Heute wird früh aufgestanden!
Ich muss Anja zum Bahnhof bringen und danach selber mit dem Wohnmobil zur Arbeit fahren.
Puh!
Ich erinnere mich da an das letzte Jahr, wo wir einen ähnlichen Fall mit unserer ersten Wohnmobil- Tour in die Niederlande hatten.
Damals sind wir auch gleich freitags nach der Arbeit los und waren dann nicht mehr zuhause.
So ist es nun auch an diesem Wochenende.
Ich habe schon am Vorabend unsere Fahrräder verladen und dann das Wohnmobil quer zu den Parkbuchten geparkt.
Zwar vermute ich nicht, dass zwischen 22 und 5 Uhr jemand mit seinem Kinderwagen über den Bürgersteig wandert, aber damit nicht irgend ein Hiwi im Vollrausch gegen den ausgeklappten Fahrradständer ballert, habe ich lieber anders geparkt, Platz dafür ist in unserer Straße derzeit zum Glück mehr als genug.

Und so packen wir nur noch die letzten Dinge ein, die wir in einem Rutsch nach unten tragen können und kraulen unsere beiden Katzen ein letztes Mal hinter den gespitzen Katzenöhrchen.
Damit den beiden während unserer Abwesenheit an nichts mangelt, haben wir ihnen wieder einen Catsitter (meinen Dad) besorgt, der täglich nach dem rechten schaut.

Ein wenig kribbelt es ja schon im Bauch!
Immerhin geht es nach laaaanger Standzeit nun endlich wieder los!
Sollte das „Reisegefühl“ nun doch noch aufkeimen?
Als erstes mache ich mal eine Nachtaufnahme vom Wohnmobil mit langer Belichtungszeit.
Sieht schon irgendwo cool aus, wie Wohni so im Schein der Lampen steht und auf die Abreise wartet.

     Unser Wohnmobil steht abfahrbereit zum Sprung nach Holland
Morgens um 5 ist die Welt noch in Ordnung, wir sind abreisebereit…

Auf die Startcheckliste verzichten wir, wir haben unseren „Pre-Flight-Check-In“ gestern gemacht.
Im Wohnbereich des Wohnmobils ist bereits alles auf Reise getrimmt und meine Stewardess kann direkt die in Personalunion durchgeführte Tätigkeit des Bordnavigators übernehmen.
An dieser Idee können sich die Low-Cost-Airlines vom LowCostDriver noch eine Scheibe abschneiden 😉

Die Fahrt über die verschlafene Autobahn (es ist grad mal halb 6 durch) ist nach so langer Wohnmobilabstinenz wie eine andere Welt und überhaupt kein Vergleich zum täglichen Geschiebe im Berufsverkehr mit dem PKW.
Kaum Verkehr, die Sonne geht irgendwo hinter dem Horizont auf, der Diesel rollt, kurzum, wir beide fühlen das Fernweh und würden am liebsten gar nicht zur Arbeit sondern gleich in Richtung Süden durchstarten.
Durch die Alpen nach Italien, oder via Österreich mit Knabbernossi- Frühstück bis nach Kroatien oder nach Ungarn an den Plattensee oder so.
Oder in den rauen Norden! Dänemark, Norwegen, Schweden oder sowas, einfach nur ganz weit weg!
Kaum war der Wunsch und der Drang nach Fernweh so groß, wie in diesem Moment.
Ach wenn man doch nur könnte, wie man wollte… :-/
Wenn wir wieder zurück sind muss ich unbedingt heraus finden, wie man möglichst sehr schnell möglichst sehr viel Geld (auf legalem Weg versteht sich…) bekommen kann, damit wir schon heute die Reisen von morgen durchführen können.

Die Vernunft obsiegt letztendlich.
Ich bringe Anja wie eingeplant zum Bahnhof und fahre im Anschluss daran mit dem Wohnmobil zur Arbeit.

(dies ist ein Platzhalter und symbolisiert die Arbeitszeit, Anja meint, hier gehöre ein Bild eines Männchens mit rauchendem Kopf an einem Schreibtisch nebst PC hin…)


Gegen Mittag ist die Arbeit dann geschafft!

