Die Nacht war angenehm.
Es war ruhig auf den Platz, wir haben gut geschlafen.
Einzig ein wenig in der Nacht eingesetzter Regen vernieselt uns nun den Frühlingsmorgen.
Davon lassen wir uns aber nicht abschrecken und machen einfach das beste draus.

Nur der Eindruck vom Platz Michelangelo verschlechtert sich erneut.
Kann sein, dass dies daran legt, dass wir heute auf den Platz nicht mehr angewiesen sind und abreisen.
Kann aber auch sein, dass es daran liegt, dass die Waschräume noch immer nicht gereinigt wurden. 🙁
Die Toiletten sind noch genauso versaut, wie sie es gestern Abend waren.
Auch die Duschen sehen nicht besser aus.

Mein Unmut über diesen Platz kann natürlich auch daran liegen, dass der kleine Shop keine Brötchen hat, die Körbe sind leer.
Auch genau so, wie gestern Abend.
Und so frühstücken wir in Ermangelung geeigneter Panini halt ein vernünftiges deutsches Schwarzbrot.
Ist ja auch nicht schlimm.

         
Der nächste Morgen: Alles nieselig           Menschenfrühstück…                      …Katzenfrühstück. Zumindest theoretisch.

Das mit den fehlenden Brötchen kann ich ja noch verschmerzen, dass die Waschräume nicht gereinigt wurden, allerdings nicht.
Im Moment rangiert dieser Platz beim Thema Wohlfühlfaktor ganz unten und reiht sich schon fast auf dem gleichen Niveau ein, wie einst der Platz in Fortrose in Schottland.
Beide beschließen wir hier weder zu duschen noch ein weiteres Mal die Toiletten aufzusuchen, wir werden noch zu Ende frühstücken, dann einpacken und abdüsen.

Und obwohl wir eigentlich schon abgeschlossen hatten, fällt der Campingplatz tatsächlich noch ein weiteres Mal schwer in meiner Gunst.
Denn aus einem uns nicht näher bekannten Grund fällt bei Einsatz unseres Wasserkochers jedes Mal die Sicherung im Stromkasten ab, sodass wir das Kaffeewasser mit dem Wasserkocher nicht aufkochen können.
Auch ein Wechsel der Dose im Sicherungskasten funktioniert nicht, kaum ist die Lampe am Wasserkocher 2 oder 3 Sekunden an, da fällt auch schon wieder die Sicherung im Stromkasten.
Bravo!
Also kochen wir das Kaffeewasser für Anja auf Gas.
Wir haben davon ja genug, ist ja nicht wie bei „arme Leute“ hier…

Nach dem Frühstück fahren wir ein paar Meter vor zur Wasserentnahmestelle.
Wir füllen den Wassertank komplett auf, da wir noch nicht wissen, wo wir heute Nacht stehen werden.
Auch den Abwassertank entleeren wir über einen dafür bereit gestellten Bodengulli, die VE ist gleich bei uns um die Ecke.
Danach packen wir allmählich unsere restlichen Sachen zusammen und machen uns reiseklar, der Toskana- Auftakt mit Florenz neigt sich dem Ende zu.

         
An der „Wasserstelle“ des Campingplatz Michelangelo        hier die Einfahrt zur Entsorgungsstation (auch mit Bodenluke)

Abschließend ein paar Worte zum Campingplatz Michelangelo in Florenz:

(Anmerkung vom 27.11.08 Ich wollte es eigentlich ins Fazit schreiben, aber diese Zeilen schrieb ich, als wir an diesem Abend im Wohnmobil zusammen saßen. Da es wirklich den unverfälschten aktuellen Momenteindruck wiedergibt, bitte ich um Nachsicht, dass die Campingplatzbewertung an dieser Stelle erscheint, aber es passt einfach besser hier hin…)

Der Platz ist definitiv Fluch und Segen zugleich!
Einerseits Segen, weil er nun mal optimal an der Stadt gelegen ist.
Wo sonst steht das Wohnmobil sicher, während wir uns zur Stadtbesichtigung aufmachen können?
Und die Stadtbesichtigung ist von hier aus sogar per Schusters Rappen problemlos möglich (zumindest der Abstieg…).
Andererseits ist der Platz auch „Fluch“, weil das Ding so sauteuer ist!
Und nicht nur das, durch die marktbeherrschende Stellung könnten die Eigentümer sicherlich auch problemlos 50,- €  pro Nacht verlangen, die Leute würden es trotzdem bezahlen.
Es gibt einfach keine Alternative und die Betreiber wissen das.
Zwar sind einige der Plätze wirklich schön, die Anlage wirkt darüber hinaus auf den ersten Blick auch gepflegt, aber in den Serviceräumen könnte auch gern mal nachmittags feucht durchgewischt werden.

Besonders wenn der Platz wie bei unserem Besuch deutlich über die Hälfte gefüllt ist und trotzdem ein kompletter Block des Servicehauses gesperrt ist.
Was wir mittags an Dreck am Boden fanden, hatte am Abend bereits neue Freunde hinzugewonnen, es war wirklich ekelig.
So ganz anders und im krassen Kontrast zum kleinen aber feinen Servicehaus der vergangenen Nacht auf dem Campingplatz „Il Sergente“.
Wir haben uns daher entschieden (trotz magerer bordeigener Ausstattung) doch lieber die bordeigenen Service-Einrichtungen zu nutzen.

Auch der schlecht sortierte und dafür mit Wucherpreisen ausgerüstete Campingplatzsupermarkt sei hier nochmals erwähnt!
Wir als Wohnmobilfahrer (und sicherlich auch noch die Wohnwagenfahrer) haben ihre Vorräte i.d.R. ja dabei und können sich behelfen, aber was machen z.B. die Wanderer und Zelttouristen, die sich auf ihrem (mitgeschleppten) Gasbrenner ein karges Mahl zubereiten wollen?
Hier wird ebenfalls gnadenlos ausgenutzt, dass wenn man einmal auf dem CP angekommen ist und nicht mehr weg möchte, es keine nennenswerte Alternative auf Selbstversorgung im Umkreis zu finden gibt.

Wie gesagt, Camping Michelangelo ist Fluch und Segen zugleich.
Man kommt daran mangels Alternative nicht herum, wenn man das Pflichtprogramm Florenz als Campingtourist besuchen möchte.
Zwar gibt es im äußeren Ring um Florenz wohl noch mindestens 2 weitere Campingplätze, aber nach der am PC und auf der Karte eruierten Lage stellen diese für kurzentschlossene Besucher (wie wir) mit wenig Zeit (auch wie wir) keine wirklich Alternative dar.
Vom Campingplatz (z.B. Firenze statt Michelangelo) aus 30 Minuten mit dem Bus in die Stadt fahren? Nein danke!

Man arrangiert sich also am besten gleich im Vorfeld mit der Situation, man muss hier ja nicht den ganzen Urlaub verbringen.
Die einzige Alternative (jetzt mal auf einen allgemeinen Florenzbesuch bezogen) wäre nur noch die Kombination Hotel + Billigflieger.
Recherchen hierzu hatten allerdings ergeben, dass Hotels kaum unter 70 – 90 € die Nacht zu bekommen sind (und somit eigentlich deutlich über unserem 50,- € – Limit!) und diese Zahlen sind auch schon gut 1 Jahr alt.
Aus diesem Blickwinkel gesehen wirken die 34,40 €, die wir für eine Nacht gezahlt haben dagegen sogar noch günstig!

         
Letzte Amtshandlung auf dem CP: Auschecken! Tschö!       Dann geht es wieder los, hier durch den quirligen Florenzverkehr

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Danach geht es gegen viertel vor 12  wieder los in Richtung Toskana, juchu!
Florenz ist nun abgehakt, das „Pflichtprogramm“ erfüllt, nun kommen die Schönheiten der Toskana, wir wollen Land und Leute sehen, uns an der Natur und niedlichen kleinen Natursteinbauten erfreuen, kleine Dörfer besichtigen, an echten Olivenhainen schnüffeln und knorrige Zypressen umarmen.

Hierfür lautet unser erstes Ziel Greve in Chianti, ein kleines Städtchen, welches uns von vielen Reiseführern wärmstens empfohlen wird.

