Die Sonne scheint bereits von weit oben auf unser Wohnmobil, als ich endlich die Augen öffne. Es ist warm und stickig im Alkoven, eine Folge der Sonnenbestrahlung von oben gepaart mit der geschlossenen Dachluke.
Das Bettchen neben mir ist leer, Anja muss sich also schon irgendwann an mir vorbei gequetscht haben, ohne dass ich das bewusst mitbekommen habe.

Die Nacht war wirklich der blanke Horror!
Erst nach dem Eindrehen der Stöpsel ins Ohr bin ich weggeduselt, das war irgendwann zwischen 3 und 4.

Ich falle fast aus dem Bett bei dem Versuch den Alkoven elegant zu verlassen.
Dann mache ich mich ein wenig im Badezimmer frisch, krabbele danach zur Tür raus und lasse mich in den Stuhl am gedeckten Frühstückstisch fallen.
Ja, richtig gelesen, Anja hat ganz allein den Tisch gedeckt, mir den Sonnenschirm aufgebaut und auch die obligatorischen Frühstücksbilder gemacht.

         
Immer noch das schönste am Camping:                              Draußen lecker frühstücken 🙂

Ja und da sitze ich nun gegen 9 am Frühstückstisch, mein Kopf ist schwer und drückt, meine Ohren sind heiß (habe eben erst die Pfropfen aus dem Ohr genommen) und ich fühle mich einfach nur wie gerädert und scheiße.
Natürlich hat sich bei Entnahme meiner Ohrstöpsel auch gleich das hirnzerfressende Geräusch zurück gemeldet.
Diese verfluchte Kühlbox läuft doch tatsächlich noch immer und vermiest uns (mir mehr wie Anja) nun ganz erheblich das Frühstücksvergnügen.
Sofort sind die „Vergeltungsgedanken“ von gestern Nacht wieder da.
Kann ich das Teil noch sabotieren?
Ich schüttele mit dem Kopf, denn direkt neben der Kühlbox steht ein Pössl eines Pärchens, beide sitzen in der Sonne vor dem Womo und haben offenbar kein Problem mit dem Krach und das, obwohl sie weniger als 2 Meter davon entfernt sitzen.
Unglaublich! Ich rege mich auf, murre und brummele vor mich hin.
Anja zuckt nur mit den Schultern…

           
Schräg gegenüber:                                (Zoom 1) Der „Krachmacher“                (Zoom 2) und das „Corpus Delicti!“

Dann kommt plötzlich der Verursacher aus seinem Womo, wenn meine Blicke töten könnten…
Doch dazu kommt es gar nicht, denn kaum hat er die Türe aufgetan und sich aus dem Fahrzeug bewegt, da kommen die Nachbarn schon auf ihn zu und versuchen ihm klar zu machen (er versteht nur niederländisch, die Nachbarn sind deutsche), dass seine Kühlbox in der letzten Nacht wohl doch nicht nur mir den Schlaf geraubt hat.

Zunächst zeigt er noch wenig Verständnis, willigt auf Drängen der Nachbarn nur widerwillig ein die Kühlbox wenigstens heute Abend auszustecken.
Dann aber kommt ein weiteres Camperpaar von der übernächsten Wiese ebenfalls dazu und spricht auf niederländisch (es sind wohl Landsleute) mit dem guten Mann, dass der Krach wirklich nicht zum Aushalten sei.
Und dann steckt der Camper, offenbar von seinen Landsleuten überredet, seine Kühlbox aus.

Was für eine himmlische Ruhe!
Ich applaudiere! Ich kann nicht anders!
Ich applaudiere der Courage meiner Landsleute zu, die sich ihrem Unmut Luft gemacht haben und ich applaudiere den niederländischen Campern zu, die sich wohl ebenfalls gestört gefühlt und sich auch stark gemacht haben, dass das Krachmacherding ausgesteckt wird.
Andere Camper, denen möglicherweise ebenfalls wie mir der Mut zum ersten Schritt gefehlt hat das unendliche Drama anzusprechen, stimmen plötzlich mit ein und nicht weniger als 5-6 weitere Menschen applaudieren plötzlich aus allen Richtungen.
Muss peinlich für den Mann sein…

Endlich können wir frühstücken.
Aber so richtig wach bin ich noch immer nicht, ich sitze mehr im Halbschlaf (kaum wird es ruhig werde ich tierisch müde!) und kaue lustlos an einem Brot.

