Montag, 12.06.2006

Mein lieber Herr Gesangsverein!
Was hat das letzte Nacht gestürmt! Es hat erstmal recht lange gedauert, bis wir überhaupt eingeschlafen sind!
Hat schon fast weh getan. Kennt ihr das? Man fährt und fährt und fährt, bettet endlich das ermattete Haupt auf die Matratze und freut sich darauf endlich einzuschlafen, aber dann:… Es geht nicht!
Jedes Mal, als ich gerade mein Ticket fürs Traumland gelöst hatte, rüttelte ein weiter Windstoß am Wohnmobil, das ich wieder wach wurde.
Und das die ganze Nacht bzw. den ganzen Morgen. Mein glorreicher Plan mich vom Wind und Sturm in den Schlaf wiegen zu lassen ist nunmal nicht aufgegangen.
Schuld dürfte die sets wechselnde und unterschiedliche Windstärke gewesen sein.
Mal ruhiger, mal heftig, mal Orkan und dann eben immer im Wechsel…
Anja hingegen hatt keine Probleme mit dem Schlaf. Gestern Abend hat sie sich noch Sorgen um die Standfestigkeit des Wohnmobils gemacht und als der Sturm dann in der Nacht noch an Stärke zugelegt hatte, war sie schon im Traumland entschwunden, sie hat tief und fest wie ein Baby geschlafen. Vielleicht haben ihre Eltern sie früher stärker geschaukelt, als mich, einen anderen Grund kann ich mir nicht erklären…


Gegen 14 Uhr stehen wir auf.
Wir haben, nachdem wir endlich eingeschlafen waren, sehr lang geschlafen.
Aber auch nach dem Aufwachen sind wir noch lange nicht bereit aufzustehen. Der Blick aus dem kleinen Fensterchen im Alkoven lässt nunmal nichts gutes erahnen, das Wetter nach wie vor diesig, nebelig, feucht-kalt und vor allem windig.

So habe ich mir unseren Besuch am Nordkap wirklich nicht vorgestellt.
Ich wollte Walhalla sehen, die Mitternachtssonne, Trolle, die Nordmänner, vielleicht einen Wikinger aber doch zumindest das Ende der Welt.
Aber das hier ist einfach nur frustrierend. Nur weiß vor Nebel und naß. Dazu der Wind.
Unwirklich, noch immer, ganz klar, aber leider nicht „schön unwirklich“ sondern einfach nur zum Abgewöhnen.
Das soll das berühmte Nordkapp sein? Ich hoffe inständig, dass der Rest von Norwegen schöner wird.

Wie gesagt, gegen 14 Uhr raffen wir uns dann doch mal aus dem Bett und entknittern uns.
Danach besuchen wir zunächst die bordeigenen Waschräume und machen uns frisch.

Unser Vorräte sind nahezu verbraucht, es sind nur noch Dosensuppen „en masse“ da.
Darauf habe ich allerdings nicht wirklich Bock. Stattdessen entscheide ich mich für einen kurzen Ausflug zum Besucherzentrum. Vielleicht besteht hier irgendwo die Möglichkeit ein paar Brötchen oder sowas zu bekommen.
Das Cafe in der Haupthalle hat doch bestimmt etwas im Angebot.
Anja bleibt beim Wohnmobil zurück und räumt ein wenig auf.

Der kleine Ausflug ist allerdings enttäuschend. Das Cafe verkauft keine einzelnen Brötchen oder Brot. Nur als komplettes Snackpaket kann ich eine Scheibe Schwarzbrot belegt mit Lachs kaufen. Zu einem stattlichen Preis von ca. 7,- €…!
Aber „Brötchen auf die Hand“ gibt es hier oben leider nicht.
Zurück am Wohnmobil fange ich daher ein wenig das Schmollen an. Ich habe Hunger *grmpf*
Anja muss mit, sie muss sich auch mal die Preise ansehen und mir den Kopf waschen, dass das hier Wucher ist, sonst kauf ich mir noch aus Frust weil ich es mir nicht leisten kann ein Kaviarfrühstück oder sowas…

Wir nutzen gegen kurz vor 16 Uhr mal eine Nebelpause, um dem Besucherzentrum einen weiteren gemeinsamen Besuch abzustatten. Dann wollen wir natürlich nochmal den Weg zur Weltkugel versuchen, Souvenirs kaufen, Postkarten schreiben und wenn sich die Gelegenheit bietet, natürlich auch etwas essen.

Der Wind ist noch immer heftig, er bläst nun irgendwie nicht mehr von oben und vorne, sondern eher von hinten und unten.
Er kriecht unter die Jacke in die Klamotten und bläht uns auf wie eine Schulbrottüte kurz vor dem Knall.
Wir sehen beide aus wie das kleine weiße Reifen- Michelin- Männchen aus der TV- Werbung.
Mister und Misses Michelin-Männchen frisch verheiratet am Nordkapp…  😉

              
Endlich hat der Nebel nachgelassen: Das Besucherzentrum            Am Eingang des Besucherzentrums: 71° 10`21″

Das „günstige Wetter“ wollen wir nun ausnutzen und begeben uns gleich ohne große Umwege raus auf das Plateau, um dort endlich die eiserne Weltkugel einmal angefasst zu haben.
Denn erst das würde das Erreichen des Ziels unserer Reise auch wirklich bestätigen.
Es ist zwar noch immer windig, aber die Sicht ist deutlich besser als gestern und so kann man sich das erste Mal wirklich hier oben auf den Plateau orientieren.
Eine Pfeilspitze auf einem Steinhaufen zeigt übrigens den direkten Weg nach Norden zum Nordpol. Schon beeindruckend, dass es von hier aus nicht mehr sooo weit wäre.

