Heute beginnt dann endlich der Urlaub! Nach dem gestrigen laaaangen Fahrtag sind es jetzt noch etwa anderthalb Stunden bis zur dänischen Grenze, wo wir unsere Rundreise mit dem Wohnwagen starten. Vorher aber machen wir noch einen Abstecher nach Husum! Das kleine Fischer- und Touristendörfchen liegt quasi auf dem Weg und etwa zur Mittagszeit dürften wir dort aufschlagen. Ein idealer Test unter Gefechtsbedingungen für die weiteren Reisetage, wie es sein wird mit einem Gespann (und nicht mit einem Wohnmobil) so nah wie möglich an eine sehenswerte Innen- bzw. Altstadt heran zu fahren, ohne sich dabei in einer Seitenstraße festzufahren! Und wenn es dann noch zum Mittagssnack ein leckeres Fischbrötchen zur Belohnung gibt, wäre ich schon vollauf zufrieden 🙂

Ich habe zwar zuhause vor unserer Abfahrt eine Dose mit Schwarzbrot und eine Packung Leicht&Cross gekauft, um genau in solchen Momenten wie diesen, abseits von irgendwo eine Grundlage für ein Frühstück zu haben, aber so richtig können wir uns dafür nicht erwärmen. Dies sicherlich auch, dass das Navi im Nachbarort Albersdorf gleich drei Bäcker ausweist, die auch an einem Sonntag geöffnet haben! Einer davon heißt, genau passend für unseren Urlaub, auch noch „Nordseebäcker“. Also wenn es da keine leckeren und knusprigen Frühstücksbrötchen für uns, einen kalten Kakao für die Jungs und mich und einen heißen, frisch aufgebrühten Kaffee für Anja gibt, dann weiß ich es auch nicht!
Wir verabschieden uns höflich von W und S und danken nochmals, dass wir bei ihnen auf Hof stehen durften. Eine Gegenleistung wollten die beiden nicht, aber als ich ihnen 15 Euro in Hand drücke, behalten sie doch immerhin 5 Euro. Den 10er gibt W an Nils zurück mit dem Hinweis „Taschengeld“. Ja, so sind Camper eben! Immerhin haben sie die 5 Euro angenommen. Dafür, dass wir herrlich gut wie verkehrsgünstig und sicher geschlafen haben und wir sogar mit Landstrom versorgt wurden, hätte alles andere ein sehr sehr schlechtes Gewissen bei uns ausgelöst.

Um 9 Uhr fahren wir aus der Einfahrt raus. Nach Albersdorf ist es nicht weit, 7km über die Landstraße Richtung Nord. Etwas irritierend ist allerdings, dass die Schilder uns mehrfach auffordern, nicht über die Bundesstraße 431 zu fahren. Die Zufahrt nach Albersdorf sei gesperrt! Da wir aber google Maps bedingungslos vertrauen und google uns anzeigt, dass man zumindest bis dicht an eine gesperrte Straße herankommt, tasten wir uns doch entgegen der empfohlenen Umleitung in Richtung Albersdorf vor. Auch das erklären wir kurzerhand als Testlauf dafür, notfalls an einer gesperrten Straße ohne Wendemöglichkeit zu enden! Dann wird sich zeigen, wie kompliziert es werden wird, den Wohnwagen abzuhängen, das Auto zu wenden, danach mittels Mover den Wohnwagen zu wenden, wieder ans Auto anzuhängen und nassgeschwitzt wie blutrot vor Scham im Gesicht gegenüber den anderen Autofahrern doch in die Gegenrichtung zu fahren.

Nachdem wir zwei weitere dringende Hinweise auf die Umleitung ignoriert haben, folgt eine Beschilderung, dass der Edeka trotz Straßensperre erreichbar sei! Edeka? Die Parkplätze dort sind in der Regel groß genug und wenn wir bis zum Edeka kommen, dann stellen wir Auto und Wohnwagen notfalls dort ab und gehen eben zu Fuß in den Ort zum Frühstücken.