Anja ist wirklich eine liebe Seele, sie hat nicht nur allein den Tisch gedeckt (davon habe ich NICHTS mitbekommen), nein sie räumt auch nach dem Frühstück alles auf spült ab.
Ich falle dafür wie ein Stein in die Hängematte und habe sofort die Lichter an (will heißen ich dämmere in einen Halbschlaf weg).
Lange währt dieser Zustand allerdings nicht, die Sonne ist ziemlich heiß und ich weiß, dass ich ohne Sonnenschutz hier draußen liege.
Also raffe ich mich auf und schleppe mich hundemüde in den Alkoven.
Kaum liege ich dort falle ich erneut in einen Dämmerschlaf.

         
Wie einladend!                                                                    Die gehört jetzt mir!   *schnaaarrrccchhhh*

Erst gegen kurz vor 11 werde ich ein weiteres Mal wach.
Nun muss ich mich auch unter Zuhilfenahme einer eiskalten Dose Pepsi Max aus dem Kühlschrank zwingen endlich auch wirklich komplett wach zu werden, sonst kann ich heute Abend nicht schlafen.

Anja hat sich mittlerweile selbst eingecremt und liegt in der Hängematte, wir überlegen, was hier mit dem halb angebrochenen Tag noch anstellen können.
Als Möglichkeiten stehen uns Faulenzen am Strand oder mit dem Fahrrad nach Den Helder fahren zur Verfügung.

Nun ist es jedoch genau Mittagszeit und zum Fahrradfahren ist es definitiv zu heiß.
An den Strand gehen könnten wir zwar, da wir aber alles was wir brauchen hier um uns herum haben und dabei trotzdem die Sonne genießen können, brauchen wir nicht an den Strand zu gehen.
Für Baden im Meer dürfte es eigentlich zu kalt sein.
So entscheiden wir uns die Mittagszeit noch abzuwarten, auszuruhen und dann gegen Nachmittag eine kleine Fahrradtour nach Den Helder zum bummeln, shoppen und spazieren gehen zu unternehmen.

Um die warme Mittagszeit zu überbrücken suche ich mir eine Beschäftigung. Denn wenn ich mich jetzt wieder hinlege, dann komme ich für den Rest des Tages gar nicht mehr hoch.
Also widme ich mich nun mal dem Armaturenbrett und der klemmenden Cockpitanzeige.
Mich stört unheimlich, dass die Tankanzeige und die Kühlwasseranzeige nicht korrekt funktioniert.
Da beide gleichzeitig ausgefallen sind, ist es bestimmt weder der Schwimmer im Tank, noch der Thermostat aus dem Kühlkreislauf, der Fehler wird wohl hier im Anzeigeelement zu suchen sein.

Das Cockpitelement unseres Fiat Ducato ist mit 2 Kreuzschrauben angeschlossen, diese werden gelöst und dann kann man das Element schon nach vorne heraus ziehen.
Einige Stecker sind nun auf der Rückseite eingesteckt, mit der Hand kann ich in den Spalt greifen und die Stecker lösen.
Zum Schluss muss man noch einen Plastikschieber nach hinten schieben und die Tachowelle abstecken, danach hat man das Cockpitelement in der Hand.

Da ich rein äußerlich weder an den Steckern noch an den Anschlüssen eine Beschädigung erkennen kann, entscheide ich mich als aller erstes zur Überprüfung und Reinigung der Kontakte.
Hierfür nehme ich mir ein wenig feines Schleifpapier, wickle dieses um einen breiten Schraubendreher und versuche so etwas von der Patina und vom Grünspan zu lösen, der sich auf den Kontakten breit gemacht hat.

