Letzte Nacht hab ich eindeutig wieder besser geschlafen, obwohl es wieder recht windig war. Dieses Mal aber hab ich vollstes Vertrauen in unsere selbst zusammengebaute Markisensicherung gehabt und so hab ich mich einfach vom Wind in den Schlaf wiegen lassen.
Geht ja auch 😉
Schon gegen halb 10 werden wir von ganz von alleine wach und stehen auch gleich auf. Und obwohl wir heute eigentlich nichts Besonderes geplant haben, gehen wir mit vollem Elan an die Tagesaufgaben. Zunächst mal steht natürlich eine erfrischende Dusche auf dem Programm.

Nach dem Duschen schauen wir mal kurz bei den Ziegen vorbei, lassen uns von denen kurz anmeckern und gucken dann mal auf die Aushänge am Servicehaus.
Schaut gut aus mit dem Wetter!
Mit Ausnahme des kommenden Samstag soll es schön bleiben diese Woche.
Das wäre ja super!

         
     Schaut gut aus mit dem Wetter! Aktuell ebenso…          …wie die Vorhersage für den Rest der Woche. 🙂

         
     Wir schauen mal im Ziegengehege vorbei                   Die Ziegen sind handzahm, lassen sich streicheln.

Zurück vom Duschen hängen wir kurz unsere Handtücher auf und lassen diese in der sommerlichen Luft trocknen.
Gemeinsam schwingen wir uns kurz darauf auf die Fahrräder, um zusammen zum Frühstückseinkauf zu fahren.
Zunächst nehmen wir hierfür Kurs auf Nordby, wo wir den Super Brugsen gleich an der Zufahrt in die Stadt leerkaufen wollen. Besonders der leckere dänische Käse ist uns gestern ausgegangen und es wäre echt schade, ein dänisches Frühstück ohne diesen tollen Käse anzugehen!
Zu unserer großen Überraschung hat der Super Brugsen dann allerdings nicht den leckeren ARLA- Käse, sondern nur einen anderen, der optisch irgendwie nicht so goldgelb ausschaut.
Was nun?
Kurzerhand trennen wir uns einfach!
Anja radelt weiter zum Bäcker in Nordby, wo es die leckeren herzhaften Brötchen zu kaufen gibt, die Anja gestern schon mitgebracht hat.
Ich hingegen gebe meinem Drahtesel die Sporen, um schnell am Campingplatz vorbei und dann in die andere Richtung mit Kurs Rindby Strand zu fahren, wo ja der Merko- Supermarkt in jedem Fall meinen Lieblingskäse hat!
Zwar etwas bescheuert, das gebe ich zu, aber ich hätte das heutige Fanö- Frühstück nunmal gerne perfekt 😉

         
     Der Supermarkt in Nordby hat leider meinen Käse nicht…  …also radele ich schnell wie der Wind rüber nach Rindby

         
     Wieder am Campingplatz angekommen                         Anja wartet schon ungeduldig in der Hängematte auf mich

Natürlich dauert die Umwegfahrerei ein wenig und bis ich endlich von Rindby zurück bin, hat Anja den Tisch schon fast komplett gedeckt.
Nur die Wurst hat sie natürlich zurück gehalten und sitzt nun ungeduldig in der Hängematte, bis ich endlich komme.
Noch fast außer Atem stelle ich das Rad ab, dann holen wir die restlichen Sachen aus dem Wohnmobilkühlschrank.
Schnell schneiden wir ein paar Scheiben vom leckeren Käselaib ab und komplettieren den Frühstückstisch, der übrigens in genau 8 Minuten bereits zum 12- Uhr Mittagstisch mutiert wäre!
Puh, das war knapp!
Aber was soll´s, wir haben ja Urlaub! 😉

    
     Super oder? Mohnbrötchen, frischer Käse, Wurst, dänischer Kakao und Den Gamle Marmelade 😀

Nach dem Frühstück folgt natürlich eine kleine obligatorische Verdauungspause mit Faulenzen und Hängemattenliegen, wobei wir sehr angestrengt dem Verlauf der Sonne am Himmel folgen. 😉

