Vor einer Woche hat unsere Rundreise mit dem Wohnwagen durch Dänemark ihren Anfang genommen. Seit dem haben wir bereits unfassbar viel erlebt! So viele Museen, Sehenswürdigkeiten, Strände und vieles mehr. Die Quittung sehen wir übrigens auch in unserem Schrittzähler! Praktisch kein Tag ist in der letzten Woche vergangen, wo wir mit weniger als 10.000 Schritten unterwegs gewesen wären! Heute werden wir es daher auch gerne etwas ruhiger angehen. Als einziges Highlight zwischen uns und dem Tagesziel, Thyboron, liegt lediglich das Strandungsmuseum in Thorsminde.
Bereits im Vorfeld habe ich auch für dieses Reiseziel mit google maps den Parkplatz für unser Gespann ausgemacht. Gleich hinter dem Museum und vorbei am offiziellen PKW- Parkplatz gibt es bei dem alten Ankerfriedhof ein großes Rondell. Dort sollten auch Gespanne problemlos parken können. Wir werden es sehen…

Gegen kurz vor 8 werden wir das erste Mal wach. Ein kurzer aber echt heftiger Regenschauer prasselt, vom Wind in die Waagerechte gepeitscht, auf uns und unseren Wohnwagen hernieder! Aber, das muss ich echt sagen, unser alter 1998er Wohni hält sich echt gut! Noch nicht einen Wassereinbruch musste ich bislang verzeichnen, dabei hat es in der letzten Woche oft spontan und nicht minder heftig kräftige Regengüsse gegeben. Zum Glück haben diese, anders als bei unserer Rundreise durch Dänemark mit dem Wohnmobil vor ein paar Jahren, immer nur kurz angehalten und die sonnigen Abschnitte dominieren. Wenn dann aber ein Schauer so wie jetzt niedergeht, möchte man instinktiv jede Dachluke und jede Fensterleiste am liebsten festhalten!

Das kurze Gastspiel des Sturms treibt mich dennoch aus dem Bett. Einmal kurz aufs Servicehaus bitte. Ich will gerade zurückgehen, da entdecke ich den kleinen Kaufmannsladen neben der Rezeption hier auf dem Campingplatz Nr Lyngvig Camping, der gerade knarrzend seine schlichte Türe öffnet. Sofort strömen ein paar Wartende herein, sofort eile auch ich rüber. Keine Ahnung, ob man hier die Brötchen eher knapp kalkuliert. Keine Ahnung, ob sich in spätestens einer Stunde eine Schlange nur für Brötchen bis zum Servicehaus im Mittelteil des Platzes bildet. Aber was ich weiß, dass die Brötchen JETZT noch ganz frisch sind!

Zurück am Wohnwagen muss ich die faule Bande aus dem Bett werfen. Dann aber decken wir den Frühstückstisch. Heute wieder mit dabei: Der leckere Havarti Käse, der einen herrlich- milden Kontrast zum kräftigen Mohnbrötchen bietet. Das ist etwas, was ich zuhaue wieder vermissen werde. Das Frühstück hier ist einfach viel geschmackvoller als bei uns.

Wir lassen uns Zeit mit dem Start in den Tag. Anja und ich sitzen noch bei einem zweiten Kaffee (also Kaffee für Anja, eine Dose Cola für mich) am Frühstückstisch und schauen durch das Wohnwagenfenster den Jungs zu, wie sie auf dem großen Hüpftrampolin liegen und sich von dem allmählich mit Luft füllenden Kissen nach oben tragen lassen.
Als das Kissen dann endlich prall gefüllt ist und die Jungs zu hüpfen anfangen, decken auch wir endlich den Tisch ab. Danach gehe ich mit den paar Tellern und Tassen am benachbarten Servicehaus spülen.

Was mir auffällt ist, wie oft hier auf dem Campingplatz Nr. Lyngvig Campingplatz durchgeputzt wird! Schon heute früh stand, kaum das ich aus dem Servicehaus raus war, eine Putzkolonne bereit gleich nach meinem Besuch feucht durchzuwedeln. Und auch jetzt, wo ich abspüle, ist das runde Servicehaus mit den Duschen und Toiletten wieder einmal für einen Reinigungsdurchgang gesperrt. Auch gestern Abend, nach unserer Ankunft, war ein Reinigungsteam am Start, also wird hier mindestens 3x täglich durchgereinigt. Und das sieht man auch. Die Anlagen hier vorne am Eingang  sind zwar älter (im Mittelteil ist das Servicehaus hingegen deutlich moderner), aber stets absolut sauber!

