Anja hat mir, nachdem ich gegen 9 Uhr durch Bewegungen im Wohnmobil wach geworden bin, erzählt, dass ich um 8 Uhr zum ersten Weckerklingeln so friedlich geschlafen habe, dass sie mich einfach noch nicht wecken konnte.
Ist ja lieb von ihr, aber jetzt hängen wir natürlich ein bisschen hinter dem Zeitplan!
Nun, dann muss eben ab sofort die totale Effizienz das Handeln bestimmen, denn immerhin haben wir heute noch einiges vor!
Eine Besichtigung der Stadt der Liebenden steht nämlich auf dem Programm!
Nein, nicht Paris! Auch, wenn Paris mit dem Wohnmobil schon einen gewissen Reiz mit Hang zum Masochismus hätte…

Mit der Stadt der Liebenden ist natürlich Verona gemeint!
Schauplatz einer traurigen und vor allem tragischen Liebesgeschichte von William Shakespeare, dem Theaterstück Romeo und Julia!
Nicht jeder mag das Schauspiel inhaltlich kennen und auch wir gehören gerade mal zu denjenigen, die immerhin um die gleichnamige Neuverfilmung Romeo&Julia mit Leonardo diCaprio und Claire Danes in den Hauptrollen wissen. Ist ja auch schon was, auch wenn unser alter Geschichtslehrer wahrscheinlich gerade die Hände über dem Kopf zusammen schlägt. 😉
Aber das tut der Lust auf ein romantisches Verona keinen Abbruch, im Gegenteil!
Können wir doch so ganz unvoreingenommen an die Stadt heran gehen und mal schauen, was sie für uns Wohnmobiltouristen so zu bieten hat.

Aber bevor wir in den Genuss der Stadtromantiker kommen können, müssen wir ja zunächst mal nach Verona kommen!
Eilig beginnen also die letzten Abreisevorbereitungen.
Ich kümmere mich sofort um den Klotank, lade dann unsere Campingmöbel in eine sichere Fahrtpositionen. Anschließend rolle ich von den Auffahrkeilen herunter und packe die Fahrräder auf den Heckträger.
Anja ist derweil mit Duschen beschäftigt und als sie von der Dusche zurück kommt, habe ich alle Außenarbeiten bis auf das Ausstecken des Stroms erledigt.
Nun gehe ich schnell duschen, während Anja im Wohnmobil den letzten Rest „Klar Schiff zum Gefecht“ macht.

       
    Naja, das Wetter ist eher mäßig für heute. Aber hoffentlich wird es besser! Wir packen schnell den letzten Rest zusammen

       
    und dann geht es auch schon los! „Boot klar zum auslaufen!“ – „Was für´n Boot?“ – „Ach, egal. Komm, wir fahren“ 😉

       
    Unsere Parzelle hinterlassen wir in einem *Top*-Zustand!!         Weit kommen wir nicht. Schräg gegenüber wird Wasser gefasst.

Zurück vom Duschen räumen wir die letzten Sachen weg, stecken den Strom aus und fahren mit dem Wohnmobil vor auf das Nachbarareal, wo ich gestern Abend einen funktionierenden Wasseranschluss entdeckt habe.
Natürlich hat der Platz auch einen „Camper Service“, also eine Station, wo ich Grauwasser abgeben und Frischwasser aufnehmen kann.
Aber diese Camperstation hab ich mir gestern Abend noch angeschaut und war nicht so ganz zufrieden damit.
Und da wir eh kein Brauchwasser entsorgen müssen (das habe ich immer mal wieder über die Tage verteilt mit dem Eimer entsorgt), können wir auch gegenüber eben Wasser tanken und wären schon komplett versorgt.
Klappt auch alles prima und der Tank vom Wohnmobil wird bis zum Rand mit Frischwasser gefüllt.
Nur beim Abstecken des Wasserschlauchs verwechsle ich wieder mal „auf“ mit „zu“ und schon dusche ich ein zweites Mal.
Hach ja, warum immer ich…  😀

       
     Achtung…, noch einen Moment…, jetzt gleich…, uuuund… Passiert!! Hose und Hemd nass! Könnt ihr meine Begeisterung sehen? 😉

Um viertel vor 10 sind wir endlich abreisebereit und wer die letzten Zeilen aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass das Frühstück fehlt.
Dies ist leider auch der Effizienz geschuldet, wir haben uns für ein „Landstraßenfrühstück“ entschieden.
Was ein Landstraßenfrühstück ist?
Nun, ein gutes Landstraßenfrühstück beinhaltet alles das, was man gerade zur Hand hat und für Reisende mit Fortbewegungsdrang ideal unterwegs auf der Landstraße verspeisen kann.
In unserem Fall besteht unser Landstraßenfrühstück aus 3 Bananen und 2 kleinen Trinkpäckchen mit Blutorangensaft. Auch einige der bereits gestern gegrillten Würstchen vom Vortag gehören zu unserem Landstraßenfrühstück, diese schlummern noch in unserem Kühlschrank und werden statt ihres gestern noch angedachten Einsatzes als heutiges Mittagessen nun die Lücke zwischen Frühstück und Brunch überbrücken. 😉

Nun heißt es aber erstmal runter vom Campingplatz und das stellt sich doch tatsächlich noch als kleine Herausforderung dar.
Eigentlich könnten wir ja sofort abfahren, denn bezahlt haben wir ja gestern schon.
Nur steht ausgerechnet jetzt ein ausgebauter Kastenwagen aus Deutschland an einem Trinkwasserspender genau MITTIG auf dem Hauptversorgungsweg!
Ja Herrschaft!
Es ist übrigens ein Fahrzeug aus der gemeinsam reisenden Gruppe unserer ehemaligen Nachbarn von schräg gegenüber, die sich während der vergangenen Tage ja besonders dadurch ausgezeichnet haben, dass ihr Hund oft und hinreichend sein Revier und zur Sicherheit auch die Parzellen um ihn herum im Quadrat durch recht lautes Gebell zu verteidigen gewusst hat.
Aber jetzt hier auch noch frech auf dem Versorgungsweg zu parken, anstelle eine der zahlreichen freien Parzellen zum Aufnehmen von Wasser anzufahren (wie wir es ja auch gemacht haben) ist der Gipfel des Egoismus. Oder Dummheit. Oder beides.
Wie zum Hohn nimmt der Fahrer natürlich keinen Schlauch und nutzt auch nicht den Hydranten mit Gewinde am Hahn, sondern packt ein kleines Gießkännchen aus. Dieses hat ein Volumen von vielleicht 2, aber höchstens 5 Litern, um seinen Tank nun hiermit in mehreren Gängen aufzufüllen. Passend dazu grinst er auch noch in unsere Richtung.
Normalerweise würde ich ja jetzt mein deutsches Hausmeister- Gen aktivieren welches mich ermächtigt, meine Mitmenschen jederzeit und überall an die korrekte Einhaltung der Regeln des allgemeinen Miteinanders zu erinnern!
Ein dem Auftritt würdiges passendes Feinripp- Unterhemd müsste sogar noch hinten im Kleiderschrank liegen. Ganz unten zwar, ich bin ja schließlich nicht jeden Tag Hausmeister, aber ich käme dran! Aber dafür haben wir jetzt ehrlich gesagt keine Zeit, wir müssen los!
Ich setze kurz zurück und fahre dann in eine rechts abgehende Reihe hinein. Am Ende der Reihe biegen wir dann links ab, kreuzen etwas fragwürdig 2 leere Parzellen über die Wiese und biegen erneut ab, bis wir kurz darauf auch wieder den Hauptversorgungsweg erreichen.
Tschö! Fast möchte ich triumphierend winken, doch daraus wird nichts. Denn an der Ausfahrt steht der nächste aus der 2er- Gruppe!
Hat offenbar gerade bezahlt und/oder wartet nun auf seinen Kompagnon mit der abnorm großen Gießkanne. Gegen das Warten hier an der Ausfahrt wäre ja eigentlich auch nichts einzuwenden, wenn auch er nicht ebenfalls fast GENAU MITTIG auf dem Hauptversorgungsweg stehen würde! Das wird mir dann doch zuviel, um es einfach zu ignorieren, zumal man dieses Hindernis nicht einfach so umkurven kann wie den Gießkännchentanker im hinteren Platzteil.
„HALLO!! Ihr seid hier nicht alleine!“ rufe ich aus dem Fenster. Spontan überkommt mich der Drang doch mal kurz zum Kleiderschrank zu gehen und dort nach dem Hausmeister- Outfit zu suchen.
„Ja, passt, fahr einfach dran vorbei!“ blafft der Fahrer zurück, wobei nicht klar ist, ob er oder sein Hund blafft. Denn letzterer mischt sich ebenfalls aus dem Fahrzeuginnern lautstark in die Diskussion mit ein.
Etwas Tiefes, Dunkles, Bedrohliches in mir möchte für einen Moment gerne aussteigen und ihn mittels seines Kopfes unter meinem Arm auf die zahlreichen freien Parzellen um uns herum „hinweisen“. Ganz gleich, ob mit oder ohne Feinripp- Unterhemd! Geht aber natürlich nicht und dank meiner guten Kinderstube währt dieser Moment des Aufflammens nur einen kurzen Augenblick. Es muss natürlich auch ohne gehe.
Ich spare mir also einen weiteren Kommentar an dieser Stelle und vermeide es sogar, auf das große Rondell an der Zufahrt zu verweisen, wo man sogar noch näher an der Rezeption stehen kann, OHNE ebenfalls abreise- oder anreisewillige Fahrzeuge in ihrem Vorwärtsdrang zu behindern. Halt der Bereich, wo sich ankommende und abreisende Camper normalerweise ganz klassisch aufstellen, wenn sie eben ankommen oder abreisen wollen. Denn dafür ist dieser Bereich ja auch extra gebaut. Aber bringt ja nix! Er sieht es halt einfach nicht und selbst wenn er es sieht, versteht er es nicht. Man kann ja auch Knäckebrot keine Integralrechnung beibringen, das wäre ähnlich vergebene Liebesmüh.