Erst gegen 2 packt uns die Abenteuerlust.
Besonders Anja würde gerne noch einmal Sonderhö besuchen.
Das kleine Dörfchen im Süden der Insel kennen wir natürlich auch schon.
2007 sind wir am letzten Inselurlaubstag kurz vor unserer Abreise auf einen Kurzbesuch dort reingerauscht und haben uns das letzte Inseleis schmecken lassen.
War nett da, schön beschaulich mit den ganzen alten Gutsherrenhäusern und den stattlichen Kapitänshäusern.
Das ist es übrigens auch schon, was Sonderhö auszeichnet.
Als offiziell zweitgrößte Siedlung der Insel Fanö verfügt Sonderhö nämlich lediglich über etwa 300 Einwohner (zum Vergleich Nordby als größte Siedlung hat ca. 2.600 Einwohner!), sodass Ruhe, Gelassenheit und Beschaulichkeit fast schon vorprogrammiert sind.
Dennoch bietet Sonderhö auch so etwas, wie eine kleine Fußgängerzone und Flaniermeile. Auch wenn sich diese natürlich nicht mit dem Angebot in Nordby messen kann.
Fürs leibliche Wohl, ob nun Eis, kleiner Snack oder ein opulentes Mahl, ist aber gesorgt und sogar ein kleiner Supermarkt ist vor Ort anzutreffen.
Wer es daher gerne ruhig auf der Insel mag, trotzdem nicht zu weit weg vom Meer sein will und auch auf nichts verzichten möchte, wird in Sonderhö ein Fleckchen mit entspannter Urlaubsatmosphäre finden.

Auch wir möchten nun wie gesagt noch einmal nach Sonderhö aufbrechen und uns etwas umfangreicher im Ort umsehen, als wir es 2007 gemacht haben.
Etwa 10 Kilometer sind es von unserem Campingplatz aus bis dahin und wenn wir faul wären, könnten wir diese Strecke einfach und bequem mit dem Inselbus zurücklegen.
Sind wir aber nicht!
Anja meint, dass ich mir  ja nun wirklich genügend Energie zum Frühstück angefuttert hätte und ich mich nicht so anstellen soll, als ich meine Bedenken gegenüber einer 20- Kilometer Radtour äußere.
Es ist ja aber auch nicht gerade so, als wären wir heute nicht schon mit dem Rad gefahren!
Ich ja sogar ein wenig mehr, denn durch meinen Ausflug von Nordby nach Rindby und zurück zum Campingplatz (der Käse- Express 😉 habe ich bereits stattliche 7 Kilometer auf meinen heutigen Tacho geschrieben.
Am Ende aber gebe ich mich geschlagen und sattele ebenfalls ein weiteres Mal meinen Drahtesel.
Die Aussicht, in einem von der Sonne aufgeheizten Bus mit teurer Fahrkarte fahren zu müssen und dann für die Rückfahrt von festen Abfahrtszeiten abhängig zu sein, gefällt mir nämlich noch weniger, als in die Pedale zu treten.
Und so radeln wir mit vollgepackten Provianttaschen vom Campingplatz runter, die Uhr zeigt gerade Mal kurz nach 2.

         
     Es geht los! Wir radeln nach Sonderho!                    Anja hat extra ihre sportlichen Fahrradhandschuhe angezogen   

         
An der Kreuzung geht es zur Abwechslung mal rechts rum    Uh, stattliche Entfernung! 10km sind es nach Sønderho…

Die ersten Kilometer auf dem Weg nach Süden sind wirklich noch sehr schön.
Wir weichen zwar hier und da ein paar Pferdehaufen und Tretminen auf dem Radweg aus, was aber hier im ländlicheren Teil der Insel wohl kaum vermeidbar ist.
Dafür bekommen wir aber auch immer wieder schöne Ausblicke auf die zum Teil stattlichen Höfe und Bauernhäuser, die den Wegesrand rechts und links säumen.
Dazu die gute frische Landluft, grüne Wiesen um uns herum und Sonne nebst blauem Himmel über uns.
Ich glaube, Urlaub kann schöner kaum sein und fast schon ist das Strampeln in die Pedale erholend 😉

         
     Die heutige Route führt zunächst über offenes Land         Wir schwauen den Bauern bei der Arbeit zu

         
     Gut, man muss ja nicht gleich da durch fahren 😉          Anja winkt: Noch sind wir gut gelaunt 😉

         
     Lange Zeit geht es über freies Feld…                            …dann biegen wir ab in einen kleinen Wald hinein

Nach gefühlten 3 Stunden Fahrt und geschätzten 9 zurückgelegten Kilometern wechselt die Landschaft.
Die freien Felder werden zu dichteren Büschen, die final sogar in einem Waldstück münden.
Auch nicht schlecht!
Denn so wird es schattig und damit auch ein wenig kühler, wofür wir ehrlich gesagt recht dankbar sind.
Strengt nämlich ganz schön an das Radeln in der prallen Sonne!
Zu meiner größten De-Motivation wird allerdings das erste Schild am Wegesrand, welches die Restentfernung bis Sonderhö angibt: 7 Kilometer!
Ja, 7 Kilometer (in Worten: SIEBEN!!) Kilometer müssen wir noch zurücklegen, haben also gerade mal erst knapp über 3 geschafft!
Böh! Das kann doch wohl nicht wahr sein!
Ungläubig reibe ich mir die Augen. Vielleicht ist das ja ein schlechter Scherz oder sowas!
Vielleicht hat da einer eine Zahl weggemacht oder aus einer 1 kurzerhand eine 7 gemacht!
Geht ja recht simpel, man bräuchte nur einen roten Edding und müsste das Schild ein wenig schief stellen…