Dies gelingt mir ganz gut und nach etwas Fleißarbeit glänzen die Kontakte wieder.
Zur Sicherheit schaue ich noch, ob die kleinen Zeiger freigängig sind, danach stecke ich die Kontakte wieder auf (das ist leicht, die sind farbig markiert) und klemme die Tachowelle wieder an.

           
Stecker und Tachowelle hinter dem Cockpitelemet.      Hier das Element von hinten  Und wieder eingebaut, ob´s geht?

Als nächstes schalte ich die Zündung ein und schaue, ob sich die Zeiger wieder bewegen.
Blöd nur, dass der Tank fast leer ist und wir darüber hinaus auch keinen nennenswerten Ausschlag am Kühltemperaturanzeiger ausmachen können.
Also kann ich nicht sicher sein, ob die Anzeige wieder funktioniert.

Ich könnte jetzt den Motor laufen lassen, aber nachdem heute morgen schon beinahe eine neue Form der Lynchjustiz auf Campingplätzen statt gefunden hat, kann ich mich nun unmöglich auch noch der nachhaltigen Geräuschentwicklung ohne für Außenstehende unerklärbaren Grund schuldig machen. Eine Probefahrt muss also her!

Ein Ziel habe ich mir auch schon gleich ausgeguckt, da wir gestern Probleme hatten etwas geeignetes zum Abendbrot aufzutreiben und mir darüber hinaus der Magen noch immer einige Probleme bereitet, haben wir überlegt unser Abendessen heute lieber wieder selber zuzubereiten.
Am besten hierfür eignet sich natürlich das Grillen, doch dazu brauchen wir erstmal frisches Grillgut.
Bei der gestrigen Radtour entdeckten wir ja im Nachbarort Julianadorp einen Supermarkt gleich beim VVV- Fremdenverkehrsamt, dorthin wird mich unsere Probefahrt führen.

Ich packe alle losen Ausrüstungsgegenstände zusammen, hole die Antenne ein und stelle die Abfahrbereitschaft her.
Anja bleibt bei unserem Campingplatz zurück, sie passt auf, dass niemand die Hängematte stibitzt.
Na hoffentlich klaut keiner die Hängematte zusammen mit meiner Frau…

Gegen kurz nach 2 rolle ich vom Campingplatz.
Die ersten Meter auf der Landstraße sehen ganz gut aus, soweit es der Verkehr zulässt starre ich auf die stetig wachsende Nadel der Kühlwasseranzeige und auch die Tanknadel bewegt von der „kurz vor viertel“- Stellung ein Stückchen weiter bis kurz nach der „viertel“- Stellung, es scheint also wirklich so, als hätte sich was verklemmt, was sich durch den Ausbau gelöst hat oder das Reinigen der Kontakte hat Wirkung gezeigt.

Dann aber trifft mich fast der Schlag!
Ich fahre 0 km/h!
Natürlich nicht wirklich, denn ich sehe ja, dass ich fahre. Aber die Tachoanzeige ist defekt, sie meldet keinerlei Reaktion an das Cockpit.
Ach Mann! Jetzt scheint die Kühler- und Tankanzeige wieder zu funktionieren, aber dafür muss ich jetzt immer mit Navi fahren, damit wir die Geschwindigkeit korrekt angezeigt bekommen…
Da muss ich gleich nachher nochmals dran.

Beim Supermarkt komme ich gegen viertel nach 2 an und suche mir ein ausreichend großes Plätzchen im hinteren Eck des Parkplatzes.

Schnell springe ich rein und schaue, was wir leckeres auf den Grill werfen könnten.
Ich besorge uns ein Paket „deutsche Grillwurst“ (<– das steht da wirklich auf der Verpackung!), 2 Koteletts und 2 Hähnchengrillspieße Hawaii mit Ananas.
Dann schaue ich noch bei einem kleinen im Supermarkt integrierten Zeitschriften/Lotto/Schreibwaren- Laden rein, ob ich hier ein paar schöne Postkarten der Region bekommen kann.
Leider gibt es nur einige wenige allgemeine Grußkarten und eine handvoll Karten der Nordsee. Allesamt bereits mehrere Jahre alt und nicht wirklich schön anzusehen.
Nö, die kaufe ich nicht, da schauen wir lieber nachher in Den Helder.

