Geweckt werden wir durch das sanfte, zarte und liebliche Klopfen einer Baustellenramme!
Wow, wie unwirklich für Norwegen! Passt ja mal überhaupt gar nicht zur idyllischen Natur!
Ich versuche auszumachen, woher das Geräusch kommt. Allerdings ist dies schwierig, denn durch die Lage hier direkt im Tal mit den Bergen und Hügeln drumherum hallt das Gehämmere der Ramme wieder und wieder akustisch auf uns ein, bis es sich mit dem jeweils neuen Rammstoss der Ramme vereint und ein neuer nerviger Kreislauf gestartet wird.
Das ganze klingt, als ob ein übergroßer Kuckuck damit begonnen habe, die umliegenden Berge mühsam abzutragen und seien wir mal ehrlich: Damit wäre der Piepmatz auf jeden Fall ein paar Jahre beschäftigt.
Puh!

Wir stehen also auf und machen uns fertig für den Tag, der wieder mal ein Fahrtag werden wird.
Grob steht die Route sowieso, es wird weiter auf der E 134 in Richtung Osten gehen, bei Haukeli wechseln wir dann auf die 9 in Richtung Süden.
Diese führt uns dann direkt an das „Nordportal“ von Kristiansand.
Etwa 300 Kilometer sind also noch zu fahren, bis wir dann morgen die FjordCat in Richtung Dänemark nehmen werden.
Die letzte Fähre für Norwegen übrigens, denn im Gegensatz zur ebenfalls möglichen und südwärts gehenden „13“ ist die Landstraße „9“ komplett fährenfrei.
Hat natürlich auch zur Folge, dass wir uns endgültig von den Fjorden, dem eigentlichen Wahrzeichen Norwegens, nun verabschieden müssen.
An deren Stelle wird dafür, dass war aus den Bildern anderer Reiseberichte zu entnehmen, mehr bewachsene Natur mit waldreichen Abschnitten treten.
Ist ja auch mal was und zeigt wieder einmal eindrucksvoll, wie facettenreich Norwegen doch seine Besucher überraschen kann.

Gleich nach dem Aufstehen kümmern wir uns um die Versorgung unseres Wohnmobils, dies sogar noch vor dem Duschen und Frühstücken.
Schon heute wechseln wir übrigens den Tankkanister vom Klo.
Das grüne Aqua Kem, welches wir in Flam in den Tank gegeben haben, reicht einfach nicht aus, um mit seinen für die Umweltverträglichkeit lediglich enthaltenen Duft- bzw. Parfümstoffen das Klo frisch zu halten.
Hier ist nunmal das chemisch basierte aber auch deutlich bessere Aqua Kem Blue besser geeignet, die Grill- und Hot-Dog Überbleibsel sozialverträglich abubauen… 😉
Da wir ja aber sowieso nur auf CPs stehen, wo wir die chemisch aufbereitete Toilettenkassette optimal entleeren können, ist das ja auch kein Problem.

Kurz darauf gehen wir duschen.
Anja und ich teilen uns hierbei eine Duschmünze im Familienwaschraum, weil das Duschen doch eine recht teure Angelegenheit ist.
Ein Duschvorgang kostet 10 Kronen und schaltet dann 5 Minuten die Dusche frei.
Soll jetzt jeder 10 Kronen ausgeben, wenn wir uns doch auch in 2 Minuten eben abduschen können?
Besser wäre für uns doch zum Beispiel 3 Minuten für 5 Kronen, oder von mir aus auch sogar nur 2 Minuten.
Man muss sich natürlich ein wenig beeilen, aber man kommt mit dieser Zeitspanne ebenso hin denke ich. Hier aber muss man 5 Minuten nehmen und weil man bei 5 Minuten die Zeit so schlecht einschätzen kann, duscht man trotzdem schnell und ist meist schon nach 3-4 Minuten fertig mit Duschen.
Die restliche Zeit steht man dann unschlüssig in der Kabine rum und weiß nicht, ob die Restzeit doch noch für einmal Einschäumen und abwaschen reicht, oder eben nicht mehr.
Aus Angst, dann nicht mit komplett eingeschäumten Körper aber ohne Warmwasser da zu stehen, lässt man es dann doch sein und die restliche Zeit verstreicht natürlich ungenutzt.
Mag bei anderen Campern mit anderem Duschrythmus vielleicht anders sein, aber bei uns beiden fällt auf, dass 5 Minuten für 10 Kronen und für uns ungünstiges Duschverhältnis ist.
Daher teilen wir uns eine Familiendusche und dann eben auch eine Duschmünze…

Nach dem Duschen gibt es natürlich Frühstück, einmal mehr frühstücken wir auf dieser Reise im Wohnmobil.
Es ist einfach zu kalt draußen, zu nass und zu uselig.
So richtig schöne Sonnentage haben wir ja bislang nicht so viele gehabt. Zumindest nicht so, wie man sie sich für einen Sommer- Sonnenurlaub wünscht.
OK, für einen Sommersonnenurlaub ist Norwegen ja nun auch nicht wirklich das Idealziel, aber wir haben ja noch eine Anschlusswoche in Dänemark, vielleicht können wir da ein wenig mehr Sonne genießen.
Schön wäre es ja.

         
     Der nächste Morgen auf dem CP Røldal Hyttegrend   Es geht über die offene Campingwiese zu den Duschen

         
     Ausblick vom Servicehaus über das Wiesenareal    Nach dem Duschen wird erstmal lecker gefrühstückt 🙂

Nach dem Frühstück spült Anja ab und ich checke mit dem CP- eigenen kostenlosen WLAN die verfügbaren Campingplätze rund um Kristiansand auf ihre Preisverträglichkeit.
Unsere Fähre geht ja erst morgen, also muss für heute Abend in oder um Kristiansand noch einmal eine Übernachtungsmöglichkeit her.
Beim Ergebnis müssen wir ganz schön schlucken!
Da ist nämlich kaum noch was Günstiges dabei!
Zwischen 30 und 40 Euro können wir pro Nacht ermitteln und ich überlege bereits ernsthaft, ob eine Freisteher- Nacht im attraktiven Hafen von Kristiansand eine Alternative zu den teuren Campingplätzen sein könnte.
Als wir dann aber den Radius rund um Kristiansand ein wenig erweitern, entdecken wir aber doch noch 2 Campingplätze, die uns zum Abschluss der Reise finanziell wenigstens nicht ganz die Schuhe ausziehen.
Ein CP liegt östlich von Kristiansand, ca. 23 Kilometer entfernt. Der zweite liegt etwa 60 Kilometer nördlich von Kristiansand und wäre nach unseren Berechnungen etwa 20 Kronen teurer.
Da der letztere aber direkt auf unserer Route nach Kristiansand liegt und wir für den anderen Platz erst komplett bis nach Kristiansand fahren, dann 23km nach Osten und am nächsten Tag auch wieder 23km nach Westen fahren müssten, ist der Platz 60km nördlich von Kristiansand (ohne erforderliche Umwegfahrten) wohl die finanziell bessere Wahl.
Wir programmieren das Navi also auf den Campingplatz Hornnes- Camping bei Evje und sind kurz darauf auch schon startbereit.
Bezahlen müssen wir nun natürlich noch und das ist mal wieder „typisch norwegisch“ irgendwie!
Gestern Abend haben wir ja schon mittels der Wechselsprechanalage an der Rezeption eingecheckt. Hätten wir uns eigentlich schenken können, denn kontrolliert hat bis jetzt noch niemand, ob wir hier stehen dürfen, oder nicht.
Und als ich gegen 20 nach 11, also der eigentlichen Haupt- Abreisezeit auf Campingplätzen an der Rezeption auschecken will, ist noch immer keiner da!
Na sowas!
Erneut klingele ich und widerstehe der Versuchung, einfach so und ohne zu bezahlen vom Platz zu fahren.
Macht man ja nicht.
Es knackt in der Leitung und eine nette Dame sagt mir kurz darauf, dass gleich jemand zum Kassieren vorbei kommen würde.
Naja, warten wir eben…

