Es wird ernst! Noch 2 Wochen bis zum Start!

So langsam wird es konkret – und unwirklich! Fliegen wir WIRKLICH in zwei Wochen nach Amerika?
Erschreckt müssen wir feststellen, dass die Langzeitwettervorhersage nunmehr nicht mehr nur unseren Tag auf der Ankunft auf dem Radar, sondern sogar schon die ersten zwei Tage darüber hinaus vorhersagen möchte! Und was das weise Wetterorakel aus dem Internet da von sich gibt, sieht gar nicht gut aus! Was‘n los Orakel? Waren die zahlreichen Opfergaben, die wir dir diesen Winter auf den Bürgersteigen der Nation in Form von Granulat und Salz dargebracht haben, etwas nicht gut genug?
Jedenfalls sind Temperaturen um den Gefrierpunkt (auch tagsüber!) angesagt! Das kurze Hoch mit bis zu 14°C aus der Vorwoche, welches uns schon auf einen beginnenden Frühling in den USA hoffen ließ, ist also wieder Geschichte! Aber es ist ja bekanntlich die Hoffnung, die zuletzt stirbt. Und seit wann können die vom Wetter das Wetter bitte wirklich vorhersagen?!

Wir bleiben also cool! Zur Sicherheit nehme ich mir aber vor, den Bürgersteig vor unserem Haus in den kommenden Tagen als weitere intensive Opfergabe an das Wetterorakel ganz besonders zu bestreuen. Und wenn die Nachbarn verstohlen hinter den Gardinen hervor schauen und sich wundern, was der Seifert da bei Plusgraden macht, werde ich nur psychopathisch grinsen… 😉

Anyway: Das Wetter mag uns nicht hold sein, aber Disney ist es! Eine der großen Herausforderungen unserer Routenplanung bestand ja darin, dass wir noch nicht wussten, ob es die Präsidentenbibliothek von Clinton in Little Rock, oder die Ausstellung von Reagan nahe bei Los Angeles auf der Nordseite werden wird. Diese Entscheidung wurde aber wesentlich davon beeinflust, ob der Disney Park in Los Angeles schon geöffnet sein wird, oder nicht!
Nun, die Erben eines gewissen Walt Disney haben entschieden, es wird Clintons Präsidentschaft und Oval Office werden, dem wir einen Besuch abstatten! Denn der Disney Adventure Park, in dem sich die Filmlandschaften von Cars oder Toy Story wiederfinden, die unsere Kinder so mögen, öffnet bereits Ende Februar seine Tore! Damit wird dieser als Unterwegsziel unserer Reise gesetzt. Und ohne mit der Wimper zu zucken, werden wir unseren Beitrag für ein menschenwürdiges Leben der Erben des Herrn Disney sorgen. Denn vier Eintrittskarten kosten für unseren ausgesuchten Besuchstag nicht weniger als 524 US Dollar! FÜNFHUNDERVIERUNDZWANZIG! Für eine popelige Tageskarte für zwei Erwachsene und zwei Kinder!
„Zwei Erwachsene und ein Kind!“ korrigiert Anja und spart uns so spontan 127 Dollar, die ich beinahe unnötig für Tim bezahlt hätte! Denn Tim wird erst wenige Tage NACH unserem Besuch im Freizeitpark drei Jahre alt werden und darf daher gerade noch als Zweijähriger kostenlos in den Park. Super!
Da bleibt also durch das gesparte Geld noch ein wenig übrig für ein paar Merchandising- Artikel im Park. OK, basierend auf den Eintrittspreisen dürfte wohl kaum mehr als ein Schlüsselanhänger für Nils und ein Kühlschrankmagnet für Tim drin sein, aber auch hier leisten wir gerne unseren Beitrag, damit Disneys Erben nicht am Ende noch von der Tafel versorgt werden müssen…