Während ich so abwasche, beobachte ich immer mehr Camper, die den Campingplatz verlassen. Immer mehr Wohnmobile fahren an die Doppel- V/E Station hier direkt am Eingang. Und während die Camperwelle unaufhaltsam rollt und ich mich dösbaddelig frage, wo die alle schon so früh hinwollen, schaue ich verträumt auf die Uhr.
ELF UHR DREISSIG!!!! In Worten 11:30 Uhr!!
DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!
Himmel, haben wir getrödelt! Jetzt aber flott!
Siedend heiß gehe ich im Kopf durch, ob ich irgendwo eine Auscheck- Zeit von 11 Uhr oder 12 Uhr gelesen habe. Sollte es 11 Uhr sein, was bei großen Plätzen wie diese nicht ungewöhnlich wäre, hab ich wenig Lust einen Aufschlag für eine Spätabreise zu bezahlen!
Jetzt aber schnell!
Eiligst, als wäre ich ein Akkuschrauber mit Powerpack von Bosch, kurbele ich die Stützen hoch, dass sie fast das Qualmen anfangen. Das Stromkabel wird auch nur lässig wie lassomäßig eingerollt und dann einfach nur ins Auto geworfen. 12V Kabel vom Wohnwagen noch an die Dose vom Ford getackert und dann wenden wir auch schon! Gut, dass wir direkt an der Schranke stehen, so kommen wir ohne weitere Verzögerung runter vom Platz.
Einmal hinter der Schranke parke auch gleich wieder. Dann spute ich in die Rezeption, wo dann aber eine kleine Schlange mich ausbremst. Gut! Denn jetzt kann ich, falls man mir für die halbe Stunde Verspätung was abknöpfen will, die Verzögerung auf die Schlange hier an der Rezeption schieben. 😉

Die Dame, bei der ich kurz darauf auschecke, ist offenbar die Chefin hier. Denn während sie mich auscheckt, gibt sie den übrigen Angestellten Anweisungen. Was mich allerdings wundert ist, dass sie wirklich perfektes Deutsch mit mir spricht. Mit den Angestellten hingegen spricht sie englisch, aber kein dänisch! Also entweder, sie gesprochene Anweisungen kommen in englischer Sprache ernster rüber, oder sie ist Deutsche! Das muss auch cool sein. Wenn dir als Deutsche in Dänemark ein Campingplatz gehört. Könnte ich mir auch gut vorstellen. 😉

Wir müssen keinen Aufschlag bezahlen. Entweder er wird nicht erhoben, oder die Abreisezeit beträgt doch 12 Uhr. Wie dem auch sei, wir zahlen und behalten den Campingplatz Nr. Lyngvig Camping bei Hvide Sande in unglaublich positiver Erinnerung! Der gestrige Abend so herrlich, der heutige Morgen so erfrischend, wir würden bleiben, wenn wir nicht ein so straffes Programm hätten! Aber wir kommen wieder! Versprochen!

Kaum wird die Einfahrt zum Campingplatz im Rückspiegel klein, liegt das nächste Ziel vor uns. Die Reise geht weiter, wir folgen wieder der Route 181 mit Kurs Nord. Das Ziel „Strandungsmusem St. George“ in Thorsminde ist im Navi programmiert, die Fahrtzeit wird mit 35 Minuten für die 40km angegeben. Das passt, um die nächste gute halbe Stunde die Landschaft zu genießen und den Puls vom Abreisestress wieder runter zu bringen.

Die Fahrt über die dänische Ebene ist heute nicht ganz so leicht, wie die letzten Tage. Wir haben strammen Westwind, der in Böen auch gerne mal den Wohnwagen erfasst und ihn wackeln lässt. Zum Glück liegt zwischen uns und der ungestümen Naturgewalt noch der Dünenkamm unmittelbar links von uns, der uns ein wenig Windschatten bietet. So wird die Fahrt nicht zu einer wirklichen Herausforderung, zumal auch die mit frischen Bremsbacken bestückte Antischlingerkupplung und unser Ford Smax mit seinem langen Radstand das Gespann stabil in der Spur halten.