Es dauert etwa 10 Minuten, dann kommt die möglicherweise gleiche Frau mit dem Fahrrad angeradelt und schließt das Fenster an der Rezeption auf.
Für sie scheint es das Normalste der Welt zu sein, dass sie die Gäste nicht kontrollieren braucht und ganz ruhig fragt sie mich, wann wir denn überhaupt angekommen seien.
Wahrheitsgemäß gebe ich „gestern Abend“ als Ankunftstag an und sie schreibt mir die Rechnung für eine Nacht.
Ach ja!
Der Campingplatz hier gehört übrigens auch den NAF- Campings an!
Der NAF ist der norwegische Automobilclub, der offenbar als kleinen Rabatt auch die Deutsche ADAC- / ARC- Clubkarte als Rabattkarte akzeptiert!
10% bekommen wir auf die Übernachtung gut geschrieben, das ist ja schon was.
Andererseits glaube ich, dass jeder hier 10% Rabatt gut geschrieben bekommt, denn mit der Scandinavian Camping Card erhält man auch 10% Rabatt auf den Übernachtungspreis und diese Karte (die wir natürlich auch dabei haben aber leider nicht 20% Rabatt bringt 😉 ist auf den norwegischen oder allgemein auf den skandinavischen Campingplätzen in Schweden, Dänemark, Norwegen oder Finnland fast schon obligatorisch!
Ohne diese geht kaum was, von daher ist diese Karte für eine Rundreise schon elementar.
Naja, ob nun ADAC / ARC oder Scandinavian Camping Card- Rabatt ist egal, wir sparen so oder so ein paar Kronen und haben wenigstens ein rechtschaffenes Gewissen.
Ich will gar nicht wissen, wie viele Gäste morgens einfach abhauen. Wird einem hier aber auch, das muss man ehrlich sagen, total leicht gemacht.
Gibt ja auch keine Zugangskontrolle, keinen Zaun drum und nix!

Gegen 12 rollen wir vom Platz.
Wir passieren die Stabkirche von Roldal, winken ein letztes Mal und klettern dann den Weg rauf zur E 134, wo wir kurz darauf in Richtung Osten auffahren.
Kaum sind wir auf E 134 unterwegs und haben ein paar Höhenmeter zurückgelegt, halten wir aber auch schon wieder an.
Zu schön ist das Talpanorama mit Blick über Roldal, dass wir hieran einfach vorbei ziehen könnten.
Entsprechend machen wir nun natürlich ein paar Bilder:

         
     Erst 5 Meter gefahren und schon wieder Pause… 😉    Wir genießen einmal den Ausblick ins Tal von Roldal

         
     Idyllisch eingebettet zwischen grünen dicht bewachsenen Hängen liegt das kleine Dörfchen Røldal in Südnorwegen

         
     Nur das Wetter könnte etwas besser sein.                    Egal, weiter gehts.

Um 10 nach 12 sind wir aber dann doch endlich unterwegs.
Die ersten Kilometer Fahrt an diesem heutigen Fahrtag verlaufen angenehm. Die Strecke ist schön breitspurig ausgebaut, fast kein Verkehr und viele schöne Eindrücke links und rechts der Straße können wir mitnehmen.
Natürlich ist das Fahren nicht ganz unbeschwert, ein paar Tunnel, Serpentinen oder Engstellen hält der Weg schon bereit.
Aber weitaus weniger schlimm, als zum Beispiel die Strecken rund um den Hardangerfjord.
Nur die Tatsache, dass wir immer weiter nach oben fahren, macht mich ein wenig stutzig. Inzwischen liegen sogar wieder rechts und links der Straße einzelne weiße Tupfer bestehend aus Schneefeldern. Und das im Sommer…

         
     Unterwegs aus der E 134, es geht immer bergauf          und noch weiter bergauf! Da liegt schon Schnee!! 😮

         
     immer weiter bergauf, Wendel, Kehren und Winkel…  eiskalte unwirkliche Landschaft, so präsentiert sich Norwegen

Spannend wird es zum ersten Mal gegen halb eins!
Ausgerechnet einer der längsten Tunnel auf diesem Teilstück der E 134, der Haukelitunnel  (Haukelitunnelen) mit seinen knapp 6 Kilometern Länge ist gesperrt!
Au- weia!
Sofort schießt mir der nun zu fahrende Umweg in den Kopf und ich könnte fast loskotzen, dass wir nun die ganze Strecke zurück fahren und doch über die „Fährenroute“ nach Kristiansand fahren müssen.
Der Gedanke währt zum Glück nur kurz!
Die Tunneleinfahrt ist zwar tatsächlich gesperrt, dies aber wohl für eine Baustelle im Tunnel, sodass der Verkehr immerhin in eine Richtung fließen kann.
Dummerweise nicht in unsere, sondern in die Gegenrichtung, aber auch hier gibt es Abhilfe.
Eine Art Bypass!
Denn gleich neben dem knapp 6 Kilometer langen Tunnel tut sich plötzlich eine alte Paßstrecke auf, die bestimmt noch die allererste Straßenverbindung darstellt.
Geschätzt würden wir mal sagen 100 Jahre alt!  😉
Wer weiß, wer hier schon alles entlang gefahren ist?
Eng schaut sie natürlich aus, es gibt keine richtigen Begrenzungen und Leitplanken fehlen auch. Dafür aber gibt es ein paar Schlaglöcher zum drin verstecken…
Alles in allem wenig vertrauenserweckend. Besonders Anja schaut skeptisch und malt bereits in bunten Farben aus, wenn uns auf DEM Weg plötzlich ein LKW entgegen kommt!
„Glaub ich nicht“ gebe ich mehr als Frage als beruhigende Antwort zurück.
„Warum sonst sollte der Tunnel aus der Gegenrichtung befahrbar sein, wenn die Strecke in beide Richtungen befahren werden muss?“
Tatsächlich wird, wie die weitere Fahrt noch zeigen wird, diese Straße neben dem Tunnel nur für den Verkehr in unsere Richtung genutzt, sodass wir doch recht störungsfrei auf dem Bypass fahren können.

         
     Oh- weia! Der Haukelitunnel ist gesperrt und wir müssen…   …diese Umleitung um den Berg herum nehmen :-/

Kaum sind wir auf diese Straße abgebogen, empfängt uns Norwegen auf eine unglaublich ursprüngliche altertümliche und fast schon mystische Art und Weise!
Zum einen liegt hier mal Schnee!
Ja, richtiger Schnee!
Auf den Wiesen rund um uns herum, auf den Steinfeldern und überall auf den höheren Hügelkämen.
Auch die Wiese und das Grün neben der Straße sehen zusammen genommen eher aus wie ein sumpfiges Moor! Ist teilweise von kleinen Prielen durchzogen und wirkt unglaublich feucht, gerade zu matschig!
Dazu große, teilweise moosbewachsene Steinquader und Findlinge, hinter denen sich locker echte norwegische Trolle oder auch der Hobbit Bilbo Beutlin verstecken könnten, ohne dass wir sie beim Vorbeifahren entdecken.
Wow, ist das schön!

         
     Karge Felsen, kalte Feuchtigkeit, kaum Vegetation…       …und wir auf diesem schmalen Weg mittendrin!