Ich verabschiede mich von meinen Kollegen und bin auch schon unterwegs ins Wochenende.

So, jetzt noch fix das Navi einprogrammiert und dann…
Wo ist eigentlich das Navi?
Ah, da ist es ja!
Und wo ist der Rest?
Aaarrrggghhhh!!!!! Das Ladekabel fehlt und auch der Saugnapf ist nicht in der Tasche.
„Standen die Sachen denn nicht auf der Reisepackliste“? frage ich mich gedanklich und liefere mir selbst die Antwort gleich hinterher: „Ja, das Kack- Navi- Ding stand auf der Liste und ja, ich habe es auch eingepackt, aber eben nicht das Ladekabel und den Saugnapf “. Herrschaftszeiten! Tolles „Pre-Flight-Check-In“…
*grmpf*

So wird es vielleicht doch noch ein spannendes Wochenende!
Denn wir haben keinerlei Kartenmaterial im Wohnmobil. 😮
Eigentlich auch blöd irgendwie! Immerhin kann ja auch mal das Navi ausfallen, kaputt gehen oder schlimmstenfalls geklaut werden.
Und dann steht man ausgerechnet irgendwo in der Pampa und kann sich nicht mehr orientieren!
Das Navi kann mit dem Restsaft im Akku sicherlich vor Ort für etwa 20-30 Minuten navigieren, aber für den kompletten Anmarsch brauchen wir nun eine Alternative. Ich rufe Anja an und informiere sie von unterwegs, dass wir schnell eine Alternative brauchen, sie sagt sie kümmert sich drum…

Auf der A 3 ist zum Glück wenig los (und dabei ist Freitag Mittag!) und ich komme ohne besondere Vorkommnisse in Duisburg an.
Einzig das Wetter macht mir ein wenig Sorgen.
Zunächst schien es trocken zu bleiben, dann aber fing es ab Höhe Solingen an zu regnen und der Himmel zog sich zu.
Bei meiner Ankunft in Duisburg gegen viertel vor 2 regnet es ununterbrochen.
Blödes Wetter für einen Kurzurlaub 🙁

         
Unterwegs auf der A 3 in den Kurzurlaub                                  Ferienfreitag, auch die „gelben“ sind schon unterwegs…

Ich kurve ein wenig durch die Straßen von Duisburg, denn ich habe den Plan mich einfach mal ein wenig umzusehen, ob ich nicht doch irgendwo zumindest ein Navi- Ladekabel auftreiben kann.
Vielleicht irgend ein Telefonshop oder so, wo man zufällig auch ein Autoladekabel bekommt
Die einzige Alternative wäre noch das Navi mit dem Laptop per USB mit Strom zu versorgen.
Aber der Akku im Laptop ist auch nur noch halb voll, da gewinnen wir maximal weitere 20 Minuten bei unserem stromfressenden One XL.
Und mangels Wechselrichter haben wir nur dann 220V- Strom im Wohnmobil, wenn wir auch an einer Steckdose stehen.
Vielleicht kaufen wir uns für diese Notfälle ja doch mal so einen Konverter, der 12V Bordstrom in benutzbaren 220V- Netzstrom verwandeln kann und wenn es nur für ein Ladegerät für Handy oder Laptop ist.

Gegenüber des Haupteingangs des Bahnhofs von Duisburg habe ich dann aber Glück!
Ein größerer Elektronik- Gemischtwarenladen (also für Handy, Telefone, Internet, Auslandstelefonie und Co.) unter südländischer Leitung fällt mir auf.
Ich parke unser Schiff (bei dem Regen ist das sicherlich nicht übertrieben!) also kurz am Bahnhof und sprinte unter den verwunderten Blicken der übrigen Parkplatznutzer mit meinen kurzen Urlaubssachen (kurze Hose und T- Shirt 😉 über die mehrspurige Hauptstraße.

         
Fahrt durch Duisburg im Regen, ich suche einen Handy-Shop     Da vorne rechts ist einer, juchu!