Und noch eine Sache wollen wir erwähnen.
Wir hatten Greve zuerst auf dem Navi ganz normal programmiert.
Dann aber meinte Anja nach Konsultierung der Reiseführer, dass es ganz besonders schön sein soll, wenn man die SS 222 herunter fährt. Diese sei eine interessante und schöne Touristenroute.
Der Reiseführer aus dem WOMO- Verlag behauptet sogar, dass man nicht in der Toskana war, wenn man diese Straße nicht entlang gefahren ist.
Das wollen wir natürlich auf keinen Fall riskieren… 😉
Also gut, programmieren wir das Navi neu.
Es hätte uns sonst tatsächlich auf dem direkten Weg nach Greve geführt und das wäre schlecht gewesen.

Nach Greve ist es zum Glück nicht sehr weit, etwa 30 Kilometer trennen uns von unserem ersten Reiseziel für diesen Tag.
Das Wetter ist etwas traurig, die dichten Wolken der Nacht und des frühen Morgens hängen nach wie vor über uns und auch der Boden ist von den kleinen Regenfällen der letzten Nacht noch feucht.

Auch müssen wir eingestehen, dass die Landschaft zwar toll auf uns wirkt, aber der triste Winter diesen Abschnitt der Toskana noch immer fest im Griff hat.
Zwar liegt kein winterlicher Schnee, aber es ist schon etwas frisch und auf den höheren Hanglagen ist das Grün noch nicht grün, sondern noch total braun.
Die Kombination grauer Himmel und braune Natur wirkt natürlich ziemlich trostlos und der von uns so sehnlichst erwartete Frühling bleibt ein weiteres Mal leider aus.
Das ist natürlich schade und zum ersten Mal auf dieser Reise glaube ich, dass es vielleicht besser gewesen wäre statt März bis April zu warten.

Dennoch knipsen wir wie wild während der Fahrt, um auch diese Eindrücke der Toskana einfach mal kommentarlos festzuhalten:

    

    

    

Greve in Chianti:
Bereits um 20 nach 12 rauschen wir am Ortseingangsschild vorbei.
Kurz darauf entdecken wir ein Womo- Piktogramm an einem Schild.
Da wir nicht wissen, wo wir sonst parken sollen, folgen wir diesem einfach mal.
Anja hat natürlich auch den Reiseführer parat und berichtet mir von mindestens zwei möglichen Stellplätzen in Greve.
Mal sehen, wo uns der offiziell ausgeschilderte Platz hinführt…

Wir finden den Stellplatz übrigens auf Anhieb, er ist für italienische Verhältnisse wirklich hervorragend ausgeschildert!
Alternativ kann man aber, wenn man wider Erwarten doch kein Womo- Piktogramm findet, auch der Beschilderung zum Schwimmbad folgen.
Am Schwimmbad findet sich dann ein kleines Rondell mit ausweisenden Parkbuchten, die für Wohnmobile reserviert sind.
Hier passen locker 15 Mobile hin, zur Versorgung gehört ein Frischwasseranschluss und ein paar Mülltonnen finden sich auch.
Ob man hier auch sein Grauwasser entsorgen kann weiß ich nicht so genau, da wir keinen entsprechendes Schild gesehen haben. Aber in Italien muss das ja nichts heißen…
Parken ist hier übrigens kostenlos, was ich mal für eine tolle Sache halte.

Der Platz selbst ist nahezu leer, nur zwei weitere Wohnmobile befinden sich hier.
Wir parken etwas abseits, sichern alle Türen, Luken und Fenster, schalten die Alarmanlage scharf und instruieren Sergeant Minki und Corporal Dori, dass sie doch bitte in unserer Abwesenheit das Wohnmobil zu bewachen hätten.
Das uns entgegengebrachte schläfrige Augenzwinkern aus dem Alkoven interpretieren wir dann auch folgerichtig als „Jawohl Herr und Frau General!“ 😉

Gut, ich gebe zu, ein wenig mulmig ist mir schon!
Immerhin lassen wir nun unser Wohnmobil zum ersten Mal allein auf einem öffentlichen Platz hier in Italien zurück.
Unsere anderen Plätze dieser Reise waren bislang allesamt auf einem Campingplatz, da habe ich weniger Bedenken, aber hier mitten auf einem normalen Stellplatz?
Hoffentlich bricht keiner in unser Wohnmobil ein!
Man kennt ja das Klischee von Italien und den Dieben, die sich dort rund um die Autobahnraststätten in Mailand tummeln.
Ob davon vielleicht einer nach Greven strafversetzt wurde oder die Mailänder Autobahndiebe hier eine Außenstelle vorhalten?
Was passiert, wenn wirklich jemand die Scheibe einschlägt?
Sind unsere Sachen dann weg?
Oder schlimmer: Hauen unsere Katzen dann vielleicht durch die zerschlagene Scheibe ab?

Letzteres können wir auf keinen Fall gebrauchen, diese mögliche seelische Grausamkeit müssen wir unter allen Umständen verhindern!!
Also schnappen wir uns die „lange Leine“ und verbinden die Katzen mit dieser.
Somit können diese zumindest nicht abhauen, wenn Türen oder Fenster geöffnet werden.
Beigeistert ist unsere Schutztruppe davon nicht gerade, aber das Gefauche wird einfach ignoriert, wär ja noch schöner, wenn wir uns davon beeindrucken ließen…

         
Beschilderung zum Stellplatz                                                   und die Zufahrt zum Stellplatz in der „Via Montebeni“

         
Blick über den Stellplatz                                                          auch für uns findet sich ein kostenloses Plätzchen

Dann aber geht es los das kleine Greve in Chianti zu erkunden, unser erstes richtiges toskanisches Städtchen!!!
Zuerst wissen wir gar nicht so recht, wo wir lang gehen sollen.
Wir orientieren uns grob an der Hauptstraße und stoßen dann auf 2 Polizisten, die hier zufällig Wache stehen.
Wir fragen nach dem Weg ins Zentrum: „Scusi la senso citta?“
Irgendwas mit „Diritto“ ist die Antwort, also wohl nur „immer geradeaus“ oder besser „immer der Nase nach“.
Geht doch die Kommunikation auf italienisch, das war schonmal einfach…

         
Unsere ersten Eindrücke von Greve                                       gibt sogar einen Supermarkt gleich an der Hauptstraße

Wenige Minuten später finden wir dann den kleinen Marktplatz, die Polizisten hätten wir wirklich nicht fragen brauchen…
Man braucht vom Stellplatz aus wirklich nur zurück zur Hauptstraße und dann geradeaus in Richtung „Rom“ zu gehen. Man findet den Marktplatz dann auf der rechten Seite hinter einer Häuserreihe.

Als erstes sticht mir gleich wieder ein Kunstobjekt der in Florenz so häufig vorgefundenen „Schniedelfraktion“ ins Auge.
Ein hohler Bronzekorpus ohne Arme, Beine oder Kopf, dafür aber mit einem Gehänge, welche s man aber zur Abwechslung endlich mal auch als solches identifizieren kann.
Aha!

         
Wir erreichen den zentralen Platz von Greve                         mit Pullermann vor dem Rathaus

Natürlich hat der kleine Marktplatz ein klein wenig mehr zu bieten und so schauen wir uns zunächst einmal um.
Der Platz in der Mitte ist großzügig angelegt, in der Mitte sind Parkplätze ausgewiesen.
Der Reiseführer erwähnt sogar, dass man hier früher mal mit dem Wohnmobil parken konnte.
Und ich muss zugeben, dass dies sicherlich ein ganz tolles Fotomotiv wäre, allerdings ist die Zufahrt zum Marktplatz für Busse, LKW und Wohnmobile offiziell laut Schild verboten!
Daher kommen das Fotomotiv Marktplatz und unser Wohnmobil leider nicht zusammen.
Macht aber auch nichts.

Rund um den Marktplatz haben sich wie in einem Viereck mehrere Geschäfte angesiedelt, diese sind durch überhängende Vorbauten ihrer Hausbauten wie in einer Galerie oder besser wie in einer Art Kreuzgang geschützt.
So kann man auch bei Regen einkaufen, bummeln oder sich unterstellen.
Was mir hierbei besonders auffällt: Kein Graffiti!
Solche Fassaden wären bei uns ein gefundenes Fressen für Sprayer und Schmierer und ich bin echt erstaunt, dass man das Problem hier im Griff zu haben scheint. Wahrscheinlich wird man gleich von der Mafia erschossen, wenn man hier nur einen Edding zückt… 😉

         
Die ersten Eindrücke von Greve: Ein weitläufiger Platz           mit vielen kleinen Geschäften unter Bogengängen

          
Immer wieder zweigen einzelne Gassen ab                              liebevoll ist alles erhalten und urig hergerichtet

Wir bummeln also erstmal ein wenig an den Geschäften vorbei und bewundern die ausgelegte Ware.
Zum Glück ist relativ wenig „Souvenir“ dabei, man kann neben Mitbringseln für Daheim auch einfache Gegenstände wie zum Beispiel Korbwaren, Kleidung, Blumen oder auch Lebensmittel finden. Zum Angebot des letzteren Punktes gehört übrigens auch ein Metzger, was mir für eine kleine Mittagsspeisung ganz gut schmecken würde.

