Schon um kurz vor 8 stehen wir mit Wecker auf. Zwar ungewöhnlich für einen Urlaub, aber wir haben heute noch viel vor!
Zunächst wollen wir eine Runde schwimmen gehen, das benachbarte Schwimmbad hier am Wohnmobilstellplatz (oder der Stellplatz am Schwimmbad) lädt ja hierzu ein.
Nach der morgendlichen Planscherunde wollen wir dann mit unserem Wohnmobil die Route an der westlichen Nordseeküste Deutschland entlang weiter fahren, um auch von dieser Region mal einen Einblick zu bekommen, denn normalerweise kommen wir hier nicht vorbei.
Wir dachten hierbei an das kleine Fischerstädtchen Husum, um dort vielleicht passend zur Mittagszeit ein leckeres Fischbrötchen zu schnabulieren.
Sollte als erste Orientierung ja dann auch reichen.
In Husum war ich mal, als ich noch Kind war, aber die Erinnerung ist einfach zu verschwommen. Aber vielleicht kommt sie ja wieder, wer weiß das schon? 😉

Von Husum aus wollen wir dann später die Landstraße B 5 über Bredstedt, Klixbüll und Süderlügum nutzen, um etwas weiter nördlich dann auch die Grenze zu Dänemark zu überschreiten. Dann sehen wir auch was von Land und Leuten und müssen uns nicht mit der monotonen A 7 abfinden.
Für Dänemark heißt das strategische Ziel für heute dann: Die Insel Römö (eigentlich ja Rømø genannt, aber mir fehlt das ø auf der Tastatur 😉
Dort wollen wir für ein oder zwei Tage unser Lager aufschlagen und ganz im Sinne unseres ersten Wohnmobilurlaubs in Dänemark eine dänische Insel erkunden.
Kurz hatten wir überlegt, ob wir vielleicht wie damals lieber nach Fanö fahren sollten.
Aber Fanö haben wir eigentlich fast komplett gesehen und es gibt nichts mehr, was dort neu für uns sein würde. Wir würden also nur ein wenig die Erinnerung in Erinnerung schwelgen.
Dies wäre ja noch eine schöne Sache, aber keinesfalls rechtfertigt dies die teuren Fährkosten, die wir für das Übersetzen auf die Insel Fanö bezahlen müssten.
Nach Römö führt hingegen ein Damm, den man kostenfrei befahren kann.
Also passt dies ganz gut in unser Konzept und die Insel Römö hätten wir ja dann auch mal gesehen.
Die Reiseplanung für den Tag ist somit picke-packe-voll und rechtfertigt damit natürlich auch irgendwie das frühe Aufstehen…

Bevor wir aber mit Punkt 1 der Tagesordnung (dem Schwimmbadbesuch) beginnen, steht als aller erstes mal ein leckeres Frühstück auf dem Programm, damit wir auch alle Punkte gestärkt abarbeiten können.
Und ganz im Sinne des „nordischen Gedankens“, den wir mit der Grenzquerung nach Dänemark pflegen, verspeisen wir zum Frühstück natürlich leckeres Knäckebrot.

         
Der nächste Morgen auf dem Stellplatz…                           …Spartanisch! Knäckebrot mit Quark

Nach dem Frühstück packen wir dann aber schnell unsere Schwimmsachen und spazieren die paar Meter rüber zum Schwimmbad. Ach ja, noch ein Hinweis für die Frühschwimmer unter den Wohnmobilgästen: Das Schwimmbad macht schon um 6 Uhr auf!
Naja, für uns vielleicht ein wenig zu früh, aber so brauchen wir uns um kurz nach 8 nicht Gedanken darüber machen, ob das Schwimmbad schon geöffnet sein wird.
Zu unserer Überraschung brauchen wir sogar für die paar Meter aber fast schon eine Jacke, oder zumindest einen Regenschirm!
Denn das schöne Wetter, welches uns gestern den Tag begleitet hat, ist heute irgendwie verschwunden.
Was soll das denn bitte für ein Sommerurlaub werden, wenn die Sonne nicht scheint?
Geht ja mal gar nicht!
Aber wir hoffen, bevor wir das Universum um Hilfe bitten, einfach mal darauf, dass sich temporär nur ein Wolkenband durchschiebt und es nachher für Stadt- und Landbesichtigung wieder ein wenig besser werden wird.

Am Schwimmbad angekommen bezahlen wir 8,- € für 2x Eintritt.
Geht eigentlich.
Und als wir die Badelandschaft bestaunen, finden wir 4,- € pro Person wirklich nicht Zuviel bezahlt! Das Schwimmbad hat sowohl einen Innen- wie Außenbereich mit mehreren Schwimmbecken.
Wir probieren es zunächst mit den Innenbecken, dann aber kann ich Anja zu einem erfrischenden Bad im Außenbereich überreden.
Zu unserer großen Überraschung ist das Wasser im Außenbereich mindestens angewärmt!
Denn im Wasser ist es deutlich wärmer, als die Luftumgebung außerhalb. Normalerweise ist das Empfinden doch anders herum!
Keinesfalls liegt hier die ganze Nachtkälte auf dem Wasser, was das Baden im Außenbereich eigentlich fast unmöglich machen würde.
So aber ist das Wasser schön warm und die Luft schön frisch.
Das ist eher mein Ding, als in der geschlossenen Hallenbadhalle den Chlorgasen ausgesetzt zu sein.
Und mehr noch: Offenbar sind die Neumünsteraner alles Bibbernasen, denn außer uns schwimmt lange Zeit kein anderer Schwimmer in den großzügig bemessenen Außenbecken.
Etwas später gesellt sich noch ein anderer Badegast zu uns, aber dennoch ist das Becken für uns drei natürlich total überdimensioniert und wir haben den Bademeister, der über uns wacht, eigentlich ganz für uns alleine.

         
In Badelaune: Unterwegs im Schwimmbad von Neumünster    Hier eines der Innenbecken

         
Mich aber lockt der Außenbereich!                                     Dort unten gibt es ein großes Becken ganz für uns allein

Wir schwimmen fast 1,5 Stunden bis halb 11 und drehen unsere Bahnen.
Immer wieder auf, immer wieder runter.
Nur kurz unterbrochen durch einige Solo- Sprungeinlagen vom 5- Meter Brett.
Das ist richtig erfrischend! Erst mal rauf klettern, den Kopf komplett durch den frischen Wind kalt werden lassen und dann der Sprung durch die Luft!
Kurz darauf der rettende warme Eintauchvorgang in das warme Wasser. Wunderbar!

Nach dem erquickenden Badespaß geht es noch fix unter die Dusche und dann zurück zum Wohnmobil.
Mittlerweile ist der Stellplatz nahezu verlassen, wir sind ganz alleine auf dem Areal.
Kaum vorstellbar eigentlich, aber vielleicht wird es ja am Wochenende mehr, wer weiß.

Um kurz nach 11 ist auch Anja vom Duschen zurück, sodass wir eigentlich nur noch die nassen Klamotten im Waschraum aufhängen müssen und dann auch gleich losfahren können.
Einen kurzen Stopp auf der Abwasserentsorgung legen wir noch ein und lassen die wenigen Liter, die wir seit unserer Abreise im Brauchwassertank drinnen haben, in den Ausguss laufen.
Nur nicht zu viel an Ballast mitnehmen! Frischwasser und Klotank dürften hingegen noch bis zum ersten Campingplatz reichen, den wir dann nachher auf Römö ansteuern werden.

         
Noch ein kurzer Stopp an der Entsorgungsstation…         …und schon steht Anja bereit die Schranke aufzumachen

Zuerst aber führt uns der Weg zur nächstgelegenen Tankstelle, einer freien „a+b“- Tank gleich an einem benachbarten Edeka- Supermarkt.
Für 1,039 lassen wir den Tank so richtig randvoll laufen, was uns mit getanken 68,4 Litern auch bestätigt wird.
Bedenkt man dann die Tatsache, dass unser Tank nur 70 Liter fasst, waren wir gestern doch tatsächlich wieder einmal näher dran wegen Spritmangel liegen zu bleiben, als ich bei Zufahrt zum Stellplatz noch gedacht habe.
Blöder Gegenwind gestern! 80 Kilometer weniger bedeutet nun einen „messbaren“ Gegenwert von etwa 12 Euro! Nur für Wind!
Nur nicht ärgern…
Hoffentlich wird es heute besser und wir können auf den Landstraßen ein wenig entspannter vorwärts kommen.

Bevor wir aber die Schönheiten auf, neben und abseits der nordischen Landstraßen genießen können, geht es dann noch ein kurzes Stückchen auf die Autobahn.
Etwa 60 Kilometer müssen wir weiter auf der A 7 nach Norden fahren, was bei einer fast komplett freien Autobahn und strahlendem Sonnenschein kein Problem ist.
Und auch der Wind, der mir gestern ganz schön die Fahrt versaut hat, hat heute deutlich abgeflacht. Zwar noch vorhanden, aber nicht mehr ganz so schlimm, wie es gestern war.
So ist es auch kein Wunder, dass ich an diesem Morgen außerordentlich gut gelaunt bin und fröhlich ein kleines Liedchen vor mich hin pfeiffe.
Komischerweise ist es das „Pfeiff-Lied“ von Otto, eben jenem erfolgreichem friesischen Weltexport, der seit vielen Jahren einen festen Namen in der Comedy- Branche hat.
Vielleicht kennt der ein oder andere die kleine Melodie:
Es ist die aus „Otto 3, der Außerfriesische“, wo Otto gleich zu Beginn des Films mit seinem kleinen blauen Cabriolet vom Leuchtturm aus zum Kindergarten fährt, wo Frauke arbeitet.
Auch er hat dabei tolles Wetter, grüne Wiesen und kommt mit seinem kleinen Auto in etwa so schnell vorwärts, wie wir im Moment auch 😉
Und so trällere ich eben diese Melodie vor mich hin, weil die Rahmenbedingungen so gut passen. 🙂
Und das wir uns hier, zwischen Hamburg und Flensburg, noch nicht einmal annähernd in Ostfriesland aufhalten (wo ja dann Otto wohnen würde), das stört mich nicht wirklich.
Für mich als Rheinländer ist „oben im Norden“ alles ein und dasselbe.
Also etwa die Gegend von Emden bis Husum oder so 😉

         
Wieder unterwegs, das Ziel „Nord“ klar vor Augen…           Wir passieren den Nord-Ostseekanal

         
Das Wetter wird besser, so mag ich es…                            Wir passieren die Grenze zu Nordfriesland

Gegen kurz vor 1 geht es dann bei Schuby / Schleswig an der Ausfahrt 5 von der Autobahn runter und auf der B 201 weiter in Richtung Husum.
Lange dauert die Fahrt über die Landstraße zu unserer Freude nicht, schon ca. 20 Minuten später sind wir da.