Unter größtem Augenmerk zwängen wir uns also auch an diesem Blockierer vorbei, wobei die Dame auf dem Beifahrersitz sogar noch ganz unwirsch guckt, als würde sie es ganz und gar nicht verstehen, dass wir ausgerechnet JETZT hier durch und an ihr vorbei müssen. Die beiden, also Fahrer und Beifahrer, passen eindeutig zusammen!
Also allein der patzige Blick der Dame lässt meine erste Idee mit dem „Gesicht-auf-die-freien-Plätze-drücken“ wieder so richtig attraktiv…
„Reg dich nicht auf mein Schatz, heute Abend stehen wir in der Stadt der Liebenden!“ kontert meine Frau, die es wieder mal weiß, meine aufkeimende Kampfeslust schon zu ersticken, bevor ein Keim überhaupt keimt.
Und da Anja Recht hat, wie gesagt bringt ja nix, lächele ich zum Abschied übertrieben freundlich, fast schon dämlich durch das Fenster, und ernte damit eher ein überraschendes Gesicht mit vor Verwirrung offenstehendem Mund von der Dame.
Das passt auch und führt sogar bei mir zu überraschender Genugtuung. 😉
(Hinweis in eigener Sache: Mein deutsches Hausmeistergen hat mich natürlich genötigt, gleich von beiden Verkehrsteilnehmern auch ein Bild zu erstellen. So als Beweis, falls es ein italienisches Ordnungsamt für Campingplätze gibt. Man weiß ja nie. Ich hatte überlegt, die Bilder hier natürlich einzustellen. Quasi als optische Untermalung für die „Campinggeschichten, die das Leben so spielt“. Lechzend in Erwartungshaltung von Zustimmungen, die mir dann Recht geben werden, dass beide Camper völlig unnötig mittig auf dem Weg stehen, obwohl Alternativen zur Verfügung gestanden hätten. Jetzt allerdings, mit der nötigen Distanz aus der Ferne und der inzwischen verstrichenen Zeit, reagiert man da natürlich gemäßigter und besinnt sich darauf, dass auch die eigene Internetseite wie transitfrei.de keinen Internetpranger darstellt. Von daher bitte ich um Verständnis, dass wir dieses unnötige Ärgernis nur aus uns Sicht beschreiben, um den Zusammenhang nicht zu verzerren. Nicht aber nutzen, um andere Camper öffentlich anzuprangern. Ist sicherlich auch in eurem Interesse als Leserin und Leser. Danke.)

Um 10:47 Uhr rollen wir ENDLICH wieder auf italienischen Straßen.
Mit dem Wohnmobil. Endlich, endlich, ENDLICH! Wie schön!
Hab das Wohnmobilfahren fast schon vermisst, auch wenn ich auf die nächste Dreiviertelstunde Verkehrsgetümmel gut verzichten könnte.
Wie schon zum Anreisetag zeichnet sich besonders die SS 16 zwischen Riccione und Rimini dadurch aus, dass sie unglaublich dicht befahren ist!
Besonders die Ampelschaltungen geben uns hier teilweise regelrechte Rätsel auf.
Warum zum Beispiel ist die Schaltung für den Querverkehr, der vielleicht ein Zehntel der Fahrzeuge ausspuckt, die auf der Hauptstraße unterwegs sind, ebenso lange grün, wie für uns?
Aber nachdenken hilft nichts, beobachten wir lieber die Italiener und ihre manchmal pragmatischen Lösungen, wie sie damit umgehen.
Linksabbiegerspuren zum Beispiel!
Sind ja offensichtlich eher lose als grober Anhaltspunkt zum Abbiegen gedacht und können ideal auch als Überholspur genutzt werden!
Oder schraffierte Flächen! Noch viel besser zum Überholen geeignet, weil diese meist so schön frei und unbefahren sind!
Ich gebe zu, dass mich das schon ein wenig ärgert!
Denn dank dieser Vordrängler kommt es nicht selten vor, dass wir noch eine Extra- Ampelphase warten müssen, weil die Vordrängler den Verkehr vor dann beim Wiedereinscheren blockieren.
Aber auch hier hilft mir Anja: „Schaaaaatz! Verona!“ – „ja-ja“ 😉

       
    So, ein letzter Blick zurück, Adieu Camping Riccione und Adieu Rimini! War schön, ja, aber nun geht es endlich weiter. 🙂

Als wir endlich Rimini hinter uns lassen, geht es mir ein wenig besser.
Wir können es schön laufen lassen und folgen der mal zweispurig mal einspurig verlaufenden Landstraße SS 16 in Richtung Padova und Ferrara.
Auch heute fahren wir wieder mautfrei durch das italienische Land, lediglich um Ferrara fahren wir, wie schon auf der Hinfahrt (um die wuselige Ortsdurchquerung zu meiden) für 2,20 € etwa 25km Autobahn.
Passend dazu schmeckt mir mein Würstchen vom Vortag, welches sich auch heute wieder als ideales Lenkradmahl entpuppt 😉

       
    Kaum raus aus Rimini genießen wir überraschend freie Straßen auf unserem Weg nach Verona. Einfach nur geradeaus… 🙂

       
    Passend dazu darf natürlich ein ordentliches Frühstück nicht fehlen – ich meinte ORDENTLICHES Frühstück! Geht doch! 😉

       
    So lässt es sich aushalten! Das Wetter wird besser, die Straße weiter frei, da kommt auch schon Verona. Super!

       
    Na gut, bezahlen müssen wir natürlich noch. Augen zu und…      …Verona! Jetzt aber wirklich! Verona, die Stadt der Liebe. 🙂

Um 14:52 erreichen wir die Stadtgrenze zu Verona und werden sogleich vom „Liebeszauber“ der Stadt eingenommen, der erstaunlich wenig romantisch ist!
Denn plötzlich ist es voll auf den Straßen, wieder muss man wie ein Luchs aufpassen, dass man nicht die falschen Abfahrten nimmt!
Zwar ist unser Ziel, der Wohnmobilstellplatz von Verona an der Porta Palio, auch in der Stadt ausgeschildert, aber die Schilder sind so klein und kommen so dermaßen spät, dass man unmöglich mal eben über 4 Fahrspuren die Fahrtrichtung wechseln könnte, wenn man sich brav ganz rechts befindet und dann plötzlich ganz links rüber muss!
Da lobe ich mir unser Navi mit unserem „Gerd“, der uns immer rechtzeitig die entsprechenden Ausfahrten zeitnah ansagt und wir bei fast allen Wechseln ohne größeres Gehupe die passende Fahrspur finden.
Dennoch schaffen wir es in Höhe des Fußballstadions, dass wir von der Route abkommen.
Zum Glück ist der Fehler schnell korrigiert, sodass wir um kurz nach 3 die Einfahrt zum Wohnmobilstellplatz von Verona (bei N 45.43882° / E 10.97838°) erreichen.

       
    Jetzt versuch mal von ganz rechts nach ganz links rüberzukommen! Hier abbiegen! Nicht geschafft? Wir auch nicht. 😉

       
Am Schluss immer dem Kollegen im Hobby- Wohnmobil hinterher. Nur noch die Schranke auf, tata-tada! Wir sind da. 🙂

An der Zufahrt muss man als erstes eine Münze ziehen, damit wird die Schranke freigeben.
Beim Ausfahren wird dann, so schätze ich mal, die auf der Münze bzw. im darin befindlichen Chip die Uhrzeit ausgelesen.
Es gibt drei Tarife zur Auswahl:

  • Tagestarif für 10,- € (inkl. VE)
  • Aufenthalt für bis zu 4 Stunden 4,- € (ebenfalls inkl. VE)
  • Nur VE- Aufenthalt für 3,- €

Strom oder weitere Annehmlichkeiten gibt es hingegen keine, aber das wussten wir ja schon vorher und haben entsprechend alle Batterien und Akkus vom Wohnmobil, von den Digitalkameras, von den Handys und sogar vom Rasierapparat komplett aufgeladen. Sollte also ein Zombie- Apokalypse losbrechen und die Welt in Anarchie und Chaos versinken, kann ich mich wenigstens noch 3 Tage lang rasieren 😉

Wir finden schnell ein nettes Plätzchen in einer der zahlreichen Seitenbuchten, müssen dann aber doch einen Keil unter ein Hinterrad unterlegen. Ganz gerade steht man also nicht, macht aber auch nichts. Keile hat ja praktisch jeder Wohnmobilist heutzutage dabei. Einzurichten gibt es auch nicht viel, sodass wir uns gegen kurz nach halb 4 schon auf den Weg in das historische Zentrum von Verona machen können. Dort wollen wir ein wenig den Spuren der einst so verliebten Liebenden Romeo und Julia folgen.
Vorher möchten wir dem interessierten Wohnmobil- Urlauber den Stellplatz von Verona für Wohnmobile (an der Porta Palio, Koordinaten bei N45.43882° / E10.97838°) ein wenig näher zeigen. Eine kleine Platzrunde später haben wir folgende Bilder für euch mitgebracht:

       
    So, der Wohnmobilstellplatz von Verona! Also wir stehen in der Reihe rechts in Taschen, so sieht es nach vorne aus.

       
    Im hinteren Platzteil sind weitere Taschen, breit genug sind sie. Neben den Taschen finden sich Längsstreifen

        
    Werfen wir einen Blick auf die VE- Einrichtung an der Einfahrt. Das ist „E“, soweit klar. Für das Grauwasser.

        
    Und das hier könnte „V“ sein, Wahrscheinlich jedenfalls. Vielleicht ist das aber auch „V“ und das andere „Ka-ka“. Wer weiß?! :-/

       
    An der Einfahrt findet sich auch der Kassenautomat für den Chip. Ein paar Infos hängen hier, das meiste aber auf italienisch.

       
    Hier zum Schluss nochmals die Einfahrt. Wir verlassen den Stellplatz nun zu Fuß. Weiter geht´s in Richtung historisches Zentrum!