Wie zu Tagesbeginn bereits erwähnt, habe ich das Areal rund um das Strandungsmuseum genau auf google Maps vorab ausgekundschaftet und fahre mit vollem Bewusstsein und unter erstaunten Blicken der PKW- Lenker auf das für Wohnwagen (und Wohnmobile!) viel zu kleine Parkareal! Was unter normalen Umständen für einen Verkehrsstau der Sondergüte sorgen würde und vielleicht sogar in den Nachrichten käme „Deutscher Trottel- Tourist fährt sich mit Wohnwagen auf der Museumszufahrt fest, Hauptverbindungsstraße unterbrochen, die Bevölkerung wird gebeten, sich mit Vorräten einzudecken, bis der Wohnwagen geborgen werden kann…“ oder so ähnlich, sorgt jetzt eher für ein gewinnendes Siegerlächeln auf meiner Seite! 😊
Wie erwartet finden wir, auch ohne Beschilderung, gleich hinter dem Museum bei den Ankern ein sehr großes Parkareal, wo wir locker rückwärts einparken können. Keine Ahnung, warum auf diese beste Parkmöglichkeit für Gespanne, Wohnmobile und Co. vorn an der Einfahrt nicht hingewiesen wird! Denn es kommen ja sicherlich auch durchaus Touristen mit dem Wohnwagen oder eben Wohnmobil hier vorbei, die sich spontan für einen Besuch entscheiden würden, dann aber weiterfahren, weil sie diesen Geheimtipp zum Parken hier hinten nicht sehen. Naja. Wir wissen Bescheid, um 12:35 Uhr stellen wir das Gespann im Schatten des tollen Museums ab. Wir kennen das Strandungsmuseum ja noch von unserem ersten Besuch und ganz besonders freue ich mich auf das unfassbar detailgetreu nachgestellte Modellschiff, aber auch auf den Blick durch das alte Seerohr aus der Skagerrak- Ausstellung zum ersten Weltkrieg. Damals konnten wir das Dach des Wohnmobils ins Visier nehmen und es wäre cool, wenn jetzt die Jungs den gleichen Blick durch das Periskop tätigen und dabei unseren Wohnwagen entdecken würden.

Info- Box St. George Strandingsmuseum in Thorsminde:

Viele Schiffe fielen den Stürmen vor der dänischen Westküste seit Anbeginn der Seefahrt zum Opfer. Zwei der prominentesten Schiffe waren hierbei die HMS Defence und die HMS St. George, die 1811 hier vor der Küste kenterten. Über 1000 Menschen fanden unfreiwillig ein nasses Grab. Das Museum ist der Geschichte des Untergangs dieser Schiffe und der Seenot allgemein gewidmet. Aber auf eine Art, die ihresgleichen sucht. Derart lebensecht, anfassbar, nahbar, fühlbar mit allen Sinnen! Die lebendige Ausstellung hier wurde sogar 2019 für ihr überwältigendes Konzept europäisch prämiert!
Besonders Plus: Kinder finden nicht nur eine Abenteuerwelt über und unter Wasser vor, sie dürfen darüber hinaus kostenlos hinein!

Offizielle Webseite: Strandingsmuseet.dk
Weitere Bilder, Rezensionen und mehr zum Strandungsmuseum auf google Maps

Wir zeigen ein weiteres Mal unsere Covid- Pässe aus der App an der Kasse vor und dürfen auch hier wieder unsere Kinder kostenlos und ohne weitere Auflagen mit in das Museum nehmen. Dänemark ist wirklich ein perfektes Reiseland für Familien! Was kurz darauf aber folgt, haut mich fast von den Socken!
Es stürmt! Aber ordentlich! DAS hatte ich nicht erwartet! WO ist denn bitte die vertraute Ausstellung mit den alten Schiffsresten, den Vitrinen, den alten Kanonen und dem Modell und so? Das Museum, was wir von unserer ersten Tour mit dem Wohnmobil nach Dänemark noch kennen? Stattdessen müssen wir uns durch einen dunklen Tunnel vorantasten und landen in einem mit vielen Tüchern behängten großen Raum. Im Hintergrund rauscht das Meer, wird eindrucksvoll auf die gegenüberliegende Wand projiziert und durch per Ventilator angetrieben Windwuchs im Raum auch in „4D“ unterstützt! Sofort bemerken wir, dass das nicht mehr das Strandungsmuseum ist, welches wir vor einigen Jahren besucht haben! Was haben die damit gemacht bitte?!
Ich meine, versteht das nicht falsch. Natürlich wäre ich gerne an einen vertrauten Ort wieder zurückgekehrt. Aber was wir jetzt hier erleben, ist natürlich super gemacht!
Sofort erfasst uns ein fast schon beklemmendes Gefühl, denn der Sturm, der sich inzwischen durch Wind und Lichtspiel für alle Sinne zu einem echten Orkan entwickelt hat, wird das Schiff mit in die Tiefe reißen! Das wissen wir ja schon! Und es gibt nichts, was die drohende Tragödie verhindern kann! Und plötzlich wird dieses Ereignis nahbar für uns! Wir bestaunen es nicht mehr nur gratismutig aus der Distanz mit einem teils erhabenen, teils mitleidingen Blick durch die Scheibe einer Ausstellungsvitrine! Nein! Wir sind mitten drin und werden von der Flut an Sinnesreizen mitgerissen!
Fantastisch gemacht!

