auf dem richtigen Weg sind. 😉
Wir orientieren uns sogleich in Richtung Hafen, Promenade und Stadtzentrum und entdecken kurz darauf einen kombinierten Park- und Marktplatz.
Schön ist es hier nicht, aber von hier aus kommt man prima in die autofreie Fußgängerzone an der Strandpromenade, sodass wir hier unsere Räder abstellen und abschließen.
Dann geht es einmal über den Platz an ein paar Fischerbooten vorbei.
Echte Fischerboote wohlgemerkt! Keine für die Touristen aufgestellten Attrappen, die nur ein nettes beschauliches Bild eines angeblich lebendigen Hafens präsentieren sollen.
Natürlich handelt es sich nicht wirklich um einen Fischerhafen, denn die Mehrzahl der Boote sind kleine Yachten und Segelboote, die zweifelsfrei Touristen gehören oder für einen touristischen Zweck gedacht sind.

         
     die ersten Eindrücke von Novigrad, hier im Hafen                     dreckig, schmuddelig, müffig! Das ist kein Touristenboot! 😉

Wir bummeln weiter am Pier entlang und erreichen kurz darauf die „richtige“ Uferpromenade.
Hier liegen dann die etwas schöneren und herausgeputzten Schiffchen, die eine stimmungsvolle Kulisse für die ersten Restaurants mit Außenterrasse darstellen.
Fast schon wäre es idyllisch, wenn hier nicht so viel Wusel wäre!
Offenbar kommen wir nämlich genau richtig, irgendein Hafen- oder Stadtfest ist in vollem Gang und präsentiert uns zahlreiche aufgebaute Stände mit Souvenirs, kulinarischen Köstlichkeiten, Bildern mit gemalten Sonnenuntergängen, kontrastreicher Schmuck und weiteren Angeboten, dazu spielt recht laute Musik von einer Bühne.
Wow, wer hätte das gedacht?!
Statt beschaulichem Abendspaziergang mit einem romantischen Abendessen bei Kerzenschein geht es hier zu wie in den Asterix- Heftchen auf den Straßenkreuzungen von Lutetia!
Und dieser  Vergleich hinkt noch nicht einmal wirklich hinterher, denn rein optisch passt wirklich alles!
Die kleinen südländischen fast schon antiken Häuser, quer durcheinander gebaut und urig anzuschauen. Dazu  die stämmige aber ebenfalls altertümliche Stadtmauer und ein Gesamteindruck wie in einer Mischung aus altem Rom, Griechenland und italienischem Dolce Vita.
Wirklich toll!
Einzig die Menschen sehen zu „modern“ aus, dass sie aus einem Asterix- Comic stammen könnten, aber das macht auch nichts.

         
     Die „touristische“ Hafenpromenade von Novigrad                      Deutlich schöner anzusehen! Aber auch deutlich mehr los…

         
     Allerlei Stände sind aufgebaut, bieten alles mögliche!                Auch im Restaurant stehen die Empfangskellner bereit

         
     Ein stilvoll eingerichteter Wagen mit Trauben…                         …präsentiert vor dieser schönen Kulisse guten Wein

         
Häuschen und alte Stadtmauer wirken auch hier italienisch        Und dann dazu noch der Schinken am Stück. Super!

Sehr zufrieden bummeln wir Hand in Hand über die Promenade und schauen an einigen Ständen nach dem Angebot.
Mit einem Auge halten wir natürlich Ausschau nach den Taschen, die wir vorhin schon in Umag erspäht hatten, aber im Grunde treibt unser zielsicheres Auge natürlich Jagd nach etwas ganz anderem: Beute!
Hunger haben wir und das richtig!
Und die Kroaten machen es einem auch wirklich nicht leicht, denn typisch südländisch wird auch gerne effektvoll im Freien zubereitet, gegrillt und gebrutzelt, was Meer und Weide hergeben!
Allein der Anblick des Fisch- Schiffchens oder die herrlich leckere Fleischpfanne lassen einem das Wasser im Munde zusammen laufen!

