Wir haben im Schatten des Leibnitzer Schwimmbades sehr gut geschlafen. Nur kalt ist es, als wir uns gegen 9 Uhr aus dem Alkoven schälen. Also werfen wir erstmal die fix die Heizung an und gehen dann in aller Ruhe duschen. Etwas ungewohnt ist es ja schon, dass wir zum Duschen quasi „ins Schwimmbad“ gehen. OK, eine ähnliche Erfahrung haben wir ja seinerzeit auf unserem Weg nach Dänemark mit dem Wohnmobilstellplatz am Schwimmbad Neumünster ja auch schon gemacht. Aber, und ist der Unterschied, das war damals ein Wohnmobilstellplatz! Hier stehen wir ja auf einem richtigen offiziellen Campingplatz, obgleich die Nähe zur Stadt und die Mitnutzung der sanitären Anlagen des Schwimmbades eher den Charakter eines Wohnmobilstellplatzes haben. Und sonstige Infrastruktur, die normalerweise zu einem Campingplatz gehört, fehlt mit Ausnahme des Spielplatzes bzw. der Minigolfbahn (die ja eigentlich ebenfalls zum Freibadbereich gehört), eigentlich komplett.

         
     Der nächste Morgen auf dem Campingplatz Leibnitz                   Ein bisschen wirkt der CP eher wie ein Stellplatz

Schmerzlich bemerken wir dies übrigens besonders daran, dass wir hier nirgendwo Brötchen bekommen!
Und da wir uns ja besonders auf die knusprigen österreichischen Semmeln gefreut haben, kommt auch ein alternatives Frühstück aus den Bordvorräten gar nicht erst in Frage.
Kurzerhand packen wir daher nach dem Duschen alles zusammen und machen uns fertig für die Abreise. Einzig die VE- Station fahren wir noch kurz an, um uns unseres aus Kroatien importierten Grauwassers seit Krk zu entledigen. Und da hat sich doch ordentlich was angesammelt!
Besonders Anja bemerkt dies mit einem anerkennenden „Bah, das stinkt aber bestialisch nach faulen Eiern“, was ich zustimmend anerkennen muss. Mich freut aber viel mehr, dass das ganze Wasser auch wirklich im Tank dringeblieben ist und mir somit beweist, dass das auf Krk am Autocamp Bor verbaute Provisorium am Abwassertank deutlich besser hält, als ich ihm anfangs zugetraut hab. Tja, mit Tape kann man offenbar wirklich so ziemlich alles reparieren, solange es kein Propeller eines Flugzeugs ist. 😉

         
     Noch ein kurzer Stopp auf der VE zur Vollversorgung…             …dann geht es wieder los, Schranke rauf, Abfahrt! 🙂

Gegen kurz nach 10 verlassen wir den Campingplatz, nachdem wir an der Kasse des Schwimm- und Campingplatzes noch schnell den Weg zum nächsten Spar- Supermarkt erfragt haben.
Denn neben den obligatorischen Semmeln darf auch ein kleiner (GROSSER!) Großeinkauf hier in Österreich nicht fehlen, der uns erlaubt, ein bisschen was Kulinarisches aus dem Urlaub mit nach Hause zu nehmen. Und da wir der Streichwurst aus der Metalldose inzwischen überdrüssig sind (egal, ob es der Siegerbrotaufstrich von Pik oder die lachende Bäuerin ist 😉 darf es natürlich auch gerne eine gute Scheibe Wurst oder gleich eine Fleischkäsesemmel zum Frühstück sein.

Den großen EUROSPAR- Supermarkt von Leibnitz finden wir nach etwa 10 Minuten Fahrtzeit einmal quer durch Leibnitz fast vor der A 9 (Phyrn- Autobahn) in einem ausgewiesenen Einkaufsbereich, wie es ihn zunehmend im Randbereich der größeren Städte gibt. Mit dem immergleichen Angebot. Vögele, BiPa, Bonprix, Hofer, BILLA oder eben auch einen großen Eurospar, auf dessen Parkplatz wir für den späteren Einkauf gleich mal unser Wohnmobil parken.
Nur eingekauft wird jetzt noch nicht. Stattdessen gönnen wir uns heute sogar den Luxus, uns in einer benachbarten Bäckerei ein leckeres Frühstück zaubern zu lassen. Zwar könnten wir natürlich auch alle Dinge hierfür im Supermarkt selbst einkaufen und dann stilecht im Wohnmobil speisen, aber wenn wir jetzt mit leerem Magen den Spar stürmen, brauchen wir eigentlich 2 Einkaufswagen, um alles zu verstauen.
Also erst essen, dann shoppen. Besser is(s) das.