Nach der kleinen Bilderrunde über den Platz verlassen den Stellplatz, biegen dann an der Schranke rechts ab und schlagen uns kurz als Fußgänger durch den Verkehr, bis wir die massive historische Stadtmauer mit dem Porta Palio entdecken.
Wir folgen nun der Stradone Porta Palio, bis wir auf der linken Seite die erste Sehenswürdigkeit von Verona entdecken, das Castelvecchio. Eine festungsähnliche Burg der Scaliger- Dynastie aus dem 14. Jahrhundert.
Dieses lassen wir aber zunächst links liegen, weil hinter dem Castell laut unserem Stadtplan nur eine Brücke und der Fluss folgt, ergo wäre nur das Kastell selbst die Sehenswürdigkeit. Sowas kann zwar durchaus interessant sein, besonders, wenn man wie ich immer gern auf der Suche nach Geheimspuren zum heiligen Gral Ausschau hält, aber was will man von einer Festung aus dem 14. Jahrhundert erwarten, wenn der Gral vor mehr als 2000 Jahren verschwand?
Auch der Reiseführer, den wir kurz konsultieren, bestätigt unsere Entscheidung. Vornehmlich sind in der Festung nämlich Bilder aus der Zeit der Renaissance zu bestaunen. OK, wir wissen spätestens seit den Bildern aus dem Louvre im Kracher „Sakrileg“, dass durchaus auch Bilder Hinweise zum heiligen Gral enthalten könnten! Schaut man sich aber mal die Liste der Künstler an, dessen Bilder hier hängen, da wäre zum Beispiel  Stefano da Verona, Giovanni und Francesco Caroto oder Pisanello dabei, fragt sich der geübte Kunstbanause allerdings nicht nur: „Wer sind die Hansel?“ sondern der Gralssucher wohl eher: „Sind das Großmeister der Illuminati, Senneschale der Prieuré de Sion oder wenigstens Freimaurer“? Und da wir keinen der Künstler im Zusammenhang mit wenigstens einer der Gruppen bringen können, ist wohl nicht wirklich zu erwarten, in den Bildern der Festung etwas Faszinierendes vorzufinden. ;o)

       
    Die Porta Palio führt uns zum historischen Stadtkern von Verona. Das erste Kulturgut! Das Castelvecchio!

       
    Man könnte auch reingehen und sich Bilder ansehen… …wollen wir aber nicht! Wir bleiben den ital. Straßen treu…

       
    und genießen stattdessen das „Dolce Vita“ in den Gassen! Hier stellen sie einfach ein paar Tische zusammen. Fertig. 🙂

       
Im Innenstadtbereich wird es schlagartig ruhiger (vom Verkehr her), dafür lebhafter (von den Menschen her). Und schöner!

Wir lassen die Festung für unseren Besuch von Verona also zunächst vollkommen unbeachtet, biegen lieber rechts ab in die Via Roma und erreichen nach etwa einer Viertelstunde Fußmarsch den historischen Stadtkern mit seiner verkehrsberuhigten Zone.
Schon viel besser!
Autolärm haben wir eigentlich genug gehört, sodass und der Stadtlärm von tausenden Menschen auf diesem weitläufigen Platz, dem Piazza Bra, fast schon besser gefällt 😉

    Piazza Bra in Verona
    Die weitläufige Piazza Bra in Verona. Hier wird flaniert, stolziert, gesehen und gesehen werden.

Ebenfalls finden wir hier, auf dem Piazza Bra (neben einem leckeren ersten italienischen Eis! Bevor wir am Ende gar das Land verlassen und vergessen ein Eis aus Italien zu probieren! 😉 das historische Amphitheater, hier „Arena“ genannt.
Es handelt sich hierbei laut Reiseführer um das besterhaltendste Amphitheater in ganz Italien!
Glauben wir ungesehen, denn von außen macht das Teil mit den doppelten Torbögen schonmal eine recht gute Figur.
Selbst heute noch finden in dieser Arena Aufführungen statt, so wird uns zum Beispiel ein aktuelles Musikstück angeboten.
Da die Arena laut Reiseführer bis 19 Uhr für freie Besichtigungen geöffnet hat, wollen wir dem wohl aktuellen Trubel entgehen und entschließen uns, die Arenabesichtigung für das Ende unserer ersten Stadterkundung aufzuheben. Dann ist es vielleicht nicht mehr so voll, wie im Moment.

Um für die Stadt besser ausgerüstet zu sein, folgen wir zunächst mal weiter der Via Roma, wo wir gegenüber vom Rathaus auf der rechten Straßenseite die Tourist- Info von Verona entdecken.
Super!

       
    Erstmal orientieren wir uns. Schnell entdecken wir hierbei die Tourist- Info, wo wir uns erstmal mit einem Stadtplan eindecken

       
Im Brunnen stehen und Händchen halten ist übrigens verboten!   So, auf gehts! Veronas Kern entdecken!

Wir decken uns mit einem kostenlosen Stadtplan ein, spazieren dann über die Straße zurück zum Piazza Bra und passieren die Arena auf der rechten Seite.
Wow, was ist die Piazza doch voll! Erst jetzt, mit dem Blick von der Straße aus, sieht man das so richtig!
Und obwohl sie unglaublich weitläufig und ausufernd gestaltet ist, tummeln sich die Menschen überall, wuseln fast schon wie kleine Ameisen umher.
Mit Blick auf die Arena finden sich natürlich zahlreiche Restaurants, Bars, Cafés und Gelaterien, wo man unter einheitlich grün gehaltenen Markisen für alle Geschäfte im Schatten seinen Kaffee trinken und die Menschen beim Vorbeihuschen beobachten kann.
Selbstredend, dass die Italiener hiervon zahlreich Gebrauch machen und fast können wir uns hinreißen lassen, um hier endlich unser erstes italienisches Eis in diesem Urlaub zu verspeisen! Wir können uns gerade noch beherrschen und tun mit unserem Spaziergang lieber was Gutes für die Figur! Zumal das Auge ja auch ohne Eis reich gesättigt wird!
Es ist wirklich aber auch zu entzückend die Ecke mit ihren kleinen Häuschen, bunten Fassaden und farbenfrohen Fensterläden! Wohnen würden wir hier zwar wohl ungern, aber nett anzuschauen sind die Gassen mit ihren urigen Häusern und dem Platz auf jeden Fall.

    Leben und Dolce Vita auf der Piazza Bra
    Leben, Wusel und Dolce Vita auf der Piazza Bra. Herrlich, wie wir hier in Italien darin eintauchen können! 🙂

Wir stürzen uns nun richtig rein ins Getümmel und folgen der Fußgängerzone und Einkaufsmeile von Verona auf der hier beginnenden Via Mazzini.
Zahlreiche Geschäfte bieten sich uns nun zum Bummeln an. Kleidung von teuer bis kitschig, Uhren, Sonnenbrillen, Schuhe, Schmuck und mehr. Zum Beispiel den Disney- Store!
Zahlreiche Kuscheltiere und Spielzeug, von Winnie Pooh, bis zu den Helden aus Toy Story, Cinderella oder Schneewittchen kann man hier in Plastik oder Plüsch erstehen. Wir flanieren, bleiben stehen, schauen, gehen weiter. Wie alle hier. Total toll, leicht und unbeschwert. Entweder, die packen hier irgendwelche Drogen in die Atemluft der Stadt, oder die Stadt fängt einen wirklich mit einem ganz besonderen Zauber ein. 😉

       
    Den weitläufigen Platz Piazza Bra verlassen wir uns spazieren mal die Via Mazzini entlang. Die sieht nett aus

       
    kleine Lädchen, Kioske, Straßenkunst und Künstler. Auf dem Weg durchstöbern wir Auslagen wie Angebote

       
Alles ist schick hergerichtet, pickfein ohne aufdinglich zu sein. Auf der Via Mazzini kann man wirklich toll flanieren

Schon beim nächsten großen Platz, dem Piazza Erbe, fallen uns dann fast die Augen auf dem Kopf.
WOW, IST DAS SCHÖN HIER!
Der Reiseführer beschreibt uns hierzu fast zu nüchtern, dass dieser Bereich hier früher einmal das alte römische Forum gewesen sei. Also der Platz, wo man sich zu römischer Zeit zum Sehen und Gesehen werden getroffen hat. Und auch heute hat dieser Platz nichts vom Charme der alten Zeit verloren!
Einige Häuser sehen hierbei sogar so authentisch aus, dass man fast meinen könnte, sie wären gerade aus altrömischer Zeit an diesen Ort durch die Zeit katapultiert worden.
OK, ein wenig Patina hat das ein oder andere Gebäude schon angesetzt, aber das macht sie hier, in dieser einzigartigen Umgebung und Zusammensetzung, nur noch attraktiver!

    
    Reichlich Patina, der Lack ist ab. Aber irgendwie schön rustikal und keck! Verona steckt voller Ansichten!

Neben den sehenswerten historischen Häusern findet sich natürlich auch wieder eine Menge Leben auf dem Platz.
Auch hier kann man sich auf den Terrassen vor den gastronomischen Betrieben niederlassen und ein Panini, eine Pizza oder gar ein ganzes Abendessen mit mehreren Gängen bei Kerzenschein und Musik  genießen.
Zusätzlich sind zahlreiche Stände in der Mitte des Platzes aufgebaut, wo sowohl für Touristen wie auch für die Einheimischen einiges im Angebot ist. So mischen sich zum Beispiel Souvenirs wie venezianische Masken, Schlüsselanhänger und Postkarten an ebenso alltägliche Dinge wie Obst und Gemüse oder frische Früchte.
Es macht richtig Spass, durch die rechts und links eng stehenden Stände mit ihren schmalen Gassen zu schlendern und sich vom Angebot regelrecht verzaubern zu lassen.
Wer hierauf steht, findet in Verona einen der schönsten Plätze um diese Faszination auszuleben!
Verona ist wirklich eine unglaublich besuchenswerte Stadt und reiht sich für uns sofort ohne Abstriche in italienische Metropolen wie Florenz, Rom oder Venedig ein, für die allein man schon einen verlängertes Wochenende einplanen kann. Hätten wir vorher schon um die Schönheit von Verona gewusst, wir wären bestimmt mal mit dem Billigflieger hierher geflogen und hätten uns für 2 auf 3 Nächte in einem günstigen Hotel einquartiert.
Das lohnt sich auf jeden Fall!