Aber nicht nur an uns Erwachsene, auch an die Kinder hat man hier richtig toll gedacht. Gleich hier entdecken Nils und Tim eine interaktive Konsole, wo sie durch verschiedene Entscheidungen helfen müssen, um eine Katze von dem vom Untergang bedrohten Schiff zu retten und irgendwie an Land zu gelangen! Gleich mehrere A oder B Entscheidungen wollen getroffen werden, wobei aber kindgerecht jede Entscheidung irgendwann zum „glücklichen“ Ende für die Katze führt, die am Ende zwar triefend nass und bibbernd am Strand landet, aber immerhin: Sie hat es geschafft.

Wir Erwachsene wissen, dass die Rettung aus Seenot dem erdrückend übergroßen Teil der Besatzung seinerzeit nicht gelungen ist. Das es aber so unfassbar viele sind, die auf diesem Schiff ihr Leben gelassen haben und nur eine kleine Handvoll Menschen das fast in Sichtweite befindliche rettende dänische Ufer erreicht haben, dass überrascht uns dann doch, als wir die zweite Ausstellunghalle betreten.

Zuerst sind wir noch neugierig, als wir die Schiffsglocke erspähen.Doch spätestens, als uns die kleine Karte das Schicksal näher bringt und erzählt, dass das letzte, was viele Besatzungsmitglieder ausgerechnet am Weihnachtsabend 1811 vor ihrem Tod durch Ertrinken gehört haben, eben jener Klang der Schiffsglocke war! Vorsichtig schlagen wir die Glocke und sogleich läuft uns ein eiskalter Schauer über den Rücken! Die Glocke klingt wirklich, als würden die verblassten Seelen aus ihr sprechen. Gespenstisch!

Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass hier in der zweiten Ausstellungshalle an dem Raum- Enden immer mal wieder auf lebensgroßen Tuchleinwänden Besatzungsmitglieder bei ihren Tätigkeiten vorgestellt werden. Und was ist keinesfalls immer positiv, ganz im Gegenteil. Diese kurzen Einspieler wirken nun, in Anbetracht des noch immer nachhallenden Gongs der Schiffsglocke, fast wie Geister! Wie längst verlorene Seelen des zum Untergang verdammten Schiffs. Wow! Wie beeindruckend! Wie authentisch! Wie beklemmend! GENAU SO muss ein Museum sein! Nicht die trockene Ausstellung, die wir seinerzeit besucht haben. Hier wurde richtig viel Geld in Technik und Ausstattung investiert. Und mehr noch: Schon jetzt wird klar, dass das Museum den früheren Bestandteil der Skagerrak- Schlacht der britischen und deutschen Flotte im ersten Weltkrieg nicht mehr beherbergt. Hier geht es jetzt wirklich nur noch um das eindrucksvolle Schicksal der St. George und primär dem Untergang des Schiffes hier vor der dänischen Küste.
(zus. Anm.: Wohin der Teil mit der kriegerischen Auseinandersetzung der beiden Flotten verschwunden ist und das wir sie später im weiteren Reiseverlauf noch entdecken, können wir jetzt noch nicht wissen.) 

In Ausstellungshalle 3 geht es unter Wasser! Nun tauchen wir in eine im dunkelblau und diffusgrün gehaltene Welt auf dem Meeresboden, wo gezeigt wird, was mit den Überresten eines solchen Schiffsunglücks passiert, wenn sie auf den Meeresgrund treffen. Für uns Erwachsene ist der Informationsteil richtig toll gemacht. Wieder wird mit Licht und Ton gespielt, dass man buchstäblich in die Welt unter Wasser eintauchen und sich die verschiedenen Exponate und die Geschichte dazu durchlesen kann. Und damit die Kinder nicht quengeln, haben diese auch hier wieder einen eigenen Spielbereich erhalten. Schon vorhin vom Eingangsbereich in Halle 1 haben wir gesehen, dass unter dem filmischen Wellenrauschen auch der Meeresboden unter uns dargestellt war. Das dieser Bereich aber sogar betreten werden kann und die Kinder auf die auftauchenden Schätze, die herumirrenden Krebse und die vorbeigleitenden Aale reagieren und mit ihnen interagieren können, ist nochmals eine richtige Überraschung! Nils und Tim versuchen jede Gelegenheit, auf die Schätze zu stampfen und sie so quasi virtuell einzusammeln. Mit einem Blitz verschwinden sie, wenn einer der Jungs es schafft, bevor der Schatz nach einer kurzen Phase von allein wieder vom Meeresboden verschluckt wird. Echt toll!