         
     Der Winter greift mit seinen kalten Fingern zur Straße  Auch Nebel zieht über die Stein- und Moosfelder

         
     Schneepause? Eine gute Idee! 🙂                              Das machen wir auch, stoppen ebenfalls am Wegesrand

         
     Entweder sind wir zu hoch, oder die Wolken zu tief 😉       Ausblicke: Ein anderes Wohnmobil hier oben unterwegs

Noch 2 weitere Mal halten wir an.
Dieses Mal nehme ich nur eine Kamera mit, damit Anja von mir Bilder in der Natur machen kann.
Denn da gibt es erstaunlicherweise doch erheblich was an Leben zu entdecken!
Rauscht man die Straße einfach nur so entlang und betrachtet die Landschaft nur flüchtig, wirkt sie recht kark und beinahe schon ungastlich auf uns.
Feuchtigkeit überall, Nebeldunst, dichte Wolken, Nieselregen. Dazu die grauen Steine, in Massen überall und in allen Formen, jedoch nur in einer Farbe: Grau!
„Grün“ ist hingegen allenfalls mal der Bodenbelag, wirkt auf den ersten Blick so, als handele es sich um besonders gegen die Umwelteinflüsse resistentes Moos:
Bückt man sich aber und geht runter auf die Knie, kann man doch tatsächlich eine gewisse Artenvielfalt erkennen!
Gras, Klee, verschiedene Halme und sogar einige kleine zaghafte Blümchen sind dabei.
Dazu das plätschernde Wasser, was in Bodennähe gleich ganz anders wirkt, als aus „der Luft“ betrachtet.
Hier am Boden ist zwar noch immer kalt und feucht, dafür aber auch lebendig und gar nicht mehr so lebensfeindlich.

         
     Weiterer Stopp inmitten der Natur                            Mit der Kamera dicht auf Bodenhöhe

         
     Rund um das Fließgewässer wächst das grüne Leben     Wie eine kleine Oase! Wenn es nur etwas wärmer wäre…

Die Gelegenheit ist natürlich ebenso günstig, ein paar schöne Fotos vom Wohnmobil hier in mitten der norwgesichen Natur zu machen.
Zahlreiche Fotos mache ich, von denen ich natürlich einige zeigen möchte. Ein Foto von dieser Straße wird später unser „Eyecatcher“ für die Webseite werden, wenn wir den Reisebericht vorstellen. Das ist mal klar.
Ein weiteres Motiv wird es später sogar auf meine persönliche Visitenkarte schaffen, so unglaublich wuchtig wirken die Eindrücke dieser absolut unberührten Natur auf uns.
Traumhaft!

         
     Auf Bodenhöhe 1: Das Wohnmobil hinter einem Stein    Auf Bodenhöhe 2: Das Wohnmobil hinter vielen Steinen 😉

         
     Einmal den Bürzel von Achtern zeigen…                   …und natürlich einmal von der Seite mit Steinen und Nebel

     Mit dem Wohnmobil unterwegs in Südnorwegen
     Das hier ist aber zweifelsohne die Krönung: Mit dem Wohnmobil mitten in Südnorwegen! Hammer, oder?

Wir fahren nur ein paar Meter weiter, da muss ich schon wieder anhalten (genauer bei N 59.840417°, E 07.05215°).
ZU faszinierend ist die Gegend hier oben einfach, als das wir diese ohne eines näheren Blickes zu würdigen vorbeiziehen lassen können.
Ganz spontan schnappe ich mir dann sogar meine Gummi- Badelatschen, um es ganz frei nach einer bekannten Kreditkartenwerbung zu halten, wie man sich „Freiheit“ vorstellt.
Von mir sei folgendes vorgeschlagen:
In Norwegen an irgendeiner Nebenstraße stehen, dabei in einem eiskalten Gletscherbach mit nackten Füßen baden?
Unbezahlbar!
Echt! Das sind die Urlaubserlebnisse, die irgendwie hängen bleiben, oder? 😉

          
     Wir fahren ein Stück weiter durch die fast unberührte Natur. Wie wir machen viele hier eine kurze Pause (siehe links)

         
     Auch hier halten wieder an…                                      und genießen einen Augenblick die raue und frische Natur

          
     Zuerst gehe ich nur in die Hocke, mache Bilder…      …dann aber werde ich mutig 🙂

Eiskalt ist das Wasser, tausende Nadeln picken virtuell in meine Füße und Knöchel!
Ich versuche es so lange auszuhalten, wie ich kann, aber ganz ehrlich: Lange ist es nicht!
Knatschrot sind meine Füße, als ich sie aus dem kalten Wasser befreie und dankbar, als sie kurz darauf abgetrocknet wieder in wärmenden Socken verschwinden dürfen.
Das wirklich kristallklare Wasser, möglicherweise durch die Eisfelder auf den höheren Lagen als Schmelzwasser gespeist, kann kaum mehr wie 1 oder 2 Grad über Null haben, so kalt ist es!

         
     JA! Es IST so kalt, wie es auf dem Bild aussieht! 😉      Mit den nackten Füßen im eiskalten Wasser? Unbezahlbar!

Ich freue mich unglaublich, natürlich zusammen mit meinen Füßen, als ich wieder auf dem warmen Wohnmobilsessel im geheizten Fahrerhaus Platz nehme. Boah! Brrrr-r-r-r-r-! Mir schlottert alles! Aber das war es wert! Sowas von erfrischend, das kann man gar nicht beschreiben.
Jetzt wäre eigentlich eine Tasse Pfefferminztee angebracht, aber ich will ja auch weiterfahren.
Also setzen wir uns wieder in Bewegung. Anja ganz normal und ich mit dicken Wintersocken an den Füßen 😉

         
     Weiter geht´s, wir folgen der anspruchvollen Route       Und bergab! Einfach auf das Wasser zurollen 🙂

Fast 20 Minuten brauchen wir übrigens für den Bypass um den Tunnel. Für eine Strecke von 6 Kilometern nicht schlecht!
Fast schon traurig erreichen wir gegen kurz vor 1 wieder die richtige E 134, die sich, nach diesem kleinen Ausflug ins Abenteuer, als eintönig und langweilig erweist.
Wer hätte gedacht, dass wir mit dieser namenlosen, schilderlosen Strecke abseits im Nirgendwo mehr Zugang zur Natur bekommen würden, als auf 1000 Kilometer Streckenfahrten durch Norwegen.
Natürlich war es beruhigend, dass uns kein Gegenverkehr entgegen kam und die wenigen Autos, die mit in unsere Richtung fuhren, konnten wir innerhalb dieser halbstündigen Ausfahrt an einer Hand abzählen.
Naja, nun sind wir wieder auf der E 134 und fahren weiter gen Osten und Süden.

Regen hat eingesetzt, was in Anbetracht der dicken geschlossenen Wolkendecke über uns nicht wirklich eine Überraschung ist.
Wieder einmal mehr freuen wir uns, dass wir ab morgen in Dänemark unterwegs sein werden und mit etwas Glück dort ein bisschen mehr die Sonne scheint, als noch letztes Jahr während unserer Dänemark- Wohnmobilrundreise.
Wird schon!