Dennoch sind wir zufrieden! Denn der Park hat nun die endgültige Reiseplanung eingeläutet! Das war ja bislang noch immer ein Delta, wie es von Las Vegas aus weitergehen wird. Nun können wir buchen!
Das erste, was wir nun buchen, ist ein Hotel für zwei Nächte ganz in der Nähe des Parkeingangs der Disney Adventure World! Ein kurzer Blick in die Angebote der offiziellen Hotels im Park, 600 Dollar für zwei Nächte, danke, weiter! Also bedienen wir uns des gleichen Tricks, den wir auch schon für das Hotel am Flughafen von Chicago und in Middelbury angewandt haben. Abseits von Expedia, Trivago, Opodo, hrs, ebookers, hotels.com und Co. Wir gehen auf google Maps, zoomen den Park und seine benachbarten Straßen heran und geben dann im Suchfeld einfach „Hotel” ein. Und schon hustet google kleine Fähnchen auf die Karte, direkt mit dem passenden Preis dazu. Der jeweilige Anbieter des Preises wird unten links in der Auswahl auch gleich dazu angezeigt.
Nach einigem Verschieben der Karte wird es das Castle Inn in Anaheim!
Warum gerade das? Nun, zum einen kostet es für ein Vierbettzimmer „nur“ 154,- € (über den aktuell günstigsten Anbieter ebookers) pro Nacht und zum anderen liegt es nur etwa 450 Meter vom Haupteingang des Disneyland entfernt! Damit liegt es näher am Eingang, als würden wir das offizielle Disney- Parkhaus nutzen!
Als Kür oben drauf: Das Parken für das Auto ist für die Dauer des Aufenthalts kostenlos! Beim Disney Park schlägt das Parken ansonsten mit 20 Dollar pro Tag und Auto zu Buche.
Lang haben wir übrigens hin und her überlegt, ob wir dem Disney Park nur eine oder zwei Nächte opfern wollen. Und haben uns für zwei entschieden. Einfach, weil wir nach einem Parkbesuch nicht noch mit matten Füßen und müden Häuptern durch die halbe Stadt fahren wollen, um das letzte Highlight unserer Route zu besuchen!
Den Santa Monica Pier!
Zum einen, weil wir den Kindern gerne wirklich mal den Pazifik zeigen möchten! Ein Ozean, den sie vielleicht ansonsten nie wieder zu Gesicht bekommen werden! Ist uns irgendwie wichtig als Eltern, auch wenn Tim mit seinen zwei Jahren die ganze Tragweite dieses globalen Erlebnisses nicht erfassen können wird und stattdessen spontan wie an der holländischen Nordsee lieber nach Eimerchen und Schaufel greift, als in der Ferne Asien zu erahnen wie die Erwachsenen.
Zum zweiten muss es der Santa Monica Pier sein, weil dort eben das Schild steht: „Route 66 – End of the Trail!“ Das brauchen wir! So als geographischen Abschluss der Reise! Wir starten in Chicago am Schild des Startpunkts und möchten dann auch gerne am Ende „Schluss“ machen.

Sehr gerne hätte ich für den Pier zwei Übernachtungen gehabt. Damit man am Strand von Santa Monica aufwachen und einen tollen Tag am Strand verleben kann! Aber durch die zwei Übernachtungen am Disney Adventure Park haben wir nur noch eine Nacht übrig, bis der Rückflug ansteht. Wir werden also vom Disney Park aus am vorletzten Tag rüber fahren, einchecken, an den Pier gehen, ein Bild machen, die Reise dort gedanklich abschließen, uns alle in den Arm nehmen, dass wir dieses verrückte Abenteuer hinter uns gebracht haben (natürlich wird die Sonne den Abend in ein schönes rotgold tauchen, Möwen kreisen über uns, es ist warm und weich) und dann zurück ins Hotel gehen und die letzte Nacht in Amerika schlafen. Am nächsten Morgen geht es dann von dort die nur wenigen Kilometer rüber zum Flughafen von Los Angeles, von wo aus wir den A 380 gen Europa und nach London Heathrow besteigen.