       
    Die Piazza Erbe, ein unerwartet schöner Platz im Herzen von Verona! Der typische Kirchturm darf nicht fehlen

       
    Wir schauen durch das zahlreiche Angebot der Händler. Hier findet sich jeder Kitsch, der an Touristen gebracht wird

       
    Uhren, Schmuck, Klamotten, venezianische Masken oder auch Euro- Münzen aus allen Ländern. Herrlich zum stöbern!

       
    Auch Nippes zum Hinstellen als Souvenir findet sich hier.            Oder das: Schreibfedern! Wo findet man heute noch sowas?

Obwohl wir uns kaum vorstellen können, dass die anderen Straßen oder Piazzas von Verona die Schönheit des Piazza Erbe toppen könnten, folgen wir einer viel versprechenden Gasse mit einer Reihe von einigen Torbögen über uns.
Fast wirkt die Szenerie ein wenig wie in Venedig! Denn auch da gab es sie, diese kleinen Gassen mit Torbögen drüber, die rechts und links stehenden historische Gebäude miteinander verbunden haben, nur eben, dass darunter Wasser im Kanal plätscherte. Oder Rom! Besonders die Hausfassaden! Verona verströmt irgendwie einerseits die Leichtigkeit des Seins wie in Rom (das Dolce Vita eben), kann aber auch mit zeitloser Eleganz und Prunk wie in Venedig aufwarten. Ein Schmelztiegel von Impressionen, eigentlich an fast jeder Häuserecke. Traumhafte Stadt!

       
    Wir lösen unseren Blick vom Touristenangebot und zeigen euch mal die architektonischen Meisterwerke hier. Häuser und Bögen…

       
…edel und verspielt, majestätisch, verziert, detailreich. Jede Hausfassade hier ist ein Kunstwerk für sich. So schön!

Kurz darauf stehen wir auf der Piazza dei Signori, die zu unserer Verwunderung das völlige Gegenteil von der Piazza Erbe zu sein scheint! Verona ist wirklich eine Stadt voller Gegensätze!
Viel offener, viel freier, viel leerer wirkt die Piazza auf uns. Dafür aber kann man von hier aus (wenn man denn wollte) über einen kleinen Gang den Torre dei Lamberti (Lambertiturm) besteigen.
Von hier aus hätte man wohl einen schönen Ausblick über die Stadt. Allerdings lassen wir, obwohl es sogar einen Aufzug (!) anstelle der Treppen gibt, die Besteigung aus und spazieren stattdessen ein kleines Stückchen weiter vom Piazza dei Signori durch einen weiteren breiten Torbogen die Gassen entlang.

       
    Plötzlich menschenleer! Der Piazzia dei Signori in Verona. So idyllisch kann man sitzen, trotzdem ist keiner da.

       
Hier, in diesem fast schon maurisch anmutenden Innenhof ist übrigens der Aufstieg zum mächtigen Torre dei Lamberti

Plötzlich treffen wir auf eine Menschentraube.
„Nanu, was ist denn hier los???“
Tatsächlich stehen einige Leute um das sogenannte Scalingergrab, welches aus mindestens einem oder vielleicht sogar zwei Grabmalen besteht.
„Aufgebahrt“ ist wohl das richtige Wort hierfür, welches spontan der Szenerie entspricht und uns als erstes einfällt. Und selbst „aufbahren“ passt nicht so recht zu dem, was wir hier sehen.
Die steinernen Abbilder früherer Scaligerfürsten liegen unter halboffenen und reichhaltig verzierten Erkern, was irgendwie eine doch etwas abstrakte Art der Totenehrung darstellt.
Kein Friedhof, kein Ort der Ruhe. Keine Kapelle, keine Krypta und keine Kirche, die man als Andachtsstätte nehmen kann. Keinen Moment des Innehaltens und der Ruhe.
Stattdessen liegen die armen Scaligerherrscher hier mitten am Touristenstrom und bei Regen sogar mehr oder minder nur geschützt durch ein zu den Seiten offenes Dach.
Zu Tausenden werden sie wohl auf Filmen bzw. Speicherchips gebannt sein und auch wir geben der Versuchung nach und machen natürlich Bilder von dieser grotesken Szene:

       
    Wir schlendern durch die Gassen von Verona.         Wenigstens müssen wir nicht auf dem alten röm. Steinpflaster laufen. 😉

       
Die Scaligergräber! Der hier hat noch Glück mit etwas Seitenschutz, während der Sarg hier eigentlich „offen“ für alles ist…

Mit der unbeantworteten Frage, ob sich hier vielleicht nur „steinerne“ Abbilder befinden, oder wirklich die realen Toten hier so „mitten an der Straße“ zu bestaunen sind und ob wir möglicherweise ohne es zu wissen Zeichen für den Verbleib des heiligen Grals übersehen haben könnten, geht es weiter.

Was uns hier in den Altstadtgassen von Verona immer wieder (aber besonders auf dem Piazze Erbe!) ins Auge fällt, sind die unglaublich schön gemachten Hausfassaden! Diese bleiben mehr oder minder konstant und finden sich bis jetzt eigentlich in fast jeder Gasse.
Mal auf alt getrimmt, mal liebevoll restauriert und aufgebessert, aber immer mit kleinen süßen Balkonen.
Wir können uns nicht daran erinnern, jemals eine Stadt mit so vielen zahlreichen Balkonen gesehen zu haben!
OK, ich gebe zu, dass dieser Übergang eigentlich nur zu DEM Balkon führen soll, für den Verona so berühmt ist.
Der Balkon aus Shakespeare’s Romeo und Julia!
Nur wenige Schritte vom Piazza Erbe aus erreichen wir die Via Cappello Nr. 23, wo sich der wohl berühmteste Balkon der Literaturgeschichte befindet.
Die Rede ist natürlich vom Haus der schönen Julia (Casa di Giulietta), die hier im Familienwohnsitz der Capulets  gewohnt haben soll, übrigens auch ein Bau aus der Zeit der Scaliger, den Herrschern von Verona!
Das der Balkon an diesem Haus nachträglich aufgrund der enormen Nachfrage der Touristen erst in der Neuzeit an das Haus gebaut wurde, spielt wohl eine eher untergeordnete Rolle…  😉
Doch bevor wir den Balkon einer tragischen Liebe überhaupt erreichen, müssen wir an vermutlich Millionen von Liebesbekundungen vorbei!
Der Zugang zur Innenhofanlage der Via Capello ist nämlich nur durch eine Art Torgang möglich. Und hier haben sich rechts und links an den Wänden eben unglaublich viele Menschen in der Hoffnung auf die unendliche Liebe verewigt!
Es dauert einen Moment, bis man im dem Wust an Gekritzel überhaupt irgendetwas erkennt!
Dann aber lassen sich doch einzelne Namen, Herzen und Daten aus dem Konglomerat an Farbe und Formen herauslesen.
Es wäre übrigens mehr als schwierig, hier noch eine freie Stelle zu bekommen und selbst diese sind nur durch eher fragwürdige Kletteraktionen auf Mauervorsprüngen oder den Münzautomaten mit Hörmuscheln (nach Einwurf eines Geldstückes wird die Geschichte von Romeo und Julia erzählt) zu erreichen. Erst später wird sich diese Wand bei einer näheren Betrachtung übrigens als Holzwand herausstellen, die man vor die echte Wand vorgenagelt hat. Offenbar waren es die Oberen von Verona leid, dass die historische Hauswand immer wieder vollgekritzelt wird.

       
    Für eine Sekunde muss man erstmal schauen! WAS IST DAS?     Alles, wirklich alles ist nahezu unlesbar vollgekritzelt! Hammer!

       
Blick nach oben: Ab 3 Meter aufwärts ist noch Platz an der Wand. Dabei ist das Beschmieren sogar amtlich verboten!!

Das sie hier eine Holzverkleidung vormachen, kann man übrigends gut verstehen. Schön ist jedenfalls anders.
Fast wie als Eingeständnis der eigenen Kapitulation ist übrigens der Hinweis zu verstehen, dass man die Wände bitte nicht beschriften soll und ein Bußgeld von bis zu 1.039 Euro nach sich ziehen kann! Komische Summe für eine zahnlose Verordnung, an die sich sowieso niemand hält! Da wäre der deutsche Hausmeister in mir aber SOFORRRT mit einem Block für Ordnungswidrigkeitenanzeigen eindeutig schneller zur Hand. 😉

    So wird die Wand bei Julia vollgekritzelt
    Da wird der Hausmeister in mir wach!! Das macht dann 1039 für die Dame in rot und 1039 für den Herrn in weiß dahinter .
    Die beiden Helfer übrigens je zur Hälfte mit 520 Euro wegen Beihilfe, weil sie halt grad dabei sind. Ich wäre ein guter Hausmeister 😉

Im schmalen Innenhof ist es natürlich voll! Fast schon zu voll! Ach was, es ist brechend voll!
Lauter Menschen wuseln herum, zu hunderten werden Bilder des berühmten Balkons der Literaturgeschichte gemacht. Es gibt ein kleines Gedränge am Eingang zu einem Museum und, was wir aufgrund der Masse noch gar nicht erkennen können, eine Schlange für Bilder mit einer Statue von Julia. Doch dazu später mehr. Wir zeigen euch erstmal den Innenhof, wo man aufgrund der Tatsache, dass es nur einen Ein- und Ausgang durch das Tor mit den Kritzeleien gibt, durchaus ein Gefühl der Beklommenheit und Ende bekommen kann, wenn man hierfür anfällig ist.

    Der Innenhof der Villa Cappello No 23
    Der Innenhof unter Julias Balkon. Von drei Seiten zu mit hoher Mauer und eine Menschentraube im Innern. Puh.