Vom Meeresboden aus geht es wieder nach oben. Es folgt die Modellhalle, wo sich eine ganze Ausstellungshalle nun der Entstehungsgeschichte des Modells widmet, welches wir schon aus der Vitrine von unserem ersten Besuch kennen. Das so viel Arbeit darin steckt, hätten wir nicht gedacht!
Natürlich bestaunen wir es ehrfürchtig. Aber man muss schon sagen, es „zieht“ einen nicht mehr vom Teller, wie noch seinerzeit bei unserem ersten Besuch. Liegt sicherlich daran, dass wir durch dieses neue Museumskonzept natürlich mit allen Sinnen berauscht wurden und man sich jetzt regelrecht zwingen muss, die zahlreichen Details in Ruhe und mit Akribie auf dem Modellschiff zu entdecken.

Von der letzten Halle aus kann man noch ein Stockwerk höher in einen „Tower“ steigen. Hier findet man eine nach drei Seiten verglaste Panorama- Lounge, wo man einen tollen Ausblick über Thorsminde, den Fjord zu unserer rechten und über das Meer zu unserer linken Seite genießen kann.
Wenn das Wetter mitspielt, kann man von hier aus sogar noch eine Treppe weiter raufgehen und vom offenen Oberdeck aus den Ausblick auch ohne Scheiben genießen. Obwohl das Wetter heute nach wie vor nicht so pralle ist und es weiterhin stark in Böen stürmt, machen wir gerne davon Gebrauch und nutzen die Gelegenheit für ein paar Fotos. Und auch die Zufahrt zum Parkplatz am Ankerfriedhof mit Wohnwagen- Gespann und/oder Wohnmobil nehmen wir in einem kleinen Videosnack nochmals für euch auf.


Eine Sache ist noch richtig gut gemacht, sodass wir sie auch gerne noch erwähnen möchten. Das Ruder der St. George! Es ist so groß und mächtig, dass es uns quasi über alle Ebenen begleitet hat! Es hängt freischwebend an mehreren Stahlseilen, die sogar das aktuelle Zuggewicht pro Seil auf einer Skala anzeigen. Das Teil muss unfassbar schwer sein!
Viel imposanter ist allerdings, dass man auf der untersten Ebene direkt das Ruder anfassen und es fühlen kann. Es wirkt garstig, rau und ist laut Infotafel noch immer mit einer nicht unerheblichen Menge Meerwasser vollgesogen, was es noch schwerer macht, als es eh schon ist. Und es riecht! Nach Salz, nach Holz und nach Teer! Nach so vielen Jahren dünstet es noch immer den Atem der Geschichte aus, den man kaum anders, als fasziniert in sich aufsaugen kann!

Wer hier auf der Landstraße 181 zwischen Blavand und Lemvig nach Norden fährt und am von außen eher unscheinbar wirkenden Strandungsmuseum von Thorsminde einfach vorbeifährt, der ist entweder überzeugter Nichtschwimmer, oder auf der Flucht vor der Polizei! Sonst gibt es wirklich keinen, WIRKLICH KEINEN Grund diesem Museum nicht einen Besuch abzustatten!
Was die aus diesem ehemals schon gut gemachten, aber eben auch seinerzeit eher traditionellem Museum an lebendiger Ausstellung für Jung und Alt gemacht haben, ist wirklich richtig toll! Selbst und gerade für Kinder. Besonders Nils hat es so gut gefallen und ist offenbar von der Lebendigkeit der Vergangenheit derart fasziniert, dass er noch hier im Museum als Andenken eine mit dem Logo des Museums aufgedruckte leere Flasche kauft. Hierfür wird er sich später am Abend dann aus freien Stücken hinsetzen und einen Brief mit allen Highlights des heutigen Tages an sein zukünftiges Ich in vier Jahren schreiben, der sich gefälligst dann an diesen Tag erinnern soll! Auf diese Idee kommt unser Bub (aktuell 9 Jahre alt) von ganz allein! Und das er im Urlaub und trotz Schulferien sich freiwillig hinsetzt und etwas schreibt, das kommt normalerweise nicht vor. Gar nicht! 😉

Nach dem wirklich mitreißenden Museumsbesuch lassen wir die Jungs noch eine Runde auf dem Spielplatz gleich neben dem Museum spielen. Das gab es früher auch noch nicht, oder es ist uns früher mangels Kindern nicht aufgefallen. Wir müssten mal die alten Bilder sichten, ob der Spielplatz früher schon da war. Aber ist eigentlich auch egal. Das Heute zählt. Da das Wetter aber zunehmend schlechter wird und es auch wieder leicht zu tröpfeln anfängt, ziehen wir uns für eine ausgiebige Pause mit Milch und Keksen in den Wohnwagen zurück.
Sofort weiterfahren schaffen wir einfach noch nicht! Zu aufwühlend und lebensnah waren die Erlebnisse im Museum, dass man fast versucht ist, sich ein Handtuch zu schnappen und aus den nassen Sachen zu steigen, nachdem man mit knapper Not dem Sturm auf See entkommen ist! Das der Wind genau jetzt noch zusätzlich am Wohnwagen wackelt und der Regen auf das Dach peitscht, lässt die Sinne weiter unter Feuer und liefert diesem Gefühl den passenden Background! Es könnte nicht besser sein!
Gemeinsam sitzen wir im Wohnwagen also und warten den ärgsten Regen bei unserem Mittagssnack ab. Dann tauschen wir uns über alles aus, was wir alles entdeckt haben und was uns am besten gefallen hat. Eins ist mal klar: Der Besuch hat sich wirklich gelohnt und die Umbauten sind phantastisch!