         
     Der große Eurospar von Leibnitz wird zum Einkaufsparadies.      Wir parken Wohni etwas abseits, dann geht es los. 🙂

         
     Ein Café hier im Caré zaubert uns auf Wunsch…                       …ein leckeres Frühstück auf den Tisch. Hammi-hammi!

Gut gestärkt drehen wir dann noch eine weitere Runde und kaufen beim Deichmann sogar noch ein paar Schuhe für mich.
Kann man sich das vorstellen?!
Ich kaufe mir tatsächlich ganz spontan ein paar Schuhe!
Ich muss wirklich guter Laune sein, denn nichts ist so ätzend für Männer, als ein paar Schuhe zu kaufen…
Nun, mit neuen Schuhen und einer großen Tüte Katzenfutter (diese allerdings nicht vom Deichmann 😉 spazieren wir zum Wohnmobil zurück, um uns kurz darauf mit einem Einkaufswagen zu bewaffnen.
Mit diesem plündern wir dann den Eurospar!
Und das meinen wir fast schon wörtlich! Wir haben nämlich sogar etwas Mühe, alles Gekaufte im großen Wohnmobil unterzubringen! Besonders die Kapazität des Kühlschranks will maximal ausgenutzt werden, was mir eigentlich nur gelingt, weil ich mir durch jahrelanges Spielen von Tetris auf dem Gameboy in den späten 80er Jahren ein umfangreiches logistisches Fachwissen in Bezug auf möglichst raumarme Stapelung diverser unterschiedlich eckiger Gegenstände angeeignet habe.
Oder mit anderen Worten: Bis zuhause lassen wir den Kühlschrank besser zu!
😉

         
     Mit prallvollem Einkaufswagen geht es zum Wohni…                  Einmal Urlaub „zum Mitnehmen“ bitte! Vorräte für zuhause.

Bildunterschrift: Einmal Urlaub „zum Mitnehmen“ bitte! Für das Urlaubsgefühl daheim…

Gegen kurz vor 12 ist es dann aber soweit, wir brechen auf. Und mit der Selbstverständlichkeit, mit der die Erde sich dreht, wird auch uns so langsam bewusst: Der Urlaub ist fast zu Ende!
Ein letztes Mal können wir heute zwar noch ein wenig in Österreich entschleunigen, aber das unausweichliche Ende wird damit auch nur verzögert.
Trotzdem: Durch die Extratour gestern nach den Plitviczer Seen bis an die Südspitze Österreichs haben wir uns heute fast einen ganzen Tag „herausgefahren“ und können es daher bequem etwas ruhiger angehen lassen. Und trotzdem werden wir mit ziemlicher Sicherheit noch heute Abend wieder in Deutschland sein. Schauen wir mal.

Unsere Heimfahrt beginnt nun recht ruhig mit der ersten Fahrtetappe auf der Pyhrn- Autobahn.
Mit einem leckeren zweiten Frühstück in Form eines Bratenbrötchens vom Spar in der Hand passieren Graz nach etwa 20 Minuten, schon weitere 10 Minuten später fliegt Gratkorn rechts vorbei (Hallo Sahli! 😉

         
     Mit Bratenbrötchen auf dem Armaturenbrett…                     …geht es auf die A 9 Richtung Deutschland. Heimat wir kommen

         
     Unterwegs auf der A 9: Wir passieren Gratkorn (Gruß an Sahli! 😉 und genießen die schöne Natur rund um uns herum.

