Solaranlagen die Zweite: Fest installieren oder doch mobile Solartasche ?

Gastbeitrag von Co- Autor und Technik- Experte Thomas

 

Teil 1: Vorwort – Warum es einen zweiten Solar-Bericht von mir gibt

Wie hier im Bericht beschrieben, habe ich im Jahr 2017 mein Wohnmobil mit einer Solaranlage der Firma preVent-Germany ausgerüstet. Warum gibt es also einen neuen Bericht über mobile Solaranlagen?
War ich etwa nicht zufrieden, hat das System nicht ausgereicht? Weit gefehlt! Die Solaranlage, die ich damals eingebaut habe, hat alle meine Erwartungen übertroffen! Das Problem ist nur: Ich habe das Wohnmobil verkauft, auf dem ich sie montiert hatte!
Ein Ausbau wäre zwar möglich gewesen, aber dann wären ja die geklebten Halterungen auf dem Wohnmobildach und das Loch für die Kabeldurchführung zurück geblieben. So kann man kein Wohnmobil verkaufen. Also verabschiedete ich mit meinem treuen Dethleffs 5880 HG auch die Solaranlage.

Mein neues Wohnmobil ist ein Sunlight T60. Stolz wie Oskar sitze vor meinem ersten nagelneuen Wohnmobil – allerdings noch ohne Solaranlage…

Die Solaranlage durch den Händler direkt montieren zu lassen, schied für mich direkt aus. Erstens wiederstrebt es mir eine Solaranlage für teures Geld durch einen Händler montieren zu lassen, wo ich es doch auch selbst kann. Zweitens habe ich schon so viele – nach meiner persönlichen Meinung – schlechte Ein- und Aufbauten gesehen, dass ich meine Anlage wieder selbst bauen möchte.

 

Teil 2: Warum eine mobile Solaranlage

Mit der Solaranlage in meinem alten Wohnmobil war ich super zufrieden und hatte immer mehr Strom zur Verfügung, als ich brauchte. Natürlich soll auch mein neues Wohnmobil eine Solaranlage bekommen. Nun gibt es individuelle Gründe, warum ein Festeinbau für mich erst 2020 in Frage kommt. Aber Strom brauche ich ja auch vorher. Schon häufiger habe ich inzwischen von Solarkoffern oder –taschen gehört. Was früher nur zur Erhaltungsladung bei längeren Abstellzeiten taugte soll es nun auch mit ausreichender Leistung für Urlaubsreisen geben. Aber taugt das was? Ist das nicht furchtbar umständlich und kompliziert? Und was kostet sowas?

Da ich vor zwei Jahren nicht nur mit dem von preVent-Germany Solaranlagen-Komplettset total zufrieden war, sondern mich auch gut und sachlich beraten fühlte, hab ich nicht lange überlegt und dort angerufen und mich beraten lassen. Guter Service zahlt sich halt aus und selbst in Deutschland merke ich inzwischen erfreut, dass es die eine oder andere Firma begriffen hat, dass man mit Service und Freundlichkeit Kunden gewinnt und hält.

Der Berater erklärt mir, dass die Solartaschen inzwischen eine Leistung bis 135 Watt schaffen und natürlich auch mit einem MPPT-Laderegler (wer nicht weiß, was ein MPPT- Laderegler ist und welcher Vorteil mit diesem verbunden ist: im Rahmen unseres Berichts zur fest installierten Solaranlage haben wir hier zum Thema einige erklärende Worte: Vorteil MPPT- Laderegler) versorgt werden können. Dazu erreicht mit einer Solartasche trotz geringerer Nominalleistung in der Praxis teilweise eine bessere Stromausbeute als mit einer Dachanlage, weil man die mobile Anlage ja immer nach der Sonne ausrichten kann. Darauf würde ich mich jetzt nicht verlassen, weil ich ja im Urlaub nicht den ganzen Tag mit der Solaranlage der Sonne hinterher ziehen möchte. Gut zu wissen ist es dennoch. Und ein Peak von 135W finde ich für so eine Taschenanlage wirklich beeindruckend. Und noch etwas überrascht mich. Nach Aussage des Fachberaters arbeitet die Anlage auch, wenn die Solarzelle hinter der Windschutzscheibe liegt. Dieser Ort wirkt sich zwar negativ auf die Ladeleistung aus, aber dadurch kann die Anlage aufgebaut bleiben, egal wo das Womo steht und auch, wenn ich gerade selbst nicht da bin. Dafür nehme ich eine Minderleistung gerne in Kauf. Bei der Aufstellung ist es egal, ob man nur einen Teil, zwei Teile oder alle drei Teile auffaltet. Natürlich wirkt sich auch das auf die Ladeleistung aus.