Auch durch die Stadt müssen wir nicht lange kurven. Wir entdecken ganz in der Nähe vom Hafen in der Straße „Zingeldamm“ bei N 54°28.476 / E 9°03.063 einige ausreichend große Parklücken, wo wir mit unserem Wohnmobil noch so gerade stehen können, ohne dass wir auf der Straße oder dem Bürgersteig parken müssen.
Wir ziehen einen Parkschein (2,50 € für 1,5 Stunden) und werfen uns ein Jäckchen über, denn es hat ein wenig aufgefrischt und die Sonne ist wieder hinter ein paar Wolken verschwunden.
Naja, in Dänemark wird später alles besser werden, da bin ich felsenfest von überzeugt. 😉

         
In der Straße „Zingeldamm“…                                            finden wir ein passables Plätzchen zum Parken

Unser Spaziergang durch Husum führt uns natürlich gleich in den alten Hafen nebenan. Ich erhoffe mir davon ein paar „Erinnerungs- Flashes“ die mir in den Kopf kommen könnten. Immerhin war ich schon einmal in Husum, damals war ich ein kleiner Junge (vielleicht 8 oder so) und wir haben mal eine Woche Urlaub in einer Ferienwohnung hier in Husum oder Umgebung verbracht. An ein paar verschwommene Bilder erinnere ich mich sogar, wollen doch mal sehen, ob ich da nun was von wiedererkenne.

Gleich am Hafen befindet sich für Fotofreunde ein idealer Aussichtsturm aus einer Metallkonstruktion, den man kostenlos besteigen kann.
Ich schätze mal so 10-15 Meter geht es rauf, von oben hat man dann einen ganz tollen Blick über das alte Hafenbecken von Husum. Obwohl: So „alt“ scheint dies noch gar nicht zu sein, denn abgesehen von der historischen Stadt auf der gegenüberliegenden Seite scheint hier auf unserer Seite des Hafenbeckens noch hier und da ein wenig Aktivität zu finden zu sein.
Zumindest ein paar Yachten liegen etwa 100 Meter weiter im Hafenbecken von uns entfernt.

         
Wir spazieren in Richtung Hafen (links der Metallturm)        Am Aufstieg liegt ein historischer Anker

   Panoramabild der Husumer Hafenpromenade
Panoramabildversuch von der metallenen Aussichtsplattform: die Husumer Hafenpromenade, unten rechts winkt Anja 🙂

         
Blick in das Hafenbecken                                                 Blick zurück zum Zingeldamm (hinten links steht Wohni 😉

Wir aber sind ja nicht für die Yachten hier (die könnten wir uns eh nicht leisten), sondern für die Uferpromenade und für das ein oder andere leckere Fischbrötchen, welches heute unser Mittagessen sein soll.
Und so spazieren wir einfach mal in Richtung Hafenpromenade, die schon vom Aussichtsturm sehr einladend ausgeschaut hat.
Wie immer steht auch Husum dem „typischen Klischee“ einer norddeutschen Stadt am Wasser nichts nach.
Es gibt kleinere ältere Häuschen, alte Kontore, Holzarbeiten und verzierte Hausfassaden, die den Eindruck vergangener Zeiten und die großartige Kaufmannszeit der alten Hanse wieder gedanklich aufleben lassen. Husum bietet hierzu sogar ein wenig was an Stadtgeschichte.
Der Hafen verdankt nämlich seine Bedeutung aufgrund eines Streits zwischen dem Königreich Dänemarks und der Kaufmannsgilde der Deutschen Hanse.
Als zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Kriegsschiffe der Hanse mehrmals den Sund für alle Handelsschiffe sperrten, die nicht aus Hansestädten stammten, verfügte der dänische König kurzerhand, dass die Waren dann eben in Husum angelandet und von dort auf dem Landweg nach Flensburg transportiert werden sollten.
Problem gelöst und schon war Husum bedeutungsvoll.

Heute hingegen ist der Hafen wohl zu klein, um nennenswert in die Geschicke Europas eingreifen zu können. Nennenswerte Fährlinien oder Frachtrouten sind mir ab Husum nicht bekannt und auch ein neuerlicher Streit mit Dänemark ist wohl nicht zu erwarten.
Und wenn doch, wäre dies sicherlich schlecht für unseren Urlaub 😉

So ist der Hafen natürlich ganz und gar überschaubar und wir haben was Nettes zu bummeln. Also auch nicht schlecht.

Vorbei an einer Marke für Hochwasser, wo Messingringe eindrucksvoll die Pegelständer vergangener Zeiten demonstrieren, spazieren wir gleich mal rüber zu den ersten Geschäften mit Souvenirs. Wer unsere Reisebericht kennt, weiß ja, wie gerne wir im lokalen Angebot stöbern.
Ob wir nun in der Toskana nach Olivenöl oder wie jetzt an der Nordseeküste nach kleinen Modellschiffchen Ausschau halten, irgendwas muss als Andenken mit. 😉

         
Nun wird die Promenade mit ihren Kontoren entdeckt:       Es geht vorbei an historischen Hochwassermarken

         
Hinein ins wuselige Treiben auf der Promenade                 Ah, gleich die erste Auswahl an Souvenirs, sehr schön!

Sogleich fallen uns wohl auch die Hingucker der Saison auf: Windschiefe Tassen, die sich im imaginären stürmischen Wetter an den Küsten zur Seite neigen. Sieht urig aus!
Gleichzeitig schauen wir natürlich auch wieder nach Postkarten, da wir ja auch gern unseren daheimgebliebenen eine Postkarte schicken. Ich freue mich schon wieder auf die frustrierte Frage meiner Schwester am Telefon: „Na, wart ihr SCHON WIEDER weg?“ 🙂
Jaja, es stimmt schon: Mit dem Wohnmobil kommst du echt rum in der Welt. So oft, wie in den Jahren seit dem Kauf des eigenen Wohnmobils in 2007 haben wir noch nie innerhalb eines Jahres Urlaub gemacht.

Wir spazieren weiter durch Husum und schauen uns allmählich nach dem ersten Fischbrötchen um.
Geht ja nicht, dass wir an die Küste fahren und dann kein Fischbrötchen bekommen.
Tatsächlich müssen wir auch nicht sehr lange suchen, denn das Fischhaus Loof folgt gleich etwas abseits an einer Mole.
Die dort an einem Werbeträger aufgestellte Frage („Haben Sie heute schon unsere Fischbrötchen probiert?“) können wir wahrheitsgemäß mit „Nein, noch nicht, aber gleich!“ beantworten und stellen uns in eine kleine Schlange für den Fischbrötchenverkauf an.
Dies ist schon mal ein gutes Zeichen! Wäre der Fisch schlecht, würde man wohl kaum dafür anstehen, oder? 😉

Wir bestellen uns leckere Fischbrötchen und nehmen kurz darauf auf einer der zahlreichen Sitzgelegenheiten vor dem Fischhaus Loof Platz, welche im Sommer bei schönem Wetter sicherlich gut besucht sein dürften.
Aktuell hält sich die Auslastung allerdings eher in Grenzen…

         
*mjam*! Da kommt unser „Mittagessen“ heute her!                 Ein Blick auf die Speisekarte des Tages…

Vom Geschmack der Fischbrötchen allerdings haben wir uns ein wenig mehr versprochen.
Vielleicht liegt es aber auch an der Art der Zubereitung.
So mag ich mein Fischbrötchen gern mit Fisch (logisch…) auf Brötchen ohne Remoulade, dafür aber mit einem Salatblatt.
Als Beispiel für besonders gute Optik und ungekrönter König auf unserer Beliebtheitsskala war da insbesondere das Kräutermatjesbrötchen, welches wir Ende April 2007 in Travemünde verspeisen durften.
Hier aber sind die Brötchen nicht so lecker zubereitet, besonders die Garnierung fehlt mir ein wenig. Zwar finden sich ein paar Zwiebeln auf dem Brötchen, aber das ist irgendwie nicht das gleiche, zumal ich die meisten Zwiebeln eh vom Brötchen runter fische.
Das mit dem fehlenden Salatblatt wäre noch zu verschmerzen, aber die Tatsache, dass unter das Fischfilet eines eigentlich recht leckeren Matjes- Filets zusätzlich Butter unterstrichen wurde, das ist schon etwas komisch.
Gerade der Matjes ist ja schon von sich aus ein recht fettiger Fisch, sodass es Butter gar nicht gebraucht hätte. So aber wird der Geschmack des Fisches irgendwie ein wenig verfälscht.
Schade!

Aber vielleicht mögen die Husumer ihren Fisch ja mit Butter auf dem Brötchen, denn wir haben das Brötchen „ganz normal“ bestellt und diese Kreation erhalten.
Also will ich nicht sagen, dass es falsch ist. Es schmeckt nur nicht so richtig und passt nach meiner Ansicht nicht so recht zusammen.

Als Ausgleich hole ich mir dann noch eine Tüte „heiße Fischhappen“, die mir schon deutlich besser schmecken und ein wenig an Backfisch erinnern. Nur etwas herber und leckerer. Geht also doch.
Den Rest vom Brötchen brauchen wir übrigens nicht aufessen, darum kümmert sich schon ein vorbeifliegender Rabe, der im gekonnten Anflug sich den Rest schnappt und sogleich wieder in die Lüfte empor steigt. Ganz schön raffiniert der Vogel!
Sein Glück, dass ich das Brötchen eh nicht mehr essen wollte und es absichtlich etwas abseits gelegt hatte. So habe ich wohl signalisiert, dass das Brötchen zur „freien Verfügung“ steht…

         
Naja: Matjesfilet auf Brötchen nur mit Zwiebel und Butter?   Dann lieber leckere „Fischhappen“ mit Remoulade! 🙂

Nach dem ausgiebigen Mahl spazieren wir weiter am Hafenbecken entlang.
Eine aufgestellte Wetterstation bestätigt uns dann, was wir eigentlich die ganze Zeit schon spüren: Gerade mal 15,2°C haben wir aktuell.
Oh-weia, wir wollten doch eigentlich Sommerurlaub machen!

Wir spazieren weiter an der Wasserkante entlang und entdecken einen Wohnmobilstellplatz hier in Husum gleich am Hafen, der ebenfalls vom Fischhaus Loof betreut wird.
Der Platz ist einfach, aber ordentlich ausgerüstet und die Lage an Hafen und Promenade sicherlich nicht verkehrt. Für eventuelle Wohnmobilgäste machen wir daher mal ein paar Bilder:

         
Wohnmobilstellplatz von Husum: Hier hinter´m Haus 😉       Dort wird geparkt…

         
… Platz gibt es jedenfalls genug…                                      …und eine kleine VE gibt es auch

Gleich um die Ecke am Hafenbecken schauen wir dann in den nächsten Souvenirladen rein, wo wir uns erneut ausgiebig umschauen.
Besonders die Auswahl an Fahnen und Flaggen hat es mir angetan, da ich sehr gerne mal eine eigene Flagge hießen würde.
Aber welche?
Mit einer Deutschen Flagge wirst du in Deutschland ja wohl eher komisch angeschaut, obwohl es seit der WM 2006 ja deutlich besser geworden ist. Schöne Sache.
Allerdings würde ich auch keine Deutsche Fahne hießen wollen (es sei denn, es ist WM ;-), sondern suche eher nach etwas ausgefallenem.
Eine Piratenflagge wäre vielleicht was, andererseits hat jeder, der keine Deutsche Fahne hat, eine Piratenflagge. Also auch nicht außergewöhnliches mehr.
Und das Wappen von Schleswig-Holstein ist auch nicht so der wahre Bringer.
Einige andere Flaggen haben noch interessante Symbole, obwohl ich eher denke, dass dies Flaggen aus der Schiffskommunikation sind. Und da einfach so was aufhängen? Nee, besser nicht.
Am Ende flagge ich noch: „Hier campt ein Trottel“ und alle lachen. Nur wir nicht, weil wir nicht verstehen, was wir im Flaggenalphabet da am Wohnmobil aufgezogen haben 😉
Ohne Flagge geht es also weiter, oder besser gesagt: Wieder zurück. Denn hier am Hafen endet unsere Besichtigungsrunde von Husum, mehr scheint nicht mehr zu kommen.