Zu unserem Pech ist gerade Mittagszeit und hier ist im Moment „Siesta“ oder sowas.
Die meisten Geschäfte haben zu.
Auch der Metzger, übrigens die berühmte Metzgerei Macelleria Falorni, die in eigentlich allen mitgeführten Reiseführern besondere Erwähnung findet , hat zur Mittagszeit leider geschlossen.
Wir schauen trotzdem in die Schaufenster und drücken uns die Nase platt.
Im Schaufenster des Metzgers kann man so manchen Zeitungsartikel (auch in deutsch!) über das Geschäft finden.
Auch der wuchtige massive Holztisch vor der Eingangstür der Metzgerei erregt unsere Aufmerksamkeit.
Wofür der wohl gut ist? Zum dran sitzen ist der eigentlich zu hoch, zum dran stehen ist er eigentlich zu tief. Oder ist das ein italienischer Holztisch?
Später werden wir noch herausfinden, dass man hieran wohl frisches Spanferkel verteilt, schade, dass wir nicht in den Genuss eines solchen kommen, denn laut Öffnungszeiten ist hier erst wieder ab halb 4 (das ist aber eine lange Mittagspause 😮  ) wieder offen.
Wir haben aber nicht vor uns hier 3 Stunden lang aufzuhalten, daher spazieren wir weiter.

         

         
Anja vor der berühmten Metzgerei Falorni                  durch das Fenster schauen wir dem Schinken beim Abhängen zu

         
Weitere Eindrücke der Auslage                                          Zu entdecken gibt es überall was

         
Hier eine Auswahl vom Blumengeschäft                          Eine Orchidee?

         
flauschige Blumen wie aus der Lenor- Werbung…           und einfache Gewächse

     so stellen wir uns die Toskana vor
Mal ehrlich, ist das nicht „typisch toskanisch“ und wie aus dem Bilderbuch?

Vom Metzger aus geht es nun an einem Korbwarengeschäft und einem Blumengeschäft vorbei, während uns aus Richtung Kirche eine Gruppe lärmender Schulkinder im Alter von ca. 10-14 Jahren entgegen kommt.
Schätzungsweise haben diese gerade Schulschluss und die Mutti dürfte zuhause mit einem dampfenden Topf Nudeln auf die Kiddies warten.
Aber etwas stört mich an diesem Bild.
Denn die meisten Kinder scheinen an Mamas Nudeln vom heimischen Herd gar nicht interessiert zu sein!
Stattdessen haben gut 3/4 der Kinder kleine Papiertücher in den Händen, wo sich jeweils ein gutes Stück einer bis zu uns duftenden Pizza befindet.
Exakt so, wie man sich ein Viertelstück Pizza in seiner Phantasie vorstellt: Leckerer Boden, saftiger Belag und geschmolzener fädenziehender Käse mit etwas Oregano oben drauf.

Schlagartig bekomm ich natürlich auch Bock auf so ein Stück Pizza und auch Anja hat meinen innigen Wunsch verstanden, ohne dass wir uns hierfür hätten mit Worten austauschen müssen.
Beide schauen wir fieberhaft umher und versuchen den Ursprung der Kinderkolonne auszumachen.
Ob es auffällt, wenn ich dem schmatzenden Knirps schräg vor mir einfach die Pizza abnehme?
Ich bin locker 3 Köpfe größer wie er, wenn ich die Pizza schnell verschlinge, kann er soviel rum krakehlen und um mich herum hüpfen wie er will, er käme an die Pizza nicht mehr dran… 😉

Zum Glück ist der Platz vor der Kirche recht überschaubar und wir erspähen schräg rechts von uns in einer vom Marktplatz abgehenden Seitengasse einen kleinen Laden, wo hungrige Kinder rein und kauende Kinder mit Pizza auf der Hand heraus kommen.
Aha!

         
Von rechts kommen die Kinder mit der Pizza *auchwill!!*          klein und unscheinbar: der Pizzaverkauf in der Via Garibaldi

Also nichts wie hin und in die kleine Schlange an der Türschwelle eingereiht, der Laden ist gut gefüllt!
Eine klassische Pizzeria ist dies entgegen unserer ersten Erwartung auch nicht.
Ganz im Gegenteil! Normalerweise ist Italien und die Toskana ja eher das Land, wo man eine gewisse „Entschleunigung“ erwartet.
Also man kommt zur Ruhe, setzt sich hin, genießt einen Wein und seine Pizza und so.
Aber hier gibt es kein Lokal!
Es gibt nur die Theke und den riesigen Ofen im Hintergrund, in den ein dicker Mann mit Ähnlichkeit zu „Super Mario“ unablässig Pizzastücke in den Schlund des Ofens schiebt oder heraus balanciert.
Vorn bedienen dann zwei fesche Italienerinnen die Gäste, Pizza gibt es hier an der Theke tatsächlich nur „auf die Hand“.

Die Auswahl ist bescheiden, besteht eigentlich nur aus fertigen Pizzen, die wie gesagt ganz frisch aus dem Ofen kommen und gleich, so wie sie sind, weggekauft werden.
Wir schaffen es uns 2 unterschiedliche Stücke zu sichern, ich bekomme eine Pizza Würstel, Anja ergattert eine Pizza Tomate-Mozzarella.

         
Im Inneren: Nur „To-Go“, kein Lokal                                        egal! Das ist unsere herrlich duftende Ausbeute!

Wieder draußen vor der Türe halten wir dann breit grinsend beide ein dampfendes und herrlich duftendes Stück italienischer Pizza in den Händen, nur gehalten von einem dünnen Stück Papier und einer Serviette.
Und dann geht es los!
Wow, ist das ein Geschmack!!! Die Pizza schmeckt so herrlich, mir geht dabei fast einer ab.
Ehrlich, ich bin in diesem Moment ganz sicher noch niemals nie nie nie niemals in meinem Leben so ein leckeres Stück Pizza gegessen zu haben!!
Jedem Besucher dieser Region empfehle ich wirklich einen Abstecher nach Greve in Chianti zu unternehmen und dort die Pizzeria am Marktplatz aufzusuchen.

    
Kann man es sehen?
Mir geht gerade (fast) einer ab!!  😉

(Anmerkung vom 23.01.09: Die kleine Pizza- Imbissstube heißt übrigens „Pizza e Bottega“ und findet sich in der Via Garibaldi 2, direkt an der Ecke des Piazza Trieste schräg neben dem Haupteingang der Kirche.
Einen weiterführenden Link hierzu habe ich auch in unserem Reisefazit eingestellt.)

Mit unserem Hochgenuss von Pizza in den Händen spazieren wir die Via Garibaldi entlang und erfreuen uns an den Schönheiten des kleinen Örtchens.
Überall finden sich diese kleinen Torbögen mit verschnörkelten Lampen, Holzverkleidungen und Fensterläden, gelbe und braune Farbakzente, Blumen, kleine Balkone und urige Häuschen.
Kurzum, wir sind schon angetan von der Authentizität von Greve.
So, ja genau so haben wir uns ein italienisches Dörfchen in der Toskana immer vorgestellt!

Leider ist das Örtchen nicht sehr groß und ganz plötzlich stehen wir unvermittelt wieder an der Hauptstraße. Links kommen zwar noch ein paar Häuser, aber fürs Zentrum wird es das wohl gewesen sein.
Also schwenken wir um 90° nach links und kehren über eine Seitengasse wieder in Richtung Markplatz zurück.
Der Ruf der Pizza hat mich erfasst und es wäre fast schon strafbar den Ort zu verlassen, ohne ein weiteres Mal ein Stück Pizza zu verschnabulieren 😉
Es ist eh Mittagszeit und wir können aus dem Mittagssnack ruhig ein richtiges kleines Mittagsmenü machen, dass wir dabei nicht sitzen können, lösen wir gleich italienisch…

Auch Anja kann ich ohne große Anstrengungen von der Richtigkeit meines Planes und dem Verzehr eines weiteren Stückes dieser glorreichen Pizza überzeugen und so reihen wir uns ein weiteres Mal in die Schlange der kleinen Pizzabude ein.