Auch die nächste Etappe auf unserer Autobahnroute ist schnell erreicht, keine Stunde nach unserer Abfahrt in Leibnitz passieren wir schon den Gleinalmtunnel! Der erste von gleich 2 großen Alpentunneln auf der Pyhrnautobahn, der mit über 8km Länge durchaus kein kleiner Tunnel ist!
Eine schon ordentliche Bauleistung, auch wenn der Tunnel mit norwegischen Tunneln nicht wirklich mithalten kann.
Was die Österreicher den Norwegern aber voraus haben ist das Kassieren von Maut für diesen Tunnel, in diesem Fall „Sondermaut“ genannt, was zusätzlich zur normalen Autobahnmaut anfällt und in Form eines kleinen Raubritterlagers *äh* wir meinen natürlich im Rahmen einer Mautstelle nach der Tunneldurchfahrt (wer von Norden kommt zahlt logischerweise vorher) kassiert wird.
„Die norwegischen Tunnel kosten aber auch manchmal Geld“ wird der ein oder andere jetzt sagen und das stimmt auch, allerdings in der Regel nur so lange, bis die Tunnelkosten wieder eingefahren wurden. Am Beispiel des Nordkaptunnels (wir haben hier 2006 noch über 50 Euro pro Richtung Maut bezahlt, inzwischen aber ist er mautfrei!!!) sieht man dies sehr schön. Dieser Tunnel hier wurde 1978 eröffnet und auch, wenn die Maut hier deutlich geringer als am Nordkaptunnel ausfällt, sollte gemessen am Alter und der Anzahl an hier täglich durchfahrenden Fahrzeugen der Tunnel ja eigentlich auch inzwischen 3x bezahlt sein. Umso trauriger ist eigentlich, dass der Tunnel für eine so stark befahrene Autobahn wie die A 9 nur eine Röhre hat! Fast wie am Gotthard! Aber immerhin arbeiten sie an der zweiten Röhre, dafür geben wir natürlich gerne uns unsere 7,50 € (2014: 8 Euro!) PKW- Tarif und fahren dann weiter.
Auch wenn Anja meint, dass man uns eigentlich die 7,50 € hätte dafür geben müssen, dass wir freiwillig diesen Stresstunnel mit Radau, Dunkel und Gestinke durchfahren. 😉

         
     Es wird einspurig, wir passieren den ersten (Gleinalmtunnel) von 2 mautpflichtigen Tunneln auf der A 9. 8km ist er lang.

         
     Nach dem Tunnel kommt ein kurzes Stück freie Fahrt…             …dann aber folgt unweigerlich die Mautstelle. 7,50 Euro…

Auch nach dem Tunnel kommen wir gut durch. Wir passieren St. Michael in der Obersteiermark, Traboch und Rottenmann, ein erster Stau stoppt uns erst knapp 40 Minuten nach unserer Tunneldurchfahrt kurz hinter Rottenmann. „Könnte schon für den Bosrucktunnel sein“ denke ich mir, was in Anbetracht des zugenommenen Verkehrs und der Tatsache, dass der Bosrucktunnel ebenfalls nur ein Ein- Röhren- Tunnel mit einem Fahrstreifen pro Richtung ist, ja durchaus sein kann.
Zu unserer Überraschung allerdings handelt es sich um einen Rückstau zum kleineren Selzthaltunnel, der über 2 Fahrspuren in 2 getrennten Röhren verfügt und nicht die Ursache für den Stau ist, die wir auch nicht wirklich entdecken.
Zum Glück dauert der unfreiwillige Aufenthalt nicht so lang und so passieren wir kurz darauf auch diesen Tunnel.

         
     Der erste kleine Stau an diesem Tag. Zum Glück nicht lang, es gab nur etwas Probleme mit der Tunneleinfahrt.

3 Minuten später wird es dann aber doch einspurig, der Bosrucktunnel kommt.
Auch hier gibt es natürlich eine Mautstelle, die wir zur Abwechslung mal auf der Südseite passieren. 4,50 Euro Sondermaut werden fällig, was deutlich günstiger ist, als die Durchfahrt durch den ersten Tunnel. Dafür aber ist der Bosrucktunnel aber auch „nur“ knapp über 5km lang.
Tja, weniger Maut, weniger Tunnel.
😉

         
     Nun ist es umgekehrt: Zuerst wird kassiert…                             …dann geht es nochmals eine recht steile Rampe rauf…

         
     …und erst dann kommt der Tunnel (Bosrucktunnel).                 DURCH! Wir sind in Oberösterreich. Schön. 🙂