Wir passieren Edeka und auch den Lidl, auf der Süderstraße geht es immer weiter bis zum Ortskern, wo auch der Nordseebäcker sein Geschäft hat. Bis kurz vor den Penny schaffen wir es, auf dem „Bürgermeister-Golz-Platz“ finden wir kurz darauf sogar ein ausreichend großes Areal, wo wir bequem nicht nur das Gespann abstellen, sondern sogar auch geradeaus rein und wieder heraus fahren können, ohne wenden zu müssen. Perfekt! Erste Feuertaufe bestanden. Mutig waren wir und es wurde belohnt. Wir stehen nur 200m vom Nordseebäcker entfernt.
Womit immer sich Bürgermeister Golz für Albersdorf verdient gemacht hat, dass sie hier einen großen Parkplatz nach ihm benennen, wir sind ihm zu ewigem Dank verpflichtet. Ohne ihn wären wir nämlich wirklich nur wenige Meter am zentrumseigenen Kreisverkehr vor einer Absperrung ohne Wendemöglichkeit gelandet…

Zu Fuß geht es zur Filiale, wo sich coronabedingt eine kleine Schlange draußen vor dem Verkaufsraum gebildet hat. Wir stellen uns brav an, kaufen dann eine große Tüte mit Brötchen. Dazu einen großen Kaffee für Anja und drei Flaschen Kakao für die Jungs und mich. Hungrig geht es schnellen Schrittes zurück zum Wohnmobil, wo wir auf Bürgermeister Golz mit Kakao und Kaffee anstoßen und uns dann die leckeren Nordseebäcker- Brötchen schmecken lassen.

Eigentlich hatten wir kurz überlegt, hier in Albersdorf auch zu tanken. So, wie wir in der Schlange beim Bäcker beäugt wurden, verirren sich offenbar nicht viele Touristen hierher. Entsprechend ist es wohl äußert unwahrscheinlich, dass die örtliche Tankstelle bereits einen Touristenaufschlag oder gar schon einen Dänemark- Bonus verlangen kann. Günstiger wird es auf dem weiteren Weg gen. Norden wohl eher nicht. Da aber unser Bordcomputer noch mutige 80km Restreichweite ausweist und wir sowieso in Husum anhalten möchten, verzichten wir auf den unsicheren Schleichweg durch die Wohnsiedlungen, um die Straßensperre zu umgehen und auf Umwegen zur Tankstelle auf der anderen Seite zu gelangen. Wir verlassen Albersdorf satt gegen halb 11 und fahren die paar Meter zurück zur A 23 gen Norden.

Die A 23 geht wenige Kilometer, nachdem wir sie unter unsere 6 Räder genommen haben, in die B 5 über. Endlich Landstraße! Die Sonne scheint, die Wolken ziehen am Himmel vorbei, das Marschland rechts und links von uns grünt herrlich und ein kräftiger Rückenwind ist unser Begleiter! Herrlich! Genau so habe ich mir das Tingeln an der Küste entlang vorgestellt und ich kann nur hoffen, dass uns das schöne Wetter weiter erhalten bleiben wird! Zwar sagt die Wettervorhersage etwas anderes und orakelt die ganze kommende Woche immer wieder Regen mit Temperaturen um höchstens 20°C, aber das war so auch für heute vorhergesagt! Statt Regen scheint wie gesagt kräftig die Sonne und die angeblichen 20°C Höchsttemperatur haben bereits jetzt 24°C erreicht, dabei ist noch nicht einmal Mittag! Ist uns in letzter Zeit schon öfter aufgefallen! Das die Wettervorhersage deutlich schlechter vorhersagt, als es wirklich wird. Bestimmt, damit die Leute in Anbetracht einer schlechten Wettervorhersage dafür entscheiden, mit dem Popo zuhause zu bleiben und keinen spontanen Tagesausflug zu unternehmen. 😉

Gegen 11 Uhr erreichen wir Husum und jetzt wird es spannend! Anja hat sich Husum bei google Maps in der Satellitenansicht von oben angeschaut und einen Parkplatz ausgemacht, auf dem eindeutig nicht nur Wohnmobile, sondern auch Gespanne zu sehen sind! Zuerst dachten wir, es sei der offizielle Wohnmobilstellplatz von Husum am Hafen, aber dieser liegt dem Parkplatz am Porrenkoogsweg vorgelagert! Laut Bewertungen bei google ist die Einfahrt zwar etwas tricky und nachts ist das Parken für Camper verboten, aber dafür liegt der Parkplatz nah am Hafen und kostet nichts. Probieren wir es aus! Wie gesagt, Aufgabe dieser Reise ist eben auch, die Rundreisetauglichkeit von Auto und Wohnwagen gegenüber dem Wohnmobil zu beweisen! Auf einen Campingplatz am Stadtrand fahren, den Wohnwagen dort abzustellen und dann mit dem Auto allein in die Stadt zu fahren kann schließlich jeder. 😉

Wir entdecken die wirklich „trickige“ Einfahrt – und rauschen erstmal in voller Fahrt daran vorbei! Mist!
Zum Glück scheinen wir nicht die ersten zu sein, denen das passiert ist. Denn kaum haben wir die Einfahrt verpasst, entdecken wir auch schon ein Schild mit dem Hinweis auf eine Wendemöglichkeit am Ende der Straße für Busse und Wohnmobile. Und wo Busse und Wohnmobile wenden können, da schaffen das auch Gespanne.