    
Der direkte Weg nach Norden zum Nordpol…

Aber auch der Felsvorsprung selbst, der sich ja doch deutlich über dem Wasser abhebt, ist eine Attraktion für sich. Man kann durch einen Spalt im Fels bis runter zu den tosenden Wassermassen der wohl eiskalten Barentsee blicken. Unweigerlich fällt mir Kapitän Marko Ramius des Flims „Jagd auf Roter Oktober“ ein, wo Sean Connery und Sam Neil am Anfang des Films auf der Brücke des noch aufgetauchten U-Bootes Roter Oktober stehen und sich im Polijarni- Fjord umsehen. Das ist ja jetzt nicht so weit weg von hier. Die russische U-Boot- Basis. Irgendwo bei Murmansk.

Und wo wir gerade bei U-Booten sind. Wer erinnert sich nicht an das glorreiche Filmzitat: „Gerade hier sollte man sich über alles freuen, was wächst“. Und das tun wir, denn auf diesem kahlen steinigen Boden und unter den wirklich ungünstigsten Bedingungen, die ich mir für Blumen und Pflanzen vorstellen kann (mal abgesehen vom anderen Extrem: Wüste) schafft es doch tatsächlich ein kleines aber wohl widerspenstiges Gewächs den kräftigen Naturgewalten zu strotzen. Und nicht nur das!
Neben einem grünen Stengel bilden sich doch tatsächlich ein paar lila Blütenblättchen an der Pflanze.
Ich bin echt entzückt!

         
Blick hinab in die Felsspalte runter zur Barentsee                      Gerade hier sollte man sich über alles freuen, das wächst

Und dann ist es auch für uns endlich soweit!
Die Nordkapkugel!
Auch sie strotzt den Naturgewalten, mal sehen, wie lange noch. Ob das Ding in 100 Jahren noch hier stehen wird?
Wer weiß… Wir sind jedenfalls froh, dass wir endlich dieses strategische Ziel der ganzen Reise erreicht haben. Von hier aus geht es (fast) nicht noch weiter nördlich, ohne dass man sich dabei naße Füße holt. Ist die Kugel nicht wunderschön?

              
von hinten…                                                                              und von vorn mit mir als frischer Nordkaperoberer

Nachdem wir uns an der Kugel genug „ausgetobt“ und abgekühlt haben (es ist noch immer windig und sehr kalt), treibt es uns zurück in die warme Empfangshalle des Nordkaps. Wir wollen nun mal schauen, was man außer des wohl berühmtesten Globuses der Welt noch so alles hier oben entdecken kann, also zurück in die Haupthalle…

Theoretisch wollte ich ja noch immer schauen, ob ich hier oben vielleicht etwas zu Essen bekommen könnte, also schaue ich, diesmal mit Anjas Unterstützung ein weiteres Mal im Cafe vorbei.
„Kaufen können“ können wir theoretisch schon, nur dann müssten wir anschließend das Mietmobil verkaufen, denn die Preise sind exorbitant.
Allenfalls einen Muffin könnte ich mir leisten, dann müssten wir aber das Geld wieder dadurch einsparen, dass wir mindestens das Wohnmobil von der Nordkapinsel runter und durch den Tunnel zurück schieben und dadurch Diesel sparen würden.
Das ist mir der Muffin dann doch nicht wert.
Naja, dann plündern wir später eben die Vorratsschränke im Wohnmobil.
Allenfalls die Aussicht auf unser Dosenfutter vom Aldi ist leider nicht sehr erbauend. Wir brauchen eigentlich mal wieder etwas frisches wie Brot, Wurst und Milch. Schade, dass es hier oben keinen Supermarkt gibt.
Als nächstes geht es daher vom „Ritz“ des Nordkap rüber zum Souvenirshop. Vielleicht findet sich da ja etwas brauchbares?.

Wir stöbern reichlich im Angebot.
Für zuhause finde ich eine ganz besondere „Spezialität“ Dörrfleisch vom Fisch abgepackt in Tüten. Trockenfisch oder sowas. Das wird unter Garantie zuhause keiner probieren wollen, aber als ausgefallenes Souvenier ist das genau das richtige!
Dazu noch ein kleines Fischerboot aus Holz mit der Aufschrift „Nordkapp“.
Wir stöbern lang im Souvenirshop. Ich kaufe etwas später noch heimlich eine Schneekugel vom Nordkap für Anjas Schreibtisch auf der Arbeit. Dann hat sie ein schönes Souvenir für den Alltag im Büro. Und wenn man die Kugel schüttelt, dann ist gleich schlechtes Wetter. Passt perfekt…
Anja kauft noch reichlich Postkarten, damit wir direkt vom Nordkap unsere Urlaubsgrüße nach Hause schicken können.

Das Nordkap war ja unser erklärtes Reiseziel und nur hier oben vom Postamt am Nordkap bekommen wir den offiziellen Nordkapstempel, der auch den Daheimgebliebenen beweist, dass wir es tatsächlich nach ganz oben geschafft haben.
Glaubt uns ja sonst keiner…  😉
Nach dem Einkauf bringen wir unsere „Beute“ schnell zurück zum Wohnmobil. Eine Sache habe ich dabei nicht bedacht. Wo verstecke ich denn jetzt ab besten die Glaskugel für Anja, dass sie diese nicht sieht?
Erstmal deponiere ich die unter meinen Unterhosen. Aber langfristig muss ich ein besseres Versteck finden. Na mal sehen.
Anja schreibt derweil im Wohnmobil die ersten Karten, denn einwerfen müssen wir die ja auch hier oben.