     Noch 7 Kilometer bis Sonderho
     Das darf doch nicht wahr sein! Wir haben noch 7 Kilometer vor uns (siehe Schild)! Puh! 🙁

„Da müssen wir jetzt durch!“ meint Anja und treibt uns somit gemeinsam weiter auf dem Inselradweg nach Sonderhö an.
Puh!

Die Landschaft wechselt sich weiter ab. Mal offenes Feld, mal Büsche, mal dichtere waldähnliche Flächen. Aber immer schön in der Natur und durchs grüne. Auch hier freuen wir uns natürlich über den prima Radweg, der auch Sonderho mit dem Rest der Insel verbindet. Durchgehend je eine Fahrspur pro Richtung und die ganze Zeit von der teilweise auch entfernt vorbeilaufenden Straße getrennt. Optimal für entspannte Radtouren, besonders für Familien mit (kleinen) Kindern.

Ein bisschen langsamer werden wir, nehmen nicht zuletzt auch wegen der stetig steigenden Wärme (das Thermometer zeigt inzwischen 27°C) das Tempo raus.
OK, das ist natürlich nicht der einzige Grund. Mangelndes Training offenbart bei uns nun natürlich fehlende Konditionsreserven, sodass wir eher im Spargang weiterfahren und trotzdem aus der Puste sind.

          
     Bei 27°C radeln wir durch Fanös Landschaften               Schier endlos zieht sich der Radweg, kein Ziel in Sicht 🙁

          
     Das da hinten könnte der höchste Berg von Fanö sein!      Nanu, wie kommt denn ein Eisenbahnwagen hier her?

Das wir langsam unterwegs sind macht aber auch nichts, denn auch mit „gemütlichem Radeln“ kommen wir an, genauer um 14:51 Uhr passieren wir das Ortsschild von Sonderhö.
Wow! Sind wir fertig!
Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir vom Feldberg Family Camping bei Rindby etwa eine Stunde bis hierher gebraucht haben.
10 Kilometer in einer Stunde, das passt ungefähr zu unserer gefühlten (und wohl damit auch gefahrenen 😉 Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 km/h.
Kein Ruhmesblatt, klar! Aber für uns schon ein Grund, uns gleich mit einem schönen Eis zu belohnen.

         
     Nach genau 10,21 Kilometern (kleine Zahl)…                …erreichen wir den Ortsrand von Sonderho! Na endlich!

Doch wie das nunmal so ist, ziehen sich die letzten Meter ab dem Ortsschild bis in den kleinen verträumten Ortskern natürlich nochmals wie Kaugummi.
Ist ja klar.
Aber die Vorfreude gibt uns neue Energie, sodass wir auch diese Hürde souverän nehmen.
Wir fahren vorbei am kleinen Centrums- Parkplatz, wo wir 2007 unser Wohnmobil für einen Stadtbummel abgestellt hatten und stehen schon kurz darauf vor dem kleinen Supermarkt von Sonderhö.
Fast auf ex ziehe ich mir eine kalte Cola rein, auch Anja freut sich über einen kühlen Eistee.
Danach dauert es einen Moment, bis wir uns erholt und wieder Augen für unsere Umwelt haben, Sonderho kann nun kommen!

         
     Auf dem kleinen Parkplatz (rechts) haben wir 2007 geparkt    Der erste Weg in Sonderho führt uns zum Supermarkt…

Fast wie 2007 fällt uns nun als erstes die kleine Gallionsfigur auf, die hier über einem Gartentor an einem kleinen Grundstück thront.
Schon 2007 haben wir diesen eher wirr dreinschauenden Holzkameraden bestaunt und zweifelsfrei festgestellt, dass dieser Kopf zu den typischen Postkartenmotiven einer Fanö- Ansichtskarte gehört, wenn man eine Karte mit mehreren Bildern drauf kauft.
Der Kopf hier ist fast immer dabei:

     Postkartenmotiv auf Fanö
     Auf fast jeder Postkarte von Fanö zu finden: Der „blaue Diener“ an dieser Gartenpforte