Im Geschäft erläutere ich mein Problem und ein freundlicher älterer Herr begibt sich gleich auf die Suche nach einem geeigneten Ladekabel.
In einer großen Plastikkiste wird er dann sogar fündig.
Zwar ist das KFZ- Ladekabel offiziell für ein Motorola V 3, aber da der Stecker ebenso wie der Anschluss am Gerät ein kleiner USB- Anschluss ist, wechselt dieses Ladekabel für ein paar Euro den Besitzer.
Und gehandelt nach bester südländischer Manier habe ich auch noch, so hat das Kabel nun knapp die Hälfte vom zunächst ausgerufenen Preis gekostet.
Da der Verkäufer beim Verlassen des Geschäftes noch immer lächelte und mir keine osmanischen Flüche hinterher warf, wird es trotzdem wohl nicht zu wenig gewesen sein 😉

Also das erste Problem wäre damit gelöst!
Der Stecker funktioniert einwandfrei und ich kann das Navi mit diesem Kabel am Zigarettenanzünder betreiben.
Einzig die Halterung für die Scheibe fehlt.
Aber das wichtigste mit Navigation ist nun möglich und dank vorhandemem TMC- Kabel können wir sogar die Staus abrufen!

         
Na endlich geht das Navi wieder!                                        dank eines Autoladekabels für das Handy Motorola V 3

Gegen 2 sammele ich dann pünktlich Anja ein und wir machen uns gemeinsam auf den Weg.
Sie hatte unter größtem Einsatz (versucht mal in einem Büro innerhalb von 1 Stunde Kartenmaterial der Niederlande zu organisieren…) zwischenzeitlich einige Faltkarten bei ihren Kollegen ausgeliehen, die wir nun zum Glück nicht mehr brauchen.

Und so fahren wir von Duisburg aus über A 59 und A 40 in Richtung Venlo.
Der Verkehr hat nun etwas zugenommen, ganz klar Feierabendverkehr.
Aber trotzdem kommen wir sehr gut durch und passieren bereits eine gute halbe Stunde später gegen kurz nach halb 3 die Grenze zu den Niederlanden.
Einzig der Regen wird mitunter monsunartig, ein Glück, dass wir beim Womo dank der begrenzten Geschwindigkeiten wohl kaum mit Aquaplaning rechnen müssen…

         
Oh weia! monsunartiger Regenfall auf der Autobahn          Grenzgänger: Wir passieren die Grenze nach Holland

Wie auch im Mai steuern wir nun zunächst das tref- Center etwas außerhalb von Venlo an.
Hier wollen wir unsere Bordvorräte auffüllen und natürlich den Spritpreis checken.

Das tref- Center mit angeschlossenem C 1000- Supermarkt eignet sich übrigens hervorragend für einen Einkaufsbesuch in den Niederlanden.
Immerhin kann man hier, anders als in der Stadt Venlo, kostenlos parken und in Ruhe seinen Einkäufen nachgehen.
Früher haben wir im Rahmen der Tagesausflüge immer bei den „2 Brüder von Venlo“ eingekauft und dann die schweren Taschen zum Auto geschleppt.
Und auch heute sieht man bei einem Spaziergang durch Venlo, wie sich die Leute mit den schweren Taschen abmühen.
Braucht man gar nicht!: Wir haben gelernt und fahren für einen möglichen Tagesausflug normalerweise erst in die Stadt, gehen dann dort ein wenig bummeln und shoppen.