         
     Fangfrisch kommt der Fisch hier direkt aus dem „Boot“ 😉         Böh, lecker! Dann doch lieber so einen dicken Fleischlappen!

Es kostet uns viel Überwindung hier einfach dran vorbei zu spazieren, aber wir wollen uns zunächst einmal einen kompletten Gesamtüberblick über das Angebot verschaffen.
Vielleicht finden wir ja einen Stand mit noch schmackhafterem Angebot, wer weiß 😉
Wir folgen weiter der Promenade, passieren die Show- und Musikbühne und entdecken kurz darauf ein total romantisches Fleckchen!
Gut, OK, das haben auch schon andere entdeckt und so ist es kein Wunder, dass sich hier, mit der perfekten Aussicht auf einen Sonnenuntergang im Meer, ein Restaurant mit Außenterrasse an das andere reiht.
Die tolle Aussicht hat ihren Preis, ein Blick auf die Speisekarte lässt einen Aufschlag von ca. 10% je Gericht erahnen.
Dennoch sind die Terrassen in Anbetracht des warmen Sommerabends und der bald untergehenden Sonne natürlich reich besucht und auch wir sind nah dran, uns einfach hier nieder zu lassen.
Die Kellner wünschen schon einen guten Abend, lächeln freundlich und reichen einem schon fast die Speisekarte, ohne dass man schon an einem der wenigen noch freien Tische in der dritten oder vierten Reihe Platz genommen hätte.
Einzig der lange Zeitaufwand für so ein komplettes Essen lässt uns zögern.
Lieber wäre uns „was auf die Hand“, ein Burger, ein Spanferkelbrötchen (dies soll eine kroatische Spezialität sein, ich bin gespannt!) oder eben ein solches rustikales Teigbrot mit so einer fetten Scheibe gebratenem Hackfleisch drin, was wir eben an der Pfanne gesehen haben. Sowas schwebt uns vor.
Nichts desto trotz halten wir einen Moment inne um ebenfalls die Idylle zu genießen.
Und dafür muss man noch nicht einmal im Restaurant sitzen, für einen kostenlosen Ausblick sogar in der ersten Reihe tun es auch ein paar Stufen der Uferbefestigung.
Voila, fertig ist der Blick auf den Sonnenuntergang:

         
     Wieder entdecken wir eine wunderschöne sonnendurchflutete und weitläufige Promenade mit Gastronomie und Ausblick

         
Den Ausblick gibt es auch ohne Abendessen! Anja genießt von den steinernen Stufen den Blick auf den Sonnenuntergang

Dem Drang hier einfach ins Wasser zu springen und in der warmen Luft des Sonnenuntergangs im Meer zu baden können wir gerade noch widerstehen.
Aber einladend wäre es schon!
Und würde jemand anders hier ebenfalls gerade baden und hätten wir zufällig Badesachen dabei, wir würden zweifelsfrei auch mal kurz ins Wasser springen!
Hab ich ja heute früh nach dem Schlottern auf der Berghöhe noch vollmundig angekündigt, dass ich mich heute im warmen Wasser der kroatischen Adria aufwärmen werde.
Und jetzt? Wird gekniffen 😉

          
     In den Bassins könnte man baden, wenn man wollte 😉             Sportlich betätigen wäre in jedem Fall auch möglich