Blicken wir lieber nach oben! Aktuell steht eine Frau auf dem Balkon und macht, durch eine ganze Gruppe von Hobbyfotografen angefeuert, eine verliebte Geste in Richtung Publikum. Wohl eine Touristen, die den Balkon im Rahmen einer kostenpflichtigen Museumstour bestiegen hat. Wer auf sowas, also 5 Sekunden Ruhm, steht, sollte mal hierher kommen! Hier darf sich jeder mal wie ein kleiner Star, wie ein F- Promi oder ein C- Sternchen fühlen, wenn er auf dem Balkon steht und den Leuten unten zuwinkt. Da wird geknipst, wie es ein Blitzlichtgewitter während eines Phil-Collins- Konzerts nicht besser könnte. Für mich persönlich wäre das nichts. Ich würde den Balkon nur missbrauchen, um eine meiner berühmten Ansprachen an das Volk zu halten. So wie Evita Peron vielleicht, nur halt mit Hose. 😉
Und auch Paparazzi wollen wir nicht sein! Wir können uns gerade noch bremsen, die zunächst schüchtern und dann ausufernd winkende Dame ebenfalls abzulichten und warten lieber, bis einige Zeit später der Balkon mal unbesetzt ist.
So lässt sich der Geist der Julia viel besser in einem Bild einfangen, was wir euch dann auch gerne zeigen:

    Der berühmte Balkon von Julia in Verona
    Das ist er. Der wohl berühmteste Balkon der Film- und Romangeschichte. Oh Romeo! Oh Julia!

Wir überlegen kurz, ob wir das Museum selber auch besichtigen wollen! Immerhin könnte ich, wenn ich schonmal da bin, den Balkon ja auch zufällig für eine Ansprache an das Volk nutzen! 😉
Da ja aber selbst Zweifel an der Echtheit der Geschichte um Romeo und Julia bestehen, stellt sich für uns natürlich auch die Frage nach der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit eines Museums.
Und nur, um auf einem Balkon zu stehen und von Hunderten von Fremden fotografiert zu werden, brauchen wir keine 3,50 € Eintritt zu bezahlen.
OK, ganz unberechtigt ist ein Museum vielleicht nicht. Immerhin hat das Haus hier einen historischen Hintergrund, so ist es doch seit dem 13. Jahrhundert der Stammsitz der Familie Dal Capello.
Drei Stockwerke mit 9 Zimmern sollen zu besichtigen sein, Ausstellungsstücke sind mehrheitlich Gemälde und Fresken aus dem 13. bis zum 17. Jahrhundert. Einige alte Keramikgefässe sollen ebenfalls zu sehen sein und für die Fans, die mit echten Ausstellungsstücken aus der Geschichte nichts anfangen können, sollen sogar ein paar Filmrequisiten aus einem älteren Film der Romeo&Julia- Geschichte hier zu sehen sein. Aber ob nun Fans der Renaissance oder der Filmgeschichte der 60er und 70er Jahre, beides interessiert uns ehrlich gesagt wenig.
Wir schreiben es hier übrigens auch nur der Vollständigkeit halber hin wer wissen mag, was ihn im Innern des Hauses nach den 3,50 € Eintritt erwartet.

Julia ist übrigens auch präsent! Höchstpersönlich!
Zwar nicht in Fleisch und Blut, dafür aber in Bronze! Das hatten wir ja schon kurz erwähnt, die Dame aber erst jetzt, wo sich die Menschentraube im Innenhof bewegt, erspäht.
Eine Statue von ihr befindet sich schräg unterhalb des Balkons in eindeutiger Pose mit nacktem Busen.
Dieser Busen wird wohl nun von den Gästen aller Welt (vornehmlich männlich schätzen wir mal 😉 gerne begrabscht, um sich dort das „richtige Händchen für die Liebe“ zu sichern und den Geist der Julia in sich aufzusaugen.
Natürlich ist die Statue hierbei ein fast ebenso beliebtes Fotomotiv, wie der Balkon selbst! Selbstverständlich wird für das Foto die Hand auf die Brust gelegt, ob nun nur für das Fotomotiv „Hand auf Brust“, oder wirklich als glücksbringende Geste in Sachen Liebe.
Mal abgesehen davon, dass Julia streng genommen ja gar nicht das wirkliche Liebesglück vergönnt war und sie ja somit eigentlich der falsche Ansprechpartner in Sachen „ewiger Liebe“ wäre, könnte die gute Julia, wenn sie wirklich jemals etwas von ihrem Geist der Liebe hätte abgeben können, inzwischen wohl kaum noch hierzu in der Lage sein! Denn so oft, wie die Brust inzwischen betatscht und befummelt worden ist, wäre jedes Quäntchen Liebesglück längst verbraucht und herausgegrabscht! Abgegriffen ist die Bronzebrust, glänzend und beinahe schon speckig.
Trotzdem hat sich natürlich eine längere Schlange gebildet, um von einem Helfer ein Bild von sich und der Julia- Statue zu machen.
Anja und ich haben beide keinen Bedarf in Sachen „Hand auf Julias Brust“. Eine Metallbrust zu befummeln, an der heute schon geschätzt ein paar tausend Menschen ihre Finger hatten, widerstrebt uns beiden irgendwie, obwohl ich spontan Lust bekomme, einem der Touristen 5 Euro zu bieten wenn er die Brust abschleckt statt bestascht. Einfach nur um zu sehen, ob Gier oder Ekel siegen  😉
Aber selber drantatschen? Nee. Da wir aber sowieso in Sachen Liebe keine Beigabe durch Julia brauchen (Anja ist ja schon schwanger 😉 passen wir lieber einen kurzen Moment beim Personenwechsel am Fotomotiv der Statue ab, um sie ganz allein in ihrer aktuellen verbliebenen Schönheit mit glänzender Brust ohne Hand und Zunge Dritter abzulichten:

    Julia- Statue im Innenhof der Via Cappello
    Für eine Sekunde mal ohne grabschende Touristen! Eine sichtlich gestresste Julia, aber immerhin glänzt sie in Würde.

Vom Balkon einer tragischen Liebe aus spazieren wir weiter durch Verona und schauen nun, dass wir ein weitaus älteres Gebäude in dieser Stadt aufsuchen wollen, als es das Haus der Julia ist.
Die Rede ist natürlich von der Arena von Verona, dem römischen Amphitheater.
Recht früh im Jahr 30 nach Christus errichtet, fasste die Arena zu römischen Zeiten bereits bis zu 30.000 Zuschauer! Manch heutiges Stadion kann weniger! Sie war zu ihrer Zeit ein so monumentales Bauwerk, dass sie aus Platzgründen sogar außerhalb der damaligen Stadtmauern von Verona erbaut werden musste.
Wie es den allermeisten Bauwerken der römischen Geschichte erging, musste allerdings auch die Arena von Verona ein aus denkmaltechnischer Sicht ein grausames Schicksal teilen!
Schon in Trier haben wir erfahren, dass dort zum Beispiel die alten römischen Stadttore im Mittelalter als Baubruch dienten und die wachsende mittelalterliche Stadt mit Baumaterial versorgten.
Nach einem Erdbeben im Jahr 1117 wurden dann auch hier in Verona große Teile des Außenrings der Arena zerstört und gaben der Entwendung von Baumaterial somit regelrecht Auftrieb.
Zum Glück blieben Showbühne und Innenteil größtenteils erhalten, sodass bereits in der Zeit der Renaissance die Arena wieder als Showbühne genutzt wurde und diese Verwendung bis in die heutige Zeit (heute mit noch immerhin bis zu 22.000 Zuschauern) anhält.
Das lockt uns dann doch, obwohl das hier nicht die erste römische Arena ist, die wir anschauen wollen.
In Rom zum Beispiel,  oder auch in Tunesien mit dem nach unserer Meinung sehr gut erhaltenen Theater von El Djem kennen wir im Prinzip die Bauweise mit dem typischen Oval und der Bühne in der Mitte des geschlossenen Kreises und der besonderen Aura mit einem Hauch Geschichte, der von solchen Plätzen ausgeht. Dennoch wollen wir auch dieses Amphitheater anschauen, zumal der Eintritt nur 3,50 € kosten soll.

An der Arena von Verona angekommen folgt dann eine nicht so schöne Überraschung: Das Teil hat schon zu!
Ein lose am Eingang aufgebrachter Zettel entschuldigt die Unannehmlichkeiten und erklärt gleichzeitig, dass die Arena heute schon um 17 Uhr geschlossen habe.
Sowas blödes!
Echt schade! Denn die Uhr zeigt gerade mal 20 nach 5, im Regelfall hätten wir mit Öffnungszeiten bis 19 Uhr damit genügend Zeit für eine Besichtigung gehabt.

       
    Kann man es lesen? Das Theater schließt heute schon um 5!! Sowas blödes! Das schwere Eisentor der Arena ist schon zu. 🙁

Naja, Pech!
Wir vertagen die Besichtigung der Arena und werden morgen mal schauen, ob wir die Arena dann vor unserer Abreise noch nachträglich anschauen werden. Schön sieht sie ja aus, die Arena. Sogar, wenn man sie nur von außen anschauen kann.

    Die römische Arena von Verona
    Zwar geschlossen, aber dennoch ansehnlich anzuschauen. Besonders für die damaligen Verhältnisse.

Für heute aber ist der Akku allerdings auch allmählich leer, zumal sich auch so langsam der Hunger bei uns meldet.
Kein Wunder, seit dem „Unterwegsfrühstück“, bestehend aus einer Banane und einer Grillwurst vom Vortag, haben wir ja nichts mehr gegessen!
Beinahe hätten wir uns zwar vorhin das erste italienische Eis gekauft, aber dann haben wir uns das doch verkniffen. Man muss ja auf seine Figur achten, nicht wahr?!
Aber jetzt was zu Essen, das darf schon sein! Obst vielleicht, oder ein Teller Weizenkleie. Irgendwas, mit wenig Kalorien, wo vielleicht höchstens, aber wirklich nur ausnahmsweise und weil es nicht anders geht, als kleine Deko- Salatblattbeilage ein Stück Pizza, eine Schale Pommes oder ein paar der leckeren italienischen Bratwürstchen aufgebahrt sind. Sowas kann ja mal passieren.
Das Angebot hier rund um die Arena ist natürlich reichhaltig, da lässt sich sicher was finden!
Beinahe entscheiden wir uns dann auch für das „Spizzico“, eine Art Fast- Food- Kette, die anstelle von Burgern leckere Pizzastücke im Angebot hat. Ungemein gesund und viel besser als Salat, der ja quasi schon auf der Gabel während des Weges vom Teller zum Mund welk wird. Ist zwar gewöhnungsbedürftig (also Pizza mit Pommes, anstelle von Burger mit Pommes), aber zu abwegig ist diese Kombination dann aber doch nicht, wie wir bereits in Rom feststellen durften. Das schmeckt überraschend gut.