Das Hotel in Santa Monica ist übrigens nochmals RICHTIG teuer! Gerne möchten wir ja in Fußreichweite zum Strand verbleiben, damit wir eben abends ggf. nochmals los können, um den Pier im Licht des Sonnenuntergangs genießen. Aber dieses Abenteuer hätte erneut mehrere hundert Dollar für nur eine Nacht verschlungen und mehr gekostet, als die Übernachtung 400m vom Eingang des Disney Parks entfernt! Zuerst haben wir uns für ein Motel etwa 2 km vom Strand entfernt entschieden. Die Idee war, dass ich Anja mit den Kindern dort absetze und ich dann das Auto zurück zum Hotel bringe (wo das Tagesparken nicht 40 Dollar pro Auto wie am Strand kostet!) und die zwei Kilometer eben sprinte! Hätte den Vorteil, dass ich gleich die hart antrainierten Burger- Pfunde der zwei Amerika- Wochen wieder abtrainiert hätte! Aber amerikanisches Hüftgold so leichtfertig aufs Spiel setzen? Dies und natürlich die Tatsache, dass die Hotel am benachbarten Venice Beach nicht nur günstiger sind, sondern eben auch in Fußreichweite zum Strand liegen, ermöglicht beides. Am letzten Tag werden wir nach dem Einchecken nach Santa Monica fahren, stundenweise parken (das kostet „nur“ etwa 6 Dollar), den Pier besuchen, unser Abschlussbild machen und dann ins Hotel zurückkehren. Dann wird sortiert, gepackt, was auch immer. Wenn dann am Abend noch Zeit ist, spazieren wir einmal den Venice Beach entlang. Oder gehen im Rücken unseres Hotels, einem Hotel am Yachthafen, an den dortigen kleinen Strand im Hafenbecken.  Das passt schon.

Ansonsten bliebe noch anzumerken, dass wir im Zuge der Reisevorbereitung herausfinden, dass wir sogar mit dem Zug fahren!
OK, jetzt nicht gleich nach Amerika, aber in Madrid vom Terminal 4, wo unser erster Flug von Düsseldorf aus ankommt, zum Terminal 4S, welches für den internationalen Flug genutzt wird. Das „S“ in der Terminalbezeichnung steht dabei übrigens für „Sport“, denn die beiden Terminals haben trotz der gleichen Nummer mal eben eine Landebahn und Taxiways zwischen sich! Entsprechend sind sie nur unterirdisch mittels des Zuges verbunden. Das allein ist nicht schlimm. Sorgenfalten treibt uns aber der Umstand auf die Stirn, dass wir für den Umstieg in Madrid nur 75 Minuten Zeit haben! Mit einem kompletten Terminalwechsel! Ich bin heilfroh, dass beide Flüge von American Airlines zusammen gebucht sind, der Interkontinentalflug also offiziell der Anschlussflug ist! So ist das Gepäck zum einen schon durchgecheckt und zum anderen muss sich die Airline um uns kümmern, wenn z.B. der erste Flug verspätet ist. Das wir den schwachen Trost eines Käsebrötchens und eines Bechers Kakao aber kaum als Ausgleich dafür sehen würden, dass wir von unserem Flieger in die USA nur noch die Rücklichter sehen, steht wohl außer Frage.
Ich ertappe mich dabei, dass ich jeden Tag bis zum Abflug inzwischen nachschaue, ob der Iberia- Flug Düsseldorf – Madrid Verspätung hat. Und ob die Maschine in die USA pünktlich startet. Bis jetzt sieht es nicht schlecht aus. Es ist eher so, dass der USA- Flieger mit Verspätung abhebt…

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Es wird noch ernster! Noch 10  Tage bis zum Start!

Ich fühle mich nicht gut. Die Knochen tun weh, der Kopf dröhnt, Husten, Schnupfen Heiserkeit!
Nicht umsonst steht das „S“ für Stärke, „D“ für Durchaltevermögen und „H“ für hart im Nehmen im Wort „Männergrippe“. Wie? Diese drei Buchstaben sind im Wort Männergrippe nicht vorhanden? Tja, könnt ihr mal sehen. 😉
Im Radio sagten sie, die Epidemie nach Karneval wäre abgeebbt. Na super. Irgendein Virus- Nachzügler meinte mir natürlich noch die volle Packung mitgeben zu müssen.