Erst gegen halb 4 fahren wir weiter. Als Tagesziel steht der Campingplatz in Thyboron auf dem Programm. Gleich mehrere Sehenswürdigkeiten in Fußreichweite wollen wir uns dort anschauen, sodass wir den Campingplatz für zwei Nächte vorgebucht haben. Somit haben wir morgen den ganzen Tag für unsere Erkundungstrips zur Verfügung. Nötig gewesen wäre das Vorbuchen übrigens nicht! Bei unserer Ankunft nachher wird noch über die Hälfte der Stellplätze in unserem Areal frei sein…

Bevor wir den Campingplatz ansteuern, halten wir in noch auf dem Weg in Harboore am Dagli Brugsen. Wir brauchen noch etwas zum Abendessen und in der Erwartung, auch auf dem Campingplatz in Thyboron mindestens einen Backofen in der Gemeinschaftsküche vorzufinden, kaufen wir eine leckere Ofenlasagne. Dazu noch ein paar weitere Leckereien, Brot und Milch für morgen früh. Nur knapp verfehlen wir dabei die notwendigen 350 Kronen, die uns für die letzten Wertmarken der Playmobil- Sammelaktion gefehlt haben. Aber der Urlaub dauert ja noch ein paar Tage, wir werden das Heftchen schon noch voll bekommen.

Als wir gegen halb 5 durch Thyboron rollen, bereue ich unsere Platzwahl für die Nacht! Hier ist ja mal absolut NICHTS los und tote Hose! Mehr noch! Durch die nüchterne Architektur und das funktionale Hafenviertel mit dem Charme einer Ölbohrplattform von Shell vermittelt Thyboron das Gefühl, so weit weg von einem touristischen Ziel zu sein, wie die Sonne vom Planeten Pluto! Phew!
Und als wir an der Rezeption des Campingplatzes Thyboron zum Stehen kommen, möchte ich am liebsten zurückfahren! Am besten gleich auf den tollen Platz bei Hvide Sande! Oder schon heute die Fähre über den Fjord nehmen! Zu blöd, dass ich nicht nur vorreserviert, sondern auch im Voraus bezahlt hab! Clever von denen! Denn ich kann mir gut vorstellen, dass schon so mancher Gast hier vor der Schranke spontan kehrt gemacht und sich einen anderen Platz gesucht hat. Verdenken kann man es denjenigen wohl kaum. Wo sind wir hier nur gelandet?

Nützt ja nichts, ich stoppe seitlich der Rezeption und gehe mal rein. Allein. Weder die Jungs noch Anja wollen sich das Trauerspiel anschauen. Wie sehr aber doch der erste Eindruck täuschen kann, werden die nächsten Minuten zeigen!
Da wäre zunächst mal die junge Rezeptionistin, die mich sofort mit einem herzlichen Lächeln empfängt. Sie strahlt eine liebevolle Freundlichkeit aus und bittet mich sogleich, in Englisch zu kommunizieren, da sie Englisch besser spricht, als die deutsche Sprache. So lieb und zuvorkommend als Gastgeber! Klar, dass wir alle Formalitäten entsprechend erledigen.
Zu meinen Unterlagen erhalten wir unter anderem auch einen Restaurantgutschein. Und eine Karte für freien Eintritt in das Schwimmbad gleich hier nebenan! Das dort überhaupt eins ist, haben wir dem unscheinbaren Bau gar nicht zugetraut!
Auch der Platz selbst ist aber auch erste Sahne und entpuppt sich fast wie der stolze Schwan in der Geschichte vom hässlichen Entlein! Wie sehr der „erste Eindruck“ doch täuschen kann!
Die Parzellen sind ausreichend groß und gepflegt. Die Serviceeinrichtungen sehr modern und penibel sauber. Die Gemeinschaftsküche bietet wie gewohnt mehrere Kochstellen und natürlich auch zwei Backöfen, wo wir nachher unsere Lasagne auf jeden Fall aufbacken können. Auch der Spielplatz wartet mit einem guten Abenteuerangebot auf! Hier ist es gar nicht so schlecht, wie wir beim Einchecken noch dachten!