Den Parkplatz mit seiner engen Einfahrt erreichen wir kurz darauf. Dieses Mal fahren wir nicht vorbei und da die Schranke der Eisenbahn am Ende der Straße gerade geschlossen ist, haben wir auch keinen Gegenverkehr und können sofort zum Parkplatz abbiegen.
Der Platz selbst ist ausreichend groß, aber auch schon ausreichend gut besucht. Im hinteren Eck stehen ein paar Camper mit dem Wohnmobil, aber keiner mit einem Wohnwagen. Egal! Wir stellen uns selbstbewusst einfach mal dazu und müssen erkennen, dass man mit einem Wohnmobil hier super parken kann, ein langes Gespann allerdings doch deutlich über die gedachten Parkplatzbegrenzungen hinaus ragt. Fast schon mutig streckt unser Familienvan seine Nase nach vorn gleichso, als wolle er ein Wettrennen gegen die Wohnmobile um eine halbe Fahrzeuglänge gegen den fetten Liner in der Ecke gewinnen!
Mit einem abschätzenden Blick prüfen wir, ob die verbleibende Durchfahrtsbreite ausreicht. Wenn nicht gerade ein Schwertransporter auf den Parkplatz fährt, müsste es knapp reichen! Hoffen wir mal das Beste. Gegen viertel nach 11 geht zu Fuß rüber zum Hafen.

Wir haben übrigens einen eher schlechten Zeitpunkt für einen Besuch erwischt. Das Los der Nordsee! Mag sein, dass die Gezeiten mit Ebbe und Flut für die Nordsee unabdingbar elementar sind. Aber wenn das Hafenbecken eher durch Schlick und trockenliegende Schiffe statt durch schillerndes Wasser glänzt und dazu ein gewisses „Aroma“ (so eine Mischung aus Seetang, Metall, Rost und dann ist da noch etwas anderes…) über den Kai wabert, dann ist das weniger beschaulich. Klar. Aber so ist die Nordsee eben. Auf die Frage von Nils, was hier „nach Fischkacke“ stinkt, zeigt Tim einfach nur stumm in Richtung Hafenbecken.
Ja, genau DA kommt der würzige Nordseeduft her.
Aber man muss als Reisender nehmen, was das Reiseziel bietet! Einmal, zweimal, dreimal tief inhalieren! Dann hat man sich entweder akklimatisiert – oder muss kotzen. 😉

Im Hafen beginnt das wuselige, touristische Treiben, die Fischbrötchenbuden, Restaurants und Souvenirläden haben sich herausgeputzt. Hier und da wird noch sortiert und die Auslage bestückt, aber die ersten Touristen scheint das nicht zu stören. Auch wir sind entschlossen, nach unserem Rundgang durch Husum und Abschluss unseres Besuchs noch ein leckeres Fischbötchen zu genießen. Bei unserem ersten Besuch von Husum mit dem Wohnmobil haben wir zwar nicht so gute Erinnerungen an das gastronomische Fischbrötchenangebot, aber seit dieser Reise sind viele Jahre vergangen! Bestimmt hat sich die örtliche Touristenverwaltung seinerzeit gemeinsam mit den Fischbrötchenhändlern nach unserem damaligen Besuch in einer Krisensitzung zusammengesetzt und erörtert, wie man die Situation entscheidend verbessern kann! Zwar blieb die anschließende Einladung für einen Neubesuch an uns überraschenderweise aus, aber das heißt ja nichts. Vielleicht hatte man Angst vor uns, dass wir als kritische Fischbrötchentester erneut weniger zufrieden sein würden, als zum Beispiel bei unseren früheren Besuchen an der Ostsee mit dem Wohnmobil. 😉
Aber gut! Bevor wir uns dem Fischbrötchen widmen, stromern wir unscheinbar über die Hafenpromenade und stöbern wir erstmal möglichst unauffällig in den übrigen Geschäften durch das touristische Angebot.