         
Wir spazieren mal runter ins Hafenbecken…                       …zum Schiffe gucken!

         
Eine alte Zugbrücke gibt es auch…                                    …und natürlich was zum Stöbern und Shoppen

Wieder vorbei am Fischhaus Loof (ist immer noch gut besucht) passieren wir nur wenig später eine kleine Eisdiele der Kette „Janny´s“, die mit günstigen Preisen aufwartet.
Und da der Sommer ja nur kommen kann, wenn man den Sommer auch mental unterstützt, bestellen wir uns einfach ein leckeres Eis.
Obwohl streng genommen nur ich ein Eis bestelle, Anja probiert es lieber mit einem wenig sommerlichen Kaffee…
Gleich hier schreiben wir übrigens die ersten Postkarten, damit bei unseren Lieben zuerst Urlaubsgrüße aus Deutschland und später (viel später) aus Dänemark eintreffen werden.
So denken alle, dass wir schon wieder unterwegs wären 😉

         
Nachtisch! Milchshake und Eis für mich, Kaffee für Anja     Danach geht es weiter Souvenirs gucken

In der Eisdiele fragen wir übrigens nach einem Supermarkt, damit wir uns vor der Grenze nochmals mit Deutschen Lebensmitteln eindecken können. In Dänemark wird später alles sicherlich ein wenig teurer werden!
Wir bekommen eine recht passable Beschreibung für einen PLUS- Supermarkt, mit der wir uns gegen kurz nach halb 3 wieder auf den Weg machen.

Ein wenig spazieren wir dann noch durch die Gassen der Stadt und ich denke, dass man hier in den verwinkelten Wegen und Pfaden noch so manches geschichtsträchtiges Haus entdecken kann. Zumindest ist die Zeit der alten Seeräuber, Abenteurer und Westindienfahrer irgendwie noch immer präsent.
Streift man nun, so wie wir, in Husum durch die Gassen der Altstadt, würde es auch nicht weiter wundern, wenn plötzlich eine waschechte Kogge im Hafen anlegen würde. Wahrscheinlich hätte sie Ware aus Bergen in Norwegen geladen (bestimmt Stockfisch…) und würde ganz normal mit dem Löschen der Ladung beginnen.
Wie gesagt, es fällt nicht schwer sich hier in Husum das Leben in der Zeit um das 14-15 Jahrhundert vorzustellen.

         
Wir spazieren weiter durch die Husumer Gassen               Die Kirche in Husum

         
steht gleich hier am großen Marktplatz                                Anja über dem Ratskeller

Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil kommen wir noch an der ein oder anderen Sehenswürdigkeit vorbei, die wir uns bei etwas mehr Zeit sicherlich auch mal angeschaut hätten. Aber der Grenzübertritt nach Dänemark steht heute noch an und wir wollen dafür nicht zu spät kommen.
So müssen wir zum Beispiel das Husumer Schiffahrtsmuseum (erstaunlich: das ist tatsächlich noch mit 2 f geschrieben 😉 auslassen. Allerdings erhaschen wir einen kurzen Blick in den Hinterhof, wo einige Exponate wie Schiffsschrauben oder Bojen ausgestellt sind.

         
Wir spazieren zurück zum Wohnmobil…                       …und erhaschen einen kostenlosen Blick in den Museumshof

Gegen viertel nach Drei erreichen wir wieder unser Wohnmobil und verlassen Husum wieder. Wir machen uns auf, den Supermarkt zu finden und ein letztes Mal unsere Schränke mit deutschen Vorräten zu füllen.
Zum Glück ist die Wegbeschreibung der netten Eisverkäuferin einigermaßen brauchbar und wir entdecken tatsächlich ohne große Umwegsfahrten den PLUS- Supermarkt.
Zwar sind wir zunächst unsicher, ob wir auch wirklich den richtigen Plus- Markt gefunden haben. Aber ob nun dieser Plus oder ein anderer, das ist egal
Ausschlaggebend ist ja nur, dass es möglichst ein Plus- Markt seien sollte, weil wir hier im Plus in Norddeutschland ein leckeres Cola- Getränk genannt „Deit“ gefunden haben.
Wäre schön, wenn wir dieses mit auf unsere Reise nehmen könnten. Scheiß auf den Einwegpfand… 😉
Tatsächlich bekommen wir noch einige Flaschen unseres Wunschgetränks und noch einige andere Dinge, die es in unserem Plus-Markt im Rheinland nicht zu kaufen gibt.
So landet zum Beispiel eine Dose Labskaus in unserem Einkaufswagen. Anja hat sich dieses schnell zubereitete Gericht für unseren Bordproviant ausgesucht.
Labskaus hat was typisch Seefahrermäßiges, sodass wir uns gern damit eindecken. Was drin ist? Das weiß niemand so genau. Liegt aber wohl auch daran, dass früher wohl alles in einen Topf geworfen wurde, was noch an Bord verfügbar war. Mal mit dem, mal mit jenem und irgendwie sicherlich immer wieder anders.
Zusammengekocht gab dies wohl eine recht passable Mahlzeit, sodass dies nun auch an Land seine Freunde findet.
Auch für mich findet sich etwas, was ich gern mal ausprobieren mag: Mockturtle!
Hier kann man auf den Etikett wenigstens erkennen, dass es was mit Pilzen und Fleisch sein muss. Ein wenig sieht es aus wie Gulaschsuppe. Ob aber Schildkrötenfleisch drin ist (Turtle = das englische Wort für Schildkröte) wird wohl erst eine Geschmacksprobe offenbaren.
Und wenn Turtle wirklich die Schildkröte ist, was ist dann wohl „Mock“?
Hier ist die Phantasie gefragt und je länger ich darüber nachdenke, wird es sich wohl um Sumpf- oder Moorschildkröte mit Pilzen handeln. Hmm, *mjam* Lecker! 😉
Ach, ich liebe das Einkaufen in „fremden“ Supermärkten. Hatte ich dies eigentlich schonmal irgendwo erwähnt? 😉

         
Ein kurzer Einkausfsstopp beim Plus…                              …hier gibt es lecker Labskaus und Mockturtle! Oha!

Nach dem Einkauf geht es dann aber endlich richtig los!
Der Sommerurlaub 2009 kann beginnen. Und fast wie auf Kommando zeigt sich endlich auch wieder ein wenig mehr vom Sonnenschein und blauen Himmel, der uns natürlich auf unserer Sommertour begleiten soll.
So macht das Fahren über das platte Nordland von Schleswig-Holstein natürlich Freude.
Und bis Römö dürfte es auch nicht mehr sehr weit sein, das Navi zeigt uns unsere Ankunft nach 94 Kilometern und gut 1,5 Stunden Fahrtzeit an.

Die Fahrt durch das norddeutsche Hochland ist angenehm. Das Land ist wirklich total platt und eben. Rechts und links fliegen immer wieder Felder, vereinzelte Bäume und Natur vorbei, oder wir durchfahren kleine Dörfchen. Viel schöner, als wenn man der tristen A 7 folgen würde, die außer Leitplanke mittig und einigen Ausblicken nach rechts nichts zu bieten hätte.
Und schon wieder trällere ich gut gelaunt natürlich die Musik von „Otto III“ vor mich hin, die einfach wunderbar in diese Landschaft passt.
Einzig der Wind will sich noch nicht so ganz von unserer guten Laune anstecken lassen, denn hier auf dem platten Land kämpfen wir erneut mit einem teilweise auffrischenden Nordwestwind, dessen Böen uns immer wieder an die 90 km/h drücken.
Auf der Autobahn hätten wir somit wohl keine Freude und es ist sicherlich besser, dass wir hier auf der Landstraße vor uns hin zockeln.
Aber immerhin kommt der Wind nicht mehr direkt von vorne, sodass wir in unserem Vorwärtsdrang allzu stark eingebremst werden. Aber es schaukelt natürlich ein wenig und wir kommen uns vor, als fuhren wir ein Schiff auf hoher See. 😉

         
Entspannt und ruhig gleiten wir über das Land…                 …vorbei am lustigen Spargelmännchen 🙂

         
Weiter über Land, hier durch „halbe Naturtunnel“              Geradeaus? Da geht´s nach Römö!

Gegen 10 vor 5 erreichen wir dann einen der letzten deutschen Orte vor der Grenze: Braderup.
Selbstredend, dass wir ein letztes Mal ausscheren und den Diesel mit dem hoffentlich günstigeren deutschen Diesel auffüllen.
16 Liter passen rein, was in Anbetracht von knapp 140 gefahrenen Kilometern seit Neumünster ein recht guter Wert ist.
Zufrieden rechne ich mir im Kopf ca. 11,4 Liter aus, was in Anbetracht der Windverhältnisse als gut zu bezeichnen ist. Es ist schon erstaunlich, dass man mit 80 statt 90 schon einen ganzen Liter Diesel einsparen kann. Und rechnen wir die Vollgasfahrt von gestern gegen den Wind auf der Autobahn dazu, haben wir heute, mit besonnener Fahrweise -trotz Wind- auf der Landstraße knapp 3 Liter auf 100 km eingespart.
Wie gesagt, ich bin zufrieden.

Nach dem Tanken fahren wir dann sogleich weiter, passieren kurz darauf Süderlügum (hier hätten wir auch noch tanken können) und erreichen gegen 5 vor 5 die Deutsch-dänische Grenze.
Gespannt schauen wir dabei auf den Horizont. Denn während über uns nach wie vor blauer Himmel vorherrscht, stehen am Ende des Horizontes einige dicken Wolkenfelder, die grau in grau die Aussicht auf Dänemark vermiesen.
Dazu kommt, dass der Wind ja noch immer aus nordwestlicher Richtung kommt, und somit die Wolken direkt auf uns zutreibt.
Bestens!
Naja, davon lassen wir uns auch nicht die Freuden vermiesen, vielleicht bleiben die Wolken ja auch über der östlichen Seite Dänemarks, oder ziehen ganz schnell über uns hinweg.
Wir jedenfalls fahren erst einmal in Richtung Tonder und Ribe auf der Landstraße 11 weiter.

         
Dänemark voraus! Noch 1 Kilometer                                  Grenzübertritt: Die Flaggen zeugen vom starken Wind

Die ersten Ausblicke in Dänemark unterscheiden sich übrigens nicht besonders von den letzten Ansichten in Deutschland. Plattes Land, viel Landwirtschaft und eine Menge Wind. Nun allerdings mehr von der Seite.
Allerdings haben wir den Eindruck, als sei der Wind ein wenig aufgefrischt. Es wirkt ungemütlich draußen und ich bin froh, dass wir ein Wohnmobil haben. Eine Nacht im Zelt bei dem Wind? Ich hätte Angst, dass ich mitsamt dem Zelt wie Robert aus dem Märchen „Der Struwelpeter“ davon fliegen würde. Und dann? 😉
OK, ich gebe zu, auch beim Wohnmobil muss man bei Wind vorsichtig sein.
So höre ich mit jeder Windböe besorgt in Richtung Aufbau, ob uns auch wirklich alle Dachluken erhalten bleiben.
Schon einmal hat uns der Wind eine Dachluke weggerissen und damals haben wir zuhause geparkt und sind nicht gefahren!