         
     Wieder auf der E 134 unterwegs. Etwas eintönig…       unberührte Natur entdecken wir jedenfalls nur in der Ferne  

Die Strecke der E 134 folgt nun zwischen Haukelitunnel und Haukeli einem Höhenzug.
Schneefelder, Feuchtigkeit und eisige Winde ziehen über das Land, die besonders ohne schützende Hügelketten rechts und links auch unangenehm das Wohnmobil treffen.
Ein bisschen fester als sonst muss ich das Lenkrad dabei schon festhalten.
Unwirklich diese Gegend!
Das man hier, in dieser feindlichen Umgebung überhaupt leben möchte, ist mir noch immer ein Rätsel.
Dennoch stehen vereinzelt rechts und links am Wegesrand kleine Hütten oder auch mal größere Häuser.
Abends mal ne Tüte Chips? Vielleicht noch im Winter?
Bis ich die gekauft habe und hier zurück im Haus bin, ist wieder Frühling… 😉

Wirklich krass diese Gegend, hier ist der Mensch ehrlich noch sowas wie ein „Gast“.
So richtig unberührte Natur, wo noch nie ein Mensch seinen Fuß hingesetzt hat? In Deutschland undenkbar, hier gleich da vorn hinter dem Stein möglich!
Schon vorhin, auf dem kurzen Tunnelbypass haben wir hinter den Steinen den Lebensraum der norwegischen Trolle vermutet. In einer eigenen Welt, unbemerkt von den Menschen.
Fast ein ganz klein wenig kann ich mir den Troll genau hier und jetzt, nur wenige Meter von uns entfernt, vorstellen.
Wie er mit seiner dicken Nase und den großen hornhautüberzogenen nackten Füßen über die feuchtkalten Wiesen stapft.
Dazu ein kleiner knorriger Wanderstab, ein umgebundenes Wams oder Leibchen, dazu eine kleine Tasche mit Reiseproviant (z.B. etwas Steinmoos) und natürlich vor sich hinfluchend über die Menschen, die eine Straße durch sein Land gebaut haben und nun in dicken Kisten vorbei donnern.
Tja, wenn nicht hier wo dann sollte dieser kleine knapp einen Meter große norwegische Troll denn sonst sein Zuhause haben?
Eigentlich müssten wir anhalten und nach dem Troll suchen!
Aber dummerweise sind wir realistisch genug, dass wir nicht irgendwelchen norwegischen Fabelwesen hinterher jagen.
Also fahren wir weiter…

         
     Irgendwo hier oben muss sie eindeutig sein…                  …die Heimat der norwegischen Fjelltrolle 😉

         
     vielleicht dort vorne links auf den Steininseln?          Oder hier abbiegen mitten ins Nirgendo. Da wohnt der Troll…

Gegen 20 nach 1 biegen wir rechts ab auf die Landstraße 9.
Es geht nun wieder runter von den Hochlagen.
Den Lebensraum der knorrigen Steinfjell- Trolle lassen wir nun zurück und tauchen in das Gebiet der deutlich freundlicheren Waldtrolle ein.
Freundlicher sind die Waldtrolle übrigens (falls einer unserer Leser diesen mal begegnen sollte sei das hier der Vollständigkeit halber erwähnt! 😉 weil sie einfach ein viel angenehmeres Leben haben!
Sie wohnen z.B. nicht hinter oder unter kalten nassen Steinen im zugigen Wind, sondern in warmen mit Moos und Reisig ausgehöhlten alten Baumstämmen.
Zu Essen haben sie vom Wald mehr als genug! Das umgebundene Täschchen bietet neben Buchecken oder Moos nun auch Pilze, Nüsse oder Beeren und sogar der ein oder andere Fisch steht mal auf dem Speiseplan!
Denn neben den dichten Wäldern wechselt die Landschaft hier unten auch wieder in eine seen- und wasserreiche Naturwelt voller Blau und Grün.
Und die Waldtrolle haben, das kann man wirklich so sagen, das deutlich schönere Wetter!
Denn kaum haben wir die Hochlagen verlassen, klart der Himmel tatsächlich auf und bietet auch mal längere blaue und vor allem sonnige Abschnitte.
Das Fenster kann man nun auch wieder aufmachen und sich dabei die warme norwegische Sommerluft um die Nase wehen lassen.
Tja, Norwegen ist wirklich ein Land voller wechselhafter Eindrücke!

Auch auf der Landstraße 9 halten wir natürlich hier und dort mal an, um ein paar Bilder zu machen und einen Moment der Ruhe und Weite zu genießen.
Die allermeisten Bilder sind allerdings, das sei uns bitte zugestanden, Schnappschüsse während der Fahrt:

         
     Die Natur wechselt von kalt und kahl zu warm und grün… Hier oben muss sie eindeutig sein: Die Heimat der Waldtrolle!

         
     Irgendwo da unten am Fluß fängt gerade einer Fische! 😉  und links oben im Baum sitzt auch einer, lässt die Füße baumeln

         
     Kein Wunder, dass sie gute Laune haben! Bei dem Lebensraum! Auch wir machen einen kurzen Stopp im Waldtroll- Land

Eine erste kleine Pause legen wir gegen kurz vor 2 auf einer Art Rasthofanlage neben der Landstraße ein.
Gleich mehrere Autos parken hier an der Hoven Fjellstoge, sogar ein älteres Wohnmobil wie unseres ist dabei.
„Vielleicht gibt es hier ja was zu gucken und zu kaufen?“ meine ich zu Anja, die sich wie ich interessiert die 2 auf 3 kleinen Holzhäuser der Anlage aus dem Fenster anschaut.
„Ja, das wäre schon schön!“
Darüber hinaus wirkt das Rasthaus nach so vielen Kilometern Einsamkeit und Natur ein bisschen wie ein „Truck Stop“ in Amerika. Das gefällt uns!
Gesagt getan parken wir also unser Wohnmobil und spazieren einmal durch das Gebiet.

         
     Die Fjellstoge wirkt wie ein amerikanischer Truck Stop     Das gefällt uns, da stoppen wir auch mal. 🙂

Naja, mit einer „Rastanlage“ kann man das Areal nun nicht wirklich vergleichen.
Auch wird uns nicht so ganz klar, wofür das Areal bestimmt ist.
OK, es gibt ein uriges und mit einem Grasdach bewachsenes Holzhaus, welches ein Restaurant oder besser so eine Art Gaststube mit Kaffee/Kuchen beinhaltet, aber die umliegenden Häuser scheinen eher sowas wie Ferienhäuser zu sein oder so.
Auch ein paar Wohnwagen sind hier abgestellt, Campingaktivitäten sind allerdings keine zu erkennen.
Ob das eher ein Winterquartier ist?

          
     Sieht ja eigentlich recht nett und urig aus!                  Oh, ein alter Wartburg 1000 mit DDR- Aufkleber…

         
     im Café: Nix los, keine Trucker- Atmosphäre             von außen zwar ganz nett, aber auch nix los. :-/

Diese Theorie mit dem Winterquartier bekommt zumindest weiter Futter, als wir nach nur 5 Minuten Aufenthalt am Rastplatz (war nix los) weiter in Richtung Süden fahren.
Denn wir fahren nun durch das Örtchen „Hoven“, welches offensichtlich einiges an Unterkünften für Wintersportler bereit hält. Apartments, Hotels, Tagesparkplätze und Hütten sind im Angebot.
Groß ist der Ort nicht, dennoch überrascht uns das große Angebot an Gästezimmern in allen Varianten.
Und da außer den noch immer schneebedeckten Bergen um uns herum nichts als offene und weite Natur anzutreffen ist und der Ort aktuell fast wie ausgestorben vor uns liegt, wird es sich somit ja wohl wirklich um ein reines Wintersportquartier handeln.

         
     Einfahrt nach Hovden. Viel los ist hier nicht gerade       Eine Hauptstraße, rechts und links Häuser, das wars…

Noch ehe wir unsere philosophischen Gedanken über Für und Wider eines Wintersportortes hier inmitten des Nirgendwo zu Ende gedacht haben, sind wir auch schon wieder raus aus Hoven.
Unmittelbar folgt die Natur und wieder wird sie ein ganz kleines Stück gemäßigter.
Die Wälder um uns herum werden dichter, das Grün grüner, die Seen einladend blauer und überhaupt wirkt das Land hier unten viel weniger rau.
Die Szenerie könnte man ebenso 1:1 nach Schweden verfrachten und niemand würde wohl den Unterschied bemerken.