Als nächstes setzen wir erstmal unseren Erkundungsgang durch die Hallen des Nordkap- Besucherzentrums fort, hierfür nehmen wir uns nun den Gang zur Grottenbar vor. Der ist unterirdisch in den Fels gehauen. Beeindruckend.
Wir durchstreifen dabei eine kleine Austellung von der Geschichte des Nordkaps. Von den ersten Anfängen der Seefahrer (Oh weia, muss das kalt geween sein!) bis hin zu den ersten touristischen Touren wird im Modell die Entdeckung des Nordkaps nachgestellt. Ziemlich eindrucksvoll, wie ich finde.

Die Infotafeln unter den Schaukästen sind übrigens auch auf deutsch, so können wir alles lesen, was es zu erfahren gilt.
Auch die Reisegeschichte eines wohl besonderen Besuchers aus längst vergangener Zeit wird hier nachgestellt.

         
Die ersten Seefahrer am Nordkap im Modell                            „Fall mal nicht um mein dicker Kapitän…“  😉

         
1907: König Chulalongkorn von Siam besucht das Nordkap        Der Aufstieg: Damals wohl ohne kostenpflichtigen Tunnel 😉

Auch an die stillen Momente der Ruhe und Einkehr wurde gedacht. So befindet sich hier am Nordkap auch eine kleine Kapelle.
Obwohl man sich diese besser nicht als Kapelle im eigentlichen Sinn vorstellt.
Sieht ein wenig futuristisch aus. Mehr wie ein Forum auf einem anderen Planeten oder sowas.
Alles ist in merkwürdigem blauen Licht gehalten, die Stühle und die Einrichtung mit den setinernen Wänden und den kleinen lichtern überall erinnern mich irgendwie an… Keine Ahnung, so etwas habe ich noch nicht gesehen!
Mysthisch das ganze. Das auf jeden Fall.
Definitiv keine normale Kirche bzw. Kapelle…
Aber wenn man wollte, könnte man hier sogar heiraten, nur wie erklärt man das seinen Verwandten, die vielleicht gern der Trauung beiwohnen wollen, die hätten ne lange Anfahrt…

         
Der Stollen zur Grotte, rechts (an der blauen Wand) gehts…      …in die kleine Kapelle am Nordkap

Direkt nach der Kapelle befindet sich das nächste Kuriosum.
Das thailändische Muesum an Nordkap. Warum in aller Welt brauchen die am Nordkap ein thailändisches Museum?
Und warum gibt es dann nicht auch ein norwegisches oder gar ein deutsches Museum? Das muss wohl wohl wieder so eine Art Hommage an den berühmtesten Besucher, an König Chulalongkorn sein.
Na jedenfalls ist das zugegeben recht kleine Museum eine nette Abwechslung. Thailändischer Urlaub im Kurzformat am Nordkap sozusagen… 😉 Wenn ich jetzt nur noch etwas thailändisches zu Essen bekommen könnte…

              
Thailändisches Museum am Nordkap…                                          Das isser wohl, der König Chulalongkorn

Am Ende des langen Ganges folgt dann die Grottenbar. Man hat von hier aus (wenn es nicht so nebelig wäre) bestimmt einen ganz tollen Ausblick auf das Meer.
Die Grottenbar selbst bietet bestimmt Platz für locker 50, 60 oder mehr Personen.
Aber zu unserem Erstaunen ist kaum jemand hier, obwohl die Bar geöffnet hat. Wir haben wohl im Moment Glück, dass wir für die Touristenbusse noch zu früh und für die gewöhnlichen Tagestouristen schon wieder zu spät hier oben sind.
Und so haben wir die Bar für uns. Eine Bedienung ist gerade dabei ein paar Teelichter auf den Tischen anzuzünden, um so eine nettes Ambiente zu erzeugen.
Vielleicht liegt es aber auch am Preisgefüge? Denn auch hier müssten wir recht tief in die Tasche greifen, damit wir uns hier etwas leisten könnten. Also drehen wir nur eine kleine Runde, bewundern die tolle Aussicht in den Nebel und gehen dann zurück zur großen Haupthalle des Nordkapbesucherzentrums.

    
Blick in die leere Grottenbar

Wieder in der Haupthalle angekommen bewundern wir nun den großen Stein, von dem wir nun endlich wissen, warum er hier ist.
Hier auf diesem riesigen Stein stehen die Namen der ersten Nordkapbesucher. Inklusive der Einkerbungen von unserem berühmten siamesischen König. Hätte schon was, wenn ich meinen Namen frech daneben ritzen könnte.
Ob das mit dem Schlüssel geht? Ob die mich da rein ritzen lassen? Wohl eher nicht.

Ich bin zwar auch ab heute im Kreis der Nordkapfahrer vertreten, aber ich denke mal unsere Reise steht wohl in keinem Aufwand mit den Strapazen, die der König oder die anderen Besucher noch vor Hundert oder mehr Jahren auf sich genommen haben, um hier her zu kommen.
OK, ich bin einsichtig, mein Name wird hier nicht vertreten sein. Aber wenigstens in meinem kleinen Reisetagebuch steht es drin. Das sollte schon genügen.
Der Fels scheint neben der Kugel wohl auch ein Stück weit magischer Anziehungspunkt für Touristen zu sein.
Viele haben Geldmünzen auf den Fels geworfen, also tun wir es gleich. Irgendwas muss man ja „da lassen“…
Hier, wo heute das Besucherzentrum steht, was wohl früher mal offenes Land.
Was muss das damals unangenehm gewesen sein. Heute gehen wir einfach rein, wenn es uns draußen zu kalt ist. Aber früher? Vielleicht ein Zelt? Das wäre doch bei dem Wind mit Sicherheit weg geflogen.
Der Stein ist bestimmt auch froh (soweit ein Stein eben froh sein kann, ich wäre froh, wäre ich der Stein), dass er nicht mehr draußen in der Kälte liegen muss. So im jetzigen Zustand halten bestimmt auch die Inschriften viel länger.
Man hat fast den Eindruck, als wäre das Besucherzentrum um den Stein herum gebaut geworden. Wundern würde es mich jedenfalls nicht. Anja wundert es überhaupt nicht, im Gegenteil, sie ist sich sicher, dass das Besucherzentrum mit Absicht um den ersten Besucherstein herum gebaut wurde.