Naja, baden können wir ja auch morgen noch ausgiebig am Campingplatz, wenden wir uns lieber wieder dem Städtchen zu.
Bislang sind wir ja nur einmal am Ufer und an der Hafenpromenade entlang spaziert.
Und wäre hier nicht der Trubel mit den ganzen Ständen und der Musik, könnte man hier bestimmt nicht mehr machen als einfach nur spazieren gehen.
Abgesehen von den Restaurants mit Blick in den Sonnenuntergang wäre hier aber doch ansonsten nichts, oder?
Ohne Markt müsste sich doch daher auch das Leben in den Straßen und Gassen der Altstadt stattfinden und dies würde doch auch bedingen, dass wir dort vielleicht einen ganz normalen Imbiss für den kleinen Abendsnack finden.
Naja, so zumindest unsere Theorie.
Von der Hafenpromenade aus spazieren wir also in Höhe einer kleinen Kirche eine alte Treppe hinauf und gehen dann in Richtung der vermuteten Altstadt, dessen Gassen wir auch kurz darauf entdecken.
Kaum angekommen überrascht mich ein zweites Mal, wie sehr doch das „Lutetia“- Asterix- Klischee hier zutrifft!
Schmale Gassen, bunte Häuschen mit farbenfrohen Fensterläden, Mäuerchen, Vorsprünge, Steinboden und mehr lassen die Antike schon ein wenig auferstehen.
Klar stört die ein oder andere Klimaanlage auf den Balkons das Bild, aber das blenden wir einfach gekonnt aus.
Tja, es ist schon schön hier in Novigrad und es gefällt nun sogar auch mir ein gutes Stück mehr, als noch der erste Eindruck von Kroatien heute Nachmittag in Umag.

         
     Die Altstadt von Novigrad – sieht aus wie in Lutetia 😉               Gastronomie? Natürlich auch hier und das reichlich

         
Aber auch „normale“ Häuser sehen sehr schick aus                  Wir streifen durch die Gassen, schauen nach dem Angebot

Kulinarische Angebote gibt es natürlich auch hier und es sei uns bitte verziehen, dass wir vom inzwischen größeren Hunger getrieben keine Augen mehr für die Schönheiten der Gassen und Häuschen aufbringen können.
Stattdessen studieren wir hier und da die Speisekarten und vergleichen frei nach dem Pizza- Margherita- Index (wer diesen noch nicht kennt: Auf unseren Italien- Touren haben wir diesen seinerzeit erfunden. Wir vergleichen immer den Preis einer immer gleich zuzubereitenden und vergleichsweise einfachen Pizza Margherita auf den einzelnen Speisekarten und hoffen hierbei ein gutes Preis- Leistungsverhältnis ermitteln zu können) die verschiedenen Angebote der Gastronomen.

         
     Kartencheck! Wir überprüfen die Preise einer Pizza Margherita, um das beste Preis-/Leistungsverhältnis zu finden

Zu teuer sind die Preise dabei nicht, aber nach wie vor wollen wir nur ungern irgendwo sitzen und lange auf die Zubereitung eines Abendessens warten.
Doch so sehr wir uns auch die Augen ausgucken, es will sich einfach kein Imbiss finden lassen.
Eisdielen, ja klar!
Auch schicke T- Shirts, Taschen oder teure Uhren und Schmuck könnten wir bekommen.
Und sogar „Portraits in Öl auf Leinwand“ wären denkbar, aber geschmacklich dann vielleicht doch nicht ganz so empfehlenswert.  😉

         
Eigentlich suchen wir ja was zu Essen! Aber weder teure Uhren noch Portraits auf Leinwand in Öl wollen uns gefallen 😉

Wir versuchen unser Glück am Ende also doch wieder an der kulinarischen Köstlichkeitsmeile an der Hafenpromenade, was Besseres als eine leckere Portion Cevapcici oder einen Burger im rustikalen Brotteigmantel wird hier als Snack wohl nicht zu bekommen sein.
Vielleicht kommt das mit dem kroatischen Spanferkel im Brötchen einfach später und Novigrad ist hierfür einfach nicht bekannt.
Schauen wir mal.