Zum Glück müssen wir nicht mehr allzu lange durch den Sturm fahren. Denn schon um kurz vor halb 6 geht es am Kreisverkehr kurz hinter Skærbæk links ab auf den Rømøvej oder Römöweg, wie wir ihn nennen würden.
Dies ist übrigens der Vorteil der Insel Römö gegenüber unserer bisherigen dänischen Lieblingsinsel Fanö.
Nach Fanö muss man nämlich eine (teure) Fähre nehmen, wohin dagegen Römö über den Römövej, bzw. den ca. 10 Kilometer langen Römödamm (dänisch: Rømødæmningen) zu erreichen ist.
Die Überfahrt ist kostenlos, was die Insel besonders bei Sand- und Strandtouristen natürlich enorm aufwertet.
Übrigens: Der Damm ist nicht die einzige Möglichkeit die Insel Römö zu besuchen!
Es gibt nämlich von Römö aus auch eine Personen- / Auto- Fährverbindung zur deutschen Insel Sylt!
Und dies kann für Sylttouristen übrigens eine mögliche Alternative sein, wenn man den Hindenburgdamm mit dem Sylt- Shuttle nicht benutzen möchte oder kann.
Dies nur mal so am Rande.

         
Unterwegs in Dänemark                                                          Rechts raus! Ab nach Römö am Kreisverkehr!

Nun geht es aber los, wir fahren nach Römö (Rømø)!
Ein paar Daten zu Römö möchte ich an dieser Stelle auch nicht vorenthalten.
Trocken und emotionslos lesen sich die Fakten: Knapp 129 km2 groß, ca. 700 Einwohner, 11 offizielle Ortschaften auf der Insel und 3 Campingplätze, wovon einer (stand 2009) die ACSI- CampingCard akzeptiert.
Aber das Highlight der Insel Römö ist wohl unangefochten der mit dem Auto oder mit dem Wohnmobil befahrbare 2,5km breite und 8km lange Sandstrand!
Übrigens der größte in Nordeuropa!
Schon auf der Insel Fanö fanden wir es ganz toll mit dem Wohnmobil bis ganz nah ran ans Wasser zu fahren, um dort dann mit Blick auf das Meer zu frühstücken.
Und wenn man die übrigen Touristenfahrer ausblendet, ist das Fahren auf dem Strand vielleicht ein bisschen mit einer Wüstentour gleichzusetzen. Daran habe ich ja immer so meine Freude! 😉
Übrigens: Der Sandstrand der Insel Römö wächst noch immer! So haben wir zum Beispiel später erfahren, dass von der Insel Sylt der Sand weggespült wird, um wenig später an Römö anzustranden. Streng genommen dürfte somit die vordere Spitze des Sandstrandes von Römö deutschen Ursprungs sein. Eine kleine Kolonie mit heimischem Mutterboden sozusagen.
Der große Strand zeichnet sich aber nicht nur durch deutsche Anteile oder seine Befahrbarkeit aus, sondern auch durch die vielen Freizeitmöglichkeiten, denen man hier nachgehen kann.
Besonders Kitesurfen ist beliebt, aber auch das alljährliche Drachenfest auf Römö (immer am ersten Septemberwochenende) findet viele Anhänger. Wobei es mir auch aktuell im Juni nicht schwerfällt, dass Windsportler hier auf Römö die idealen Bedingungen vorfinden.
Schon seit einigen Minuten sind wir auf dem Römödamm unterwegs und der Wind pfeifft mit einer derartigen Stärke, dass es uns fast aus den Rädern hebt!
Dadurch, dass wir auf direkten Kurs West eingeschwenkt sind, kommt der Wind nun schräg von hinten und drückt uns förmlich über den Römödamm unserem Ziel entgegen.

         
GO WEST! Anlauf auf den Römödamm                               Blick nach rechts: Kuschelwolken über grünen Wiesen

         
und dann kommt das Wasser                                               der Damm macht einen „Knick“

Auf dem Damm ist der Wind so stark, dass es unsere „Markise Light“, die Caravanstore von Fiamma, so richtig von der Seitenwand abhebt und diese mit Getöse wieder zurück an die Seitenwand knallt, wenn die Windböe nachlässt!
Schon auf unseren ersten Landstraßenkilometern war uns dieses Geräusch aufgefallen.
Zuerst konnten wir uns auf das Geknalle natürlich keinen Reim machen, dann aber hab ich die Herkunft des leichten Schlagens ausmachen können. Nun, bei den aktuellen Windverhältnissen, ist die Bewegung der Markise ungleich stärker und ich habe Sorge, ob sie denn halten wird. Daher halten wir nun besser mal auf einem Parkplatz am Seitenstreifen an und kontrollieren das Teil, bevor es noch vom Wind zerrissen wird, oder am Ende sogar das Wohnmobil beschädigt!
Ich will also aussteigen und öffne hierfür natürlich die Türe.
Boah! Mit einer derart heftigen Reaktion hätte ich nicht gerechnet! Die Türe reißt es mir förmlich aus der Hand und ich kann nur von Glück reden, dass das Türscharnier unseres 1984er Fiat Ducato offenbar damals einigermaßen solide zusammen geschraubt wurde.
Die Tür knallt regelrecht ins das Scharnier, wackelt bedrohlich, hält aber, puh!
Während Anja die Beiblätter und Karten aus dem ADAC- Tourset zusammen hält, drücke ich mit meinem Gewicht gegen die Türe, um sie wieder zu schließen.
Puh zum zweiten! Danach kämpfe ich mich durch den Wind einmal ums Wohnmobil herum.
Beim weiteren Kontrollgang um das Wohnmobil überprüfe ich dann den Markisensack, wie er durch den Wind auf- und abgehoben wird und dadurch, wie bereits beschrieben, gegen die Seitenwand des Wohnmobils schlägt.
„Na hoffentlich halten die Polsterkissen“ denke ich mir. Diese sind nämlich auf den Sack geklebt und sollen Druckstellen an der Außenwand von der Markise verhindern. Ob sie nun auch als „Stoßdämpfer“ zu gebrauchen sind, wird der weitere Weg schon zeigen.
Die kleinen Bremsstopper, die in die Kederschiene eingeschraubt werden, scheinen den Wind ebenfalls zu trotzen, sodass ich mal davon ausgehe, dass es den Sack auch nicht aus der Kederschiene heben wird, also: weiterfahren!
Wo ich natürlich schon einmal ausgestiegen bin, kann ich gleich ein paar Bilder machen.
Hier, außerhalb vom Wohnmobil, ist man natürlich den Naturgewalten ausgesetzt. Es ist schon interessant dem Meer auf beiden Seiten des Römödammes zuzusehen, wie es aufgewühlt und aufbrausend die Wellen aufschaukelt.
Überhaupt erinnert mich der lange Damm mit Wasser auf beiden Seiten ein wenig an den Damm zwischen Enkhuizen und Lelystad am Ijsselmeer.
Damals waren die Verhältnisse ähnlich, obgleich mir der Wind hier auf dem Römödamm viel stärker vorkommt.
Schade, dass man Wind im Bild nicht einfangen kann und es somit recht statische Bilder sind, die ich von hier mache. Fast wirken die Bilder ruhig, man kann sich gar nicht vorstellen, dass es mir gerade vor ein paar Minuten noch die Fahrertüre aus der Hand gerissen hat!

         
Kurzer Stopp für eine „Knall- und Sackkontrolle“…             …wo ich schonmal da bin, kann ich gleich Fotos machen…

         
Wohni auf dem Römö- Damm                                               So, weiter geht´s!

Ich lasse mich nach meiner Bilderserie vom Wind zurück nach vorn zur Fahrkabine tragen und öffne vorsichtig, aber natürlich mit festem Griff die Fahrertür.
Kurz darauf informiere ich Anja darüber, dass die Markise wohl halten wird und zerstreue ihre Bedenken den Markisensack am Fahrzeug zu belassen und vielleicht besser abzubauen und einzupacken.
Zwar wäre abschrauben und einholen eine Alternative, aber ich hab den Sack ja nicht dafür gekauft, dass ich den bei Nichtgebrauch bzw. während der im Fahrzeug einlagere!
Entweder es hält, oder es ist Schrott! So einfach ist das…

Um viertel vor 6 erreichen wir die erste und wahrscheinlich auch einzige große Kreuzung auf Römö.
Der Wind lässt hier ein wenig nach, was mir natürlich sehr entgegen kommt.
Wir überlegen kurz, was wir denn nun auf der Insel machen wollen. Einerseits können wir uns natürlich gleich einen Campingplatz suchen und den Fahrtag für heute beenden. Andererseits ist es zum Beispiel für Morgen blöd, wenn wir mit dem Rad auf der Insel eine Tour machen und keine Ahnung haben, ob in den einzelnen Richtungen der Insel auch interessante Dinge und Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Wir fahren ja schließlich nicht aus Spass an der Freude mit dem Rad 😉
Und wenn dann dazu noch so ein heftiger Wind weht, ist an Radfahren eh nicht zu denken.
Auch ist es mit 18 Uhr noch ein wenig früh, um sich schon häuslich einzurichten und so entschließen wir uns einfach noch eine kleine Erkundungsrunde mit dem Wohnmobil über die Insel zu drehen.
Wir biegen also an der wahrscheinlich einzigen Ampel auf der Insel links ab und fahren mal in Richtung Havneby und List, zumal auch ein Schild mit dem typischen „Touristen“-i für Information auf weiterführende Informationen zur Insel hindeutet.
Und mit Plänen, Faltblättchen und Infos in einer Touristeninformation eindecken gehört für uns immer zum Urlaub dazu.

         
Wir erreichen wieder Festland…                                     Vielleicht die größte Kreuzung auf Römö, sogar mit Ampel!

Kaum abgebogen entdecken wir auch schon das Römö- Touristbüro, wo wir sogleich auf den Parkplatz auffahren.
Natürlich parken wir schräg im Wind, damit es uns nicht erneut die Türen aufreißt, dann spazieren wir zum kleinen Touristenbüro hinüber.
Wobei „spazieren“ es eigentlich nicht ganz trifft. Noch immer müssen wir um unsere Habseligkeiten fürchten, denn der Wind rupft nach wie vor böse an den Klamotten.
Am Touristenbüro angekommen müssen wir leider entdecken, dass das Büro schon geschlossen hat. Das ist aber schade!
Aber wenigstens gibt es hier vor dem Büro eine Art Metallschrank mit vielen Fächern, wo einige Informationsbroschüren ausliegen und die man sich gratis mitnehmen kann.
Ich will mich noch darüber wundern, warum die Fächer alle eine Klapptüre haben, da folgt die Antwort praktisch umgehend auf die Frage. Kaum haben wir einige Hefte aus den Regalen geholt, rupft uns der Wind ein Exemplar des Römö-Tønder- Ferienkatalogs aus der Hand und trägt es sofort in mehrere Meter Höhe für uns unerreichbar davon! Wow, das ging schnell!
Wir müssen echt aufpassen, dass wir hier nicht noch ungewollt zum Umweltverschmutzer werden, weil uns die Hefte im Wind davon fliegen!