         
Anja steht vor dem berühmten Fels…                                      Einritzungen der ersten Besucher und Geld von heute

Es ist mittlerweile kurz vor 5, als das Wetter draußen endlich aufklart. Man kann von hier aus nun zum ersten Mal die Nordkapkugel sehen. Sofort stürmen natürlich viele Besucher aus der Halle raus aufs Plateau. Wir jedoch nicht. Wir entscheiden uns unseren Besichtigungsgang nun auf der anderen Seite des Plateaus (wo wir auch parken) fort zu setzen und mal zu schauen, was es draußen noch so zu entdecken gibt.

         
Das Wetter klart endlich auf: Alles stürmt raus zur Kugel…        Wir gehen vorn raus: Endlich mal ein Blick auf die ganze Fläche

Gleich neben dem Besucherzentrum finden wir (vorbei an den kleinen Steinhaufen) ein paar aufgestellte runde Steinplatten mit einer Metallplatte in der Mitte. Aus dem Besucherprospekt wissen wir, dass es sich hier um das Projekt „Barn av Jorden“, Kinder der Welt handelt.
Jedes Jahr im Juni wird hier der Preis „Kinder der Erde“ an ein Projekt vergeben, welches sich im besonderen Maße für Kinder auf dieser Welt eingesetzt hat.

         
Barn av Jorden, „Kinder der Erde“- Monument                         Anja steht mal daneben, damit man die Größe der Steine sieht

Von hier aus hat man auch mal einen tollen Blick auf das Besucherzentrum. Im Prospekt war zu lesen, dass es ganz oben direkt unter der weißen Kugel sogar eine Honeymoon-Suite für Hochzeitsgäste geben soll. Das wäre doch was! Eine Nacht haben wir jedenfalls noch frei.
Allerdings wenn ich überlege, was hier schon etwas einfaches zu Essen kostet, dann dürfte die Suite für eine Nacht bestimmt so teuer wie der ganze Reise selbst sein.
Später zuhause werde ich übrigens Erfahrung bringen, dass die Suite etwa 2.000,- € die Nacht kostet. Gut, dass ich nicht gefragt habe…

Durch den sich lichtenden Nebel haben wir aber auch endlich mal einen kleinen Einblick auf die kalte Barentsee.
Die Landschaft wirkt noch immer unwirklich. Dies hier oben ist garantiert kein Ort, wo ich leben möchte.
Ich brauche grün um mich herum. Und nicht dieses steinige Gelände mit dem immer feuchten Schlick und Gras. Buah, das ist kabbelig, uselig und lebensfeindlich.
Eine bessere Beschreibung passt einfach nicht. Faszinierend ist es schon, aber nur, weil wir wieder von hier weg können. Würde die Sonne scheinen, würde ich meinen wir wären vielleicht auf einem anderen Planeten, aber auch so mit dem Nebel und dem Regen kommt das gut rüber. Es ist wirklich alles total fremd und ursprünglich hier oben, spontan fällt mir der Ur-Kontinent Pangäa ein. So könnte es vor Millionen von Jahren mal auf der Erde ausgesehen haben.
Naturgewalten pur.

         
Das Besucherzentrum (ganz rechts die Nordkapkugel)              Die Barentsee im Nebel.

Gegen 17 Uhr habe ich genug von diesem Ödland. Von mir aus können wir nun nach Hause fahren.
Wir waren da, haben alles gesehen. Es ist schön, aber auch unwirklich.
Wir sind jetzt Nordkapfahrer (oder Nordkappfahrer) , haben es geschafft, hurra!

Aber Jetzt wäre ich gern Heimfahrer. Denn von nun an geht es nur noch gen Süden und nach Hause.
Wir beratschlagen zwar ob es Sinn macht noch eine Nacht hier zu bleiben und auf besseres Wetter zur Mitternachtsstunde zu warten und dazu vielleicht endlich auch auf den Ausblick auf die Mitternachtsonne zu hoffen, aber die Aussicht auf noch eine Nacht im Nebel und Sturm als möglicher krasser Gegensatz dazu ist für uns beide nicht sehr erbauend.
Und ich habe Hunger. Hier oben ist alles zu teuer und auf eine Dosensuppe aus der Womo- Bordküche habe ich ehrlich gesagt keinen Bock.

Also stellen wir die Abreisebereitschaft her.
Die kleine Schneekugel für Anja verstecke ich dabei im Gasfach. Vorsichtig, fast behutsam packe ich diese hinter die Gasflasche und umwickele sie mit ein paar Tüten und Küchenrolle.
Hoffentlich geht die nicht kaputt. Da ich das Gas ja eh abdrehen muss, fällt meine Versteckaktion gar nicht auf.

Ja und dann verlassen wir auch schon das Nordkap, es ist etwa halb 6.
Das wars, ab jetzt geht es nur noch gen Süden und endlich (hoffentlich) in schönere Wetterzonen.
Ein paar Kilometer nach der Ausfahrt an den Kassenhäuschen vorbei folgt übrigens auf der rechten Seite ein kleiner Wanderparkplatz. Wir haben aus einigen Reiseberichten gelernt, dass man von dort nach Knivskjellødden wandern kann.