Für den Einkauf von Vla, Frikandel, Kaffee, Tee und Co fahren wir dann allerdings zum besagten tref- Center im Nijmeegseweg. Dieses liegt in Richtung von der A 40 / E 34 kommend direkt am ersten Kreisel rechts ab.
Kommt man von der A 61, dann fährt man einfach der Beschilderung in Richtung Eindhoven nach (also an Venlo vorbei, die Klagenfuurtlaan entlang) und dann am nächsten großen Kreisel einfach geradeaus (und am zweiten Kreisel nicht in Richtung Eindhoven zur Autobahn).
Einen weiterführenden Link zum tref- Center mit ausführlicher Wegbeschreibung habe ich in den Reiselinks eingestellt)

         
Einkaufsparadies Venlo: Hier die Tanke am tref- center…     …kostenlos parken geht hier natürlich auch

Wie immer kaufen wir fast den halben Laden leer 😉
Gemeint ist damit natürlich nicht nur der Einkauf der für diese Reise benötigten Proviantmittel, nein wir kaufen auch Kaffee, Getränke in Dosen (ohne Pfand!!!!!) und Co. für zuhause, in unserem Wohnmobil ist ja zum Glück genügend Stauraum frei.
Wenn man schon mal hier ist, dann kann man auch gleich richtig einkaufen 🙂
Nur leckere Koteletts haben wir nicht bekommen.
Die, die da waren, sahen nicht so lecker aus oder waren bereits mariniert, naja egal, dann werden eben Würstchen und Minutensteaks gegrillt, sind ja auch lecker…

         
Einkaufen im tref- center:                                                    Kaffeepads kann man hier gleich kistenweise kaufen

         
noch mehr Kisten mit Kaffee…                                            mjam, gegrillte Hähnchen…

         
guck-guck, da hinten parken wir… 🙂                                 Perfekt: Aus dem Wagen gleich ins Womo

Gegen viertel vor 4 haben wir die Einkäufe beendet und alles im Wohnmobil eingeräumt oder verstaut.
Danach geht es dann wieder los in Richtung Ijsselmeer.

Die Fahrt verläuft ruhig und angenehm.
Zwar fängt es hin und wieder an zu regnen, aber im großen und ganzen würde ich sagen, dass eine allgemein Tendenz zur Wetterbesserung zu erkennen ist.
Andererseits kann das aber auch nur Wunschdenken sein 😉
Viel zu berichten gibt es nicht. Keine Begegnungen mit belgischen LKW- Fahren, keine Staus, keine Probleme.
Für einen Ferienfreitag ist es beinahe zu ruhig, fast schon verdächtig ruhig, hoffentlich kommt das dicke Ecke nicht noch…
Anja teilt meine Bedenken jedoch nicht. Im Gegenteil, sie ist mal wieder „das sonnige Gemüt“, freut sich über die freie Autobahn und lässt es uns gut gehen, indem sie von hinten ein paar Brötchen aus unseren neu erstandenen Vorräten holt und diese nun lecker mit Roastbeef und Americain Filet belegt und bestreicht.
*Mjam*!

         
Freie Fahrt in Richtung Kurzurlaub!                                    Wirklich verdächtig frei, oder?

Gegen halb 6 verlassen wir kurz hinter Appeldoorn dann endlich die Autobahn A 1, wir sind fast da.
Der von mir noch befürchtete Stau ist tatsächlich ausgeblieben, ich glaube für einen Freitag nachmittag bin ich in meinem ganzen Leben noch nie so gut vorwärts gekommen.
Über die Landstraßen N 302 und N 305 geht es nun weiter, bis wir gegen halb 7 die ersten Häuschen von Lelystad erreichen.
Und hier findet sich plötzlich ein Hinweis auf einen „Albert Heijn“, dies ist ebenfalls ein Supermarkt einer niederländischen Einkaufskette, genauso wie der C 1000 in Venlo.
Da ich eigentlich noch immer gern eine Kotelette essen würde und uns darüber hinaus auch noch eingefallen ist, dass wir ja gar kein Wasser zum trinken eingekauft haben, machen wir uns also nun auf die Suche nach diesem ausgeschilderten Supermarkt.

Nach etwas Kurverei durch kleine 30- er Zonen mit lustigen Drempeln (so kleine Bremshügel auf der Fahrbahn, wo jedes Mal der Aufbau schaukelt und das Geschirr im Schrank neu sortiert wird …) finden wir dann auch tatsächlich den Supermarkt.