Nachdem wir raus sind aus dem Tunnel und ich das Schild „Herzlich Willkommen in Oberösterreich“ lese, bin ich zuhause!
Meine (Björn) Vorliebe für Österreich, aber ganz besonders für die Region Oberösterreich resultiert einfach aus der Tatsache, dass ich in meiner Kindheit nicht weniger als 15 Urlaube hier auf dem immergleichen Bauernhof verbracht hab. Inklusive Kühe melken, Traktor fahren und die Milchkannen auf Holzgerüsten am Straßenrand hinstellen.
Und wer denkt nicht gerne an eine unbeschwerte, ja glückliche Kindheit zurück? Besonders dann, wenn man nur durch Erreichen der geliebten Ferienregion sich sofort wieder in eine Zeit zurückversetzt fühlt, in der die Welt in Ordnung war?
Keine Frage, dass ich das für heute vorgesehene „Entschleunigen“ der Heimfahrt genau HIER machen möchte, an der Ausfahrt Windischgarsten geht es runter von der A 9 und rauf auf die B 138.
Meine Lieblingslandstraße im Land!
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als wir in den 80er Jahren von Deutschland kommend (da war die Autobahn A9 noch gar nicht fertig, man musste ein ordentliches Stück über Landstraße fahren) die 138 runter fuhren.
Wir kamen von Sattledt die Pyhrnpass- Straße mit 4 Personen + Gepäck in einem Fiat 127er Top runtergefahren (wie haben meine Eltern das damals gemacht? Heute ist unser Wohnmobil für 2 eigentlich schon zu klein!), dann ging es nochmals über einen großen Hügelkamm und dann sahen wir sie: Die Tankstelle kurz vor Kirchdorf an der Krems! Kurz darauf bogen wir rechts ab und waren da – an unserem Ferienbauernhof!

Heute ist es für mich persönlich natürlich ein wenig erschreckend, wie sehr sich doch das landschaftliche Bild aus damaliger Zeit geändert hat, obwohl wir auch in den jüngeren Jahren immer mal wieder an die Orte meiner Kindheit zurückgekehrt sind.
Die Autobahn allein macht schon viel aus, aber die Superrasthöfe neben der Autobahn stehlen meinem ganz persönlichen Bild der vollkommenen österreichischen Landschaft regelrecht die Harmonie!
Worte wie „Exit“ oder „Store“ mag ich hier in Österreich ganz einfach nicht lesen!
Das Ding kann doch auch „Ausfahrt“ oder eben „Markt“ heißen, oder? Ging doch früher auch!
Besonders, weil es eben mein Weltbild von „Urlaub von einst“ stört, an den ich mich so gerne erinnere!
Naja, zum Glück kommen wir gerade mal an 2 dieser Autohöfe mit Anglizismus vorbei, mein persönliches Weltbild wird dadurch doch nicht so sehr beschädigt, dass es wirklich Spuren hinterlässt.

         
     Wir entsagen der Autobahn freiwillig und fahren in Windischgarsten zu Gunsten der B 138 runter. Jetzt wird entschleunigt! 🙂

         
     Kaum von der Autobahn runter tauchen wir ein in das urige Oberösterreich. Hier ist die Zeit noch immer ein bisschen stehen geblieben.

Als wir dann den Klaussee passieren (hier bin ich als Kind nicht nur einmal mit dem Elektroboot gefahren! Die roten hatten 2 Gänge und waren schneller, als die 1-Gang Boote in blau 😉 überlege ich kurz, ob wir hier eine Pause machen sollen.
Da ich aber lieber eine Runde durchs lebhafte Kirchdorf statt um einen einsamen See spazieren mag, fahren wir doch das kleine Stückchen bis Kirchdorf an der Krems weiter.
Wir begrüßen Micheldorf, wie es uns begrüßt und wünschen uns nur ein paar Meter später am Ortsausgangsschild ein ebenso baldiges Wiedersehen, wie man es uns dort am Schild mit auf die Reise gibt. Auch was, was ich wiedererkenne. Schööön!
Dann erreichen wir gegen halb 3 auch schon Kirchdorf an der Krems, wo wir zunächst an der günstigen Jet- Tankstelle nachtanken (die gab es früher nicht, da haben wir immer beim Lattner getankt…) und dann links der Hauptstraße beim SPAR- Supermarkt parken.
Kaum geparkt, spazieren wir auch schon in die Stadt und ich kann dabei, noch während wir die Straße überqueren, meine liebe Frau Anja zu einem leicht verspäteten Mittagessen in Kirchdorf überreden. Supi!
Jaaaa, ich weiß! Ich habe doch vorhin erst die dicken Braten- und Fleischkäsesemmeln gefuttert!
Aber ich komme nunmal nicht so oft hierher, da muss ich die Gelegenheit einfach ausnutzen!