Das absolute Highlight ist aber der Gemeinschaftsraum! So etwas, also ein fast schon heimeliges Wohnzimmer mit Teppich, Couch, TV und Fernsehsessel kennen wir sonst nur von unserer Rundreise durch Südnorwegen mit dem Wohnmobil! Das dieser unscheinbare Platz einen solchen einladenden Gastraum bereithält, überrascht uns doch sehr! Richtig schön hier! Spontan werfen wir die Glotze mal an und siehe da: Deutsche Sender! Sogleich läuft, passend zum Meerestag heute, Spongebob Schwammkopf für die Jungs. Herrlich! Ich fläze mich in den bequemen Fernsehsessel und schaue mit den Jungs gemeinsam dem gelben Schwamm bei seinen Abenteuern zu, während der Ofen so ganz allmählich den Käse der Lasagne zum Schmelzen auffordert.
Anja hingegen kümmert sich um die Beilage zum Abendessen und holt sogar aus dem Wohnwagen Besteck und Geschirr, damit wir das Abendessen hier im „Wohnzimmer des Campingplatzes“ essen können. Sie kann mit Spongebob sowieso nichts anfangen, was aber daran liegt, dass sie der Unterwasserwelt von Spongebob mit nüchterner Logik begegnet und sich einfach nicht erklären kann, wie beispielsweise eine Mücke in der aktuellen Folge UNTER WASSER FLIEGEN kann! Es macht dann auch keinen Sinn, es mit einer Erklärung zu versuchen. Entweder man versteht Spongebob, oder eben nicht. Und wer es nicht versteht, deckt eben den Tisch und passt auf die Lasagne auf. Feddich. 😉

Nach dem vorzüglichen Abendessen spüle ich die paar Teller und das Besteck in der benachbarten Küche an der Spülstelle ab. Und obwohl wir zu unserer Überraschung auch an diesem Urlaubstag unsere 10.000 Schritte schon voll haben, kann ich meine Mannschaft noch zu einem Spaziergang überreden! Trotz Wind und Sturmböen! Aber die Lasagne war üppig und da dürfen es bitte gerne noch ein paar Schritte für die Verdauung sein.
Weit müssen wir aber auch gar nicht gehen! Nur 450m Meter vom Eingang des Campingplatzes liegt nämlich eine der Sehenswürdigkeiten von Thyborn, das Snegelhuset, was ich den Jungs irrtümlich falsch übersetzt als „Haus aus Schnecken“ verkaufe, obwohl es sich ja streng genommen um das Muschelhaus handelt!

Info- Box Muschelhaus „Snegelhuset“ in Thyboron:

Das Snegelhuset im Klitvej 9 in 7680 Thyborøn wurde ursprünglich von nur einer Einzelperson mühevoll und detailverliebt in jahrelanger Arbeit als Liebesbeweis errichtet. Traurigerweise soll der Baumeister Zeit seines Lebens nie wirklich „fertig“ geworden sein. Zu der eindrucksvollen Außenfassade mit tausenden Muscheln bietet das kleine Museum im Innenraum weitere filigranere Muscheln sowie Exponate der Seefahrt und eine Sammlung Flaschenschiffe, die teilweise von Gästen und Seefahrern gespendet wurden. Lange braucht man für die Besichtigung allerdings nicht. Es ist überschaubar. Eine kleine Cafeteria rundet das Angebot ab.
Parken mit Wohnmobil / Wohnwagen ist schwierig! Der offizielle Parkplatz ist viel zu klein! Aber wenn man in einer der Seitenstraßen (wie im Vestvej parallel zum Sneglevej) längs zur Fahrtrichtung oder bei der Kirche im Kirkegaardsvej parkt und ein paar Schritte geht, klappt auch der Besuch mit Wohnmobil / Wohnwagen!

Offizielle Webseite: sneglehuset.dk/de/
Weitere Bilder, Rezensionen und mehr zum Snegelhuset auf google maps

Der Weg zum Sneggelhuset führt durch normale Anliegerstraßen mit ihren Wohnhäusern. Und dennoch wirken diese, als seien die alle verlassen irgendwie! Der Charme einer Arbeiterstadt, die dem Niedergang geweiht ist. Mag aber auch sein, dass wir dem Örtchen Unrecht tun, denn nicht alle der Häuser sind so ungepflegt, wie es das Ambiente mit dem windigen, wolkigen und tristen Wetter uns weißmachen will. Dennoch ist es gut, dass es wirklich nur 450m bis zum Snegelhuset sind. Natürlich ist das Haus selbst schon geschlossen zu dieser für dänische Museumsbesuche späten Stunde, aber das Haus sieht auch von außen recht imposant aus, was ja auch das absolute Highlight ist. Die mit tausenden Muscheln beklebten Außenfassaden des Hauses! Auch, wenn ich meinen Jungs jetzt Rede und Antwort stehen muss, wo denn jetzt die Schnecken wären! Denn dies hier seien ja eindeutig Muscheln! Tja! Da hat der Papa sich wohl vertan! 😉