Aber einen Arztbesuch später und bewaffnet mit einem bunten Strauß der pharmazeutischen Industrie meint meine Hausärztin, dass wir das bis zum USA- Flug nächste Woche in den Griff bekommen. Knapp 10 Tage sind es jetzt noch.

Wir gehen ansonsten nochmals alles durch. Die einzelnen Puzzlestücke aus Mietwagen, Hotels und Co sind gebucht, wir müssten soweit alles haben!
Halt!
Reisestecker noch!
Ein Besuch im Action- Markt bei uns im Ort ist ernüchternd. Der hat keine. Bestellen? Baumarkt? Widerwillig gehen wir nochmals unsere Kisten, Schubladen und Schränke durch. Und tatsächlich finden wir 2 Stecker vom Typ A, der wohl in US, MEX und CN Steckdosen passen wird. Das ist doch was! Diese können wir dann mit einem Dreierstecker vervielfachen.

Und auch die Reiseplanung ist ein gutes Stück weiter!
Tag 1: Ankunft in USA am frühen Nachmittag. Wir gehen sofort ins Hotel nachdem wir aus dem Flughafen raus sind.
Tag 2: Nach dem Ausschlafen Fahrt auf eigene Faust nach Middelbury! Vielleicht können wir nach unserer Ankunft sogar schon den Papierkram für den nächsten Tag erledigen. In den Bestimmungen von Roadbear steht drin, dass man nicht zwingend die Papiere am Vorabend im Hotel in Chicago ausfüllen muss. Wer individuell anreist, kann dies auch ggf. auf dem Fabrikgelände im Office von Roadbear. Das käme mir natürlich SEHR gelegen!
Tag 3: Heute ist die Wohnmobilübernahme. Da wir am Vortag schon nach Middelbury gefahren sind, hoffe ich das Wohnmobil übernehmen zu können, bevor der Pulk mit dem Shuttelbus eintrifft. Danach geht es gleich nach Süden.
Tag 4-7: Reise durch die USA von Middelbury nach Las Vegas. Hierbei haben wir uns sogar für die ersten Tage anhand des Reiseführers eine schöne Liste erstellt, was wir sehen wollen und wo wir eventuell übernachten können. Bis etwa Albuquerke steht die Route!
Tage 7-13: Da sind wir noch offen, hängt alles ein wenig von den Tagen zuvor ab.
Tag 13 und 14: Ankunft in Las Vegas, Rückgabe des Wohnmobils, Übernahme eines Mietwagens
Tag 15-19: Anschlussfahrt mit dem Mietwagen von Las Vegas an den Pazifik nördlich von Los Angeles. Tour ausklingen lassen
Tag 20: Rückgabe Mietwagen, Rückflug von Los Angeles.

Super! Wir haben alles!

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Noch 7 Tage bis zum Start! Wir haben NICHTS fertig!!!

Anja hat es zerlegt. Gleiche Grippe wie ich. Auch sie bekommt von unserer Ärztin ein ähnliches Portfolio aus dem Rezeptschrank angeboten.
Aber das ist noch nicht das schlimmste! Wir haben das Gefühl, es ist NICHTS vorbereitet! Unsere Routenplanung ist kaum über Amarillo hinaus und die letzten Abende haben wir es irgendwie nicht mehr geschafft, hieran weiterzuarbeiten. Wir werden es wohl oder übel auf uns zukommen lassen müssen.

Spannend wird übrigens auch werden, wie es mit dem Flug klappt! Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, dass ich uns gerne gute Plätze im Flugzeug vorreserviert hätte. Und an einem Tag, wo ich wieder mal unsere Buchung bei American Airlines aufgerufen habe, gab es plötzlich die Möglichkeit Sitzplätze für den Hinflug mit Iberia zu wählen!
Ich bin zu Dreiviertel durch den Prozess durch, wir hatten sogar schon fest eingetragene Plätze, bis das System wieder einmal im letzten Moment resettete. Wenn ich jetzt unsere Buchung aufrufe, stehen dort diese Plätze, aber grau hinterlegt. Wie vorreserviert, aber buchungstechnisch nicht abgeschlossen. Auswahlmöglichkeit keine. Ich bin gespannt.