Wir ergattern dieses Mal ein Stück mit Speziale für mich und eine Pizza Würstel für Anja.
Dazu holen wir noch 2 Flaschen Cola und tun es voll bepackt den anderen Italienern gleich, die sich ebenfalls für ein „entschleunigtes Essen“ begeistert haben.
Da wird nicht im Stehen oder Gehen gegessen, nein nein!
Wir fletzen uns einfach hier zusammen mit den anderen Pizzaverköstigern auf die Stufen der Dorfkirche und lassen uns die Pizza munden.
Es ist himmlisch!
Ich meine, wir sitzen hier auf den Stufen der Piazza, haben ein weiteres duftendes Stück Pizza in der Hand und schauen dem gemächlichen Treiben auf dem Marktplatz zu, den man von den Stufen der Kirche perfekt überblicken kann.
Kann denn Urlaub schöner sein?!

         
Sooooo lecker! Da holen wir uns ein zweites Stück…            …und verspeisen es gleich hier auf den Stufen der Kirche

Das Stück Speciale (mit Schinken und Pilzen) war auch gut, aber ganz ehrlich, die Pizza Würstel war die Beste, dennoch schlecke ich mir alle Finger zum Abschluss.
Bildet man eine Hitliste, so landet die eher unscheinbar daher kommende „Würstel“ auf Platz 1, dann folgt die Tomaten- Mozzarella und die Speziale landet verdient auf Platz 3.

Wow! Wir sind zwar gerade erst in der Toscana angekommen, aber ich mag schon jetzt so mutig sein und behaupte, dass dies das beste Stück Pizza war, welches wir auf dieser Reise verköstigen durften. Kaum vorstellbar, dass das noch besser geht!!
Selten hab ich ne Gänsehaut vom Pizzaessen (ist ja auch nicht normal…), aber hier zuckte es durch meinen Körper, als die Geschmacksnerven der Zunge und des Gaumens Kontakt mit der italienischen Köstlichkeit bekamen.
Herrlich!

Nach dem Hochgenuss sitzen wir noch einen Moment auf den Stufen, kehren dann aber grob zurück in Richtung Wohnmobil.

Unterwegs finden wir dann ein Schild, welches einen Aussichtspunkt mit Piktogramm und „Terraza Panoramica“ anpreist.
OK, gut gegessen haben wir, also können wir auch eine kleine Extrarunde zur Verdauung laufen.
Schließlich soll Italien, wie Anja es bereits abfällig bemerkt und befürchtet, nicht nur „fressen und fahren“ sein und ein Blick von oben über Greve in Chianti ist sicherlich nicht verkehrt.

         
Panoramaterrasse? Da biegen wir gleich mal ab                    „durch diese hohle Gasse muss er kommen“

          
Überraschend: auch dieser Tunnel ist ohne Graffitti!!             vorbei gehts an weiteren Eindrücken

Der Aufstieg zur Panoramaterrasse ist jedoch mühsamer, als wir zunächst dachten.
Mit hängender Zunge schleppen wir uns herauf, die Jacke habe ich bereits lässig um die Hüften gebunden. Es ist zwar frisch, aber bei Bergaufstiegen erwärmt man sich dann doch…

Wir passieren ein kleines Museum (das San Franceso), welches über eine kleine Terrasse und Aussichtsplattform verfügt.
Leider ist das Museum zu und wir kommen dort nicht drauf.
Also mühen wir uns weiter mit dem Aufstieg ab in der Hoffnung, dass weiter oben noch eine weitere Aussichtsplattform kommen wird.

         
Der Weg wird ein wenig schmaler                                           und wir kämpfen uns den Berg rauf… *puh*

         
unterwegs passieren wir kleine Häuschen aus Stein               sieht richtig nett und urig aus

Aber machen wir uns nichts vor, wir sind einfach zu „unkonditioniert“. Obwohl die Bergspitze schon fast in Sichtweite ist, machen wir nach weiteren 200 Metern schlapp.
Wir stehen hier auch mitten an einer Kreuzung und können auch nicht mit Sicherheit sagen, welches nun der richtige Weg für den Weg nach ganz oben sein könnte.
Schilder sind jedenfalls keine mehr zu sehen, was bedeuten kann, dass die Panoramaterrasse wirklich im Museum zu finden war.
Auf Verdacht nun in eine Richtung zu laufen ist auch nicht so unser Ding und so erklären wir kurzerhand die Kreuzung zu unserer neuen Aussichtsplattform.
Wir machen ein paar Bilder von der Stadt:

         
Blick nach links über Greve                                                    Da hinten am Schwimmbad steht unser Womo (gezoomt)

         
Blick nach rechts                                                                    und in die zentrale Mitte

Danach geht es auf dem direktem Weg und über eine deutlich breitere Straße wieder runter und zurück zum Wohnmobil.
Ich mache Anja den Vorschlag, dass wir über diesen neuen und vor allem breiteren Weg zum Aussichtspunkt doch einfach mit unserem Wohnmobil suchen könnten.
Davon ist meine Liebe allerdings wenig begeistert.
Zwar mag die Straße breit genug sein, aber ein uns im Schneckentempo entgegenkommender VW Transporter mit kräftigem TDI- Motor hat bereits das ein- oder andere Problemchen mit der Traktion und muss hier im ersten Gang rauf kraxeln.
Daraus entwickelt sich dann in etwa der folgende Dialog:
Ich: „Guck, der fährt hier auch rauf!“
Anja (tippt sich fassungslos an die Stirn…): „Ja, guck auch mal wie!“
Ich grummele ein wenig, aber nicht wirklich viel, bringt eh nichts…
Vielleicht kann ich Anja ja bei unserer Rückkehr zum Wohnmobil von der Klettertour mit Womo doch noch überreden.

    
Wenn der hier hoch fahren kann, dann wir doch wohl auch, oder? 😉

Wieder am Wohnmobil angekommen dürfen wir erleichtert feststellen, dass niemand während unserer Abwesenheit unser Wohnmobil geplündert hat.
Auch Minki und Dori sind brav, sitzen, oder besser liegen, beide im Alkoven. Wie immer sitzt Minki mit freiem Blick vor dem Alkovenfenster und Dori verkrümelt unter dem Kissen.

Wir setzen uns zusammen und überlegen, wo wir nun als nächstes hinfahren könnten.
Wir entscheiden uns der S 222 noch ein wenig weiter zu folgen und dann einen Abstecher über die SS 429 zum Kloster „Badia a Coltibuono“ zu unternehmen. Der Reiseführer spricht hier von einer hervorragenden Bezugsquelle für toskanisches Olivenöl.

Also gut, da ich gern Olivenöl daheim zum verfeinern von Speisen verwende und auch gern mal italienisch koche, möchte ich mir die Gelegenheit eines echten toskanischen Olivenöls als Mitbringsel natürlich nicht entgehen lassen.
Auf geht’s!

Als wir dann den Parkplatz in Greve verlassen, werfe ich dann aber doch nochmals das Argument des tollen Ausblicks in die Runde und schlage vor nur mal kurz den Aussichtspunkt anzusteuern, aber da wir auch nicht genau wissen, wo die Wege hinführen, ob wir den wirklich steilen Berg hinauf kommen und ob man oben angekommen überhaupt parken, geschweige denn drehen kann, lassen wir den Missbrauch des Wohnmobils als Bergziege dann doch und fahren auf der S 222 weiter in Richtung Kloster „Badia a Coltibuono“.
Ich schätze mal für Klettertouren mit dem Wohnmobil kommt noch die ein oder andere Gelegenheit.

Die Info des Reiseführers mit der S 222 war wirklich eine phantastische Idee!
Es ist wirklich eine schöne und empfehlenswerte Route und nicht schwer für Wohnmobile zu fahren.
Der Weg schlendert fast schon durch die ausdrucksstarke Landschaft. Immer wieder passieren wir die typischen Zypressen, hügelige Felder und bereits grünende Wiesen, obgleich auch das letzte Tüpfelchen Farbe fehlt und „braune Natur“ die dominierende Farbe bleibt.
Aber vielleicht weiter südlich, oder näher zum Meer, im Moment stehen wir ja noch am Anfang…

         
„Die drei Zypressen“ 😉                                                          mondäne Villen am Wegesrand

         
Das Tor zum Glück 😉                                                            So schlängelt sich die Straße immer wieder

Auch fahren wir mal über Land, durch kleine Dörfchen oder passieren herrliche toskanische Villen mit prächtigen Vorbauten, die sich mondän in die Landschaft schmiegen, als hätte jemand die Vorlage aus einem Bilderbuch zur Toskana in die Landschaft verfrachtet.
Wir kommen aus dem „Oh“ und „Ah“ gar nicht mehr heraus.