         
     Wir parken unser Wohnmobil am Rande von Schlierbach           und spazieren dann eine Runde durchs Dörfchen.

Zu unserer Überraschung ist heute allerdings recht wenig los, sogar das Restaurant, welches ich eigentlich besuchen wollte, hat leider zu. Pech gehabt. Aber vielleicht auch nicht, denn spontan fällt mir ein, dass wir früher am allerbesten in Schlierbach gegessen haben! Noch heute ist die Küche im „Gasthaus Schröcker“ über die Region hinaus bekannt für ihre urtypische herzhafte Küche!
Und so fahren wir gegen halb 4 weiter die paar Kilometer auf der B 138 Richtung Schlierbach.
Einige „oh´s guck mal da!“ und „ah, so sieht das also jetzt aus!“ von mir später (Anja verdreht bereits die Augen), parken wir im Schatten des Schlierbacher Schlossstifts (da kommt der berühmte Stinkekäse her, ein beliebtes Mitbringsel war das damals bei uns 🙂 und spazieren die paar Meter zuM Gasthaus Schröcker.
Zu meiner großen Freude hat das Haus geöffnet, auch wenn nicht viele Gäste da sind. Ganz klar, für Mittagessen ist mit kurz vor 4 eigentlich schon viel zu spät und für Abendessen mindestens eine Stunde zu früh.
Egal! Jetzt bin ich hier, jetzt gibt es Kindheitserinnerungen mit allen Sinnen (und wenn es der Magen ist!) kompakt und das bedeutet, dass ich mir eben jetzt mein Lieblingsgericht bestelle. Schweinebraten mit Knödel und Soße und Extra- Knödel. Ja, das muss so.
Und was schmeckt es wieder mal lecker. Mjam.

         
     Wir verlassen Kirchdorf und fahren nach Schlierbach                 abseits jeglicher Touristenpfade, etwas versteckt…

         
     …präsentiert sich kurz darauf das Schloßstift Schlierbach         Wir parken im verträumten Dörfchen mit unserem Wohnmobil

         
Ein Weg, ein Ziel! Das beste Gasthaus in der Region…              …ist die Landmetzgerei / Gasthaus Schröcker in Schlierbach!

         
     Herzhaft, urtypisch, einfach nur lecker! Rustikale wie schmackhafte Küche hier in Schlierbach! Braten und Knödel, ein Traum! ! 🙂

Noch während wir uns die runden Bäuche reiben, komme ich mit dem Gastwirt ins Gespräch. Ich frage ihn, ob er unsere Ferienomi kennt, was er bejaht. Kein Kunststück, hier auf´m Dorf kennt man sich eben. Ich bitte ihn, meiner geliebten Ferienomi doch einfach beim nächsten Besuch ein paar nette Grüße auszurichten, was er spontan kontert und meint, ich solle doch einfach vorbei fahren!
Klar hatte ich das die ganze Zeit schon überlegt, aber mich nicht so recht getraut. Ich hab ja nicht vorher angerufen und Bescheid gesagt, sowas ist immer ein bisschen blöd.
„Paperlapap“ meint der Gastwirt, „die freut sich immer über Besuch!“ was auch Anja meint.
Na gut! Um halb 5 geht es also los das kurze Stück zurück von Schlierbach Richtung B 138 und dann an in Höhe der Tankstelle zum Ferienbauernhof rein.
Mein Herz klopft dann schon, als wir das kleine Wäldchen durchfahren und als ich um die Ecke in den Hof biege, ist es wie immer! Vorne an der Ecke steht das kleine rote Dreirädchen, mit dem ich immer um den Hof gefahren bin. Im Scheune nebenan steht der blaue Traktor, auf der Wiese grast Lisa die Ziege (inzwischen Lisa XIII oder so, die heißen alle immer Lisa 😉 und am Ende der Einfahrt beginnt in Höhe des Ferien- Blockhauses der kleine Feldweg mit Blick auf die Berge.