Ansonsten klären wir organisatorisch das Nötigste! Für Medikamente, die wir für Nils und Tim mit in die Kabine nehmen wollen, besorgen wir die entsprechenden Bescheinigungen. Beide bedürfen diese leider und dies war auch ein Grund, warum wir noch immer keine 100%ige Vorfreude auf diese Reise genießen können.
Muten wir unseren Kindern zuviel zu? Wäre besonders Tim nicht eingeschränkt, wir würden es wohl lockerer sehen. Aber unser Betreuungsteam macht uns Mut. Andere hätten das auch geschafft und stellen uns gerne alle notwendigen Bescheinigungen aus.

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Noch 5 Tage bis zum Flug.
Oder: Wie sind eigentlich die Konditionen für die Reise- Rücktrittsversicherung?

Es ist passiert! Nils ist krank! 40 Fieber! Unser erster Besuch beim Kinderarzt ist noch hoffnungsvoll und er meint, dass wird schon. Aber praktisch das gesamte Wochenende verbringt Nils auf der Couch, dick eingepackt und mit Medizin vollgestopft. Über ein Jahr hatten wir Ruhe. Trotz zahlreicher Infekte im Kindergarten. Mehr, als eine „normale“ Infektion war auch nicht mehr dabei!
Der letzte Krankenhausaufenthalt für Nils war im Sommer 2016! Seit dem war alles gut! Wir dachten es sei vorbei. Aber ausgerechnet jetzt scheint es schlimmer zu werden. Die Konditionen der Reiserücktrittsversicherung krame ich aus den Emails vom Spätsommer 2017 mal hervor. Ich meine wann braucht man die? Aber jetzt könnte es tatsächlich zum ersten Mal in unserem Leben soweit sein.
Eins ist dann aber auf jeden Fall sicher: Wenn wir wirklich die Reise aus Krankheitsgründen absagen müssen, wird das hier der kürzeste Reisebericht aller Zeiten und maximal noch ein Erfahrungsbericht, wie wir das Abwickeln einer Reiserücktrittsversicherung erlebt haben! Erstaunlich, dass es hierzu so wenige Erfahrungsberichte im Internet gibt…

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Noch 2 Tage bis zum Flug. Jetzt wackelt es aber wirklich!

Nils geht es noch immer mies! Ein weiterer Termin beim Kinderarzt steht an. Montagnachmittag. In weniger als 48 Stunden wollen wir im Flieger sitzen! Und die Fieberschübe halten sich hartnäckig wie die Kekskrümel in den Ritzen unserer zum Krankenlager umfunktionierten Wohnzimmercouch.

Der Kinderarzt nimmt unsere Sorgen mit der Flugtauglichkeit nun etwas ernster und führt einige erweiterte Untersuchungen durch, bestimmt über die Blutabnahme Entzündungswerte und noch einen anderen Wert, den ich mir leider nicht gemerkt habe.
Dann reibt sich lange am Bart, bis er grinst. „Das klappt schon!“ meint er. „Kommen Sie aber vorher ruhig nochmals rein, wenn das Fieber nicht sinkt“ Tss, der hat gut reden!
Das in der folgenden Nacht von Montag auf Dienstag das Fieber von Nils nicht sinkt und wir erstmals auch bei Tim Fieber messen müssen, lässt unsere letzten Hoffnungen inzwischen begraben. Das war´s! Tschö USA!

Wir spielen ein paar Gedankenspiele durch. Unter anderem überlegen wir, den Anflug nach Madrid, wo es ja erst in den großen Flieger über den Teich geht, als Testflug zu missbrauchen.
Klappt es auf diesem 2- Std. Flug, können wir auch den Anschluss nehmen. Wird die Situation für die Kinder aber unerträglich, brechen wir in Madrid ab! Dann bitten wir das Team von Iberia um Hilfe, sie mögen in Madrid den Flughafenarzt benachrichtigen und er soll uns dann den Reiseabbruch bescheinigen. Dann sehen wir vielleicht wenigstens einen Teil des Geldes wieder.