An einer ganz besonders schönen Stelle mit Blick über die angrenzenden Felder und Hügel machen wir auf dem Seitenstreifen Halt.
Der Ort ist ideal für ein kleines Fotoshooting!
Ich spurte auf der gegenüberliegenden Seite einen kleinen Hang hinauf und habe nun einen tollen Ausblick auf die Straße mit unserem Wohnmobil und einer Toskanakulisse im Hintergrund.
Nur schade, dass sich die Sonne einfach nicht zeigen will 🙁

     Traumhafter Ausblick! Mit dem Wohnmobil in der Toskana
Wie man sich die Toskana vorstellt: Hügel, ein wenig grün, Weinberge, ein paar Häuser und das Womo mit Anja dabei 🙂

Gegen 20 nach vier erreichen wir nach einer dann doch etwas abenteuerlichen Kurvenfahrt durch die Berge die Einfahrt zum Klostergelände.
„Scharf links“ befiehlt Kanzler Schröder (in unserem Navi) an der letzten Kreuzung und wir folgen der Aufforderung.
Gleich auf der rechten Seite passieren wir daraufhin den im Reiseführer genannten und auch geöffneten Klosterverkauf.
Wir wollen uns aber zunächst an der Kirche umsehen und erst danach einkaufen.

Der Parkplatz vor der Kirche wirkt nahezu verlassen, neben uns als einziges Wohnmobil sind lediglich ein paar einsame Autos hier abgestellt.
Erneut treffen wir alle Sicherheitsvorkehrungen und befehlen unseren Fellnasen zum zweiten Mal an diesem Tag das Wohnmobil gegen allerlei ungebetene Besucher bis auf Blut und Leben zu verteidigen.
Der nichtssagende und schläfrige Blick aus dem Alkoven ist uns Bestätigung genug, wir können beruhigt das Kloster besuchen. 😉

         
Die Zufahrt zum Kloster                                                          Der erste Eindruck der Klosteranlage

         
Genügend Platz auf dem geräumigen Parkplatz                  Der Wegweiser vor Ort lässt die Größe der Anlage erahnen

Die Anlage ist größer, als wir zunächst angenommen hatten.
Neben der Kapelle, die beinahe schon wie eine richtige Kirche anmutet, findet sich eine große Weidekoppel, einige Steinhäuschen und etwas abseits gelegen noch ein Restaurant.
Schon aus der Ferne erkennen wir, dass das Restaurant leider noch geschlossen ist, dennoch wollen wir einen Blick darauf und vor allem auf die Speisenkarte werfen.
So spazieren wir an der Klostermauer entlang und erfreuen uns am schönen Ausblick über die Weiden und über die angrenzenden Hügel.

Für unseren Spaziergang durch die Anlage konnten wir uns keinen besseren Moment aussuchen, denn als wir die mächtige Maueranlage erreichen, lugt sogar die Sonne hinter den trostlosen Wolken hervor.
Perfekt!

         
Wir spazieren durch die Anlage                                               Blick auf das kleine Restaurant mit Terrasse

Nachdem wir die Karte des Restaurants studiert haben, schlendern wir die wenigen Schritte zurück zum eigentlichen Kloster. Eindrucksvoll kommt der Turm der Anlage zur Geltung, das Teil erinnert mich mit seinen mächtigen Zinnen eher an den Wachturm einer Burg, als an einen kleinen Glocken- oder Aussichtsturm eines Klosters.
Bevor wir uns aber nun aufmachen die Kirchenanlage von innen zu besichtigen, machen wir uns zunächst über die Geschichte des Klosters schlau und erfahren, dass dies hier eines der ältesten Abteien in der Toskana sein soll und der Name des Klosters wohl irgendwas mit „guter Ernte“ zu tun hat.
Die Namensgebung hätte ich mir wohl ausgesucht, wenn ich als Klosterabt vor gehabt hätte vorrangig vom Anbau von Weintrauben und Oliven zu leben…

Dann muss ich noch einen Satz zum WOMO- Reiseführer los werden. Die ganze Zeit ging ich davon aus, dass hier noch Mönche ihr Unwesen treiben und mir auch ein originales, von Mönchen angebautes, Olivenöl verkauft wird.
Denn im Reiseführer wird das Gelände nunmal als Kloster geführt und nur ein einziges Wörtchen weist darauf hin, dass das Kloster heute nicht mehr unter kirchlicher Verwaltung steht. „Säkulatisiert“. Mein Gott, was für ein Wort! Wer hat schon einen Brockhaus im Wohnmobil und kann mal eben das Wort nachschlagen?
Also für alle, die es nicht wissen oder genau so wie ich am Ort des Geschehens stehen und rätseln: Das Kloster wurde zu Zeiten Napoleons „säkularisiert“, was nichts anderes als „entkirchlicht“ und damit „verweltlicht“ bedeutet.
Ohne Mönche ist das Kloster natürlich nur halb so interessant, aber das soll unserem Entdeckerdrang natürlich keinen Abbruch tun.

         
Anja macht Pause 😉                                                              Blick auf die Klosteranlage vom Restaurant aus

         
Was für ein mächtiger Baum!                                                  Die Eingangspforte zur Kapelle

Wir umschiffen gekonnt ein paar Pfützen des feuchten Untergrundes und schlendern dann in Richtung Kirche.
Zum Glück ist die Pforte geöffnet und wir betreten ehrfürchtig das steinerne Kirchenschiff.
Gleich als erstes fällt uns eine grotesk anmutende Maria- Statue ins Auge, die einen hell erleuchteten Heiligenschein über dem Haupte trägt.
Ein heller Neonring umgibt das Gebilde und wirkt nun als erste Lichtquelle wie ein Blickfänger, wenn man so wie wir „aus dem Hellen“ ins Dunkel der Kirche eintaucht.
Neben der Marienstatue sorgt ein kleines Kirchenfenster hinter dem Altar für eine erhebende Beleuchtungskulisse.
Haben sich dann die Augen an die diffuseren Lichtverhältnisse gewöhnt, kommen die Deckenfresken zum Vorschein, die Teile der Kreuzigungsgeschichte zeigen.

         
Die Kirche im Inneren:                                                           …die „neonberingte“ Maria…

         
…eines der Deckenbilder…                                                     …und das Fresko über dem Altar

Lange halten wir uns nicht in der Kapelle auf, viel zu sehen gibt es nicht.
Auch wirkt die Kirche irgendwie kalt und ich habe den Eindruck, als würde die neonbeleuchtete Maria uns die ganze Zeit beobachten.

Wieder draußen an der frischen Luft machen wir noch ein paar Bilder von der Landschaft, um dann zum Wohnmobil zurück zu gehen und den Berg in Richtung Klosterverkauf wieder hinab zu fahren.

         
Blick über die Weidekoppel                                                     Anja vor dem Wohnmobil, nun geht es weiter 🙂

Kurz vor 4 haben wir die wenigen Meter Bergabstieg geschafft und wollen nun zwischen den Bäumen einparken.
Der Waldboden ist allerdings ein wenig matschig und so denke ich, dass rückwärts einparken wohl die bessere Alternative ist, dann müssen die Antriebsräder nicht so weit durch den Matsch fahren.
Gesagt getan will ich gerade erwartungsvoll rückwärts zwischen zwei dicken Bäumen einparken, als ein lautes knarrendes Geräusch von schräg über uns tut.
„Nanu, was war das?“
Der Blick hinter das Wohnmobil offenbart die wohl geballte Kraft des 2,5- 75PS- Dieselmotors, denn wir haben es geschafft einen vom Baum tief hängenden Ast zu erwischen und sogar vom Baum abzurupfen.
Na bravo!
Sofort schaue ich mir die Kontaktstelle am Wohnmobil an, darf aber erleichtert feststellen, dass der Ast keinen Schaden am Wohnmobil hinterlassen hat.
Der Ast muss schon vorher vom Baum herunter gehangen haben, denn die Bruchstelle ist zum Teil bereits morsch und vermodert.
Halb vom Baum hängend hat der Ast dann auch nicht mit dem Aufbau, sondern viel mehr mit dem Fahrradlenker Kontakt bekommen und sich dort verkeilt, ein paar kleine Äste und Blätter zwischen den Fahrrädern zeugen von roher Gewalt.
Komisch nur, dass ich den Ast bei der Zufahrt zum Parkplatz nicht gesehen habe, vielleicht überlege ich mir doch mal den Kauf einer Rückfahrkamera.