Na und?
Ja also streng genommen ist dies nämlich der wahre Zugang zum „Nordkap“ bzw. der Zugang zum nördlichsten Punkt Europas.
Touristisch leider gar nicht erschlossen, außer dem besagten Wanderparkplatz findet sich hier nichts.
Und um von hier aus zum nördlichsten Punkt zu kommen, müsste man noch mehrere Kilometer durch die Wildnis stapfen.
Aus anderen Reiseberichten weiß ich, dass diese Tour locker mehrere Stunden dauert.
Das wäre hin und zurück dann für uns „geübte Wildniswanderer“ vermutlich ein oder zwei Tage 😉

Nein, das ist nichts für uns, wir haben das touristische Nordkap gesehen, das reicht uns.
Streng genommen liegt das Nordkap ja sogar auf einer Insel und ist damit nichtmal der nördlichste Punkt des Festlandes bzw. Kontinents Europa.
Würde man die Inseln dazu zählen, dann würde die Inselgruppe um Spitzbergen (auch Teil von Norwegen) das Recht des Titels „nördlichster Punkt“ genießen.
Oder Grönland. Liegt sogar noch weiter gen Norden. Gehört zwar geografisch wohl nicht mehr zu Europa, ist aber autonomer Teil von Dänemark und damit zumindest politisch der nördlichste Punkt in Europa. Aber darum möge man sich doch bitte in Brüssel kümmern…
Möchte man den nördlichsten Punkt in Europa ansteuern und dabei weder Tunnel (vielleicht deswegen der Nordkaptunnel, um es gegen alle Neider mit den Festland zu verbinden 😉 noch Fähre benutzen, dann müsste man nach Kinnarodden auf die Nordkinnhalbinsel fahren.
Auch das liegt hier ganz in der Nähe, allerdings müssten wir dann einen weiteren Abstecher nach Osten machen und das ist uns zu weit.
Wir sind ab jetzt Nordkapfahrer und soll sich einer wagen daran zu zweifeln 😉

Am Straßenrand sehen wir hier immer wieder Buchstaben und Namen, die mit Steinen gelegt wurden. Einerseits finde ich das nicht gut, denn hier oben gibt es keinen natürlichen Fluß in der Natur wie bei uns. D.h. ich kann mir durchaus vorstellen, dass man noch in 100 Jahren die Steinformationen so sehen kann, wie man sie einst gelegt hatte. Das ist eigentlich wider der Natur.

Aber dann kann auch ich mich nicht mehr zurück halten. In einer kleinen Parkbucht halte ich an und steige aus.
Ich möchte wenigstens einmal die ursprüngliche Natur angefasst haben, wenn ich schon keine stundenlange Wanderung über mich bringen kann.

Fasziniert bin ich von der Natur. Einmal, weil wir trotz Juni noch Eisfelder auf den Wiesen haben und natürlich, weil auch hier in dieser lebensfeindlichen Umgebung es die kleine lila Blume wieder geschafft hat sich Lebensraum zu erkämpfen. Beeindruckt bewundere ich, wie sie sich her an einem kleinen Wasserspiel in moorigem Gelände angesiedelt hat.
Ja und dann packt es auch mich. Auch ich möchte etwas da lassen und lege daher mit ein paar Steinen unsere Initialen hier auf die Wiese. Man möge mir verzeihen, immerhin war und ist es unsere Hochzeitsreise…

P.S.: Wenn jemand in nächster Zeit zum Nordkap fährt, kann er bitte mal schauen, ob unsere Buchstaben noch da sind?
Die kleine Parkbucht (siehe 2tes Bild) kommt ein paar Kilometer nach der Ausfahrt vom Nordkapplateau. Die Buchstaben sollte man (wenn man langsam fährt) von der Straße aus sehen können.

         
Mitten in der Einöde…                                                            …legen wir einen kurzen Stop ein

         
Ich wandere runter zu einem Moorsee mit Eisfeld…                  …nur ein paar Schritte, nicht weit vom Womo

         
Da wächst sie wieder, meine lila Blume                                  Dann packts mich doch: Eine Erinnerung an eine Hochzeitsreise

    
Ein paar Kilometer weiter mit Aussicht: Die Nordkapinsel Magerøy gleicht optisch eher einem anderen Planeten  😮

Nordkapfahrer sind wir, aber wir sind auch noch immer hungrige Nordkapfahrer.
Das muss sich nun aber nun wirklich endlich ändern!!
Daher steuern wir geradewegs die erste Stadt an, die wir von hier aus erreichen können:

Honnigsväg:
Etwa 30 km vom Nordkap entfernt legen hier u.a. auch die Schiffe der Hurtigrouten an. Von hier aus fahren dann auch die Busse mit den Touristen direkt zum Nordkapp.
Gleich nach der Ortseinfahrt finden wir auch recht schnell einen brauchbaren Parkplatz am Hafen von Hönnigsväg. Er ist groß genug, dass wir unser Mobil hier stehen lassen können. Man muss eigentlich nur den Schildern zur Touristeninformation folgen, denn der Parkplatz grenzt unmittelbar an die Touristeninfo. Praktisch!

In der Touristeninfo gibt es übrigens ein kosteloses Internetterminal (begrenzt auf 30 Minuten). Dies nutze ich mal, um eine Lagemeldung an den Vermieter abzugeben. Immerhin haben wir nach unserem letzten Telefonat vor einigen Tagen versprochen möglichst genau die entstandenen Schäden am Wohnmobil anzugeben.
Diese sind eigentlich schnell zusammen gefasst: Das Schloss der Beifahrertür ist defekt. Man kann die Tür zwar von innen verriegeln und mit etwas Mühe lässt sich das Schloss sogar wieder von außen verriegelen, dennoch wird wohl einer neuer Schließzylinder fällig werden…
Ach ja, gleich neben der Touristeninfo befindet sich im selben Haus auch ein Souvenirshop. Dort ist die Auswahl nahezu identisch (mit wenigen möglicherwiese exklusiven Ausnahmen) mit dem, was wir am Nordkap eingekauft haben.
Nur mit dem Unterschied, dass die Preise hier etwa 20-30% unter den Preisen am Nordkap liegen.