Viel schlimmer ist aber unser wirklich schlechtes Gewissen als Eltern! Ich meine selbst wenn der Arzt knapp seine Zustimmung gibt, ist dann eine mehrstündige Flugreise in einer engen Druckkabine nicht dennoch eine enorme Belastung für einen so kleinen und durch Krankheit geschwächten Körper? Und auch die Reise selbst muss man ja mal berücksichtigen? Zwei Stunden fliegen nach Spanien und dann bei schönen 20°C im Hotel am Strand das mediterrane Meeresklima bei der Auskurierung unterstützen lassen, das würde ja gehen! Aber nach einem 8- stündigen Interkontinentalflug steigen wir in einem Hotel ab, fahren am nächsten Tag bei 2°C von Chicago nach Middelbury, gehen dort wieder in ein Hotel und am nächsten Tag besteigen wir ein Wohnmobil! Wir können die Kinder ja schlecht mit Fieber im Wohnmobil ins Bett legen und dann lustig munter die Route 66 entlang fahren?!
Und bei Schmerzen? Da wechseln sich dann Ibuprofen und Paracetamol- Zäpfchen ab?

Wir sind an diesem Montagabend, 36 Stunden vor unserem Abflug ziemlich sicher, dass wir selbst, wenn wir keine Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen können (weil eben ein fiebriger grippaler Infekt bei Kindern vielleicht nicht als Erkrankung für einen Reiserücktritt anerkannt wird), die Reise sausen lassen. Einiges können wir stornieren, angeblich bekommt man auf den Flug wenigstens die Steuern erstattet. Grob über den Daumen verlieren wir aber mindestens zwei Mille.
Aber ist es nicht so, dass kein Geld der Welt gegen das Wohlergehen der eigenen Kinder gegengerechnet werden kann?!

Aber selbst, wenn wir fliegen können (wir werden wohl morgen nochmals zum Kinderarzt gehen und wenn es nicht besser ist, bitten wir auch um eine Bescheinigung für den Abbruch), bleibt dieses unsäglich bleierne Gefühl! Dieses Hadern, dieses Nichtstunkönnen, außer abwarten, ob sich der Gesundheitszustand bessert, ist eine shice- Situation!
Die ganze Vorfreude auf diese vielleicht in unserem Leben einmalige Reise ist wirklich auf den absoluten Nullpunkt gesunken. Du kannst nichts planen, nichts machen, weil du nicht weißt, ob du übermorgen in den Flieger steigen kannst, oder nicht!
Ein Gefühl, welches wirklich alles und jeden lähmt. Anja bügelt zwar weiter tapfer die Wäsche, allerdings mit dem Argument, dass sie sowieso gebügelt werden müsste. Ob wir nun fliegen oder nicht.

Eine Erkenntnis nehmen wir aus dieser Situation mit. Etwas, was wir als Camper mit eigenem Wohnmobil bzw. Wohnwagen längst vergessen hatten. Weil es einfach normal geworden ist!

Vorplanung ist shice! Eine Situation wie diese macht alles kaputt, was man sich fast ein Dreivierteljahr in den schönsten Farben ausgemalt hat. Es gibt kein „dann fahren wir eben morgen wenn es heute nicht geht“. Können wir am Mittwoch nicht in das Flugzeug steigen, ist die Reise gelaufen! Ende, aus!

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Noch 24 Stunden bis zum Flug…

Mein letzter Arbeitstag. Theoretisch. Und natürlich auch praktisch, auch wenn wir noch nicht wissen, ob wir morgen wirklich fliegen können. Kaum bin ich mit dem Tagwerk durch und habe mich bei den Kollegen verabschiedet, eile ich nach Hause. Die Kinder nochmals vom Arzt untersuchen lassen und so.

Aber kaum komme ich heim was sehe ich da? Meine Jungs! Spielen quitschvergnügt miteinander! Man würde nicht denken, dass der Große noch tags zuvor zuvor wie tot auf dem Sofa gelegen hat.
„Hast dem Bub einen Fiebertorpedo (Anm. der. Red.: ugs. für ein Zäpfchen bei uns 😉 ) reingeschossen?“
„Nein, NICHTS!“ entgegnet Anja entrüstet.
Ich kann es nicht glauben. Die Jungs scheinen fit zu sein!
Sollte der Kinderarzt doch Recht behalten haben mit seiner Vorhersage?! Sollten wir wirklich fliegen können?!
Offensichtlich hat unser Doc beim Medizinstudium, als Orakeln von Krankheitsverläufen auf dem Lehrplan stand, besonders gut aufgepasst. 😉
Denn der Zustand unserer Buben ist exakt so, wie er es gesagt ist.