Dazu ist es bei der Solartasche von preVent Germany – wie auch die Dachanlage – wieder ein Komplettset. Es ist alles dabei. Die Solartasche mit Aufstellern, der Laderegler und verschiedene Anschlusskabel. Das gefällt mir und so erstehe ich nach kurzer Bedenkzeit die Solartasche.

Heute bestellt und übermorgen schon da – meine neue mobile Solaranlage:

Teil 3: „Einbau“

Einbau? Es ist doch eine „mobile Solaranlage“. Wieso wird die denn eingebaut?

Es ist so: Die Anlage von preVent Germany beinhaltet drei verschiedene Anschlussmöglichkeiten:

1.:

Krokodilklemmen: Die kennt ihr sicherlich von Starthilfekabeln. Diese Klemmen kann man einfach auf die Batteriepole klemmen und schon läuft´s mit dem Aufladen. Das klappt aber nur, wenn man die Aufbaubatterie einfach erreichen kann (oft bei selbst ausgebauten Fahrzeugen) oder man die Klemmen der Fahrzeugbatterie im Motorraum nutzen kann und die elektrische Installation den Ladestrom bei voller Starterbatterie an die Aufbaubatterie weiter leitet. Für mich ist das keine gute Möglichkeit. Wie leicht ist so eine Krokodilklemme mal abgerutscht, wenn jemand über ein Kabel stolpert. Dazu ist die Aufbaubatterie oftmals unter einem der Cockpitsitze untergebracht. Da kommt man nicht ran und z. B. mein neues Wohnmobil hat die Starterbatterie unter dem Fußraum des Cockpits. Im Motorraum ist nur noch ein Pluspol für eventuelle Starthilfe. Trotzdem finde ich es gut, dass diese Kabel dabei sind. Kann man doch so auch ohne Ladegerät mal eine Autobatterie aufladen, die z. B. am PKW mal entleert ist oder im Hobbybereich genutzt wird.

2.:

Stecker für Zigarettenanzünder/12-Volt-Steckdose. Diese Möglichkeit ist die einfachste Wahl. Dem Set liegt ein Anschlusskabel bei, das mit einem 12-Volt-Stecker endet. Auch wenn ihr die eigentlich nur für die Strom-Entnahme kennt. Es ist möglich darüber auch Strom einzuspeisen. Dafür müssen zwei Dinge beachtet werden, wenn ihr die Aufbaubatterie über diesen Weg laden wollt: Die 12-Volt-Steckdose muss über einen Dauerplus-Anschluss verfügen und an die Aufbaubatterie angeschlossen sein. Aber Vorsicht! Die Kontakte der Steckdose müssen sauber sein. Es dürfen z. B. keine Aschereste an den Kontakten sein, wie sie nach häufigem Gebrauch eines Zigarettenanzünders zum Anzünden einer Zigarette entstehen.

Euch ist sicher schon einmal aufgefallen, dass es 12-Steckdosen im Fahrzeug gibt, die nur funktionieren, wenn die Zündung eingeschaltet ist. Über eine solche Dose könnt ihr auch nur laden, wenn die Zündung eingeschaltet ist. Meiner Meinung nach keine Lösung. Außerdem sind diese über die Zündung laufenden Steckdosen fast immer an der Starterbatterie angeschlossen und wir wollen ja die Aufbaubatterie laden. Es ist also i. d. R. einfach: Wenn ihr im „Wohnbetrieb“ eures Wohnmobils Strom aus einer 12-Steckdose bekommt, dann hat sie eine Dauerplusleitung und ist an die Aufbaubatterie angeschlossen und ihr könnt darüber auch laden!

3.:

Ebenfalls zum Set gehört ein Anschlusskabel, das mit Kabelschuhen in Form von Rundösen ausgestattet ist. Diese kann man fest an die Aufbaubatterie anschließen. Am Ende des Kabels befindet sich dann der Stecker, mit dem man in den Laderegler geht. Diese Lösung wähle ich für mich, denn ich möchte die Anlage ohnehin nur in meinem Mobil nutzen. Und die direkte und kurze Verbindung ist mir am liebsten. Aber sie bedeutet auch einen „Einbau“.