Wir nutzen die Gelegenheit und sprinten nochmals flott hinter dem Schneckenhaus die Düne hoch. Einen letzten Blick für den Tag auf das Meer werfen! Und entdecken gleich die nächste Sehenswürdigkeit! Einer der zahlreichen zurückgelassenen deutschen Bunker, die man hier überall am Strand von Römö bis Skagen findet. Den ein oder anderen hatte ich noch auf der ToDo- Liste  für den weiteren Reiseverlauf. Aber wenn wir hier morgen diese Bunker anschauen, haben wir eigentlich auch schon alles gesehen, was in diesem Zusammenhang zu sehen gibt. Meine Meinung dazu kennt ihr, spätestens nach dem Besuch des Tirpitz- Museums vorgestern. Kurz gesagt: Wenn es nach mir ginge, würden wir als Deutsche den Dänen anbieten, unseren Mist dort abzuholen und ordentlich zu entsorgen! Damit die Dänen einerseits endlich ihre Strände unverbaut von deutschen Betonsünden zurück erhalten und andererseits auch, damit diese offene Erbschuld endlich mal beglichen werden kann. SO viele Jahre nach Kriegsende reicht es halt auch mal.

Anyway: Vom Dünenkamm aus geht es auf direktem Weg zurück zum Campingplatz. Die Jungs würden gerne nochmals „ins Wohnzimmer“ vom Campingplatz gehen und dort vielleicht einen Abendfilm schauen. Die zwei vermissen offenbar, vielleicht auch sturmbedingt, eine richtige feste Behausung und haben keinen Bock mehr auf den wackelnden Wohnwagen. 😉
Da aber das Wohnzimmer jetzt mit Dänen belegt ist, die dort natürlich einen dänischen Film schauen, wird daraus nichts. Stattdessen kehren wir alle gemeinsam zurück zum Wohnwagen und machen es uns drinnen gemütlich, während draußen der Sturm tobt und den Wohnwagen, trotz dicker Betonmauer an unserer Parzellenbegrenzung und nochmals eine zusätzliche halbe Umdrehung herausgedrehten Stützen, an diesem Abend ein weiteres Mal ordentlich wackeln lässt.

Fazit des Tages: Mit dem Wohnwagengespann zum Strandungsmuseum Thorsminde
Ein weiteres Mal hat sich eine gute Vorplanung der Route und Strecke bewährt! Ohne die virtuelle Vorhut am heimischen PC wäre ich nicht im Traum darauf gekommen, mit dem Gespann auf das von der Straße aus viel zu klein wirkende Areal des PKW- Parkplatzes drauf zu fahren! Hier wäre selbst mit dem Wohnmobil kein Blumentopf zu gewinnen!
Aber so sind wir zuversichtlich und mutig am offiziellen Parkplatz vorbei und hinter das Museumsgebäude gefahren. Am Ankerrondell haben wir dann ein ausreichend großes Parkareal vorgefunden, wo wir das Gespann rückwärts einparken konnten. So platzsparend wie möglich und mit der Gewissheit, dass neben uns parkende Fahrzeuge nicht die Abreise verhindern, was beim Längsparken schonmal der Fall sein kann. Die weitere Fahrtverlauf nach Thyboron war dann völlig unkritisch. Spätestens wo bei Hove der Hauptverkehr Richtung Lemvik weiterfährt, um den Nissum Fjord auf der rechten Seite zu umgehen, wird es dann auch schlagartig leerer. Richtung Thyboron fährt dann nur noch, wer dort wirklich hin möchte, oder Lust auf die Fährüberfahrt hat. Doch davon berichten wir dann übermorgen.
Ach ja! Ein Wort noch zum Reiseziel „Muschelhaus“ / Sneglehuset! Wir stehen ja nun auf dem Campingplatz Thyboron. Aber auch mit dem Wohnwagengespann hätten wir das Muschelhaus direkt anfahren können! Zwar ist der Parkplatz neben dem Schneckenhaus viel zu klein und kann selbst kleine Wohnmobile nicht aufnehmen, aber in den Stichstraßen zum Schneckenhaus (wie dem Vetvej) oder auf dem großen Parkareal bei der Kirche (Kirkegaardsvej) wäre das Parken mit Wohnwagengespann bzw. auch überlangem Wohnmobil problemlos möglich gewesen.

2 Kommentare

  1. Wir wollen in drei Wochen auch diesen Platz besuchen. Vielen Dank für den aufschlussreichen, tollen Bericht. Nun freuen wir uns schon richtig auf diesen Ort.

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