Erleichtert unser Wohnmobil nicht beschädigt zu haben wollen wir uns nun dem Klosterverkauf zuwenden, ich freue mich schon jetzt auf eine Flasche echtes toskanisches Olivenöl.
Vor der Tür werden dann aber jäh gestoppt, denn die Tür geht nicht auf.
Ich rüttele ein wenig an der verschlossenen Tür, gehe dann aber ums viereckige Gebäude herum in der Hoffnung vielleicht einen anderen Eingang zu finden.

     Der Klosterverkauf am Badio a Cultibono
Der Olivenöl- und Weinverkauf im ehemaligen Pförtnerhaus

Just in dem Moment treffen 2 weitere Interessenten ein, auch sie stehen verwundert vor einer geschlossenen Tür.
Zu viert irren wir nun um das Gebäude und wundern uns, warum das Geschäft geschlossen hat, denn es ist gerade mal kurz nach vier und ein Blick auf die angeschlagenen Öffnungszeiten bestätigt nun mal, dass hier bis 5 geöffnet ist, auch ein prallgelbes Schild „OPEN“ im Fenster sollte uns eigentlich zu den durch das Fenster erkennbaren Köstlichkeiten gelangen lassen, aber es nützt nichts, die Tür ist zu.
Ratlos stehen wir beieinander und versuchen uns auf gebrochen italienisch auszutauschen, da fällt Anja ein kleiner Zettel in der Tür auf.
Dort steht dann auch die Erklärung für unsere Ratlosigkeit, denn „today the shop closes at 4 pm“ lässt sich dort erkennen, was auf deutsch bedeutet, dass der Laden heute bereits um 16 Uhr geschlossen habe.
Na großartig! Wir haben gerade mal 5 nach 4! :-/
Das ist aber echt gemein und ich muss zugeben sogar ein wenig traurig darüber zu sein, aber was soll man machen?
Wir zeigen den Zettel den Italienern, die daraufhin auch kapieren, dass hier heute zu ist und drücken uns dan mit einem „Haben-Wollen“- Gesichtsausdruck am Schaufenster die Nasen platt.
Sieht wirklich toll aus!

         
Wir drücken am Schaufenster die Nasen platt 🙁                       Wirklich gern würden wir hier im Angebot stöbern!

Leider müssen wir unverrichteter Dinge und ohne leckeres toskanisches Olivenöl zurück zum Wohnmobil spazieren, schade!
Was nun?
Wir sitzen im Wohnmobil zusammen in der Sitzgruppe und überlegen, wie nun die weitere Route aussehen sollte.
Strategisches Ziel für Morgen ist Siena, was nicht unbedingt bedeutet, dass wir nicht schon heute Abend dort anreisen könnten und uns dort einen Campingplatz für die Nacht suchen.
Siena, so bestätigen es auch alle mitgeführten Reiseführer, ist eine Touristenhochburg und wird von toskanasuchenden Bustouristen das ganze Jahr über heimgesucht. Entsprechend erwarten wir eine ähnliche Situation, wie in Florenz mit dem Campingplatz Michelangelo.
Der Campingführer bestätigt unsere Vermutung, es gibt einen Campingplatz in Siena, die Preisinfo ist allerdings ernüchternd.
Der nächste CampingCard- Platz liegt etwa 30km südlich von Siena, von hier aus wären es bis zu diesem etwa 70km, so verrät es uns das flugs programmierte Navi.
Die Route dorthin allerdings lässt uns aufhorchen, denn eines der vielen Ziele, die wir auf Anfrage nach schönen Reisezielen in der Toskana im Wohnmobilforum genannt bekommen haben, ist Radda in Chianti.

Da Radda auf dem Weg liegt, entschließen wir uns zunächst mal Radda zu besuchen und danach zu schauen, wie sich die Dinge mit Uhrzeit und Co. entwickeln.

Als Alternative überprüft Anja noch die Stellplatzdaten des Stellplatzführers und findet heraus, dass Radda sogar einen kostenlosen Stellplatz anbietet!
Ein Blick in den Womo- Reiseführer bestätigt diese Info.
Obwohl ich ja eigentlich kein Freund von Stellplätzen bin, reizt mich doch die Tatsache einen kostenlosen Schlafplatz für die Nacht zu finden.
Denn so sparen wir nicht nur 14,- € für den ACSI- Platz und die unnötige Umherfahrerei von 30km pro Richtung (Siena – ACSI- Campingplatz), wir können sogar die hohen Kosten des Campingplatzes in Florenz gegen eine komplett kostenlose Nacht wieder ausgleichen und schonen somit unsere Reisekasse.
Wir beschließen den Stellplatz zumindest einmal anzusteuern und zu schauen, ob wir dort ein Plätzchen finden und wir es als „sicher“ empfinden.
Falls es uns dort nicht gefällt, können wir noch immer auf den teuren Campingplatz in Siena oder den ACSI- Platz hinter Siena ausweichen.

Auch könnten wir uns bei einer Übernachtung in Radda das nächste toskanische Städtchen etwas genauer anschauen und müssten nicht auf die Uhr schauen.

Empfehlenswert sei Radda wohl in jedem Fall, nahezu alle Reiseführer berichten von leckerer Küche und einem anschaulichen Örtchen.
Bereits auf dem Weg von Greve zum Kloster haben wir Radda gestriffen und beinahe dort angehalten, aber weil wir hofften den Klostershop besuchen zu können, haben wir während unserer ersten Reise auf der SS 429 dort nicht gestoppt, das werden wir jetzt also nachholen.

Gegen 16:30 Uhr erreichen wir nach einer kleinen Bergtour Radda in Chianti und finden auf Anhieb die Beschilderung zum Stellplatz für Wohnmobile.
Hierfür biegen wir einmal links von der Hauptstraße ab und fahren dann wieder ein Stück den Berg hinunter.
Die Schilder verlieren sich dann allerdings und so rauschen wir mit voller Fahrt an einer kleinen Zufahrt zum offiziellen Stellplatz vorbei.
Als wir den Fehler bemerken, sind wir schon fast im Tal beim Sportplatz angekommen (was möglicherweise als Ausweichplatz geeignet ist).
Wir drehen flugs und kämpfen uns den Berg wieder rauf, dann biegen wir kurz vor Erreichen der Hauptstraße rechts ab und stehen direkt unterhalb der eben noch befahrenen Hauptstraße auf einer Art Terrasse.
Von hier aus haben wir per Treppe einen direkten Zugang in die Stadt, dies fällt uns als erstes auf.

         
Hier links abbiegen zum Stellplatz in Radda                              An der Einfahrt zum Stellplatz (rechts)

Die Stellplätze haben alle einen schönen Blick in die Landschaft, wobei allerdings im Frühling und Sommer das Grün der Bäume die Aussicht trüben könnte.
Wenn alle Mobile dicht beisammen stehen, passen hier vielleicht 8-10 Fahrzeuge hin, steht man wie im Moment etwas großzügiger, sind es hingegen nur 6-8 Plätze.
Oberhalb unserer Stellplatzterrasse findet sich eine weitere Terrasse, der Womo- Reiseführer nennt diesen Platz auch als Ausweichmöglichkeit, allerdings ist diese Zufahrt durch eine Schranke abgesperrt und es sieht so aus, als könne man nur mit einem speziellen Schlüssel oder einer Codekarte diese Schranke öffnen.
Ob der Platz somit noch für Womofahrer zur Verfügung steht mag ich daher mal bezweifeln.
Strom oder eine Versorgungsstation findet sich hier nicht, dafür ist der Platz wie gesagt aber auch komplett kostenlos.

Neben uns stehen bereits 2 Wohnmobile hier, ein teuer aussehender Hymer mit Schweizer Kennzeichen sowie ein dt. VW- Karman mit Kölner Kennzeichen haben sich bereits eingefunden.
Wir sind Nummer 3 im Bunde und parken auf dem dritten Parkplatz gleich neben dem Hymer in der Hoffnung, dass mögliche Diebe das schöne große und tolle Mobil unserem kleinen ärmlichen dreinschauenden Duc vorziehen könnten. 😉
Auch hat der Schweizer mindestens einen großen Hund dabei, der in der Nacht bestimmt auch Alarm schlägt, wenn sich windige Typen hier herum schlagen.