Das kulinarische Angebot zu früher hat sich auf jeden Fall entscheidend verbessert! Überall stehen nun die Aufsteller und preisen feinste Speisen, die man mühsam der See oder vielleicht dem nächsten Großmarkt abgerungen hat. Schon früher hatte ich Freude daran, kleine Collagen mit diesen Aufstellern zu erstellen und diese quasi wie stumme Zeitzeugen aus dem Angebot vergangener Tage zu berichten. Ein Hobby, was ich gerade wiederentdecke! Mit Freude daher hier ein kleiner Streifzug durch die Angebote des Tages an einem Sommertag im Urlaub 2021, hier für das Geschichtsbuch:

Das Hafenbecken von Husum hat sich übrigens seit unserem letzten Besuch nur wenig verändert. Noch immer ist es U- förmig angelegt, noch immer findet sich ein kleiner Aussichtsturm, von dem aus man ein paar Meter erhöht einen tollen Ausblick ins Hafenbecken genießen kann. Nils, Tim und ich erklettern den kleinen Turm und machen von oben natürlich direkt ein schickes Panoramafoto:

Wir spazieren auf die andere Seite des Hafenbeckens, wo Nils wenigstens einmal das Meer anfassen möchte. Der Bereich um die Spillanlage bei den Schiffen erscheint geeignet. Aber auch nur auf den ersten Blick, denn das zurückebbende Wasser hat einen matschigen, aber vor allem rutschigen Boden hinterlassen. Nils schafft es als einziger fast bis an die Wasserlinie. Aber eben nur knapp. Dann rutscht er doch auf dem glitschigen Boden weg. Glück im Unglück landet er nicht vollends im Schlick, sondern kann sich mit einem gekonnten Seitenschritt retten. Allerdings büßt sein linker Turnschuh dabei eine herrlich blaue Farbe zu Gunsten eines eher lehmigen Matschbraungrau ein. So ein Mist. Das könnte der erste Einsatz für die Außendusche unseres Wohnwagens werden…

Wir spazieren noch ein wenig durch den Ort. Aber je weiter wir schlendern, es bringt alles nichts. Wir werden einfach nicht hungrig! Zu satt haben die Brötchen vom Nordseebäcker gemacht, zu gut gefüllt ist der Magen! Es bringt alles nichts! Heute ist einfach noch nicht der Zeitpunkt gekommen, um die Fischbrötchen- Schmach zu tilgen. Würden wir jetzt welche holen, müssten wir sie stopfen und der Genuss wäre dahin. Das will ja auch keiner! Also Husum! Aufgepasst! Wir kommen ein anderes Mal wieder und dann holen wir den Test nach. Versprochen! 😉

Gegen viertel nach 12 haben wir unsere kleine Runde durch Husum beendet. Anja hat unter Zuhilfenahme der öffentlichen Sanitäreinrichtungen am Hafenkai den Schuh von Nils wieder einigermaßen seine Farbe zurückgeben können und auch unserem Wohnwagen ist auf dem Parkplatz nichts passiert. Ein paar weitere Camper haben sich zwischenzeitlich ebenso eingefunden, aber wir sind leider weiterhin die einzigen mit einem Gespann hier, alle anderen sind Wohnmobile bzw. Kastenwagen. Ob das jetzt gut ist oder schlecht weiß ich nicht. Machen wahrscheinlich nicht so viele Camper Rundreisen mit dem Wohnwagen. Müssen sie ja aber auch nicht. Wir haben hier jedenfalls gut gestanden, nichts bezahlt und unversehrt ist der Wohnwagen auch. Abgesehen von der Ehrenrunde, weil wir vorhin die Einfahrt verpasst haben (was uns mit einem Wohnmobil übrigens nicht anders passiert wäre), hat die Feuertaufe mit einem Wohnwagengespann zu einem touristischen Ausflugsziel zu fahren schonmal geklappt!

Wir verlassen Husum und halten wieder Kurs Nord. An der Ortsausfahrt entdecken wir noch eine Oil Tankstelle, die idealerweise auch auf der rechten Seite der Straße angesiedelt ist. Mit dem Wohnmobil habe ich früher schon ungern Tankstellen links angesteuert. Jetzt dem Gespann ist das fast schon elementar. Wenden ist wie gesagt immer schwierig!
Zwar ist der Diesel hier schon teurer als vorhin in Albersdorf, aber wir müssten noch immer weit genug weg von Dänemark sein, dass hier noch kein Tanktourismusaufschlag genommen wird. Wir lassen den Tank unseres Familienvan ein weiteres Mal randvoll laufen. Dann nehmen wir endlich die B 5 Richtung Tonder unter die Räder!