Anyway. Wir sind nun endgültig auf GO und werden morgen nach Amerika fliegen!
Die Sachbearbeiterin unserer Reiserücktrittsversicherung kann jetzt, falls sie hier schon fieberhaft mitliest, jedenfalls aufatmen! Ihre diesjährige Prämie ist gesichert… 😉

Trotz der vier Koffer, die sich bereits im Flur stumm ähnlich des Hadrianswalls aufreihen, liegen zwei Tische und das Sofa noch voll mit Pröll! Besonders alle elektronischen Geräte wollen verstaut werden. Sehr gerne möchten wir diese im Handgepäck dabei haben. Nicht, dass wir glauben es wird geklaut, aber Anja hat mal ein Nokia 6210 auf einem Flug von Tunesien nach Düsseldorf eingebüßt, weil wir es im Koffer deponiert hatten. Wahrscheinlich hat es noch immer zwei Balken Akku und erfreut sich beim nun aktuellen Besitzer noch immer bester Funktion…
Wie gesagt, alles an Elektronik wie Tablets für die Kinder, Reiselaptop und Kamera, aber auch ein Haufen Ladekabel, Ladegeräte, mein Rasierapparat und Ersatzhandys finden den Weg in das Handgepäck.
Auch ein Notvorrat an Kleidung und medizinischer Ausrüstung wird auf die „Handgepäckstücke“ verteilt. Einige Horrorgeschichten über tagelang verschwundenes Gepäck und einige fragwürdige Tipps, wie man auch die Unterwäsche nach dem bereits zweiten Wenden am dritten Tag wieder frisch bekommt, müssen wir nicht ausprobieren.
Was für ein Wort übrigens! Handgepäck! Schaue ich mir unser Handgepäckstück mal genauer an, sieht es gar nicht aus wie ein solches. Sondern mehr wie ein Koffer!
Falls morgen George Clooney in seiner Rolle aus dem Film  „Up in the Air“ beim Check- In hinter uns stehen sollte, wird er wohl das kalte Kotzen bekommen. Und auch ich muss zugeben, dass ich mich bei meinen früheren Dienstreisen an der Sicherheitskontrolle wohl kaum hinter uns als Familie stellen würde.

VIER Handgepäckstücke, die eigentlich diesen Titel gar nicht verdienen! Aber Anja hat die Koffer- *äh* Handgepäckstückmaße genau studiert und weiß, dass die Teile zumindest offiziell trotz meines ungläubigen Blicks als Handgepäck durchgehen werden. OK, die übrigen Mitpassagiere werden morgen dennoch kotzen, auch wenn wir die Maße rein formaljuristisch einhalten. Und auch ich werde kotzen! Denn ich muss die Sachen rein ins erste Flugzeug, raus aus dem ersten Flugzeug, rein ins zweite Flugzeug, raus aus dem zweiten Flugzeug und dann zur Mietwagenstation am Flughafen schaffen. Aber nützt ja nichts.
Schaue ich mir anschließend unseren kompletten Gepäckberg mit allen Bestandteilen so an (also vier große Koffer, vier kleine Koff.. *äh* ich meine natürlich „Handgepäckstücke“ und den Kindersitz, den die Airline angeblich kostenlos mitnimmt…), bin ich mal gespannt wie wir das alles UND noch zwei quengelnde Kinder nach einem Interkontinentalflug in die USA in Chicago aus dem Flughafen heraus und wahrscheinlich über einen Shuttlebus bis an den Mietwagenschalter von Budget bekommen! Das wird viel lustiger, als die langen Gesichter der Manager morgen, die hinter uns bei der Sicherheitskontrolle und dem Check- In stehen und spontane Suizidgedanken hegen werden…

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