Wir stellen den Motor ab und schauen uns zunächst einmal fragend an.
„Sollen wir wirklich hier bleiben?“
Ganz wohl ist mir noch immer nicht mit diesem Gedanken aber Anja meint, dass wir ruhig hier bleiben könnten, es würde schon nichts passieren.
Na wollen mal hoffen, dass sie Recht behält, ein komisches Gefühl aus der Bauchgegend geht einher mit den Erinnerungen, die wir an den nächtlichen Raub mit unserem ersten Wohnmobil erlebt haben.

Ich will vorsichtig zuversichtlich sein und so machen wir es.
Wir stehen heute Nacht einfach mal hier so mitten auf diesem Stellplatz ohne Sicherungen, Campingplatz und Co.
Nur nicht drüber nachdenken…

         
Das wird unser Stellplatz für die Nacht                                     Der erste Ausblick und Eindruck

Als erste Ablenkung widme ich mich mal dem Kühlschrank, denn dieser wird heute Nacht zum ersten Mal vollständig auf Gas betrieben werden und muss entsprechend funktionieren.
Zögerlich betätige ich die Zündung, doch die anfängliche Sorge ist unbegründet.
Während der Standzeit im Winter hat sich die Funktionsfähigkeit des Kühlschranks nicht verschlechtert und auch im Gasbetrieb scheint er einwandfrei zu funktionieren.
Die Flamme ist nach dem dritten Zündungsversuch hell, blau und leuchtet zuverlässig vor sich hin.
Das war einfach, was nun?

Unser Vorräte sind nahezu erschöpft!
Es wird Zeit, dass wir uns wieder in einem Supermarkt mit lokalen Spezialitäten eindecken, zu unserem Glück haben wir bei der Einfahrt in die Stadt einen größeren Supermarkt ausmachen können.
Von hier aus ist dieser vielleicht 600 Meter entfernt, allerdings befindet sich die Zufahrt zur Stadt und damit der Supermarkt unterhalb unserer aktuellen Höhenlage und bedeutet somit einen Bergaufmarsch, wenn wir nach dem Einkauf mit schweren Tüten bepackt sind.
Überhaupt liegt Radda komplett auf bzw. an einem Berg oder besser toskanischen Hügel, wobei sich das alte Stadtzentrum aufgrund der besseren Verteidigungsmöglichkeit natürlich auf der Spitze befindet.
Rundherum haben wir dann kleine steinerne Häuschen gesehen, die von ihrer Größe her keinen modernen Supermarkt beherbergen können und so ist es nicht verwunderlich, wenn sich unterhalb der Stadt eben die kleinen Werkstätten und eben der Supermarkt angesiedelt haben.
Wir überlegen, ob wir doch nochmals das Wohnmobil anschmeißen und eben zum Supermarkt fahren sollen, dann aber entscheiden wir uns doch dagegen.
So viele Dinge brauchen wir ja auch nicht und einen Großeinkauf können wir auch immer noch morgen machen.
So spazieren wir vom Wohnmobil zunächst die Treppe rauf zur Hauptstraße.

         
Safe-Check OK, es geht los zum Supermarkt                         Der Stellplatz schräg von links aufgenommen

         
Von der obersten Terrasse aus nehmen wir die Treppe         Der Wegweiser an der Treppe im Großformat zur Info

Oben angekommen genießen wir zunächst den Ausblick über die Landschaft und über die Hänge und Terrassen, die sich nun schräg unter uns befinden.
Neben dem Blick auf den Wohnmobilstellplatz kann man auch beim Nachbarn in den Garten schauen oder die Terrasse eines angrenzenden Restaurants von hier oben ins Visier nehmen.

Aber auch die Fernsicht ist toll und so haben wir einen schönen Blick auf die Natur, die sich auch hier leider eher von ihrer trist-braunen Seite zeigt und so gar nicht frühlingshaft daher kommen will.
Nur vereinzelt erscheinen grüne Flächen von Rasen, die aber nicht gegen das monotone Braun der Felder und laublosen Bäume ankommen.
Ausgiebig machen wir unsere Bilder vom Stellplatz und von der Landschaft:

     Ausblick auf den Stellplatz in Radda
Stellplatz Radda: Diesen traumhaften Blick über die Toskana und den Stellplatz gibt es für Wohnmobilurlauber gratis!

Es ist frisch geworden, die Sonne ist fast verschwunden und lässt nur noch wenige wärmende Sonnenstrahlen durch die dichter werden Wolken auf die Erde herab.
Wir ziehen die Jacke bis oben hin zu und machen uns dann auf den Weg den Berg hinab, was erstaunlich einfach geht.
Anja mahnt bereits drohend vor dem späteren beschwerlichen Aufstieg…

Unterwegs erfreuen wir uns an den ersten südländischen und mediteranen Einblicken.
Einige Stadtvillen in freundlichen Farben, alte Gutshäuser, steinerne Wohnhäuser, die ersten Palmen und urige Autos säumen den Weg hinab ins Tal.

         
Eindrücke der Hauptstraße: Ob das wohl ein Pizzataxi ist?     mediteran: Die ersten Palmen vor alten Wohnhäusern

Um kurz nach 5 erreichen wir den kleinen Supermarkt der Kette coop und stürmen sogleich das ausgesuchte Sortiment.
Ganz besonders Meeresfrüchte wie Muscheln, Fische, Tintenfische oder Krebse finden sich zu unserer Überraschung hier im Angebot.
Uh, kleine Tintenfischärmchen wollten wir eigentlich nicht zum Abendbrot verspeisen… 😉

Wir kaufen nur etwas frische Milch, merkwürdig gewachsene Tomaten, einen Mozzarella, bunte Paprika und natürlich ein herrlich frisches und duftendes Brot.
Ob wir dies zum Abendbrot verspeisen wissen wir jedoch noch nicht so genau, denn wir wollen gleich, nachdem wir die Vorräte in unserem Wohnmobil abgeladen haben, den Dorfplatz und die Innenstadt erkunden.
Wenn sich dabei natürlich die ein oder andere italienische Köstlichkeit in Form einer Pizzeria oder einer Trattoria auftut, dann sind wir sicherlich nicht abgeneigt…

         
Der Supermarkt vorraus                                                         Anja freut sich, noch geht´s bergab  😉

         
Sortimentserkundung im Supermarkt                                       Heute im Angebot: marinierte Tintenfischärmchen

Nach unserem Einkauf geht es zurück zum Wohnmobil. Der Bergaufstieg macht hungrig und wir müssen aufgrund der Steigung zusätzliche Kräfte für den Aufstieg mobilisieren.
Nur mühsam erreichen wir wieder die kleine überdachte Treppe, die uns wieder ein paar Schritte herab auf die untere Terrasse zu unserem Wohnmobil führt.
Anja hat jetzt schon keine Lust mehr laufen und so lasse ich ihr einen Moment Verschnaufpause. Sie darf hier oben warten, während ich die Einkaufstüten allein runter zum Wohnmobil bringe.

         
Da laufe ich mühsam mit den Einkaufstüten zum Wohnmobil…  …während Anja von oben diesen Ausblick genießen darf

Unser Wohnmobil ist übrigens unversehrt, auch hat sich ein weiteres Wohnmobil auf den Platz dazu gestellt.
Ein Familienvater aus München hat mit Sack und Pack hier Quartier bezogen und wir kommen kurz ins Gespräch.
Er fragt, wo unser Hund wäre, dies wäre noch die beste Möglichkeit und Schutz gegen nächtliche Besucher im Wohnmobil.
Na super, wo soll ich jetzt einen Hund herbekommen?
Auf unsere beiden Katzen will ich mich nicht wirklich verlassen…
Aber er meint, dass er hier aber auch schon öfters auch ohne Hund übernachtet hätte, das wäre bislang kein Problem gewesen.
Er hat ebenfalls einen teuren Hymer, der sich bei näherer Betrachtung als Mietmobil entpuppt, ein diskreter Werbeaufkleber auf dem Heck gibt die Info preis.

Ich beschließe nicht schon wieder gleich das schlimmste zu befürchten, sondern mache mich nach einer kurzen Verabschiedung gleich wieder zurück zu Anja, die oben auf dem Aussichtspunkt auf mich wartet.