Der Tag bleibt herrlich angenehm. Das Thermometer hat inzwischen sehr sommerliche 25°C erreicht und überschreitet dies sogar in der Sonne. Herrliches Reisewetter! Besonders der Rückenwind bläst uns nahezu mit Wonne gleich hin zu den Nordmännern.
Erinnerungen an unsere damalige große Fahrt mit dem Wohnmobil durch Dänemark werden wieder wach. Römö steht bereits auf den Schildern und wir erinnern uns gut an unseren Besuch auf der Insel vor einigen Jahren. Auch an Römö haben wir seinerzeit eher weniger schöne Erinnerungen. Zwar haben wir uns damals nicht die Reiselaune vermiesen lassen, aber es war nah dran! Als wir mit dem Wohnmobil an den tollen befahrbaren Autostrand fahren wollten –und prompt strecken geblieben sind! Keine schöne Erinnerung. Seit dem Tag damals habe ich nie wieder einen Strand mit dem Auto befahren und ich würde auch auf dieser Reise nicht mit dieser Tradition brechen. Allerdings habe ich den Kindern viel zu lange vom befahrbaren Strand vorgeschwärmt. Zu gern möchte ich einen Tag am Strand verbringen, während ich gleichzeitig meinen Kühlschrank und Klo in meinem Schatten habe. Und sollten wir uns wirklich auf Römö ein weiteres Mal festfahren, haben wir ja noch immer den Wohnwagen! Der Mover zieht dann eben nicht nur den Wohnwagen, sondern auch das eventuell festgefahrene Auto aus dem Sand. 😉

Das wir uns der Grenze nähern, bemerken wir spätestens in Süderlügum! Wow, ist das voll hier! Die allermeisten Gäste sind allerdings Dänen, die hier ihren Sonntagseinkauf erledigen. Ja, in Deutschland! Zwar haben die Geschäfte in Dänemark auch auf, aber in Anbetracht dessen, was hier an Alkohol, aber auch Chips und Co aus dem Laden getragen wird, scheint sich in Bezug auf die Preisgestaltung von Köstlichkeiten in Dänemark noch nicht gerade zu unseren Gunsten entwickelt zu haben. Besonders ein Däne fällt mir dabei auf, der sich 10 (in Worten ZEHN!) Tüten Funny Frisch Chips in den Wagen packt! Ja gibt es denn keine Chips mehr in Dänemark oder was? Andererseits vielleicht ist er gerade auf dem Weg zurück nach Dänemark aus einem Deutschland- Urlaub! Und so, wie ich mir aus Dänemark gerne Lakritz- Eis oder den leckeren Havarti- Käse mitbringe, schnappt der sich eben für das Urlaubsgefühl im Alltag ein paar Tüten unserer Chips. Irgendwie macht dieser Gedanke zufrieden! 🙂

Die Grenze zu Dänemark erreichen wir gegen halb zwei. Zu unserer totalen Überraschung fahren wir einfach drüber! Kein Stau, keine Kontrollen! Zur Erinnerung: Wir haben den Sommer 2021, bzw. es ist das zweite Corona- Jahr! Im letzten Jahr mussten wir diese Reise schon verschieben, da die Dänen aufgrund der Corona- Gefahr die Grenzen für Touristen kurzerhand wie konsequent geschlossen haben! In diesem Jahr dürfen wir zwar wieder, aber Erwachsene bzw. Kinder ab 15 Jahren müssen geimpft oder genesen oder mindestens getestet sein. Da Anja und ich zum Glück inzwischen beide geimpft sind und für die Jungs aufgrund des Alters keine Auflagen bestehen, hat es dieses Jahr geklappt. Was wir aber eben erwartet haben, war eine strenge Grenzkontrolle mit den dänischen Marines oder so, die jedes Impfzertifikat auf Hieb- und Stichfestigkeit überprüfen. Und nun? Nichts. Fast wie früher! Wir können es kaum glauben… 😮

