Es ist Freitagnachmittag, die Kinder spielen im Kinderzimmer, ich surfe so ein bischen durch Facebook. Plötzlich: „Hey, wer hat Lust auf 2 Wochen Wohnmobil? Campanda stellt euch Wohnmobil samt Einrichtung und alle Kilometer sind inklusive! Einzige Voraussetzung: Der Interessent muss das Wohnmobil schon jetzt am Montag übernehmen und das in England bei London!“
Ein Wohnmobil. Inkl. aller Kilometer. Für ümme. Für lau!

„Aber sicher!“ fährt es mir süffisant mit einem Hauch Sarkasmus über die Lippen. Aber während bereits die ersten kritischen Postings („Na ob das stimmt?“ – „Niemand hat doch was zu verschenken!“ – „Das ist was faul!!!!“) in der „Wohnmobilfan“- Facebookgruppe zu lesen sind, schreibe ich dem guten Mann doch mal eine Mail und bekunde mal ganz spontan mein Interesse. Immerhin haben gerade die großen Sommerferien begonnen und wir hätten somit spontan Zeit! Ist ja sowieso geplant, ab dem kommenden Wochenende auf unseren derzeitigen Stamm- Campingplatz (ein kleiner Mini- Camping mit angeschlossenem Bauernhof) in Holland zu unserem alten Wohnwagen zu fahren.
Allerdings haben wir in der Wetterprognose auch gesehen, dass es in Holland durchweg regnen wird! So richtig Lust haben wir also nicht und sogar bereits überlegt, ob wir trotz bezahltem Platz den Wohnwagen dort weg holen und damit z.B. für 2 Wochen nach Polen an die Ostsee fahren. Da soll das Wetter viel besser werden.
Auch an ein Wohnmobil hatten wir gedacht! In den letzten Jahren ja immer wieder und auch öfter. Aber um diese Zeit? Also mitten in den Ferien! Unbezahlbar, wenn überhaupt noch verfügbar.
Aber geschenkt? Warum nicht?!
Also wie gesagt schreibe ich ein paar nette Worte und warte darauf, dass wir eine Rückmeldung bekommen würden. Wenn überhaupt! Ich meine es klingt doch wirklich viel zu einfach! Wer verschenkt denn bitte in der Hauptsaison ein Wohnmobil für 2 Wochen!?! Egal, was das Angebot ansonsten kostet, für einen Schnäppchenpreis bekommen man es doch mit Sicherheit immer vermietet, oder?
Und überhaupt, wenn es übrig ist, wäre es dann nicht besser für das Fahrzeug, dieses einfach stehen zu lassen? Und selbst wenn es fahren soll, aus welchem Grund auch immer, würde man es dann nicht versuchen, dieses an Vertraute weiterzugeben?
All diese Fragen darf ich kurz darauf stellen. Telefonisch! Einem Vertreter der Fa. Campanda! Denn die hatten das kostenlose Wohnmobil tatsächlich vollmundig auf Facebook angeboten und sich damit ehrlich gesagt eine unerwartet heftige Kritik einer ungläubigen Masse eingefangen! OK, es klingt ja auch zu schön, um wahr zu sein! Und selbst, als mir der freundliche Mitarbeiter von Campanda nochmals die Vorzüge des Wohnmobils am Telefon erläutert und tausend Mal versicherte, dass auch wirklich, ehrlich und ganz bestimmt keine Kosten auf mich zukommen, bleibe ich natürlich skeptisch! Trotzdem hab ich „JA“ gesagt!
Nicht, dass ich zu dem Zeitpunkt trotzdem dran geglaubt hätte!
Und ihr hättet JETZT mal das ungläubige Gesicht von Anja sehen sollen, als ich ihr beiläufig beim Abendessen erzähle, dass wir ja dann am Montag (es ist wie gesagt Freitagabend…) statt nach Holland nun halt nach England fahren werden. Dort steht dann ganz bestimmt ein Wohnmobil und damit werden wir dann diese 2 wöchige Rundreise durch Südenland machen. Ganz easy. Im Prinzip also die Reise, die wir vor 5 Jahren kurzfristig absagen mussten (die Tickets für die Fähre waren sogar schon gebucht seinerzeit!), weil sich unerwartet doch unser erster Nachwuchs angekündigt hatte und wir unser Wohnmobil verkaufen mussten. Jetzt aber würden die Tour halt machen. Mal eben so, ganz kurzfristig.
Das Anja mir zuerst kopfschüttelnd einen Vogel gezeigt hat, könnt ihr euch in etwa vorstellen?! 😀