       
    Wir schauen uns auf der Piazza Bra mal nach was Essbarem um. Angebote wie Pizza und Sandwiches gibt es viele!

Wir entscheiden uns aber dann doch gegen die Fast-Food- Pizza und spazieren vom Piazza Brá aus die Corso Porta Nuova Richtung Piazza Pradaval herunter.
An der Touristeninfo haben wir nämlich vorhin eine Werbetafel gesehen, dass die Corso Porta Nuova einen McDonalds beherbergen soll!
Sakrileg?! Ja, wissen wir. Ja, wir erlauben uns im Land der Pasta und Pizza uns auf „alte Tugenden“ zu berufen und finden, dass gerade in Großstädten wie Verona, Rom, Amsterdam oder New York nur ein Ort sicher ein gewisses Mindestmaß an Qualität dank einheitlicher Standards erreichen kann. Die Vorzüge einer anerkannten Franchise- Kette. 😉
Und, was man auch nicht vergessen darf, wir sind schon viel lange unterwegs, ohne einen Burger genossen zu haben.
Unsere Leser mögen uns diese „Sünde“ im Land des Genusses daher bitte bitte verzeihen 😉
Davon abgesehen ist der Abstecher hier in diese „normale“ Straße mit seinem Straßenverkehr etwas, was mindestens so ansehnlich ist, wie das historische und kulturelle Altstadtzentrum! Auch hier finden sich nämlich Sehenswürdigkeiten, die so wohl kaum im Reiseführer stehen. Es sind die vielen kleinen Details, die uns verzaubern! Selbst alte Wohnhäuser mit reichlich Patina strahlen irgendwie etwas erhabenes aus. Sie altern in Würde! Seien es liebvoll erhaltene Fensterläden, kunstvolle und liebevoll eingerichtete Balkone. Und dann das Straßenleben! Es wird diskutiert, gepackt, auf der Straße gesessen, eine geraucht, gequatscht. So richtig italienisch lebendig.

       
    Einfach mal das Touristenzentrum verlassen: Unterwegs auf der Corso Porta Nuova die Eindrücke genießen.

       
    Auch hier gibt es natürlich das gleiche Angebot für Touristen. ABER: Es ist deutlich günstiger, als in der Altstadt!

       
Und auch optisch muss sich die Corso Porta Nuova nicht vor der Altstadt verstecken. Beschaulich ist sie auch! Auf ihre besondere Art.

Uns fasziniert wirklich diese einfache Detailverliebtheit, die man hier an jeder Ecke sehen kann. Z.B. die, die ein veroanischer Gastwirt mit seiner heimeligen Deko seiner Außentische zu Szenerie beiträgt. Mitten mit dem wuseligen Verkehr und der entsprechenden Geräuschkulisse entdecken wir in einer Art kleinen Hinterhof- Sackgasse eine Oase des italienischen Lebensgefühls. Das ist das echte Dolce Vita hier in Verona! Ich weiß, wir haben schon öfter mal gesagt, dass hier oder dort jeden Moment über uns eine dieser Fensterläden aufgehen wird und eine „italienische Mama“ ihren Sohn mit einem lauten „Fredericó!!!!“ zum Pasta- Essen herbeirufen wird. Wie in der bekannten Miracoli-Werbung, nur ohne künstliche Zusatzstoffe!
Nein, hier kann es nur so sein, dass toskanische Gewürze, gutes italienisches Olivenöl und hausgemachte Pasta serviert werden. Hätten wir nicht ein klares Ziel nur ein paar Meter weiter vor Augen und wären wir als Deutsche nicht so unfähig, den Straßenlärm gekonnt wie ein Italiener auszublenden und einfach das Leben zu genießen, wir würden hier einkehren.

   
    Das ist einfach nur ein Hinterhof, in unserem Rücken donnern die Autos vorbei. Und dennoch: DAS ist Italien irgendwie. Schön.

Der McDonalds, den wir kurz darauf erreichen, wirkt fast schon edel mit seinem erhabenen Schriftzug, dem wuchtigen Mauerwerk und der kleinen bestuhlten Terrasse. Stünde nicht McDonalds drüber, man könnte es auch für ein besseres Straßencafé halten, wo die Flasche Hauswein, entkorkt, am Abend 37,40 € kostet. Aber wie zu erwarten war, passen auch hier die Preise zum bekannten Low-Cost- Budget und so gibt es eine Runde Burger auf Tablett. Für einen Moment überlegen wir dann sogar, unser Abendessen (es ist immerhin schon halb 6!) draußen auf der Terrasse zu verspeisen. Da wir aber in der Stadt heute wechselweise wuselige Touristen um uns herum und auf der Straße wuselige Autos die wuseligen Touristen mit der entsprechenden Geräuschkulisse abgelöst haben, entscheiden wir uns lieber für eine kleine stille Ecke im hinteren Teil des Restaurants.

       
    Güldenes M aus güldenden Buchstaben. Edler Burgerbrater. Es muss nicht immer BigMac sein! Wir probieren die ital. Variante. 🙂

Dabei entdecken wir einen zum Restaurant zugehörigen„Hinterhof“ im Freien, wo wir quasi auf der Rückseite des Hauses auch draußen sitzen können! Zwar wirkt die Szenerie ein bisschen wie ein Gefängnishof für die Einzelgänger, dafür aber sitzen wir allein für uns, es ist ruhig (der Verkehr auf der umtriebigen Viale ist hier nur ein Rauschen im Hintergrund) und dazu sind wir auch noch an der frischen Luft. Das gefällt uns!

       
    Zu unserer Überraschung völlig leer. Der ruhige Hinterhof.         Uns gefällt´s! So können wir ungestört schlemmen. 🙂

Eine gute halbe Stunde lassen wir uns Zeit. Das ist für einen McDonalds für uns schon viel! Aber die Füße tun weh und die Ruhe beim Sitzen tut gut. Auch quatschen wir natürlich noch hier am Tisch über unsere Eindrücke von Verona, was uns gut gefallen hat und was typisch kitschig oder touristisch war. Kurzum, wir nehmen uns wirklich eine schöne Auszeit, bis wir gegen 18 Uhr wieder losziehen.
Zuerst nehmen wir dann sogar für eine mögliche zweite Runde Verona wieder Kurs auf die Piazza Brá. Da der Besucherstrom auf der Piazza Brá aber noch immer recht ansehnlich ist (stehen da etwa Gäste, die sich beschweren, dass die Arena geschlossen ist und wollen sich mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnen? 😉 und wir uns nicht wieder durch das Gewühl stürzen wollen, biegen wir an der Piazza Brá dann doch links ab und halten Kurs auf unser Wohnmobil auf dem Wohnmobilstellplatz von Verona.
Wir werden uns einfach so für ne Stunde auf zwei ins Wohnmobil zurückziehen, bis die allermeisten Tagestouristen nach 19 Uhr, spätestens aber um 20 Uhr die Stadt verlassen haben. Dann wird es ruhiger und hoffentlich wird auch dann Verona von diesem ganz speziellen Charme heimgesucht, den so ziemlich jede Stadt in Italien versprüht, wenn es Abend wird und zur Ruhe kommt. Das ist immer was ganz besonderes, was wir zum Beispiel während unseres Toskana- Urlaubs mit dem Wohnmobil immer sehr genossen haben!
Kehren wir jetzt zum Wohnmobil zurück und machen nach der Fresspause eine Wohnmobilpause, haben wir in 2 Stunden auch die nötige Energie dafür wieder ansammeln können, während wir uns jetzt nur durch die Gassen schieben würden. Also, auf zum Wohnmobil!

Ich gebe zu, dass ich nicht nur aus Gründen der Erschöpfung zum Wohnmobil zurück möchte. Zwar ist dies der Hauptgrund, aber 10% sind die stetige innere Sorge, dass man unser Mobil vielleicht zwischenzeitlich aufgebrochen haben könnte und unsere sieben Sachen überall verstreut liegen. Das ist halt dieser kleine sorgenvolle Restgedanke den man hat, wenn man bereits einmal im Wohnmobil ausgeraubt wurde. Da fährt die Angst immer so ein bisschen mit.
Als wir aber gegen halb 8 unser Wohnmobil erreichen, steht es vollkommen unversehrt an seinem Platz. Alles gut.
Sofort ziehen wir die Schuhe aus und lassen uns kalte Getränke aus dem Bordbistro schmecken. Der Kühlschrank läuft prima auf Gas, was uns als Besitzer nach fast 30 stolzen Jahren unseres Wohnmobils mit der Erstausrüstung schon erfreut.

       
    Wir spazieren zurück zum Wohnmobilstellplatz von Verona. Kleine Pause machen. Und bei unserer Ankunft? Alles in Ordnung. 🙂

Satt und zufrieden betreiben wir dann ein wenig Augenpflege, lesen ein wenig oder dösen vor uns hin, bis allmählich die Sonne untergeht und das Dämmerlicht auch den Wohnmobilstellplatz von Verona umgibt. Um kurz nach 8 wissen wir dann: Jetzt, wenn sich so langsam die Vampire in ihren Särgen recken und strecken und vergeblich nach der „Snooze- Taste“ an ihrem Sarg fingern, wird es für uns Zeit nochmals loszuziehen.
Gleich an der Ausfahrt des Wohnmobilstellplatzes aber bemerken wir schmerzlich, dass unseren Füßen die Pause offenbar nicht ganz genügt hat. Zum Glück befindet sich wirklich direkt an der Ausfahrt des Wohnmobilstellplatzes von Verona auch eine Bushaltestelle, wo wir mit dem Bus prima in die Stadt fahren können. Es ist zwar nur ein Kilometer oder so, aber lieber schlecht gefahren als gut gelaufen. Pech ist dann natürlich, dass wir um 20:20 Uhr an der Bushaltestelle eintreffen und nach Studium des Fahrplanangebotes den letzten Bus für den Tag wohl knapp verpasst haben. OK, nun schreiben wir ja nicht umsonst „Fahrplanangebot“, denn gerade in Italien ist das ja mehr so ein Richtwert wie „mittags“, also ein Korridor von 11 bis 2. Erwartungsvoll und mit einem Gesichtsausdruck, dass wir genau wüssten was wir hier tun, stehen wir also nun an der Bushaltestelle und schauen nach dem Bus. Das halten wir auch so 3, 4 Minuten durch, dann verlässt uns die Geduld. Der Bus dürfte weg sein! Wahrscheinlich hat bei den Veroaner Stadtwerken ausgerechnet heute Abend der einzige deutsche Busfahrer Dienst und dieser ist natürlich gewissenhaft um Punkt 20 Uhr, 15 Minuten und Null Sekunden von dieser Station abgefahren.