In Dänemark folgen wir zunächst der Route 11 weiter nach Norden. Tondern streifen wir und lassen es links liegen. Wenige Kilometer danach biegen wir Richtung Nordosten auf die Route 25 Richtung Toftlund ab. Eigentlich sollte das Tagesziel ja Römö heißen! Strand und so. Aber das mit Römö war so eine Sache. Sehr gerne wären wir ja auf den Römö Family Camping gefahren! Den kennen wir noch von unserem ersten Besuch von vor vielen Jahren und der war voll in Ordnung. Leider hat dieser uns eine Absage erteilt, als wir für zwei Nächte einen Platz reservieren wollten! Machen sie nicht für zwei Nächte. Wir sollten einfach kommen, dann sei bestimmt schon was frei sagten sie uns. Das war uns ehrlich gesagt zu unsicher!
Nach einer abnorm langen Anreise plötzlich unvermittelt ohne Nachtplatz dazustehen ist nicht gerade das, was wir einen gelungenen Urlaubsauftakt nennen würden! Die einzige Alternative wäre der Camping Kommandogarden im Süden der Insel gewesen. Und für eine Nacht hätten wir diesen vielleicht auch genommen. Aber die Bewertungen im Internet und besonders die Bilder des Spielplatzes, die freundlicherweise andere User von google Maps geteilt haben, haben uns zurückschrecken lassen. Das wollten wir unseren Jungs nicht antun, besonders nicht für den aufgerufenen Preis! Also haben wir uns im Vorfeld ein wenig umgeschaut, was an Campingplätzen im Hinterland von Römö zur Verfügung steht und sind auf den Camping Ferieby bei Arrild gekommen. Eine kurze Mail ergab auch hier zunächst den Hinweis, dass man für zwei Nächte nicht reservieren braucht, aber als ich meine Bedenken beschrieb, dass ich eben nicht ohne Nachtplatz dastehen möchte, haben sie mir doch eine verbindliche Reservierung zugesagt. Auch mein Angebot diese auch gleich voll zu bezahlen haben sie verzichtet. Fand ich sehr nett und deswegen hat dieser Platz auch den Zuschlag bekommen. Nach Römö werden wir morgen einfach für einen Tagesbesuch rüber fahren! Mit dem Wohnwagen am Haken versteht sich. Wird sich schon eine Parzelle hier auf dem Campingplatz finden lassen, von der wir möglichst leicht Roll-on – Roll-off machen können. Was für ein Wohnmobil gilt, sollte ja wohl auch für einen Wohnwagen passen.

Um kurz nach 14 Uhr kommen wir an der Einfahrt zu stehen. Tatsächlich muss ich anerkennen, dass es die Reservierung wirklich nicht gebraucht hätte! Ja, ich wusste im Vorfeld, dass Dänemark äußerst gut mit Plätzen bestückt ist und man immer irgendwo ein Plätzchen bekommt. Aber es sind natürlich Sommerferien, Hochsaison und gerade der Bereich etwa bis Blavand ist eben bei Urlaubern auch beliebt! Da wird man eben als Deutscher schnell skeptisch und schläft einfach besser, wenn man ein Papier in der Hand hat, auf dem „Reservierungsbestätigung“ steht. Das maximale Gegenteil, eine Vollbremsung in die Entschleunigung und das dänische „Hygge“ bekommen wir sofort als Crash- Kurs serviert! Statt Hektik und 7 geöffneten Check- In Schaltern mit Autoschlange bis zur Hauptstraße stehen wir alleine hier an der Einfahrt! Dazu ist die Rezeption geschlossen und das hübsch gemachte Schild „Arrild Camping“ wackelt erhaben und mit einem leichten „Quiiick“ im Sommerwind. Herrlich!
An der Türe hängt natürlich eine Telefonnummer, die wir kurz anrufen und schon bekommen wir zugesichert, dass in ein paar Minuten jemand kommt und uns eincheckt. Das passt.

Als uns kurz darauf der Chef persönlich wie herzlich begrüßt, bestätigt sich meine Vermutung. Tatsächlich ist der Platz wirklich nur etwa zu einem Drittel belegt! Ungewöhnlich! Und vor allem unverdient! Das Einchecken erfolgt schnell und problemlos und spätestens, als wir unsere Wunsch- Parzelle 258 vorne in der Nähe der Rezeption und an der Ausfahrt eingenommen und eine Runde über den Platz gedreht haben, tun mir fast alle Nord- und Ostseecamper auf der deutschen Seite richtig leid! Wir haben die Bilder in den Facebook- Gruppen und Foren gesehen! Ausgebucht bis auf den letzten Platz! Rad an Rad! Vorzelt an Vorzelt! Maske an Maske! Selbst die ungeliebten Parzellen neben Müllstation und Chemieentsorgung sind in Deutschland in diesem Sommer 2021 belegt! Und hier? Die schönsten Parzellen, Platz ohne Ende und ein, wie es zu erwarten war, unfassbar luxuriös und edel ausgestattetes Servicehaus mit allen Schikanen! Dänemark ist und bleibt wirklich das beste Land für Campingurlaub in Europa! Nirgendwo anders sind wir bei all unseren Touren auf derart gute Serviceeinrichtungen und gehobene wie gepflegte Ausstattung gestoßen, wie hier. Der Urlaub fängt hervorragend an! Und außer uns ist kaum jemand da, die meisten anderen Wohnwagen, Dauercamper, sind unbewohnt.