Natürlich ist der „Holzkopf“ (*hihi* endlich kann ich das schreiben, ohne dass es eine Beleidigung ist 😉 nur Teil eines Gesamtkunstwerks „historischer Hof“, der sich hier in der Straße neben zahlreichen anderen stattlichen Gehöften, Fischhäusern und Kapitänsvillen befindet.
Ja, Sonderhö war (mit Nordby) zu früher Zeit einer der bedeutendsten Fischerei- und Handelshäfen in Dänemark, aus dem Museumsbesuch wissen wir ja um die zweitgrößte Schifffahrtsflotte der Fanöer Bevölkerung nach der aus Kopenhagen.
Mit den Jahren aber versandete der Hafen und wie das nunmal so ist, ging es dann wohl auch mit Fischerei und Schiffshandel bergab.
Es scheint nun fast so, als sei Sonderhö (ganz im Gegensatz zu Nordby!) dabei ein wenig wie in einen Dornröschenschlaf verfallen und erst in unserer Neuzeit, dank des „Erweckungskusses“ der Tourismusindustrie wieder auferstanden.

Glück für uns, denn nur mit ein wenig Vorstellungsvermögen kann man in die alte Zeit aus Seefahrern, Abenteurern und Buccaneeren eintauchen und sich wie ein kleiner Pirat vor oder nach einer aufregenden Heuer und Kaperfahrt fühlen.
OK, zugegen, es fehlt ein wenig der Bezug zu den Schiffen hier und auch das Wasser ist ziemlich weit weg, aber die alten stattlichen Häuser mit ihren großzügigen Grundstücken lassen schon Seefahrerstimmung aufkommen.

         
     Kleine schmucke Häuschen der Neuzeit…                      …und stattliche historische Kapitänsvillen zieren den Ort.

         
     Die Bauweise der alten Häuser ist recht einheitlich:     Eine Wohnreihe und ein Rethdach mit rundem Erker über der Tür

Gar nicht so recht passt zu dieser Atmosphäre natürlich das Eis, welches wir uns kurz darauf im Eiscafe auf Sonderhös „Hauptstraße“ schmecken lassen.
Macht aber auch nichts, denn so wirklich will von uns ja doch keiner in den rauen Anfängen der Seefahrerzeit im 16., 17. oder 18. Jahrhundert leben.
Dann lieber heute hier im 21. Jahrhundert mit einem Eis und einem zwar anstrengenden aber im Grunde doch harmlosen Fahrradtörn. 😉

         
     Auf der Flaniermeile unterwegs. Vom Eiscafé rechts vorn..   …gibt es erst einmal ein leckeres Eis für uns 🙂

Wir schauen uns ein wenig um und bummeln eher gemütlich durch die Gassen.
Fast schon unbemerkt haben wir uns von der Ruhe, die Sonderhö ausstrahlt, anstecken und vereinnahmen lassen.
Recht so, das ist ja auch irgendwo Urlaub.
Wir schauen auf eine kleine überschaubare Auswahl an Souvenirs und gucken in einem Restaurant auch mal auf die Speisekarte.
Für ein opulentes Mahl fehlt uns zwar die Lust, aber es ist immer schön, die kulinarischen Highlights virtuell zu durchstöbern.
Klar steht Fisch ganz oben auf dem Menü, aber auch Backkartoffel oder Fanö- Salat entdecken wir auf der Speisenkarte.

         
     Wir stöbern ein wenig durch die Souvenirs…               …und „kosten“ gedanklich von leckeren Speisen wie Lachs

         
     Der „Gast“ hier hat bestimmt einen Bärenhunger! 😉    Und die kleinen „Gäste“ hier zehren von dem, was übrig ist

Wir streifen weiter durch die Gassen von Sonderhö und verlassen die „quirlige“ Hauptstraße mit Kurs auf das Wasser.
Angeblich soll Sonderhö ja noch über einen Hafen verfügen, auch wenn ich diesen nicht auf der Karte erkennen konnte.
Aber wo Wasser ist, da ist auch ein Hafen nicht weit, also schauen wir mal.
Wir spazieren die „Sondertoft“- Straße entlang und kommen ein weiteres Mal an teilweise richtig schön gemachten alten Fischerhäusern und Offiziers- wie Kapitänsvillen vorbei.
Scheinbar wohnte die Elite von Fanö, also die Oberen sowie die höheren Schiffsbesatzungen, hier im beschaulichen wie gediegenen Sonderhö. So etwas wie das St. Tropez der fanö`schen Küste 😉

         
     Richtig urig und quitschgemütlich! Wir erkunden die Nebenstraßen und Gassen von Sonderhö! Dabei finden wir…

         
     …so manches wirklich liebevoll hergerichtete Haus!        Hier wohnen Seemänner! Kein Zweifel! 😉

         
     Rotes kleines Haus, weisser Zaun, typisch dänisch 😉       Uh, das Haus ist alt! erbaut im Jahr 1801!