 

In meinem Wohnmobil ist die Aufbaubatterie unter dem Beifahrersitz verbaut. Darunter eine Drehkonsole, darunter eine Kunststoffplatte und darunter steht im Sitzkasten die Batterie. Immerhin: Der Sitz muss zum Demontieren nicht von der Sitzkonsole entfernt werden. Man kommt an alle 6 Befestigungsschrauben dran, wenn man den Sitz hin- und herdreht. Aber Vorsicht! Bei meinem x290-Ducato ist ein Kabel mit dem Sitz verbunden. Das ist der Crashsensor bzw. der Sensor, der kontrolliert, ob ein Beifahrer auf dem Sitz sitzt und während der Fahrt angeschnallt ist. Den sollte man nicht ausstöpseln. Und wenn man es überhaupt nicht vermeiden kann, dann sollte man vorher die Motorbatterie vom Fahrzeug trennen. Wenn man das nicht macht, produziert man eine gravierende Sicherheits-Fehlermeldung im Fahrzeugspeicher. Diese kann dann nur durch eine Werkstatt gelöscht werden. Das möchte ich dann doch vermeiden. Das Kabel ist aber lang genug, sodass man den Fahrersitz seitlich verschieben kann. Dann kommt man an die Batterie dran. Ein Helfer ist dabei sehr praktisch.

 

In meinem Fall, verbaue ich auch den Laderegler schon fest im Sitzkasten. Ich brauche die Solaranlage nur im Wohnmobil, daher kann er „fest“ installiert werden. Ein Klebepad von einem Actioncam-Halter hält ihn bombenfest. Da der Ducatositz nach vorne und hinten jeweils Lüftungsschlitze hat kann ich nun das Anschlusskabel, was die Solartasche mit dem Laderegler verbindet einfach hindurchstecken und jederzeit anstöpseln. Ich wähle dazu die Vorderseite. Theoretisch lassen sich beide Lüftungsgitter öffnen, Ist eine Drehkonsole verbaut, lässt sich das Gitter zum Wohnraum hin aber nicht bzw. nur mit Gewalt öffnen. Und ich habe vor, den Laderegler bei längerer Nichtbenutzung von der Batterie zu trennen. Mit den Steckern ist das ja einfach und ich brauche nur die Klappe öffnen und fertig.

Zum Set gehört noch eine englischsprachige Anleitung für den Laderegler. Gebraucht wird die aber nicht. Es gibt nur zwei Stecker und die Kontakte sind auf dem Laderegler perfekt beschriftet. Einzig die Info über die Blinkfrequenz der Leuchtiode am Laderegler kann man dort als „interessante“ Information entnehmen.

Je nach Frequenz kann man erkennen, ob der Lader mit voller MPPT-Ladung, Ergänzungsladung (Batterie fast voll) oder Erhaltungsladung (Batterie voll) arbeitet. Das ist vielleicht der einzige kleine Nachteil des mit gelieferten Ladereglers. Anders als der Laderegler meiner alten fest installierten kann ich den Ladestrom und die tägliche Ausbeute nicht exakt beziffern. Das Sunlight Standard-Panel zeigt mit auch nur in groben Schritten an, wie voll die Batterie ist. Aber ganz ehrlich: gebraucht habe ich das bei der alten Anlage auch nicht. Als sie neu war, habe ich immer mal geschaut, aber nach ganz kurzer Zeit nicht mehr. Wozu auch. Ich schaue doch zuhause auch nicht jeden Tag auf die Wasseruhr und den Stromzähler im Keller. Und ich weiß doch, ob ich viel oder wenig Strom verbraucht habe, ob ich an dem Tag mit dem Fahrzeug gefahren bin und damit über die Lichtmaschine geladen habe oder nicht. Und je nachdem lege ich mal für ein paar Stunden die Solartasche aus. Fertig.

Und so sieht das dann in der Praxis aus:

Teil 4: Fazit oder Welche Solaranlage für wen?

Als erstes das Fazit:

So eine aktuelle Solartasche funktioniert super. Die Ladeleistung ist erstaunlich hoch und würde mir sicherlich ausreichen. Das Aufstellen ist viel weniger aufwendig als gedacht, dann nur noch einstöpseln und fertig. Zusammengefaltet ist die Tasche schön flach und kann leicht untergebracht werden. Der Kauf hat sich für mich gelohnt.