Anja packt die letzten Vorräte, die wir noch im Auto verstaut hatten, nun endlich in die Schränke im Wohnwagen. Ist wie ein kleines Ritual, was die Reise durch Dänemark erst jetzt final einleitet. Die Jungs und ich drehen derweil eine zweite, erweiterte Platzrunde und statten auch dem Kobmand, dem Supermarkt gleich neben dem Campingplatz, einen Besuch ab. Zum einen, weil uns aufgefallen ist, dass uns ein Salatdressing fehlt und zum anderen, weil ich eh eine Runde stöbern mag. Und das lohnt sich! So viele schöne verschiedene Sachen! Gleich als erstes landet der leckere Matilda- Kakao im Einkaufswagen! Auch die herrlich- leckeren dänischen Brötchen entdecken wir. Auf diese stürzen wir uns dann morgen zum prachtvollen Frühstück! Auch die Jungs entdecken natürlich das Sortiment, aber anders, als bei einem Einkaufsbummel bei uns kommen sie nicht wie erwartet mit dem einen oder anderen Artikel in den Händen zurück zum Einkaufswagen. „Das ist viel zu teuer hier Papa! Ein Set Playmobil kostet über 100 Euro! Mit nur einem Auto drin! Und schau mal hier: Chips! 14 Euro für eine Tüte! Oder eine Dose Sprite! 15 Euro! Die sind doch nicht ganz dicht hier!“
Insgeheim bin ich wahnsinnig stolz auf meine Jungs, dass sie dieses Mal nicht einfach blind etwas aus den Regalen fischen, was sie haben wollen. Sondern auch daran denken, dass die Sachen ja bezahlbar sein müssen. Das der Kurs der dänischen Krone zum Euro ungefähr bei 1 zu 7 liegt und überhaupt das hier eben gar kein Euro gilt, das erkläre ich den beiden nachher auf dem Rückweg zum Campingplatz. Also vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. 😉

Wir kaufen erstaunlich wenig ein und ein bisschen ärgere ich mich auf dem Rückweg, dass ich über all dem Aufgerege über die „hohen Preise“ vergessen habe, schon jetzt den ersten Karton mit Lakritzeis zu kaufen! Ach Mist! Das wollte ich doch, nach so vielen Jahren der ungewollten Abstinenz, unbedingt haben! Aber morgen dann…

Zurück beim Wohnwagen würde ich am liebsten unter die Dusche steigen. Immerhin war es gestern schwül, heute ist es wie gesagt auch sehr warm und trotz Klimaanlage im Auto dürften diverse Deodorant- Hersteller in mir in diesem Moment ein interessantes Studienobjekt sehen! Verschärft wird die Situation natürlich auch dadurch, dass gestern Abend nur Katzenwäsche mit dem Waschlappen möglich war. Eine richtige Dusche fehlt halt in unserem alten und betagten Hobby- Wohnwagen.
Die Jungs machen mir allerdings einen Strich durch die Rechnung! Sie wollen lieber ins Schwimmbad, welches hier zu Campingplatz und Feriendorf gehört. Da wir Gäste des Campingplatzes sind, haben wir eine Ermäßigungskarte für das gleich neben dem Campingplatz befindliche Spaßbad bekommen. Die überdimensionale „Todesrutsche“ tut hierbei ihr übriges, um unsere Jungs zu locken. Also lassen wir uns breitschlagen und verbringen knappe zwei Stunden im Spaßbad mit einer der längsten Rutschen Dänemarks. Die Rutsche ist Kategorie „schwarz“, also höchste Stufe und rangiert übrigens, das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, nur knapp unterhalb einer Rafting- Tour durch die Niagara- Fälle! Hammer! Immer wieder rutschen und planschen wir. Ein herrliches Badevergnügen, von dem es leider keine Bilder gibt. Ihr müsst es uns einfach so glauben.