Zurück am Campingplatz komme ich leider nicht dazu mich ein weiteres Mal um den Tacho zu kümmern.
Anja mag endlich los fahren und wenn wir so auf die Uhr schauen (es ist 3 Uhr), dann wird es wirklich langsam Zeit, sonst macht eine Radtour und ein Einkaufsbummel auch keinen Sinn mehr.

Bei 26°C Temperatur verlassen wir um kurz nach 3 den Campingplatz und fahren bereits 10 Minuten später auf dem Dünenradweg in das laut Navi ca. 9km entfernte Den Helder.
Nur beim Aufstieg auf die Dünen muss ich Anja ein wenig unter die Arme greifen. Was wir gestern mit Sausewind herab gebraust sind, will beim heutigen Aufsgtieg und 26°C einfach nicht so recht klappen und so schiebe ich mein und Anjas Rad den Berg rauf, sie muss dann nur sich selbst „hoch schleppen“ 😉

         
Ich bin schon oben und warte bei den Rädern…                 Anja hat noch einen weiten Weg  😉

         
Da habe ich noch etwas Zeit die Aussicht zu genießen!   Dann aber geht es los, langsam (knapp 7 km/h 😉 aber stetig

Der Radweg ist wirklich hübsch angelegt, man fährt durch die Dünen, mal rauf, mal runter, mal rechts und mal links, mal durch Hügel, mal durch Wiese und Büsche und dann wieder durch Blumen und an kleinen Sandbergen vorbei.
Das alles wäre echt was fürs Auge und Erholung pur, wenn nur der blöde Wind nicht wäre!
Er pustet mit einer immensen Kraft schräg von vorn!
Teilweise ist der Wind so schlimm, dass wir nur noch mit 5 km/h vorwärts kommen und an besonders steilen Steigungen sogar schieben müssen.
Wenn dann der Wind mal etwas abflaut, dann kommen wir auch auf 8-12 km/h, aber keinesfalls über 15.  😮

         
Über den Dünenradweg…                                                    …geht es durch die Landschaft

         
Sowas gibt´s auch nur in Holland! Zebrastreifen…               …und kleine Pfeilmarkierungen auf dem Radweg  :-/

Gegen 20 vor vier haben wir uns durch den Sturm gekämpft und erreichen die ersten Ausläufer von Den Helder.
Der Radweg der Düne läuft nun wieder mit der Küstenstraße zusammen und der Radweg führt an der Hauptstraße entlang.

Als erstes steuern wir einen größeren Parkplatz an.
Hier ist heute Trödelmarkt, ein Schnellimbiss hat zusätzlich seine Pforten geöffnet, bei dem schönen Wetter herrscht natürlich reger Andrang.
Ich schaffe es trotzdem mich durch die Scharen von Omas, Kindern und Familienvätern zu schlängeln und uns ein Softeis zu besorgen.
Das haben wir uns aber auch wirklich verdient!
So anstrengend war Radfahren wirklich noch nie.

Das Eis ist eher klein und kaum das Geld wert, was ich dafür auf den Tresen gelegt habe.
Mangels Alternative kann sich der Besitzer aber wohl ein derart freundliches Geschäftsgebaren leisten.
Macht nichts, wir müssen ja nicht jeden Tag hier unser Eis kaufen, von daher bringt Aufregen auch nicht viel.

         
Ziemlich mini, oder? Ein Haps und das Ding ist weg…         Egal, schmeckt trotzdem!