Der Einkauf dauert nur etwa 10 Minuten, dann sind wir mit Wasser und Koteletts wieder draußen.
Für unsere nächste Tour zum Ijsselmeer (es gefällt uns jetzt schon!) werden wir dann hier anhalten und die Vorräte einkaufen, dann ist der Kühlschrank auch auf jeden Fall ausreichend vorgekühlt und wir haben frischeres Brot und so.

         
Ah, perfekt, ein Supermarkt…                                            und so stehen wir vor „Feinkost Heijn“ 😉

Die Route zum Campingplatz führt uns nun einmal mitten durch Lelystad. Es geht zunächst durch ein Industriegebiet, dann am Bahnhof vorbei und durch Nebenstraßen. Wir überqueren ein paar Kreisverkehre und fahren dann am anderen Ende der Stadt wieder aus dem Ort heraus.
Ein erster Eindruck ist ernüchternd, wirklich viel gesehen haben wir nicht und die Stadt hat es auf den ersten Blick nicht so recht geschafft eine gewisse Art von Flair zu verströmen.
Das war eher emotionslos, wir hatten uns ehrlich gesagt etwas mehr erhofft. Aber vielleicht kommt das ja noch, wenn wir die Gegend mit dem Rad erkunden…

         
Da werden Erinnerungen an SCO wach! Kwik-Fit in Lelystad     Unterwegs durch die Stadt

Den Campingplatz erreichen wir nur wenige Minuten später gegen kurz vor 7.
An der obligatorisch geschlossenen Schranke und damit der Zufahrt zum Campingplatz kommen wir zum Stillstand.

„Ah, das tut gut!“ erstmal aussteigen und die Knochen strecken, irgendwie geht es doch ganz schön an die Energie sich nach einem Arbeitstag noch hinters Steuer zu klemmen, aber dafür steht ja auch jetzt der ganze morgige Samstag vor Ort zur Verfügung.

Wir machen uns zu Fuß auf zur Rezeption, um uns nun offiziell anzumelden.
Ein erster Eindruck über den Platz bestätigt das, was wir schon im Internet heraus gefunden haben.
Der Platz liegt wirklich eingebettet und umgeben von Wald und Grün, es ist sehr ruhig hier, die Luft ist klar und frisch.
Auch scheint der Campingplatzbetreiber ein Naturfreund zu sein.
Schon auf dem Weg zur Rezeption kommen wir an einem Hühner- Freilaufgehege vorbei, ein kleiner Kräutergarten liegt etwas abseits und auch ein paar Salatköpfe recken in einem kleinen Beet ihre Blätter in den regnerischen Himmel.
Man könnte fast meinen hier wohnt „Old MacDonald“ die Titelfigur aus dem gleichnamigen Kinderlied „Old MacDonald had a farm, iayi-iayi-hoh!“.
Aber auch ohne Witz sind wir erstmal der Meinung: „Das wäre genau ein Campingplatz für uns, falls wir mal Betreiber eines Campingplatzes werden wollen“. Anja fällt es als erste auf: Zwar ist der Campingplatz sicherlich Hauptteil der Einnahmequelle des Besitzers, dennoch ist dies nicht unbedingt auf Gewinn getrimmt oder kommerzialisiert.
Hier wohnt ein Naturfreund, der seinen Platz in der Natur gern mit naturliebhabernden Campern teilt.

An der Rezeption ist schon ein wenig Betrieb.
Der Betreiber ist gerade im Gespräch mit 2 jungen Mädels, die hier auf dem Campingplatz zelten wollen.
Die beiden sind mit dem Fahrrad unterwegs und haben die gesamte Habe ihrer Reise in einem kleinen Anhänger dabei, der an eines der Fahrräder gebunden ist.
Zum Schutz vor Regen haben sie auf dem Anhänger vom Fahrrad eine Regenhülle übergezogen und auch sie selber haben so ein Regencape.
Na das nenn ich mal Entdeckergeist.
Für mich wäre das nichts.
Den ganzen Tag bei Regen und Wind strampeln und dann abends nur in ein kleines feuchtes Zelt?
Aber die beiden sind ja noch jung und so verwundert es mich nicht, dass beide mit der Platzreservierung und der Info über ihren heutigen Schlafplatz freudestrahlend wieder aufs Fahrrad steigen und zu ihrem Schlafplatz radeln, das ist die Jugend 😉

Wir sind dran, ich frage nach unserer Reservierung, die auch prompt bestätigt wird.
Dann zahlen wir etwas weniger wie ursprünglich berechnet. Genau 38,- € für 2 Nächte im Voraus und bekommen einen Platz auf einem extra für Wohnmobile ausgewiesenen Areal mitgeteilt.