Zurück am Hafen macht sich große Ernüchterung breit!
Das Teil hat schon zu!
Leer die Pfanne und bereits in bester Villariba- Manier ausgespült ließe sich nicht einmal mehr ein Rest Sud aus der Pfanne kratzen, es sei denn wir würden Spüli zum Abendbrot bevorzugen.
Na super!
Und jetzt?
„Probieren wir doch einfach die kleine Pizzeria hinten abseits der Stadtmauer“ entgegnet Anja und meint damit nicht eine der teuren Restaurants mit Blick auf den Sonnenuntergang, sondern eine kleine unscheinbare Pizzeria in einer Seitenstraße (genauer in der Rotonda, Ecke Gradska Vatra, die wir auf dem Weg zurück in den Hafen entdeckt hatten.
Nicht teuer und gut besucht wird mit etwas Glück die Zubereitung einer Pizza nicht so lange dauern, sodass wir doch noch zu einem leckeren Abendessen kommen.
Gesagt getan spazieren wir den Weg zurück zur Spaghettoteka Tomato Novigrad, wo wir uns gegen 20 Uhr an einem der wenigen freien Tische im Terrassenbereich niederlassen.
Stimmengewirr, hauptsächlich kroatisch, wabert über die Terrasse, was uns hoffen lässt, dass wir hier eine für einheimische typische Portion bekommen werden.
Keine Touristenabzocke, kein Aufschlag für weniger Essen.
Nicht, dass wir normalerweise nicht satt werden würden. Aber es ist nunmal ein Unterschied, ob ich eine ordentliche Pizza Margherita hier unter Einheimischen mit wenig Ausblick für 5 Euro bekomme, oder ob ich an der Promenade mit Sonnenuntergangsblick und deutschen Platznachbarn die gleiche Pizza nur kleiner mit 6,80 Euro bezahlen muss.

Wir sitzen kaum, da kommt auch schon der Kellner.
Super, das geht ja schnell hier!
Euphorisch wie wir sind wollen wir uns am besten gleich hier durch die kulinarischen Köstlichkeiten Kroatiens kosten und wenn ich schon kein Spanferkel bekomme, dann doch bitte wenigstens den berühmten Schafskäse, von dem uns nicht nur ein Reiseführer berichtet.
Als Vorspeise bestellen wir also einmal eine Käseplatte mit Schafskäse, für den großen Hunger darf es dann gern für jeden von uns eine Pizza sein.
Der Kellner nimmt unsere Bestellung dankbar auf und verschwindet gleich mit der Karte in der Küche.
Supi! Wir reiben uns schon die knurrenden Bäuche!

Es dauert zu unserer Überraschung ein wenig, dann aber bringt der Kellner die Vorspeise heran.
Ah, jetzt geht es los!
Aber was ist das?
Das sieht nicht nach „Schafskäse“ aus, sondern das sind einfach nur ein paar Käsescheiben (wie Gouda) mit etwas Öl drauf, dazu ein bisschen Brot!
Das ist aber falsch!
Puh, das ist dann schon der zweite Reinfall mit den kroatischen Köstlichkeiten! Kein Spanferkelbrötchen und nun auch kein Schafskäse.
Sowas blödes!
Aber sollen wir jetzt „die Deutschen“ raushängen lassen und uns gleich beschweren?
Allein das Wort: „beschweren“!
Man be- schwert sich mit einem Problem, nimmt es also nicht leicht und locker.
Muss doch nicht sein, wir haben doch Urlaub!
Wir nehmen es einfach locker und akzeptieren den Käse nicht zuletzt auch deswegen, weil mir der Magen schon in den Kniekehlen hängt und wir bei einer Reklamation bestimmt noch länger warten müssten, als wir es sowieso schon tun.