         
Wir stehen am Hafen von Honnigsväg                                      Hier kann man ein paar komische Schiffe bewundern

Nach unserer Lagemeldung wollen wir uns nun endlich um die leibliche Versorgung kümmern. Ich bin so ausgehungert, dass ich schon gar keine Lust mehr auf selber kochen habe.
Anja geht es ähnlich. Und so suchen wir nun entweder ein kleines Restaurant mit annehmbaren Preisen oder eine Imbissbude, die uns schnell was leckeres zubereitet. Beides ist uns willkommen.

Als erstes führt der Weg daher am Hafen entlang, wo sich eine Promenade anbietet. Wo sonst sollte man ein Restaurant betreiben, wenn nicht im Touristenhafen?
Auch sieht die Ecke vielversprechend aus, denn wir können einige Panoramafenster und ein paar Werbetafeln in der Ferne erkennen. Wenn es dort etwas gibt, dann finden wir es.

Leider entpuppt sich unsere Idee als totaler Reinfall, zwar finden wir am Hafen ein Hotel mit angeschlossenem Restaurant, aber wir können es nicht nutzen. Die äußere Optik deutet auf höheres Preisniveau hin, was mir ja noch egal gewesen wäre, aber eine weitere Tatsache verhindert, dass wir Nahrung verkauft bekommen, der blöde Schuppen hat zu!

         
„Das da hinten links sieht doch nett aus!?“                                Leider ein totaler Reinfall, alles zu  🙁

         
Wenigstens können wir so noch ein paar Schiffe sehen              und noch mehr Schiffe

Wenigstens einen Supermarkt finden wir wenig später.
Also kaufen wir ein paar örtliche Leckereien ein. Unter anderem probieren wir es, neben Milch, Joghurt, Brot und Brötchen, mit Fischfrikadellen. Das ist das einzige, was einigermaßen bezahlbar ist darüber hinaus in der Packung sofort als selbiges identifizierbar ist. Nur der Name der Verpackung löst bei uns ein leichtes Grinsen aus: „Fiskekaker“
Na hoffentlich haben wir die Fiskekaker jetzt auch wirklich richtig als Frikadelle identifiziert und interpretiert… 😉

Nach unserem Einkauf halten wir im Wohnmobil ein kleines Abendessen am Hafen von Hönnigsväg. Schade, dass wir keine schöne Imbissbude oder ein preiswertes Restaurant gefunden haben.
Ein weiteres großes schweres Wohnmobil aus den Niederlanden hat sich inzwischen zu uns auf den Parkplatz gestellt, es steht etwas abseits.
Aber außer einem kritischen Blick bekommen wir beide nichts von unseren neuen Nachbarn zu sehen.
Kein Wunder, die haben ein vollkommenes High-Tech- Wohnmobil mit allen Schikanen, da können wir nicht mithalten…
Egal, uns schmeckt das Abendessen trotzdem.

Gegen 19 Uhr wird es Zeit aufzubrechen, ich mag nicht eine weitere Nacht hier auf der Nordkapinsel verbringen. Ich möchte heute Nacht lieber ruhig schlafen.
Andererseits haben wir auch noch immer keine Mitternachtssonne gesehen, aber woher nehmen?
Anja hat in unserer ADAC- Reisekarte einen Eintrag gefunden, der eigentlich zu Punkt 5 „Hammerfest“ gehört. Trotzdem findet sich dort in etwa sinngemäß, dass man hinter Hammerfest im kleinen Dörfchen Forsöl (Forsøl) am Ende der Landstraße 94 ebenfalls einen tollen und romantischen Blick über eine Bucht und in die Mitternachtssonne habe.
Klingt interessant. Und obwohl wir schon die letzte Nacht am Norkap frei gestanden haben, entscheiden wir uns diesen romantischen Ausblick wenigstes mal zu suchen. Vielleicht finden wir ja dort einen Schlafplatz, auch wenn wir in unserer ADAC- Campingkarte keinen eingezeichnet haben.

Also „Tschüß Nordkapinsel“, wir fahren wieder, gegen 20 Uhr rollen wir wieder in Richtung Tunnel.
Doch was ist das? Auch für diejenigen, die die Nordkapinsel verlassen wollen, befindet sich eine geschlossene Schranke an den kleinen Kassenhäuschen. Ist mir bei der Hinfahrt gar nicht aufgefallen…
Ob die das Ticket der Hinfahrt kontrollieren wollen?

Ich rolle an das kleine Kassenhäuschen heran:
„How long is the Camper?“ während der Kassenwart die hintere Markierung auf dem Boden begutachtet höre ich erneut jene verhängnisvollen Worte…
Wie bitte? Hab ich mich grad verhört? Wollen die schon wieder wissen, wie lang unser Wohnmobil ist?
Ich schaue mich um und entdecke die Tafel mit den Preisen: Fahrzeuge länger als 6m = 491kr
Ich glaub es kaum, wir sollen doch tatsächlich ein zweites Mal für die Nutzung des Tunnels bezahlen!! Eine Frechheit!
Man kann doch von hier aus sowieso nirgendwo anders hin, hat sowieso keine andere Fahrmöglichkeit und trotzdem wollen die einem nun schon wieder die Kohle abknöpfen für eine Straße bzw. einen Tunnel, zu dem es keine Alternative gibt. Höchstens vielleicht mit einem Frachtschiff oder so.
Anja spinnt den Gedanken noch weiter: Was passiert, wenn man nun kein Geld mehr für die Tunneldurchfahrt übrig hat? Muss man dann auf der Insel bleiben? Vielleicht ist deswegen das Internetterminal in Hönnigsväg 30 Minuten kostenlos! ‚
In etwa müsste es dann lauten: mama@zuhause.de –>> „Hallo Mama, sitze auf der Nordkapinsel, bitte überweise mit schnell 500 Kronen…“     😉

Wenn ich schon zahlen muss, dann aber nicht ohne einen bissigen Gegenkommentar:
„TEN METERS!“ rufe ich heraus, bis 12 Meter ist es sowieso ein Preis…
Der Typ im Glaskasten lacht: „You´re not 10Meters long, aren´t you?“
„It makes no difference, you can see that we are longer than 6 Meters, so why do you ask?“
War vielleicht etwas zu direkt und etwas zu frech, denn nun zahle ich ohne ein weiteres Wort, einen weiteren Blick und ohne jegliche Emotion meines Gegenübers besagte 491kr und darf daraufhin die Insel verlassen.