Innerhalb des Wohnmobilbereiches können wir uns dann unseren Wunschplatz aussuchen.
Zusätzlich erhalten wir einen Plan des Platzes, einen Touristenplan der Umgebung und ein paar Tipps, was man sich hier als Tourist einmal anschauen könnte.
Hierunter zählt unter anderem so eine Art Einkaufszentrum genannt „Batavia Stad“, welches direkt am Wasser angesiedelt ist und von hier aus vielleicht 6 km entfernt liegt.
Na mal sehen, es klingt zumindest schon mal vielversprechend.
Auch bekommen wir die Info, dass in unmittelbarer Nähe ein Supermarkt angesiedelt sein soll, da könnten wir noch etwas einkaufen, wenn wir etwas benötigen. Die Innenstadt von Lelystad liegt ebenfalls etwa 6-7 km entfernt, auch diese wird in unseren kleinen Stadtplan eingezeichnet.
Zum Schluss werden wir noch darauf hingewiesen, dass der Campingplatz inmitten eines Naturschutzgebietes liegt. Das wussten wir schon vorher.

Wir gehen zurück zum Wohnmobil, die Schranke wird für uns geöffnet und wir fahren hindurch.

Als erstes sehen wir in der Mitte des Platzes einen großen Parkplatz und ein angrenzendes Versorgungshaus, von diesem zentralen Platz gehen dann mehrere Plätze in sternförmiger Richtung weg.
Dies gefällt mir sehr gut, denn jede Camperwiese hat somit einen eigenen Bereich, der nicht vom „Durchgangsverkehr“ betroffen ist.
Hat man nun einen Platz am Ende seines „Reviers“, ist Ruhe und Entspannung vorprogrammiert.

Die Reihe für die Wohnmobile geht gleich rechts ab, schnell wird klar, warum die Wohnmobile gesondert parken.
Teile der Wiese sind hier nämlich geschottert/betoniert, so kann man mit dem Mobil auf dem festeren Untergrund parken und hat für An- und Abfahrt genügend Grip. Neben dem Schotterfeld gibt es dann ein ausreichend großes Wiesenstückchen, wo man sich mit seinen Campingmöbeln ausbreiten kann.
Einige Wohnmobile stehen bereits hier, neben einem Teilintegrierten und einem Kastenwagen steht gleich am Anfang ein dickes amerikanisches Wohnmobil mit locker 8 Metern Länge.
Das Teil sieht aus wie ein Bus! Das schaue ich mir nachher mal genauer an…
Wir wählen einen der hintersten Plätze, auch wenn dies aufgrund eines dicken Baumes für den Fernsehempfang eher kontraproduktiv sein dürfte. Aber das ist jetzt auch egal, soooo wichtig ist in die Glotze gucken ja nun auch nicht.
Viel mehr erfreuen wir uns an dieser Stelle einem großen Stück freier Wiese und dem angrenzenden Blick direkt in den Wald und in die Natur.

          
Wir fahren in die Womo- Reihe                                           Fast ganz ans Ende der Lichtung im Wald

         
Dort angekommen nehmen wir den hintersten Reihe Platz   Wow!, der gefällt mir, schön groß und so…

Nachdem wir mit den Auffahrkeilen eine kleine Schräglage korrigiert haben, geht es an die Besichtigung der Waschräume.
Wir wissen nunmal gerne vorher, was uns erwartet.