Eine viertel Stunde später haben wir das Eis verputzt und die Muskeln sind wieder fit, wir erhoffen uns nun vom Streckenverlauf weit weniger Gegenwind, denn nun geht es an der Straße entlang und an den Häusern vorbei in Richtung Stadtkern.
Da radelt es sich gleich viel besser und wir kommen das letzte Stück gut voran.
Scheinbar sind die Niederländer aber deutlich „sturmerprobter“ auf dem Rad, denn die Fietsfahrer (fiets = NL für Fahrrad) überholen uns bei jedem Ampelstart ;-), wir sind denen wohl noch zu langsam…

         
Die verkehrstechnische Krönung! Ne Ampel für Biker!  ?:-/   Weiter auf dem Radweg nach Den Helder

Um 10 nach vier erreichen wir hinter dem Wasserturm von Den Helder ein größeres Areal neben der Einkaufspassage, wo wir unsere Räder anbinden und die Erkundung der Stadt nun zu Fuß fortsetzen.
Das tut gut, auch wenn das Laufen erstmal so ausschaut, als ob wir drei Tage lang auf einem Esel durch die Prärie geritten wären 😉
Man, tut mir der Hintern weh…

         
Endlich das Ziel vor Augen! Der alte Wasserturm               Jetzt noch Räder anbinden und ab in die Stadt!

Viel los ist in der Stadt nicht. Wir schauen bei diversen Geschäften rein.
Anja hat sich in den Kopf gesetzt mir unbedingt neue Schlüpfschuhe zu kaufen.
Also so Sneaker- Schuhe, wo man eben rein schlupfern kann.
Ich verstehe das nicht. Ich meine die Schuhe, die ich gerade anhabe, haben vielleicht erst 1.000 km runter und sehen noch fast so aus, wie ein frisch geputzter Jahreswagen.
OK, gut, es gibt hier und da ein paar Schrammen und Kanten, dafür sind die aber perfekt eingelaufen und tragen sich ganz ausgezeichnet!
Was haben Frauen nur immer, dass sie einem grad eingelaufene Schuhe wieder abnehmen wollen, nur um diese gegen hübsch anzuschauende, aber dafür enge und drückende Schuhe einzutauschen?

Erfolgreich kann ich mich aber zum Glück gegen alle Arten von angebotenen Schuhen zur Wehr setzen.
Ist aber auch kein Kunststück und ehrlich gesagt nicht mein Verdienst, denn die Auswahl ist mehr als bescheiden. Was passt ist zu teuer und was passt und nicht teuer ist, gefällt weder mir und zum Glück auch nicht meiner Frau.
„Tja Schuhe, da haben wir aber nochmal Glück gehabt, scheint so als bekämen wir eine letzte Galgenfrist“ flüstere ich meinen Schuhen zu, als wir das zweite Schuhgeschäft verlassen.

         
Den Helder: Hier am Anfang der Fussgängerzone              mitten drin, viel los ist nicht gerade…

Viel gibt es sonst nicht in Den Helder zu sehen.
Ein wenig muss man hier und da aufpassen, dass man nicht in die falsche Gasse einbiegt, sonst findet man sich ganz schnell in einer Seitenstraße wieder, wo sich ein Coffee- Shop an den anderen reiht. Das es dort keinen Kaffee gibt, das brauche ich glaube ich nicht weiter ausschmücken…
Spätestens, wenn ein süsslicher Duft in der Luft liegt, dann sollte man die entgegen gesetzte Richtung einschlagen und sich wieder unter der überdachten Einkaufsmeile aufhalten.

Die Radtour hat hungrig gemacht, was zu essen muss her.
Theoretisch wollten wir ja heute Abend grillen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass zwischen Grill und uns derzeit mindestens 28.545 gefühlte Kilometer Fahrradweg liegen, entscheiden wir uns dann doch hier unser Abendessen einzunehmen.

Ein weiteres Experiment mit meinem angeschlagen Magen/Darm- Trakt mag ich allerdings nicht ausprobieren und vertraue daher auf die Qualität des Schottenburgers, der sich natürlich auch hier an der holländischen Küste breit gemacht hat.
Anja ist zum Glück mit meiner Idee einverstanden und so kehren wir bei McDonalds ein.