Ist mir in diesem Moment aber auch egal, ich bleib dabei, das war gerade modernes Raubrittertum!
Also Leute, es werden sowohl für die Zufahrt zur Nordkapinsel 491 Kronen fällig und für die Abfahrt nochmals 491 Kronen. Darin nicht enthalten ist der Eintritt auf das Nordkapplateau. Das kommt dann noch extra…

         
Wieder auf europäischem Festland                                          Genauer auf der E 69 in Richtung Hammerfest

Aber jetzt wird sich nicht mehr geärgert, ab sofort halten wir Kurs auf Hammerfest (das dürften etwa so 80km bis dahin sein) und entdecken dabei die Finnmark mit dem Wohnmobil.
Wenn wir so gut vorwärts kommen, wie in den vergangenen Tagen, dann können wir in 1,5-2 Stunden da sein.
Da es nicht dunkel wird, haben wir auch genug Zeit um durch Hammerfest durch und dann nach Forsol zu fahren. Mal sehen, ob wir die Mitternachtssonne nicht doch noch zu Gesicht bekommen.
Je weiter wir vom Nordkap weg fahren, desto mehr freue ich mich über die Rückkehr in die Zivilisation. Das Gras wird wieder grüner, die Büsche werden wieder höher und nach einiger Zeit sehen wir auch endlich wieder ein paar Rentiere.
Auch das schlechte Wetter am Nordkap ist auf einmal wie verschwunden, die Sicht ist gut, der Himmel deutlich klarer und das Meer ruhig. An einer besonders schönen Ecke halten wir dann sogar an und legen eine „Ich-lass-mal-die-Natur-auf-mich-wirken“-Pause ein. Das ist auch nach der Einöde am Nordkap nötig.

Besonders interessant finde ich die vielen platt und halbrund geschliffenen Steine. Wie oft muss die Natur mit ihren Elementen Wasser und Luft diese doch recht harten Steine bearbeitet, verschoben und immer wieder gegeneinander gerieben haben, damit die Steine ihre heutige Form annehmen. Gemessen an der Lebensdauer und Erfahrung dieser Steine währt unser Leben doch für die Steine nur ein Augenblick.

         
Endlich wieder Leben! Ein paar Rentiere auf der Straße              Genau der richtige Moment für eine Pause

         
Das Wasser ist ganz ruhig, die See glatt und klar                      Faszinierend die Steine, alle so platt und glatt…

Etwas weiter auf dem Weg nach Hammerfest finden wir dann eine andere interessante Sache: Fisch!
Zwar jetzt nicht so, wie man sich diesen normalerweise vorstellt, sondern aufgespießt an Stöcken und dies gleich zu hunderten auf Holzgerüsten. Hier kommt also der Stockfisch her. Oder eher der Dörrfisch. Denn der Fisch wird ja duch die Luft ausgetrocknet. Damit die stets hungrigen Möwen davon allerdigs nichts abbekommen, sind große Netze über die hölzernen Gerüste gespannt. So trocknet dann der Fisch an der frischen Luft vor sich hin. Ob das nicht im Sommer stinkt?
Im Länderführer Norwegen steht sogar, dass dieser Fisch (es ist übrigens Kabeljau) sogar als Exportschlager anzusehen ist. Beliebt vor allem in den südlichen Ländern wie Spanien und Portugal findet der Trockenfisch als „bacalao“ oder „bacalau“ seine Abnehmer. Toll, wieder was gelernt…

Das muss übrigens auch der gleiche Fisch sein, den ich als Reisesouvenir am Nordkap für die daheimgebliebenen gekauft habe. So kann ich wenigstens den Beschenkten ein Bild zeigen, wo ihr Andenken unserer Urlaubsreise ursprünglich herkommt…

         
Holzgerüste mit riesigen Netzen drüber                                   Bei genauerer Betrachtung enttarnt: Kabeljau als Trockenfisch!

Durch Hammerfest rauschen wir übrigens nur durch.
Anja ist überrascht von den Aktivitäten auf den Straßen in und um Hammerfest. Die Leute sind in derart großer Menge unterwegs, wie bei uns an einem Sonntag nachmittag bei 20°C auf den Rheinwiesen…
Die Erklärung ist schnell gefunden: Ein Schiff der Hurtigroute hat gerade angelegt, entsprechend werden wohl gleich die nächsten Menschenmassen in Bussen zum Nordkap gekarrt…

Wir wollen versuchen noch vor Mitternacht das kleine Fischerdörfchen Forsöl zu erreichen, von dem man ja wie schon oben geschrieben auch einen tollen und romantischen Blick auf die Mitternachtssonne haben soll.
Und wenn das Wetter so bleibt, wie es jetzt ist, dann glaube ich das ungesehen.
Im Moment haben wir 22 Uhr durch und die Sonne steht gold glühend über dem Wasser.
Die Farben sind atemberaubend. Einmal gold und klar, dann wieder, hinter der nächsten Kurve, blutrot und hinter Wolken getaucht. Ein einzigartiges Naturschauspiel.