Das Servicehaus ist noch relativ neu und scheint, wie schon einige andere von uns besuchte Servicehäuser zuvor, relativ einfach in einer Art Systembauweise Typ Stecksystem Container gebaut worden zu sein.
Alles ist reinigungsfreundlich aus PVC/Plastik und erinnert ein wenig an den Typ Nasszelle eines ETAP- Hotels.
Ist aber nicht schlimm oder gar negativ, im Gegenteil! Denn durch die geniale Einfachheit des Servicehauses ist der Sauberkeitslevel sehr gut und man kann sich durchaus wohl fühlen.
Und es gibt sogar Toilettenpapier und Papiertücher für nach dem Händewaschen, das ist freilich nicht überall selbstverständlich…

         
Das Servicehaus in der Platzmitte:                                      Einheitsbauweise Typ Container, aber…

         
von innen ist es aufgräumt, sauber…                             und auch die Toiletten sind ok, es gibt sogar Toilettenpapier!

         
Am Ausgang hängt auch eine aktuell gehaltene Infotafel    *miau*

Zurück am Wohnmobil fällt mir beim Einstecken des Stromes plötzlich etwas ein:
Das Wasser!
Wir müssen eigentlich VOR Einnahme der endgültigen Wochenend- Parkposition noch an die V/E- Station und den Wassertank leeren bzw. auffüllen.
Also, alles wieder in Gegenrichtung!
Kabelrolle wieder abstecken und den Motor wieder starten.
Dann fahre ich (Anja ist noch nicht von der Waschraumbesichtigung zurück) wieder auf den zentralen Platz in der Mitte, wo sich neben dem Servicehaus auch die V/E für Wohnmobile befindet.

Neben der Entsorgung einer kleinen Restmenge Grauwasser vom letzten Urlaub möchte ich auch den Frischwassertank entleeren.
Denn immerhin haben wir seit Mai unser Wohnmobil nicht mehr genutzt.
Im Wassertank kann eigentlich nicht viel drin sein, daher öffne ich auch den Hahn für den Frischwassertankablass und lasse das Restwasser ablaufen.
Und das dauert!
Es muss mehr Wasser darin gewesen sein, als wir zunächst angenommen hatten.
Fast 20 Minuten läuft über den kleinen Hahn das Wasser aus dem Tank und plätschert in die Kanalisation.
Anja (mittlerweile auch zurück vom Waschraumbesuch) nimmt es gelassen und füttert derweil ein paar Vögel mit ein paar Brotresten.
Und während das Wasser unter neugierigen Blicken vorbeikommender Camper beäugt wird (es sieht so aus, als würde unser Wohni pinkeln ;-), schauen wir uns die Aushänge am Servicehaus an und gucken ein wenig über den Platz.

Wie schon beschrieben haben wir den zentralen Parkplatz mit V/E und Servicehaus in der Mitte.
Davon sternförmig abgehend befinden sich einzelne Wiesen für die Camper.
Eine Wiese ist dabei nur für Zeltcamper reserviert, eine weitere ist nur für Wohnmobile, der Rest ist für Gespanne.
Was dabei der Naturfreund und Familien mit herum tollenden Kindern gut finden werden: Die Gespanne dürfen zwar auf der Wiese stehen, nicht jedoch die Autos.
Nur für die An- und Abreise ist das Befahren der Wiesen mit dem PKW zugelassen, in der übrigen Zeit sollen die Autos auf dem Zentralparkplatz abgestellt werden.
Eine Regel, die hier auch mehr oder weniger eingehalten wird.
Morgen, bei schönem Wetter, werden wir ein paar Fotos vom Platz machen, dann kann sich jeder ein besseres Bild der Lage machen.

Gegen 8 ist endlich das alte Wasser im Frischwassertank abgelassen, das neue Wasser für den Tank aufgenommen und wir können unseren Standplatz ein weiteres Mal einnehmen.
Nun ist endlich Urlaub, wir sind da.
Ein wenig geschafft, aber glücklich!