Unsere Eindrücke von Radda in Chianti:
Hatten wir mit Greve bereits die feste Meinung bereits ein typisches toskanisches Städtchen gesehen zu haben, müssen wir diese Aussage nach unserem Besuch in Radda gleich wieder korrigieren.
Hier findet sich, anders als in Greve, kein zentraler Platz, wo alle Sehenswürdigkeiten der Stadt angesiedelt sind.
Radda hat zwar auch einen kleinen Platz in der Mitte, das Leben spielt sich aber auch in allen Gassen und Gässchen innerhalb der Stadtmauern ab.
Die Stadt ist nicht unbedingt größer als Greve, aber durch die Tatsache, dass man zur Erkundung eben nicht einen zentralen Mittelpunkt ansteuern kann, wirkt das Örtchen gleichwohl interessanter und durch die einsetzende Dunkelheit schon nahezu mittelalterlich-mystisch.
Wenn nun noch anstelle der elektrischen Beleuchtung Fackeln die Wege und Gassen erhellen würden, dann wäre ich mir sicher vorhin durch einen Zeittunnel gelaufen zu sein.

Wir stromern durch die Gassen und erfreuen uns daran, dass noch so manches kleines Geschäft geöffnet hat und wir im Angebot stöbern können.
Postkarten, Souvenirs und Andenken befinden sich hier neben einem kleinen Tante- Emma- Laden, einer Bäckerei, einem Cafe oder einer Metzgerei.
Es ist schön hier, definitiv!

         
Wir streifen durch die nahezu leeren Gassen von Radda        Alles wirkt ein wenig mittelalterlich

         
ein wenig was zu kaufen gibt es auch                                       Monet? Etwa DER Monet???

         
Nanu, wer hat denn den Flaschen den Boden umgeknickt?     Überall locken kleine verwinkelte Gassen

         
hinter jeder Ecke findet man völlig neue Eindrücke                  hier nur 1 Straße weiter aber ein komplett anderes Bild

         
Tore der Toskana                                                                   links rauf, rechts durch und hinten wieder runter…

Es findet sich auch die ein oder andere Verköstigungsmöglichkeit, aber so richtig kann uns keines der Angebote überzeugen und so spazieren wir weiter durch den Abend.
Letztendlich ist das Örtchen natürlich doch überschaubar und wir haben so ziemlich jede verwinkelte Gasse gesehen und jeden Weg beschritten.
Wir machen noch ein paar Bilder von Radda, von uns und von der wirklich traumhaften Landschaft der Toskana im Hintergrund und kehren dann zum Wohnmobilstellplatz zurück.

Der Platz hat sich zwischenzeitlich recht gut gefüllt, 7 von 8 Plätzen sind belegt und der Platz ist fest in deutscher Hand.
Komisch, dass kein Italiener hier steht, ob das ein schlechtes Zeichen ist?

Schnell weg mit den bohrenden Fragen, jetzt wird erstmal zu Abend gegessen!
Wir zaubern uns aus unseren vorhin erworbenen frischen Zutaten einen leckeren italienischen Salat mit Mozzarella, Tomate und einer riesigen gelben Paprika (Vitamin C lässt grüßen 😉 sowie knusprigen Brot. Dazu gibt es noch leckeren Schinken, den „Prosciutto“.
Einzig ein guter Schuss echtes italienisches Olivenöl vom Kloster würde jetzt noch fehlen, aber der blöde Laden hatte ja leider zu. 🙁

         
Im Lichte unseres Batteriestroms bereite ich unser Essen zu  Lecker: Tomaten, Paprika, Brot, Schinken und Mozzarella

Viel machen wir nicht mehr an diesem Abend.
Nach dem Abendessen spülen wir kurz ab und sitzen dann in der Sitzgruppe zusammen,
draußen ist es mit knapp über 10°C recht frisch geworden, ich hoffe, dass unsere Batterien das mitmachen und wir morgen früh keine Startprobleme bekommen oder die Wasserpumpe nicht mehr funktioniert, weil die Aufbaubatterie wegen einer kalten Nacht ohne Strom den Geist aufgibt.

Auch scheint ein Unwetter aufzuziehen, in etwa 3 oder 4 Kilometer Entfernung kann man es am Horizont bereits blitzen sehen.
Ich bin gespannt, ob das schlechte Wetter sich im Tal festsetzen wird, oder ob es den Aufstieg auf unsere Anhöhe schafft.
Ich ziehe mir sogar nochmals Schuhe und Jacke an und mache ein paar Nachtbilder vom Platz, weil mir die Stimmung so gut gefällt.
Alles ruhig und friedlich, nur der Wind rauscht durch die wenigen Blätter der Bäume und verursacht so eine eher knisternde Atmosphäre.
Aufgeheizt wird das ganze Naturschauspiel noch durch die nunmehr nur noch etwa 2 Kilometer entfernt liegenden Gewitterwolken, deren Blitze die Nacht durchzucken.
Man merkt und spürt buchstäblich, dass etwas in der Luft liegt, ich hoffe inständig, dass es nichts damit zu tun hat, dass wir hier fern von allem Schutze stehen.

Zurück im Womo sitzen wir noch ein wenig zusammen.
Den Fernseher will ich, obwohl er auch auf 12 Volt läuft, nicht einschalten, um die Batterie zu schonen.
Auch übernehmen etwa 50% der Lichtversorgung einige von Anja aufgestellte Kerzen, die wir natürlich außerhalb der Reichweite unserer Katzen im Auge behalten.

Meine Liebste ist mal wieder in den Reiseführern entschwunden und versucht mir im Moment die Stadt Siena schmackhaft zu machen, von der ich eigentlich nichts positives erwarte.
Zu einstimmig berichteten Reiseführer und Reiseberichte im Internet von Bustouristen, einer vollen Innenstadt, einem teuren Campingplatz oder einem unvorteilhaft liegenden Stellplatz.
Ginge es allein nach mir, könnten wir Siena ruhig ausfallen lassen, denn mit Florenz und Pisa (Pisa soll ja auch noch kommen), haben wir meiner Meinung nach eigentlich das Touristenpflichtprogramm erfüllt und können uns viel mehr auf die kleinen Dörfchen und Örtchen wie eben Greve oder Radda konzentrieren.

Da wir hier eh nicht mehr viel machen können, entscheiden wir uns auch früh schlafen zu gehen, damit wir morgen fit sind. Bereits gegen halb 10 liegen wir im Bett.

Natürlich schalten wir alle Sensoren der Alarmanlage scharf und hoffen, dass nicht aus Versehen eine der Katzen die Alarmanlage auslöst.
Ich bin dennoch vorsichtig zuversichtlich, dass uns nichts passiert, denn immerhin fahren wir das älteste und am wenigsten wertvoll aussehende Womo hier auf dem Platz.
Alle anderen liegen bis auf den Karman aus Köln (deren Besitzer wir leider nicht gesehen haben) deutlich über 30 TEUR.
Na vielleicht sehe ich das auch zu schwarz…
Mal sehen, ob alles glatt geht und wir morgen noch an diesem Bericht lesen können oder jemand anders dann meinen Leppi besitzt…

Der heutige Tag mit den Katzen im Wohnmobil:
Die kurvenreichen Fahrten durch die toskanischen Höhen und Tiefen waren wohl nichts für die beiden.
Beide Katzen blieben den ganzen Tag im Alkoven und liegen auch jetzt, wo wir schon seit einiger Zeit hier Quartier bezogen haben, noch immer unter der Decke versteckt.
Auch der Futternapf ist noch nicht angerührt und wir machen uns erste Gedanken, ob mit den beiden alles in Ordnung ist.
Dori war heute morgen auf dem Campingplatz Michelangelo zu meiner Überraschung ein wenig entdeckerfreundlich.
Sie traute sich (an der Leine versteht sich) bis an die Schwelle der Wohnmobiltür und schob schnüffelnd ihre kleine Nase nach draußen.
Aber wie es meistens so kommt, rauscht just in diesem Moment ein dickes Wohnmobil vorbei und hat Dori einen gehörigen Schrecken versetzt.
Schwups war sie im Alkoven verschwunden und wir haben sie seit dem nur hin und wieder mal gehört, aber nicht gesehen.
Naja, wenn wir gleich im Bett liegen, werden die beiden sicherlich aufstehen und den verschlafenen Tag in der Nacht nachholen.

Zitat des Tages (wir sitzen auf den Stufen der Kirche in Greve und essen die Pizzastücke, ich zu Anja):
„Das ist sie also, die Toskana und ihre Lebensart: Wir essen Pizza auf der Piazza…“

KM- Stand bei Abfahrt: 180.661
KM- Stand bei Ankunft: 180.730
gefahrene Kilometer: 69

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