         
Wir erreichen die Touristeninfo bei stürmischen Wind…      parken kann man hier ganz gut, auch bei Wind…

         
an der Touri- Info: Sogar den Ständer hat der Wind umgefegt    Die Infobroschüren liegen windgeschützt in diesem Schrank

Wir decken uns also deutlich vorsichtiger mit Infomaterial ein und quälen uns durch den Wind zurück zum Wohnmobil.
Dort angekommen und eingestiegen atmen wir erst einmal tief durch und verschnaufen.
So haben wir uns unseren Urlaub auf Römö natürlich nicht vorgestellt!
Wie schön sommerlich war es doch im vorletzten Jahr auf Fanö und wie unwirklich ist die Natur hier auf Römö.
Aber wir wollen uns nicht beschweren, denn für das Wetter kann ja die Insel nichts.
Nachdem wir verschnauft und uns die Haare wieder gerichtet haben (Anja natürlich mehr als ich ;-), geht es weiter auf Erkundungsreise.
Der Weg führt uns nun weiter an vereinzelten Häusern und einem kleinen aber leider schon geschlossenen Spar- Supermarkt vorbei, bis wir um kurz vor 6 Havneby erreichen.
Kurz vor Havneby befindet sich übrigens auch der erste von drei Campingplätzen (Kommandørgårdens Camping & Vakantiepark) auf Römö.
Schon von außen sagt uns dieser aber nicht so richtig zu und da er preislich laut Reiseführer auch der teuerste Platz auf der Insel sein soll, werden wir diesen Platz nicht aufsuchen.
Wir kurven also weiter durch Havneby, um uns einen Eindruck zu verschaffen und zu schauen, ob sich eventuell eine Radtour nach Havneby lohnen würde.
Für uns ist hierfür eigentlich immer wichtig, dass ein Ort was nettes „Touristisches“ zu entdecken bietet. Am besten eine autofreie Promenade oder eine kleine Fußgängerzone oder eben ein nettes Städtchen mit urigen Häusern, einem Café oder einer Eisdiele und natürlich ein paar Souvenirs zum Stöbern.
Davon können wir gar nicht genug bekommen.
Was nettes zum Bummeln finden wir dann auch, genauer stoßen wir auf den kleinen Fischerhafen von Havneby (Koordinaten: N 55°05.260 / E 8°33.891), wo erstaunlich wenig los zu sein scheint. Überhaupt kommt mir ganz Havneby und auch ganz Römö total verlassen und einsam vor.
Nicht nur ich empfinde dies, auch Anja geht es so und wir fragen uns, ob Nebensaison hier auf Römö auch wirklich Nebensaison (also tote Hose) bedeutet, oder ob es einfach nur am nach wie vor stürmischen Wind liegt, dass es niemanden auf die Straßen treibt.
Einerseits ist es uns natürlich Recht, aber andererseits ist es uns auch schon fast ein wenig zu ruhig.
Naja, egal, nutzen wir die Gunst der Stunde und machen ein paar schöne Bilder von Wohni am Kai des Fischerhafens. Eine tolle Kulisse ist dies allemal!

         
Einfahrt nach Havneby                                                       Kurz darauf entdecken wir den kleinen Fischerhafen

      Unser Wohnmobil am Fischerhafen auf Römö
Fotosession im Hafen von Havneby: Wohni, Anja und die Fischerboote auf Römö!

Nach der kleinen Fotosession geht es weiter durch Havenby und Sønderby, wo wir auf den Sønderstrandvej treffen. Zwar ist der Weg recht schmal, aber nach wie vor ist so gut wie kein anderer Verkehrsteilnehmer auszumachen und wir haben den Weg praktisch für uns ganz allein.
Ich frage mich so langsam ernsthaft, wo denn die ganzen Touristen sein könnten! Irgendwo muss doch „das Leben“ sein!
Und die Idee, dass sich diese vielleicht am Autostrand aufhalten, erscheint mir gar nicht so abwegig! Zwar wird dort bei dem Wind wohl kaum einer Sonnenbaden, aber dank des Windes sind vielleicht einige Drachensteiger und Kitesurfer unterwegs. Und wo diese sind, da ist auch Leben. Und da ich eh Lust habe, mal wieder einen Strand mit dem Wohnmobil zu befahren, folgen wir dem Strandvej weiter, bis wir tatsächlich auf den befahrbaren Autostrand treffen.
Super!
Schon auf Fanö hat es richtig Bock gemacht am Strand entlang zu fahren. Dort ist der Strand sogar Teil des öffentlichen Verkehrsraumes und ein regulärer Linienbus fährt da entlang (wer es sehen mag: Hier gibt es vom Autostrand Fanö mit Bus ein paar Bilder).
Hier auf Römö ist es wohl nicht anders und so fahren wir fast schon schwungvoll auf den Strand zu.

         
Wir fahren weiter in Richtung Strand                                  Die Pferde scheinen sich am Wind nicht zu stören

         
Man ahnt es bereits: Hinter der Kuppe…                             …kommt Meer und Strand! Juchu!!

Am Strand angekommen halten wir zunächst an der Zufahrt, um uns an einer großen Infotafel zu informieren und um uns zu orientieren, wo wir mit dem Wohnmobil denn überhaupt fahren dürfen. Immerhin sind einige Teile des Strandes zu Recht für den Autoverkehr gesperrt, weil Römö auch ein Naturreservat vor allem für Wasservögel vorhält, oder einige Bereiche wohl den Badegästen, Kitesurfern oder Stranseglern vorbehalten sind.
Hier am offiziellen Autostrand von Sönderby ist das Befahren allerdings wohl offenbar kein Problem, es ist nicht nur gedudelt, sondern in Richtung Süden regelrecht erlaubt. Nur das Campen von 21 bis 7 Uhr ist natürlich (wie eigentlich überall auf der Insel, entsprechende Schilder stehen schon bei der Zufahrt am Römödamm!) untersagt. Aber wir wollen ja hier nicht die Nacht verbringen, sondern nur einmal kurz mit dem Wohnmobil ans Wasser ran fahren.
Unsere Erwartung, hier viele andere Touristen vorzufinden wird übrigens „enttäuscht“. Nicht, dass wir uns nicht darüber freuen würden, hier ganz allein zu sein, es ist nur etwas ungewohnt!
Gerade mal eine Handvoll Fahrzeuge haben sich hier eingefunden und befinden sich darüber hinaus mehrheitlich direkt an der Strandzufahrt im geschützteren Teil der Düne. Offenbar wegen des am Strand natürlich kräftig tobenden Windes.
Aber das soll und kann uns nicht stoppen!
Ich mag nun mit dem Wohnmobil auf den Strand fahren und versuchen, bis ans Wasser zu kommen.
Ich muss ja mal schliesslich schauen, ob das Meer noch da ist 😉

         
Erstmal ein kurzer Stopp zur Orientierung…                       Camping des Nachts verboten, 30 km/h aber sonst…

         
Blick nach links: Viel los ist ja nicht mehr gerade…     …Nungut! Also irgendwo dahinten ist das Meer, suchen wir es!

Die ersten Meter auf dem Sand sind wirklich genau wie auf Fanö. Nur ist alles viel weitläufiger und man hat das Gefühl, als würde man sich mit seinen erlaubten 30 km/h überhaupt gar nicht fortbewegen. Ich gebe also ein wenig mehr Gas, damit der Weg bis ans Meer nicht so lange dauert.
Aber ob man nun 30 oder 40 fährt, der lange Strand mit seinem festgefahrenen Sand scheint sich beinahe endlos vor uns aufzutun.
Doch dann, endlich, kann man voraus das blaue Meer erkennen, Hurra!

         
Also los, wagen wir es!                                                       Wir befahren den breitesten Sandstrand in Nordeuorpa!

         
Surreal! Nur Wind, Wolken, Sonne und Sand!                   Einer der wenigen anderen Gäste: Ein Drachensteiger

         
Immer weiter! Wir jagen über den Strand dem Wind hinterher   Juchu! Da ist es! Das Meer als Silberstreif am Horizont!

Gestrandet! Oder: Auch ein Wohnmobil kann „havarieren“…
Es ist nicht mehr weit bis zum Meer!
Ich kann es direkt voraus schon klar erkennen, vielleicht noch 200 oder 300 Meter.
Was ist das toll hier!
Wohni und wir am Stand von Römö.

„Nanu, was zum Geier…“
„Oh!“
„Oh- oh-oohoh!!!“
„Uh!!!“
Ich reiße am Lenkrad, wir müssen hier schnell weg!!!!
Wohni verliert auf einmal dramatisch an Geschwindigkeit!
Wir haben soeben eine dunklere Stelle im Sand verlassen und eine der helleren Stellen befahren.
Und hier sacken wir auch einmal regelrecht weg!
Dies komm total überraschend, zumal ich eigentlich in der Fahrrinne meines Vordermannes gefahren bin, der wohl vor ein paar Stunden hier entlang gefahren ist.
Sofort versuche ich die Wende, um wieder den dunkleren festen Sand zu erreichen, aber der Schwung reicht keinesfalls und der Motor ruckelt bereits!
Ich schalte runter, brauche Drehzahl und erkenne im gleichen Moment. „Das war ein FEHLER!!!“
Sofort geht uns runter auf etwa 10 km/h, ich gebe im zweiten Gang Vollgas!

Hilft aber nichts, mit einem plötzlichen Ruck kommen wir zum stehen.
Na bestens!
Ich wechsele vorsichtig in den Rückwärtsgang und will versuchen, in unserer Schneise die etwa 40 auf dem hellen weichen Sand zurückgelegten Meter vorsichtig mit „kleiner Fahrt zurück“ zu verkleinern.
Geradeaus ist sicherlich total verkehrt, da graben wir uns bestimmt und auf jeden Fall ein.

Doch kaum habe ich nur ein wenig Gas im Rückwärtsgang gegeben, dreht das linke Rad auch schon durch und der ganze Vorbau sackt links ein Stück ab.
Oh, Oh, OH!
Jetzt nur keinen Fehler machen!
Vorsichtig will ich das Mobil aufschaukeln und probiere es mit dem ersten Gang.
„SRRRRR“ dreht erneut der linke Vorderreifen durch und wieder geht es ein weiteres Stück abwärts!
Au- Kacke, auch das noch!
Nun springt Anja aus dem Mobil und versucht es vorn mit Schieben, während ich erneut im Rückwärtsgang Gas gebe, aber auch das hilft nichts, wir graben uns auf der Fahrerseite nun immer tiefer ein.

Da hilft nichts, erstmal Motor aus und die Lage sondieren.
Und schnell wird klar, „einfach so“ werden wir hier nicht raus kommen.
Ich schnappe mir unseren Klappspaten und beginne den aufgewirbelten Sand rund um die Vorderreifen freizuschaufeln.
Ich grabe, bis ich auf beiden Seiten nassen Sand unter dem losen Muschelkalk finde und baue mit dem nassen Sand eine kleine Rampe unter dem Vorderrad.
Dann probiere ich es erneut im Rückwärtsgang und will uns erneut freifahren.
Zuerst scheint es auch so, als würden wir tatsächlich freikommen, aber es ruckt nur einen Zentimeter, dann schleudert der nasse Sand aus dem Radkasten.
Aaargh!

Ich springe wieder aus dem Wohni, diesmal legen wir zusätzlich die Auffahrkeile unter die Räder.
Wieder rein ins Womo und wieder vorsichtig Gas gegeben.
Und wieder hilft es nichts, Wohni gräbt sich nur immer tiefer in den Sand, mittlerweile reicht der Sand bis zum Felgenhorn!!
Also wieder freischaufeln, wieder eine kleine Rampe mit nassem Sand bauen und wieder versuchen das Mobil mit gefühlvollem Gasgeben aus dieser misslichen Lage zu befreien.