       
    So! Kurz nach 20 Uhr, Lampen sind an. Wir ziehen wieder los    Hmm. Preisfrage. 20:15 war Abfahrt, nun ist es 20 nach. Ist der weg? ?:-/

Einen Moment lang keimt noch Hoffnung aus, als sich ein Italiener zu uns gesellen will, dieser aber nach einem Blick auf den Fahrplan und seine schwere goldene Uhr am Handgelenk mit einem Schulterzucken ebenfalls in Richtung Innenstadt spaziert. Wir warten eine letzte Minute, damit der Italiener nicht denkt wir als Touristen seien zu blöd einen Fahrplan zu lesen und hoffen durch unser stures Warten den Eindruck zu erwecken, dass wir ganz genau wüssten, was wir hier tun. Kaum ist er um die Ecke, spazieren wir dann aber ebenfalls los. Dann eben kein Bus. Pah! Wer sind wir denn, dass wir auf Busse angewiesen wären?! Hat ja seinerzeit am Preikestolen in Norwegen auch ohne Bus ganz hervorragend geklappt mit der Extra- Lauferei! 😀

Natürlich gefällt uns die Scaligerfestung jetzt am Abend deutlich besser, als vorhin am Tage. Besonders in den Nachtstunden strahlen Burgen und Festen ja immer so eine gewisse Mystik aus,  wenn sie, wie auch hier, stilvoll angestrahlt werden. Wir nehmen uns einen Moment Zeit, die öffentlich zugänglichen Wehrgänge einmal zu bestreifen und das Ambiente des Schummerlichts in uns aufzusaugen. Sofort fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Eine Zeit in der man des Nachts auf den Straßen außerhalb der Mauern nicht sicher war, wo innerhalb der Mauern ein Nachtwächter mit Hellebarde patroulierte und wo zu später Stunde am Tor um Einlass begehrt wurde und man nur herein kam, wenn man die Parole richtig aufsagen konnte.

       
    Ein ganz besonderes Ambiente verströmen die alten Wehrgänge rund um und auf der Stadtmauer von Verona

       
Hier könnte einem wirklich noch der Nachtwächer entgegen kommen und zur vollen Stunde die Uhrzeit herum brüllen. 🙂

Während wir so durch die Gänge streifen, kommt uns eine Idee. Wie herrlich muss diese Szenerie des beleuchteten Bollwerks wohl von einer der anderen Brücken mit Blick über den Fluss aussehen? Und da die Ponte della Vittoria nicht weit entfernt scheint, spazieren wir einmal auf diese Brücke hier über die Etsch. Weit ist es ja nicht, nur ein paar Meter.

Der Anblick allerdings enttäuscht uns doch eher. Von dem unmittelbaren Charme der Scaligerfestung bleibt nicht viel übrig, sobald man sich nur einige Meter von dieser wegbewegt. Überhaupt kein Vergleich z.B. zum Papstpalast von Avignon, den wir auch schon mit dem Wohnmobil besucht haben. Ja noch nicht einmal an die nächtliche Szenerie in Trier reicht es heran, was wir doch wenigstens erwartet hätten. Das Licht ist ganz einfach zu schwach! Dabei liegt es noch nicht einmal am Lichtsmog der umliegenden Gebäude oder so, die Eigenbeleuchtung der Festung ist ganz einfach nicht stark genug, sodass sie auch noch stilvoll von der Ponte della Vittoria auszumachen wäre. Schade!
Nein, besser man spaziert nur über die an der Festung befindliche Ponte di Castellvecchio Brücke über die Etsch und erfreut sich stattdessen an dem kleinen nächtlichen Gänsehautschauer, der beim Betreten des wehrhaften Überwegs über den Rücken fährt. Fast ist es so, als könnte man das Getrappel mittelalterlicher Stiefel mit Eisenbeschlag oder Rüstungsgeklirre ausmachen. Durchaus denkbar wären aber auch mystische Gestalten wie Vampire, Nosferatu oder Geister, die noch immer in dem alten Gemäuer hausen. Den Umweg über die Vittoriabrücke aber, den könnt ihr euch wirklich sparen.

    Das Castellvecchio von Verona bei Nacht
    Also den Umweg hätten wir uns sparen können. Das Castell ist eher traurig in Szene gesetzt.

Von der vermeintlichen Panorama- Brücke aus spazieren wir gleich weiter zum Piazza Erbe. Der hat uns ja mit Abstand heute Nachmittag bei unserer Tagesbesichtigung am besten gefallen. Entsprechend sind wir schon sehr gespannt darauf, wie wohl der trutzige Glockenturm oder die koketten Torbögen im Nachdunkel aussehen werden!
Einen schönen Vorgeschmack auf diese stilvolle Szenerie bekommen wir natürlich beim Spaziergang durch die Gassen. Da ist es wieder! Dieses ganz besondere Feeling, welches eigentlich nur italienische, oder italienisch angehauchte Städte wie die in Kroatien versprühen können. Schmale Gassen, dunkle Fensterläden und schummerige Beleuchtung, die vom glatt getretenen Boden leicht schimmernd reflektiert wird. Unsere Schritte hallen ein wenig, denn es sind zu unserer Überraschung weit weniger Touristen unterwegs, als wir von einer Stadt wie Verona selbst am Abend erwartet hätten. Komplett wie ausgewechselt! Wenigstens wuseln hier und da noch einige wenige Einheimisch umher, tragen Einkäufe nach Hause oder telefonieren lautstark mit ihren Handys. Hätten wir diese anderen Passanten nicht, man könnte meinen, wir seien die letzten Menschen auf einem gerade noch atmenden Planeten. Krass!
Einzig der einsetzende Regen mag unserem freien Phantasielauf zur Apokalypse etwas entgegen setzen. Die Tropfen sind, auch wenn sie noch nicht dick und zahlreich sind, überraschend frisch an diesem Abend. Fast fühlt es sich so an, als würden sie direkt aus dem kalten Weltraum auf uns hernieder fallen.
„Das hört gleich wieder auf“ werfe ich zuversichtlich in unsere einsame Runde, Anja quittiert meinen Optimismus eher skeptisch und meint dunkel zu erahnen, dass es gleich richtig zu regnen anfangen könnte. Zumindest sähe der Himmel ihrer Meinung nach danach aus.
„Schnickschnack, das ist nur einer dieser italienischen Mini-/Kurz-/Kaum-zu-beachtende Schönwetterunterbrechungen von denen man immer bei anderen liest aber selten bis nie selbst erlebt“ entgegne ich, das hilft.

       
    Wir stromern durch die leeren und inzwischen leicht feuchten Gassen von Verona. Und genießen es. Wirklich idyllisch schön.

Bevor wir den Piazza Erbe aber ansteuern, machen wir noch einen ganz kleinen Umweg zur Via Arche Scaligere 2. Dort soll sich nämlich, so hat es Anja eben im Reiseführer während der kleinen Pause nachgelesen, das Haus befinden, wo Romeo gewohnt hat. Und es wäre doch interessant zu erfahren, ob dieser auch einen Balkon hatte, unter dem dann z.B. mal zur Abwechslung eine emanzipierte Julia zu einem Besuch ihres Verehrten gestanden haben könnte. Allerdings dürfte dies, das ist uns ja schon beim Spaziergang am Nachmittag aufgefallen und wird jetzt, in der beleuchteten Szenerie nochmals mehr als deutlich, nicht besonders schwer sein. Also das mit dem Balkon! Denn wirklich jedes Haus hier in Verona hat einen mal mehr oder minder großen wie reichhaltig verzierten Balkon. Jedes! Wir fragen uns, ob vielleicht gerade aus diesem Grund William Shakespeare seinerzeit genau diese Stadt als Schauplatz für sein „Romeo und Julia“ ausgesucht hat, weil nur hier die Geschichte mit dem Balkon glaubhaft rüberkommt.
Während ich noch faszinierend Balkone zähle, hat Anja mit etwas Suchen die richtige Straße gefunden. Allerdings finden wir zu unserer Überraschung die Hausnummer 2 nicht!
Die Hausnummer 1 und 3 sind da, keine Frage. Dem gegenüber befindet sich, städtbaulich anerkennend, dann die Hausnummer 4. Ist ja eine gerade Zahl. Nur die Hausnummer 2 fehlt!
Könnte eventuell das Restaurant sein, kann aber auch die zugemauerte Ecke zwischen Nummer 4 und dem Restaurant sein, die wir auch entdecken und was uns als Lösung eigentlich besser gefällt. So eine nachträglich zugemauerte Ecke! Hatte Romeo vielleicht gar nichts mit ewiger Liebe, sondern stattdessen eher was mit dem ewigen Leben zu tun? Und W. Shakespeare war in Wahrheit ein Gralsritter, der in seiner Geschichte mit der ewigen Liebe den heiligen Gral auf besonders eindrucksvolle Weise beschreibt, wie es in unserer Zeit nur Dan Brown vermag? Meine Synapsen sind auf Hochspannung getrimmt, während Anja eine ganz andere, leider auch viel zu wahrscheinliche Theorie hat. Die werden einen möglichen Eingang schlichtweg zugemauert haben, weil sie hier einfach nicht so einen Touristenansturm wünschen, wie am Haus der Julia. Wahrscheinlich war es sogar einer der Hausbewohner, der eines Nachts genervt zu Stein und Kelle gegriffen hat. Wer weiß.
Zwar bin ich noch nicht ganz bereit die Suche nach dem heiligen Gral hier abzubrechen und fingere daher noch an der Wand auf der Suche nach einem geheimen Schalter herum, aber Anja weist mich dann doch unschön und unsanft auf die Tatsache hin, dass der kleine und wirklich kurze Schauer über uns, inzwischen richtig groß und ungewöhnlich lang anhält. Fast schon ein Grund sofort zum Wohnmobil zurückzugehen. Andererseits haben wir uns ja doch sehr auf die Piazza Erbe im Nachtdunkel gefreut, sodass wir dann doch in diese Richtung weiterlaufen. Einen ersten Regenschirmverkäufer ignorieren wir. Es tröpfelt doch höchstens leicht und hört sowieso gleich wieder auf. 😉