Viel machen wir an diesem Abend nicht mehr.
Ich versuche zunächst den TV- Empfang herzustellen, aber dies will mir zum ersten Mal seit längerer Zeit nicht gelingen.
Zwar schaffen wir es den Satelliten Astra anzupeilen (zumindest haben wir eine deutliche Signalstärke), aber außer einigen russischen und britischen TV- Sendern bekomme ich keinen für uns akzeptablen Sender eingestellt.
Keine Ahnung, woran es liegt, aber irgendwie fehlen mir hier auch Vergleichsantennen, an deren bestehender Ausrichtung ich mich orientieren kann.
So muss ich mit dem Kompass eine Peilung nach Süden vornehmen und bin überrascht, dass Süden nicht wie von mir erwartet in Richtung des Baumes, sondern in Richtung der Zufahrt zum Stellplatzgelände liegt.
Und obwohl wir somit freie Sicht in Richtung Süden und ein Signal mit über 40% aufweisen können (wir haben schon mit 23% klar und deutlich TV geschaut!), bekomme ich keinen deutschsprachigen Sender eingestellt.
MIST!

Ich will gerade ein drittes Mal mit der Leiter aufs Dach, da kommt ein Gespann auf das Areal gefahren.
Während ich mich noch wundern will, warum denn nun auf das bereits gut gefüllte Wohnmobilareal nun auch noch ein Gespann fährt, beantwortet sich die Frage von allein.

Der Gespannfahrer ist Nummer 3 in einer zusammengehörenden Gruppe, die sich offenbar hier auf dem Platz getroffen haben.
Der vorn stehende Hobby 600 mit niederländischem Kennzeichen und der belgische Kastenwagen bilden zusammen mit dem Gespannfahrer (ebenfalls aus den Niederlanden) eine lustige Gruppe, die sich lautstark auf ein gemeinsames Wochenende freut.
Ausgerechnet tun sie dies nun auch noch 1 Meter von unserem Wohnmobil in der Zufahrtsfurche entfernt.
Und da mag ich ungern meine akrobatischen Antennenausrichtversuche mit wackelndem Hintern und schwingenden Beinen vor deren Nase machen… 😉

Und so lassen wir von unserem Vorhaben den TV- Empfang einzustellen ab und sitzen einfach so ein wenig in der Sitzgruppe bei Kerzenschein und frischen Trauben vom Duisburger Markt zusammen.

     Abendidylle auf unserem Campingplatz
Die Nacht kommt! Um uns herum wird alles dunkel…

Am Abend (es ist bereits zappenduster) unternehme ich noch einen kleinen Ausflug ins Servicehaus, fertig machen für die Nacht und das Bettchen und so.
Dabei fällt mir auf, wie wunderschön doch der Wald rauscht!
Der Wind hier oben streift durch den Blätterwald und wenn man die Augen zumacht, dann kann man sich durchaus vorstellen am Meer zu stehen.
Aber auch der Wald selbst ist fantastisch. Fast schon mystisch, aber nicht unbedingt unheimlich.
Eher heimelig, ein wenig wie ein Feenwald aus dem Zauberreich.

Es könnte so schön sein aber leider wird das gesamte Bild dadurch gestört, dass unsere Nachbarn unsagbar laut Krach machen.
Es ist nicht zum aushalten, sie lachen, sie gackern, ein Holländer spricht mehr ein amerikanisch- niederländisch und hat wahrscheinlich die ganze Zeit ein dickes Stück Käse in der Fresse, der „Slang“ ist grausam und grenzt an akustische Vergewaltigung. Besonders, wenn er laut lacht…
Auch als wir endlich im Bettchen liegen, geben „die von nebenan“ einfach keine Ruhe.
Es ist unfair! Die Ruhe und die Entspannung des Waldes, des Platzes, der Natur und der frischen Luft ist gefühlte 90 Dezibel Krach unserer Campingnachbarn von uns entfernt.
Auch als die Uhr die 11 passiert, tut sich nebenan in Punkto Nachtruhe noch gar nichts.

Ich hoffe inständig, dass es in der nächsten Nacht besser wird.

KM- Stand bei Abfahrt: 186.014
KM- Stand bei Ankunft: 186.370
gefahrene Kilometer: 356

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