         
     OK, spätestens jetzt sind wir abseits aller Touristenpfade!         Aber der Weg lohnt sich! Wohni bei Oma in der Einfahrt. 😉

Die Idylle könnte nicht perfekter sein!
Omi begrüßt mich, trotz unseres spontanen Besuchs aufs Herzlichste und ich bereue es, dass ich nicht noch schnell irgendwo ein paar Blumen besorgt hab. Naja, nächstes Mal.
Sodann verbringen wir den ganzen Nachmittag bei ihr vor dem Hof und schwelgen in Erinnerungen an alte Zeiten.
Hätte nie gedacht, dass mir das mal Freude macht.

Natürlich bietet Oma uns mehrfach an, dass wir bei ihr schlafen können. Ja, sie würde es sogar verstehen, dass wir im Wohnmobil schlafen und nicht bei ihr auf dem Hof, nachdem sie es von innen besichtigt hat.  😉
Aber das wäre aus meiner Sicht zuviel des Guten und so verabschieden wir uns gegen 18 Uhr mit dem festen Versprechen, demnächst einmal wieder zu kommen. Dann mit Voranmeldung und für mindestens ein langes Wochenende. Muss nur noch meine Schwester dazu bekommen, dass sie wieder mitfährt.  Aber da renne ich bei ihr mit Sicherheit offene Türen ein.  😉

………………………………………………………………..

Wieder auf der B 138 Richtung Sattledt unterwegs, ich schwelge ich noch in Erinnerungen, macht mich Anja plötzlich auf einen eher beißenden Geruch aufmerksam.
Und was ich eben in meinem Tagtraum noch für ein kleines abendliches Grillfeuer am Bauernhof gehalten hab, riecht jetzt plötzlich doch eher danach, als würde etwas kokeln! Hmm.
Wir kurbeln mal das Fenster herunter und riechen mal nach draußen, könnte ja von draußen kommen, vielleicht schmort ja einer einen Komposthaufen ab. Aber schlagartig wird klar: Das kommt nicht von draußen, das kommt von DRINNEN! Sofort Puls, sofort ist uns warm!!
Sofort halte ich an einer Bushaltestelle an, springe aus dem Wohnmobil und schaue als erstes unter die Haube, die ich gaaaanz vorsichtig (Backdraft- Effekt, ich hab beim Film mit Kurt Russel aufgepasst…) öffne.
Doch da ist nichts!
Auch zu riechen gibt es nichts Ungewöhnliches. Komisch! Doch nicht der Motor?
Ich stecke den Kopf nochmals zum offenen Fenster der Fahrertüre ein und rieche wieder im Innenraum. Auch Anja hat bereits die Nase in Handschuhfach und guckt, ob die Ursache vielleicht dort zu finden ist.
Eindeutig kommt dieser leicht beissende Geruch vom Fahrzeug, das ist inzwischen klar, nur woher genau?
Unsere schlimmsten Befürchtungen liegen natürlich bei einem schwelenden Kabelbrand irgendwo an einer Stelle, wo wir nicht dran kommen. Sowas würde schnell das Aus für unser Wohnmobil bedeuten, wenn es dadurch Feuer fängt!
Wir suchen so gut es geht akribisch alles ab, wo wir Kabel unter dem Sitz oder hinter dem Armaturenbrett erkennen können, trotzdem bleibt uns die Ursache verborgen. Auch der Geruch von kokelndem Irgendwas nimmt allmählich ab und ich bin fast geneigt zu glauben, dass vielleicht nur ein Stück Papier oder vielleicht eine Tüte während der Fahrt vielleicht an den Auspuff gekommen sein könnte. Oder ein Tier, was sich bei unserem Stopp am Bauernhof vielleicht wo hingesetzt hat und was jetzt warm geworden ist. Irgendwie sowas.
Denn auch meine letzte Idee, eine festgebackene Bremse, erweist sich beim Griff ans Rad als Trugschluss. Alles kalt.
Wir wollen das Geschehene gerade als einmaligen Vorfall abtun und weiterfahren, als der Karren plötzlich nochmals anfängt zu rauchen, als hätte man eine Nebelmaschine angeworden!!! Holla!
Ich brülle Anja zu: „Anja, ANJA komm SOFORT raus aus dem Auto!! DAS WOHNMOBIL BRENNT!!!!“
Sofort springt sie raus aus der Fahrerkabine und legt dabei einen fast filmreifen Stunt hin, dass das Wohnmobil eigentlich jeden Moment, kaum dass wir einen Schritt Distanz zum Wohnmobil zurückgelegt haben, in bester „Alarm für Cobra 11“- Manier in die Luft fliegen müsste!