Der Piazza Erbe trifft uns kurze Zeit mit seiner geballten nächtlichen Schönheit! Der Gang hat sich auf jeden Fall gelohnt! Nicht nur diese ganz besondere leicht mystische Stimmung umgibt uns, sondern auch ein etwas merkwürdig heimeliges Gefühl! Man kann es nur schwer beschreiben. Am ehesten trifft es vielleicht noch das Gefühl, wenn man zur Winterzeit durch eine festlich geschmückte Altstadtgasse oder über einen Weihnachtsmarkt geht. Es ist kalt, ja, die Finger sind klamm und die Ohren rot. Eigentlich gehört man heim in die Badewanne oder unter die Decke auf die Couch. Aber dennoch ist es gemütlich hier und man mag gar nicht wirklich gehen, weil es „innen“ irgendwie festlich und harmonisch wird. So auch hier am Piazza Erbe! Ein bisschen Weihnachtsfeeling, ohne auch nur eine einzige Weihnachtsbeleuchtung vorzufinden. Für das „Gesellige“ sorgen natürlich auch hier die zahlreichen noch geöffneten Gastronomiebetriebe. Es wird gegessen, getrunken, gelacht. Alles typisch italienisch. Wirklich schön, schaut selbst:

    Piazza Erbe in Verona am Abend
der Piazza Erbe. Die Stände haben zwar zu, aber in den Bars und Restaurants links ist noch gut was los.

Als wir den Piazza Erbe in Richtung des Kolosseums verlassen, wird der ganz leichte und nur kurz einsetzende typische italienische Schauer erneut völlig unerwartet etwas heftiger. Wir müssen uns sogar kurz einen Unterstand suchen, um nicht durchtränkt zu werden. Aber mit viel gutem Willen und einer positiven inneren Einstellung erkennen wir (eigentlich nur ich, Anja sieht das realistischer 😉 dass der Regen fast schon wieder aufhört, kaum dass wir weitergehen. Als Tribut an den Regen, obwohl der wirklich gleich aufhören wird, haben wir uns nun doch schweren Herzens entschlossen nur noch den Schlenker um den großen Platz, den Piazza Bra, an der Arena zu machen und dann zum Wohnmobil zurück zu spazieren.
Natürlich könnten wir uns auch hier von einem der zwar nicht zahlreich, aber dennoch deutlich vertreten Schirmverkäufer einen Schutz gegen den Regen besorgen. Aber zum einen glaube ich fest daran, dass der Regen gleich aufhört. Kauft man einen Schirm, vertraut man nicht darauf. Also gibt es auch keinen Schirm. Und zum anderen ist die Art, wie wir hier angequatscht werden, nicht gerade besonders vertrauenserweckend.
„Psst – Umbrella?“ werden wir an jeder zweiten Straßenecke angeraunt und ich bin fast geneigt zu glauben, dass der Bezug eines Schirmes hier möglicherweise ebenso hart bestraft wird, wie der Verkauf von Drogen oder illegalen Waffen. Die Art des Verkaufsgesprächs lässt jedenfalls erschreckende Parallelen erahnen. Wahrscheinlich aber dient die Heimlichtuerei nur dem Umstand, dass der Verkäufer ein Schwarzmarkthändler ohne Lizenz ist. Zwar könnten wir auf legalem Wege gar keinen Schirm mehr kaufen -die Geschäfte haben ja längst zu- aber das ändert ja nix. Es ist wahrscheinlich verboten. Und wer weiß, nachher ist das ein verdeckter Ermittler und stellt uns arglosen Touristen eine Falle! 😉
Und überhaupt wie gesagt: Mit etwas positiver Einstellung ist der Regen gleich vorbei sodass ich das Argument des verbotenen Kaufs nur vorbringe, damit wir keinen Schirm kaufen (der aus aktuellem Anlass wohl eher 20 statt 5 Euro kosten wird!), von dem dann ein schlechtes Karma ausgeht.
Durch ein hell erleuchtetes Verona, einerseits durch die Lichter und Schaufenster, aber auch durch die Reflektionen auf dem glatten und nun feuchten Steinboden schlittern wir also nun ganz ohne Schirm in Richtung der altehrwürdigen römischen Kampfarena…

       
    Wir stromern weiter durch ein beschaulich beleuchtetes Verona. Ja, wir wissen es. Die anderen haben Schirme. 😉

       
    Aber lassen wir uns vom Regen den Abend verderben? Nö! Stattdessen erfreuen wir uns am besseren Licht dank der Regenreflektion. 🙂

So gut es geht drängen wir uns an die Häuserwände bei unserem Schlittermarsch. Der Regen ist jetzt echt fies und steht einem deutschen Landregen im November auf dem Felde in Nichts nach. Dicke kalte Tropfen prasseln zahlreich auf uns hernieder und ich fange an zu glauben, dass es wohl eher schlechtes Karma war, den Schirm nicht zu kaufen.
Aber egal.
Denn dank des Regens haben sich inzwischen auch die letzten Touristen verzogen (wer ist schon so blöd und läuft in einer kalten Nacht bei Regen durch Verona ?), sodass wir nun ungestörte Blicke in die Gassen, die weitläufige Piazza und natürlich auch auf die tolle römische Arena von Verona genießen können. Zwar ist das Licht etwas kalt und die Arena überraschend spärlich ausgeleuchtet und strahlt auch nicht diese wohlige Weihnachtsmarktatmosphäre wie am Piazza Erbe aus, aber schön ist es dennoch. Auf seine eigene Art.

    Die Arena von Verona am Abend
    Die hätten wir uns aber stilvoller vorgestellt! Die leere und lieblos beleuchtete Arena von Verona.

Das es uns hier dennoch gefällt, liegt sicher an der umso lebendigeren Gastromeile nebenan. Zu unserer Überraschung ist hier weit weniger los, als wir angenommen haben. Vielleicht liegt es am Regen?!
Hier könnte man sich auch jetzt noch ohne Probleme einen ruhigen Tisch aussuchen und bei Kerzenschein eine romantische Pizza mit einem Glas Wein verspeisen. Wirklich schön.

    Piazza Bra am Abend.
    Gar nicht überfüllt. Die Piazza Bra am Abend bietet noch einige freie Tische. Wenn wir denn wollten.

Weil uns die Szenerie der Piazza Bra am Abend so gut gefällt, haben wir mit der kleinen Digitalkamera auch noch ein kleines Video gedreht. Einfach nur, um euch mal nicht nur Fotos, sondern auch bewegte Bilder zu zeigen.

Wir würden vielleicht sogar auf ein Gläschen Wein einen Moment ausruhen! Einzig der Umstand, dass wahrscheinlich die Dachluken im Wohnmobil offen stehen, lässt uns die Szenerie im Schnellverfahren genießen und die Aussicht auf ein romantisches Essen im Kerzenschein zum Fuße der Arena aussetzen. Ein paar Bilder, dann geht es gleich weiter. Zwar wird der Regen etwas weniger, aber wir haben heute Abend gelernt, dass das auch in Italien nicht bedeutet, dass er gleich aufhört. Und bevor wir uns um die Frischwasserversorgung im Wohnmobil keine Gedanken mehr machen müssen, legen wir lieber einen Zahn zu.

Als wir beim Wohnmobil ankommen (dieser Moment des Herzklopfens ist natürlich da ob es unversehrt ist, aber alles gut! Niemand Böses war da und selbst der Regen hat die einzige offene Dachluke nicht übermäßig zum Wassereinbruch genutzt. Nur ein paar Sprenkel), hat es natürlich aufgehört zu regnen. Endgültig für den Rest des Abends und natürlich genau jetzt, wo wir nass bis auf die Knochen sind. Aber eine leicht laufende Heizung und ein paar Handtücher für die nassen Haare lassen es gleich gemütlich werden.

   
    abendliche Wohnmobilstellplatzidylle auf dem Wohnmobilstellplatz von Verona

Gemeinsam sitzen wir  für den Rest des Abends über den Reisenotizen, Anja hilft mir anhand des Stadtplanes mit der Nacherfassung unserer Route durch Verona.
Auch die weitere Vorgehensweise für morgen legen wir fest.
Wir haben uns überlegt, doch keine weitere Nacht mehr in Italien zu verbringen.
Den Gardasee kennen wir zur Genüge, auch wenn der Reisebericht dazu leider verloren ist und ihr hieran nicht teilhaben könnt.
Davon abgesehen wäre nur eine Nacht ist blöd, weil man zwar am Abend schön spazieren gehen kann, am nächsten Tag aber schon wieder los muss und sich nicht wirklich richtig einrichten würde.
Stattdessen werden wir morgen wohl versuchen, wieder bis nach Österreich und nach Tirol zu kommen. Vielleicht bis zum Camping Dreiländereck in Tirol, den wollte ich auch schon immer mal besuchen.
Soll auch schön an einem Dörfchen liegen, wo wir den Tag dann prima abschließen können.

Wo wir so im Bettchen liegen und den Tag Revue passieren lassen, muss es natürlich sein, das
Zitat des Tages: „Ein Glück, dass es bei unserem Abendspaziergang in Verona nicht geregnet hat! Stell dir das mal vor, was das für ein Reinfall gewesen wäre!!“
😉

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