Nicht minder eindrucksvoll sind übrigens die übrigen Badegäste! Die Dänen! Besonders die Männer! Fast allesamt bärtige Gestalten, wie man sie vom Klischee der Barista in Berlin her kennt. Nur dicker! Und sie stemmen sich, wie ihre Altvorderen, mit immenser Kraft und Mut gegen jeden Feind! Auch gegen den neuen Feind Corona!
Fast wirken die Nachfahren der Wikinger unzerstörbar, so wie sie hier im Bad miteinander interagieren! So, wie sie sich heldenhaft nur mit ihren Körpern dem Feind entgegen werfen, wie einst Buliwyf gegen die Wendol! Immer im Nahkampf! Null Abstand und dazu Null Lüftung im gesamten Bad. Dazu schwüle Hitze im Treppenturm, der zur Rutsche hochführt. Faszinierend! Mehr wie einmal muss ich Nils und Tim zu etwas mehr Abstand ermahnen, womit ich übrigens der einzige bin, der hier im Bad darauf achtet. Jetzt könnte man vielleicht meinen, dass kein Risiko besteht, weil alle getestet, genesen oder geimpft sind. Doch das ist nicht der Fall. Ich meine OK, natürlich kann das sein. Aber derart halbherzig, wie beim Eintritt auf unser digitales Impfzertifikat geschaut wurde, kann ich mir kaum vorstellen, dass man wirklich gewissenhaft die Gefahren eliminiert.
Aber, das muss ich auch sagen: Wir sind zwar überrascht, aber nehmen das Risiko in Kauf! Aus Angst vor dem Tod kann man ja schlecht aufhören zu leben! Und die Jungs jetzt wieder aus dem überraschend doch volleren Bad heraus zu holen, als wir eigentlich erwartet hatten, das bringen wir auch nicht übers Herz. Irgendwas von der Widerstandsfähigkeit der Nordmänner wird schon auf uns übergehen. Oder es ist einfach viel lockerer, sachlicher und weniger Panikmache hier in Dänemark, als bei uns. Für uns als gerade neu hinzugekommene Gäste ist es natürlich schwierig, die Situation richtig einzuordnen. Aber ALL die Leute hier können ja auch nicht lebensmüde sein und morgen liegen alle tot im Becken oder so. Wir beschließen, unsere Skepsis und Bedenken jetzt einfach mal runter zu schlucken und den Kids so gut es geht „normalen Urlaub“ zu ermöglichen. Dafür sind wir schließlich hierher gefahren!

Gegen halb 6 geht es zurück zum Wohnwagen. Dort angekommen schnappen wir uns eine Portion küchenfertige Bratkartoffeln und ein Paket Berner Würstel. Dazu Tomaten und Gurken für einen leckeren Salat. Damit geht es rüber zum nur wenige Meter entfernten Servicehaus, welches nicht nur im Sanitärbereich mit bestmöglicher Ausstattung glänzt! Gemeinsam wird hier gekocht, gebrutzelt und der Tisch gedeckt. Familienzeit! Dann servieren wir uns das Essen und lassen es uns gut gehen. Der erste Urlaubstag gelingt heute wirklich herrlich. Selbst das anschließende lästige Spülen der Pfannen und Töpfe macht ein einem derart komfortabel ausgestatteten Servicehaus wirklich Spaß! Fehlt eigentlich nur die Spülmaschine. 😉

Zurück am Wohnwagen verstauen wir alles. Zum Abschluss des Tages drehen wir noch eine Runde über den Platz. „Patrouille“ wie Tim es gerne nennt. Nachschauen, ob alles in Ordnung ist und so. Der Spielplatz des Platzes wird dabei besonders ausgiebig von unseren Jungs inspiziert und für absolut spieletauglich befunden. Und wieder einmal kann ich nur an Deutschland denken. Hier ist wirklich alles frei! Das merkt man auch hier auf dem Spielplatz. Unsere Jungs sind lange Zeit die einzigen, die sich exklusiv über Spielgeräte und die trotz später Stunde noch immer luftgepowerte Hüpfmatte hermachen können…

Zurück am Wohnwagen machen wir uns bettfertig. Die Schatten sind lang geworden! Hier im Norden geht die Sonne wirklich später unter und macht den Abend angenehm. Klar, das hier ist noch nicht das Nordkap, wo im Sommer die Sonne gar nicht untergeht, aber immerhin! Als es gegen 23 Uhr dann aber doch endgültig dunkel wird, wird es nicht nur dunkel, sondern stockefinster! Die Luft hat sich, nach einem Gewitter während unseres Schwimmbadbesuches, doch merklich abkühlt. Jetzt, am Abend, ist sie herrlich frisch! Wir werden bestimmt super schlafen! Drückt uns gerne die Daumen, dass wir morgen für den Strand einen ebenso schönen Tag erleben dürfen, wie heute.

 

Fazit des Tages – So gut läuft unsere Rundreise mit dem Wohnwagen:
Heute waren wir mit dem Gespann buchstäblich mit einer Nasenlänge gegenüber den Wohnmobilen voraus! Auf dem Parkplatz am Hafen von Husum konnten wir nur quer zur Fahrtrichtung parken, sodass die Nase unseres Zugfahrzeugs als weitestes Fahrzeug nach vorn und zwischen den Wohnmobilen heraus ragte. Gepasst hat es dort dennoch. Wie schon am Vormittag zum Frühstück auf dem Dorfplatz. Heute, am Tag 2 und ersten „echten“ Reisetag, standen wir mit unserem Gespann den Wohnmobilen in nichts nach. Und selbst die Parzelle hier auf dem Campingplatz ermöglichst uns morgen früh, für den Trip an den Autostrand von Römö, einfache geradeaus rauszufahren. Läuft also! So darf es gerne bleiben… 🙂

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