         
Zahlreiche Häuser wie diese finden wir hier. Echt schön!      Das Haus hier mit Fahne und Farbe gefällt uns am besten!

Ein paar Schritte später erreichen wir einen Deich, der über eine knarrende Holztreppe erklommen und überwunden werden kann.
Hoch ist der Damm zweifelsohne nicht, aber trotzdem bekommen wir durch die paar Meter Höhenunterschied einen schönen Ausblick auf Fanös Süden.
Dieser ist übrigens recht ernüchternd!
Von wegen Hafen!
Hier ist nur Uferlandschaft und etwas weiter draußen kann man das Meer erkennen.
Aber ein Hafen?
Nöö!

         
     Die Treppe voraus führt auf einen kleinen Deich.            Blick zurück von der Anhöhe auf einen Kapitänshof

         
Blick auf das weite Land (hinter der Miene vorbei 😉           von einem Hafen ist aber weit und breit nix zu sehen ?:-/

„Doch da!“ meint Anja plötzlich und zeigt etwas abseits von uns auf eine Holzkonstruktion, die zumindest optisch an eine Hafenanlage erinnern könnte.
Ich schreibe allerdings ganz bewusst „könnte“, denn dieser Holzbau liegt irgendwie an Land und reicht gar nicht bis ans Wasser, davon abgesehen sieht das für mich eher wie der Rest einer alten Baustelle aus.
Mangels Alternative spazieren wir aber von der Düne wieder runter und nehmen mal Kurs auf das, was vielleicht so eine Art Vorbote zu einem Hafen sein könnte.
Vielleicht findet sich dort ja ein Hinweis.

Wir entdecken, nachdem wir einen Schlenker über eine weitere Dorfgasse gemacht haben, erst einmal eine Sturmflutmarke.
Schon imposant, wie hoch das Wasser hier mal gestanden hat!
Besonders dann wenn man bedenkt, dass das Meer gefühlt noch mindestens einen Kilometer entfernt weiter draußen liegt! Unmittelbar um uns herum sehen wir ja nur Land mit Wiesen und Schilf, aber weder Schlick noch Watt deuten darauf hin, dass das Wasser bei Flut seine Finger in Richtung Sonderhö streckt.
Die ersten Marken, fast ausnahmslos aus dem 20. Jahrhundert, befinden sich übrigens etwa in Augenhöhe.
Die weitaus höhere Sturmflutmarke allerdings stammt aus dem Jahr 1839 und ist weit über 2 Meter hoch.
Hammer!

         
     Eine Sturmflutmarke entdecken wir auch                        Auf Augenhöhe! Fast nur Hochwasser im 20. Jahrhundert

         
     Die Ausnahme! weit über 2 Meter die Flut von 1839!           wir kommen näher. Ob hier ein Hinweis zum Hafen ist?

Schon als wir uns der Holzkonstruktion nähern, will sich mir der Eindruck aufzwingen, dass wir hier veräppelt werden!
Als ich dann aber das Schild „Sonderhö Haven“ entdecke, komme aus dem Lachen nicht mehr heraus!
Die meinen das offenbar wirklich ernst!
DAS HIER soll wohl tatsächlich der Hafen von Sonderhö sein!
Ein paar auf den Boden und das Watt gelegte aneinander gereihte Euro- Paletten!
Unfassbar!
Die Krönung aber ist das sicherlich nicht so beabsichtigte, aber dafür umso komischer wirkende BILD von einem Schiff, welches hier an der „Kaimauer“ angeschlagen ist. Ich muss lachen!
Der Hafen hier ist scheinbar so mickrig, dass die sich hier noch nicht einmal ein richtiges Schiff leisten können, sondern nur ein Bild von einem Schiff aufstellen können!
Hilfe, *prust* ich kann nicht mehr! Ich muss mir jetzt wirklich den Bauch halten vor Lachen!
Entschuldigt bitte, aber das ganze wirkt so UR- komisch, dass ich einfach nicht anders kann.