         
Da war die Fahrt zu Ende!                                         Mit Klappspaten und Auffahrkeil versuche ich uns zu befreien

         
Da haben wir uns rechts ganz schön eingegraben…          Links sieht es aber auch nicht viel besser aus!

Aber auch jetzt klappt es nicht.
Anja und ich tauschen die Plätze. Sie wird nun versuchen im Rückwärtsgang zurück zu setzen und ich werde mit aller Kraft schieben.

Aber so sehr ich mich auch anstrenge, wir bekommen das Mobil einfach nicht frei!
Ein weiteres Mal packe ich all meine Kraft in die Arme und spüre, wie es in den Muskeln brennt und mir die Füße wegsacken, aber ich drücke, als würde mein Leben davon abhängen.
Aber wir bewegen uns keinen Meter!
Stattdessen bekomme ich durch den Wind und durch das durchdrehende Rad nur noch mehr Sand ins Gesicht geschleudert.
„Püäh! Hust!“

Was nun?
Wir sitzen zunächst einmal ratlos im Wohnmobil.
Ich überlege hin und her, was wir noch an Bord haben, was uns eventuell aus dieser Lage helfen könnte.
Aber schnell wird klar: Da kommen wir aus eigener Kraft nicht mehr raus!

Wir brauchen Hilfe, vielleicht einen Abschlepper oder so was?
Das nächste Fahrzeug ist jedoch gut und gerne einen Kilometer entfernt und die Straße, wo man vielleicht Hilfe für so was bekommen kann, ist locker 2 Kilometer weit weg.
Außerdem würden sich andere Fahrzeuge, wenn sie sich uns nähern, unweigerlich genau so eingraben, wie es uns gerade passiert ist.
Wir brauchen also schon was Größeres!

Mist, Mist, einfach nur MIST!
Noch vor unserem Urlaub habe ich mehrfach gelesen, dass sich schon viele andere Wohnmobile und PKW am Strand von Römö festgefahren haben.
Aber ich wollte es ja nicht glauben.
Kann ja auch nicht sein!
Sowas passiert MIR doch nicht!
Ich versuche es erneut mit dem Freischaukeln und wieder spritzt der Sand aus dem Radkasten und wieder graben wir uns tiefer ein.
Ich fange fast wie im Wahn wieder an zu schaufeln und grabe das Rad so behutsam wie möglich frei (ich will das Rad mit der Schaufel ja auch nicht perforieren).
Zusätzlich grabe ich auch das Vorderrad der Beifahrerseite frei (das hat sich noch nicht so tief eingegraben) und auch hinter den Hinterrädern grabe ich nassen Sand aus und klopfe den unmittelbar unter den Rädern fest, dass es wie eine kleine Rampe aussieht.
Vorne an der Fahrerseite lege ich wieder die Auffahrkeile unter und versuche Anjas Idee auf meine Frage nach einem länglichen flachen Gegenstand und ihrer Antwort, unserer Fußmatte, zusätzlich vor dem durchdrehenden Reifen zu positionieren.
Die Auffahrkeile sehen übrigens schon ganz schön mitgenommen aus!
Auf einem sind Schleifspuren zu erkennen, das ist echt der Hammer!

Erneut geben wir alles, um das Mobil frei zu bekommen, aber anstelle der Richtung zurück, geht es nur wieder weiter nach unten.
Nun liegt bereits die Achse fast auf dem Sand auf und Wohni hat eine bedenkliche Schräglage erreicht.
Na toll!

         
Alles Graben hilft nichts…                                                  Unsere Situation bleibt „festgefahren“, wortwörtlich 🙁

Zurück im Womo rubbele ich mir erstmal die Haare.
Draußen peitscht noch immer er kräftige und frische Wind, der zusätzlich den losen Sand über den Boden jagt und regelrecht vor sich her prügelt.
Und der Sand sammelt sich mittlerweile überall!
Allein der Fußraum und das Cockpit im Wohnmobil sehen inzwischen aus, als hätten wir, nach einem tagelangen Wüstentreck, die Grabkammer von Tut- Ench- Amun gerade geöffnet.
Auch am Körper klebt der Sand.
Ich habe Sand auf dem Kopf, in den Ohren, an den Händen, in den Schuhen und eigentlich überall auf der Haut und zwischen den Zähnen knirscht es auch schon.
Auch habe ich einige feinste Risse in der Haut, besonders an den Beinen und an den Händen hat sich der feine Sand in die Haut geritzt.
Scheiße, wir stecken nun definitiv fest!

Was bleibt uns übrig?
Soll ich das Fahrrad vielleicht abschnallen und zurück zur befestigen Strasse fahren?
Und dann? Dort war nichts, kein Cafe, kein Imbiss oder sonst etwas, was uns vielleicht irgendwie Hilfe vermitteln könnte.
Zumal ich für die Tour zurück bis zum Weg bestimmt erstmal 30 Minuten unterwegs wäre, da ich schwer gegen den Wind anstrampeln müsste.
Ich entscheide mich stattdessen für die „faule Methode“, wofür sind wir denn im Automobilclub?

Ich wähle die Auslandsrufnummer des ADAC und bin kurz darauf verbunden.
Ich erläutere mein Problem und werde dann mit der Dänemark- Abteilung verbunden.
Dort bekomme ich dann aber eine unterwartet harsche Abfuhr.
„Tut uns leid das übernehmen wir nicht, da Sie abseits der Straße gefahren sind“.
Na super! Ist das denn keine Bergung oder so was? Eine Bergung ist doch ausdrücklich in den Vertragsbedingungen mit drin?
Doch mit Argumenten komme ich bei der Ansprechpartnerin des ADAC nicht weiter.
Sie sagt, dass dauernd Touristen im Sand stecken würden und man dieses nicht übernimmt. Punkt. OK, OK hab verstanden.
Die Dame gibt mir aber wenigstens die Telefonnummer des dänischen Automobilclubs, wo ich es auf eigene Faust probieren kann.
Ich müsse aber, darauf weist die Dame explizit hin, alle Kosten selber tragen.
Hrmpf!

Naja, danke und tschüß.
Das ich nun zum aller ersten Mal völlig enttäuscht vom ADAC bin, dass brauche ich wohl kaum zu erwähnen, oder?
Ich probiere die Telefonnummer, die mir der ADAC gegeben hat und komme im ersten Versuch nicht durch.
Schweißperlen vermischen sich mit dem Sand auf meiner Stirn.
„Selbst bezahlen“ klingt ja meist immer dann besonders teuer, wenn man ausdrücklich darauf hingewiesen wird, oder?

Erneut versuche ich es mit der Selbstbefreiung.
Ich geb doch nicht mein Urlaubsgeld für einen pupigen Abschlepper aus!
Diesmal zur Abwechslung mit voller Fahrt voraus und Vollgas im ersten Gang, und wieder geht es auf der linken Seite abwärts.
Nun muss ich sogar unter dem Mobil die Achse freischaufeln. Hoffentlich sind alle Muffen dicht und es kommt kein Sand ins Getriebe!

Es hilft nichts, ich probiere erneut die Nummer des dänischen Automobilclubs und komme auf einmal schon nach wenigen Sekunden durch. Na wenigstens etwas.
Sofort empfängt mich eine freundliche Dame, ich auf meine Frage nach deutscher oder englischer Sprache mit fast perfektem Deutsch antwortet.
Ich schildere mein Missgeschick und sie muss erstmal lachen.
Naja, ich gönne es ihr, Schadenfreude ist ja bekanntlich eine der schönsten Freuden und wenn die gut gelaunt ist, wird es für mich vielleicht nicht so teuer. 😉
Wir telefonieren ein paar Minuten, sie nimmt meine Daten, das geschätzte Gewicht vom Wohnmobil sowie die Daten vom Display unsere Navigationssystems auf (wir stehen übrigens bei N 55.07251° / E 8.49556°, wer da auch gern mal feststecken möchte… 😉 und verspricht, dass sich in Kürze ein Fahrer telefonisch bei uns melden würde, danach warten wir.

Etwa 10 Minuten später klingelt unser Handy und „Danny“ ruft an.
Danny ist unser Abschlepper für heute Abend und fragt wo wir stehen. Auch teilt er mir mit, was die Rettungsaktion kosten wird.
Und dann muss ich schlucken!
1.800 Kronen oder grob im Kopf umgerechnet ca. 230,- € kosten uns die 30 Meter, die uns vom festen Sand hinter uns trennen!! Wow!
230 Euro durch 30 Meter sind 7,60 € pro METER!
Das ist die teuerste Maut, die wir je bezahlt haben!!
Es nützt ja alles nichts, auch verhandeln ist da zwecklos.
Nach kurzem Zögern stimmen wir zu und Danny verspricht, dass er „in einer kleinen Stunde“ bei uns sein wird.

Und dann beginnen wir erneut mit dem Warten.
Warten darauf, dass wir viel Geld bezahlen werden, damit wir endlich wieder einigermaßen festen Sand unter den Rädern haben werden.
Warten darauf, dass wir unseren Urlaub fortsetzen können, der nun eigentlich auf dem Tiefpunkt angekommen ist. Warten darauf, dass ich mich, nachdem wir uns später irgendwann befreit, so richtig schön und nahe dem Herzinfarkt darüber aufregen werde, was ich doch für ein Vollpfosten bin. Es musste ja unbedingt bis ganz dicht dran ans Wasser sein!

Warten ist jedoch etwas, was ich besonders schlecht kann.
Ich gebe sowieso ungern die Kontrolle ab und noch weniger gern bin ich einer Situation wie dieser hilflos ausgeliefert.
Wenn jetzt zufällig jemand des Weges kommt und uns vielleicht so 1.000,- € für das Wohnmobil im aktuellen Zustand bietet, kann er es haben.
Dann sind wir wenigstens wieder frei und können mit 1.000 Euro ein Ferienhaus mieten! 😉
Anja schüttelt verständnislos den Kopf und weist mich darauf hin, dass ich das Wohnmobil streng genommen nicht verkaufen kann!
Die Leser unserer Reiseberichte wissen es sicherlich, nach der nervenaufreibenden Anreise auf die britische Insel im Rahmen unserer Schottlandtour 2007 habe ich Anja das Wohnmobil geschenkt.
Nun, damit hat sie natürlich Recht. Aber wie verdammt noch mal kann sie so ruhig dabei bleiben!!??

Ich muss mich ablenken gehen und versuche erneut mit unserem Klappspaten so viel Sand wir möglich von den Rädern wegzuschaffen.
Wenn nachher der Unimog kommt (so meinte es die Dame am Telefon), dann sollte das Mobil möglichst schon ausgegraben sein.
Wieder peitscht mir der Wind den Sand mit unerbittlicher Härte in den Nacken, dass es sogar weh tut.
Jetzt wäre eine vermummende Wüstenkleidung nicht verkehrt…

Nach dem Graben setze ich mich dann vollends ausgepowert und voller Sand zu Anja in den Wohntrakt des Wohnmobils.
Jetzt können wir eh nur noch warten.