         
Bald geht sie unter                                                                 glühend taucht die Sonne unsere Landschaft in warmes Rot

Forsöl ist wirklich nur ein kleines Dorf, die Hauptstraße bzw. die Landstraße 94 endet hier.
Wir kurven ein wenig durch Straßen ohne Namen, fahren vor, drehen und fahren dann wieder ein Stück zurück.
Ausgeschildert ist hier nichts mehr. Für wen auch? Vorrangig handelt es sich wirklich mal um ein Fischerdorf am Ende der Welt.

Nach etwas suchen finden wir dann im nordöstlichen Rand des Dorfes schon fast außerhalb der Dorfgrenze einen einfachen Kiesparkplatz wo schon ein paar andere Wohnmobile stehen. Wir haben es sogar zeitig geschafft, es ist etwa halb 12.
Ob es sich nun hier um die Bucht handelt, die im Reiseführer vom ADAC erwähnt wird, das wissen wir nicht so genau. Die Sonne selbst können wir leider nicht sehen, denn diese versteckt sich hinter einer Hügelkette auf der anderen Seite des Fjordes.
Aber das diese nicht untergeht, das können wir schon erkennen, denn noch immer taucht sie den Himmel in ein leichtes rot. Wenn auch nicht so stark, wie wir es vorhin auf der Landstraße gesehen haben.
Beeindruckend ist auf jeden Fall die Helligkeit. Konnten wir am Nordkap nur erahnen, dass es hell ist (für eine genaue Bestimmung war es einfach zu nebelig) können wir hier nun ungläubig zuerst auf die Uhr und dann um uns herum schauen. Alles sieht so aus, als wir vielleicht späten Nachmittag, 18 Uhr oder so. Stattdessen haben wir Mitternacht und wird ja nun nicht noch dunkler, es wird nun heller. Die Nacht ist hier eigentlich schon vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat.
Das ist schon interessant…
Der Körper kommt ganz durcheinander. Wenn wir das Wohnmobile nicht schrittweise durch die lichtundurchlässigen Rollos immer dunkler ablichten würden und damit den Abend und die Nacht nicht quasi im Schnelldurchlauf simulieren würden, wir könnten möglicherweise gar nicht richtig einschlafen.

Anja dreht noch einen Video und wir machen noch ein paar Bilder dieser abenteuerlichen Situation. Hier ist es gleich viel besser, als am Nordkap. Das Wetter ist wirklich sehr ruhig und ich hoffe wir können nachher gut schlafen.
Eine Sache sei noch erwähnt, was eventuell das Schlafen beeinträchtigen könnte: nämlich die Tatsache, dass wir heute Abend das erste Mal seit dem nächtlichen Einbruch am Anreisetag wirklich komplett frei stehen.
Mal sehen, ob es klappen wird…

         
Die Aussicht auf die Bucht von Forsol                                       Mitternacht… es ist noch immer taghell…

Die Bucht von Forsöl (Forsøl) (WMV- Format, 2,2 MB)
Anja führt Regie: Die Bucht von Forsöl zur Geisterstunde, wer mal sehen mag, wie hell es noch ist…

Ach ja, eine Sache möchte ich auch noch unbedingt erwähnen, bevor wir nun für heute zu Bett gehen:
Dadurch, dass wir am letzten Campingplatz in Finnland keine V/E durchgeführt haben und wir auch am Nordkap nicht die Tanks entleeren konnten, brennt nun seit heute Abend die kleine Lampe an der Toilette.
Man hat es vorhin auch schon während der Fahrt gerochen (offenbar ist ein offenes Fenster in der Fahrerkabine wie ein Sog, der die „Gerüche“ von hinten aufsaugt…), unser Pipitank ist voll.  😮
Auch die Ab- und Frischwasserdioden haben die Plätze getauscht. Frischwasser hat nun nur noch 1 von 3, während Abwasser nun 2 von 3 Lampen am brennen hat. Das bedeutet, dass wir morgen unbedingt wieder einen CP aufsuchen müssen.

Und noch was: Weil die Lampe am Klo brannte, habe ich mir den Sitz etwas genauer angesehen. Was soll ich sagen, ab sofort muss keiner von uns mehr akrobatische Verrenkugen auf der Toilette ausführen!!
Denn der Sitz auf dem Campingklo (Anja nennt es gern Dixie- Klo, obwohl es das ja gar nicht ist…) ist drehbar! Oh-Mann, kann sich das jemand vorstellen?
Da quetscht man sich tagelang auf die eh schon zu kleine Campingschüssel und muss eigentlich die Beine abschrauben, um überhaupt hier ein Geschäft verrichten zu können…
Dabei hätten wir uns diese Strapazen ersparen können…

Aber nun wird es alles anders. Durch den Luxus eines drehbaren Sitzen kann dieser nun in den Raum hinein gedreht werden und gibt somit ungeahnte Räume für Beine und Anhängsel frei, die ich mir die letzten Tage nicht zu träumen gewagt hatte.
Ein richtiges Erfolgserlebnis! Ab heute wird endlich wieder „gethrohnt“…
Und wer sich jetzt vor die Stirn tippt und meint, dass das ja ziemlich dämlich ist: Wenn man jahrelang nur auf die festen Keramiktoiletten daheim gegangen ist und die Toiletten nur als fixen Punkt kennt, dann „erkennt“ man nunmal nicht unbedingt sofort die Zusammenhänge zwischen platzsparendem „Wegdrehen“ der Schüssel und beinfreiem „Herdrehen“ fürs Geschäft.
Wir freuen uns jedenfalls, denn dadurch haben wir ein Stück Luxus gewonnen, der das Campingleben attraktiver denn je gemacht hat.

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