Nur Anja kann darüber gar nicht so richtig lachen und meint, dass das Bild möglicherweise eher als Teil einer Werbung z.B. für Schiffstouren dienen könnte und vielleicht doch einen serösen Hintergrund hat.
Nun gut, mag ja sein!
Aber urkomisch ist es trotzdem!
Ein BILD von einem Schiff und dazu auch noch ein Hafenfest, so steht es zumindest an der Werbetafel!
Das alles HIER auf dem internationalen Holzpaletten- Hafen von Sonderho!
Hahahaha! Es ist unfassbar, ehrlich, ich muss mir die Tränen vor lauter Lachen aus den Augen wischen.  ;-D

     Der Hafen von Sonderho
Ich muss prusten vor lachen! Der Hafen von Sonderho mit einem BILD von eimem Schiff (siehe am Pfahl oben links) 😀

OK, ok, das wird hier natürlich nicht wirklich so etwas wie ein Hafen sein.
Vielleicht ist es ein Treffpunkt für Wattwanderer oder eben, wie schon von Anja vermutet, so eine Art Werbefläche für Fahrten auf der Nordsee mit einem Segelschiff von einem „richtigen“ Hafen aus.
Mangels Sprachkenntnis können wir dies aber auch nicht zweifelsfrei ergründen.
Ich verspreche aber, dass ich nach unserer Rückkehr zum Wohnmobil bzw. allerspätestens zuhause mal nachschlage, was es hier mit dieser Konstruktion auf sich hat.
Für heute aber habe ich definitiv genug gelacht! 😀

*****
Nachtrag vom 16.09.2011:
Ich hab Wort gehalten und ein wenig recherchiert.

Der Vollständigkeit halber und weil wir natürlich die Fanöer Bevölkerung bzw. die Fans des Hafens von Sønderho nicht brüskieren wollen, haben wir uns natürlich im Nachgang zu unserer Reise schlau gemacht: Tatsächlich gibt es hier im Schlamm und Schlick des Fanöer Wattenmeers so etwas wie einen Naturhafen. Dieser besteht aus einer Art Vertiefung oder Fahrrinne, die man auf dem Bild oben auch im Ansatz an der hinteren Plattform erkennen kann, 2 weitere Bilder habe ich ebenfalls unten eingefügt, da sieht man die alte Fahrrinne deutlicher (Bild 3+4).
Diese Fahrrinne ist allerdings über die letzten Jahre und Jahrzehnte versandet und verschlammt, sodass der Hafen unbenutztbar geworden ist.
Es hat sich jedoch ein Förderverein gebildet, der den Hafen wieder aufleben lassen will.

Es gibt sogar eine Webseite hierüber, leider nur in dänischer Sprache: sonderhohavn.dk
Unter Einbeziehung einer Übersetzungsmatrix (wie zum Beispiel die von google: translate.google.de kann man sich die Seite aber auch grob ins Deutsche übersetzen lassen…
***
**

         
     Anja winkt vom weitläufigen Hafenkai 😉                      und auch ich will mal die Planken der weiten Welt betreten

         
     Blick nach links: Vom Meer ist noch immer nichts zu sehen    Blick nach rechts: Da liegt tatsächlich ein kleines Boot

Zurück im Dörfchen schauen wir uns nach einem kleinen Snack um.
Lachen macht ja bekanntlich hungrig 🙂
Zum Glück finden wir auch recht schnell eine kleine Snackbude in einer kleinen Seitenstraße und sind hierüber wieder einmal mehr überrascht, wie das kleine Sonderhö doch alle Bedürfnisse befriedigen kann.
Es mag zwar so sein, dass es von allem (also ob nun Restaurant, Supermarkt, Andenkenladen, Eiscafe oder eben Imbissbude) nur jeweils ein Geschäft gibt, aber das macht ja auch gar nichts!
Hauptsache, es ist da und man kann auch hier im abgelegen ruhigen Sonderhö etwas unternehmen bzw. sich versorgen.
Finden wir prima so!
Und obwohl eine „Monopolstellung“ meist eher schlechtere Qualität oder höhere Preise bedeutet, haben wir mit der kleinen Snackbude eigentlich nichts falsch gemacht, denn für knapp über 50 Kronen gibt es einen leckeren dänischen Hot- Dog für mich und einen leckeren Burger für Anja.

         
     Hier in dieser kleinen Snackbude…                           …lassen wir uns Burger und dänischen Hot- Dog schmecken