         
Und wieder raus aus Hovden, noch 152 bis Evje…        …die Natur wird mit jedem Schritt nach Süden gemäßigter

.
Hin und wieder stoppen wir am Wegesrand, halten einen Moment an und atmen durch.
Dann machen wir natürlich auch wieder Bilder, zum Beispiel von unserem getreuen Wohni auf einer älteren Steinbrücke.
Solche Bilder mag ich immer ganz besonders und ich gebe offen zu, dass ich ein ganz klein wenig „verliebt“ in unseren dicken Wohni bin!
Hab ich doch vor unserer Fahrt noch so große Skepsis an den Tag gelegt, weil wir ja mit dem Motorproblemen und so eigentlich fast schon abgeschlossen hatten mit dem Wohnmobil.
Hab unserem Wohni die Fahrt hier rauf sogar ganz zu Anfang der Reise gar nicht zugetraut.
Ganz ehrlich: Das wir jetzt hier in Südnorwegen am Ende einer tollen Tour durch das ganze Land stehen und nicht eine einzige Panne am Fahrzeug hatten, ist schon eine tolle Sache!
Ja, ich bin wieder gut Freund mit unserem Wohnmobil, würde mir auch hier und jetzt zutrauen, sofort zum Nordkap aufzubrechen.
Die Gelegenheit wäre zumindest noch günstig und ein bisschen Diesel haben wir ja auch noch im Tank…   😉

     Mit dem Wohnmobil in Südnorwegen
     Was für ein getreuer Wegbegleiter! Unser Wohnmobil in Südnorwegen unterwegs…  🙂

Natürlich fahren wir weiter in Richtung Süden.
Jetzt, wo der Urlaub in Norwegen zur Neige geht, doch noch nach Norden abzubiegen und so ziemlich alle Pläne über den Haufen zu werfen, wäre ziemlich unüberlegt.
Wir haben ja gesehen, was wir sehen wollten und am Nordkap waren wir ja eigentlich auch schon.
Was sollten wir ein zweites Mal dort?
Trotzdem komisch, dass es einen noch immer fast wie magisch anzieht!
Aber ganz ehrlich: Selbst, wenn wir jetzt noch eine Woche komplett ohne Ziel frei hätten, würden wir wohl eher in Richtung Oslo und dann nach Schweden fahren.
Nicht weiter in den Norden Norwegens.
Und da wir ja sowieso noch mit unserem Gutschein die kommende Woche in Dänemark campen wollen und somit ja eigentlich ein Ziel haben, fahren wir natürlich weiter in Richtung der gebuchten Fähre.

Je weiter wir nach Süden kommen, desto milder wird das Klima!
Fast schon minütlich und bei jedem Kilometer kann man dabei zuschauen.
Die Wolken brechen auf, der Himmel wird wieder blau.
Wir reißen die Dreiecksfenster der Fahrerkabine auf, lassen die warme Luft ins Innere strömen.
Schön ist es! Richtig schön! Die Sonne scheint, wir haben auf Kilometer absolut freie Fahrt, das Wohnmobil dieselt gutmütig vor sich hin und das Land zieht vorbei.

Und wir kommen wieder in den Bereich einer Zivilisation!
Ein Schild für eine Mautstelle in 27km voraus kündigt dies recht unmissverständlich an.
Nur ein wenig früh vielleicht!
Würde man in Deutschland ein Schild aufstellen, was in 27km eine Mautstelle ankündigt, würden die Leute mit dem Kopf schütteln.
Kein Wunder, so würden doch bestimmt 95 von 100 Autos vorher noch irgendwo abgebogen sein.
Aber hier?
Kein Problem! Es geht eh nur in eine Richtung, da kann man auch ruhig mal 27 Kilometer vor der Mautstelle das passende Schild aufstellen.
Hilft einem dann auch ungemein, sich mental auf das Raubrittertum Straßenmaut einzustellen 😉
Die Maut wird übrigens wohl auch hier elektronisch abgebucht, denn das „kr“- Zeichen steht am Schild mit dran. Das kennen wir schon.
Man hat wohl, nachdem man eine solche unbesetzte (und auch nicht mit Kassenhäuschen oder Automat ausgerüstete!) Mautstelle passiert hat, ein paar Tage Zeit, sich in einer sogenannten Zahlstelle zu melden und die Maut nachzuzahlen. Kontrolliert wird beim Passieren einer solchen Mautstelle nämlich das Nummernschild, indem die Mautstelle ein Foto macht.
Findet man keine Zahlstelle, soll man Post nach Hause bekommen und der Betrag muss dann nachbezahlt werden.
So steht es zumindest auf einer Informationstafel, die wir kurze Zeit später an einem Rastplatz entdecken.
Wir haben extra hier angehalten, weil wir uns noch genau über das Mautsystem informieren wollten, bevor wir das Land verlassen. Vielleicht gibt es ja in Kristiansand am Hafen so eine Zahlstelle, wo wir dann alle angefallene Maut aus diesem Urlaub bezahlen können.
Denkbar wäre es ja, bei den zahlreich hier oben umher fahrenden Wohnmobilen und übrigen ausländischen Gästen würde sich doch eine solche Zahlstelle gut im Hafen machen.
Gibt bestimmt einige, die einfach aus dem Land fahren und auf die Post warten. Wenn man aber im Hafen steht und auf die Fähre wartet, hat man ja viel Zeit.
Würde dann irgendwo so eine Mautbude stehen, denkt doch bestimmt so mancher „Ach, das ist ja praktisch, da schaue ich mal“ und kümmert sich drum.
Hat man wenigstens was zu tun und die Wartezeit ginge schneller vorüber.
Wie gesagt bin ich zuversichtlich, dass wir morgen bestimmt so eine Mautstellenzahlstelle finden.
Und dann wäre auch der Zeitpunkt für die Endabrechnung richtig, denn es kämen ja keine neuen Mautbrücken mehr dazu.
Wenn ich jetzt und hier eine Mautzahlstelle finde, dann kann ich ja nur das zahlen, was ich bis jetzt passiert habe.
Aber wenn wir morgen weiter nach Kristiansand fahren, passieren wir bestimmt noch weitere Mautstellen.
Und dann muss ich wieder so eine Kassierbude suchen.
Das wäre blöd.
Na wie gesagt, schauen wir mal.

         
     Das hier könnte auch in den Weiten Finnlands sein   Über Kilometer geht es auf der 9 nur geradeaus in die Weite

         
     Norwegen wie aus dem Bilderbuch: Echt schön!           Die nächste Mautstelle? In 27 Kilometern…  😉

         
     Wir machen wieder eine kleine Rast neben der Straße  Dabei entdeckt: Eine Infotafel über die autom. Mautstellen

         
     neben Mautinfos gibt es aber auch schöne Natur zu bewundern!   Wasser, Berge, Wald und Grün sind überall zu sehen.

         
     So idyllisch, da wohnt bestimmt auch ein Waldtroll 😉     Sieht aus, als würden die Bäume aus dem Felsen wachsen.