Ich wäge noch ab, ob ich mal präventiv mit dem Feuerlöscher einmal quer in den Motorraum pusten soll und dann besser doch die Profis mit den roten Autos und den blauen Lampen rufe, da entdecke ich zum Glück das Problem.
Es ist Isolierung! Genauer ein Stück Dämm- Matte, welche an der Wand zwischen Fahrerkabine und Motor angebracht ist. Ein großes Stück davon ist abgefallen, hat offenbar den Krümer getroffen und dort schwer und stark zu qualmen angefangen.
Mit der Hand greife ich danach, verbrenne mir furchtbar die Finger, kann dann aber wenigstens das dicke Stück schwelenden Dämmstoff hinter dem Krümmer hervor bugsieren.
Rauchend fällt das schwammige Teil zu Boden und kokelt noch ein wenig weiter vor sich hin.
Puh! Das war knapp! Wie zum Geier hat sich das nur gelöst?
Ich meine wir sind doch hunderte von Kilometern auf der Autobahn gefahren und nix war passiert, aber 5 Meter vom Ferienhof meiner Ferienomi bis auf die Straße und schon fackelt uns fast die Karre ab! Naja. Lieber so und hier in der Idylle, als mitten auf der Autobahn mit dem rauschenden Verkehr und der zugehörigen Panik.

Mit der größten Gefahr gebannt warten wir noch einige Minuten, bis sich der Krümmer ein wenig abgekühlt hat. Dann hole ich weitere Stücke der Dämmplatten aus dem Motorraum. Die Verkleidung ist wohl über die Jahre brüchig geworden und lässt sich mit den Händen einfach so ablösen, kaum dass ich sie berühre. Eine 1-A- Brandgefahr, auch wenn das Zeug offenbar schwer entflammbar ist und „nur“ raucht statt wirklich brennt.
Mit den Fingern kratze ich von der Metallplatte zur Fahrerkabine alles an Dämmmatte, was ich zu Fassen bekomme. Scheißegal, wie laut die Karre auf dem Heimweg wird, und wenn es ein Panzer wird! Aber nochmals in Sorge um ein in Feuer und Rauch aufgehendes Wohnmobil durch weitere herabfallende Teile müssen wir wirklich nicht haben.

         
     Hier hat es eben noch fett gequalmt…                                      *Autsch* Das ist HEISS! Mit der Hand hinterm Krümmer…

         
…hole ich diese schwelenden Brocken Dämmmatte hinter dem Krümmer hervor. Das hätte ins Auge gehen können. :-/

Nachdem wir einen kleinen Berg Dämmmatte im Mülleimer der Bushaltestelle entsorgt haben (natürlich mit Wasser getränkt, muss ja nicht im Mülleimer weiter kokeln 😉 starten wir den Motor wieder und schauen dann nochmals im Motorraum nach. Sieht alles gut aus. Keine Stücke mehr auf dem Krümmer, es raucht auch nichts mehr und auch sonst scheinen wir keine Schäden davongetragen zu haben.
Wohni brummelt ganz normal und ruhig vor sich hin. Ist halt robust so ein 1984er Fiat Ducato! Bei den modernen Fahrzeugen hätte Sensor 39 in Abschnitt C Sektion II sicherlich einen Brandfehler festgestellt und das Fahrzeug bis zum Eintreffen eines autorisierten Automechanikers vorsorglich allgemein stillgelegt. 😉

20 Minuten nach unserem kühnen Einsatz zum Schutze unseres Eigentums können wir weiterfahren. Zunächst noch vorsichtig mit den Nasen an den Lüftungsdüsen, dann aber wieder ganz normal. Bei Ried geht es dann wieder auf die A 9 rauf, die ab dem Voralpenkreuz bei Sattledt zur Innkreis- Autobahn A 8 wird. Ab hier geht es dann in schnellen Schritten auf Wels und danach auf Passau zu. Heimat, wir kommen immer näher und das ist auch gut so. Denn auch für Deutschland morgigen Tag haben wir uns eine „Entschleunigung“ verordnet und wollen dort ein Zwischenziel ansteuern, was bei uns schon seit längerem auf der Wunschliste steht. Die Walhalla bei Regensburg!
Doch dazu morgen mehr. Für den Moment wäre es schonmal super, wenn wir es heute Abend zumindest in die Region Regensburg schaffen, mindestens aber über Passau möchten wir kommen. Dann sind wir morgen auch früh da. Immerhin ist morgen ja Samstag und da werden sicherlich ein paar mehr Besucher kommen.