Gegen kurz vor 4 machen wir uns langsam wieder auf den Rückweg.
Wir haben in der letzten Stunde wirklich so ziemlich alles angeschaut, sind fast alle Zentrumsgassen mindestens 2-mal durchgelaufen und entdecken nun auch nichts Neues mehr, was einen weiteren Aufenthalt lohnen würde.
Einzig vielleicht die Tatsache, dass unsere Popos laut aufschreien würden, wenn sie eine Stimme hätten, würde uns beinahe von der Heimfahrt abhalten.
Ach du dickes Ei tut uns beiden gleichermaßen der Hintern weh!
Nur sehr mühsam kommen wir in der Sonderhö vom Fleck, wagen die ersten Meter gar nicht, uns auf den Sattel zu setzen.
Erst allmählich, als der Körper zu realisieren beginnt, dass es hier zum Radeln keine Alternative gibt, legt sich der Schmerz im Gesäß und wechselt zu einem gleichmäßigen Stechen bei jedem Tritt in die Pedale.
Anja hat zwar noch versucht mich zu überreden die Räder zu nehmen, damit sie mit dem Bus fahren kann, aber ich bin doch nicht Krösus!
Als Gentleman würde ich ihr ja das Ticket spendieren und dann ein Rad zurück zum Campingplatz schieben / rollen, aber wollen wir doch mal bitte nicht vergessen, wer uns hier die Hammertour eingebrockt hat! 😉
Wir jammern uns beide noch ein bisschen gegenseitig an, wer mehr Schmerzen im Hintern hat, dann aber gehen wir die Rückfahrt doch mit etwas mehr Enthusiasmus an.
Jeder Meter, den wir uns quälen, bringt uns ja dafür auch näher an unseren wohligen Campingplatz und unser tretfreies Wohnmobil und wenn man es mal ganz genau betrachtet, haben wir ja eigentlich schon bei unserer Ankunft in Sonderhö die Hälfte der heutigen Tagesetappe geschafft und sind ja nun definitiv auf dem Rückweg.
Das motiviert!

         
     So, wir radeln wieder los, es geht zurück.                       Bis Nordby sind´s 13, bis Rindby etwa 3km weniger.

         
     Raus aus dem Dörfchen…                                                …und wieder auf weiter Flur gen Norden unterwegs.

Nach und nach kehrt dann auch ein gewisser Rhythmus ein, der uns einigermaßen aushaltbar radeln lässt.
OK, gut, wir werden zwar von so ziemlich jedem überholt, der auf einem Rad, auf Inline- Skates oder auch schon mit einem Rollator unterwegs ist, aber wir kommen immerhin vorwärts! 😉
Da wären wieder die Büsche, dann die offenen Felder und die vereinzelten Häuser am Wegesrand, die wir wiedererkennen.
Und fast könnte man meinen, dass gleich hinter der nächsten Ecke die Kreuzung kommt, wo wir endlich links abbiegen können und kurz darauf am Campingplatz sind.

Eine halbe Stunde schaffen wir es, uns damit selbst in die Tasche zu lügen.
„Jaja, gleich sind wir da, gleich kommt die Kreuzung!“
Nix da, Pustekuchen!
Fährt man so langsam und vor allem unter stechenden Schmerzen wie wir, fühlt sich die Distanz zurück in etwa doppelt so lang an, wie auf dem Hinweg!
Und so ist es kein Wunder, dass wir schon nach knapp 30 Minuten radeln die erste Pause an einer der zahlreichen Park- und Picknickbänke machen müssen, die hier immer mal wieder am Wegesrand anzutreffen sind.
Hilft ja nichts!
Wir pausieren etwa 10 Minuten, trinken was und sitzen einen Moment.
Sitzen? Doch ja!
Im Gegensatz zum Fahrradsattel kann so eine starre Holzbank nämlich erstaunlich bequem sein! 😉

    
     Eine kleine Pause, das muss jetzt einfach mal sein.

Um 20 vor 5 starten wir neu und hoffen mal, dass wir in etwa die Hälfte geschafft haben.
Umso demotivierender ist es dann natürlich, wenn wir an markanten Gebäuden oder Wegpunkten des Hinwegs vorbei kommen, die wir gedanklich schon ausgeblendet und vergessen hatten.
Ja ich weiß, wir „heulen hier gerade ganz schön rum“, wie anstrengend doch die Rückfahrt auf dem Rad ist.
Aber das ist sie ja auch wirklich!
Und wenn wir auf dem Fahrrad gelitten haben, dann müssen eben auch mal unsere Leser leiden und sich unser Gejammer anhören bzw. auch mal durchlesen.
Sorry Leute 😉
Zum Glück aber dauert der Rest der Strecke dann gar nicht mehr so lang und als ich die Pferdeäpfel auf dem Radweg wiedererkenne, denen ich definitiv ganz zu Beginn der Tour ausgewichen bin, müssen wir gleich da sein!
Und so ist es dann auch, gegen 10 nach 5 erreichen wir die Kreuzung und können links in Richtung Rindby und Campingplatz abbiegen.
Puh!
Ein letztes Mal geben wir alles in die Pedale, was noch annähernd an Energie verfügbar ist und rollen etwa 5 Minuten später trotzdem recht träge auf den Campingplatz und auf unsere Parzelle zu.
Kaum angekommen werden die Räder nur noch abgelegt, mit einem „Pflopp“ löst sich der Hintern vom Sattel.
Danach ist sofort ausruhen angesagt!