Kaum habe ich eine Scheibe Käse in Öl auf Brot probiert, fällt es mir auch schlagartig unter Tränen wie Schuppen von den Augen, warum der Kellner uns gerade diese Käseplatte gebracht hat!
Ganz offensichtlich haben wir nämlich ohne es zu bemerken gleich die erste Sprachbarriere in diesem Urlaub gekreuzt!
Unsere Bestellung nach „Schafskäse“ hat uns nämlich „scharfen Käse“ in Form von scharfem Olivenöl eingebracht, welches schon recht gut in die Käsescheiben eingezogen ist. Und wenn ich „scharf“ schreibe, dann meine ich scharf! Von dem Zeug bekommt man problemlos Nasenbluten, wenn man dies denn möchte!!
Hastig greife ich nach dem ersten Bissen nach meinen Colaglas und ziehe es auf einen Zug fast leer, was den aufmerksamen Kellner gleich wieder auf den Plan ruft.
„Is gud? Is gud?“ will der Kellner mit einem breiten Grinsen von mir wissen, wohl in der Hoffnung, dass er mir mit dem überaus scharfen Käse eine ganz besondere Freude gemacht hat.
Oh- weia! „Nimm es wie ein Mann!“ denke ich mir und nicke freundlich und dankbar dafür, dass ich gleich ein neues Glas Cola erhalte.
Tja, das hat man davon, wenn man sich auf ein Abenteuer einlässt und eben „unter Einheimischen“ speisen möchte, ohne die Sprache wirklich zu verstehen.
Pech!
Aber irgendwie auch egal!
Sowas passiert eben im Urlaub und so schlimm ist der Käse, wenn man sich erstmal an den Geschmack gewöhnt hat, ja auch gar nicht.
Mit vorsichtigem Genuss lassen wir uns den Käse munden (auch wenn man das scharfe Olivenöl sehr dezent einsetzen muss!) und so gibt es eigentlich auch gar keinen Grund auf die weiteren „Iss gud?“ des Kellners mit „Nein“ zu antworten.
Wir nicken also artig, schnuckeln die Käseplatte und werden das falsche Essen auch nicht auf das Trinkgeld anrechnen.
Ist ja nicht allein seine schuld, wenn wir keinen „Schafskäse“ auf Kroatisch aussprechen können! 😉

Für die Pizza ist nochmals unerwartet lange Geduld gefragt.
Schon lange ist die Käseplatte leer und inzwischen auch weggeräumt, die Uhr zeigt mittlerweile kurz nach 9.
Wir wollten eigentlich schon längst wieder zurück sein (so langsam macht sich der lange Tag einfach bemerkbar und wir sind müde!), als endlich unsere Pizza kommt.
Und hier gibt es dann zur Abwechslung auch keine Überraschungen, wie bestellt bekommen wir 2 leckere Pizzen serviert.

         
     So sieht sie aus, die Pizza im Spaghettoteka Tomato Novigrad. Schinken mit Pesto und Tomate mit Mozzarella. Ganz lecker.

Fürs Essen selbst brauchen wir dann nichtmal halb so lange, wie wir an Wartezeit zwischen Käseplatte und Servieren der Pizza aufgewendet haben.
Ach ja, ist halt Südeuropa, ist halt „piano…“
Kaum aufgegessen und die Gläser ausgetrunken zahlen wir auch gleich, runden anständig auf und verabschieden uns vom Kellner, der etwas verdutzt schaut, dass wir schon gehen wollen.

Die Pizza war übrigens ganz OK, wenn auch nicht ganz so groß wie erwartet.
Und würden wir jetzt zufällig doch noch auf einen Stand mit Spanferkelbrötchen treffen, ich würde zweifelsohne noch locker zugreifen können, ohne mich dabei zu überfressen! 😉
Doch statt weitere Kalorien auf die Hüfte zu tackern ist nun noch ein wenig Abendbewegung mit Spazieren gehen und Radfahren angesagt!
Denn so langsam wollen wir zurück auf den Campingplatz und diesen doch inzwischen recht langen Tag beenden.
Wir schlendern also Hand in Hand aber auch mit inzwischen müden Augen zurück Richtung Fahrradparkplatz durch die Altstadtgassen von Novigrad die jetzt, wo es dunkel ist, natürlich stilvoll beleuchtet werden.
Sieht immer schön aus, so eine Altstadt im Dunkeln!
Und die Stadt wirkt, um die ganzen umherwuselnden Touristen erleichtert, gleich wieder beschaulich.