Die Mautstelle passieren wir übrigens gegen 15:30 Uhr.
Total unscheinbar, einfach nur eine Kamera über uns und das wars.
Wie wir erwartet haben findet sich hier weder eine Schranke, noch ein Kassenhäuschen oder ein Automat für Kleingeld oder Kreditkarten.
Einfach fahren, *klick* und durch.
Hätte da nicht ein Schild davor gestanden, wir hätten die Mautstelle noch nicht einmal bemerkt.
Zu blöd, dass rechts und links Leitplanken stehen.
Gibt nicht viele davon an den Straßen!
Aber ausgerechnet hier stehen sie natürlich. Wäre ja auch zu verlockend, die kleine unbesetzte Kamerastelle rechts oder links mit einem „Ausflug ins Grüne“ einfach zu umfahren, wo die kleinen Holzhäuschen mit der Mautstellentechnik stehen. 😉

         
     So die Mautstelle kommt! 30kr für PKW, 60 für LKW…      …und wieder nur Kameras, kein Bezahlhäuschen :-/

Ein letztes Mal bäumt sich die Natur regelrecht auf!
Fast scheint es so, als wolle sich Norwegen nochmals von seiner besten Seite zeigen.
Wow, wie schön!
Wir passieren den Byglandfjord, welcher recht kreativ den gleichnamigen Ort „Bygland“ an seinen Ufern beherbergt.
Total schönes klares Wasser, eine traumhafte Badelandschaft.
Und Wale gibt es!
Naja, keine „echten“ Wale, aber doch immerhin Steinwale!
Der „Buckel“ eines solchen Steinwals guckt gutmütig aus dem Wasser und bietet sogar dem ein oder anderen Baum ein kleines abgeschiedenes Zuhause.
Schon unglaublich, wie sich in Baum auf einem einfachen Felsen nur von Wasser umgeben überhaupt halten, geschweige denn wachsen kann!
Ich finde sowas immer wieder faszinierend.
Natürlich gibt es auch etwas größere Inseln, wo dann sogar mal hier und da ein Haus mit Wiese drauf anzutreffen ist.
Idylle pur! Und zum Einkaufen brauchst du ein Motorboot! 😉

     Wohnen am Fjord in Norwegen
     So schön kann man in Fjordnorwegen campen und wohnen. Echt total idyllisch, ruhig und voller Natur. Traumhaft!

In Momenten wie diesen, wo die Natur am schönsten selbst bei einfacher Vorbeifahrt ist, fällt mir unser Anreisetag wieder ein.
Gleich die ersten Meter in Norwegen, als wir die Fähre und den Ort Kristiansand verlassen hatten.
Da haben wir grad mal ein bisschen Fels und Wasser gesehen und waren sogleich verzückt!
Kein Wunder, kennen wir ja aus dem Rheinland nicht.
Also haben wir Fotos gemacht, ohne Ende.
Klar machen wir hier und jetzt natürlich auch noch viele Fotos, aber es ist schon ein wenig so, dass man sich an die Umstände einfach gewöhnt hat.

Noch auf den ersten Metern und am Tag 1 geht das etwa so:
„Boah, schau doch, SCHAU! Was für ein schöner See!“
„Wo?“
„Na daaaa!“
„Ja, boah, echt Hammer! Da geh ich auf jeden Fall baden!“
Sprachen sie und fuhren vorbei…

Nach den ersten 50 oder 100 Kilometern und am Tag 2 wird dann daraus:
„Ja schau mal, der See sieht ja auch ganz nett aus.“
„Jep, das stimmt, aber zum Baden vielleicht etwas kühl“
Sprachen sie und fuhren erneut ohne gebadet zu haben dran vorbei

Nach 500 Kilometern und am 5ten Reisetag wird daraus:
„Ach, sie an… Wasser…“
„(stummes Kopfnicken)“
Sprach nur einer und…   …naja, fuhren mit staubtrockener Badehose im Schrank daran vorbei…

Und am Ende des Urlaubs, also jetzt nach unserer Tour, wenn der (vor)letzte Tag angebrochen ist:
„Ach ja, wie schön doch die Seen hier oben sind…“
„Ja (seufz), da möchte man am liebsten gar nicht weg und müsste eigentlich ja noch mal schnell baden gehen.“
Sprachen sie und fuhren dann doch wieder vorbei.
So in der Phase sind wir im Moment.
Kein See hat unsere Badehosen zu Gesicht bekommen und jetzt ist es eigentlich schon zu spät, um in den wohl wenigen Grad warmen Gewässern sich trotzdem noch schnell „2 Zentimeter“ zu holen.
Und dennoch wäre genau jetzt eigentlich der richtige Moment, bevor es morgen zu spät ist.
Nur überwinden können wir uns einfach nicht. Mag an der eigenen Faulheit liegen, wer weiß?
Bereuen werden wir es dann, wenn wir wieder zuhause sind…

         
     Eine Schande die Seen unberührt liegen zu lassen       Das Ambiente lädt doch geradezu ein zum Baden, oder?

         
     Einmal schwimmen mit den „Steinwalen“, das wäre was!. Die sind so ruhig, da wachsen sogar Bäume auf deren Rücken 😉

Gegen kurz nach halb 5 erreichen wir Evje, was endlich wieder eine etwas größere Siedlung darstellt.
Seit Voss haben wir eigentlich kaum zusammenhängend 3 Menschen auf der Straße gesehen, hier in Evje aber ist endlich wieder ein bisschen mehr los.
Und weil wir sowieso schon wieder den ganzen Tag gefahren sind und wir darüber hinaus vor dem Einchecken auf dem Campingplatz auch wieder mal ein paar Dinge einkaufen sollten, parken wir unseren braven Wohni fast mitten auf der Haupt- Einkaufsmeile von Evje (bei N 58.58631 / E 07.80539) und schlendern zu Fuß einmal durch das kleine Örtchen.

         
     Einfahrt nach Evje, hier ist wieder mehr los                Wir parken erstmal, Anja vor unserem treuen Wohni 🙂

         
     Spaziergang über Evjes „Flaniermeile“ 😉                 Wohl eine lokale Berühmtheit auf der Statue… ?:-/

         
     Das Einkaufsangebot ist überschaubar. Ein paar Geschäfte, Kiosk, Pizzeria und 3 Supermärkte, das ist es eigentlich schon

Viel zu entdecken gibt es natürlich nicht, dafür ist Evje dann doch wieder zu klein.
Aber immerhin eine kleinere Auswahl an überraschenderweise 3 Supermärkten verschiedener Ketten gibt es (ICA, coop und Kiwi) und auch eine Pizzeria, ein Restaurant, eine Snackbude und diverse weitere Geschäfte, vornehmlich mit Sportbekleidung, sind zu finden.
Ist auch mal wieder schön.
Wir bummeln mit dem Eis in der Hand über den Bürgersteig, schauen hier und dort ins Schaufenster und lassen uns die Sonne auf den Kopf scheinen.
Passt.
Auch einkaufen gehen wir, im Kiwi finden wir vom Brot über Cola bis hin zum Toilettenpapier alles, was wir für die letzte Nacht in Norwegen brauchen.

transitfrei.de Reisetipp Nr. 811:
Ach ja, an dieser Stelle habe ich noch eine ganz wichtige Randinfo! Schon mehrfach auf dieser Reise haben wir uns ja im „Europris“- Supermarkt eine Tüte mit Süßigkeiten zusammengestellt. Mein persönlicher Favorit dabei waren bislang immer „Doppeltaler“, die zu einer Hälfte aus Weingummi bestehen und die andere Hälfte mit Lakritz ausgefüllt ist. Darüber hinaus ist dieser Doppeltaler mit Salz bestreut, was quasi ein Feuerwerk an Geschmack auf der Zunge auslöst. Herrlich!
Ich hab hier im „KIWI“- Supermarkt auch diese Doppeltaler gesehen und musste gleich mal welche ausprobieren.
Allerdings sind die Taler vom Kiwi anders aufgebaut und anstelle einer leckeren salzigen Kruste gibt es ein saures Erlebnis! Buargh! Das mag ich ja mal gar nicht!
Wer also diese kleinen Köstlichkeiten probieren mag: Unbedingt die Doppeltaler vom Europris nehmen, wenn man salziges Weingummilakritz mag! Wer es hingegen sauer mag, schaut mal im Kiwi!
Alles klar?
Na wunderbar! 😉