         
     Wir sind wieder zurück! Nur noch 1x links und 1x rechts…   …und schon können wir uns in die Hängematte fallen lassen!

Anja macht es sich sofort in der noch immer sonnendurchfluteten Hängematte bequem, ich hingegen haue mich für ne halbe Stunde im eher schattigen und kühlen Alkoven aufs Ohr.
Einfach mal einen Moment nichts tun, die Augen zu machen und ein wenig an der Matratze horchen. Muss ja auch mal sein. Und während ich noch darüber nachdenke, ob liegen und schlafen nach einer solchen Tour vom gesundheitlichen Standpunkt her das richtige sind, gehen bei mir die Lichter an…

Gegen halb 8 kehrt bei uns wieder Leben ein.
Die Pause war offenbar lang, aber auch mindestens ebenso nötig.
Fast hätten wir auch gleich vom Nachmittagsausruhen in den Nachtschlaf übergehen können, wenn da nicht noch 2 Bedürfnisse wären.
Das eine ist der Wunsch nach einer erfrischenden Dusche, das zweite ist schlichtweg Hunger!
Burger und Hot- Dog haben nunmal nicht sehr lange vorgehalten und ich bin eigentlich schon fast sicher, dass wir diese schon am Ortausgangsschild von Sonderhö so rein kalorientechnisch vollständig abgebaut haben dürften!
Nun also muss was Neues her.
Beide hätten wir zwar Lust auf eine leckere Pizza oder überhaupt was lecker fertig serviertes, aber wir werden ums Verrecken nicht wieder aufs Rad steigen, selbst wenn zufällig heute Abend in Nordby die beste Pizza Italiens serviert werden würde!
Nein, das geht gar nicht!
Und so schauen wir, nachdem wir das mit der Dusche erledigt haben, mal in unsere Schränke, was die Bordvorräte noch so hergeben.
Tatsächlich findet sich auch was recht brauchbares: Sauerkraut mit Speckknödel und Eisbeinfleisch, wohl verteilt auf 3 kleine Dosen österreichische Alpenküche.
Zusammen mit den Dosen und einem großen Topf spaziere ich etwas gekrümmt gehend rüber in die Luxusküche unseres Campingplatzes, um das Essen zusammen zu rühren und aufzukochen.

         
     Aus Sauerkraut, Eisbein und Speckknödel aus der Dose..    …kochen wir uns einen leckeren Eintopf zusammen 🙂

Während wir dann beim Abendessen zusammen sitzen, rechnen wir mal unsere heutige Fahrleistung aus.
Da wäre ja nicht nur die Fahrt nach Sonderhö am Nachmittag, sondern auch der Frühstücksexpress von heute früh!
Ich komme auf stattliche 30 Kilometer, Anjas 27 Kilometer können sich aber auch durchaus sehen lassen!
Etwas unschlüssig überlegen wir, ob der heutige Tag der körperlich anstrengendste des Urlaubs war, oder ob die Besteigung des Preikestolen- Felsen vor einigen Tagen in Norwegen doch anstrengender war.
Beides für sich richtige Gewalttouren, keine Frage.
Aber wenn ich es mir so recht überlege, gebe ich nach unserer Rückkehr nach Hause lieber mit dem Preikestolen an!
Hier und da trifft man ja auch einen, der davon zumindest schonmal gehört oder die Bilder im Internet gesehen hat.
Sagt man hingegen: „Du, ich bin im Urlaub von Rindby nach Sonderhö und zurück mit dem Rad gefahren!“ wird man doch eher ein Schmunzeln, Schulterzucken oder den gut gemeinten Rat bekommen, vielleicht doch mal einen Arzt aufzusuchen 😉

         
     Abendstimmung auf dem Campingplatz.                        Um halb 10 geht die Sonne unter, wir sind müde 😮

Der Sauerkraut zum vorhin verspeisten Abendbrot verfehlt übrigens seine Wirkung nicht, als wir uns gegen 22 Uhr müde und noch immer ziemlich ausgepowert zu Bett begeben.
Und als wären unsere armen Popöchen nicht schon genug gestraft, müssen diese sich nun auch noch mit ganz menschlichen Gärungsprozessen und deren Gasungen auseinander setzen!
Zum Glück aber fallen wir kurz darauf mehr in eine Art „biologische Narkose“, als in einen normalen Schlaf!
Das betäubt den Schmerz nämlich recht passabel und wir können gemeinsam gut schlafen 😉

Zitat des Tages (ich zu Anja, nachdem wir gerade die Tour nach Sonderhö in Angriff genommen haben): „WAS? Noch 7 Kilometer bis Sonderhö??? Nee, da fahre ich wieder zurück!“

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