Ist auch so eine Sache. McDonalds. Genormt sind ja meistens die einfachen Burger wie Cheeseburger und so.
Aktionsburger allerdings gibt es hier entweder früher oder später zu uns oder zum Beispiel auch gar nicht.
Hier in den Niederlanden gibt es zum Beispiel einen Burger, der nennt sich McKroket.
Fast hätte ich den auch probiert, aber wenn ich es mir recht überlege ist mit Kroket wohl weniger unsere klassische deutsche Kartoffelkrokette gemeint, sondern eher die berühmte niederländische Fleischkrokette, dessen Inhalte für gewöhnliche nahe an dem tendieren dürfte, was ich mir da gestern als Tricatel- Hühnchen in den Kopf geschoben habe.

Final entscheide ich mich dann aber doch für einen lokalen Burger und nicht den gewohnten BigMac oder Cheeseburger.
Es wird der McMomentje, also auf deutsch der „McMoment“.
Bin mal gespannt, ob der McMoment dann auch irgendwann mal bei uns auf der Karte steht.

         
McDonalds im Ausland, hier der McMomentje                     Sieht „im Moment“ 😉 gar nicht mal schlecht aus!

Schmecken tut das Teil (wir essen draußen in der Sonne) übrigens gar nicht mal schlecht, der könnte durchaus auch bei uns seine Anhänger finden.
Und für die Reste an Brot bedanken sich ein paar freche Spatzen, die einem fast bis auf die Hand fliegen, um einen kleinen Anteil am Pappbrötchen abzubekommen.
Es sei Ihnen gegönnt.

Gegen viertel nach 5 schwingen wir uns dann wieder auf die Fahrräder, wir wollen nun noch einen kurzen Ausflug in den Hafen von Den Helder unternehmen.
Vielleicht gibt es hier ja eine kleine Promenade oder so etwas?

Schwierig gestaltet sich der Aufstieg in Richtung Hafen, denn der Zugang zur Promenade und zum Hafenbecken muss über die Düne erfolgen.
Wir folgen also der Beschilderung für „Texel“ und machen uns an den langen Aufstieg auf das Hafenplateau und den Schutzwall gegen eine Strumflut.

         
Wieder unterwegs mit dem Rad zum Hafen Den Helder      Fahrrad- Diebstahlschutz auf holländisch 😉

Oben angekommen setzt gerade der Fährverkehr ein, die Fähre aus Texel ist angekommen und es kommt zu erheblichem Rückstau beim Ausschiffen.
Wir haben Glück, können ein wenig des Entlade- und Beladevorgangs von einem verlängerten Arm der Hafeneinfahrt aus beobachten und schauen zu, wie es rund um die Fähre „Dokter Wagemaker“ wuselt und lebt.

Dann lassen wir uns auf einer kleinen Bank nieder und schauen den Möwen beim Fliegen zu, während diese die Dokter Wagemaker bei der Ausfahrt aus dem Hafen begleiten.

Windig ist es hier oben, vom Meer her weht eine steife Briese in unsere Richtung und schafft es sogar unsere Fahrräder umzupusten. Mit viel Radau landen die im Dreck, na toll!

         
Zufahrt zum Hafen                                                               Wir kommen gerade rechtzeitig zum Auslaufen der Fähre   

         
Angekommen an der Hafeneinfahrt mit Ausblick                 Mit dem Fahrrad bis ans Ende!

         
und während wir den vorbeifahrenden Schiffen zuschauen     Setzt sich auch die Fähre nach Texel in Bewegung

Den auffrischenden Wind aus Nord wollen wir uns nun zu Nutze machen, immerhin ist es schon halb 6 durch und wir müssen ja auch noch den langen Weg zurück zum Campingplatz fahren. Aber mit dem Wind im Rücken wir das sicherlich deutlich einfacher, als die Hinfahrt.