Gegen 20 nach 5 sind wir wieder unterwegs und gehen die letzten Kilometer für den heutigen Tag an.
Etwas früh vielleicht, aber wir sind heute ja wirklich den ganzen Tag ohne nennenswerte Pausen unterwegs gewesen.
Und mal ein bisschen früher wo ankommen und sich für den letzten Abend in Norwegen schön einrichten ist ja auch mal was.
Keine 10 Minuten, nachdem wir Evje verlassen haben, erreichen wir auch schon Hornnes.
Ein kleiner Ort, bestehend nur aus ein paar Wohnhäuschen.
Dafür aber liegt Hornnes direkt an einem großen See, dem Breidflå- See, was für Norwegen eigentlich keine große Besonderheit darstellt.
Fast jeder Ort liegt ja hier an einem See, einem Fjord oder gleich am Meer…
Und obwohl wir von Seen und Gewässern regelrecht „gesättigt“ sind, gefällt uns dieses kleine Fleckchen hier dann doch wieder ganz gut.
Schön ruhig hier! Endlich mal wieder! Wurde uns fast schon zuviel in Evje! 😉

         
     Einfahrt nach Hornnes, sieht ja ganz nett aus hier…      Wir kurven auf der Suche nach dem CP durch den Ort

Wir fahren wieder ein ganz kleines Stückchen auf einer Nebenstraße aus dem Ort heraus und denken fast schon, dass wir falsch sind, da erreichen wir den Campingplatz.
Oha, das sieht schon ein wenig verschlafen aus hier!
Die Rezeption ist tatsächlich verschlossen, was meinen Wunsch nach einem schnellen Einchecken für den Abend natürlich verhindert.
Ein Aushang an der Rezeption erlaubt uns aber, den Campingplatz zu befahren und uns selbst ein Plätzchen für die Nacht zu suchen.
1x am Tag, genauer zwischen 19 und 20 Uhr, öffne dann der kleine Kiosk (auch Rezeption), wo man dann nachträglich einchecken und bezahlen kann.
OK, das passt. Wir haben ja gerade erst viertel vor 6, da können wir uns in Ruhe ein Plätzchen suchen und dann später bezahlen.

         
     Einfahrt zum Hornnes Camping, direkt am See (rechts blau)      Na, ob wir da ein freies Plätzchen finden?

Der erste Eindruck des Campingplatzes ist ernüchternd!
Kleine Parzellen zwischen Bäumen und Wald, die wenigen größeren Parzellen sind ausnahmslos von Dauercampern belegt.
Schöne Aussichten!
Wir folgen dem Serviceweg und entdecken dann aber doch ein zweites Areal, was uns auf Anhieb gut gefällt!
Eine schöne offene grüne Wiese im „Tal“ des Campingplatzes, dazu noch direkt und malerisch am See.
Traumhaft!
Nur schade, dass die allermeisten guten Parzellen auf dieser Wiese schon belegt sind und wir uns nur noch für ein durch die Bäume recht schattiges Plätzchen entscheiden müssen.
Schön in der Abendsonne mit Blick auf den See draußen vor dem Wohnmobil sitzen wird also nichts.
Macht aber auch nichts, wir sind ja eh nur eine Nacht hier und morgen früh haben wir ja dann auch Sonne.
Reicht.
Wir parken flugs unser Wohnmobil (unsere Parzelle bei N 58.55292° / E 7.78577°) und schließen den Strom in den offenen Stromkästen an.
Wäre ja auch schöner Mist, wenn die ein Platzwart aufschließen müsste, der aber nur zwischen 19 und 20 Uhr am Platz ist  😀

         
     wir stehen zwar im Schatten (was schade ist)…           …dafür haben wir es aber nicht weit zu Strand und See!

         
     Ausblick am See, das ist wirklich schön hier!               Ausblick vom Strand auf die offene Campingwiese

Kaum haben wir uns ein wenig eingerichtet, geht es natürlich gleich auf kleine Erkundungsrunde.
Einmal runter an den See (der hat sogar einen Sandstrand!) und einmal das Servicehaus suchen.
So ganz ohne Platzplan übrigens gar nicht so einfach!
Dann aber entdecke ich es doch, es liegt gar nicht so weit von unserem Platz entfernt.

Das Servicehaus ist zu meiner Enttäuschung übrigens mit nur einem Wort beschreibbar: Grässlich!
SO schön die Idylle hier inmitten der Natur am See auch ist, so grausam werden die Ferien allein durch das Servicehaus wieder zunichte gemacht.
Alles ist nicht nur alt und abgenutzt (was man ja noch liebevoll als Patina bezeichnen könnte), es ist fast schon schmodderig.
70er Jahre Stil, unrenoviert, gruselig.
Mag man sich vielleicht mit der Optik noch anfreunden können, ist der Geruch hingegen schon ein wenig „streng“. Es riecht nach einer Mischung aus altem Holz, Schimmel und altem Schorf. *örgs*
Kaum bin ich zurück am Wohnmobil, bitte ich Anja ihre persönliche Idylle von diesem Campingplatz nicht zu zerstören, indem sie das Servicehaus besucht.
Ich kann nur hoffen, dass das etwa mittig zwischen den beiden Platzarealen aktuell im Bau befindliche Haus zu einem späteren Zeitpunkt mal ein großes Servicehaus mit komplett moderner oder wenigstens zeitgemäßer Einrichtung wird. Denn dann wird diese kleine Campingplatzidylle hier am See perfekt!

         
     Ich besuche mal das Servicehaus an unserer Wiese    Optisch geht es noch, aber der Geruch? Oh- je…  😡

OK, zur Ehrenrettung der Einrichtung im alten Servicehaus muss man sagen, dass es neben dem Sanitärbereich immerhin eine kleine Kochecke mit kostenlos benutzbaren Kochplatten gibt.
Auch die Spülstation ist ordentlich (wenn auch ohne das Wunderspülmittel Zalo 😉 und sogar eine Waschmaschine nebst Wäschetrockner gibt es (diese natürlich nur gegen Entgelt).
Für Zeltcamper steht sogar noch ein Gemeinschaftskühlschrank mit Eisfach zur Verfügung.
Muss man ja auch mal lobend erwähnen.

         
     Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass das restliche Angebot mit Waschmaschine, Kühlschrank, Kochfeld und Co OK ist!

         
     Wer z.B. mit Zelt campt, kann hier sein Kühlzeug lagern    Und kochen kann man hier immerhin auch.

Zurück am Wohnmobil kümmere ich mich um das Abendessen.
Tomaten- Nudeltopf mit Fleischbällchen soll es geben. Ein Dosengericht vom Aldi- Süd übrigens, welches ich als besonders lecker und schmackhaft empfinde!
Das es aus einer Dose kommt, schmeckt man zumindest nicht. Besonders dann nicht, wenn man noch ein paar frische Zutaten wie ein paar Tomatenstückchen, einen frisch gezupften Mozzarella oder ein paar Würstchen mit dabei haut.
Aber selbst in der „Rohversion“ kann ich dieses Dosengericht absolut empfehlen!