          
Reisestopp: Bei KM-Stand 193.841 endet unsere Fahrt     Aussichtslos im Nirgendwo: Auch das Navi zeigt es an…

Wenigstens schaffen wir es, dass wir uns keine Vorwürfe machen.
Sowas ist passiert und es ist ärgerlich, klar, aber da muss man einfach drüber stehen.
Früher hätte mich meine eigene Dummheit furchtbar aufgeregt, aber zum Glück konnte ich mit dem Sandschippen einen Großteil der Aggression über die Situation abbauen.
Betrachtet man die Sache objektiv, habe ich als Fahrer aber auch viel falsch gemacht:
1. Den Strand überhaupt zu befahren und sich hierbei immer mehr dem Wasser zu nähern
2. zu glauben, dass der ganze Strand bis zum Meer problemlos befahrbar wäre
3. nicht deutlich langsamer zu fahren, um beim ersten Anzeichen von losem Sand gleich anhalten und zurückfahren zu können
4. als wir dann drin waren im Sand: runterschalten und ganz blöd: Einlenken in der Hoffnung „die Kurve“ zu bekommen.
So ein Käse! Hinterher ist man immer schlauer :-/

Nun sitzen wir hier, ganz allein.
Ich gehe erneut eine kleine Runde um das Mobil herum und mache dann aus der Distanz ein paar Bilder.
Unser Wohnmobil sieht aus wie ein betrunkener Elefant in Schräglage und hat so gar nichts Kraftvolles mehr.
Kraftlos und gestrandet trifft es eher. Ja, „gestrandet“ trifft es sogar sehr gut.
Ein wenig erinnert mich unser schräges Mobil an uralte Schiffswracks an der afrikanischen Küste.
Die liegen da auch auf dem Strand herum, rosten vor sich hin und faszinieren mich immer, wenn ich Bilder davon sehe.

(Anmerkung vom 18.01.2010: Ich habe mich entschlossen alle Bilder in voller Größe zu zeigen, um damit die Aussichtslosigkeit und die Einsamkeit so gut wie möglich rüber zu bringen, es folgen daher ein paar große Bilder:)

     Ganz allein gestrandet
Ganz allein gestrandet auf nordeuropas längstem Autostrand…

     Das Meer so nah und doch für uns unerreichbar
Warten auf die Rettung… Unser Wohni hängt wie ein betrunkener Elefant im Sand. 🙁

     Wie in der Wüste: Auch hier ohne Aussicht auf Rettung
Wie in der Wüste: Wohni sieht aus wie ein Tankerwrack irgendwo in Afrika, unerreichbar das rettende Ufer…

     Unser Wohnmobil festgefahren am Sandstrand von Römö
Auf dieser Spur wollte ich raus aus dem Sand, leider hat es nicht geklappt wie man sieht…

In einiger Entfernung entdecke ich einen ausgebauten Kastenwagen, ein Pössl ist dort in Stellung gegangen.
Ich schätze mal, die wollen sich vielleicht den Sonnenuntergang anschauen.
Vielleicht sind sie aber auch hier, um sich das folgende Spektakel nicht entgehen zu lassen.
Ob ich mal rüber gehen soll? Weit wäre es nicht, vielleicht 500 Meter oder so.
Dann lasse ich es aber doch sein. Helfen können sie mir eh nicht.
Aber so bekommen die gleich immerhin eine tolle Show geboten 😉

Endlich kommt der „Unimog“, der sich bei näherer Betrachtung „nur“ als 4-WD- Allrad- Jeep entpuppt. Das ist so einer, der so durchaus auch einer Folge der US- Fernsehserie „Baywatch“ entstammen könnte.
Danny begrüßt mich freundlich und begutachtet zunächst unsere „Leistung“.
„Respekt“ meint er daraufhin mit einem breiten Grinsen, „selten gräbt sich jemand so tief ein“.
Na also, wenigstens das haben wir richtig gemacht…
*Knirsch*

         
Juchu! Rettung naht!                                                          Danny bringt seinen Wagen ins Stellung

Danny packt nun als erstes einen schweren Haken aus seiner Winde und sucht damit am Wohnmobil nach einem Ansetzpunkt.
Unter dem Aufbau findet er am Rahmen den hinteren Abschlepphaken, wo er die Winde einhängt.
Er instruiert mich, dass er nun mit der Winde das Mobil aus dem Loch rausziehen wird. Ich soll einsteigen und im Rückwärtsgang langsam das Gas kommen lassen.

Mache ich sofort
Gespannt warte ich auf dem Fahrersitz mit Fuß auf Gas und Kupplung darauf, dass sich etwas tut.
Und dann tut es einen Ruck im Wohnmobil, wobei ich denke, dass er gleich den Aufbau vom Chassis trennt!
Aber Wohni bewegt sich 🙂
Ich gebe euphorisch Gas und stecke kurz darauf wieder fest.
„Nicht so schnell“ mahnt Danny und lässt die Winde erneut anlaufen.
Diesmal klappt es besser und wir bekommen Wohni bis kurz vor die Schnauze des Jeeps.
Da der Sand hier aber noch immer recht tief ist, wollen wir nun auch das letzte Stück im Rückwärtsgang zurücklegen und so setzt sich Danny ans Steuer des 4- Rad- Antrieblers, dann geht es erneut im Rückwärtsgang los.

         
Danny macht die Winde klar…                                            …und zieht uns erstmal aus dem Loch raus.

Im Spiegel sehe ich, wie bei Danny die Räder durchdrehen und auch Anja wird mir später berichten, dass es kurze Zeit so aussah, als würde auch er sich festfahren.
Das wäre ja was!
Dann aber packen die grob gummierten Reifen des Toyotas und mit vereinten Kräften legen wir die 30 Meter bis zum rettenden festen Sand im Rückwärtsgang zurück.
Ganz vorsichtig, ganz langsam.
Wow, das ist echt ein total komisches Gefühl! Aber ob es aber auch 230,- € wert ist… 😉

         
So, Teil 1 ist geschafft, das Rad wieder frei…                            Wir hängen aber noch „am Haken“, nun folgt Teil 2…

         
Weiter gehts im Rückwärtsgang…                                   bis wir wieder den rettenden festen Sand erreichen, puh!

Das ganze gibt es übrigends auch auf Video! Anja führt Regie und zeigt euch die Befreiungsaktion:

 

Nachdem wir das Mobil nun endlich frei bekommen haben, klären wir mit Danny die Formalitäten.
Natürlich haben wir keine 1800 Kronen in bar dabei uns eine deutsche EC- Karte kann Danny nicht nehmen und davon Geld abbuchen.
Also fährt Danny bis zum nächsten Geldautomaten voraus, der sich wohl wieder in Sonderby befinden soll.
Kleinlaut nehmen wir also im Wohnmobil Platz und fahren Danny hinterher, der zugegeben auf dem Sand ganz schön auf die Tube drückt!
An einigen Stellen habe ich dann sogar noch Sorge, obwohl ich exakt in Dannys Spur fahre, dass wir uns vielleicht wieder eingraben könnten. Warum ist mir dies eigentlich vorhin nicht aufgefallen? Jedenfalls fahren wir nun deutlich vorsichtiger auf dem Sand und mit jedem Meter, den wir uns dem rettenden Asphalt nähern, schwöre ich lauter, dass ich nie wieder einen Autostrand befahren werde. Andererseits: Wenn wir uns jetzt wieder festfahren sollten, ist die zweite Bergung ganz bestimmt gratis… 😉

Endlich! Um kurz nach 8 haben wir das „Abenteuer Autostand“ beendet. Fast 2 Stunden sind hierfür drauf gegangen. Nun sind wir wirklich Urlaubsreif…
Aber das dicke Ende kommt ja noch, ich muss ja noch die 1800 Kronen abdrücken…

Der Schelm im mir überlegt kurz, ob ich einfach versuchen soll „abzuhauen“. Aber mit nur einer Zufahrt zur Insel und einem Toyota 4 WD und sicherlich über 100 PS im Nacken wäre dies wohl ein hoffnungsloses Unterfang 😉

         
Wir folgen unserem Retter Danny nun bis auf befestigte Wege    und danach bis zum nächsten Geldautomaten

Und so fahren wir mit Danny bis zu einem Geldautomaten, wo ich 3000 Kronen abheben kann und dies auch tue.
Und dann gebe ich Danny die 1800 Kronen + 100 Kronen Trinkgeld wohl wissend, dass dies über 10,- € sind.
Aber um die Uhrzeit noch raus zu müssen, „dumme Touristen“ einzusammeln und dabei dennoch überaus freundlich zu bleiben, finde ich für umgerechnet 13 €uro durchaus angemessen.

Danny bedankt sich mehrfach (damit hat er nicht gerechnet und er freut sich sichtlich darüber!) und ist kurz darauf genauso schnell verschwunden, wie er vorhin aufgetaucht war.
Zurück bleiben wir und ich fühle mich ein wenig „allein“ irgendwie.
Zwar frei, aber dafür mit einer leergeräumten Urlaubskasse.
Scheiße.

         
An einem Geldautomaten hole ich die „Havariegebühr“    Was vom Tage übrig blieb: Ich, eine Quittung und -1800 kr

Anja ist es mal wieder, die die Situation zu retten vermag.
Sie meint ganz trocken: „Dann können wir ja jetzt endlich nach Lakolk fahren und uns dort umsehen, ein wenig Zeit haben wir ja noch“.
Unglaublich diese Frau! Für sie ist das Ereignis längst abgehakt und erledigt, sie will jetzt weiterreisen.
„Wie geht das?“ frage ich.
„Was denn?“ bekomme ich als Frage zur Antwort.
Aber Recht hat sie!
Ich starte den Motor und wir fahren (mit viel Abstand zum Strand 😉 zurück zur Hauptstraße.

Dort fahren wir wieder am Kommadogarden- Campingplatz, dem SPAR- Supermarkt und der Touristeninfo vorbei, bis wir gegen 20 nach 8 bei Kongsmark links in Richtung Lakolk abbiegen können.

Und jetzt, am Abend, genieße ich zum ersten Mal ein ganz klein wenig unseren Aufenthalt auf Römö!
Der Wind hat endlich deutlich nachgelassen und auch die Wolkenfelder über uns sind wohl durchgezogen. Weiterhin zeigt sich die Sonne von ihrer schönsten Seite und taucht den Abend in ein leichtes Rot, welcher von den schönen urtypischen dänischen Holzhäuschen fast schon romantisch zurück geworfen wird.
Richtig erhaben.
Auch bin ich total froh, dass ich keinerlei Spuren unseres Malheurs am Fahrverhalten erkennen kann.
OK, natürlich ist der Sand überall um uns herum sichtbar, aber das meine ich gar nicht!
Ich bin froh darüber, dass unser Wohnmobil nach wie vor 1a geradeaus fährt, nicht schlingert und auch sonst keine Beschädigungen aufweist. Es scheint fast so, als sei der kleine Ausflug in den Sandkasten ohne Folgeschäden von statten gegangen. Gut, ich werde morgen bei Tageslicht sicherlich noch einmal unter das Fahrzeug gucken, aber im Moment sieht es nicht danach aus, als hätten wir Probleme zu erwarten. Das freut mich natürlich!

           
Überall „klebt“ der Sand: Im Fussraum…    …auf der Ablage…                    und auch unser Schutzengel steht im Sand

In Lakolk angekommen, prüfen wir den zweiten zur Verfügung stehenden Campingplatz.
Diesen haben wir auf Anfrage im Forum empfohlen bekommen, zumal sich dieser sehr nah am Strand befinden soll und darüber hinaus rund um den Campingplatz und im Örtchen Lakolk einige Geschäfte und Buden zum Bummeln und Shoppen einladen.
Wir haben Bilder im Internet gesehen, was uns schonmal sehr gut gefallen hat.