Nun, es gelingt mir kurz darauf, sie doch noch mehr oder minder von der theoretischen Möglichkeit eines Wohnmobils auf unseren Namen nördlich von London zu überzeugen. Aus der Ungläubigkeit bei Anja wird plötzlich Tatendrang! Was da noch alles zu erledigen wäre!! Wir begannen, an das kleine Wunder „Wohnmobil in Südengland“ zu glauben!
Ja, es schien plötzlich so, als wolle sich das Schicksal mit brutaler Gewalt noch diesen einen fehlenden Reisebericht von uns holen! Mit einem kostenlosen Wohnmobil von Campanda inkl. aller Kilometer, Bettwäsche, Gas, Handtücher, Einrichtung, Campingmöbel und so weiter.
Noch am Abend durchforste ich die Flugportale, während Anja unter Jammern und Wehklagen beginnt, eine Packliste aufzustellen. Mit allem, was uns fehlt und für den eigentlichen Urlaub ja schon in Holland war! Und während sie zusammen klaubt, was unsere Schränke an dritter Wahl noch hergeben, beginne ich nach den Flugangeboten die Bahnangebote zu sondieren. Es tut wirklich weh (und ich weiß spontan wieder, warum ich Campingurlaub so liebe!), wenn man mit 4 Personen einen Flug buchen will!
„Fahrt doch mit dem Auto!“ rät uns in dieser Stunde ein guter Freund und Co- Autor Thomas und Anja springt natürlich sofort auf den Zug auf! Denn so könnte sie nicht nur alle Platzprobleme lösen, die sonst in 2 auf 3 Koffer gepresst werden müssen. Und noch mehr: Auch die Dachbox soll und kann aufs Auto drauf. Dort rein das Strandspielzeug für die englischen Strände der Südküste, der Buggy für unseren Jüngsten, Tim, und auch eine Luftmatratze und zusätzliches Bettzeug. Denn ein klitzekleines Problemchen gab es da noch. Das gesponserte Frei- Wohnmobil war ein teilintegrierter der „Kompakt- Plus“- Klasse! Super für uns, wenn wir die Reise als Paar vor 5 Jahren gemacht hätten! Für jetzt aber, mit einem vier- und einem einjährigen Buben mit an Bord, wird das kompakte Wohnmobil doch eigentlich etwas zu klein! Aber einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht hinter die Ohren (oder so ähnlich  😉 und so wird es schon irgendwie gehen. Tim in die Mitte und mit etwas Glück ließe sich die Sitzgruppe ja noch zum Bett umbauen. Und wenn alle Stricke reißen, schlafe ich eben in der Heckgarage oder wir besorgen ein billiges Igluzelt. Hauptsache wir fahren wieder Wohnmobil!

Samstag, 30. Juli – Der Tag vor der Abreise ist stressig wie selten ein Vorbereitungstag vor einer unserer Reisen!
Hastig bin ich an diesem Vormittag noch zum ADAC geeilt und hab auf die Schnelle ein Tour- Set für Südengland besorgt. Auch der Reiseführer für Südengland aus dem Michael Müller Verlag, der in unserem Regal seit 5 Jahren sein Dasein fristet, wird gleich mal entstaubt!
Im Eilverfahren blättere ich diesen durch und lese ihn quer. Einfach nur, um für eine ebenfalls noch folgende Routenplanung ein paar Inspirationen einfangen zu können. Halt mal durch den Index blättern und schauen, ob wir da spontan etwas entdecken, was uns neben automatisch gesetzten Reisezielen (die von unserer Planung von vor 5 Jahren noch übrig sind) noch aufffällt. Ein leichtes Grinsen kann ich mir dabei nicht verkneifen, als ich auf folgenden Eintrag stoße:

Bevor wir aber an Reiseziele denken, müssen wir ja erstmal ankommen! Also genauer die Anreise mit unserem Auto auf die Insel! Die muss ja auch noch gebucht werden! Zuerst hatten wir überlegt, von Hoek van Holland nach Harwich überzusetzen! Denn Hoek lieg nur wenige Kilometer von unserem Campingplatz entfernt, wo aktuell unser alter Wohnwagen steht! Die Gelegenheit wäre günstig, denn das, was noch an Ausrüstung fehlt (wie Grill, weitere Campingmöbel und auch Klamotten!) liegt dort bereit! Und es wäre ein kurzer Weg zur Fähre! Wir könnten Sonntag hoch, würden dann am Abend nach Hoek fahren, über Nacht an Bord schlafen und am nächsten Morgen ausgeruht auf der Insel ankommen.
Preise von knapp unter 600 Euro pro Richtung (!) lassen uns dann aber doch von dieser Idee Abstand nehmen. HAMMER! Am Ende bleibt uns doch nur als günstigste Variante die Kurzfähre via Calais bzw. Dünkirchen nach Dover oder eben der Eurotunnel, den wir ja auch seinerzeit für die Anreise nach Schottland noch mit unserem alten Wohnmobil genutzt haben. Der Tunnel wäre sogar mein Favorit! Das war schon herrlich schön unkompliziert damals. Auch wenn ich die Rappelei und das Ruckeln des Zuges nachträglich in Verdacht habe, unserem damals etwas angefaulten Auspuff den Rest gegeben zu haben.
Aber auch hier schlagen sie offenbar gut zu! 250 Euro für hin und zurück ist das günstigste, was ich ausmachen kann.
Bleibt nur die Fähre. P&O wäre zwar günstig, aber nur zu ungünstigen Abfahrtszeiten. Das beste Angebot hat dann noch DFDS. 160 Euro für Hin und Zurück. Das ist kein Schnäppchen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir mit unserem Minivan und der darauf montierten Dachbox nicht mehr in der PKW- Klasse unterwegs sind, sind die 160 Euro schon ein guter Preis! Gebucht!

Und während Anja die letzten Anziehsachen aus dem Schrank zusammen klaubt und mir z.B. T- Shirts bügelt, die auch ohne gebügelt zu werden schon allein durch die Spannung am Bauch von alleine glatt werden, mache ich mich überstürzt mit Reiseführer und Tourset an so etwas wie eine Routenplanung!

Nicht nur für die Routenplanung schaue ich auch noch im Wohnmobilforum vorbei! Seit langer Zeit…
Dort interessiere ich mich besonders für aktuelle Tipps aus erster Hand. Allen voran das Problem, dass wir ja Ferien haben! Wer schon einmal versucht, kurzfristig im August z.B. in Zeeland einen Campingplatz zu ergattern wird wissen, was ich meine!
Was ist, wenn alle Campingplätze zur Ferienzeit auch in England überfüllt sind?
Wenn wir gar nichts bekommen? Was dann? Selbst, wenn wir unsere Urprobleme mit dem Freistehen überwinden könnten, wir müssten ja dennoch auf Campingplätze fahren! Besonders die Kids brauchen nach einem Fahrtag auch mal einen Spielplatz! Und keinen Wohnmobilparkplatz, wo des Nachbars Dogge knurrt, kaum dass wir die Türe öffnen.
Und tatsächlich sieht es nicht so aus, als wäre die Reise ohne Komplikationen machbar und ein Platz immer da zu finden, wo wir ihn gerade gerne hätten. Puh! Das wird schwierig! Als einziger Bypass hierzu wird mehr wie einmal die Mitgliedschaft in einem der beiden großen englischen Campingclubs empfohlen, die für ihre Mitglieder immer Plätze bereithalten. Zumindest, solange diese nicht wiederrum durch andere Mitglieder belegt sind. Aber die Chance ist da! Dumm nur, dass wir die Mitgliedschaft nicht mehr online beantragen können. Das heißt wir könnten schon, aber die Unterlagen kämen auf dem Postweg einfach nicht mehr rechtzeitig an. In ein paar Stunden geht es nämlich los…

2 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben
    Ich lese eure Reiseberichte schon seit Jahren mit Begeisterung. Die Tipps von Dir sind Gold wert für uns, da wir begeisterte Camper sind. Bitte mach weiter so. Vielleicht trifft man sich ja mal.

    • Hallo Adelbert,
      Vielen Dank für deinen freundlichen Kommentar, hat uns sehr gefreut. Solches Feedback, gerade von Stammlesern, hören wir gerne. 🙂
      Beste Grüße senden
      Tim, Nils, Anja und Björn

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