Tja, der Abend könnte so schön sein!
Ein leckeres Nudelgericht im Campingtopf, Ausblick auf den See, schöne grüne Wiese und gleich ein lecker Abendessen.
Denkste!
Zwar köchelt der Nudeltopf schön vor sich hin, aber Zeit zum Umrühren habe ich keine!
Mücken!
Aaaarrrrggghhhh!
Direkt aus oder vom See!
Herrschaftszeiten!
Kaum habe ich mich auf dem Stuhl vor dem Wohnmobil niedergelassen, schwirren etwa 10-15 Blutsauger gleichzeitig um mich herum!
Wie machen das nur die anderen Camper?
Geht es denen etwa besser, weil die in der Sonne stehen? Oder sind die eingecremt mit einem norwegischen Geheimmittel, welches wir nicht kennen?
Ich hab ja noch immer komplett zerstochene Arme, auch wenn in den letzten Tagen keine Mückenstiche mehr dazu gekommen sind.
Neue muss ich natürlich nicht haben!
Ich versuche es zunächst mit der Kampfansage!
*Patsch* hier, *klatsch* da, und *zack*, wieder eine tot!
Aber kaum hab ich eine, sitzen schon 2 neue auf meinem Arm!
Eine will schon „O‘ zapft is!!“ rufen und ihren Rüssel in meinen Arm schlagen, da bekommt auch sie eins vor die Mütze *Schnipp*!
Die nächsten zwei sind Ölbohrplattformmücken!
Sitzen gleich mal parallel zueinander und hauen synchron ihren Rüssel in MEINEN Arm! *flamp*!

OK, ich geb‘s auf!
Bringt nix!
Ich bitte Anja im Wohnmobil den Tisch zu decken und alle Fenster geschlossen zu halten.
Auch schauen wir, dass die Mückenrollos an den Dachluken ausgerollt sind (nur da haben wir Mückengaze, an den Fenstern leider nicht), damit wir über dieses Tor nicht noch nächtliche Besucher bekommen.
Samt Topf mit Inhalt spaziere ich dann rüber in die kleine kostenlose Campingküche und köchele den Tomaten- Nudeltopf dort zu Ende.

         
     Eigentlich wollte ich ja draußen kochen! Dann aber werden die Mücken zur Plage, sodass wir sogar drinnen speisen müssen

Gegen kurz vor 7 gibt es dann Essen im Wohnmobil.
Schade eigentlich.
Draußen mit Blick auf den See sitzen wäre echt schön gewesen, aber bei DER Mückenplage ist da einfach nichts zu machen.

Nach dem Essen spüle ich den Topf kurz im Servicehaus aus und gehe dann schnell rauf zur Rezeption.
Muss ja noch bezahlen für die Nacht!
Fürs Bezahlen hab ich mir übrigens überlegt, ob wir hier vielleicht in Naturalien bezahlen können!
Kein Witz!
Noch vor unserer Abfahrt zuhause haben wir ja eine Flasche Vodka mitgenommen, die wir im Notfall als Tauschmittel einsetzen wollten.
Norwegen hat da so ein kleines „Alkoholproblem“, besonders harte Sachen wie Wodka und Schnaps sind nur in speziellen staatlichen Läden zu bekommen.
Und teuer sind diese Sachen auch!
In so manchem Reisebericht haben wir zudem gelesen, dass in Notfällen oder auch als Tauschmittel so eine Flasche Wodka gerne akzeptiert wird.
Nun aber ist unser Urlaub fast rum und wir haben noch immer eine Flasche Wodka an Bord!
Trinken wir doch gar nicht!
Ich nehme also meinen Mut zusammen und frage in der Rezeption nach, ob er vielleicht anstelle der Campingplatzgebühr nicht lieber eine Flasche Wodka von uns haben will.
Versuchen kann man es ja!
Ich erkläre ihm, warum wir die Flasche dabei haben und das wir sie nun doch nicht zum Tauschen gebrauchen können, weil ja morgen unser Urlaub zu Ende geht.
Doch der ältere Herr in der Rezeption lacht nur, als ich die Flasche auf dem Tresen verkaufsfördernd drapiere und mein Geschäft vorschlage.
„Schade mein Junge“ meint er zu mir, „noch vor ein paar Jahren gern, aber inzwischen bin ich trocken!“
Ups, ausgerechnet ein Ex- Alkoholiker.
Klasse Björn, Bulls- Eye! *schäm*!
Löblich, dass er den Absprung geschafft hat und ich komme mit so einem blöden Angebot.
Wenigstens kann er darüber lachen, aber bezahlen muss ich natürlich trotzdem und meine blöde Flasche Vodka bekomme ich auch nicht los.
Nie wieder kaufen wir so´n Zeug nur für den Urlaub, das ist mal klar!
Schon auf unserer Reise zum Nordkap hatten wir Alkohol dabei und haben sie nicht gebraucht. Haben sie damals auch wieder mit nach Hause geschleppt.
Und jetzt, auf unserer neuerlichen Norwegen- Rundreise, haben wir wieder Alkohol importiert und werden ihn morgen wieder exportieren, wenn nicht zufällig heute Abend noch jemand besonders großen Durst bekommt.
Passiert mir nicht mehr!
Und so langsam halte ich das mit dem Alk auch für ein Gerücht.
Ich tät die Flasche sogar jetzt verschenken, wir haben eh keine Verwendung dafür, auch zuhause nicht.
Aber wem schenken? Einfach bei den Nachbarn fragen?
Auch blöd irgendwie!
Und dem Mann an der Rezeption als Wiedergutmachung für meinen Fauxpas anbieten ist ja wohl ein noch größerer Fettnapf.
Also schleppe ich die Flasche wieder zurück zum Wohnmobil und bringe Anja noch ein Eis mit, was ich im Kiosk der Rezeption gekauft hab und nun für Anja als Nachtisch zum Abendessen gedacht ist.
Mir hingegen ist der Appetit vergangen…

Nach Anjas Eisgenuss spazieren wir noch eine Runde über den Campingplatz am See entlang und machen sogar noch einen Abstecher in den Ort.
Hand in Hand schlendern wir durch die Gassen und sind im Gespräch vertieft, was uns an Norwegen besonders gut und was eher weniger gefallen hat.
Machen wir meist so am letzten Abend einer Reise.
Und da natürlich das Wetter heute Abend ganz besonders schön ist und wir mit blauem Himmel und warmer Abendsonne die schönsten Seiten von Norwegen nochmals präsentiert bekommen, ist natürlich alles ganz schön gewesen!
Fast vergessen sind die Strapazen der Route 44 mit ihren Kurven, der stramme Aufstieg zum Preikestolen, die unnötige zusätzliche Busfahrt oder der oft graue Himmel.
Heute Abend ist Norwegen schön, wir sind zufrieden, der Urlaub war toll!

         
     Es wird Abend am Campingplatz und See                    Wir spazieren einmal ums Eck zum Abschied

         
Bunte Blumen blühen im Abendrot, einfach schön.        Das kleine Motorboot am Strand lädt zu einer Spritztour ein

Zurück am Campingplatz machen wir nicht mehr viel.
Wir spazieren noch einmal an den Strand und müssen dabei natürlich aufpassen, dass wir dabei immer ein wenig in Bewegung bleiben. Denn kaum bleibt man stehen, sirrt es um einen herum und die Mücken setzen doch nochmal zum Angriff an.
Aber das ist jetzt auch egal, zum ersten Mal überwiegt nämlich die Naturidylle mit ihrer frischen Luft, dem tollen See und der Aussicht, sodass uns auch die kleinen Blutsauger nichts mehr anhaben können.
Der See ist wirklich außergewöhnlich!
Das Wasser ist total ruhig und wirkt erhaben, die perfekte Idylle schaffen dann noch ein paar Angler in einem Boot etwas weiter draußen auf dem See.
Mal sehen, vielleicht gehe ich morgen anstelle der Dusche ganz einfach im See baden! Besser können die Serviceeinrichtungen jedenfalls nicht sein.

         
Campingidylle: Unser letzter Abend in Norwegen.          Erhaben ruht der See, 2 Angler angeln vom Boot aus

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