Die Qualität der Tasche ist wirklich sehr gut (für die Erstellung des Berichts wollte ich es genau wissen und erfahre, dass preVent die Taschen mit einer ETFE-Oberfläche herstellen lässt. Das sorgt für besondere Haltbarkeit und Schutz gegen UV-Strahlung). Besonders überrascht hat mich aber, wie stabil das ausgefaltete Element steht. Erst war mir nicht klar, warum das Set anders als andere Produkte separate Metallaufsteller hat (meist sind hier integrierte, mit Klettband verschließbare Aufsteller aufgenäht). Aber die Metallaufsteller sind sehr verwindungssteif und stehen wirklich 1 A. Da habe ich auch bei mehr Wind am Meer keine Sorge. Und im Gegensatz zu Klettbändern ist das System hier praktisch abnutzungsfrei. Auch die Solarplatten selbst wirken sehr stabil. Auch hier frage ich nach und erfahre, dass hier GFK-Platten hinter den Solarplatten verbaut sind. Kein Wunder also, dass sich da nix verbiegt.

 

Welche Solaranlage für wen?

Natürlich stellt sich die Frage, ob nun eine fest installierte Dachanlage oder die mobile Solartasche die beste Wahl ist. Ich denke, das kann man so einfach nicht beantworten. Die Dachanlage hat einen großen Vorteil. Einmal installiert kann man das Thema Strom aus seinem Kopf streichen. Alles geht automatisch und bei meiner Nutzung war zu jeder Zeit genug Strom in der Batterie. Allerdings muss eine Dachanlage auch installiert werden. In dem Einbaubericht konntet ihr lesen, dass dies mit etwas handwerklichem Geschick selbst möglich ist. Aber es kann nicht jeder und schließlich muss man ja auch die notwendige Arbeitsfläche haben. Bei einer Montage durch eine Firma werden leicht mal mehrere Hundert Euro für die Installation fällig. Dazu sind dort auch oft noch die Einzelteile teurer, als wenn man frei auf dem Markt kauft.

Die Solartasche besticht natürlich durch ihre Flexibilität. Perfekt auch für kleine Fahrzeuge, die z. B. im Alltag als normales Fahrzeug genutzt werden oder auch wenn man eine Solaranlage nur selten braucht, weil man zu einem hohen Anteil Campingplätze mit Strom anfährt und dann spontan entscheidet, ob man für die nächste Tour die Solartasche mitnimmt. Vor allem aber ist eine Solartasche perfekt für die Camper, die kein eigenes Fahrzeug haben, sondern die Fahrzeuge mieten. Mietfahrzeuge haben praktisch nie eine Solaranlage und mit einer Solartasche kann man dieses Manko leicht und bei jedem Mietfahrzeug ausgleichen. Auch beim Gewicht liegt die Solartasche weit vorn. Eine feste Anlage mit 100W Spitzenleistung wird kaum unter 15 kg Einbaugewicht auskommen. Dagegen sind knapp 4 kg – denn trotz der Verstärkungen wiegt das Set tatsächlich nicht mehr – für die Solartasche wirklich wenig! Vor allem, weil man sie je nach Urlaubsbedarf mitnehmen oder zuhause lassen kann.

organisatorischer Hinweis in eigener Sache zum Schluss: In diesem Artikel nennen wir Markennamen einzelner Hersteller und Händler wie Sunlight, PreVent und ggf. weitere. Wir nennen diese allein im Zuge des Wiedererkennungseffekts. Wir stehen zu diesen Herstellern und Marken nicht im Wettbewerb und stellen auch keine Produkte her, die zu diesen Marken und Herstellern in Wettbewerb oder gar in Konkurrenz treten sollen.
Wir weisen darübeer hinaus vorsorglich darauf hin, dass wir keine Provision erhalten, wenn ihr auf einen der von uns eingestellten Links klickt und/oder eine Solaranlage kauft, die wir hier vorgestellt haben!

2 Kommentare

    • Hallo Martin,
      das ist natürlich je nach Fahrzeug unterschiedlich. Aber eine 12V-Küchensteckdose ist bei allen Herstellern mit der Aufbaubatterie verbunden. Daher kann man über diese Steckdose auch laden. Auf dem Bild mit dem Stecker handelt es sich sogar um die Steckdose im Küchenbereich meines Sunlight T60.
      Viele Grüße
      Thomas

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