Und tatsächlich pustet uns der Wind in nur 45 Minuten von Den Helder zurück nach Julianadorp, auf dem Hinweg haben wir fast doppelt so lange gebraucht.
Das Fahren zurück war sehr sehr angenehm. Fuhren wir auf dem Hinweg nach Den Helder meist nur einstellige und wenn überhaupt nur kleine zweistellige Geschwindigkeiten, kommen wir nun mit 18-22 km/h ohne große Anstrengung voran.
Der kräftige Rückenwind hebt sich bei dieser Geschwindigkeit mit dem Fahrtwind sogar teilweise auf und man hat das Gefühl völlig lautlos dahin zu gleiten. Ganz komisch…

         
Mit Sausewind zurück zum Campingplatz                             nach nur 45 Minuten sind wir zurück!

Das war eine echte Gewalttour! Fast 22 Kilometer meldet unser Tacho, als wir die Fahrräder am Wohnmobil wieder abstellen.
Davon haben wir mindestens die Hälfte bei mittlerem bis schweren Gegenwind zurück gelegt, das war ganz schön anstrengend.
Dies sollten Radfahrfreunde an der Küste auf jeden Fall beachten, eine ruhige Fahrt ist kaum möglich, das wird immer ein Einsatz des gesamten Muskelpaketes.

         
Zurück am Campingplatz                                                    Hier der Beweis! Fast 22km mit dem Rad, puh!

Zur Entspannung widme ich mich ein weiteres Mal dem Cockpit.
Die Schrauben sind schnell ausgedreht und ein weiteres Mal überprüfe ich alle Anschlüsse und Stecker, klemme dann ein weiteres Mal alle Kabel und die Tachowelle an.
Für eine Probefahrt allerdings habe ich keinen Bock mehr, die machen wir dann morgen.

Und wenn es dann wieder nichts wird, dann reparieren wir das eben zuhause in Ruhe.
Natürlich muss Anja mich aufziehen und necken: „Tachodreher“ ist jetzt ihr neues Wort. Ganz schön keck!
Als ob ich den Tacho einfach mal um 100.000km zurück drehen würde 😉

    
Der „Tachodreher“ bei der Arbeit   😉

Am Abend wird noch geduscht und ein wenig TV geschaut, kaum ist die Sonne weg, packen wir draußen auch schon wieder zusammen.

„Kannst du mir mal die Fahrradschlösser raus geben?“
„Hmm, die müssen draußen sein, hier drinnen sind die nicht!“
…such… …such…
„Hier draußen sind sie auch nicht!“

Jetzt sind doch tatsächlich die Fahrradschlösser weg!
Wir denken angestrengt nach, wo die Dinger sein könnten…
„Wahrscheinlich am Fähranleger verloren, als mein Fahrrad umgefallen ist“, fällt mir dann plötzlich ein.

Ach herrje! Da schließt man einmal sein Fahrradschloss nicht wie gewohnt um den Sattel, sondern schmeißt die Schlösser lose in den Fahrradkorb und schon verlieren wir die Schlösser.
Was nun?
Nach Den Helder mit dem Rad? Dafür sind wir zu kaputt und zu fertig, das waren heute schon 20 Kilometer, selbst wenn ich alleine fahren würde, würde ich das wohl kaum ein weiteres Mal durchhalten. Die einzige Alternative wäre wieder alles einzupacken und mit dem Wohnmobil nach Den Helder zu fahren.
Aber in 45 Minuten ist hier bereits Platzruhe, es ist 21:45 Uhr.

Ach das ist beides Mist.
Wir entscheiden uns die Fahrradschlösser einfach Fahrradschlösser sein zu lassen, egal wo diese sich gerade befinden.
Morgen fahren wir dort mal vorbei, wenn sie noch da sind, gut.
Wenn die weg sind, Pech!

Mangels Alternative Fahrräder sichern wir unsere Räder und das Gestell der Hängematte mit dem Zurrgurt und einigen Bändchen am Wohnmobil, eine andere Idee haben wir sonst nicht.

Zitat des Tages:
Anja mehrfach zu mir auf dem Weg nach Den Helder
„Auf dem Rückweg haben wir dann aber endlich Rückenwind!!!!“

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