         
     Mit der Abendsonne im Rücken laufen wir gen Heimat.              Die Sonne ist gerade weg, da passieren wir die Grenze.

Und tatsächlich kommen wir sehr gut voran, dass unser Ziel Regensburg keine großen Anstrengungen bedarf. Kennt ihr das auch? Ist der Urlaub erstmal zu Ende, fliegen die Kilometer eigentlich nur so durch. Gegen halb 8 passieren wir bereits die deutsche Grenze.
Kurz hatte ich noch überlegt, ob wir vor der Grenze in Suben zum Tanken nochmals runter fahren. Aber seit wir in Kirchdorf extrem günstig an der Jet getankt haben, haben wir gerade mal 90km Strecke zurückgelegt. Und da wir wissen, dass das Abfahren von der Autobahn zumindest in Suben gar nichts mehr bringt, seit die Shell am Autohof Suben und im Ort Suben den exakt gleichen (und für den Grenzbereich teureren!) Preis hat, ist das Einsparpotential wirklich marginal. Wir fahren also ohne Tankstopp weiter.

Eine gute halbe Stunde fahren wir dann noch nach Deutschland rein, bis wir gegen 20 Uhr in Plattling von der Autobahn abfahren. Das ist zwar ein kleines Stück weg von der A 3 (auf der A92 erste Ausfahrt hinterm Kreuz Deggendorf), dafür aber ist der Stellplatz hier am Freibad von Plattling kostenlos!

         
     Im Licht der Scheinwerfer kommen wir in Plattling an.             Eher spärlich beleuchtet, dafür kostenlos. Stellplatz in Plattling

Frei stehen bekommen wir halt noch immer nicht hin (Kopfsache, Raub auf dem Weg zum Nordkap ist schuld) und der einzige Campingplatz, der die ACSI Campingcard akzeptiert, liegt nochmals deutlich weiter von der Autobahn entfernt. Und selbst mit dem günstigen ACSI- Tarif würden wir uns ausnahmsweise nicht gut stellen. Heute Abend ist es schon dunkel, da machen wir nichts mehr. Und morgen früh reisen wir gleich ab, da nutzen wir auch keinerlei Einrichtungen. 1:0 also für einen richtigen Stellplatz, den wir zugegeben mit dem Wohnmobil eher selten anfahren. Da der SP aber sogar noch kostenlos ist, sind wir da.

Den Stellplatz an der Georg-Eckl- Straße finden wir schnell, das Schwimmbad ist aber auch gut ausgeschildert. Der Platz ist einfach und funktional, hier wird einfach nur geparkt. Strom gibt es sogar auch, eine Säule mit 4 Anschlüssen spendet Saft für 50 Cent.
Super! Einzig blöd, dass wir keine 50 Cent- Stücke dabei haben!
Und Strom hätte ich schon gerne, also spazieren wir gegen halb 9 nochmals ins Städtchen Plattling rein. Vielleicht finden wir neben einer Bezugsquelle für 50Cent- Stücke ja noch ein nettes Gasthaus, was uns ein zweites Abendessen verkauft. Verdient nach dem Schock mit dem Beinahe- Wohnmobilbrand hätten wir es ja. 😉

Plattling ist überraschend unspektakulär. Weit weniger „urig- bayerisch“, als wir uns das vorgestellt haben. Ein schönes Gasthaus finden wir nicht (Pizza oder Döner ist heute nicht unser Ding) und so gibt es eben für uns nur ein leckeres Eis von einer Eisdiele, wo wir auch ein paar 50-Cent- Münzen für die Stromsäule wechseln können. Zumindest das passt.
Zufrieden geht es zurück zum Wohnmobil, wo wir den Strom für die Nacht bezahlen und gegen halb 10 schlafen gehen. Morgen wird nochmals ein schöner Tag!

         
     einen kleinen Ausflug ins Dörfchen machen wir noch…              …für ein bisschen Kleingeld! Die Stromsäule halt. 😉

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