In Lakolk angekommen ist dann aber die Enttäuschung groß!
Zwar finden wir auf Anhieb den Campingplatz „Lakolk Strand Camping“, aber auch hier bietet sich das gleiche verwaiste Bild, welches wir auch in Sonderby aufgenommen haben.
Absolut tote Hose!
Besonders die „kleine Einkaufsmeile“ vor dem Campingplatz wirkt verlassen, alle Geschäfte haben geschlossen.
Und es sieht auch nicht danach aus, als wäre hier zum Beispiel am morgigen Tag mit der Rückkehr von Leben zu rechnen.
Ja Zapperlot! Sind wir denn so früh im Jahr unterwegs, dass hier rein gar nichts los ist?

         
Unterwegs in Lakolk am Abend…                                       …die „Touristenmeile“ bei Lakolk: Leer und verwaist 🙁

Enttäuscht fahren wir in Lakolk (gibt übrigens noch eine Ampel auf Römö, hier in Laklok steht sie 😉 wieder zurück in Richtung Hauptkreuzung. Dort werden wir dann zum letzten Campingplatz einschwenken, den „Römö Familie Camping“ bei Toftum.
Dieser akzeptiert wenigstens die ACSI- Karte und ist somit unsere Wahl für den Rest unseres Kurzurlaubs auf Römö.
Ob wir nun bei toter Hose in Laklok, Sonderby oder Toftum stehen, ist wohl einerlei.
Und vom Strand habe ich ehrlich gesagt genug gesehen, dafür muss ich nicht den teureren Campingplatz bei Lakolk bezahlen.
Auch meine ich mich dunkel daran zu erinnern, dass unser Vorbesitzer unseres braven Wohnis den Familie Camping bei Toftum hier auf Römö empfohlen hat und er mehrfach mit Wohni dort vor Ort war.
Wer weiß, vielleicht erkennt unser getreuer Wohni ja den Ort wieder und verzeiht uns den kleinen unfreiwilligen Ausflug in den Römö´schen Sand? 😉

Gegen kurz nach halb 9 erreichen wir Toftum und finden natürlich auch ohne Probleme den letzten zur Verfügung stehenden Campingplatz auf Römö, den Rømø Familie Camping.
Das Einchecken funktioniert problemlos, wir können uns auf der großen Wiese selbst was aussuchen. Das mag ich ja immer besonders gern.

         
Unterwegs nach Toftum…                                                  …wir erreichen den „Römö Familie Camping“ 🙂

Nach dem Einchecken komme ich dann natürlich noch mit unserem Rezeptionisten ins Gespräch.
Ich erzähle ihm von unserem Strandabenteuer und er ist der dritte an diesem Tag, der neben der Dame vom dänischen Automobilclub und unserem Bergungs- Spezi Danny über unser Missgeschick grinsen kann. Kommt also definitiv öfters vor…
Ich gönne es natürlich auch ihm.
Nur seine Antwort lässt mir daraufhin fast den Herzschlag stocken, denn er meint, dass auch der Besitzer der Tankstelle so einen 4- Radler habe und damit im Sommer die Touristen vom Strand zieht.
Bei ihm kostet das mit der Bergung so um 60,- €…

Wisst ihr was, ich gönne es allen!
Und von mir aus dürfen die auch gern daran verdienen, wenn „dumme Touristen“ den Strand befahren.
Und auch Danny hat irgendwo das Geld im Rahmen seines Jobs verdient, denn er hat die Dienstleistung erbracht, für die wir ihn bezahlt haben. Das darf und muss man völlig nüchtern sehen. Und böse auf ihn oder auf den Automobilclub bin ich nicht.
Warum auch?

Aber was mich bei dieser ganzen Sache echt ein wenig ärgert ist der Umstand, dass man hier wissentlich immer wieder Touristen in die Falle laufen lässt.
Und das ist der Grund, warum ich Römö wohl nur dieses eine Mal besuchen werde!
Ich bin natürlich schuld, dass wir im Sand stecken geblieben sind, ganz klar!
Aber die Touristenverwaltung hat dies gebilligt!

Wie ich das meine? Nun: Wo sind die Hinweisschilder?
Ich meine es gäbe genügend Möglichkeiten am Zugang und sogar noch am Strand selber Schilder aufzustellen, die einen vor den Tücken des tieferen losen Sandes warnen.
Ich habe extra an der Zufahrt angehalten, habe auf die Schilder am Strand geschaut, da war nichts darüber zu finden!
Am Strand finden sich auf dem ganzen Weg von der befestigten Straße bis zu unserem Unglücksort wie Perlen auf einer Schnur in den Sand gerammte Holzpflöcke.
Es wäre doch ein leichtes dort wenigstens EIN Schild aufzustellen, auf dem ein Bild mit einem durchgekreuzten Auto zu sehen wäre.
Oder eine Warnung, dass man nur mit 4- Rad- Antrieb weiter fahren soll.
Irgendwas!

Aber das hat man hier scheinbar nicht nötig.
Im Gegenteil!
Ich wage zu behaupten, dass man hier um die steckenden Touristen weiß und es billigend in Kauf nimmt.
Selbst in den Infoblättern, die wir hier bekommen haben und die ich später auf dem Klo noch ausgiebig studieren werde, findet sich nirgendwo ein Hinweis auf die Tücken des „längsten befahrbaren Strands Europas“.
Finde ich wirklich nicht in Ordnung!
Für mich mag noch gelten, dass ich vorab um die Gefahren gewusst habe und es dennoch ignoriert hab.
Aber der Familienvater mit seinem PKW, der unbedarft an den Strand fährt, um dort mit der Familie nah am Wasser zu stehen, der hat am Ende das böse Erwachen! Das finde ich nicht in Ordnung.
Ich werde später noch in den Infoheftchen nachschlagen und darin lesen, wie mit dem Autostrand geworben wird. Auch einige Bilder sind dabei, wo die Familien mit ihren Wohnwagen und Wohnmobilen idyllisch am Wasser stehen. Das weckt doch Begehrlichkeiten! Aber findet sich auch nur EIN Hinweis im Infoheft? NEIN! Und das finde ich nun einmal nicht in Ordnung!
Gut, es stehen natürlich Hinweise im Heftchen drin, wo man fahren darf und wo nicht. Aber diese dienen nicht der Fahrsicherheit oder der Sorge um feststeckende Touristen, sondern sind nunmal die ausgewiesenen Naturschutzgebiete oder Badebereiche. In diese sind wir ja aber auch gar nicht eingefahren, sondern waren wirklich nur auf dem offiziell zum Befahren zugelassenen Strand unterwegs. Also bitte, wo ist der Warnhinweis?

Naja, vielleicht spricht auch nur der Frust aus mir und in ein paar Wochen, wenn wir wieder zuhause sind, lache ich darüber.
Schön wäre es ja.
Im Moment allerdings bleibt mir nichts anderes übrig, als diese Erfahrung unter „Lehrgeld“ abzuhaken und für die Zukunft einfach befahrbare Strände zu meiden.
Zwei Mal haben wir dies nun schon gemacht. Einmal ging es auf Fanö gut, einmal war es jetzt auf Römö eben Pech. Sowas passiert.

Wir kurven auf den Campingplatz und suchen uns ein nettes ruhiges Plätzchen relativ zentral beim Empfang und kleinen Supermarkt, obwohl wir mit dieser Platzwahl eigentlich relativ weit weg vom Sanitärgebäude stehen.
Aber uns war eine freie Fläche vor dem Wohnmobil sehr wichtig, die möglichst tagsüber komplett mit Sonne aufwartet. Hier auf der großen Wiese stehen wir nun so, dass wir mit etwas Glück den ganzen Tag eine mögliche Sonne vor dem Wohnmobil auch genießen können.

         
Der erste Eindruck vom Campingplatz                                wir suchen uns was nettes auf der weitläufigen Wiese

Der erste Weg führt nun natürlich zu den Servicehäusern, auf die Toilette und dann zu den Duschen. Der Sand klebt noch immer überall am Körper und besonders auf der Kopfhaut ist dies ziemlich unangenehm.
Die Servicehäuser gefallen uns ganz gut. Zwar sind sie schon etwas älter, aber dafür ganz gut erhalten, sauber und gepflegt. Es gibt ausreichend Duschen ohne Zeitlimit gratis und auch Toilettenpapier ist im Spender vorhanden. Die „Basics“ passen also und das ist die Hauptsache.
So ist es natürlich kein Wunder, dass wir lang und ausgiebig duschen und uns den Sand vom Körper spülen. Danach geht es mir schon deutlich besser!

         
Jetzt erstmal duschen! Ab zum Servicehaus!                     Die Einrichtungen sind in Ordnung! Hier die Duschen…

         
…und hier die Sanitärreinrichtung. Quantität…                   …und Qualität stimmen! Sehr schön! 🙂

Im letzten Rest des Tageslichtes schnappe ich mir dann sogar noch unseren Staubsauger, um das Mobil vom gröbsten Dreck zu befreien. Immerhin hatten wir nicht vor, im Alkoven eine „strandähnliche Atmosphäre“ zu verbreiten 😉

Als Anja dann vom Duschen zurück kommt, machen wir es uns ein wenig gemütlich und kuscheln uns im Wohnmobil zusammen.
Wir haben es sogar, trotz des auffrischenden Windes, geschafft unsere Satschüssel zu positionieren. Zwar habe ich ein paar Bedenken, dass diese bei noch stärkerem Wind vielleicht herunter fällt, aber so können wir uns wenigstens bei den abendlichen Klängen des vertrauten deutschen Fernsehprogramms entspannen.

     Abend auf dem Campingplatz
Campingidylle am Abend: Hinter den Bäumen geht die Sonne unter

„Aha- Effekt“ des Tages:
Die Griechen in Deutschland leben wohl offenbar alle in Norddeutschland?!
Bei unserem Besuch in Husum, aber auch auf der weiteren Reise durch die norddeutsche Küste ist es uns aufgefallen. Auch bestätigt diese Beobachtung das, was wir schon bei früheren Reisen bemerkt, es aber nicht so recht aktiv bewertet haben.
Nun aber war die Konzentration so hoch, dass es uns doch „bewusst“ aufgefallen ist.

Bei uns im Rheinland musst du ein gutes griechisches Restaurant wirklich mit der Lupe suchen! Aber auch die „einfachen Gyrosbuden“ sind nach und nach verschwunden. Dafür hat sich allerdings die Popularität der Dönerbuden drastisch erhöht.
Wo sind die ganzen Griechen, die sich hier, zu Zeiten eines deutschen Wirtschaftswunders, eine kleine Existenz aufgebaut haben?
Wieder zurück in Griechenland? Zu verdenken wäre es ihnen sicherlich nicht.
Schade ist es nur, dass wir deswegen immer seltener in den Genuss eines leckeren Gyros kommen oder für einen griechischen Abend einige Kilometer zurücklegen müssen.

Im Norden hingegen ein vollkommen anderes Bild: Denn die Dichte an griechischen Restaurants oder einfachen Gyros- Grills ist extrem hoch wie wir finden.
Vielleicht ein Zeichen dafür, dass es sich im Norden besser leben lässt, als in den Ballungszentren der Mitte Deutschlands?

Tagesstatistik:
Km- Stand bei Abfahrt: 193.625
Km- Stand bei Ankunft: 193.863
Gefahrene Kilometer: 238 (davon etwa 5km auf Sand und davon wiederrum ca. 40 Meter geschleppt 😉

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