         
     Dunkel wird´s, die Stadt ist dabei stimmungsvoll beleuchtet  so ganz langsam leert sich alles, auch im Hafen

Gegen viertel vor 10 satteln wir wieder unsere Räder und fahren nun richtigerweise auf dem kleinen Verbindungsweg zum Hotel und zum Campingplatz am Ufer der Adria entlang.
Hier fährt es sich natürlich gleich viel besser als auf der Hauptstraße. Zum einen, weil man nicht so auf den Verkehr achten muss und zum anderen ist hier natürlich auch bedeutend ruhiger.
Lange dauert die Fahrt nicht (etwa 10 Minuten bei knapp über Schrittgeschwindigkeit), obwohl neben uns auch noch einige andere Rückkehrer zu Fuß und per Fahrrad den gleichen Weg nutzen, wie auch wir.
Für die Uhrzeit vielleicht etwas ungewöhnlich, andererseits scheint der Weg natürlich bei allen Reisependlern, die aus der Stadt kommen oder in die Stadt wollen, die einzig richtige Wahl zu sein. Gemessen an der Tatsache könnte der Weg durchaus etwas besser beleuchtet sein, aber dank Anjas Licht am Rad (meins ist offenbar wieder mal kaputt) können wir auch ein wenig was vom Weg erkennen und somit dunkel gekleidete Fußgänger zumindest erahnen 😉
Die zahlreichen Touristen hier kommen übrigens nicht nur vom Campingplatz! Auch von der Hotelanlage erhält der Fußgängerstrom offenbar regen Zufluss. Überhaupt ist die Hotelanlage wohl ein quirliges Ziel. Als wir uns dieser nähern, dringt ein wenig Musik zu uns herüber und eine stilvoll beleuchtete Poolanlage sorgt für Nachtleben.
Hier möchte ich ungern ein Zimmer mit „Seeblick“ haben, denn unweigerlich hätten wir zusammen zum Seeblick auch „Promenadenlärm“, was wohl kaum im Reiseprospekt für diese Anlage stehen dürfte. 😉
Einen kleinen Spaziergang über die Poolanlage und im Foyer des Hotels erledigen wir auch noch. Einfach nur, um uns für einen kurzen Moment wie Hotelgäste fühlen zu können. Nicht, dass wir das gerne wären, nur für den Spass.

Gegen 10 nach 10 erreichen wir wieder unser Wohnmobil und machen natürlich nicht mehr viel.
Was war das doch für ein aufregender Tag!
Aufgewacht mit schlotternden Knien in Österreich, dann den ganzen Plöckenpass passiert, durch Italien gefahren und mautfrei Slowenien passiert. Dann in Kroatien angekommen und gleich am ersten Tag noch so viel erlebt.
Wow!
Für den ersten Urlaubstag ein guter Einstand eigentlich.
Jetzt stehen wir in „Gute- Nacht- Stellung“ auf unserem Campingplatz vor dem Wohnmobil und schauen bei sehr warmen Temperaturen in den großartigen Sternenhimmel, der uns mit vielen hellen Lichtern begeistert.
Dazu dringt ganz leise Musik von einer entfernten Feier zu uns herüber, vielleicht vom Strand oder aus der Hotelanlage. Gerade noch in dem schmalen Korridor zwischen angenehm und störend, eigentlich die perfekte Idylle.
Ein wenig ist es vielleicht noch ungewohnt, bei diesen warmen Temperaturen schlafen zu müssen, der Unterschied von zuhause oder eben von der letzten Nacht nahe dem Gefrierpunkt in Österreich ist eben noch präsent.
Aber das haben wir uns ja auch so gewünscht mit dem warmen Wetter und hoffen, dass wir das ganz schnell genießen werden.
Wir reißen alle Dachluken im Wohnmobil auf und gehen dann sehr zufrieden ins Bett.
Ab morgen ist dann richtig Urlaub. 😉

         
     Nacht auf dem Campingplatz Sirena bei Novigrad                    Spärlich beleuchtet steht unser Wohnmobil da, Gute Nacht! 😉

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